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Amrei

Amrei kam im Sommer 1980 zur Welt. Sie lebte mit ihren vier Geschwistern und ihrer Mutter bei einer netten Familie irgendwo in Deutschland.
Oft hatten sie Besuch. Es kamen immer andere Leute, spielten und schmusten mit Amrei und den anderen Welpen.

Als sie acht Wochen alt war, kam eine nette Familie, die sie schon öfters gesehen hatte. Aber irgendwas war heute anders. Die Zweibeiner setzten sie nicht wieder zurück zu ihrer Mutter und den Geschwistern, sondern nahmen sie mit in so eine komische Blechkiste mit runden Dingern drunter.

Amrei hatte ein wenig Angst. Was passierte hier mit ihr? Sie drückte sich ganz fest an den netten Zweibeiner, der sie auf dem Schoss hatte. Sein Hand streichelte sie ganz zärtlich, und er sprach mir ruhiger Stimme zu ihr. Amrei machte die Augen zu und schlief.

Als sie wach wurde, saß sie nicht mehr in der Blechkiste sondern wieder in einem Haus. Es sah hier anders aus, als sonst. Sie fürchtet sich ein bischen, weinte leise vor sich hin. Der nette Zweibeiner schmuste wieder mit ihr, und nahm ihr so die Sehnsucht nach ihrer Mami und den Geschwistern...

Es dauerte nur ein paar Tage und Amrei fühlte sich wohl in ihrem neuem Heim. Nicht das sie ihre Familie vergessen hatte, nein, sie dachte oft an sie, aber sie konnte dies nun tun, ohne traurig zu sein.

Amrei wurde älter. Sie unternahm viel mit ihrem Zweibeiner, zu dem sich auch noch andere Zweibeiner gesellten. Ein großer und zwei kleine. Die Zweibeiner nannten sie auch Kinder.

Sie fühlte sich wohl, denn ihre Zweibeiner hatte immer viel Zeit für sie.
Wenn sie wegfuhren war Amrei immer dabei.
Sie gingen zusammen spazieren, und Amrei tobte über die Felder.
Wenn sie mit den Kindern spielte und sie dabei ausversehen umwarf schimpfte niemand mir ihr.
Wünschte sie Streicheleinheiten, dann bekam sie diese auch.

Es gingen viele Sommer ins Land, Amrei war mittlerweile alt, konnte kaum noch sehen, und ihr Herz wollte auch nicht mehr so richtig.
Es ging ihr nicht mehr gut.
Sie schmuste an einem Abend ganz besonders viel mit ihren Zweibeinern, dann legte sich auf ihre Decke und schief ein...

Amrei hatte ein erfülltes Leben, und wenn sich noch eimal als Hund auf die Welt kommen würde, dann wünschte sie, das sie wieder bei "ihren" Zweibeiner leben durfte.

Amrei war froh, dass sie 1980 geboren wurde, denn sie war ein American Staffordshire Terrier...


Jetzt bin ich berühmt

Heute wurde ich geboren. Eins von zehn. Mein Vater war sehr berühmt. Ich habe eine Menge Halbbrüder und -schwestern. Meine Mutter ist sehr berühmt. Seit sie berühmt wurde, hatte sie immer nur Welpen. Keine liebende Hand, keine lustigen Ausflüge . . . nur Welpen. Sie ist immer sehr traurig, wenn sie von ihr weggehen.

Heute verließ ich mein Heim. Ich wollte nicht weg, deshalb habe ich mich hinter meiner Mutter und drei übrigen Geschwistern versteckt! Ich mochte dich nicht. Aber sie sagten, ich würde eines Tages berühmt sein. Ich frage mich, ob berühmt das gleiche ist wie Spaß und gute Zeiten? Du hast mich aufgehoben und weggetragen, obwohl es Dich gestört hat, daß ich mich vor dir versteckt habe. Ich glaube nicht, daß Du mich mochtest.

Mein neues Heim ist weit weg. Ich bin verstört und ängstlich. Mein Herz sagt: Sei tapfer. Meine Verwandten sind es auch. Ob sie auch in gute Hände kamen wie ich? Ich bin hungrig, weil zuviel essen schlecht für meine Knochen ist. Ich kann nicht beißen oder schnappen, wenn die Kinder gemein zu mir sind. Ich laufe einfach weg und spiele und tue so, als ob ich auf einer großen Wiese bin mit Schmetterlingen, Rotkehlchen und Fröschen.

Ich weiß nicht, warum sie mich treten. Ich bin still, aber der Mann schlägt mich und sagt laute Dinge. Die Frau gibt mir keine guten Sachen, wie ich sie bei meiner Mutter hatte. Sie wirft nur trockenes Futter auf den Boden und geht weg, bevor ich nah genug zum Berühren und Schmusen kommen kann. Manchmal riecht mein Futter schlecht, aber ich esse es trotzdem.

Heute bekam ich zehn Welpen. Sie sind so wundervoll und warm. Bin ich jetzt berühmt? Ich wünschte, ich könnte mit ihnen spielen, aber sie sind so klein. Ich bin so jung und verspielt, daß es schwer ist, hier in dem Loch unter dem Haus zu liegen und meine Welpen zu säugen. Jetzt weinen sie. Ich zerkratze und zerreiße mein Fell. Ich wünschte, jemand würde mir etwas Futter hinwerfen. Ich bin auch sehr durstig.

Jetzt habe ich nur noch acht. Zwei wurden während der Nacht kalt und ich konnte sie nicht warm machen. Sie sind tot. Wir sind alle sehr schwach. Vielleicht können wir etwas Futter bekommen, wenn ich sie auf die Veranda trage?

Heute haben sie uns weggeholt. Es war zuviel Aufwand, uns zu füttern und jemand kam, um uns zu holen. Jemand schnappte meine Welpen, sie weinten und winselten. Wir wurden in einen Lastwagen mit Boxen getan. Sind meine Babies jetzt berühmt? Ich hoffe es, denn ich vermisse sie. Sie sind weg.

Der Ort riecht nach Urin, Angst und Krankheit. Warum bin ich hier? Ich war genau so schön wie meine Verwandten. Ich bin hungrig, schmutzig, in Panik und unerwünscht. Vielleicht das Schlimmste, unerwünscht zu sein. Niemand kam, obwohl ich lieb zu sein versuchte.

Heute kam jemand. Sie legten mir ein Band um den Hals und führten mich zu einem Raum, der sehr sauber war und einen glänzenden Tisch hatte. Sie hoben mich auf den Tisch. Jemand hielt mich und streichelte mich. Ich fühlte mich so gut!!! Dann fühlte ich mich müde und lehnte mich hinüber zu demjenigen, der mich gestreichelt hatte.

