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Der einsame Bilbo

Es wird die Zeit kommen, da das Verbrechen am Tier genauso geahndet wird, wie das Verbrechen am Menschen.

Bilbo ist tot. Er ist friedlich in meinen Armen eingeschlafen, mit einem Gefühl der Nähe und der Wärme, die er solange vermißt hat. Im Tod sah er ganz jung aus und schön.
Ich weine noch jetzt manchmal um ihn. Irgendwie habe ich ihn verstanden. Für ihn war nicht der Hunger und der Schmerz das schlimmste, sondern die Einsamkeit. Im Tod hat er einen Menschen gehabt der für ihn da war und deshalb ist er in Frieden gestorben.
Er ist immer wieder zu jenem Rasenstück zurückgekommen und hat gewartet, Tag für Tag, genau ein Jahr. Welcher Mensch kann einen alten Freund dermaßen verraten?
Als ich ihn das erste mal sah, humpelte er auf drei Beinen die Straße in Cardona herunter. Sein Gang war gequält und ungleichmäßig, sein Körper mit einem zottigen braunen Fell behangen, sein Gesichtsausdruck verzweifelt und ängstlich. Trotzdem hatte sich auf den Weg in die Stadt gemacht, um wohl nach etwas eßbaren zu suchen.
Ich sah ihn, registrierte ihn als armen alten Streuner und vergaß ihn wieder. Als ich ihn zwei Tage wieder sah, nahm ich mir vor, den Hund zu beobachten und ihn zu füttern. Er war ein Bild des Jammers und des Elend. Sein Gang hatte sich verschlechtert und jede Bewegung bedeutete Quälerei. Er wirkte jetzt steifer und noch unbeweglicher.
Wo er wohl herkam? Was hatte der Hund für eine Geschichte?
Wieder vergaß ich ihn, dann wurde es kalt. Nachts sank die Temperatur weit unter den Gefrierpunkt und ich dachte mehrfach vage an den alten Hund, der nun der Kälte ausgesetzt war. Sicher hatte er großen Hunger.
Als ich mit meinen Hunden eines Nachmittags spazieren ging, lag er bewegungslos in der Sonne auf einem ungenutzten Feldstück am Ortsausgang von Cardona. Eigentlich sah ich nur sein zottiges braunes Fell und war überzeugt, daß er tot war.
Siedendheiß durchschoß es mich schuldbewußt: hatte ich nicht vorgehabt ihn zu füttern, wie habe ich ihn nur vergessen können? Eingefallen und leblos lag er da. Entsetzt band ich meine Hunde an und trat zu ihm, redete auf ihn ein und hockte mich schließlich zu ihm. Er mußte tot sein. Dann aber, als ich die Hand ausstreckte und ihn sanft berührte, zuckte er zusammen und schreckte hoch. Ich sah in ein Paar ängstlicher, verwirrter aber wunderschöner Hundeaugen, hell und klug. Ich redete auf ihn ein und glaubte doch zu wissen, daß er mich nicht hören konnte. Er hatte auf meine Rufe nicht reagiert, wahrscheinlich war er fast taub. "Ich werde dir Futter bringen, das schwöre ich dir!", sagte ich und sagte es zu mir, empört über mich selbst. Ich ging zurück, ohne den Hund angefaßt zu haben. Sein Körper war ganz steif und leblos, nur seine Augen sahen mir verwundert nach.
Später als es dunkel war, kam ich zurück, doch der Hund war nicht da. Mittlerweile war es klirrend kalt und die Sterne funkelten im schwarzen spanischen Himmel. Ich stellte ihm die Fleischkonserve in einer Aluschale dort hin wo er gelegen hatte, am nächsten Tag gegen Mittag besuchte ich die Stelle wieder. Die Schale war leer und der Hund lag wieder wie tot in der Sonne. Ich dachte, er sei über Nacht erfroren, doch als ich mich zu ihm hockte, schreckte er wieder hoch. Ich hielt ihm Hundefutter unter die Nase und er fraß gierig, schlang alles völlig verhungert herunter und sah mich dabei erstaunt und dankbar an. Nun wagte ich auch seinen Kopf zu streicheln und er ließ es geschehen. Dennoch glaubte ich zu fühlen, daß es ihm völlig egal war, ob er gestreichelt wurde oder nicht. Etwas hatte den Hund verlassen, was ich von allen Hunden kannte. Vielleicht war es so etwas wie Hoffnung auf eine bessere Zeit, eine sanfte Hand konnte ihm auch nicht zurückgeben, was er verloren hatte ...
Ich nannte den Hund Bilbo. Bilbos Zustand war für mich sehr schrecklich. Eine ganze Woche besuchte ich ihn Tag für Tag, fütterte und streichelte ihn. Wenn er mich kommen sah, begann sein Speichel zu laufen. Also verband er mich mit Futter und Futter war Überleben. Nachts dachte ich daran, daß der arme kranke Kerl schutzlos der Kälte ausgeliefert war, doch ich konnte nichts für ihn tun. Ich wohnte hier im Elternhaus meines Freundes und wir hatten selbst vier Riesenhunde.
Ins Tierheim bringen konnte ich ihn nicht, denn sie nahmen diesen alten kranken Hund sicher nicht auf. Wenn schon so viele junge gesunde Hunde aus der Tötungsstation von Manresa eliminiert wurden ... für den armen Hund wäre es wahrscheinlich gnädiger, eine Todesspritze zu bekommen, doch wie sollte ich ihn zur Tierklinik nach Manresa bekommen? Kein Tierarzt würde sich die Mühe machen, ihn auf seinem Wiesenstück zu besuchen, um ihn hier zu erlösen. Ich war völlig ratlos.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Bilbo mein Herz noch nicht wirklich erreicht, genauso wenig wie ich das seine erreicht hatte. Ich hatte großes Mitleid mit ihm und für ihn bedeutete ich Futter und Überleben. Mit meinem Freund besuchte ich am Sonntag den armen Bilbo und er war genauso schockiert von seinem Zustand wie ich. "Wie schrecklich für dich, wenn du jeden Tag damit rechnest, ihn erfroren vorzufinden und wie schrecklich für den Hund, der beißenden Kälte schutzlos ausgeliefert zu sein ... Für ihn wäre es sicherlich besser, erlöst zu sein. Er läuft schon solange hier herum, doch jetzt kann er ja nicht einmal aufstehen. Mein Vater hat ihn dann und wann gefüttert ..." Was sollte ich nur tun? Ich überlegte hin und her und wußte keine Lösung. Am nächsten Tag war es wärmer und dem Hund ging es etwas besser. Er hob den Kopf wenn ich kam und sah mir erwartungsvoll entgegen.
Irgendwann mußte es ein wunderschöner Hund gewesen sein, ein Collie-Schäferhundmischling mit dichtem langen Fell. Wie alte er wohl war? Wie sah seine Geschichte aus? Am nächsten Tag sah ich vormittags zufällig aus dem Fenster, als Bilbo unten die Straße entlang wankte. Es war schrecklich anzusehen, wie sehr er sich quälte, und doch war er aufgestanden und versuchte auf drei Beinen, die ihm aber auch nicht wirklich gehorchten, zur Innenstadt zu laufen.
Aufgeregt griff ich in meine Hundefuttertüte und eilte die Treppe herunter auf die Straße. Bilbo sah mich so verwundert an, daß er sich vor Schreck hinsetzte und auch nicht mehr auf die Beine kam, als ich wieder fort ging. Ich fütterte ihn und er hatte einen Blick im Gesicht, der zwischen Wonne und Fassungslosigkeit hin und her schwankte. Lange sah er mir nach, doch in seinem Blick stand nun auch Wärme und Freundlichkeit. Er schaute noch lange auf das Haus in dem ich wieder verschwunden war, erst viel später schaffte er es, sich zu erheben und weiterzulaufen. Dabei hatte er seinen Körper sowenig unter Kontrolle, daß er immer wieder aus dem Gleichgewicht kam und einmal fast gegen ein fahrendes Auto gefallen wäre. Nur um Bruchteile von Millimetern entging er dessen Rädern, doch der Fahrer bremste nicht. Ich beobachtete den Hund von oben und wandte mich darauf hin ab, da ich das Bild des Leidens einfach nicht länger ertragen konnte.
Am Dienstag besuchte ich meine Freundin Heidi, die Vorsitzende des Tierheims Manresa, und erzählte ihr von Bilbo. "Dann laß ihn doch auf Kosten des Tierheims einschläfern!", sagte sie, doch ich schüttelte den Kopf. "Es geht mir nicht um die Kosten, noch bin ich ein Tierarzt, um beurteilen zu können, ob man ihm nicht doch helfen könnte. Ich kann ihn nicht zu mir nehmen und wenn ein Tierarzt sagt, es wäre besser ... nun, doch Bilbo ist mein Freund und ich möchte ihm helfen, wenn ihm noch zu helfen ist!" "So dein Freund?", murmelte Heidi und sagte dann bestimmt. "Gut, wir machen folgendes. Du fährst mit ihm zur Tierklinik nach Manresa und bist dafür verantwortlich, was mit ihm weiter passiert. Wenn der Tierarzt noch Rettung sieht, nehmen wir ihn im Tierheim auf. Du sorgst für alle Arztgänge und siehst zu, daß er vermittelt wird. Auch ein alter Hund hat eine Chance, wenn der richtige Besitzer kommt ..." Ich schluckte, damit hatte ich nicht gerechnet. "Aber wenn dieser Hund in der Auffangstation säße, würdest du ihn niemals aufnehmen. Sicher gibt es genug jüngere und ... !", warf ich dagegen. "Er ist alt und war bestimmt einmal ein schöner Hund, doch jetzt ... doch wenn der Tierarzt eine Chance für ihn sehen würde, dann wäre dein Vorschlag wundervoll!"
Wir einigten uns auf Freitag. Zwar wußte ich nicht, wie ich Bilbo in mein Auto bekommen sollte, doch ich war plötzlich froher Hoffnung. Vielleicht konnte ihm doch noch geholfen werden ...
Meine Freundin Andrea machte mir dann am Mittwoch den tollen Vorschlag, nach Cardona zu kommen und mir bei der Bilbo-Manresafahrt zu helfen.
Bilbo ging nun wieder täglich unter größten Qualen gen Cardona. Das wärmere Wetter tat ihm gut und vielleicht stärkte ihn auch das tägliche Futter, daß er nun schon fast zwei Wochen von mir bekam. Je näher aber der Freitag kam, desto mehr Angst ergriff mich. Hatte ich denn das Recht, Schicksal für Bilbo zu spielen? Machte ich mir denn wirklich Hoffnungen? Ein Tierarztbesuch würde höchstwahrscheinlich seinen Tod bedeuten. Mir graute und ich hatte Angst davor.
Vielleicht war der alte Hund doch irgendwie glücklich in seinem jämmerlichen qualvollen Leben ... Hatte ich wirklich das Recht zu tun, was ich tun wollte?
So war ich am Freitag plötzlich glücklich, als Bilbo nicht mittags auf seinem Platz in der Sonne lag. Ich war erleichtert, sicher hatte ich nicht das Recht "es" zu tun. Ich hatte in einem Stück Fleisch ein Beruhigungsmittel verpackt, das wollte ich ihm geben, bevor Andrea kam. Als ich aber ein paar Schritte weiter ging, sah ich Bilbo an einer anderen Stelle liegen. Ich gab ihm also das Fleisch und er fraß es. So würde alles seinen Lauf nehmen ...
Als aber Andrea da war um mit Bilbo seine wahrscheinlich letzte Fahrt anzutreten, war Bilbo fort. Wir suchten ihn bestimmt eine Stunde überall. Statt dessen hatte irgend jemand eine Schale mit ganz viel Fressen, Fleisch, Nudeln, Fisch und Knochen hingestellt, ich war erstaunt. Also gab es noch einen anderen Bilbofreund, doch wo war Bilbo?
Schließlich stiegen Andrea und ich auf einen kleinen Berg hinter Bilbos Wiese. Von dort sahen wir ihn. Er lag zusammengekauert am Straßenrand und zwei Frauen standen bei ihm. Zuerst wußten wir nicht, was wir machen sollten, dann gingen wir etwas ratlos zu dem Hund und den Frauen, bis wir sahen, daß eine der Frauen ihn mit dem Essen fütterte, was wir zuvor entdeckt hatten.

Eigentlich war es uns nicht recht, daß wir Zeugen hatten, denn wir fühlten uns beide unwohl, hin und her gerissen. Die Frau sagte, sie würde den Hund, den sie Chicco nannte, schon seit einem Jahr kennen.
Sicher war er hier an der Stelle von seinem alten Besitzer ausgesetzt worden und wartete seitdem auf ihn. Sie würde ihn füttern, denn früher wäre er ein bildschöner Hund gewesen. So einen schönen Hund hätte es in Cardona selten gegeben, ja, sicherlich hatte die Frau recht. Ich wußte, daß Bilbo früher wunderschön gewesen war und ich wußte von seinem Schmerz, denn sein Herr hatte ihn ausgesetzt, als er für ihn unbrauchbar und wertlos geworden war. Er hatte eine treue Hundeseele verraten, als der Hund ihm im Alter gebraucht hätte. Seitdem wartete der Hund ergeben in Liebe an jener Stelle, an der er noch immer bei allem Leid Hoffnung hegte, bewußt oder unbewußt, seinen Herrn wiederzutreffen.
Die beiden Menschen, die an dem alten Streuner hingen, waren da, als Bilbo in mein Auto gehoben wurde. Zuvor hatte er eine wundervolle Portion Essen bekommen. Plötzlich hielten zwei Autos und mehrere Menschen kamen hinzu. "Was macht man denn für einen Aufstand um die alte Töle!", sagte eine Frau empört, "für den wäre es doch besser, wenn man ihm mit einem Knüppel eins vor den Kopf hauen würde ..." "Wie kannst du so etwas sagen", sagte die Frau, die Bilbo wohl auch gefüttert hatte.
Wir sagten, daß wir Bilbo zum Tierarzt nach Manresa fahren würden und anschließend ins Tierheim bringen würden. Etwas anderes hätte die Frau auch nicht verstanden, wir fühlten uns noch unwohler.
Ich fühlte mich schließlich ganz miserabel, als Bilbo in meinem Auto jämmerlich weinte. Mit seiner alten rauhen Stimme wimmerte er völlig verzweifelt und mir stachen die Tränen in die Augen.
Die Fahrt dauerte eine dreiviertel Stunde, dann parkten wir mit unseren Autos vor der Tierklinik. Unsere Hunde blieben in Andreas Auto, wir trugen Bilbo zu zweit in die Praxisräume, wo man uns entsetzt einen getrennten Raum zuwies, Bilbo sah zu schrecklich aus in den Augen der anderen Hundebesitzer.
Auf dem Boden brach Bilbo in aller Verzweiflung und Angst zusammen. Er zitterte wie Espenlaub und keine tröstende Hand drang bis zu ihm vor. Ich weinte um ihn, weil ich nun sicher war, daß er gleich getötet werden würde.
Hatte ich es wirklich richtig gemacht ihn hierher zu bringen, hatte ich das Recht dazu? Und doch dachte ich daran, daß er viele Flöhe hat und er sie wahrscheinlich in mein Auto verbreitet hatte, das er stank und daran, daß meine Hunde sich vielleicht von ihm Krankheiten holen könnten. Ich dachte an mich und nicht an Bilbos verzweifelte Gefühle. Erst später wurde mir das so richtig bewußt, erst dann, als sich zwischen ihm und mir etwas änderte.
Als der Arzt ihn untersuchte, nahm er sich sehr viel Zeit für den Hund. Er sagte, er habe Arthrose, die seinen Körper zerstört hätte. Bilbo war ungefähr 13 Jahre alt. Um seinen wirklichen Zustand zu erkennen, mußte Bilbo geröntgt werden und ich schöpfte Hoffnung. Ich wollte nur das beste für ihn und wenn es Hoffnung gab, wollte ich sie für ihn.
Irgendwann machte es in mir "Klick". Es geschah auf dem Röntgentisch, denn bei Bilbo geschah dasselbe, es war eine Reaktion, die uns mit dem anderen verband. Es war sehr merkwürdig. Bilbo wurde dem Mann übergeben und ich mußte zurücktreten, sah aber zu, wie sie "meinen" alten Hund auf dem Tisch drehten und verrenkten. Bilbo wimmerte wie im Auto und sah flehend zu mir, wie ich flehend zu ihm sah. Unser Blick traf sich und wir trösteten uns. Bilbo war zusammen von mir und dem Arzt ins Röntgenzimmer getragen worden. Als er mit der Tortur fertig war, trat ich völlig aufgelöst zu ihm und er wurde auf der Stelle ruhig. Ich umarmte ihn heftig und er drückte sich voller Liebe an mich.
Mir war es plötzlich egal, ob er Flöhe hatte und ihm war meine Nähe und Wärme mehr als alles. Beide wurden wir ruhig.
Nun trug ich ihn allein ins Behandlungszimmer zurück und legte ihn zärtlich auf den Tisch. Plötzlich war er "mein" Hund wie ich "sein" Mensch war und beide wußten wir dies. Er hatte einen Menschen bekommen und ich einen dritten Hund! Dieses Wissen war wundervoll. Meine Hand hatte Bilbo nichts bedeutet, nun bedeutete sie ihm alles. Unter meiner Hand war er ganz ruhig und zärtlich drückte er sich dagegen, wie ich ihn fest umschlungen hielt, auf ihn einredet, streichelte und liebkoste. Ich wollte das beste für ihn und wenn es der Tod war, wollte ich auch ihn. Bilbo wußte dies und wußte, daß ich gut für ihn entscheiden würde. Er überließ sich mir ganz, war völlig entspannt und wurde von Minute zu Minute glücklicher. Er war nicht länger allein, er hatte seinen Menschen bekommen der für ihn da war und ihm gut wollte.
Eine halbe Stunde warteten wir auf das Röntgenbild, doch Bilbo war der glücklichste Hund der Welt. In meinen Armen genoß er Wärme und Liebe, die er ganz in sich aufnahm und auf mich ausstrahlte.
Das Ergebnis des Röntgenbildes war grausam. Er mußte schreckliche Schmerzen erlitten haben und würde bei jedem Atemzug seines Lebens weitere Schmerzen erleiden. Seine Hüfte war völlig zerstört, keine Tabletten und keine Operation konnte ihm noch helfen. Ich bat den Arzt ihn zu erlösen.
Bilbo starb schnell in meinen Armen, völlig entspannt und mit einem glücklichen Gesicht. Er sah aus wie ein junger Hund und wie ein Hund, der geliebt wurde. Und er starb als ein Hund, der geliebt wurde, denn ich liebte ihn von ganzen Herzen. Als meine Tränen auf seine gebrochenen Augen tropften, spielte es keine Rolle, ob ich richtig gehandelt hatte oder nicht, für Bilbo war es richtig gewesen, weil ich diese Entscheidung für ihn getroffen hatte. Erst viel später in der Nacht wußte ich plötzlich, daß das, was den Hund umgebracht hatte, nicht Hunger, Schmerz und Krankheit gewesen waren, sondern die Einsamkeit. Er war der einsamste Hund der Welt gewesen und er war glücklich gestorben, weil er Nähe, Wärme und Liebe gespürt hatte, ja, Liebe!


