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Ich und Du= WIR

Emmi wird langsam blind





Wie? Ein blinder Hund? Das ist doch Tierquälerei... oder nicht?
Auch ein blinder Hund hat Freude am Leben, wenn ihn sein Besitzer läßt. Immer nur an der Leine, unbeachtet und ohne jede Erziehung ist natürlich auch der blinde Hund unglücklich. Aber wenn Sie Zeit für ihn haben, sich mit ihm auseinandersetzen und ihm helfen, sich in der Welt der Gerüche und Geräusche zurecht zu finden, wird auch ein blinder Hund ein schönes Leben haben. Natürlich sollten Sie nicht ständig umziehen oder ihn immer wieder woanders abgeben, um in den Urlaub zu fahren. Sie sollten auch Ihre Wohnung nicht jede Woche neu dekorieren und die Möbel umstellen. Wenn Sie Ihren blinden Hund häufig in der gleichen Gegend ausführen, mit ihm sprechen und Kommandos wie "Stop" oder "Spring" einüben, wird er sich auch ohne Leine gut zurecht finden. (Fernab von Straßen!!!) Natürlich kann er mal stolpern, aber das bringt ihn nur dem Ziel näher, alle Hürden und Hindernisse in seiner Umgebung kennenzulernen. Das nächste Mal paßt er an der Stelle besser auf. Im eigenen Garten, der eigenen Wohnung kann er toben wie jeder andere Hund, weil er jedes Hindernis genau kennt. Auch auf seiner täglichen Runde, wird es schnell so sein. Hunde spüren Vibrationen, hören sehr gut und erkunden die Welt mit der Nase. Vermutlich kommt ein blinder Hund besser zurecht als ein blinder Mensch. Also geben Sie Ihrem Hund eine Chance!