Jetzt bin ich berühmt: Heute hat sich jemand um mich gekümmert !


"Wie konntest Du nur?"

Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich Dich mit meinen Possen und brachte Dich zum Lachen. Du nanntest mich Dein Kind, und trotz einer Anzahl durchgekauter Schuhe und so manchem abgeschlachteten Sofakissen wurde ich Dein bester Freund. Immer wenn ich "böse" war, erhobst Du Deinen Finger und fragtest mich "Wie konntest Du nur?" aber dann gabst Du nach und drehtest mich auf den Rücken, um mir den Bauch zu kraulen.

Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein bisschen länger als erwartet, denn Du warst furchtbar beschäftigt, aber zusammen bekamen wir das in den Griff. Ich erinnere mich an jene Nächte, in denen ich mich im Bett an Dich kuschelte und Du mir Deine Geheimnisse und Träume anvertrautest, und ich glaubte, das Leben könnte nicht schöner sein. Gemeinsam machten wir lange Spaziergänge im Park, drehten Runden mit dem Auto, holten uns Eis (ich bekam immer nur die Waffel, denn "Eiskrem ist schlecht für Hunde", sagtest Du), und ich döste stundenlang in der Sonne, während ich auf Deine abendliche Rückkehr wartete.

Allmählich fingst Du an, mehr Zeit mit Arbeit und Deiner Karriere zu verbringen und auch damit, Dir einen menschlichen Gefährten zu suchen. Ich wartete geduldig auf Dich, tröstete Dich über Liebeskummer und Enttäuschungen hinweg, tadelte Dich niemals wegen schlechter Entscheidungen und überschlug mich vor Freude, wenn Du heimkamst und als Du Dich verliebtest.

Sie, jetzt Deine Frau, ist kein "Hundemensch" trotzdem hieß ich sie in unserem Heim willkommen, versuchte ihr meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte ihr. Ich war glücklich, weil Du glücklich warst. Dann kamen die Menschenbabies, und ich teilte Deine Aufregung darüber. Ich war fasziniert von ihrer rosa Haut und ihrem Geruch und wollte sie genauso bemuttern. Nur dass Du und Deine Frau Angst hattet, ich könnte ihnen wehtun, und so verbrachte ich die meiste Zeit verbannt in einem anderen Zimmer oder in meiner Hütte. Oh, wie sehr wollte auch ich sie lieben, aber ich wurde zu einem "Gefangenen der Liebe".

Als sie aber grösser waren, wurde ich ihr Freund. Sie krallten sich in meinem Fell fest, zogen sich daran hoch auf wackligen Beinchen, pieksten ihre Finger in meine Augen, inspizierten meine Ohren und gaben mir Küsse auf die Nase. Ich liebte alles an ihnen und ihre Berührung denn Deine Berührung war jetzt so selten geworden - und ich hätte sie mit meinem Leben verteidigt, wenn es nötig gewesen wäre.

Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte ihren Sorgen und Träumen zu, und gemeinsam warteten wir auf das Geräusch Deines Wagens in der Auffahrt. Es gab einmal eine Zeit, da zogst Du auf die Frage, ob Du einen Hund hättest, ein Foto von mir aus der Brieftasche und erzähltest Geschichten über mich. In den letzten Jahren hast Du nur noch mit "Ja" geantwortet und das Thema gewechselt. Ich hatte mich von "Deinem Hund" in "nur einen Hund" verwandelt, und jede Ausgabe für mich wurde Dir zum Dorn im Auge.

Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit in einer anderen Stadt, und Du und sie werdet in eine Wohnung ziehen, in der Haustiere nicht gestattet sind. Du hast die richtige Wahl für "Deine" Familie getroffen, aber es gab einmal eine Zeit, da war ich Deine einzige Familie.

Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir am Tierheim ankamen. Es roch nach Hunden und Katzen, nach Angst, nach Hoffnungslosigkeit. Du fülltest die Formulare aus und sagtest "Ich weiss, Sie werden ein gutes Zuhause für sie finden". Mit einem Achselzucken warfen sie Dir einen gequälten Blick zu. Sie wissen, was einen Hund oder eine Katze in "mittleren" Jahren erwartet auch mit "Stammbaum". Du musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln vom Halsband lösen, als er schrie "Nein, Papa, bitte! Sie dürfen mir meinen Hund nicht wegnehmen!" Und ich machte mir Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du ihm gerade beigebracht hattest: über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortung, und über Respekt vor allem Leben. Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt, meine Augen vermieden und höflich auf das Halsband und die Leine verzichtet. Du hattest einen Termin einzuhalten, und nun habe ich auch einen.

Nachdem Du fort warst, sagten die beiden netten Damen, Du hättest wahrscheinlich schon seit Monaten von dem bevorstehenden Umzug gewusst und nichts unternommen, um ein gutes Zuhause für mich zu finden. Sie schüttelten den Kopf und fragten "Wie konntest Du nur?".

Sie kümmern sich um uns hier im Tierheim so gut es eben geht. Natürlich werden wir gefüttert, aber ich habe meinen Appetit schon vor Tagen verloren. Anfangs rannte ich immer vor ans Gitter, sobald jemand an meinen Käfig kam, in der Hoffnung, das seiest Du dass Du Deine Meinung geändert hättest dass all dies nur ein schlimmer Traum gewesen sei... oder ich hoffte, dass es zumindest jemand wäre, der Interesse an mir hätte und mich retten könnte. Als ich einsah, dass ich nichts aufzubieten hatte gegen das vergnügte Um Aufmerksamkeit Heischen unbeschwerter Welpen, ahnungslos gegenüber ihrem eigenen Schicksal, zog ich mich in eine ferne Ecke zurück und wartete.

Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam, um mich zu holen, und trottete hinter ihr her den Gang entlang zu einem abgelegenen Raum. Ein angenehm ruhiger Raum. Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir, es sei alles in Ordnung. Mein Herz pochte vor Aufregung, was jetzt wohl geschehen würde, aber da war auch ein Gefühl der Erleichterung. Für den Gefangenen der Liebe war die Zeit abgelaufen. Meiner Natur gemäss war ich aber eher um sie besorgt. Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das fühlte ich, genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte.

Behutsam legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an, während eine Träne über ihre Wange floss. Ich leckte ihre Hand, um sie zu trösten, genauso wie ich Dich vor vielen Jahren getröstet hatte. Mit geübtem Griff führte sie die Nadel in meine Vene ein. Als ich den Einstich fühlte und spürte, wie die kühle Flüssigkeit durch meinen Körper lief, wurde ich schläfrig und legte mich hin, blickte in ihre gütigen Augen und flüsterte "Wie konntest Du nur?"