Warum Hund und Katze Feinde sind

Ein Mann und eine Frau besaßen einen goldenen Ring. Es war ein Glücksring, und wer ihn besaß, litt niemals Not. Der goldene Ring aber sah sehr unscheinbar aus, der Mann und die Frau kannten seine Kräfte nicht und verkauften ihn um wenig Geld. Kaum aber hatten sie den Ring fortgegeben, als das Unglück begann. Schließlich waren sie so arm geworden, dass sie nicht mehr wussten, was sie am nächsten Tag essen sollten. „Seit der Ring fort ist, hat das Glück unser Haus verlassen“, seufzte der Mann. „Es muss ein Glücksring gewesen sein“, sagte die Frau, „hätten wir ihn doch niemals verkauft!“ Und sie sah traurig auf ihre beiden Haustiere, einen Hund und eine Katze, die mit ihnen Hunger leiden mussten.

Hund und Katze aber hatten die Worte der Menschen verstanden. „Was sollen wir tun?“, fragte die Katze. „Unsere Herrin war immer gut zu uns“, sagte der Hund. „Und wir hatten stets genug zu fressen“, schnurrte die Katze. Die beiden Tiere saßen ratlos nebeneinander. Schließlich sagte der Hund: „Wir wollen den Ring unserem Herrn und unserer Herrin wieder zurückbringen.“ „Aber er liegt wohlverwahrt bei seinem neuen Besitzer, in einem festen Kasten eingeschlossen“, sagte die Katze. „Ich weiß, was wir tun müssen“, meinte der Hund. „Fang du eine Maus und versprich ihr, sie am Leben zu lassen, wenn sie ein Loch in den Kasten nagt und den Ring herausholt.“ Dieser Rat gefiel der Katze. Sie fing eine Maus, und mit der gefangenen Maus im Maul wanderten Hund und Katze zum Haus des neuen Besitzers des Ringes. Der Weg war weit und sie kamen zu einem großen Fluss. Als die Katze der großen Fluss sah, setzte sie sich niedergeschlagen ans Ufer, denn sie konnte nicht schwimmen. Aber der Hund wusste wieder Rat. „Spring auf meinen Rücken“, befahl er, „ich will mit dir hinüberschwimmen.“ So geschah es. Die Katze lief mit der Maus im Maul zum Haus, in dem der Kasten mit dem Ring stand. „Wenn du willst, dass ich dich nicht fresse“, sagte die Katze zur Maus, „so nage geschwind ein Loch in die Kastentür und bring mir den Ring, der darin liegt.“ Die Maus nagte eifrig, schlüpfte durch das Loch und kam mit dem Ring wieder heraus. Nun nahm die Katze den Ring ins Maul und lief zurück zum Fluss. Der Hund hatte dort auf sie gewartet, sie sprang auf seinen Rücken, und er trug sie über den Strom. Vergnügt und fröhlich wanderten sie dann nach Hause.

Die Katze war so ungeduldig, dass sie über alle Zäune sprang, über die Dächer kletterte und den Hund weit zurückließ, der um jedes Haus und um jeden Garten einen Bogen machen musste. So kam die Katze früher heim als der Hund, lief zu ihrer Herrin und legte ihr den Ring auf den Schoss. „Sieh“, rief die Frau ihren Mann zu, „unsere Katze hat uns den Glückrings zurückgebracht! Das gute Tier! Wir wollen ihr immer genug zum fressen geben und sie pflegen wie unser eigenes Kind.“

Nach einiger Zeit kam auch der Hund, müde und staubbedeckt vom weiten Weg. „Du achtloses Tier!“ rief die Frau. „Wo hast du dich herumgetrieben? Warum hast du der treuen Katze nicht geholfen, die uns den Glücksring zurückgebracht hat?“ Sie schalt und schlug ihn, und die Katze saß beim Herd, schnurrte und sagte kein Wort.

Da wurde der Hund böse auf die Katze, und er vergaß niemals, dass sie ihn um seinen Lohn betrogen hatte. Seit jener Zeit sind Hunde und Katze einander feind.


Rettung an Silvester

Gestern Abend ging ich noch mal raus, kurz nach Mitternacht, um nachzusehen, ob auch alle Heizlampen in den Ziegen-, Hühner- und Putenhäusern arbeiten.
Die Temperatur drohte auf Null oder sogar noch darunter abzufallen. Alle Hunde waren längst schlafen gegangen und die Nacht war still.
Beim Betreten der Veranda begrüßte mich die Sicht auf einen kristallklaren Himmel mit Scharen von Sternen. Meine Taschenlampe anknipsend machte ich mich auf den Weg zum Schuppen.
Am frühen Abend hatte ich ein bisschen Stroh gebracht, um den Tieren auf der Farm ein frisches Bett zu machen; dabei war mir draußen vor dem Gatter ein Bündel heruntergefallen, dass ich nicht mehr aufgehoben hatte.

Während ich den Weg herunter lief, sah ich im Schnee ein paar blutige Pfotenabdrücke, die aus dem Wald herauskamen und in dem Strohbündel am Gatter endeten. Zusammengerollt auf den Strohhaufen lag ein Hund. Mittelgroß. Schwer auszumachen in der Dunkelheit, welche Art Hund; könnte alles mögliche gewesen sein. Aber ganz sicher ein Hund dunkler Farbe.
Ich legte meine Hand auf den Rücken und fühlte kalte Rippen. Ich zog meine Handschuhe aus und tastete hinter den Vorderlauf. Ein Herzschlag. Dann hörte ich einen schwachen Schlag. Das Ende der Rute ging auf und ab, hinterließ kleine Abdrücke im Schnee, aber der Kopf bewegte sich nicht.
Ich blickte in die tiefbraunen Augen, die zu sagen schienen "Bitte jage mich nicht weg, ich kann keinen Schritt mehr laufen". Die Läufe waren gebrochen und bluteten. Ich sah, kontrollierte, ob die Heizlampen funktionierten und nahm den durchfrorenen Hund vorsichtig an mich. Kein Widerstand, nur das Klopfen der Rute. Nicht viel Gewicht für die Größe des Bündels. Ich machte mich auf den Weg zur Vordertür.

Drinnen angekommen legte ich den Hund in der Tür ab. Keine Bewegung. Während ich kontrollierte, ob alles noch schlief, machte ich mich auf die Suche nach einer Decke.
Ich war mir ziemlich sicher, dass wir die letzte Hundedecke bei unserer Rettungsaktion von neulich verwendet hatten. Im Schrank nichts, im Trockner nichts, auf der Couch nichts. Ich ging ins Schlafzimmer und zog vorsichtig die vom Bett herunter.
Auch wenn sie schon alt war und an den Rändern auszufransen begann, es war die letzte Verfügbare. Ich faltete sie und legte sie auf die Heizklappe, ganz nah beim Ofen. Dann nahm ich den Hund und legte ihn oben drauf.

Nach Mitternacht an Sylvester, in einer sehr ländlichen Gegend von Südwest-Missouri - keine Chance heute Abend noch einen Tierarzt aufzutreiben. Wir würden es morgen versuchen müssen.
Ich ging in die Küche, nahm eine Dose Hühnerbrühe aus der Gefriertruhe und warf sie in die Mikrowelle. Ich ging zurück ins Wohnzimmer und setzte die Schale nah an die Decke, in Reichweite der kalten Schnauze. Noch ein paar Schwanzklopfer war die einzige Bewegung. Ich langte hinunter und legte meine Hand unter das Kinn, vorsichtig den Kopf anhebend. Jetzt hier drin, konnte ich sehen, dass der Hund schwarz war, zumindest an den Stellen, die noch nicht grau geworden waren.
Fast das ganze Gesicht zeigte die weißen Anzeichen vergangener Zeit und die Pupillen, umrandet von diesen dunkelbraunen Augen, waren blau. Die Ohren gehörten einem Labrador und auch der Schwanz, der jedes Mal klopfte, wenn ich nähern kam. Der Körper war dünn und knochig. Keine Vorderzähne mehr. Die Reißzähne waren abgewetzt oder bis auf kleine Stummel abgebrochen und ganz hinten konnte ich drei Zähne sehen. Ich wollte nicht nachsehen, ob der alte Hund ein Rüde oder eine Hündin war. War ja eigentlich ohnehin egal.
Ich sagte dem alten Hund, dass ich ins Bett gehen würde und tätschelte seinen Kopf, was er wieder mit einem Schwanzklopfen erwiderte.

Auf dem Weg ins Schlafzimmer fragte ich mich, wie um alles in der Welt der Hund zu unserer Farm gekommen war. Er kam durch die Wälder, die groß und unbewohnt waren. Ich fragte mich auch warum ausgerechnet hier. Die Antwort war einfach. Die Hand Gottes hatte den alten Hund zum richtigen Ort gebracht.

Es ist jetzt morgens und ich bin seit ein paar Stunden auf. Die Schale mit der Brühe war leer und die Decke war so, wie ich sie verlassen hatte. Keine blutigen Pfotenabdrücke auf dem Teppich, nur auf der alten Decke.
Kurz nachdem ich zu Bett gegangen war, hatte der alte Hund die Hühnerbrühe aufgeschlabbert und die Schale sauber geleckt. Die Decke war leicht aufgeworfen und der alte Hund hatte sich zu einem fest Ball zusammengerollt, die Nase unter den Schwanz gesteckt.
Als ich mich bückte, um guten Morgen zu sagen, antwortete kein Schwanzklopfen mehr. Ich wusste, dass der alter Hund in der Nacht über die Regenbogenbrücke gegangen war.
Kniend vor dem alten Hund, dankte ich Gott für die alte Decke die übrig geblieben war und für die Hände, die den Hund zur Regenbogen-Farm geleitet hatten.
"Hör die Freundlichkeit, sanfte Worte,
verloren oft hinter Tränen
Leg deine Hand auf meine Schulter
lass sie meine Ängste nehmen."


Möge das Neue Jahr Euch näher zur Hand Gottes bringen, und soviel alte Decken wie Ihr braucht.

Zur beliebigen Weitergabe freigegeben - vielleicht erreicht es ein paar, die das, was sie haben, nicht zu schätzen wissen.



Die Rückkehr zur Regenbogenbrücke

Ein kleiner Hund kam an der Regenbogen-Brücke an und ein Rudel von Hunden kam sofort zu ihm hingelaufen, um ihn zu begrüssen.

Er war darauf gefasst, dass er nun angegriffen würde, aber das war die erste Meute, die nur mit dem Schwanz wedelten.

Anstatt ihn zu beissen, küssten sie ihn einfach.
Es war wunderschön da und jeder war ganz lieb zu ihm. Keiner von ihnen wurde in einer *Welpen-Fabrik* geboren, so wie er damals, und dann als Kampfhund benutzt, um dann in der Gosse zu sterben, weil er eine hässliche Promenadenmischung war. Sie erklärten, dass sie auf ihre Herrchen warten würden, die sie so geliebt hatten.

Was IST Liebe?, fragte der kleine Hund und Gott lies ihn auf die Erde zurückkehren um das herauszufinden.

Warm und dunkel, er wartete zusammengekauert mit den anderen darauf, geboren zu werden. Ängstlich wartete er bis zu letzt, als er dann an den Hinterfüssen herausgezogen wurde. Unbehaarte Hände hielten ihn vorsichtig und trockneten ihn ab. Sie zeigten ihm, wo es einen warmen Schluck mit warmer Milch gab. Er hatte nicht die Kraft dazu, sich lange an der Zitze festzuhalten.

Seine Brüder und Schwestern waren weitaus kräftiger als er selbst und stiessen ihn zur Seite. Die Menschenhand drückte die anderen Welpen ein wenig zur Seite und hielten seinen Körper, so konnte er trinken.

Aaaahhh .. so ist es besser! dachte er und trank, bis er erschöpft war und zusammengekuschelt bei seiner Mutter eingeschlafen ist. Ich erinnere mich genau daran sagte er erfreut. Zu dumm, dass ich erwachsen werden musste und hinaus in die Kälte und Nässe musste um dort zu kämpfen und als Verliererhund sterben musste. Ich erinnere mich, was es heisst ein Hund zu sein.
dachte er traurig.

Diese Nacht kroch er auf seine Mutter und versuchte zu trinken, aber er fiel immer wieder zur Seite weg. Wenn die anderen vollgetrunken waren, dann wurde ihnen der Bauch geleckt und er konnte nur noch die Restmilch trinken, die
die anderen übrig gelassen hatten. Aber die Menschenhand war nicht da, die ihm geholfen hatte, dass er auch noch was abbekommen hatte, die Zitzen waren immer
schon leer, als er an der Reihe war. Es war sogar schon schwer genug, dass er aufstehen konnte. Er war noch so klein und schmächtig. Er fiel auf den Rücken und konnte sich nicht mehr aufrichten. So begann er zu schreien. Sofort kam ein Mensch herbeigeeilt und sofort war die Menschenhand wieder da und dann gaben sie ihm einen Gumminippel in den Mund. Es hat nicht so gut geschmeckt, wie die der Mutter, aber es war warm und vertrieb die Schmerzen in seinem kleinen Magen. Er hatte Probleme mit dem Atmen, weil seine Lungen nicht voll entwickelt waren. Er hatte einfach zu lange gebraucht um den anderen in die Gebärmutter zu folgen als er die letzte Chance von der Regenbogenbrücke genommen hatte.

Er konnte den Herzschlag des Menschen spüren, der ihn zugedeckt mit einem warmen, weichen Tuch auf den Bauch genommen
hatte.

Das hielt seinen knochigen Körper schön warm und die wiederkehrenden sanften Streicheleinheiten haben ihn sehr beruhigt.

Er dachte wieder an seinen neuen Freund, der so lieb an der Regenbogenbrücke zu ihm war und Gott fragte, ob er wohl nochmals zurück dürfte.
Gott sagte : Ja, aber nicht jetzt. Du wolltest erleben, was Liebe ist. So wurde er für einige Stunden ( es kam ihm vor wie Tage aber er wusste ja nicht was Zeit ist und es war ja auch dunkel), gaben ihm die Menschen seine Milcheinheiten und gaben ihm die Wärme und Liebe seiner Mutter wieder.

Er wurde grösser und agiler und der Mensch nahm ihn immer öfters aus dem Nes,t um bei ihm zu schlafen, so lange er liebkost und geküsst wurde und den Herzschlag hören konnte, der fest und lieb klang.

Dann kam Gott und fragte ihn: Bist du bereit zu uns auf die Regenbogenbrücke zurück zu kommen? Ja antwortete er, mit einer kleinen Wehmut, weil der Mensch ihn nicht gehen lassen wollte und zu weinen begann. Er liess die Luft aus seinen Lungen und ging zurück über die Regenbogenbrücke.

Dort schaute er auf den Menschen, der immer noch weinte und seinen Körper in Händen hielt, den er sich für diesen Ausflug geborgt hatte.

Danke, Gott, sagte er. Liebe ist WUNDERBAR, und nun werde ich auch an der Regenbogenbrücke auf den Menschen warten, um ihr zu sagen, dass ich sie auch geliebt habe.



Gott schuf ein Tier

Gott schuf auf dem Feld ein Tier und sagte zu ihm: "Schütze den Menschen,
geschaffen nach meinem Ebenbilde. Ihn sollst du verehren! Du sollst ihn in der
Wildnis schützen, seine Herden hüten, seine Kinder bewachen, ihn begleiten,
wo immer er geht, selbst in die Zivilisation.
Du sollst sein Bundesgenosse, sein Sklave und sein Lebensgefährte sein."

Und Gott sprach weiter: "Damit du dies alles vermagst, statte ich dich aus mit Instinkten,
die allen anderen Tieren fehlen: Treue, Ergebenheit und Verständnis, das sogar das
des Menschen selbst übertrifft.

An Loyalität übertriffst du den Menschen bei weitem, bist blind für seine Fehler.
An Verständnis übertriffst du den Menschen, denn es fehlt dir die Macht des Wortes.
Kein Fehler der Zunge kann dadurch das Verhältnis zwischen dir und dem Menschen trüben,
anders als bei Verständnis des Menschen mit anderen Tieren oder gar untereinander.

Du sollst nur über deine Seele und durch deine treuen Augen zu deinem Herrn sprechen.
Gehe an seiner Seite, schlafe vor seiner Tür, behüte ihn, schütze ihn gegen seine Feinde,
trage seinen Lasten, teile seine trüben Gedanken, liebe ihn und tröste ihn.

Und für all das wird der Mensch immer für dich sorgen, dir all das geben, was du brauchst und wünschst,
nämlich Nahrung, Unterkunft und Liebe.

Sei deshalb still und sei der Freund des Menschen.
Führe ihn durch die Gefahren seinen Weg bis zum Land, das ich ihm verheißen habe.

Dies sei dein Geschick und führe zu deiner Unsterblichkeit."
So sprach der Herr.
Und der Hund hörte es und war zufrieden.



Ein trauriger Schäferhund

Rex, der alte Hofhund

Rex
, der Schäferhundmischling, war etwa zwölf bis sechzehn Jahre alt. Genau wußte das niemand. Der Hund, dessen Fell inzwischen schon stumpf und glanzlos war, gehörte seit langer Zeit zum festen Inventar des großen Bauernhofes. Zuverlässig, wie Hunde sind, hat er über Jahre hinweg seinen Wachdienst verrichtet. Lob und Liebe hat er dafür nur im geringen Maße erhalten, eine besondere Verbindung Mensch Tier hatte sich nicht entwickelt. Dies ist nicht erstaunlich, da man früher auf dem Lande die Tiere in erster Linie nach ihrem Nutzwert beurteilte. Wirklich innige Tierliebe entstand nur selten. Selbstverständlich, der Hund hatte seinen Nutzwert.