Ich und Du= WIR



Ein schlechter Start

Monas Geburt fand an einem sonnigen Mittwoch im Oktober statt. In dem kleinen Stall, der wohl früher mal als Schweinekoben diente, war jetzt eine Batterie Hundeboxen eingebaut. Von der Oktobersonne war in dem trüben Zwielicht des niedrigen Stalles wenig zu sehen. Draußen war es trotz der Sonne schon recht kühl und drinnen im Stall war es feucht und klamm. Deshalb war die Geburt an diesem Ort und damit Abschied von Mutter gemütlicher Wärme ein trauriger Start ins Hundeleben.
Zusammen mit einem Schwall Fruchtwasser glitt Mona ins schmutzige, feuchte Stroh, das im Stall als Einstreu diente. Mit der Routine einer erfahrenen Mutter, die schon unzählige Kinder zur Welt gebracht hat, trocknete Monas Mutter Rhani das nasse Fellchen und nabelte ihr Kind ab. Dann sank sie erschöpft auf die Seite. Nachdem die kleine Hündin eine Weile Kräfte gesammelt hatte, begann sie, blind und taub wie alle Hundewelpen, aber bereits mit einem ausgezeichneten Geruchssinn ausgestattet, nach Mamas Zitzen zu suchen. Nur ein weiteres Hundebaby befand sich dort bereits, ein großes Gedränge um die Milchquellen gab es also nicht und Mona begann genüsslich zu saugen.
Als der Abend dämmerte, ging die Stalltür auf und ein hagerer, älterer Mann und seine grauhaarige, schmalgesichtige Frau betraten den Stall. Im Stall brach sofort ein ohrenbetäubender Lärm los. Alle anwesenden Hunde bellten und jaulten. Das Paar brachte einen großen Eimer mit übelriechenden Resten, die das Hundefutter darstellten, mit sich und gaben in jeden Zwinger einen Napf voll. Die hungrigen Hunde machten sich sofort über ihre Mahlzeit her. Nur Rhani war noch zu schwach. Sie hob nur traurig den Kopf und leckte einmal über ihre Welpen. "Sieh mal," sagte die Frau, " Rhani hat ihre Jungen bekommen." "Wieder nur zwei!" antwortete der Mann mit verärgert klingender Stimme. "Das ist nun schon das dritte Mal, dass sie uns so kleine Würfe bringt. Wenn diese beiden alt genug zum Verkaufen sind, werden wir Rhani durch eine jüngere Hündin ersetzten. Frisst, kostet Platz und bringt keinen Gewinn, dieser Hund!"
Klein Mona wuchs mit jedem Tag und auch ihre Mutter kam ganz langsam wieder zu Kräften. Am 10.Tag öffneten die beiden jungen Hunde, die auch schon hören konnten, ihre Augen. Monas Bruder Florian war erstaunt, als es auf einmal hell um ihn wurde. Am nächsten Tag konnte er auch schon die ersten Schemen erkennen. Um Mona blieb es trotz geöffneter Augen dunkel. Sie war blind. Doch Mama als Futterquelle fand sie dank ihrer Nase problemlos und in der engen Box gab es keine unvorhergesehenen Hindernisse. Deshalb verlief Monas Entwicklung zu einem struppigen, glanzlosen kleinen Hundchen unauffällig.
Als die beiden Welpen 6 Wochen alt waren, kam der Mann mit einer großen Kiste in den Stall. In diese wurden Mona, Florian und 4 Hundbabys aus einer benachbarten Box gesetzt und dann in ein Auto gebracht. Das laute Bellen der anderen Hunde im Stall und das Jaulen der beiden Hundemütter nach ihren Kindern konnten die Kleinen hören, bis sich mit einem Knall der Kofferraumdeckel über ihnen schloss.
Dass das Wimmern ihrer Mutter nicht mehr lange anhielt, konnten die Geschwister zum Glück nicht ahnen. Sie wurde kurze Zeit später von der grauhaarigen Frau aus dem Zwinger geholt, ihrem traurigen freudlosen Leben wurde ein ebensolches Ende gesetzt.
Die Fahrt machte den Sechsen Angst. Alle waren nur das Zwielicht im Stall, immer die gleichen Geräusche und ihre enge Box gewohnt. Der Krach des Automotors, das Rattern und Rütteln führte dazu, dass sich die Hündchen eng aneinander drängten.
Die Reise endete vor einem großen Zoogeschäft, in dem der Mann mit dem Besitzer schnell handelseinig wurde. Hier hatten sich zwei schwarze Schafe ihrer Zunft gesucht und gefunden. Sie machten dauernd miteinander Geschäfte und hielten sich deshalb nicht lange auf. Die Welpen wurden in eine neue Box umgeladen. Der Boden war mit Sägemehl ausgestreut und in der Ecke stand ein Karton als Nest. Mona konnte davon nichts sehen und war deshalb noch verunsicherter als die anderen. In ihrer ewigen Schwärze war es die Gleichförmigkeit gewesen, die ihr Sicherheit gab. Jetzt waren um sie herum so viele fremde Geräusche und Gerüche. Sie hörte Zwitschern und Miauen, das