Vielleicht verstand sie die Hundesprache und sagte deshalb "Es tut mir ja so leid". Sie umarmte mich und beeilte sich mir zu erklären, es sei ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass ich bald an einem besseren Ort wäre, wo ich weder ignoriert noch missbraucht noch ausgesetzt werden könnte oder auf mich alleine gestellt wäre - einem Ort der Liebe und des Lichts, vollkommen anders als dieser irdische Ort. Und mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr mit einem Klopfen meines Schwanzes zu verstehen zu geben, dass mein "Wie konntest Du nur?" nicht ihr galt. Du warst es, mein geliebtes Herrchen, an den ich dachte. Ich werde für immer an Dich denken und auf Dich warten.

Möge Dir ein jeder in Deinem Leben so viel Loyalität zeigen.


Für einen Freund

Bis vor kurzem hatte ich, einen Hund, den liebte ich. Hast nichts böses je verbrochen, warst dem Menschen zugetan, heute hast du sterben müssen, gehörst der falschen Rasse an.

Warst Begleiter mir und Freund, auf den Streifen in der Nacht, alle Ausbildungen und Prüfung, mit Bravur hast du gemacht. Doch des Menschen blinder Hass hat vor dir nicht Halt gemacht.

Wie oft hast im Einsatz du, eines Menschen Leben gerettet, bist mit Eifer und mit Mut in den tiefsten Schacht geklettert, das verschollne Kind gewittert und nach Haus zurück gebracht.

Hund, ich trauere um dich und um alle deiner Rassen, hast deine Treue jetzt bezahlt, weil du stets und sehr gelassen, allen Menschen hast vertraut.

Deine Taten zählten nicht, qualvoll war dein Tod durch Gift, von des Hundehassers Hand, Opfer einer Hexenjagd in diesem so verirrten Land.

Ich erinnere mich zurück, denk an Stunden voller Glück, seh dich laufen, seh' dich toben, mit deinen Freunden groß und klein, jetzt siehst du mich von dort oben, ja, sieh her mein Hund, ich wein.

Sicher hast du dort gefunden, deinen Frieden und dein Glück, doch ich bleib alleine hier unten, bleibe ohne dich zurück. Denk an unsere schönen Zeiten gern erinnere ich mich zurück.

Für einen treuen Hund, in Angedenken aller anderen Hunde die in diesem Lande hingerichtet werden.


Die traurige Geschichte von Lea

Ich weiß nicht mehr viel von dem Ort, wo ich geboren bin. Es war eng und dunkel und nie spielte ein Mensch mit uns. Ich erinnere mich noch an Mama und ihr weiches Fell, aber sie war oft krank und sehr dünn. Sie hatte nur wenig Milch für mich und meine Brüder und Schwestern. Die meisten von ihnen waren plötzlich gestorben. Als sie mich von meiner Mutter wegnahmen, hatte ich furchtbare Angst und war so traurig. Meine Milchzähne waren kaum durchgestoßen und ich hätte meine Mama doch noch so sehr gebraucht. Arme Mama, es ging ihr so schlecht. Die Menschen sagten, dass sie jetzt endlich Geld wollten und dass das Geschrei meiner Schwester und mir ihnen auf die Nerven gingen.
So wurden wir eines Tages in eine Kiste verladen und fortgebracht. Wir kuschelten uns aneinander und fühlten wie wir beide zitterten, ohnmächtig vor Angst. Niemand kam, um uns zu trösten.
All diese seltsamen Geräusche und erst noch die Gerüche - wir sind in einem "Petshop", einem Laden, wo es viele verschiedenen Tiere gibt. Einige miauen, andere piepsen, einige pfeifen. Wir hören auch das Wimmern von anderen Welpen. Meine Schwester und ich drücken uns eng zusammen in dem kleinen Käfig.
Manchmal kommen Menschen uns anschauen, oft ganz kleine Menschen, die sehr fröhlich aussehen, als wollten sie mit uns spielen.
Tag um Tag verbringen wir in unserem kleinen Käfig. Manchmal packt uns jemand und hebt uns hoch um uns zu begutachten. Einige sind freundlich und streicheln uns, andere sind grob und tun uns weh. Oft hören wir sagen "oh, sind die süß, ich will eines", aber dann gehen die Leute wieder fort.
Letzte Nacht ist meine Schwester gestorben. Ich habe meinen Kopf an ihr weiches Fell gelegt und gespürt, wie das Leben aus dem dünnen Körperchen gewichen ist.
Als sie am Morgen aus dem Käfig nehmen, sagen sie, sie sei krank gewesen, und ich sollte verbilligt abgegeben werden, damit ich bald wegkomme. Niemand beachtet mein leises Weinen, als mein kleines Schwesterchen weggeworfen wird.
Heute ist eine Familie gekommen und hat mich gekauft! Jetzt wird alles gut! Es sind sehr nette Leute, die sich tatsächlich für MICH entschieden haben. Sie haben gutes Futter und einen schönen Napf dabei und das kleine Mädchen trägt mich ganz zärtlich auf den Armen. Ihr Vater und ihre Mutter sagen, ich sei ein ganz süßes und braves Hundchen. Ich heiße jetzt Lea.
Ich darf meine neue Familie sogar abschlabbern, das ist wunderbar. Sie lehren mich freundlich, was ich tun darf und was nicht, passen gut auf mich auf, geben mir herrliches Essen und viel, viel Liebe. Nichts will ich mehr, als diesen wunderbaren Menschen gefallen und nichts ist schöner als mit dem kleinen Mädchen herumzutollen und zu spielen.
Erster Besuch beim Tierarzt. Es war ein seltsamer Ort, mir schauderte. Ich bekam einige Spritzen. Meine beste Freundin, das kleine Mädchen, hielt mich sanft und sagte, es wäre ok, dann entspannte ich mich. Der Tierarzt schien meinen geliebten Menschen traurige Worte zu sagen, sie sahen ganz bestürzt aus. Ich hörte etwas von schweren Mängeln und von Dysplasie E und von Herz zwei. Er sprach von wilden Züchtern und dass meine Eltern nie gesundheitlich getestet worden seien. Ich habe nichts von alledem begriffen, aber es war furchtbar, meine Familie so traurig zu sehen.
Jetzt bin ich 6 Monate alt. Meine gleichaltrigen Artgenossen sind wild und stark, aber mir tut jede Bewegung schrecklich weh. Die Schmerzen gehen nie weg. Außerdem kriege ich gleich Atemnot, wenn ich nur ein wenig mit dem kleinen Mädchen spielen will. Ich möchte so gerne ein kräftiger Hund sein, aber ich schaffe es einfach nicht. Vater und Mutter sprechen über mich. Es bricht mir das Herz, alle so traurig zu sehen.
In der Zwischenzeit war ich oft beim Tierarzt und immer hieß es "genetisch" und "nichts zu machen". Ich möchte draußen in der warmen Sonne mit meiner Familie spielen, möchte rennen und hüpfen. Es geht nicht. Letzte Nacht war es schlimmer als eh und je. Ich konnte nicht einmal mehr aufstehen um zu trinken und nur noch schreien vor Schmerzen.
Sie tragen mich ins Auto. Alle weinen. Sie sind so seltsam, was ist los? War ich böse? Sind sie am Ende böse auf mich? Nein, nein, sie liebkosen mich ja so zärtlich. Ach, wenn nur diese Schmerzen aufhörten! Ich kann nicht mal die Tränen vom Gesicht des kleinen Mädchen ablecken, aber wenigstens erreiche ich seine Hand. Der Tisch beim Tierarzt ist kalt. Ich habe Angst. Die Menschen weinen in mein Fell, ich fühle, wie sehr sie mich lieben. Mit Mühe schaffe ich es, ihre Hand zu lecken. Der Tierarzt nimmt sich heute viel Zeit und ist sehr freundlich, und ich empfinde etwas weniger Schmerzen. Das kleine Mädchen hält mich ganz sanft, ein kleiner Stich ... Gott sei dank, der Schmerz geht zurück. Ich fühle tiefen Frieden und Dankbarkeit. Ein Traum, ich sehe meine Mama, meine Brüder und Schwestern auf einer großen grünen Wiese. Sie rufen mir zu, dass es dort keine Schmerzen gibt, nur Friede und Glück. So sage ich meiner Menschenfamilie Auf Wiedersehen auf die einzige mir mögliche Weise: mit einem sanften Wedeln und einem kleinen Schnuffeln.