Als pflichtbewußter Wachhund hatte er einen anerkannten Stellenwert. Er durfte schon mal mit hinaus zum Feld, wenn der Bauer seine Kontrollgänge machte. Das war eine große Anerkennung für den Hund. Spielen, oder Streicheln waren für REX jedoch rare Seltenheit. Der Hund war meist sich selbst überlassen. Er hatte eine feste Hütte, regelmäßiges Fressen und freien Auslauf, wenn das mauerumrandete Gehöft am Abend verschlossen wurde. Tagsüber war seine Bewegungsfreiheit durch eine lange Metallkette eingeschränkt. Das war notwendig, denn REX duldete keine Fremden, die sich innerhalb der Grenzen des Bauernhofes aufhielten. Mit scharfem Gebell meldete er am Tage die Besucher an und wenn nachts ungebetene Gäste versuchten Haus oder Hof zu betreten, so gab es für sie keine Chance gegen die Wachsamkeit von REX. Auch heute noch ist es so, obwohl REX längst nicht mehr stark und gelenkig ist, wie in seinen frühen Hundejahren. Doch Pflichtgefühl und Kampfbereitschaft dominieren immer noch, wenn sich unbekannte Bewegungen im Hof ergeben. Da spürt REX nicht den Rheumaschmerz, der seine Knochen an kühlen Tagen durchzieht. Da überwindet er das Hinken des rechten Hinterlaufes, den er sich vor Jahren in einer landwirtschaftlichen Maschine eingezwängt hat. Sein Bellen erscheint heute nicht mehr so scharf wie früher, doch in Gefahrenmomenten, wenn er giftig knurrt und dabei seine grau gewordene Schnauze vor Aufregung zittert, muß sich auch heute noch jeder, gleich ob Tier oder Mensch, vor REX, dem alten Wächter des Hofes fürchten. Doch was wird sein, wenn er noch schwächer, sein Gebiß kraftlos und sein Gehör noch weniger aufnahmefähig wird? Er wird ersetzt werden durch einen jungen, kraftstrotzenden Wachhund und seine Dienste, die man als selbstverständlich hinnahm, werden rasch vergessen sein.

Vielleicht hat er, der Hund, Glück und er erhält sein Gnadenbrot. Obwohl, Dankbarkeit ist nicht das, was REX in seinem Hundeleben erfahren hat. Die Menschen gaben ihm das Notwendigste, mehr jedoch nicht. An großen Feiertagen, wie auch jetzt zum baldigen Weihnachtsfest, da gab es für REX schon mal eine extra Portion, einen saftigen Knochen oder gar eine Hundewurst. Doch niemals durfte er das Haus betreten, geschweige denn gar am wärmenden Kachelofen liegen. Gerade das hätte seinen müden, rheumageplagten Gelenken doch so gut getan.
Einmal an einem kühlen, regnerischen Herbsttag hat er versucht, getrieben vom Schmerz, sich die fehlende Wärme im Haus des Bauern zu holen. Unverständlich war für REX, daß man ihn, den treuen Wächter von Haus und Hof, sofort wieder hinausgejagt hat, in die Kühle der ersten, frostigen Tage.

Auch heute war es wieder ein klirrend kalter Wintertag. Der eisige Wind ließ sich auch nicht von den stabilen Brettern von REX Hundehütte abhalten. Obwohl er sich eng zusammengerollt hatte konnte sich der Hund nicht erwärmen. Er stand auf, er mußte sich bewegen, denn der Schmerz des Rheumas und der Abnutzungserscheinungen war heute besonders unerträglich. Wehmütig blickte er hinüber zum Haus, aus dessen Fenstern behagliche Wärme blinkte. REX spürte es, dieser Abend war anders, nicht vergleichbar mit den sonstigen Tagen. Seltsame, friedvolle Stimmung lag nicht nur über dem Bauernhof, sondern strahlte über die gesamte Ortschaft. Kein Motorenlärm, kein Wirtshausgeplärr störte die geruhsame Stille. REX, der mit den Jahren sensibler geworden war, der kleinste Schwingungen und Stimmungen intensiv in sich aufnahm, fühlte etwas von der Liebe und Behaglichkeit, die heute Nacht das Dorf umgab. Diese Stimmung veranlaßte Harro etwas zu tun, was er in seinem gesamten Hundeleben noch nie getan hatte. REX verließ zum ersten Male seinen Wachposten. Instinktiv spürte er, daß heute keinerlei Gefahren lauerten. Durch eine Nische im Bretterzaun des Gartens zwängte er sich hinaus und lief quer über das beackerte, schneebedeckte Feld, hinüber zum Dorfrand. Er hinkte wieder ein wenig, als er die kleine Nebenstraße erreichte. Es war für ihn wie ein innerer Zwang, er mußte laufen.

Warum gerade heute, warum ausgerechnet in diese Richtung? War es Eingebung, die den alten Hofhund hinaustrieb, dorthin wo die einfachen Häuser standen? Leise, klingende Geräusche drangen aus den Inneren, der wie geduckt dastehenden Bauten. Der auf den Dächern lastende Schnee ließ die Behausungen noch bescheidener wirken, als sie es ohnehin waren. Hier war die Siedlung der “Austragler‘, Arbeitskräfte die Jahrzehnte bei den Bauern ihre Arbeit verrichtet hatten, durften hier ihren Lebensabend verbringen. Für Gelegenheitsarbeiten und kleinere Botengänge wurden sie ab und zu noch herangezogen. Es waren einfache Hütten, mit kleinen Zimmern, die sich die Alten manchmal auch noch teilen mußten, wo die Betagten sich auf ihre letzten Lebensjahre vorbereiteten und wo sie an warmen Tagen, auf den Bänken, die vor den Häusern standen, in Erinnerungen schwelgten. Sie dachten zurück an eine haue Zeit, die den Alten heute jedoch, mit dem Schliff der Vergangenheit, als gut und menschlich erschien.

Viele von ihnen hatten sich zum Weihnachtsfest zusammengetan, denn wer möchte am Weihnachtstag schon allein sein. Es waren nur alte Menschen, die diese Siedlung bewohnten und bei so manchem war der Partner schon vorausgegangen, dorthin, woher wir kommen und wohin wir nach unserem Erdenleben zurückkehren. Anton, der alte Knecht, der sein Lebtag auf dem Hofe von REX Herrn gearbeitet hatte, war nicht am gemeinsamen Weihnachtsabend der Alten beteiligt. Er wollte an diesem Tage allein sein und er fühlte sich dabei nicht einsam. Erinnerungen an Menschen und auch an Tiere, die ihm zugetan waren, verschönerten Anton diesen Feiertag, ließen nochmals auferstehen die Stunden der Gemeinsamkeiten.

War es Zufall, war es Bestimmung, die Anton vor das Haus treten ließ, um den weihnachtlichen Himmel zu genießen, die prunkvollen Gestirne zu bestaunen und dabei an die Unendlichkeit, die für uns Menschen ungreifbar ist, von Zeit und Raum zu denken? Wie auch immer, Antons Besinnen wurde durch ein leises “Wuff‘ gestört. Er kannte diesen Laut, das mußte REX sein, dessen Gestalt, angestrahlt durch Mond und Sterne, sich vom weißen, schneebedeckten Boden abhob. Ein leiser Pfiff, ein kaum merkliches Wedeln der Rute und REX hinkte auf Anton zu. Der Hund wirkte unendlich traurig, der Lauf durch den Schnee hatte ihn ermüdet. Nichts war mehr da, von der Frische und Kraft, die REX stets ausgezeichnet hatte. Hier war eine Kreatur, die Hilfe suchend um Nestwärme nachsuchte. Wie selbstverständlich folgte REX dem Alten ins Haus, etwas das gestern noch unvorstellbar gewesen wäre.

Vielleicht war es der Zauber der Weihnachtsnacht, der Mensch und Tier, beide alt und ausgelaugt, zusammenbrachte. Für beide war es eine Art von erfülltem Weihnachtstraum. Ein Verteilen an Geschenken, das keinerlei Gegenleistung erwartete. REX, dem Anton vom sowieso kärglichen Festtagsmahl Fleisch angeboten hatte fraß nicht viel. Den Hund zog es nur zum holzbeheizten, eisernen Ofen. Ein wenig mißtrauisch schielte er noch zu Anton, als er sich davor legte. Er zitterte immer noch, denn der eisige Frost hatte sich in Körper und Fell festgeklammert. Eine alte Decke, die Anton über den Hund legte, beruhigte REX. Das war das, wonach er sich seit Jahren sehnte, wenn der Schmerz wieder einmal durch seinen Körper kroch. Es schien so, als ob der Hund zufrieden vor sich hinbrummelte, als er bald darauf ermattet einschlief. Nach Stunden erschöpften Schlafes, schreckte REX hoch. Wo war er? Es zog ihn hinaus zur Tür, er mußte zurück zum Hof um seine Pflicht zu erfüllen. Es fiel ihm schwer, denn immer noch fühlte er sich schwach.

Mit festem Griff und doch mit liebevoller Behutsamkeit zog Anton das Tier zurück zur Decke. Ruhig sprach er auf REX ein, er soll hierbleiben, sich weiter ausruhen. Er, Anton, würde ihren ehemals gemeinsamen Herrn aufsuchen und bitten, REX ihm zu überlassen. Der alte Hofhund, dessen Leistungsfähigkeit ausgeschöpft war, schien die Worte des alten Menschen zu verstehen. Als ob es nie anders gewesen wäre, folgte er der Stimme seines neuen Herren. Doch Anton, der REX, mit Hilfe der Weihnachtsstimmung, tatsächlich von seinem Bauern zugesprochen bekam, war niemals ein Herr für den alten Hofhund. Er war stets REX Freund, manchmal bestimmend, manchmal nachgebend, so wie echte Freundschaften eben sind. REX dankte es auf Hundeart. Auch Antons Tage wurden dadurch schöner. Der Tierfreund wird das bestimmt verstehen





Ein Gespräch zwischen Hund und Mensch

“Hallo? Hallo! Haaalllooo!!”

Der Mensch schaut verwirrt um sich, da er doch allein mit seinem Hund zu Hause ist. Wieder: “Hallo! Hallo, so hörst du denn nicht, Mensch?” Mensch: “Ja, ich höre, wer spricht denn da ?”
“Ich bin es, dreh dich doch mal um, Mensch !”
Mensch: “Hund, bist du das?”
Hund: ,,Ja, ich bin es, warum hörst du nicht, wenn ich dich rufe ?”
Mensch: “Aber, Hunde können doch nicht sprechen !”
Hund: “Doch, können sie, ihr hört es nur einfach nicht.”
Mensch: “Hören ? Ja, aber wie denn ?”
Hund: “Wir schauen euch an und sprechen, wir geben euch die Pfoten, wir legen unsere Ohren vor oder zurück, und manchmal, aber auch nur, wenn ihr uns schlecht behandelt, zeigen wir auch die Zähne, nur ihr wollt uns einfach nicht hören.”
Mensch: “Hund, wenn ich gewusst hätte, daß du sprechen kannst, hätte ich dir doch zugehört.”
Hund: “Siehst du, Mensch. Du hast schon wieder nicht zugehört, ich habe es dir doch soeben erklärt.”
Mensch: “Hund, du hast recht, und ich verspreche dir Besserung.”
Hund: “Mensch, wir mussten auch eure Sprache lernen, ist es da zuviel verlangt, wenn wir von euch erwarten, daß ihr wenigstens versucht, uns zu verstehen ?”
Mensch: “Nein Hund, du hast vollkommen recht. Aber daß ich dich jetzt so hören kann, hat das einen Grund ?”
Hund: “Ja, das hat es in der Tat.”
Mensch: “Trage mir dein Anliegen vor !”
Hund: “Es geht darum, was ihr Menschen mit uns tut.”
Mensch: “Was tun wir denn mit euch ?”
Hund: “Ihr foltert uns !”
Mensch: "Aber wieso das? Habe ich dich jemals schlecht behandelt? Habe ich nicht immer dafür gesorgt das es dir an nichts mangelt ?”
Hund: “Mensch, was ich zum Leben brauche gibst du mir und auch an Zuneigung sparst du nicht, aber...”
Mensch: “Aber was ? Erkläre mir bitte was du meinst.”
Hund: “Es geht nicht nur um mich, es geht um alle Hunde zusammen!” Mensch: “Ich verstehe dich nicht ganz !”
Hund: “Also gut, Frage: Unterteilen wir euch etwa in verschiedene Rassen?” Mensch: “Ich weiß nicht, tut ihr es?”
Hund: “Nein, aber ihr tut es !”
Mensch: “Ist das ein Problem für euch ?”
Hund: “An und für sich nicht, aber einige von uns sind derzeit arm dran und auch uns anderen, vor allem uns Großen geht es nicht gut!”
Mensch: “Hund, erkläre mir das bitte genauer.”
Hund: “Einige von uns von euch unterteilte Rassen zumeist, wurden schlecht behandelt. Manche wurden einfach zueinander getan und in schlimmen Fällen in Keller gesperrt. Wir haben Angst und niemand kommt, um uns zu trösten, unregelmäßig und selten bekommen wir Futter und Wasser. Einige fressen sogar Ratten vor lauter Hunger. Wochen, manchmal Monatelang können wir die Sonne nicht sehen und das Gras nicht riechen. In vielen Fällen sind wir wenigstens noch zu zweit, und wir trösten uns gegenseitig und haben uns lieb, manchmal auch so sehr, daß wir auch noch Nachwuchs bekommen, aber unseren Kindern geht es auch nicht gut. Den Müttern geht es an die Gesundheit, ihre Kinder zu nähren, und die Kleinen werden schwächer, weil keine Milch mehr da ist. Wir haben Angst, daß unsere Kinder nicht überleben.”
Mensch: “Hund, das ist ja furchtbar. Mir drückt das Herz!”
Hund: “Hör weiter zu! Eines Tages kommen die Folterer und bringen Menschen mit, und obwohl es uns so schlecht geht, freuen wir uns. Wir wedeln mit den Ruten und begrüßen den Besuch, doch anscheinend ist es nicht erwünscht, denn schon bald bekommen wir durch Tritte zu spüren, daß wir uns nicht freuen sollen. Die Mutter scheint zu spüren, daß etwas nicht stimmt. Sie fängt an zu knurren und zeigt den Menschen die Zähne.
Mit Gegenständen schlagen sie auf sie ein, und sie bleibt regungslos in einer Ecke liegen. Dann nehmen sie die Babys hoch. Sie packen sie im Nacken, und die Kleinen schreien und strampeln heftig, doch man lässt sie nicht los und so schnappen einige von ihnen in die Luft. Das scheint die Menschen zu freuen, und eine Menge Geld wandert von einer Menschenhand in die andere. Tag für Tag kommen die Menschen, bis alle Babys weg sind. Ihre Mutter rührt sich noch immer nicht.”
Mensch: “Hund, was hat das mit mir zu tun?”
Hund: “Wir brauchen eure Hilfe, darum hör mir weiter zu ! Es vergehen viele Tage ohne Futter und Wasser für den Vater der Babys, und der Hunger wird immer größer. Die Mutter hat sich seit Tagen nicht mehr gerührt, und es beginnt sich ein Geruch auszubreiten, den wohl jedes Tier kennt. Der Vater überlegt noch, ehe er sich angewidert daran macht, die Mutter aufzufressen, das ist der Überlebungsinstinkt, den wir Hunde haben. Irgendwann kommen wieder Menschen und er fletscht seine Zähne und knurrt, so laut er kann. Er hört einen der Menschen sprechen, der sagt: ,,Jetzt ist er soweit. Jetzt hast du einen guten, scharfen Hund und er wird Dir viel Geld einbringen." Die Menschen nehmen ihn mit nach draußen. Und obwohl er knurrt und die Zähne zeigt, wagt er nicht, die Menschen zu beißen, weil er nicht vergessen hat, was seiner Gefährtin widerfahren ist. Er wartet ab und geht folgsam, ohne Strick, mit den Menschen auf die Straße.
Er verhält sich ruhig, um nicht aufzufallen, und die Menschen werden unachtsam. In einer günstigen Minute rennt er los. Er rennt, so lange und so weit ihn die Pfoten tragen, und erst als er sicher ist, daß sie ihn nicht mehr verfolgen, läuft er gemächlich durch die Straßen. Zwischendurch schläft er in verborgenen Ecken oder unter Sträuchern. Doch nach einiger Zeit bekommt er Hunger und nähert sich den Häusern der Menschen. Er riecht an den Müllboxen, daß dort etwas Fressbares drin sein muss. Er schubst die Boxen um, was natürlich Lärm macht. Doch der Hunger ist stärker als der Fluchttrieb, und so bleibt er stehen.”
Mensch: “Hund, so komm auf den Kern der Sache, ich kann dir kaum folgen !”
Hund: “Gleich, Mensch gleich wirst du verstehen! Der Lärm macht die Menschen aufmerksam, die, sobald sie sehen, daß sich ein hungriger Streuner an den Boxen zu schaffen macht, mit Knüppeln auf ihn einschlagen und schließlich noch mit Steine bewerfen. Der Hund flüchtet sich, aber er hat sich gemerkt, daß die Menschen nicht nett sind, und so ist er bereit, sein Leben zu verteidigen. So begibt es sich, daß ein anderer Mensch mit Taschen daherläuft, aus denen es verführerisch riecht. Auf leisen Pfoten folgt der Hund dem Duft, und als der Mensch kurz wegschaut, wagt er es, seine Nase hineinzustecken. Jedoch bemerkt der Mensch das und fuchtelt mit den Armen herum und schaut den Hund böse an. Der Hund fürchtet erneute Schmerzen und beißt mal hier, mal dort hin.
Der Mensch liegt am Boden, doch in dem Augenblick erinnert sich der Hund an all die Qualen, die er erleiden musste, und seine Wut wird immer größer. Er handelt wie unter einem Zwang. Er fürchtet, daß die Schmerzen niemals mehr aufhören, wenn er loslässt, und hält fest. Dann ein lautes Geräusch! Etwas warmes läuft an seinem Körper herunter und ihm schwinden die Sinne. Dann wird es um ihn herum dunkel. Er hat keine Schmerzen mehr und er kann nichts mehr hören. Er schwebt ins angenehme Nichts. Die Augen schließen sich, und lautlos geht er dahin, wo seine Leidensgenossen bereits seit langem sind.”
Der Mensch weiß nicht, was er sagen soll.
Hund: “Und weil solche schlimmen Dinge geschehen sind, sollen wir anderen alle büßen. Die Menschen begreifen nicht, daß sie die Bösen sind. Und andere Menschen lassen uns jetzt leiden. Wir bekommen so seltsame Dinger um die Schnauze, die scheuern an den Lefzen und hindern uns daran zu hecheln, was aber doch sehr wichtig ist, weil wir nicht anders schwitzen können. Dann sind wir auch noch an den Strick gefesselt, und wir dürfen uns nicht mehr frei bewegen. Wir sind darüber verärgert und brummeln auch manchmal unsere Artgenossen an. Wir verstehen uns ja selbst nicht mehr, da diese Dinge unsere eigene Sprache unkenntlich machen, was zu Verwechslungen untereinander führt.
Wir langweilen uns, und manche lecken sich zuhause auf ihren Decken die Pfoten oder wir beißen uns irgendwo, bis wir den Schmerz spüren. Warum nehmen sich einige Menschen das Recht heraus, uns zu foltern? Warum darf ich nicht mehr mit meinem Stock oder dem Ball auf der Wiese toben, was mich immer so angenehm müde macht? Zuhause darf ich nicht bellen, draußen durfte ich vorher immer, aber mit diesem Ding auf der Schnauze kann ich es auch dort nicht mehr tun. Der Ball war auch nichts für die Wohnung, da die anderen Menschen im Haus sich dadurch gestört fühlen. Wie und wo sollen wir uns jetzt austoben? Mensch, ich kann dir leider nicht garantieren, daß ich fröhlich bleibe und dazu noch immer nett und freundlich bin - alles und jedem gegenüber. Mir fehlt das Spielen und Rennen und ich möchte auch meine vierbeinigen Freunde wieder sehen und mit ihnen herumbalgen können. Ihr unterhaltet euch doch auch und spielt auch eure Spiele. Ist unser Leben denn weniger wert als eures?”
Mensch: “Hund, ich weiß was du mir sagen wolltest. Ich schreibe die Geschichte auf und sorge dafür, daß noch viele Menschen sie lesen. Und ich hoffe, daß auch sie begreifen werden, was du uns damit mitteilen wolltest. Hund, ist es das, was du möchtest ?”
Diesmal bleibt der Hund die Antwort schuldig.
Mensch: “Hund? Hund! Huuunnnd! Warum sagst du nichts mehr ?”
Der Hund schaut seinen Menschen offen an und schlägt mit der Rute schnell hin und her. Er hebt die Pfote, und der Mensch begreift, daß der Hund mit ihm spricht. Er nimmt die Pfote wie zum Handschlag und nimmt sich fest vor, die Geschichte weiterzugeben.