Scharren von Kleintieren und viele Menschen. So dauerte es bei ihr erheblich länger, bis auch sie, von dem Stress und der Aufregung ermüdet, in einer Ecke, wieder dicht an den Bruder mit dem vertrauten Geruch gekuschelt, einschlief. Die nächsten Tage empfand Mona als fürchterlich. Tagsüber waren immer viele Personen um die Hundebox herum. Ständig griffen Hände nach ihnen, um die niedlichen Hundebabys zu streicheln und hochzuheben. Die anderen Welpen passten sich der Situation relativ gut an und gewöhnten sich an das Gegrabsche. Ja, als sie merkten, das diese fremden Menschen oft freundlich waren und weil sie die Liebe ihrer Mutter vermissten, drängten sie sich sogar nach dieser Berührung. Und so wurde die kleine Box schnell leerer, die Hundchen verkauften sich gut.
Mona erahnte den Griff der Hände, die meist plötzlich von oben kamen, in dieser Geräusch- und Geruchsvielfalt oft nicht. Deshalb erschreckte sie sich jedes Mal fürchterlich und zog sich immer weiter zurück, wenn sie wieder Menschen nahen hörte. So war es kein Wunder, dass sie als letzte übrig blieb.
Einsam und ängstlich saß sie in der Box, bis eines Tages ein Paar am Schaufenster des Zooladens vorbei ging. Der Mann war nicht mehr jung, mit schütterem Haar, klein und rundlich. Die Frau war schlank, sehr blond und erheblich jünger. Mit einem entzückten Aufschrei blieb sie stehen. "Da, wie süß, ein Hundebaby! Das möchte ich haben, lass uns rein gehen!" "Aber Liebling," sagte der Mann "was willst du mit einem Hund? Wir wollten dir etwas Hübsches kaufen, einen Ring oder eine Uhr, aber doch kein Tier!" "Ich bin so viel allein." schmollte sie: "bitte".
So ging Mona in einer frischgekauften, teuren Hundetransportbox, einem neuen,mit Strass besetzten Halsbändchen erneut auf die Reise. In der eleganten Wohnung niedergesetzt, wusste Mona gar nicht, wohin sie sich schnell verkriechen sollte. Das hohe, lockende Rufen der neuen Besitzerin erschreckte sie nur. Sie rannte los und stieß bereits kurz darauf schmerzhaft mit einem Stuhlbein zusammen. Entsetzt bog sie rechtwinklig ab und warf beim nächsten Zusammenprall eine Bodenvase um. Dann war sie unter einem Schrank, hinter und neben sich Wand, eine kümmerliche Sicherheit. Als sich Schritte in Stöckelschuhen näherten, eine fordernde Stimme nach ihr rief und sie auch noch merkte, das die Frau versuchte unter dem Schrank nach ihr zu greifen, machte die kleine Hündin vor Schrecken unter sich.
Bereits am nächsten Tag ging es wieder auf die Reise. Diesmal war das Tierheim das Ziel. Dort wurde Mona mit Beschreibungen ihrer Dummheit und Trotteligkeit abgegeben.
Die tiererfahrenen Menschen im Heim wussten das verschreckte Hündchen schon nach kurzer Zeit aufzutauen. Dabei wurde auch schnell die Vermutung über ihre Blindheit gemacht. Ein Besuch in der Tierklinik bestätigte die traurige Diagnose, auch deren Unheilbarkeit. In der liebevollen Obhut der Tierpfleger gewann Mona Menschvertrauen und Fröhlichkeit. Sie wurde so rundlich wie es sich für einen Welpen ihres Alters gehört , und das Fellchen begann zu glänzen.
Diesmal wurde Mona von ihrer neuen Familie mit Bedacht ausgewählt, darauf achtete auch die Tierheimleitung. Ein junges Ehepaar, mit einem ruhigen, mittelgroßen Mischlingsrüden verliebte sich in das blinde kleine Hundemädchen. Sie nahmen es mit nach Hause. Nach einigen Tagen kannte Mona die Wohnung genau, sie war aufgeweckt und setzte Nase und Ohren anstelle der Augen ein. Caro, ihr neuer Hundefreund half ihr sehr. Oft heftete sie sich vertrauensvoll an seine Fährte. Im Schlaf kuschelte sie sich an ihn, oder, wenn möglich, bei den neuen Besitzern auf das Sofa oder den Schoß.
Bereits als Mona ein halbes Jahr alt war, konnten Besucher oft gar nicht glauben, dass dieser Hund blind sein sollte, so fröhlich, ausgelassen und völlig sicher sprang sie durch die Wohnung. Das gefundene Vertrauen zu ihren Menschen ließ sie auch an der Leine zügig und sicher mitlaufen. Nur alleingelassen in fremdem Gelände merkte man noch ihr Stocken und Stolpern. Dank tierlieber Menschen und ihres ihr eigenen fröhlichen Naturells, hat sich Monas Leben trotz des schlechten Starts und der Behinderung doch noch zu einem glücklichen Hundedasein entwickeln können.


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