Viele Jahre wollte ich mit Euch verbringen, es hat nicht sein sollen. Statt dessen habe ich Euch so viel Kummer gemacht. Es tut mir leid, ich war halt nur eine Händlerware. Lea


„Lucky” - (Alb-)Traum eines Hundelebens I.

„Lucky” lebte wie Millionen anderer Vierbeiner in einer Familie. Genauer gesagt, früher - als er noch ein Welpe war - da war es noch eine richtige Familie - so mit Mama, Papa und mit Tim, seinem besten Freund. Sein Freund ist Tim auch heute noch! Wenn er doch bloß wieder mehr Zeit für ihn hätte. Denn seit Mama und Tim alleine leben, ist nichts mehr so wie es mal war. Mama geht schon morgens aus dem Haus, um Geld zu verdienen, wie sie sagt, damit Tim und er auch immer etwas zu futtern haben. Tim, ja der geht morgens auch früh weg. In die Schule. Er muß eine Menge lernen, damit er später auch einmal viel Geld verdienen kann. Nachmittags muß er seine Hausaufgaben machen, danach die Wohnung aufräumen und einkaufen. Abends geht er dann zum Fußballspielen oder zu seinen Freunden. Da bleibt für „Lucky” kaum Zeit. Einmal war Tim krank. Er war so krank, daß Mama ihn in ein Haus brachte, wo ganz viele Kranke waren. Mama weinte und war ganz durcheinander. Lucky ging zu ihr und leckte ihr die Hand. Aber Mama schien es gar nicht zu bemerken. Sie murmelte vor sich hin: ”Wenn Tim morgen operiert wird, dann bringe ich ihm noch heute das Plüschschweinchen vorbei, welches ich gestern im Kaufhaus gesehen habe. Es soll sein Glückschweinchen sein und ihm im Leben als Talisman viel Glück bringen”. Lucky verstand von alledem nichts und ging traurig in sein Körbchen, weil Mama - ohne eines Blickes ihn zu würdigen - fortging, um das Schweinchen zu kaufen.

II.
So vergingen die Tage und „Lucky” war nun noch mehr allein. Ab und zu ging er mal in den Garten, um zu sehen, was so auf der Straße los war. Seine Hundefreunde kamen mit ihren Herrchen und Frauchen vorbei auf dem Weg zum Park, wo sie früher alle gemeinsam stundenlang gespielt hatten. Ach wie gerne wäre er mit ihnen gegangen! Und so schaute er sehnsüchtig hinter den anderen her und kratzte aus Langeweile Löcher in den Boden. Das eine Loch, ganz nah am Zaun war bald so groß, daß er schon ganz leicht den Kopf unter den Latten durchstecken konnte. Von hier aus konnte er ohne Mühe die Straße entlang bis zum Park schauen, wo er auf der Wiese seine Freunde toben sah. Und dann, oh welches Glück kam Tim - sein Freund Tim - endllich wieder nach Hause. Wie hatte „Lucky” sich auf diesen Moment gefreut. Tim sah auch wieder ganz gesund aus und unterm Arm trug er sein Glückschwein. Doch schon sehr bald bemerkte „Lucky”, daß Tim ihn gar nicht mehr beachtete. Stundenlang saß Tim am Fenster, lächelte vor sich hin während er hinausschaute und streichelte dabei sein Glückschein, welches er immer mit sich herum trug. „Lucky” war verzweifelt, denn auch Mama kümmerte sich nicht mehr um ihn, sondern nur noch um Tim. Manchmal vergaß sie sogar, sein Futter hinzustellen. So überlegte „Lucky”, wie er es wohl anstellen könnte, daß alles wieder so würde wie früher, wo alle ihn lieb hatten, mit ihm spielten und schmusten. .....Und dann, dann hatte er die Idee! Tim war doch glücklich, wenn er stundenlang zum Fenster hinaus schaute weil er dabei lächelte. Denn wer lächelt der freut sich und wer sich freut, der ist auch glücklich. Das wußte er ganz genau, denn wenn er früher zwischen seinen Menschen über die Wiese tobte und dabei vor lauter Übermut mit allen Vieren gleichzeitig hin und her hopste, dann lachten sie alle und waren glücklich.......und er war auch glücklich, weil seine Familie es war! Ganz einfach wäre das Problem zu lösen, dachte „Lucky”, wenn er doch auch ein Glückschwein wäre, dann würde Tim ihn in den Arm nehmen und streicheln. Er wäre bei seinem Freund und sie wären glücklich! Beide!