Eine Hundegeschichte

Eine junge Frau geht mit ihrem Hund in den Park.
Er fängt an, im Gebüsch zu stöbern.
Die junge Frau geht weiter.
Sekunden später: Bremsen quietschen,
ein Sandsack wird auf die Straße geschleudert,
prallt kurz ab und bleibt am Gehweg liegen.

Der Fahrer konnte nicht mehr bremsen. Der Hund ist tot.
Er hat selbst einen Hund, der langsam an Krebs zugrunde geht.

Die Polizei kommt.
"War der Hund an der Leine ?" Ein dämliches Grinsen:
"Na, hoffentlich war der Hund versichert, das wird teuer für Sie."

Das Telefon klingelt.
Ich freue mich, meine Freundin ruft an, ich habe Geburtstag.
Beim ersten Wort weiß ich: etwas Schlimmes ist passiert.
Ich fahre den Rechner herunter und bin auf dem Weg zum Bahnhof.

Auf dem Hundespielplatz. Der Hund tollt herum.
Mitten im Spiel kann er nicht mehr ausweichen und rennt in sein Frauchen.
Die Frau liegt mit verletztem Knie am Boden.
Der brave Hund hält Wache.
Ein Streifenwagen kommt heran, zwei Polizisten, die Pistole im Anschlag.
Nur durch die hartnäckige Weigerung anderer Hundebesitzer, aus der Schußlinie zugehen, bleibt der Hund am Leben.

Meine Freundin nimmt den Hund ihrer Mutter zu sich.
Wir sehen uns nur am Wochenende, da wir nicht im gleichen Ort wohnen.

Eine Woche habe ich ihn für mich alleine in meiner kleinen Wohnung.
Meine Freundin ist auf Studienfahrt.
Ich hatte etwas Angst, ob ich mit dem Hund zurechtkommen würde.
Tagsüber sitzt er im Büro unter meinem Schreibtisch.
In den Pausen gehen wir am Fluß entlang.
Er zieht immer zum Wasser und will schwimmen,
aber noch traue ich mich nicht, ihn von der Leine zu nehmen.
Dann reagiert er sich beim Stöckchenzerbeißen ab.

Sonntag Morgen.
Ein schwanzwedelndes, goldbraunes Etwas rotiert neben dem Bett und drückt mir ein Stofftier ins Gesicht.
Wir wollen noch nicht aufstehen und punkten durch entschiedenes Nichtbeachten unseres Gefährten.
Am Wochenende geht's erst etwas später raus.
Dafür machen wir lange Spaziergänge zu dritt und nehmen immer Spielzeug mit.
Mittlerweile fängt er den kleinen Ball im Flug.
Es ist ein herrlicher Anblick, wie sein Fell in der Wintersonne leuchtet.

Der Tierschutz hat den Hund über Nacht aufbewahrt.
Am nächsten Morgen holen wir ihn am Tierheim ab.
Ich trage ihn mit dem Tierpfleger ins Auto.
Der Hund riecht tot.

Wir fahren zur Mutter meiner Freundin.
Wir wußten, daß wir den Hund irgendwann zurückbringen müssen,
aber so hatten wir uns das nicht vorgestellt.
Es regnet, als ich das Grab aushebe.

Kein Hund der sich zwischen uns drängt, wenn wir uns küssen.
Seine Stofftiere liegen noch auf dem Fußboden herum.
Wir halten uns im Arm, immer wieder fangen wir an zu weinen.
Ständig nehmen wir Hundebücher zur Hand,
betäuben unsere Trauer mit dem Traum vom eigenen Hund.
Aber wir wissen, vorerst kann es nur ein Traum bleiben.

Für kurze Zeit hat er aus uns eine richtige Familie gemacht.
Nun sind wir wieder allein.





Er war nur ein kleiner Hund

Der kleine Hund liebte seinen Herrn über alles. Dieser riesengroße Mensch war sein Abgott. Er gab ihm Futter und Wasser und er schien ihn auch zu lieben; ganz sicher, denn er streichelte ihn zärtlich und redete mit ihm. Er gab ihm einen Platz in seiner Wohnung, den er gegen jeden noch so großen Hund verteidigen würde. Das ging so ein ganzes Jahr lang. Dann wurden die Liebkosungen des Menschen spärlicher. Er schien immer unruhiger zu werden. Aber da er niemals vergaß, seinem kleinen Freund das Futter hinzustellen, machte der sich keine Sorgen. Ab und zu wurde er auch noch gestreichelt. Menschen waren und dachten eben anders als Hunde. So sprang er ihm immer wieder voller Freude entgegen, ja er schrie förmlich vor Freude, wenn er hörte, dass der Riesengroße nach Hause kam, der ihm leicht auf den Rücken klopfte und beruhigend, wenn auch etwas abwesend, sagte "Ja, ja ! ist ja gut !" Dann kam die Urlaubszeit. Die erste im Leben des kleinen Hundes, der vor Aufregung leise jaulend neben seinen Herrn in das Auto gesetzt wurde, das er schon kannte. Er versuchte, sich möglichst nahe an den geliebten Menschen heranzudrängen, aber der schob ihn so unsanft zurück, dass der kleine Hund bestürzt zu ihm aufsah. Er ahnte nicht, dass sein Herr daran dachte, dass er wahrscheinlich überall nur Unannehmlichkeiten mit dem Tier haben und nie ganz frei sein würde. Er konnte ihn sicher nicht allein in dem fremden Hotelzimmer lassen, und er wollte und konnte ihn nicht dauernd mit sich herumschleppen. Der kleine Hund, der verunsichert vorsichtig mit der Pfote nach ihm tappte, erschien ihm auch längst nicht mehr so nett, wie damals als er ihn in einem Schaufenster sah und kurzentschlossen kaufte, weil er sich gerade sehr einsam fühlte. Aber im Urlaub wollte er Bekanntschaften machen. Er wollte, nun ja, was halt alle im Urlaub wollen. Der kleine Hund war plötzlich eine Last für ihn, und er begann zu überlegen, wie er ihn loswerden könnte. Als eine gut übersichtliche Strecke kam und er ganz sicher war, dass vor und hinter ihm niemand fuhr, fasste er den kleinen Freund plötzlich im Genick, der ihn zutraulich ansah und versuchte, rasch noch seine Hand zärtlich zu lecken, warf ihn kurzerhand aus dem Wagen und fuhr davon, ohne sich noch einmal umzusehen. Der kleine Hund überschlug sich, aber er hatte keine Verletzungen davon getragen. Er stand da, sah dem Wagen nach, der hinter einer dünnen Staubwolke immer kleiner wurde, und verstand die Welt nicht mehr. Sicher würde der Wagen gleich wiederkommen. Sicher war das nur ein Versehen. Vielleicht ein etwas grober Scherz, wie damals, als er ihn in ein tiefes Wasser geworfen hatte, um zu sehen, ob er schwimmen könne. Sicher würde er wieder besonders gestreichelt werden. Er würde warten, wie er schon so oft gewartet hatte. Er setzte sich an den Rasenrand der Straße. Er war nicht mehr der Jüngste, was ihm sein Herr nicht angesehen hatte. Seine Augen waren bereits etwas getrübt, aber er wusste, dass der Wagen, auf den er wartete, grün war. Manilagrün, wie die Menschen das nannten. Jedes Mal, wenn ein grüner Fleck in der Ferne auftauchte, richtete sich der Hund auf, spitzte die Ohren und wedelte unsicher mit dem Schwanz. Er lief ganz nah an die Fahrbahn. Sicher würde der Wagen, den er nur etwas verschwommen sehen konnte, halten und er würde schnell hineinspringen und alles würde wieder so sein wie früher. Aber der Wagen fuhr vorbei. Und der nächste grüne Wagen auch. Der kleine Hund war verzweifelt. Er winselte leise. Was sollte aus ihm werden ? Er hatte doch niemanden auf dieser schrecklich großen, fremden Welt außer diesem Menschen, der in dem grünen Wagen davongefahren war. Es kamen noch zehn grüne Wagen, es kamen zwanzig verschwommene grüne Wagen. Der kleine Hund wurde immer verzweifelter. Er lief so nahe wie möglich an die Fahrbahn heran und dann plötzlich wusste er es: Das war sicherlich immer derselbe Wagen. Er fuhr nur immer wieder an ihm vorbei. Wenn der nächste grüne Wagen kam, würde er einfach hineinspringen und dann würde alles wieder gut sein. Er spannte seine müden Muskeln, duckte sich, als der nächste verschwommen grüne Wagen heranbrauste, und sprang. Den Aufprall spürte er nur ganz kurz. Dann wurde er auf die Fahrbahn geschleudert und der nächste Wagen machte einen zottigen, blutigen Fleck aus ihm. Einen Fleck, der doppelt so groß war wie der kleine Hund. Der tote Hund sah jetzt viel größer aus, so wie Tote für uns immer größer werden, wenn man nichts mehr an ihnen, gutmachen kann.





Plädoyer

Der beste Freund, den ein Mensch auf der Welt hat, kann sich eines Tages gegen ihn wenden und sein Feind werden. Sein Sohn oder seine Tochter, die er mit liebender Fürsorge aufgezogen hat, können ihn undankbar verlassen. Menschen, die uns am nächsten stehen, denen wir unser Glück und unseren guten Namen in die Hände legen, können zu Verrätern werden. Das Geld, das ein Mensch erworben hat, kann ihm genommen werden, wenn er es am nötigsten braucht. Der Ruf eines Mannes kann durch eine einzige unbedachte Handlung für immer verloren sein. Die Menschen, die uns bewundernd umschwärmen, wenn wir erfolgreich sind, können die ersten sein, die Steine werfen, wenn der Schatten des Unglücks unser Leben verdunkelt. Der einzige gänzlich selbstlose Freund den ein Mensch in dieser selbstsüchtigen Welt finden kann, der einzige, der ihn nie verlassen , er einzige der nie undankbar, nie falsch und verräterisch sein wird, ist sein Hund. Eines Menschen Hund bleibt bei ihm in Reichtum und Armut, in Gesundheit und Krankheit. Er schläft auf dem kalten Boden, wenn die eisigen Winterwinde blasen und den Schnee vor sich herumtreiben, wenn er nur nicht von der Seite seines Meisters weichen muß. Er küsst auch die Hand, die ihm kein Futter mehr reichen kann, er leckt die Wunden und Beulen, die eine rauhe Welt uns zugefügt hat. Er bewacht den Schlaf eines Ausgeflippten als wäre ein Prinz. Wenn uns auch alle unsere menschlichen Freunde verlassen, der Hund bleibt da! Wenn unser Wohlstand zerfällt unser guter Ruf dahingeht, bleibt er unverändert in seiner Liebe wie die Sonne, die täglich neu ihren Bogen am Himmel beschreibt.Wenn es das Unglück will, daß der Meister zum Ausgestoßenen wird, ohne Freund und ohne Heim, verlangt der treue Hund kein weiteres Vorrecht, als ihn begleiten zu dürfen, um ihn vor Gefahren zu beschützen und gegen seine Feinde zu kämpfen. Kommt einmal die letzte Stunde heran, wo der Tod den Meister in Gewahrsam nimmt und sein Körper in die kalte Erde vergraben wird, dann wird man den edlen Hund beim Grabhügel finden. Auch wenn alle anderen Freunde ohne aufzumerken daran vorbeigehen, der Hund wird dort bleiben, sein Kopf zwischen die Pfoten gelegt, seine Augen traurig, doch offen in Wachsamkeit, verlässlich und treu auch im Tode



Gerechte Strafe

Einmal gab es einen unschuldigen, mit Freude erfüllten Hund, der am Straßenrand ein Schläfchen hielt. Ein Priester kam vorbei, hob ohne jeden Grund seinen Gehstock und schlug dem Hund auf den Kopf. Das arme Tier, blutend und schmerzerfüllt, schleppte sich zur Gerechtigkeitshalle, um sich vor dem König zu beschweren. Als König Rama in den Saal trat, sagte der Hund: "Mein Herr, als ich mich heute am Straßenrand ausruhte, schlug mir ein Priester ohne Grund auf den Kopf. Man sagt, in deinem Reich würde die Gerechtigkeit herrschen. Wenn dem so ist, bestrafe bitte den Priester für das, was er mir zugefügt hat."
Mit großem Mitgefühl und großer Achtung für das, was der Hund erzählte, schickte Rama seine Boten, um den Priester herzuholen. Der Priester trat in den Saal und gestand sein Verbrechen. Rama fragte den Hund, welche Strafe seiner Meinung nach gerecht sei, und der Hund antwortete: "Mache ihn zum Hohepriester eines riesigen Klosters. Das ist die gerechte Strafe."
Alle wunderten sich über den Vorschlag des Hundes, und Rama bat ihn, das zu erklären. Der Hund sagte: "Herr, in meinem vergangenen Leben war ich Hohepriester in einem großen Kloster. Diese Macht verdarb mich. Ich betrog ehrliche Leute und missbrauchte meine Befugnisse. Aus diesem Grund wurde ich in diesem Leben als Hund wiedergeboren. Wenn du diesen Mann zum Hohepriester machst, wird er sicher gleich handeln wie ich und als Hund wiedergeboren werden. Dann wird jemand anders auch ihn auf den Kopf schlagen. Ist das keine gerechte Strafe?"
Als sie die Worte des Hundes gehört hatten, lachten alle. Der Priester flehte um Vergebung. Der Hund und Rama vergaben ihm, und Rama heilte den Hund. Dieses Erlebnis öffnete ihnen das Herz, und sie traten beide in das Himmelreich ein.

Wolf und Hund





Freiheit - eine Wolfsgeschichte

Geschichten werden ausgedacht, sobald die Sonne untergeht. Geschichten, die manchmal eine andere Zeit, eine andere Wirklichkeit auferstehen lassen. Die Wände weichen zurück und geben den Blick auf die Vergangenheit frei - auf die Sterne einer längst vergangenen Nacht und unendliche Wälder, durch deren Finsternis noch lange keine Straßen führen würden.
Dort erwachten gelbe, glühende Augen zum Leben und durchdrangen gierig die Nacht. Ein hellgrauer Schatten löste sich aus der Dunkelheit, nur ein Schemen vor dem Schwarz der Wälder. Lautlos bewegte sich die Wölfin hinaus auf die Ebene und betrat als ungebetener Gast das Reich der wilden Pferde .

Von den Hügeln hinab drang der uralte Gesang ihrer Artgenossen zu ihr, das immer gleiche Lied an den Mond, das die Wölfe seit Jahrtausenden sangen. Doch dieses eine Mal antwortete sie nicht, der Hunger war stärker.
Irgendwo da draußen graste ihre Mahlzeit, ein Fohlen vielleicht in dieser Nacht, das sich ein Stück von der aufmerksamen Mutter entfernt haben würde. Warmes, lebendiges Futter für die hungrige Jägerin.
Sie stand einen Augenblick still und spitzte die pelzigen Ohren, die schwarzglänzende Nase in den Wind gereckt. Der grasbewachsene Boden war ihre Landkarte, der Nachtwind der Verräter, der sie zu ihrer Beute führen würde.
Langsam, fast gemächlich trabte sie in die Richtung los, in der sie ihre Mahlzeit wußte - ein Gedanke an den Tod auf weichen Pfoten. Die Jägerin mit den elfenbeinfarbenen Reißzähnen dachte darüber nicht nach, als sie stolz und gelassen die Weite der Ebene durchquerte - und in die Falle ging.

