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Artikel aus der Zeitschrift "dogs", Heft 1/2008, Seite 134 + 135
Die Niederlande handeln strikt: Seit 1993 werden hier Pitbull-Terrier, deren Kreuzungen sowie Hunde mit pitbullähnlichen Merkmalen ohne FCI-Stammbaum beschlagnahmt. Autorin Dr. Barbara Wahrdeck-Mohr weiß: Auch URLAUBERHUNDE werden einbezogen. Es reicht aus, dass Inspektoren die Merkmale VERMUTEN!!! ALLEIN 2006 STARBEN 461 LAGER-HUNDE!!!

DIE UNBARMHERZIGKEIT beginnt gleich hinter der Grenze und klingt wie ein Kampfansage: "Wenn wir sie finden, vernichten wir sie!" Nach dem so formulierten Motto eines Projektleiters der Polizeihundeführer Amsterdam besteht eine ähnliche Rechtslage auch in Frankreich (siehe Kasten unten). Hintergrund für die Regelung in den Niederlanden, die kein Gesetz darstellt und im Ermessen der Provinzen und Städte liegt, waren tödliche Beißvorfalle mit Pitbulls.

REINE WILLKÜR?

Fielen der Regelung des RAD (Regeling Aggressieve Dieren) im Jahre 2000 insgesamt 50 Hunde zum Opfer, so stieg die Zahl der getöteten Hunde im Jahr 2004 auf 197. Im Jahr 2005 waren es bereits 348 und 2006 sogar 461 Hunde, die so ums Leben kamen. Von den beschlagnahmten Hunden, die in geheim gehaltenen Lagern untergebracht werden, haben etwa 10 Prozent eine geringe Chance, über einen Gegengutachter, in seltensten Fällen aber durch staatliche Inspektoren (AID) wieder frei zu kommen.

Die fachliche Kompetenz der Inspektoren, darunter auch ehemalige Polizisten, wird von Fachleuten bezweifelt (siehe dazu www.davids-revenge.de). Zwar können Gegengutachter über den Rechtsweg von betroffenen Hundehaltern bestellt werden, die nach Monaten aus den Lagern lebend entlassenen Hunde sind meistens aber schwer krank, wie die Aufzeichnungen betroffener Hundehalter belegen. Die genaue Arbeit der Gegengutachter sowie Informationen zum RAD wurden DOGS vor dem Hintergrund der politischen Abschirmung der Niederlande nur über geheime Wege zugänglich.

In den Niederlanden breitet sich eine Welle der Angst vor dem Zugriff durch Polizei und Inspektoren (AID) bei den betroffenen Hundehaltern aus. "Wir selbst haben von diesem Elend Ende 2006 erfahren und waren geschockt. Wir haben keine gültigen Papiere für unsere Tiere", beschreibt eine holländische Hundehalterin mit zwei aus einem Tierheim stammenden American Staffords ihre Situation. "Nur weil Hunde keinen FCI-Stammbaum haben, wird ihr Leben einfach ausgelöscht!"

DIE ANGST BLEIBT

Bei unserem Telefonat berichtet die Frau fassungslos (ihr Name wird auf Wunsch nicht genannt). Aus Angst vor der Beschlagnahmung ihrer Hunde verlässt sie mit ihnen nicht mehr das Haus und den Garten. Auch das Bangen vor einer Anzeige durch die Nachbarschaft wächst, denn sogar Hausdurchsuchungen sind in den Niederlanden inzwischen üblich, wenn es um diese Hunde geht.

Auf die Frage nach notwendigen Tierarztbesuchen erfährt man, dass sie entweder einen deutschen Tierarzt kommen lassen müssen oder heimlich über die Grenze fahren, um ihre Tiere bei einem Veterinär im Nachbarland zu untersuchen. Der Grund: Die Niederländische Tierambulanz würde Anzeige erstatten, was die sofortige Beschlagnahmung der Hunde zur Folge hätte.