III.
Da fiel ihm ein, daß Mama im Schrank so einen alten rosé-farbenen Pullover mit Kapuze hatte. Am nächsten Tag, als Mama gerade zum Einkaufen gegangen war und Tim wieder einmal lächelnd zum Fenster hinausschaute, schlich er sich in Mama´s Schlafzimmer. Zum Glück war die Schranktür nur angelehnt, so daß es ein Leichtes für ihn war, sie aufzudrücken. Nach kurzem Suchen fand er den Pullover. Er lag zusammengefaltet ganz unten im Schrank. So konnte „Lucky” ihn mit spitzen Zähnen herauszuziehen. Dann legte er ihn glatt auf den Boden und kroch auf dem Bauch an ihn heran. Mit spitzer Schnauze hob er das Bündchen hoch und so schaffte er es schließlich nach ein paar vergeblichen Versuchen, sich in den rosé-farbenen Pullover hineinzurobben. Die Vorderpfoten steckte er rechts und links in die Ärmel und schüttelte sich einmal kräftig, damit die Kapuze auch über seinen Kopf fiel. So schaute er sich prüfend in Mama´s Spiegel an und gefiel sich schon ganz prima. Die Ärmel waren wohl ein wenig lang aber der Pullover reichte bis zur seinem Stummelschwanz und die Kapuze war so groß, daß er gerade noch mit seinen Augen drunter durch schauen konnte. Aber irgend etwas fehlte noch! ..... Ja richtig, eine schöne rosane Schweineschnauze würde ihm gut zu Gesicht stehen. Und da fiel es ihm auch schon ein, daß Mama gerade gestern erst so einen neuen schönen runden Schwamm gekauft hatte. Und der war? .....richtig! Rosa! In rasantem Tempo konnte der kleine Junge, wenn er denn gerade nicht lächelnd mit seinem Glückschwein auf dem Schoß aus dem Fenster geschaut hätte, eine rosane Gestalt durch den Flur ins Bad huschen sehen. „Lucky”schnappte sich den Schwamm und knabberte mit seinen Zähnen zwei Löcher hinein. Den Schwamm in der Schnauze huschte er wieder zurück in Mama´s Schlafzimmer, um sich nun im Spiegel zu betrachten. Perfekt dachte er, und war glücklich, denn er gefiel sich in seinem neuen Kostüm saumäßig gut.

IV.
Da Tim immer noch an seinem Platz saß und Mama auch noch nicht zu Hause war, dachte sich „Lucky”, er wolle die Zeit nutzen und einen kleinen Ausflug machen, um zu überprüfen, ob sein Kostüm tatsächlich so gut war, daß die Leute ihn für ein Glückschwein halten würden. So verschwand er ungesehen durch den Garten unter dem Zaun hindurch. Er wußte, wenn dieses Experiment klappte, dann würde er ab sofort als Glückschwein immer bei seinem Freund Tim sein können und gesteichelt werden. Bei diesem Gedanken spürte er in sich ein unendliches Gefühl des Glücks . Was er jedoch nicht wußte: Im ganzen Land war seit einigen Monaten in den Zeitungen, im Fernsehen und auch im Radio immer wieder die Rede von ein paar Rosahunden, die Menschen und auch Hunde gebissen, verletzt ja sogar getötet haben sollten. Dazu wurden im schönsten Rosa diese Hunde in überdimensionalen Fotos gezeigt. Die Bilder von gähnenden Hunden, bei denen man eindruckvoll Rachen und Zähne sehen konnten wie auch die Überschriften glichen sich landauf, landab. Es war die Rede von der rosanen Gefahr und daß die Menschen vor der dieser Rasse von Killerhunden geschützt werden müßten. Aber von all dem ahnte „Lucky” als ganz normaler Familienhund nichts, als er frohgemut in seinem Glückschwein-Kostüm auf die Straße trat. Er trottete zunächst ganz gemächlich in Richtung Park, um seine Freunde zu besuchen.

V.
Es waren auch tatsächlich einige da, die ihn zunächst recht mißtrauisch betrachteten. Da „Lucky” nach Schweineart zur Begrüßung in den höchsten Tönen quiekte, waren die anderen Vierbeiner äußerst verwirrt. Sie zogen sich etwas zurück und beratschlagten, was sie denn davon halten sollten. Einer meinte, das müsse wohl eine neue Schweinerasse sein: „Recht klein und mager mit Stummel- statt Ringelschwanz, aber die Farbe stimmt und quieken tut es auch! Vielleicht können wir mit ihm ein wenig spielen!” So rannten die Hundefreunde auf den neuen Spielgefährten zu, um ihn zum Spaß ein wenig vor sich herzutreiben. „Lucky”, der das Hundeknäuel auf sich zufliegen sah, erschrak ganz fürchterlich. Vor lauter Angst überrannt zu werden und beim Toben sein Kostüm zu verlieren, rannte er so schnell er konnte weg, denn er wollte sein Geheimnis ja schließlich nicht verraten. Er lief immer schneller und erleichtert konnte er nach einer Weile feststellen, daß seine Hundefreunde in dieser Geschwindigkeit nicht mithalten konnten und nicht mehr zu sehen waren.

VI.
Laut hechelnd saß er auf dem Bürgersteig und schaute sich um. In seiner Eile hatte er gar nicht bemerkt, daß er in Richtung Innenstadt gelaufen war und mit Schrecken stellte er fest, daß er er beim Rennen - weil er ja schließlich auch mal Luft holen mußte - seine schöne rosane Schwamm-Schweine-Schnauze verloren hatte. Auch hatte er völlig die Orientierung verloren. Hier in der Gegend war er in seinem ganzen Leben noch nicht gewesen. Es blieb ihm wohl nichts anderes übrig als irgendwie den Weg nach Hause zu finden. Vielleicht könnte er ja unterwegs mit einem hundefreundlichen Menschen in Kontakt treten. Wenn der die Telefon-Nummer an seinem Halsband sah, dann würde er bestimmt Zuhause anrufen und Mama würde ihn abholen. Und plötzlich sehnte er sich ganz doll nach seiner Familie und dem Körbchen mit seiner Decke. Auch fiel ihm ein, daß es heute abend noch etwas besonders Gutes zum Abend-Fresschen geben sollte. So kam es, daß „Lucky” in seinem Glückschwein-Kostüm den Weg durch die belebte Innenstandt nach Hause suchte. Sehr bald jedoch wunderte er sich über das eigenartige Verhalten der Menschen.