Es schien, als hätten die beiden eisernen Kiefer, die geöffnet und doch unsichtbar auf dem Boden gelegen hatten, nur darauf gewartet, sich bösartig um ihr Hinterbein schließen zu können. Ein eisiger Schreck durchfuhr die Jägerin, die auf einmal selbst zum Opfer geworden war, als ihr stetiger Lauf so unverhofft unterbrochen worden war, und sie begann in wütender Angst an der Fessel zu zerren .
Doch die metallenen Fänge bissen sich nur noch fester und drangen tiefer durch Pelz und Fleisch bis auf die Knochen. Erschöpft und noch immer hungrig saß die Wölfin still und hob den Kopf. Diesmal sang eine einzelne Stimme das Lied der Wölfe, rief verzweifelt um Hilfe, doch niemand antwortete. Sie waren fort - die Artgenossen, die ihr jetzt doch nicht hätten helfen können. Allein auf der scheinbar unendlichen Ebene kämpfte die Wölfin gegen die grellen Schmerzen, die ihr der leblose Feind zufügte, kämpfte mit der sinnlosen Ausdauer des Geschöpfs der Freiheit.
Viele einsame Stunden später stieg über den Wäldern der Nebel auf, der den nahenden Morgen ankündigte, und bedeckte die Gräser mit funkelnden Tropfen aus Tau. Aus den getrübten gelben Augen der Wölfin tropften bittere Tränen. Sie hatte keine Stimme mehr, um nach der Freiheit zu rufen, das Herz war leergeweint, so leer wie die Ebene, die sich vor ihr bis zum Horizont erstreckte.
Als dann schließlich die Sonne aufging, brachen die Augen. Das Licht des neuen Morgens spiegelte sich nicht mehr darin, als die hellgraue Wölfin still, reglos im Gras lag - denn jetzt war sie frei. Von allen Fesseln erlöst, hatte der Tod sie in die Freiheit gerufen.
Ihre Geschichte aber lebt bis heute und beginnt immer von neuem, solange es Gefangenschaft gibt

Mit den Augen eines Wolfes



Seit den Zeiten, als nur Sonne und Mond uns Licht gaben, kannte ich Dich. Aus den riesigen und undurchdringlichen Wäldern heraus beobachtete ich Dich. Ich war Zeuge, als Du das Feuer bändigtest und fremdartige, neue Werkzeuge machtest.

Von den Kämmen der Hügel und Berge aus sah ich Dich jagen und beneidete Dich um Deine Jagderfolge. Ich fraß Deine Beutereste und Du fraßt meine Beutereste.

Ich lauschte Deinen Gesängen und sah Deinen Schatten um die hellen Feuer tanzen. In einer Zeit, so weit zurück, daß ich mich kaum mehr erinnern kann, schlossen sich einige von uns Dir an um mit Dir an den Feuern zu sitzen. Sie wurden Mitglieder Deines Rudels, jagten mit Dir, beschützten Deine Welpen, halfen Dir, fürchteten Dich, liebten Dich.

Und für sehr lange Zeiten lebten wir so zusammen, denn unsere Wesen waren sich sehr ähnlich. Deswegen hast Du die Zahmen von uns adoptiert. Ich weiß, einige von Euch respektieren auch mich, den Wilden. Ich bin ein guter Jäger. Auch ich respektierte Dich. Auch Du warst ein guter Jäger. Ich sah Dich oft gemeinsam mit den Zahmen Beute erlegen.

In jenen Zeiten gab es alles im Überfluß. Es gab nur wenige von Euch. Die Wälder waren groß. Wir heulten zusammen mit den Zahmen in der Nacht. Einige von ihnen kehrten zu uns zurück, um mit uns zu jagen. Einige von ihnen fraßen wir, denn sie waren uns zu fremd geworden. So lebten wir zusammen für lange, lange Zeiten. Es war ein gutes Leben.

Manchmal stahl ich von Deiner Beute, und Du stahlst von meiner Beute. Erinnerst Du Dich, wie Dein Rudel hungerte, als der Schnee hoch lag? Du fraßt die Beute, die wir erlegt hatten. Das war unser Spiel. Das war unsere gegenseitige Schuld. Manche nannten es ein Versprechen. Wie viele der Zahmen aber wurdest auch Du uns immer fremder. Wir waren uns einst so ähnlich, aber jetzt erkenne ich einige der Zahmen nicht mehr und ich erkenne auch einige von Euch nicht mehr. Du machtest auch die Beute zahm. Als ich begann, Deine zahme Beute zu jagen (es waren dumme Kreaturen auf die die Jagd keine Herausforderung war, aber die wilde Beute war verschwunden), jagtest Du mich und ich verstand nicht, warum.
Als Deine Rudel immer größer wurden und begannen, gegeneinander zu kämpfen, sah ich Eure großen Kriege. Ich fraß jene, die Du erschlagen hattest. Dann jagtest Du mich noch mehr, denn für mich waren sie Nahrung, aber Du hattest sie getötet.

Wir Wilden sind nur noch wenige. Du zerstörtest unsere Wälder und brachtest viele von uns um. Aber ich jage immer noch und füttere meine versteckten Welpen, wie ich es immer getan habe. Ich frage mich, ob die Zahmen eine weise Wahl trafen, als sie sich Euch anschlossen. Sie haben den Geist der Wildnis vergessen. Es gibt viele, viele von ihnen, aber sie sind mir so fremd.
Wir sind nur noch wenige und ich beobachte Dich immer noch, um Dir auszuweichen.

Ich denke, ich kenne Dich nicht mehr länger.



Wolf und Hund

1758 gab Carl von Linne, ein schwedischer Naturforscher dem Wolf den zoologischen Namen Canis lupus, übersetzt: "Hund - Wolf". Der Wolf ist der Vorfahre des Haushundes, diese haben viele Gemeinsamkeiten: Länge der Tragzeit, Haarwechsel im Frühjahr, Ausbildung eines Winterfells und die Reihenfolge mit der die ersten Zähne erscheinen.
Unterschiede sind: kurze an Basis breite Ohren, die weniger spitz sind als bei Hunden, großer, breiter und schwerer Kopf, die Schnauze ist breit, spitz zulaufend und endet in einer ca. 4 cm breiten Nase .
Da Wolf und Hund noch immer sehr nahe verwandt sind, ist es nicht ungewöhnlich, daß diese fortpflanzungsfähige Nachkommen bekommen können. Das ist auch die wahrscheinlichste Lösung, dafür, daß Wölfe in Europa angreifen, aber nicht in Nordamerika.
Die Europäer züchteten im Mittelalter (oder früher), große doggenähnliche Hunde die Wölfe von den Bauernhöfen fernhalten sollten. Da diese Hunde frei herumstreunten, paarten sie sich mit Wölfen, deren Nachkommen ungewöhnlich große Mischlinge hervorbrachten. Diese Mischlinge hatten weniger Angst vor den Menschen und waren viel aggressiver.
Es gibt Berichte aus Frankreich von 1764-1767, wo über hundert Menschen angegriffen, 64 getötet und aufgefressen wurden. Als 1767 zwei Tiere getötet wurden, hörten diese Angriffe auf. Die getöteten Tiere waren außergewöhnlich groß und schwer (60 kg), sie hatten ein schokoladenbraunes bzw. rotbraunes Fell, deshalb nimmt man an, daß es sich um Kreuzungen aus Wolf und Dogge handelte. Für Angriffe von echten Wölfen war wahrscheinlich die Tollwut verantwortlich.
Diese Krankheit war im Mittelalter nicht erkannt worden und endete tödlich für alle Infizierten. Diese starben einen qualvollen Tod, weshalb der Haß gegen die Wölfe weiter zunahm.
In den USA und in Kanada wurde es Mode, einen Wolf oder einen Hybriden, ein Mischling zwischen Hund und Wolf, als Haustier zu halten. Es gibt ca. 200 000 solcher Tiere in Amerika. 1991 kam es zu 6 Todesfällen bei Angriffen. Wissenschaftler machen darauf aufmerksam, daß Wolfshybriden 15 000 Jahre der Domestizierung rückgängig machen.
Ein weiteres Problem besteht darin, daß solche Mischlinge sich mit Kojoten kreuzen, dadurch entstehen neue Arten von Raubtieren, die sehr anfällig für die Tollwut sein, und Jagd auf Haustiere machen werden.

Wolf

"Tutderwat"

Dertutnix hat einen Bruder namens "Tutderwat". Tutderwat gehört keiner bekannten Rasse an, ist aber beileibe kein Gassenmischling, wie man meinen könnte. Tutderwat gehört vielmehr jeder Rasse an, besser gesagt: Er ist jede Rasse.
Ich muss es wissen, denn ich gehe täglich mit Ihm spazieren. Tutderwat erregt Neugier, wo immer er auftaucht.
Das Erstaunlichste ist: Die meisten Passanten kennen Ihn! "Tutderwat?" ist die Reaktion mindestens jeden dritten. Jeder vierte fragt:"Och, is der aber süß, tutderwat?" Die Antwort darauf ist schwierig. Sage ich:"Ja, wenn Sie ihn anfassen!" heißt es gleich: "Wat, dä?", antworte ich: "Möglich, kann man nie wissen!" tönt es zurück: "Wie kann dat denn? Darf man den nit mah streicheln, der is doch soo süß!"
"Tun Sie´s lieber nicht, vielleicht tut er doch wat!" antworte ich und wandere weiter.
Ein paar Schritte weiter richtet Tutderwat seine Rute auf und strolcht wedelnd und ohrenspitzend auf einen Artgenossen zu. Ah! Dertutnix, na, dem tut er auch nix, der darf ihn anfassen.
Wenn Sie Tutderwat einmal begegnen sollten, tun Sie ihm bitte den Gefallen und fragen Sie nicht "tutderwat", sondern sagen Sie einfach guten Tag und gehen weiter.
Herrchen freut sich!


Klare Regeln für den Hund

Der Hund darf nicht ins Haus.
OK, der Hund darf ins Haus, aber nur in bestimmte Räume.
Der Hund darf in alle Räume, aber nicht auf die Möbel.
Der Hund darf nur auf alte Möbel.
Also gut, der Hund darf auf alle Möbel, aber nicht mit ins Bett.
OK, der Hund darf ins Bett, aber nur manchmal.
Der Hund darf im Bett schlafen, wann immer er möchte, aber nicht unter der Decke.
Der Hund darf nur manchmal unter der Decke schlafen.
Der Hund kann jede Nacht unter der Decke schlafen.
Menschen müssen um Erlaubnis bitten, wenn sie mit dem Hund unter der Decke schlafen möchten.


Regenbogenbrücke
An einer Stelle der Ewigkeit
gibt es einen Platz,
den man die Regenbogenbrücke nennt.
Auf dieser Seite der Brücke liegt ein Land mit Wiesen,
Hügeln und saftigem grünen Gras.
Wenn ein geliebtes Tier auf der Erde für immer eingeschlafen ist,
geht es zu diesem wunderschönen Ort.
Dort gibt es Wiesen und Hügel für all unsere speziellen Freunde,
damit sie laufen und zusammen spielen können.
Es gibt immer zu fressen und zu trinken,
es ist warmes schönes Frühlingswetter,
und unsere Tiere fühlen sich wohl und zufrieden.
Alle Tiere, die einmal alt und krank waren,
sind wieder gesund und stark,
so, wie wir uns an sie in unseren Träumen erinnern,
wenn die Zeit vergeht.
Die Tiere sind glücklich und haben alles,
außer einem kleinen Bißchen;
sie vermissen jemanden Bestimmtes, jemanden, den sie zurückgelassen haben.
So rennen und spielen sie jeden Tag zusammen,
bis eines Tages eines sein Spiel plötzlich unterbricht und in die Ferne schaut.
Die Nase bebt, die Ohren stellen sich auf,
die hellen Augen sind aufmerksam, der Körper ist unruhig.
Plötzlich trennt es sich von seiner Gruppe, fliegt förmlich über das grüne Gras,
seine Beine tragen es schneller und schneller.

Es hat Dich gesehen.

Noch bist Du wie ein Punkt in der Unendlichkeit,
doch wenn Du und Dein Freund sich dann endlich treffen,
gibt es nur noch Wiedersehensfreude, die nicht enden will.
Dein Gesicht wird geküßt, wieder und wieder,
Deine Hände streicheln über den geliebten Kopf
und Du siehst einmal mehr in die treuen Augen Deines Tieres,
das so lange aus Deinem Leben verschwunden war,
aber nie aus Deinem Herzen.
Dann geht Ihr zusammen über die Regenbogenbrücke
und Ihr werdet nie wieder getrennt sein...



Hundeerwartungen

Kleine Hunde
sind neugierig, und besonders darauf aus, Neues unter die Lupe zu nehmen. Denken Sie keinesfalls darüber nach wie teuer Ihrer Wohnungseinrichtung war, er schafft es in kurzer Zeit die Einrichtung sowie Ihr Leben auseinander zu nehmen. Die normale Sehentfernung vom Hund zum Tier beträgt etwa 80 m. Vergessen Sie es. Ihr Hund sieht Dinge, die mehrere hundert Meter entfernt sind und Sie werden es dann merken, wenn Sie ohne Leine im Feld unterwegs sind und Ihr kleiner Liebling einen Hasen ausmacht und sich blitzschnell dreht und wie ein Pfeil darauf zustürzt. Hier werden Sie auch merken, wie laut Ihre Stimme werden kann und wie schnell Sie eigentlich laufen können. Machen Sie Ihren Hund frühzeitig mit den Geräuschen der Zivilisation vertraut. Ihre Nerven werden es Ihnen danken. Ein Hund der versucht es mit einem Traktor aufzunehmen und diesen lauthals bebellt ist auch nicht Jedermanns Sache, zumal die Lenker der besagten fahrbaren Untersätze zu einer Spezies gehören, die man Bauern nennt, muffig und konserviert durch ihre eigene Bosheit. Machen Sie ihn vor allem "schussfest". Ein Hund hört alles und Sie werden dies spätestens bei der unsinnigen Silvesterknallerei merken, was für eine mächtige Stimme ihr Hund hat. Die Ignoranz auf diese Geräusche ist relativ einfach zu erreichen. Nehmen Sie einen Luftballon, blasen den etwas auf und lassen Sie ihn dann zerplatzen. Ihr Hund wird damit vertraut gemacht und an den besagten Tagen die Sache mit einer gewissen Souveränität übergehen. Lassen Sie ihren Hund bei Spaziergängen an der Leine. Nichts ist so interessant, wie ein Jogger, der im lila T-Shirt und grüner Hose wie ein aufgescheuchtes Huhn den Weg entlang hüpft. Vergessen Sie die Hundeschule wo schön artig, Vertreter aller Rassen, angefangen von der charmanten Mopsdame bis hin zum mächtigen Hovawart ihre Runden drehen und Sitz und Platz üben. Ihr Hund gehört nicht hierher und die beste Hundeschule sind Sie selbst, denn Sie sind der Boss. daß er der Oberhund ist. Schreien Sie ihren Hund nicht an. Es bringt nichts ,Sie werden dabei nur heiser. Er haßt es, sein Gesicht zu verlieren und stellt seine Ohren auf Durchzug. Sie erreichen mehr, wenn Sie mit ruhiger Stimme ihm sagen, er soll damit aufhören, was immer er auch tut. Nehmen Sie sich in Bezug auf die Ernährung etwas Zeit. Ihr Hund wird es Ihnen danken. Die in der Werbung so gepriesenen Fertigprodukte, damit es ein Prachtkerl wird, verursachen durch das Überangebot an Eiweiß Hautausschläge und Allergien. Sinnvoller ist es, einen ausgewogenen Speisezettel, der allerdings etwas zeitaufwendig ist, zu erstellen. Gekochtes Rind- oder Lammfleisch, gemischt mit Trockenfutter und Haferflocken schmeckt auch ihrem Hund besser, als die breiige, schwammige Masse aus der Blechdose.
Sind Sie gerne alleine? Ihr Hund auch nicht. Er ist ein soziales Wesen und braucht die Zuneigung und Wärme seiner Menschen. Er wird es Ihnen mit abgöttischer Liebe danken. Und denken Sie daran ihr Hund mag Sie immer, egal wie Sie aussehen, es ist auch manchmal nicht besonders attraktiv wie eine naße Katze mit einen ebenso nassen, dampfenden Hund mit schlierigen Turnschuhen aus dem Feld aus der Versenkung aufzutauchen. Er mag Sie auch dann und hat es nicht verdient sich selbst überlassen zu werden, wie ein Spielzeug das man je nach Bedarf aus der Ecke zieht. Es ist ein Wesen das genau so wie Sie den Schmerz des Alleinseins und des Verlorenseins empfindet.




Die Rückkehr zur Regenbogenbrücke

Ein kleiner Hund kam an der Regenbogen-Brücke an und ein Rudel von Hunden kam sofort zu ihm hingelaufen, um ihn zu begrüssen.

Er war darauf gefasst, dass er nun angegriffen würde, aber das war die erste Meute, die nur mit dem Schwanz wedelten.

Anstatt ihn zu beissen, küssten sie ihn einfach.
Es war wunderschön da und jeder war ganz lieb zu ihm. Keiner von ihnen wurde in einer *Welpen-Fabrik* geboren, so wie er damals, und dann als Kampfhund benutzt, um dann in der Gosse zu sterben, weil er eine hässliche Promenadenmischung war. Sie erklärten, dass sie auf ihre Herrchen warten würden, die sie so geliebt hatten.

Was IST Liebe?, fragte der kleine Hund und Gott lies ihn auf die Erde zurückkehren um das herauszufinden.

Warm und dunkel, er wartete zusammengekauert mit den anderen darauf, geboren zu werden. Ängstlich wartete er bis zu letzt, als er dann an den Hinterfüssen herausgezogen wurde. Unbehaarte Hände hielten ihn vorsichtig und trockneten ihn ab. Sie zeigten ihm, wo es einen warmen Schluck mit warmer Milch gab. Er hatte nicht die Kraft dazu, sich lange an der Zitze festzuhalten.