Die Lager, in denen die Hunde dann anonym, ohne jeden Kontakt zu ihren Haltern, untergebracht werden, rufen nicht nur Tierschützer auf den Plan (siehe www.ukce.nl, www.davids-revenge.de, www.medien-loewisch.de). Fotos aus den Lagern, die heimlich aufgenommen wurden und hier aus Respekt vor der Kreatur nicht veröffentlicht werden sollen, zeigen Hunde in ihren Exkrementen in dunklen, unbeheizten, engen Zwingern ohne Matten und Decken. Die Inhaftierten sind mangelhaft ernährt, haben keinerlei Auslauf, dafür Infektionserkrankungen, Entzündungen und weisen nach vorliegendem Bildmaterial schwere Verletzungen auf. Insiderberichten zufolge sind die Lager-Hunde meist völlig apathisch. Es gibt offenbar keine Hinweise auf tiermedizinische Versorgung für die Lager-Hunde. Nicht nur die Fotos von gefangenen Tieren, auch Insiderberichte deuten auf schwer misshandelte, erblindete Hunde (wahrscheinlich durch Pfefferspray), auf Tiere mit Verletzungen am Kopf, am Hals oder an den Läufen. Auch von abgeschliffenen Zähnen wird berichtet. Ein betroffener Niederländer erinnert sich: Sein Hund wurde am 31. Mai 2007 beschlagnahmt und aufgrund eines Gerichtsbeschlusses zwei Monate später schwer krank aus dem Lager zurückgebracht. "Wir waren beim Tierarzt: Unser Hund hatte eine Gehirnentzündung, wahrscheinlich durch Schläge auf den Kopf, er hatte hohes Fieber, wunde Stellen, Durchfall und eine Darmentzündung. Wir werden zu einem deutschen Tierarzt gehen, um die Ursache feststellen zu lassen. Wenn der Lageraufenthalt Ursache für all das ist, gehen wir zum Gerichtshof!"

Aufgrund einer Anzeige durch Nachbarn verlor eine Familie in Rotterdam ihre vier heißgeliebten Staffordshire Terrier an einem Tag. "Am 26. Oktober 2006 hat der Richter beschlossen, dass sie eingeschläfert werden mussten, weil sie keine gültigen Papiere hatten. Nach vielen Telefonaten mit der AID, die nicht einmal mehr wussten, wo die Hunde waren, wurden meine Tiere am 29. 11. 2006 getötet", schildert die Betroffene. "Danach wurden sie ins Krematorium gebracht, und wir machten die schockierende Entdeckung: Sie hatten Wunden an Pfoten, Bauch und Schnauze. Die Vorstellung, dass unsere Hunde vier Monate lang so schlecht behandelt wurden, tut sehr weh." Andere Lager-Hunde warten zurzeit auf ihren Prozess. Wie Odin, der im Februar 2007 als sieben Monate altes Pitbullkind durch ein Polizeiaufgebot von seiner Halterin beim Spaziergang im Park getrennt wurde. Nun geht auch Odin in Berufung.

CHANCE AUF BESSERUNG?

Im Sommer 2007 wurden anlässlich der Anhörung bei der 2. Kammer in Den Haag zum Stand der Evaluierung beim RAD von Tierschützern 40.000 Protestunterschriften an die zuständige Ministerin Gerda Verburg übergeben. Dabei wurde die Annahme der gesammelten Futterspenden, Wundsalben, Medikamente, Decken oder Spiele für die Lager-Hunde strikt verweigert. Offenbar erkennt Ministerin Verburg die Emotionen in der Bevölkerung. Aber sie bedauert auch, dass in die nur inoffiziell bekannten Lager eingebrochen wird, um Hunde zu befreien. Dabei werden die Lageraufseher zuweilen auch bedroht. Zahlreiche Anschreiben und Protestbriefe an die Ministerin blieben inhaltlich unbeantwortet. Nach jüngsten Umfragen in den Niederlanden sind unter den Abgeordneten 83 Prozent für die sofortige Freilassung der Hunde bzw. für die Aufhebung der Pitbull-Diskriminierung.

DER KAMPF IM COMIC

David, ein geflüchteter Lager-Hund, gilt derzeit als Protagonist für die Tierschutzbewegung gegen die Tiertötungen in Holland. Seine Erlebnisse und die der anderen LageHunde werden demnächst online in einem Comic erzählt (Vorankündigung im Internet auf www.davids-revenge.de). Die Geschichte soll in mehrere Sprachen übersetzt werden. Spiritus rector für Planung und Umsetzung sind der deutsche Werbefachmann und Mediziner Manfred Heise und der Journalist Peter Löwisch, die einen ausgebrochenen Lager-Hund zur Galionsfigur stellvertretend für das Martyrium der anderen Hunde ins Leben riefen.