VII.
Alle die ihm entgegen kamen, hatten Schreck geweitete Augen, ruderten hektisch mit den Armen und rannten eiligst hinüber auf die andere Straßenseite oder um die nächste Häuserecke. Gerade kam eine Frau mit Kinderwagen genau auf ihn zu. Sie war mit ihrem Baby beschäftigt und hatte ihn wohl nicht bemerkt. Aus einem Fenster über ihr schrie eine hysterische Stimme: „Vorsicht! Schnell, schnell! Da kommt eine von diesen Bestien! Ein Rosahund! Die junge Frau wurde leichenblaß, rieß ihr Baby aus dem Wagen und verschwand mit einem Satz im nächsten Hausflur. „Lucky”, der vertrauenvoll und freundlich - mit seinem Stummelschwanz heftig wedelnd - auf die Frau zugelaufen war, erschrak ganz gewaltig, als die schwere Haustür mit einem „Rumms” ihm genau vor der Nase zugeknallt wurde. Ratlos stand er da und wußte gar nicht, was er davon halten sollte, hatte er doch nur die Frau mit dem süßen kleinen Baby begrüßen wollen. Während er noch so überlegte, wie er denn jetzt nach Hause kommen sollte - langsam bekam er Hunger - kamen von hinten ein paar Jugendliche, die von der anderen Straßenseite die Flucht der jungen Frau beobachtet hatten, langsam herüber. Die Gesichter der Jungs schauten nicht gerade freundlich aus, als „Lucky” sich zu ihnen umdrehte. Wenn nicht sein Hunger schon recht quälend gewesen wäre, hätte er um die drei Gestalten einen Bogen gemacht, aber so dachte er, vielleicht wissen sie, wie ich Nachhause komme oder haben wenigstens ein Würstchen für mich.

VIII.
So ging er zwar zögernd aber freundlich wedelnd auf die Gruppe zu und erschrak sich fast zu Tode, als ihn ganz unvermittelt ein Stein am Kopf traf. Für einen Moment wurde ihm ganz schwindelig und als er sich eine Sekunde später wieder aufgerappelt hatte, sah er die drei schon über sich. Ehe er noch klar denken konnte, erhielt er von einem Knüppel einen derartigen Schlag auf den Rücken, daß er unter dem Schmerz zusammenbrach. Die Jugendlichen schrien und grölten:”Diese Rosahund-Bestien müssen vernichtet werden. Das Volk muß vor diesen Killermaschinen geschützt werden. Die müssen endlich vernichtet werden!” Einer aus der Gruppe, der zufällig einen Benzinkanister bei sich trug, hatte die zündende Idee: „Hey Leute ist es nicht schon ganz schön dunkel geworden, sollten wir die Straße für die Leute die alle an den Fenstern stehen nicht ein bißchen besser erleuchten?” Mit diesen Worten öffnete er den Kanister. Ein wenig von der übel riechenden Flüssigkeit tropfte auf das Glückschwein-Kostüm von „Lucky”der immer noch auf dem Boden lag und vor Schmerzen wimmerte. Dieser ekelhafte Gestank ließ ihn seine letzte Kraft zusammennehmen. Mit einem Satz stand er wieder auf seinen Pfoten und trotz seiner Schmerzen, rannte er um sein Leben. Er rannte und rannte, als wollte er bis ans Ende der Welt. Lange Zeit traute er sich nicht, sich umzuschauen, weil er Angst hatte, die Jugendlichen seien noch hinter ihm. Die jedoch waren ihm gar nicht nachgelaufen sondern hatten nur gelacht und waren frohgelaunt und grölend wegen der geilen Abwechslung ihrer Wege gegangen. Doch so schnell er auch lief, der widerliche Gestank haftete an ihm. Ihn wurde er einfach nicht los, ebenso wie die Angst, die sich in seiner Hundeherzen breit machte.

IX.
Irgendwann, es war bereits ganz dunkel geworden, kam er an einem Spielplatz vorbei, der in Anbetracht der späten Tageszeit völlig leer war. E

war müde, sein Rücken tat ihm so weh, daß er kaum noch laufen konnte, und so beschloß er, sich unter dem Holzboden eines Klettergerüstes in den weichen Sand eine Mulde zu scharren und sich dort bis zum kommenden Morgen hinein zu legen. Trotz seines Hungers schlief er auch sofort ein. Am nächsten Morgen wurde er durch das schrille Geschrei eines etwas dreijährigen Mädchens jäh aus dem Schlaf gerissen. „Mama, Maaamaaa, schau mal ein gefährlicher Rosahund ohne Maulkorb!” „Lucky” verstand die Welt nicht mehr. Er konnte einfach nicht verstehen, warum die Leute sich so hysterisch benahmen, denn er wollte nur eines: Einen netten Menschen finden, der ihn zu seinem Freund Tim brachte. Aufgeschreckt durch das Gezeter der Kleinen und durch die schlechten Erfahrungen des Vortages beschloß „Lucky” sich vorsichtshalber ins nächste Gebüsch zurückzuziehen. Seine Schmerzen im Rücken waren über Nacht nicht weniger geworden und so humpelte er von dannen. In der Zwischenzeit hatte die Mutter ihr Kind in Sicherheit gebracht und per Handy die Polizei angerufen:”Sie müssen sofort kommen! Auf dem Spielplatz an der Hauptstraße läuft ein agressiver Rosahund herum. Als meine Tochter ihn fand, hat er sie gleich angegriffen. Ich konnte mein Kind gerade noch retten. Sie müssen die Bestie sofort erschießen, damit er nicht noch Kinder zerfleischen kann.”

X.
Ein paar Minuten später fuhren zwei Streifen- und zwei Mannschaftswagen vor. „Lucky” konnte aus seinem Versteck beobachten, wie ganz viele grün bekleidete Menschen aus den Autos ausstiegen. Die meisten von ihnen hielten längliche Gegenstände hoch, die vorne ein Loch hatten. Sie hatten sich im Halbkreis aufgestellt und kamen immer näher. Hinter dieser grünen Front hüpfte ein Mann mit einer Fotokamera ganz aufgeregt umher. „Lucky” kannte so etwas von den Sonntags-Ausflügen. Man hatte einen Reporter gerufen, der sich die einmalige Chance nicht entgehen lassen wollte, der Menschheit in Wort und Bild die Vernichtung eines gefährlichen Rosahundes - selbstverständlich medienwirksam auf gemacht - zum nächsten Frühstück zu servieren. Das würde die Auflagenstärke der Zeitung und auch sein Gehalt erheblich erhöhen. „Lucky” verstand das alles nicht. Ihm war trotz seines rosa Pullovers kalt und er wollte jetzt nur noch nach Hause. So raffte er sich auf und trat ganz langsam aus dem Gebüsch. Im gleichen Moment hörte man von weit hinten ein Raunen einer großen Menge Schaulustiger. „Da seht nur, die Bestie! Auf was wartet Ihr noch, erschießt sie doch endlich, bevor sie noch einen von uns anfallen kann!” Gleichzeitig rissen die „Grünen” die länglichen Gegenstände hoch und man hörte das ununterbrochene Surren des Motors der Fotokamera.