Seine Brüder und Schwestern waren weitaus kräftiger als er selbst und stiessen ihn zur Seite. Die Menschenhand drückte die anderen Welpen ein wenig zur Seite und hielten seinen Körper, so konnte er trinken.

Aaaahhh .. so ist es besser! dachte er und trank, bis er erschöpft war und zusammengekuschelt bei seiner Mutter eingeschlafen ist. Ich erinnere mich genau daran sagte er erfreut. Zu dumm, dass ich erwachsen werden musste und hinaus in die Kälte und Nässe musste um dort zu kämpfen und als Verliererhund sterben musste. Ich erinnere mich, was es heisst ein Hund zu sein. dachte
er traurig.

Diese Nacht kroch er auf seine Mutter und versuchte zu trinken, aber er fiel immer wieder zur Seite weg. Wenn die anderen vollgetrunken waren, dann wurde ihnen der Bauch geleckt und er konnte nur noch die Restmilch trinken, die
die anderen übrig gelassen hatten. Aber die Menschenhand war nicht da, die ihm geholfen hatte, dass er auch noch was abbekommen hatte, die Zitzen waren immer
schon leer, als er an der Reihe war. Es war sogar schon schwer genug, dass er aufstehen konnte. Er war noch so klein und schmächtig. Er fiel auf den Rücken und konnte sich nicht mehr aufrichten. So begann er zu schreien. Sofort kam ein Mensch herbeigeeilt und sofort war die Menschenhand wieder da und dann gaben sie ihm einen Gumminippel in den Mund. Es hat nicht so gut geschmeckt, wie die der Mutter, aber es war warm und vertrieb die Schmerzen in seinem kleinen Magen. Er hatte Probleme mit dem Atmen, weil seine Lungen nicht voll entwickelt waren. Er hatte einfach zu lange gebraucht um den anderen in die Gebärmutter zu folgen als er die letzte Chance von der Regenbogenbrücke genommen hatte.

Er konnte den Herzschlag des Menschen spüren, der ihn zugedeckt mit einem warmen, weichen Tuch auf den Bauch genommen
hatte.

Das hielt seinen knochigen Körper schön warm und die wiederkehrenden sanften Streicheleinheiten haben ihn sehr beruhigt.

Er dachte wieder an seinen neuen Freund, der so lieb an der Regenbogenbrücke zu ihm war und Gott fragte, ob er wohl nochmals zurück dürfte.
Gott sagte : Ja, aber nicht jetzt. Du wolltest erleben, was Liebe ist. So wurde er für einige Stunden ( es kam ihm vor wie Tage aber er wusste ja nicht was Zeit ist und es war ja auch dunkel), gaben ihm die Menschen seine Milcheinheiten und gaben ihm die Wärme und Liebe seiner Mutter wieder.

Er wurde grösser und agiler und der Mensch nahm ihn immer öfters aus dem Nes,t um bei ihm zu schlafen, so lange er liebkost und geküsst wurde und den Herzschlag hören konnte, der fest und lieb klang.

Dann kam Gott und fragte ihn: Bist du bereit zu uns auf die Regenbogenbrücke zurück zu kommen? Ja antwortete er, mit einer kleinen Wehmut, weil der Mensch ihn nicht gehen lassen wollte und zu weinen begann. Er liess die Luft aus seinen Lungen und ging zurück über die Regenbogenbrücke.

Dort schaute er auf den Menschen, der immer noch weinte und seinen Körper in Händen hielt, den er sich für diesen Ausflug geborgt hatte.

Danke, Gott, sagte er. Liebe ist WUNDERBAR, und nun werde ich auch an der Regenbogenbrücke auf den Menschen warten, um ihr zu sagen, dass ich sie auch geliebt habe.



Leb wohl kleiner Engel Tina

Eine Weihnachtsgeschichte

Niko's Weihnachtsmann

Stets hatte Floh, die braune Mischlingshündin, ihrem Herrn, dem Bauern Mehwald, treu gedient. Sie bellte mutig, wenn Fremde auf den Hof kamen und achtete auf die Kinder des Bauern, wenn sie in der Nähe des kleinen Baches spielten. Einmal war es ihr sogar gelungen, mit lautem Gebell einen Fuchs zu verjagen, bevor er in den Hühnerstall einbrechen konnte. Sie führte nicht gerade ein luxeriöses Leben, seit sie vor sechs Jahren als Welpe auf den Hof kam, aber sie konnte zufrieden sein. Im Stall fand sich immer ein warmes Plätzchen zum Schlafen im Stroh, zu Fressen gab es auch genug und ab und zu steckte die Bäuerin einen Leckerbissen zu. Besonders liebte Floh die Kinder, die mit ihr tobten und spielten. Wenn die Zeit kam, dass Floh läufig wurde, sperrte sie die Bäuerin in den Auslauf zu den Hühnern. Doch diesmal hatte die Bäuerin nicht aufgepasst und Rex, der Hund vom Bauern Lars hatte die Gelegenheit genutzt und nun bekam Floh Babys. Die Wochen waren vergangen und irgendwann ließ sich das Missgeschick nicht mehr verheimlichen. Anfang November warf Floh fünf Welpen. Die Bäuerin hatte ihr eine Kiste in der warmen Küche zurecht gemacht und ihr bei der Geburt beigestanden. Am Nachmittag kam der Bauer mit einem Korb, nahm die fünf Welpen, legte sie hinein und verließ die Küche. Floh war außer sich. Warum nahm man ihr die Welpen weg ? Was sollte mit ihnen geschehen ? Sie schrie und winselte, bellte und sprang an der Bäuerin hoch. Doch diese sah sie nur traurig an, streichelte sie und gab ihr ein paar Leckerbissen. Floh wollte sich aber nicht beruhigen, sie rannte zur Tür und kratzte jaulend daran. Bis die Bäuerin sie dann nach einer Stunde hinaus ließ. Floh lief umher und suchte, schaute in jede Ecke und schnupperte überall herum. Sie war so verzweifelt, doch sie konnte ihre Welpen nicht finden. Irgendwann trieb sie ihr Instinkt zum Misthaufen. Und da lagen die Welpen. TOT! Der Bauer hatte sie alle getötet und dann dorthin geworfen. Floh sah ihre Welpen und leckte über die kleinen Körper. Auf einmal war es ihr, als hätte einer der Welpen gezuckt. Sie leckte nochmals und schnupperte. Tatsächlich - einer der Welpen schien noch am Leben zu sein. Sie nahm ihn vorsichtig ins Maul und trug ihn in den warmen Stall, in eine Ecke, wo sie sich manchmal versteckte, um einen Knochen, den sie bekommen hatte, in Ruhe aufzufressen. Hier lagen ein paar alte Säcke und ein bischen Stroh, auf das sie jetzt ihren Welpen legte. Viel Leben war nicht mehr in ihm. Er zuckte schwach und ab und zu wimmerte er kaum hörbar. Floh leckte zärtlich über den kleinen kalten Körper, bis er wieder ganz warm war. Dann legte sie sich so zurecht, dass er an einer ihrer Zitzen trinken konnte. Die Wärme und die Nahrung ließen den Welpen wieder zu sich kommen. Bald schon trank er kräftig seine Milch. Floh war glücklich, aller Kummer war vergessen, sie hatte ein Baby. Zärtlich schaute sie den kleinen Rüden an: " Ich werde dich NIKO nennen, denn bald ist Nikolaus und daran erinnere ich mich gerne". Beschenkte doch die Bäuerin alle Tiere des Hofes am Nikolausmorgen. Letztes Jahr gab es für Floh ein neues Halsband und einen großen Hundekuchen. Floh liebte den kleinen Niko. So oft sie konnte war sie bei ihm. Hierbei mußte sie immer sehr vorsichtig sein, denn niemand durfte merken, dass es Niko gab. Nach 14 Tagen merkte Floh glücklich: Niko öffnete die Augen. Er konnte jetzt sehen und hören. Wie alle Mütter, so auch Hundemütter, sang sie ihrem Sohn Lieder vor. Sie streichelte ihn mit ihrer Zunge und als Niko die ersten Gehversuche machte, unterstützte sie ihn mit ihrer Schnauze. Floh war keine erfahrene Hundemutter, sonst hätte sie schon früher bemerkt, dass mit Niko etwas nicht stimmte. Er konnte sich auf den Vorderbeinen hochstemmen, doch die Hinterbeine gehorchten ihm nicht, nur die Schwanzspitze bewegte sich etwas, wenn er seine Mutter begrüßte. Floh ermunterte ihren Sohn, es immer wieder zu probieren, wobei sie ihm soweit es ihr möglich war, half. Irgendwann begriff sie, Niko würde nie laufen können. Floh war verzweifelt, sie weinte viel. Die Tage vergingen, Niko wurde älter und fragte sie immer öfter: "Wie lange dauert es noch, bis ich gehen und laufen kann, und wann gehst Du mit mir hinaus?" Niko verbrachte seine Tage damit, aus seinem Versteck heraus die anderen Tiere zu beobachten. Gespannt lauschte er den Geschichten, die sie sich untereinander erzählten. Wenn Floh zu ihm kam, bestürmte er sie immer mit tausend Fragen: "Mutter, was ist Gras - Mutter, was sind Blätter - Mutter was ist Schnee und Mutter, was ist Weihnachten und was ist ein Weihnachtsmann?" Floh beantwortete ihm so gut es ging seine Fragen. Einmal brachte sie ihm ein trockenes Blatt mit. Ein anderes mal hatte sie einen Schneeball im Maul. So lernte Niko durch Erzählungen die Außenwelt kennen. Floh wollte nicht wahrhaben, wie krank Niko wirklich war. Trotz ihrer Pflege und Zuwendung wurde er immer schwächer. So gerne sie es wollte, sie vermochte ihm nicht zu helfen. Es war Heilig Abend und die Bäuerin bedachte alle Tiere mit einem Geschenk. Floh schenkte sie eine neue Futterschüssel in der eine große Keule vom Gänsebraten lag. Floh dachte nur an Niko und wollte nicht in der warmen Stube unter dem Tannenbaum liegen. Sie kratzte so lange an der Tür, bis die Kinder sie hinaus ließen. Sofort lief sie zu Niko in den Stall um ihm die Gänsekeule zu bringen. Aufgeregt erwartete Niko sie, seine Stimme überschlug sich, als er sie fragte: "Mutter, wie sieht ein Tannenbaum aus ? Mutter, was sind Kerzen ? Mutter, kennst Du ein Weihnachtslied ? Sing es mir bitte und erzähl mir eine Weihnachtsgeschichte." Als Floh das Lied "Stille Nacht" anschlug, sangen alle Tiere des Stalles mit. Es war ein prächtiger Chor. Es war eine feierliche Stimmung und die Tiere beschlossen noch einige Geschichten zu erzählen. Es waren lustige Geschichten und alle Tiere lachten laut. Als sich die Stimmung wieder beruhigt hatte, erzählte Floh noch die Weihnachtsgeschichte. Sie änderte die Geschichte nur ein wenig ab. Niko zuliebe erzählte sie, dass ein Hund die Krippe mit dem Christuskind warmgehalten hatte. Niko hörte allen Geschichten aufmerksam zu. "Mutter" fragte Niko "kommt der Weihnachtsmann auch zu kleinen Hundekindern? Dürfen Hundekinder sich auch etwas zu Weihnachten wünschen? Mutter, ich möchte so gerne laufen können und draußen spielen und Löcher graben. Meinst Du, wenn ich ganz doll drum bitte, der Weihnachtsmann erfüllt mir meinen Wunsch ?" Floh war es sehr schwer ums Herz und wie Mütter sind, griff sie zu einer Notlüge: "Ja Niko, auch wenn Hundekinder sich etwas wünschen, kommt der Weihnachtsmann." Im Stall war Ruhe eingekehrt. Alle Tiere schliefen. Eng aneinander gekuschelt schliefen auch Floh und Niko ein. Floh - tot unglücklich ihrem Sohn nicht helfen zu können und Niko in freudiger Erwartung, dass der Weihnachtsmann ihm über Nacht seinen Wunsch erfüllen würde. Irgend etwas hatte Floh geweckt; die anderen Tiere im Stall waren auch erwacht. Floh schlug die Augen auf. Im Stall, ganz hoch oben unterm Dach, leuchtete ein kleiner Stern und seine Strahlen fielen auf Niko. Er hatte seine Augen weit geöffnet und sein Gesicht strahlte vor Glück. Floh sprach ihn an, aber er schien sie nicht zu hören. Seine Vorderbeine bewegten sich, als liefe er über Felder, seine Rute schlug, er bellte, er winselte: "Mutter, es ist so schön. Der Weihnachtsmann hat mich gestreichelt und ich kann laufen. Ich laufe über die Wiese und jage Schmetterlinge, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und die Blumen duften so wundervoll, es ist alles noch schöner als Du es mir immer erzählt hast. Ich fühle mich so leicht, so glücklich, so zufrieden. Meine Beine - sieh doch, wie schnell ich laufen kann!" Floh weinte, sie sah, wie in Nikos glücklichem Gesicht die Augen aufleuchteten. Sein kleiner Kopf sank auf´s Stroh. Der Stern erlosch. Es war still im Stall. Nur ab und an hörte man ein leises Seufzen der anderen Tiere. Floh schloss die Augen. Trotz ihrer Trauer weinte sie nicht mehr. Am Himmel fuhr währenddessen der Weihnachtsmann mit seinem - von 6 Rentieren gezogenen - Schlitten davon. Voran tobte, vor Freude und Übermut laut bellend, ein kleiner brauner Welpe. Um den Hals trug er ein rotes Halsband auf dem geschrieben stand: "NIKO - Gehilfe des Weihnachtsmannes
Ich wünsche allen eine besinnliche Adventzeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest.


Der naschhafte Hund
Bei einem jungen Ehepaar kündigte sich Nachwuchs an.
Die junge Frau,die sehr tierliebend war, wünschte sich, dass ihr Kind mit einem Tier, wobei beschlossen wurde mit einem Hund, aufwachsen sollte, obwohl der Herr des Hauses ihr die zusätzliche Arbeit, die eben ein Hund verursacht, nicht zumuten wollte, blieb sie bei ihrem Wunsch, so wurde ein Schäferwelpe, der einemal ein Rüde werden sollte,angeschaft.Im Alter von 8 Wochen schon recht tempramentvoll wurde er "Springi" gerufen, obwohl er einen wohlklingenden Namen laut seinem Papieren hatte.
Springi wuchs heran und für die junge Frau wurde es schön langsam Zeit, sich alles für die
Geburt herzurichten. Der Tag, wo der Rettungswagen die junge Frau abholte, war für Springi
aufregend, war er doch schon 9 Monate alt, also schon ein junger Herr, er wollte den Sanitätern sein Frauerl nicht geben und verbellte sie mit aller Stimmkraft, schliesslich musste sein Herrl ihm wegsperren.
Er war nun sehr traurig, da er als er befreit wurde kein Frauerl fand. Selbst das beste Fressen schmeckte nicht. Es vergingen einige Tage, da war das Frauerl wieder da und hatte
ein schreiendes Bündel im Arm und er getraute sich nicht, sein Frauerl zu begrüssen.
Als der Stammhalter versorgt war, wurde die Begrüssung nachgeholt und sein Frauerl
erklärte ihm,dass er auf das Kind in seinem Bettchen aufpassen müsse.
Von nun an war er der "Aufpasser vom Dienst" und eine fremde Person durfte sich dem Bettchen nicht nähern,denn er begann sofort zu bellen und zeigte seine Zähne.
Die Zeit verging Kind und Hund waren unzertrennlich,obwohl das Kind manchesmal ihm bei den Ohren oder bei seinem Schwanz zog, nahm er es geduldig hin.

Eines Tages stellte die Mutter fest, dass das Töpfchen des Kindes nur geringen Inhalt hatte. Auch die nächsten Tage war der Inhalt des Töpfchens ungewöhnlich gering. Die besorgte
Mutter ging mit dem Kind zu Arzt, aber der konnte nichts auffälliges feststellen.
Kind und Hund waren lustig wie eh und je, nur das Töpfchen war nach Ansicht der Mutter zu
gering gefüllt.
Sie begann nun zu beobachten und das Rätsel war schnell gelöst.
Springi bediente sich aus dem Töpfchen, nachdem das Kind seine Verrichtungen erledigt
hatte, sofern er sich nicht beobachtet glaubte.
Seine Trauer war gross,als das Töpfchen nun immer gleich ausgeschüttet wurde und so sein
"Nachtisch" entfiel. Trotzdem blieben alle mit Springi, dem "Nascher", freundlich und bald hatte er seinen Gusto vergessen.

Manche Leser werden jetzt "Pfui Teufel" sagen, aber machmal sind eben Hunde "naschhaft"
!!!!!!!!!!

Geschichte aus Lappland



Geschichte aus Lappland

In Lappland wird eine alte Geschichte erzählt.
Früher, kam der Hund, der damals noch ein wildes Tier war, zu den Lappen und bat sie, ihn in ihre Dienste zu nehmen - denn es war für ihn zu schwer geworden, in der Wildnis seine Nahrung zu suchen und er mußte viel hungern.

Die Lappen aber waren froh, einen Helfer für ihre Arbeit zu finden. Sie hatten schon versucht, ein Wolfsjunges zum Rentiertreiben abzurichten, doch als es groß war, fiel es über die Renntiere her und tötete sie.
Der Hund aber versprach, die Herde gut zu bewachen und forderte für seinen Dienst nur reichlich Nahrung und gute Behandlung. Und noch eins: wenn er zu alt für die Arbeit sein würde und den Rentierherden nicht mehr folgen könnte, sollten ihn die Lappen töten.

Die Lappen halten noch heute dieses Versprechen und lassen ihre Hunde nicht leiden. Keiner tötet jedoch seinen eigenen Hund, sondern jeder bittet seinen Freund, dies für ihn zu tun.
Beim jüngsten Gericht erscheint der Hund vor Gott; und ob er ein gutes oder ein schlechtes Zeugnis ablegt, ist entscheidend für die Beurteilung seines Herrn...