Bleibt zu hoffen, das Comic-Hund David die Ministerin überzeugt. Bislang jedenfalls gibt es keine sichere Möglichkeit, einen beschlagnahmten Hund wiederzubekommen - auch nicht durch Gegengutachter. Fälle, in denen dies erreicht wurde, reichen von Kautionszahlungen von 16.000 Euro bis zu einer erfolgreichen anwaltlichen Vertretung vor Gericht. Die RAD aber entzieht sich Wissenschaftsstandards und ethischen Prinzipien. Und es stellt sich die Frage: Hätten die Niederlande, in denen selbst Amtstierärzte fehlen, und vor dem Hintergrund der RAD im Frühjahr 2007 überhaupt eine Artenschutzkonferenz ausrichten dürfen?

Die Regelung der Niederlande ist zutiefst inhuman, weil sie Hunde tötet, ohne dass von ihnen Beißvorfälle bekannt sind. Es scheint, als hänge das Hundeleben derzeit eher vom Kräftemessen zwischen Politik und Protestbewegung ab. Noch widersetzt man sich im Landwirtschaftsministerium gegen die fachlich fundierten Argumente aus dem In- und Ausland. Wie lange? Es wird tatsächlich eine Frage der Zeit sein - und eine des Geldes: Viele Urlauber weichen bereits jetzt nach Belgien aus.

INFOBOX:

Das sollten Hundehalter vor der Reise in die Niederlande wissen

Sie brauchen unbedingt gültige Papiere
In die Niederlande sollten Urlauber und Durchreisende mit ihren Hunden nur fahren, wenn FCIPapiere für ihre Tiere vorliegen - besonders wichtig bei Mischlings- und Tierheimhunden. Selbst einem Labrador-Mix könnten im Ernstfall Pitbullinerkinale durch den AID zuerkannt werden.
Im Notfall sollten Sie sofort einen niederländischen und deutschen Anwalt beauftragen, Kontaktadressen am besten schon vor der Einreise besorgen. Ohne Anwalt sollten Sie keine Papiere wie die Übereignung des Hundes an die Niederlande unterschreiben. Alle gültigen Rechtsmittel sollten Sie unverzüglich, auch über Eilanträge, einlegen.

Legen Sie nachdrücklich Protest ein
Bei Beschlagnahmungen von Hunden lassen Sie sich den Namen des Inspektors und seines Vorgesetzten geben. Weisen Sie auf die Möglichkeit hin, die Sache rechtlich vor dein Europäischen Gerichtshof überprüfen zu lassen. Nehmen Sie Kontakt mit geeigneten Medien im In- und Ausland auf, außerdem mit Tierschutzorganisationen wie PETA und IWAF oder mit dem Generalkonsulat in Den Haag bzw. der Deutschen Botschaft, Tel. 0031-70-342-0634. Weitere Infos finden Sie im Internet:
www.ukce.nl, www.davids-revenge.de, www.dogs-with-spirit.com, www.planet.nl

Auch in Frankreich droht Gefahr
Ähnlich wie in die Niederlande verfährt der französische Gesetzgeber bei bestimmten Hunderassen. Die Einreise mit Hunden ohne Zuchtbuch ist für folgende Rassen ausnahmslos verboten:
Pitbulls, Doggen, Mastiffs, Boerbull (doggenähnlich), Staffordshire und Ameriean Terrier, Tosa Inu. Aufgrund dieses Gesetzes können diese Hunderassen auch in Frankreich beschlagnahmt und getötet werden. Rottweiler und deren Mischlinge benötigen neben einem Abstammungsnachweis einen Heimtierpass, der sie als Wach- und Schutzhund (gemäß der französischen Gesetzesgrundlage) bestätigt und vor der Inhaftierung schützt. Die genannten Hunderassen sowie ihre Mischlinge dürfen nur von Personen ab 18 Jahren geführt werden. In Frankreich gilt zudem absoluter Leinen- und Maulkorbzwang.

Gesetzestexte nur im Original
Fundhunde, die mutmaßlich zu diesen Hundegruppen zählen, werden ungeachtet ihres Alters in Auffangstationen getötet. Die in Deutschland veröffentlichten Bestimmungen zur Einreise mit Hunden nach Frankreich sind unvollständig und fehlerhaft. Daher müssen Sie sich mit dem Originaltext auseinandersetzen.
Falsche Einreiseinformationen können für Ihren Hund tödlich sein!


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