XI.
„Lucky „ war müde. Er war sooo müde und hatte plötzlich Angst vor den Menschen. Früher waren alle freundlich zu ihm. Was war bloß geschehen? Er war doch immer noch der gleiche! Er war doch immer noch „Lucky”! Er legte sich mitten auf den Weg. Die Schnauze auf den Boden. Er wußte nicht, was nun geschehen würde und wartete geduldig auf das, was da kommen sollte. Hoffentlich würde er bald nach Hause zu Mama und Tim können. Der Kreis der „Grünen” mit ihren komischen länglichen Gegenständen wurde immer enger. Doch „Lucky” blieb liegen. Weglaufen hatte keinen Zweck, das erkannte er ganz genau. Die grüne Mauer schien undruchdinglich. Schräg vor ihm jedoch teilte sie sich plötzlich und auf ihn zu kam ein junger Mann mit einer Stange, an deren Ende eine Schlaufe befestigt war. Der junge Mann hatte freundliche Augen und sprach mit ruhiger Stimme zu „Lucky”:”Komm mein Junge, jetzt bringe ich Dich erst mal weg hier. Du frierst und hast bestimmt auch Hunger. Deine Wunde am Kopf muß auch mal angeschaut werden. „Lucky” war glücklich, endlich wieder einen freundllichen Menschen gefunden zu haben und schaute dem jungen Mann vertrauensvoll entgegen. Er bewegte sich nicht, nur sein Stummelschwanz wedelte zaghaft. Man legte ihm die Schlinge um den Hals und zog sie an. Ohne Widerstand ging „Lucky” mit dem jungen Mann mit. Der führte ihn an der grünen Mauer vorbei zu einem Transporter. Die meisten der grünen Männer beobachteten diese Aktion mit haßerfüllten Augen. Nur bei ganz wenigen bemerkte „Lucky” ein unruhiges Flackern.

XII.
Der Hundefänger brachte ihn schließlich nach längerer Autofahrt in ein Industriegebiet und hielt vor einer großen Halle. Hier war er noch nie gewesen und er wußte auch nicht was er hier sollte. Daß das nicht der Weg nach Hause war, hatte „Lucky” bereits erkannt. Aber er vertraute dem jungen Mann, der würde ihm bestimmt bald helfen. Als er dann jedoch durch eine Art Schleuse die Halle betrat, verschlug es ihm den Atem: „Lucky” konnte nicht glauben, was er dort sah. In dem riesigen Raum waren auf dem Betonboden Reihen von Käfigen montiert worden.. Einer neben dem anderen!. Und in jedem dieser Käfige saß ein Rosahund. Wie gesagt, „Lucky” hatte von der Kampagne gegen Rosahunde bisher nichts mitbekommen. Aber beim Anblick dieser Menge, vor Aufregung laut bellender Rosahunde schaute er entsetzt an sich herunter. Er hatte immer noch Mamas alten rosé-farbenenen Pullover als Glückschwein-Kostüm an. Zwar war der nun schon etwas schmutzig und nach Benzin stank er auch, aber rosa ist nunmal rosa, mußt sich „Lucky” eingestehen. Mit Entsetzen erkannte er, daß er warscheinlich niemals mehr zu seiner Familie nach Hause kommen würde. Und in seiner Not fing er an zu jaulen. Er jaulte und jaulte all seine Not aus seiner Hunde-Seele hinaus. Alle Rosahunde waren plötzlich still und hörten ihm zu. Doch der junge Mann konnte „Lucky” leider nicht verstehen. Denn sonst hätte er „Lucky” schreien hören können:” Neeeeiiiiiin! Nein, ich bin gar kein Rosahund, ich wollte doch nur ein Glückschwein werden. Ich wollte nur wieder beachtet werden. Ich wollte nur wieder geliebt und gestreichelt werden! Woher wollt Ihr wissen, daß ich agressiv bin? Nur weil ich rein zufällig rosa bin? Schaut mir doch in die Augen, Ihr Menschen! Ich bin kein Rosahund! Ich bin doch der liebe „Lucky!” Doch sein herzzerreißende Jaulen nützte „Lucky” gar nichts. Der junge Mann schob ihn mit einem Tätscheln in einen freien Käfig. Danach schloß er die Tür mit den Worten:”Tut mir leid, mein Junge, ich kann Dir leider nicht helfen. Die Gesetze sind nun mal so! Die Politiker haben beschlossen, daß die Stadt von Rosahunden befreit wird.

XIII.
Nun saß „Lucky” da in seinem neuen Domizil. Er hatte sich an die Zwinger-Stäbe gequetscht und schaute in das gleißende Licht der künstichen Beleuchtung. Von hier aus konnte er weder das Blau des Himmels noch das Grün der Natur, das er so sehr liebte, sehen. In seinem neuen „Zuhause” gab es nur eine Holzpalette. Vergeblich suchte er eine weiche Decke, wie sie ihm Mama immer in sein Körbchen gelegt hatte. Auch ein Bällchen fand er nicht. Müde, verzweifelt und immer noch hungrig, denn für die morgendliche Fütterung war er zu spät eingeliefert worden, rollte er sich in einer Ecke seines Käfigs zusammen. Er wollte nur noch eines, ganz schnell einschlafen, um dem nagenden Gefühl von Hunger und Einsamkeit zu entfliehen. In seinem Traum sah er seinen Freund Tim auf ihn zulufen. Die Freude war riesengroß. Endlich, endlich wieder beisammen. Er sprang an dem Jungen hoch und der nahm ihn ganz fest in die Arme. Von hinten aus dem Nebel heraus tauchte dann auch Mama auf mit einem ganzen Teller duftender Würstchen. Nachdem er sich den Bauch damit vollgeschlagen hatte, hörte er von irgendwo her die vertraute Stimme von Papa: ”Na, „Lucky”, sollen wir jetzt im Garten mit dem Bällchen spielen?” „Lucky” drehte sich mehrmals um sich selbst, weil er nicht erkennen konnte, woher die Stimme kam. Er hatte „seinen” Papa schon so lange Zeit nicht mehr gesehen! Als er hörte:”Na komm doch mal her!”, vernahm er das Klappern einer Tür. Während er langsam wach wurde und in das künstliche Licht blinzelte, mußte „Lucky” jedoch erkennen, daß es sich hierbei nicht um die Terassentür handelte sondern um die Zwingertür seines Käfigs. Vor ihm stand der junge Mann und ein älterer mit einer Brille auf der Nase. Er wußte nicht, wer das ist, aber den Geruch kannte er von den jährlichen Impfterminen beim Tierarzt.