Der glückliche Till

Mein Name ist Till und ich bin ein wunderschöner großer Deutsch-Langhaar. So alt bin ich auch noch nicht, ungefähr 3 Jahre erst. Ich habe schon 3 mal den Winter und 3 Mal den Sommer erlebt. Ich weiß noch, daß ich fürchterlich gefroren hatte im Winter, und dass es mir jetzt viel zu heiß ist. Ich bin auch ein wenig zu dick, aber mein Herrchen nimmt Rücksicht auf mich, denn er sagt, ich sollte mich nicht unbedingt viel bewegen.
Mein Herrchen ist ein kluger Mann, er weiß immer ganz genau, was gut für mich ist. Deshalb liebe ich ihn auch so abgöttisch, nur leider sehe ich ihn nicht so oft. Er ist ein vielbeschäftigter Mann, von morgens bis abends muss er arbeiten. Sonntags darf ich mit ihm durch den Ort gehen, dann macht er sich schick und wir gehen eine Stunde spazieren.
Ab und zu darf ich auch mit Frauchen in den Garten gehen, oh, das macht mir Spaß. Am liebsten buddel' ich im Sand. Als ich noch ganz klein war, bekam ich alle 3 Tage extra-tollen-weissen Buddelsand. Jetzt ist es nicht mehr so oft, aber auch im alten Sand lässt es sich buddeln. Ich bin manchmal aber auch ein wenig traurig. Die Nachbarin von uns hat auch Hunde, so kleine komische Wuselzwerge zwar, aber es sind doch immerhin Hunde. Die sehen immer so zufrieden und glücklich aus.
Ich habe mir schon ganz doll den Kopf darüber zerbrochen, warum denn nur? Ich glaube, es liegt daran, daß sie alle einen schönen Platz im Haus haben, daß sie einen wunderschönen Garten haben, daß sie ein Frauchen haben, mit dem sie laufen und tollen dürfen. Keine Ahnung, aber mein Herrchen sagt ja immer...ich hätte sowieso keine Lust, mich zu bewegen.
Juhu, heute gab es wieder Sand für mich, ein wunderschöner Tag. Aber so ganz gerecht ist das eigentlich nicht, die Wusels nebenan mit dem großen Garten, und ich bin ein stattlicher Groß-Hund und habe nur drei mal fünf Meter für mich. Mein Herrchen nennt das Zwinger, und er muß es schließlich wissen.
Ich habe auch eine tolle Hütte, ganz für mich alleine. Manchmal piekt mich das Stroh ganz doll, aber dann lege ich mich in meinen Buddelsand. Der Zaun ist so furchtbar hoch, da kann ich gar nicht richtig sehen, was mein Herrchen macht.
Bald ist ja wieder Sonntag. Oh, wie ich mich darauf freue! Mein kluges Herrchen hat zur Nachbarin gesagt, daß es mir gut geht bei ihm, weil ich es ja nicht anders kennen würde. Und wenn mein geliebtes Herrchen das sagt, dann ist es auch so, weil er doch so ein kluger Mann ist. Oh, wie ich ihn liebe.
Gruß von Till.
(Ich muß nur noch dreimal schlafen, dann ist wieder Sonntag!)


Der Hund ist Wächter

Gäbe es keinen Hirtenhund, könntest du keine Schafe aufziehen
Und wenn es keinen Wachhund gäbe, bliebe dein Haus ungeschützt.
Die Eigenschaften von acht Menschen sind in einem Hund vereint:

Er schützt dich und kämpft für dich wie ein Krieger

Er ist selbst bei geringer Kost glücklich wie ein Priester

Er gehorcht deinem Wink wie ein Knecht

Er ist mit der Finsternis vertraut wie ein Dieb

Er vertreibt des Nachts mit seinem Bellen die Dämonen wie ein Geisterbeschwörer

Er läuft schamlos dem anderen Geschlecht hinterher wie eine Dirne

Er streckt im Schlaf die Zunge heraus wie ein Kind

Er träumt laut und bewegt sich dabei fast wie ein Nachtwandler

Deshalb darfst du deinen Hund niemals anders behandeln als einen geliebten Menschen.


Der glückliche Hund
Es war einmal ein armer Hund, den hatte sein Herr als junges Tier verschenkt, weil er nicht den ganzen Wurf zu Hause behalten konnte. Sein neuer Herr war ganz begeistert gewesen, doch nach ein paar Wochen ging ihm der inzwischen nicht mehr so putzige Hund auf die Nerven. Hinzu kam, dass er mit seiner Familie in Urlaub fahren wollte. Da der Mann aber auch zu Menschen nicht sehr freundlich war, mochte er keinen Nachbarn bitten, den Hund in Pflege zu nehmen.
"Was soll's", maulte er vor sich hin, "ich nehme das Vieh mit und setze es unterwegs aus."
Er lud den Hund hinten ins Auto, wo seine kleine Tochter ihn bewachen sollte. Bei der nächsten Gelegenheit, als seine Tochter nämlich eingeschlafen war und ein Parkplatz am Weg lag, hielt der Mann das Fahrzeug an, ließ den Hund nach draußen und fuhr weiter. Seine Frau, die erst im letzten Augenblick begriff, was er tat, bat ihn vergebens, das winselnde Tier wieder aufzunehmen.
Nun lief der Hund in Höhe des Parkplatzes hin und her. Aber für ihn waren alle Autos gleich. Sie brausten vorüber und hinterließen so ähnliche Geruchsspuren, dass er den Wagen seiner Familie selbst dann nicht wiedererkannt hätte, wenn sie damit zurückgekommen wäre.
Verzagt trottete der junge Hund auf das nächste Dorf zu, um sich etwas zum Fressen zu suchen. Bald schien das Glück ihm wieder hold zu sein. Er geriet in die Hände eines Mädchens, das seiner bisherigen kleinen Freundin ähnelte. Sie war auch sehr freundlich zu ihm und fütterte ihn. Ihr Vater duldete den kleinen Hund allerdings nur unter der Bedingung, dass er draußen in einer Hundehütte untergebracht werde, damit er Haus und Hof bewachen könne. Der Mann war nämlich Bauer und fürchtete nicht nur Iltisse und
Marder,die es auf sein Geflügel abgesehen hatten, sondern auch größere, menschliche Diebe, war ihm doch aus der Scheune schon mal eine teure Leiter gestohlen worden, eine verstellbare, aus der man sogar einen Tapeziertisch hatte knicken können.
Die Tochter hätte das Hündchen zwar lieber in ihrem Zimmer wohnen lassen, gab sich aber mit dem Kompromiss zufrieden. Dem Hund war alles recht, wenn er nur auf dem Anwesen bleiben durfte. Er schien auch zu ahnen, was der Bauer von ihm erwartete, denn er bellte sehr fleißig, wenn sich etwas Verdächtiges regte. Nun, sagen wir lieber, wenn er meinte, es rege sich etwas Verdächtiges.
Da er seine Arbeit besonders gut verrichten wollte und weil es ihm auch Spaß machte, bellte er nämlich so übereifrig, dass selbst die gar nicht so nahe angrenzenden Nachbarn nervös wurden und nachts nicht schlafen konnten. Schließlich verlangten sie, dass der Bauer den Krachmacher abschaffe.
"Tja," sagte er zu seiner Tochter, und man sah ihm an, dass er sich schämte, denn er hatte seine Mütze in der Hand und befummelte sie als müsste er ein geheimes Versteck mit einer Zauberlösung darin finden. Auch klang seine Stimme sehr kleinlaut, als er fortfuhr: "Das tut mir ja nun leid, aber wir müssen den Hund wieder abgeben. Der bellt zu viel."
"Ich weiß schon," sagte die kluge Tochter, "die Kinder haben's mir schon schadenfroh unter die Nase gerieben, zuletzt heute morgen in der Schule. Aber, es geht ja nur um den Krach, den der kleine Bello veranstaltet, als müsste er den Schäferhund spielen. Lass ihn mir doch ganz, bitte Pa, lass ihn in meinem Zimmer schlafen, dann kann ich ihn beruhigen, sobald er aufmerkt und anschlagen will.
" Sie schlang ihre gefalteten Hände um den Nacken des Vaters und sah ihn mit einem Dankeslächeln an, als hätte er ihr den Wunsch schon erfüllt. Das wirkte wie eine Hypnose. Er kam sich vor, als könnte er nicht verbieten, wofür er schon den Dank bekommen hatte.
"Nun ja," der Vater zuckte die Schultern und nickte, wobei er unfreiwillig die Hände seiner Tochter anhob und scheinbar über seinen Kopf zurückgleiten ließ. In Wahrheit zog sie sich aber in diesem Augenblick selbst vom Vater zurück, um nach draußen zu eilen und ihren kleinen Bello hereinzuholen.
"Nun ja," sagte der Vater noch einmal und ging lächelnd an seine Arbeit.





Treue bis in den Tod.



In einem der vielen grossen Wohnblöcke einer Grosstadt lebte ein älterer, alleinstehender Mann, den man immer in Begleitung seines Hundes sah, keinem Rassehund, sondern eben einem lieben Freund, wie man aus dem Zusammenleben der beiden erkennen konnte.
Seine Umgebung grüsste den Mann, streichelten den Hund, manche gaben ihm einen Leckerbissen.
Da eines Tages fiel einem Hausbewohner auf, dass Hund und Herrchen schon einige Zeit nicht mehr gesehen wurden. Der darauf angesprochene Hauswart ging zur Wohnungstür und läutete an. Einmal,zweimal, aber es öffnete niemand, nur ein leises Winseln war zu hören. Nun rief man Polizei, Rettung, Feuerwehr, die Wohnung wurde aufgebrochen und man fand einen Toten und einen halb verhungerten Hund, der niemanden an sein Herrchen heranlassen wollte und immer nur sein Gesicht und die Hände ableckte.
Endlich gelang es, den Hund mit Futter einzufangen, und seinen Besitzer zu untersuchen. Der Arzt stellte fest, dass der Mann schon längere Zeit tot war und da man keinen Angehörigen ausfindig machen konnte, wurde ein Armenbegräbnis angeordnet. Der Hund, der in der Zwischenzeit von den Nachbarn Futter und Wasser bekam, suchte sein Herrchen immer wieder.
Der Tag der Beerdigung war gekommen und plötzlich tauchte der Hund auf dem
Friedhof auf. Hunde haben laut Vorschrift auf einem Friedhof nichts verloren und
so wurde er vertrieben. Doch er kam immer wieder zum Grab seines Herrchen. Wurde vertrieben und kam wieder und legte sich zum Grab seines Herrchen. Er wurde dünner und dünner,es wurde kalt, der Winter hielt seinen Einzug und eines Morgens fanden Friedhofsbesucher den Hund auf dem Grab seines Herrchen tot liegen.
Aber auch im Tod konnte er nicht bei seinem geliebten Herrchen bleiben, denn der Friedhofsverwalter rief den Schinder an und aus einem treuen Freund wurde Abfall.
Trotzdem war es Treue bis zum Tod.

Nein, danke, dass du für mich gesorgt hast.

Hunde haben keine Seele, oder doch?
Ich erinnere mich noch, wie ich dich nach Hause geholt habe. Du warst so klein und knuddelig mit deinen winzigen Pfoten und deinem weichen Fell. Du stolpertest durch den Raum mit blitzenden Augen und hängenden Ohren. Manchmal hast du einen kleinen Heuler losgelassen um zu sagen "Das ist mein Revier!". Du machtest ein Chaos aus dem Haus und kautest alles an, was du sahst, und wenn ich mit dir geschimpft habe, hieltest du nur deinen Kopf gesenkt und schautest mich aus unschuldigen Augen an, als ob du sagen wolltest "Tut mir leid, aber wenn du nicht guckst, werde ich es wieder machen".

Als du älter wurdest, beschütztest du mich, indem du jeden anbelltest, der an unserem Fenster vorbeiging. Wenn ich nach einem harten Arbeitstag wiederkam, wartetest du wedelnd auf mich, um mir zu sagen "Willkommen zu Hause. Ich habe dich vermisst." Du hattest nie einen schlechten Tag und ich konnte mich immer auf dich verlassen. Wenn ich mich hinsetzte und Zeitung las oder Fernsehen schaute, hüpftest du auf meinen Schoß um Aufmerksamkeit zu erregen. Du hast nie mehr von mir verlangt als dir den Kopf zu streicheln, damit du auf meinen Beinen schlafen konntest.

Als du alt wurdest, liefst du nicht mehr so schnell herum. Dann, eines Tages, verlangte das Alter seinen Tribut und du konntest nicht mehr auf deinen wackligen Beinen stehen. Ich kniete mich zu dir und streichelte dich wie du da lagst, ich versuchte, dich wieder jung zu machen. Du schautest mich nur an, als ob du sagen wolltest, dass du alt und müde warst und, da du nie um etwas gebeten hattest, mich um einen letzten Gefallen bitten wolltest. Mit Tränen in den Augen fuhr ich noch ein letztes Mal zum Tierarzt. Ein letztes Mal lagst du neben mir. Warum auch immer warst du noch in der Lage in der Praxis aufzustehen, vielleicht war das dein Stolz. Als der Arzt dich wegführte, zögertest du einen Moment, drehtest deinen Kopf zu mir um Danke zu sagen. "Danke, dass du für mich gesorgt hast."

Ich dachte: "Nein, danke, dass du für mich gesorgt hast."



Der glückliche Hund



Es war einmal ein armer Hund, den hatte sein Herr als junges Tier verschenkt, weil er nicht den ganzen Wurf zu Hause behalten konnte. Sein neuer Herr war ganz begeistert gewesen, doch nach ein paar Wochen ging ihm der inzwischen nicht mehr so putzige Hund auf die Nerven. Hinzu kam, dass er mit seiner Familie in Urlaub fahren wollte. Da der Mann aber auch zu Menschen nicht sehr freundlich war, mochte er keinen Nachbarn bitten, den Hund in Pflege zu nehmen.

"Was soll's", maulte er vor sich hin, "ich nehme das Vieh mit und setze es unterwegs aus."

Er lud den Hund hinten ins Auto, wo seine kleine Tochter ihn bewachen sollte. Bei der nächsten Gelegenheit, als seine Tochter nämlich eingeschlafen war und ein Parkplatz am Weg lag, hielt der Mann das Fahrzeug an, ließ den Hund nach draußen und fuhr weiter. Seine Frau, die erst im letzten Augenblick begriff, was er tat, bat ihn vergebens, das winselnde Tier wieder aufzunehmen.

Nun lief der Hund in Höhe des Parkplatzes hin und her. Aber für ihn waren alle Autos gleich. Sie brausten vorüber und hinterließen so ähnliche Geruchsspuren, dass er den Wagen seiner Familie selbst dann nicht wiedererkannt hätte, wenn sie damit zurückgekommen wäre.

Verzagt trottete der junge Hund auf das nächste Dorf zu, um sich etwas zum Fressen zu suchen. Bald schien das Glück ihm wieder hold zu sein. Er geriet in die Hände eines Mädchens, das seiner bisherigen kleinen Freundin ähnelte. Sie war auch sehr freundlich zu ihm und fütterte ihn. Ihr Vater duldete den kleinen Hund allerdings nur unter der Bedingung, dass er draußen in einer Hundehütte untergebracht werde, damit er Haus und Hof bewachen könne. Der Mann war nämlich Bauer und fürchtete nicht nur Iltisse und Marder, die es auf sein Geflügel abgesehen hatten, sondern auch größere, menschliche Diebe, war ihm doch aus der Scheune schon mal eine teure Leiter gestohlen worden, eine verstellbare, aus der man sogar einen Tapeziertisch hatte knicken können.

Die Tochter hätte das Hündchen zwar lieber in ihrem Zimmer wohnen lassen, gab sich aber mit dem Kompromiss zufrieden. Dem Hund war alles recht, wenn er nur auf dem Anwesen bleiben durfte. Er schien auch zu ahnen, was der Bauer von ihm erwartete, denn er bellte sehr fleißig, wenn sich etwas Verdächtiges regte. Nun, sagen wir lieber, wenn er meinte, es rege sich etwas Verdächtiges.

Da er seine Arbeit besonders gut verrichten wollte und weil es ihm auch Spaß machte, bellte er nämlich so übereifrig, dass selbst die gar nicht so nahe angrenzenden Nachbarn nervös wurden und nachts nicht schlafen konnten. Schließlich verlangten sie, dass der Bauer den Krachmacher abschaffe.

"Tja," sagte er zu seiner Tochter, und man sah ihm an, dass er sich schämte, denn er hatte seine Mütze in der Hand und befummelte sie als müsste er ein geheimes Versteck mit einer Zauberlösung darin finden. Auch klang seine Stimme sehr kleinlaut, als er fortfuhr: "Das tut mir ja nun leid, aber wir müssen den Hund wieder abgeben. Der bellt zu viel."

"Ich weiß schon," sagte die kluge Tochter, "die Kinder haben's mir schon schadenfroh unter die Nase gerieben, zuletzt heute morgen in der Schule. Aber, es geht ja nur um den Krach, den der kleine Bello veranstaltet, als müsste er den Schäferhund spielen. Lass ihn mir doch ganz, bitte Pa, lass ihn in meinem Zimmer schlafen, dann kann ich ihn beruhigen, sobald er aufmerkt und anschlagen will.

" Sie schlang ihre gefalteten Hände um den Nacken des Vaters und sah ihn mit einem Dankeslächeln an, als hätte er ihr den Wunsch schon erfüllt. Das wirkte wie eine Hypnose. Er kam sich vor, als könnte er nicht verbieten, wofür er schon den Dank bekommen hatte.

"Nun ja," der Vater zuckte die Schultern und nickte, wobei er unfreiwillig die Hände seiner Tochter anhob und scheinbar über seinen Kopf zurückgleiten ließ. In Wahrheit zog sie sich aber in diesem Augenblick selbst vom Vater zurück, um nach draußen zu eilen und ihren kleinen Bello hereinzuholen.

"Nun ja," sagte der Vater noch einmal und ging lächelnd an seine Arbeit.


Er war nur ein kleiner Hund

Der kleine Hund liebte seinen Herrn über alles. Dieser riesengroße Mensch war sein Abgott. Er gab ihm Futter und Wasser und er schien ihn auch zu lieben; ganz sicher, denn er streichelte ihn zärtlich und redete mit ihm. Er gabe ihm einen Platz in seiner Wohnung, den er gegen jeden noch so großen Hund verteidigen würde. Das ging so ein ganzes Jahr lang. Dann wurden die Liebkosungen des Menschen spärlicher. Er schien immer unruhiger zu werden. Aber da er niemals vergaß, seinem kleinen Freund das Futter hinzustellen, machte der sich keine Sorgen. Ab und zu wurde er auch noch gestreichelt. Menschen waren und dachten eben anders als Hunde. So sprang er ihm immer wieder voller Freude entgegen, ja er schrie förmlich vor Freude, wenn er hörte, dass der Riesengroße nach Hause kam, der ihm leicht auf den Rücken klopfte und beruhigend, wenn auch etwas abwesend, sagte "Ja, ja ! ist ja gut !" Dann kam die Urlaubszeit. Die erste im Leben des kleinen Hundes, der vor Aufregung leise jaulend neben seinen Herrn in das Auto gesetzt wurde, das er schon kannte. Er versuchte, sich möglichst nahe an den geliebten Menschen heranzudrängen, aber der schob ihn so unsanft zurück, dass der kleine Hund bestürzt zu ihm aufsah. Er ahnte nicht, dass sein Herr daran dachte, dass er wahrscheinlich überall nur Unannehmlichkeiten mit dem Tier haben und nie ganz frei sein würde. Er konnte ihn sicher nicht allein in dem fremden Hotelzimmer lassen, und er wollte und konnte ihn nicht dauernd mit sich herumschleppen. Der kleine Hund, der verunsichert vorsichtig mit der Pfote nach ihm tappte, erschien ihm auch längst nicht mehr so nett, wie damals als er ihn in einem Schaufenster sah und kurzentschlossen kaufte, weil er sich gerade sehr einsam fühlte. Aber im Urlaub wollte er Bekanntschaften machen. Er wollte, nun ja, was halt alle im Urlaub wollen. Der kleine Hund war plötzlich eine Last für ihn, und er begann zu überlegen, wie er ihn loswerden könnte. Als eine gut übersichtliche Strecke kam und er ganz sicher war, dass vor und hinter ihm niemand fuhr, fasste er den kleinen Freund plötzlich im Genick, der ihn zutraulich ansah und versuchte, rasch noch seine Hand zärtlich zu lecken, warf ihn kurzerhand aus dem Wagen und fuhr davon, ohne sich noch einmal umzusehen. Der kleine Hund überschlug sich, aber er hatte keine Verletzungen davon getragen. Er stand da, sah dem Wagen nach, der hinter einer dünnen Staubwolke immer kleiner wurde, und verstand die Welt nicht mehr. Sicher würde der Wagen gleich wiederkommen. Sicher war das nur ein Versehen. Vielleicht ein etwas grober Scherz, wie damals, als er ihn in ein tiefes Wasser geworfen hatte, um zu sehen, ob er schwimmen könne. Sicher würde er wieder besonders gestreichelt werden. Er würde warten, wie er schon so oft gewartet hatte. Er setzte sich an den Rasenrand der Straße. Er war nicht mehr der Jüngste, was ihm sein Herr nicht angesehen hatte. Seine Augen waren bereits etwas getrübt, aber er wusste, dass der Wagen, auf den er wartete, grün war. Manilagrün, wie die Menschen das nannten. Jedesmal, wenn ein grüner Fleck in der Ferne auftauchte, richtete sich der Hund auf, spitzte die Ohren und wedelte unsicher mit dem Schwanz. Er lief ganz nah an die Fahrbahn. Sicher würde der Wagen, den er nur etwas verschwommen sehen konnte, halten und er würde schnell hineinspringen und alles würde wieder so sein wie früher. Aber der Wagen fuhr vorbei. Und der nächste grüne Wagen auch. Der kleine Hund war verzweifelt. Er winselte leise. Was sollte aus ihm werden ? Er hatte doch niemanden auf dieser schrecklich großen, fremden Welt außer diesem Menschen, der in dem grünen Wagen davongefahren war. Es kamen noch zehn grüne Wagen, es kamen zwanzig verschwommene grüne Wagen. Der kleine Hund wurde immer verzweifelter. Er lief so nahe wie möglich an die Fahrbahn heran und dann plötzlich wusste er es: Das war sicherlich immer derselbe Wagen. Er fuhr nur immer wieder an ihm vorbei. Wenn der nächste grüne Wagen kam, würde er einfach hineinspringen und dann würde alles wieder gut sein. Er spannte seine müden Muskeln, duckte sich, als der nächste verschwommen grüne Wagen heranbrauste, und sprang. Den Aufprall spürte er nur ganz kurz. Dann wurde er auf die Fahrbahn geschleudert und der nächste Wagen machte einen zottigen, blutigen Fleck aus ihm. Einen Fleck, der doppelt so groß war wie der kleine Hund. Der tote Hund sah jetzt viel größer aus, so wie Tote für uns immer größer werden, wenn man nichts mehr an ihnen gutmachen kann.

Hunde-Engel

Rettung an Sylvester

Gestern Abend ging ich noch mal raus, kurz nach Mitternacht, um nachzusehen, ob auch alle Heizlampen in den Ziegen-, Hühner- und Putenhäusern arbeiten. Die Temperatur drohte auf Null oder sogar noch darunter abzufallen. Alle Hunde waren längst schlafen gegangen und die Nacht war still. Beim Betreten der Veranda begrüßte mich die Sicht auf einen kristallklaren Himmel mit Scharen von Sternen. Meine Taschenlampe anknipsend machte ich mich auf den Weg zum Schuppen (wir weigern uns, uns eine dieser verdammten "Rund-um-die-Uhr" Monsterdinger anzuschaffen, die die Sterne vom Scheinen abhalten). Am frühen Abend hatte ich ein bisschen Stroh gebracht, um den Tieren auf der Farm ein frisches Bett zu machen; dabei war mir draußen vor dem Gatter ein Bündel heruntergefallen, dass ich nicht mehr aufgehoben hatte. Während ich den Weg herunterlief, sah ich im Schnee ein paar blutige Pfotenabdrücke, die aus dem Wald herauskamen und in dem Strohbündel am Gatter endeten. Zusammengerollt auf den Strohhaufen lag ein Hund. Mittelgroß. Schwer auszumachen in der Dunkelheit, welche Art Hund; könnte alles mögliche gewesen sein. Aber ganz sicher ein Hund dunkler Farbe. Ich legte meine Hand auf den Rücken und fühlte kalte Rippen. Ich zog meine Handschuhe aus und tastete hinter den Vorderlauf. Ein Herzschlag. Dann hörte ich einen schwachen Schlag. Das Ende der Rute ging auf und ab, hinterlies kleine Abdrücke im Schnee, aber der Kopf bewegte sich nicht. Ich blickte in die tiefbraunen Augen, die zu sagen schienen "Bitte jage mich nicht weg., ich kann keinen Schritt mehr laufen". Die Läufe waren gebrochen und bluteten. Ich sah, kontrollierte, ob die Heizlampen funktionierten und nahm den durchfrorenen Hund vorsichtig an mich. Kein Widerstand, nur das Klopfen der Rute. Nicht viel Gewicht für die Größe des Bündels. Ich machte mich auf den Weg zur Vordertür. Drinnen angekommen legte ich den Hund in der Tür ab. Keine Bewegung. Während ich kontrollierte, ob alles noch schlief, machte ich mich auf die Suche nach einer Decke. Ich war mir ziemlich sicher, dass wir die letzte Hundedecke bei unserer Rettungsaktion von neulich verwendet hatten. Im Schrank nichts, im Trockner nichts, auf der Couch nichts. Ich ging ins Schlafzimmer und zog vorsichtig die vom Bett herunter. Auch wenn sie schon alt war und an den Rändern auszufransen begann, es war die letzte Verfügbare. Ich faltete sie und legte sie auf die Heizklappe, ganz nah beim Ofen. Dann nahm ich den Hund und legte ihn oben drauf. Nach Mitternacht an Sylvester, in einer sehr ländlichen Gegend von Südwest-Missouri - keine Chance heute Abend noch einen Tierarzt aufzutreiben. Wir würden es morgen versuchen müssen. Ich ging in die Küche, nahm eine Dose Hühnerbrühe aus der Gefriertruhe und warf sie in die Mikrowelle. Ich ging zurück ins Wohnzimmer und setzte die Schale nah an die Decke, in Reichweite der kalten Schnauze. Noch ein paar Schwanzklopfer war die einzige Bewegung. Ich langte hinunter und legte meine Hand unter das Kinn, vorsichtig den Kopf anhebend. Jetzt hier drin, konnte ich sehen, dass der Hund schwarz war, zumindest an den Stellen, die noch nicht grau geworden waren. Fast das ganze Gesicht zeigte die weißen Anzeichen vergangener Zeit und die Pupillen, umrandet von diesen dunkelbraunen Augen, waren blau. Die Ohren gehörten einem Labrador und auch der Schwanz, der jedes Mal klopfte, wenn ich nähern kam. Der Körper war dünn und knochig. Keine Vorderzähne mehr. Die Reißzähne waren abgewetzt oder bis auf kleine Stummel abgebrochen und ganz hinten konnte ich drei Zähne sehen. Ich wollte nicht nachsehen, ob der alte Hund ein Rüde oder eine Hündin war. War ja eigentlich ohnehin egal. Ich sagte dem alten Hund, dass ich ins Bett gehen würde und tätschelte seinen Kopf, was er wieder mit einem Schwanzklopfen erwiderte. Auf dem Weg ins Schlafzimmer fragte ich mich, wie um alles in der Welt der Hund zu unserer Farm gekommen war. Er kam durch die Wälder, die groß und unbewohnt waren. Ich fragte mich auch warum ausgerechnet hier. Die Antwort war einfach. Die Hand Gottes hatte den alten Hund zum richtigen Ort gebracht. Es ist jetzt morgens und ich bin seit ein paar Stunden auf. Die Schale mit der Brühe war leer und die Decke war so, wie ich sie verlassen hatte. Keine blutigen Pfotenabdrücke auf dem Teppich, nur auf der alten Decke. Kurz nachdem ich zu Bett gegangen war, hatte der alte Hund die Hühnerbrühe aufgeschlabbert und die Schale saubergeleckt. Die Decke war leicht aufgeworfen und der alte Hund hatte sich zu einem fest Ball zusammengerollt, die Nase unter den Schwanz gesteckt. Als ich mich bückte, um guten Morgen zu sagen, antwortete kein Schwanzklopfen mehr. Ich wusste, dass der alter Hund in der Nacht über die Regenbogenbrücke gegangen war. Kniend vor dem alten Hund, dankte ich Gott für die alte Decke die übriggeblieben war und für die Hände, die den Hund zur Regenbogen-Farm geleitet hatten. In dem Moment fiel mir ein Gedicht ein:

"Hör die Freundlichkeit, sanfte Worte,
verloren oft hinter Tränen
Leg deine Hand auf meine Schulter
lass sie meine Ängste nehmen."


Der friedliebende Hund

Es war einmal ein lieber großer Hund, der hatte aber furchterregende Zähne. Immer wenn er einen Menschen anlächelte, fletschte er ein Gebiss, vor dem sie Angst bekamen. Dann schraken sie vor ihm zurück, oder sie suchten nach einem Stock, um ihn damit einzuschüchtern und zu vertreiben.

Das machte den großen , starken Hund ganz traurig, denn er liebte die Menschen, wenn er auch nicht abstreiten konnte, dass er manchmal tatsächlich zubiss. "Aber ich muss mich doch wehren," verteidigte er sich dann und weinte aus den wehmütigen Augen.

Eines Tages, als er wieder einmal gründlich missverstanden worden war und in seiner Not einen frechen Jungen angefallen und ihm eine Wunde in den zuschlagenden Arm gerissen hatte, zog er gesenkten Hauptes durch das Dorf und aufs Feld hinaus,um Trost zu suchen.

Am Waldrand traf er auf ein Reh, das noch größer war als er, das aber bei seinem Anblick schnell davonlief. Da knallte ein Schuss, und das Reh fiel tot um.

"Ach," seufzte der Hund, "du warst ein so friedliches Tier, und doch haben die Menschen dich getötet. Offenbar bist du ihnen bei all deiner Schönheit tot noch lieber als lebendig. Dein Fleisch schmeckt zu gut. Das kann man von meinem nicht sagen. Vielleicht lebe ich nur deshalb noch.

" Dann traf er einen Fuchs, der sagte freundlich "guten Tag", wandte sich aber gleich wieder einem Hühnerkopf zu, den er im Gebüsch gefunden hatte und nun schnell verschlang, da er sich sagte: "Wenn der Hund den Bissen sieht, muss ich ihm etwas abgeben, und es reicht doch nicht einmal für mich.

" "Hast du schon mal einen Menschen gebissen ? " fragte der Hund, ohne sich um die karge Mahlzeit seines Vetters zu kümmern. Der Fuchs schüttelte den Kopf: "Nein, warum sollte ich ? Wenn die mich jagen, laufe ich davon. Ich bin doch viel schneller.

" "Aber ihre Kugeln..." wandte der Hund ein. Doch der Fuchs ließ ihn nicht ausreden, weil er den Rest des Satzes erriet. "Jaja, die Kugeln sind noch viel schneller als ich. Das wolltest du doch sagen, nicht wahr ? Nun ja, was soll's. Die Kugeln sind sehr klein, und sie können nur geradeaus fliegen, während ich auch nach den Seiten ausweichen kann. Und im Gebüsch sehen mich die Jäger nicht deutlich genug, um mich treffen zu können. Oh! Au! Was ist das ? Ich habe Magenschmerzen, ohweh.

" Der Fuchs brach zusammen und starb. Das Fleisch war vergiftet.

Traurig kehrte der Hund um. "Immerhin," murmelte er, "war der Fuchs eine echte Gefahr für andere Tiere und für die Menschen, zumindest wenn er die Tollwut hatte. Aber ich ? Ich sehe doch nur so gefährlich aus, weil ich so lange Reißzähne habe.

" "Wenn dir deine Zähne nicht passen," höhnte da aus einem schlammigen Graben eine Ratte, die überall herumgekommen war und sich auch im Dorf gut auskannte, "dann geh' doch zum Zahnarzt und lasse sie dir ziehen.

" "Danke," erwiderte der Hund, "der Rat ist nützlich, danke sehr." Und er ging zum Zahnarzt und bat ihn lächelnd, ihm die spitzen Waffen aus dem Maul zu ziehen.

"Nichts lieber als das," dachte der Zahnarzt erleichtert, denn beim Anblick des großen Tieres in seiner Praxis hatte er gefürchtet, ihm könnte etwas geschehen, vielleicht würden ihm gar die Hände verstümmelt, mit denen er doch sein Geld verdiente.

Der Hund nahm Platz, und nach einer halben Stunde war er von seinen Reißzähnen befreit.

Glücklich kehrte er zu seinem Herrn zurück, der ihn schon vermisst hatte. Der Hund lächelte so groß und friedlich wie noch nie, so dass sein Herr sein Gebiss bis in den Rachen hinein sehen konnte.

"Was ist das ?" rief dieser aus. "Wer hat dich so verstümmelt ? Oh Hasso, du siehst ja aus wie ein Schafbock."

Der Hund zeigte ihm stolz die fachmännisch behandelten Lücken in seinem Gebiss und erklärte, dass er freiwillig auf seine Reißzähne verzichtet habe.

"Du dummes Tier," schimpfte sein Herr, streichelte dabei aber den Kopf seines anhänglichen Freundes, "die waren doch deine Stärke. Bisher konntest du für gute Menschen gut sein und für böse Menschen böse werden, jetzt bist du nur noch gut. Aber wozu ist ein guter Hund denn gut ? Na schön, ich hab' dich ja gern. Und das Bellen hast du dir ja nicht nehmen lassen, kannst mich zwar nicht mehr verteidigen, aber warnen kannst du mich noch, so dass ich mich selber schützen kann. Du hast es ja gut gemeint. Aber es ist nicht gut, auf seine Waffen zu verzichten, wenn die Feinde es nicht auch tun. Sieh nur zu, dass du keinem zeigst, wie harmlos dein Maul geworden ist. "

Von nun an durfte der Hund die Menschen gar nicht mehr anlächeln.


Die Legende vom Boxer

Nachdem der Herrgott sämtliche Tiere erschaffen hatte, machte er sich daran, von jeder zukünftigen Hunderasse ein Exemplar herzustellen.
Da gab es große und kleine, langhaarige, struppige und kurzhaarige, schwarze, weiße, gescheckte und gestromte, kurz alles, was sich ein Menschenherz wünschen kann.
Alle Hunde waren bereits fertig und mit Wohlwollen betrachtete sie der liebe Gott und sprach:
" Hier gibt es eine solche Auswahl, wie es meine sämtlichen anderen Tiere kaum zusammen aufbringen. Um aber allen die Krone aufzusetzen, will ich jetzt einen Hund schaffen, in welchem sich Kraft und Adel, Schnelligkeit und Mut paart, mit Gutmütigkeit zusammen vereinigen lassen."
Er nahm hierauf Lehm und formte daraus den Boxer. Dieser sah genauso aus wie unser heutiger Boxer, nur unterschied sich sein Kopf nicht wesentlich von anderen Hunden und der Herrgott freute sich und sprach: " Dieser hier ist mir wirklich über Erwarten gut gelungen und ich will ihn vorerst auf die Seite stellen, da er noch weich ist und leicht zu Schaden kommen kann".
Der Boxer hatte es wohl gehört und trug den Kopf gewaltig hoch, da er doch nun einmal der Schönste von allen sein sollte.
Er konnte es auch nicht unterlassen, sich bei den anderen Hunden groß zu tun und von ihnen Anerkennung und Ehrenbezeugungen zu verlangen.
Die kleinen Hunderassen waren auch damit einverstanden und brachten dem Boxer eine gebührende Bewunderung entgegen; anders die Großen. Diese kränkte es gewaltig, dass der nur mittelgroße Boxer sie übertreffen sollte. Erst wurde zorniges Murren und Knurren laut, dann flogen Schimpfworte hin und her und - hast du das gesehen - sprang der Boxer voller Wut auf seine Gegner los.
Aber siehe da, er hatte vergessen, dass die Schnauze noch weich war, weil diese zuletzt vollendet wurde. Seine Schnauze wurde fest zusammengepresst und als der Herrgott ihn von seinen Gegnern losriss, war das Unglück schon geschehen.
Der Herrgott aber lächelte nur und sprach: " Wie du Jetzt bist, sollst du bleiben bis zum jüngsten Tag."
Und so geschah es.



Hundegeschichten

Hier ging auch Tina rüber und wartet auf mich


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