XIV.
Der Brillenmensch hatte ihn genau untersucht, auch das Halsband, auf dem sein Name u. die Telefon-Nr. standen. Für sein Fell hatte er sich ebenfalls interessiert. Er hatte seinen Körper abgetastet und dabei gestutzt. Dann hatte er den rosé-farbenen Wollstoff hochgehoben und darunter gefühlt. Er nahm sein Blatt zur Hand, schob seine Brille zurecht und zog die Stirn kraus. Lange beugte er sich so über die Seite, bis ein Ruck durch ihn hindurch ging und während er vor sich hin murmelte:” Sicher ist sicher....man weiß ja nie!”, notierte er: lfd. Nr. der Liste: 487 Chip-Nr. des Hundes: bei Aufnahme keine Name des Hundes: „Lucky” zu vermitteln als: Kat.1 geschätztes Geburtsjahr: ca. 1997 Rasse: Rosahund (?) Geschlecht: m Aufnahme Halle am: 20.08. Was „Lucky” nicht wußte: Dieser Ruck, der da durch den Brillenmenschen hindurch gegangen war, sollte sein ganzes weiteres Leben entscheiden.

XV.
Wortlos verließ der Bebrillte den Käfig und der junge Mann verriegelte die Tür hinter ihm. Er blickte „Lucky” freundlich an und sagte zu ihm:”Leider kann ich Dir nicht helfen, die Gesetze sind nun mal so. Aber Kopf hoch, mein Junge, es wird schon werden!” Dadurch schöpfte „Lucky” wieder ein wenig Hoffnung. „Wenn mein neuer Freund das sagt, wird es sicher stimmen”, dachte er. Warum sollte er ihn auch anlügen, wo er doch immer ein freundliches Wort für ihn hatte. So verging ein Tag nach dem anderen. Es war immer der gleiche Lärm durch das Gebell der unglücklichen Hunde. Es war immer das gleiche künstliche Licht. „Lucky” hatte im Laufe der vielen Wochen und Monate schon fast vergessen wie schön das Licht der Morgensonne sich in den Tautropfen der Gräser spiegelte. Er träumte oft davon, eines Tages wieder mit seiner Familie durch den Garten zu hüpfen und er wünschte sich nichts sehnlicher als bei ihnen und mit ihnen zusammen glücklich zu sein. Doch jedes Mal wachte er irgendwann wieder auf und war immer noch in dieser schrecklichen Halle.

XVI.
Inzwischen hatte man ihn auch einem Wesenstest unterzogen. Dazu wurde er von anderen Hunden und auch von Menschen bedroht. Er sollte an einem Kinderwagen mit schmutziger Windel vorbeigehen, aus dem ein von einem Gerät für Hundeohren völlig verzerrtes Babygeschrei kam. Man spannte einen Regenschirm in nächster Nähe vor ihm au und viele verwunderliche Dinge mehr.. Doch „Lucky” ließ alles gelassen über sich ergehen. Oftmals schien es so, als sei er schon gar nicht mehr hier. Obwohl er den Wesenstest bestens bestanden hatte, wurde er wieder in seinen Käfig in der Halle gesperrt. Was „Lucky” nicht wußte und was ihn hätte endgültig verzweifeln lassen. Er konnte nie wieder zu seiner Familie zurück. Man hatte „seine” Mama und seinen Freund Tim für unzuverlässig erklärt, weil sie nicht gut genug auf ihn aufgepasst hatten, da er „ausbrechen” konnte. So saß er wieder für eine lange Zeit in seiner Zelle und träumte sich so oft es eben ging in eine bessere Welt. Das jedoch gelang ihm immer seltener. Er konnte sich kaum noch an Mama und Tim erinnern. Er war mutlos, einsam.......

XVII.
Eines Tages wachte er auf. Irgend etwas war heute anders! Das Bellen der Rosahunde war aufgeregter als sonst! In der Luft lag eine seltsame Spannung. Der junge Mann und der Brillenmensch gingen langsam durch die Reihen und schauten sich die Hunde aufmerksam an. Zu jedem Hund wurde ein Buchstabe notiert. Entweder ein „V” oder ein „E”. Bei „Lucky” angekommen, sagte der Bebrillte: ”Tja, an sich sieht der ja noch ganz ordentlich aus! Keine Leckekzeme - und entzündete Augen hat er auch nicht!. Aber dieser Stummelschwanz! Coupierte Schwänze sind eben nicht mehr gefragt. Auch wenn der Hund den Wesenstest ohne Abstriche bestanden hat, aber die Leute halten Hunde mit abgeschnittenen Schwänzen für noch viel gefährlicher. Den kriegen wir nicht vermittelt!” Zu dem jungen Mann gewandt sagte er:”Notieren sie ein „E”!. Damit war die Begutachtung zu Ende und „Lucky´s” Leben auch. Am nächsten Tag wurde er mit mehreren anderen Hunde abgeholt. Als er auf dem Tisch lag und die Injektion in seiner Vene spürte, leckte er dem Bebrillten die Hand.......... ......während er sich mit Papa, Mama und seinem Freund Tim in dem feuchten Gras liegen sah, in dessen Tautropfen sich das Licht der Morgensonne spiegelte.




Eine Geschichte zum Nachdenken



Ein Geschäftsinhaber hatte ein Schild über seine Tür genagelt,
darauf war zu lesen: Hundebabys zu verkaufen.

Dieser Satz lockte Kinder an.
Bald erschien ein kleiner Junge und fragte:
"Für wie viel verkaufen Sie die Babys?" Der Besitzer meinte:
"Zwischen 30 und 50 Dollar"
Der kleine Junge griff in seine Tasche und zog etwas Wechselgeld heraus.
"Ich habe 2,37 Dollar. Kann ich sie mir anschauen?"

Der Besitzer grinste und pfiff. Aus der Hundehütte kam seine Hündin Namens Lady, sie rannte den Gang seines Geschäftes hinunter,
gefolgt von fünf kleinen Hundebabys. Eines davon war einzeln,
ersichtlich weit hinter den anderen. Sofort sah der Junge
den humpelnden Kleinen. Er fragte: "Was fehlt diesem kleinen Hund?"

Der Mann erklärte, dass als der Kleine geboren wurde, der
Tierarzt meinte, er habe ein kaputtes Gelenk und wird für den Rest
seines Lebens humpeln. Der kleine Junge, richtig aufgeregt, meinte
"den kleinen Hund möchte ich kaufen." Der Mann antwortete,
"nein, den kleinen Hund möchtest Du nicht kaufen.

Wenn Du ihn wirklich möchtest, dann schenke ich ihn Dir."
Der kleine Junge war ganz durcheinander. Er sah direkt in die Augen des Mannes und sagte
"Ich möchte ihn nicht geschenkt haben. Er ist genauso viel wert
wie die anderen Hunde und ich will für ihn den vollen Preis zahlen.
Ich gebe Ihnen jetzt die 2,37 Dollar und dann 50 Cents jeden Monat, bis ich ihn bezahlt habe." Der Mann entgegnete " Du musst den Hund wirklich nicht bezahlen. Er wird niemals rennen, hüpfen und spielen können wie die anderen kleinen Hunde."

Der kleine Junge langte nach unten und krempelte sein Hosenbein hinauf und zum Vorschein kam sein schlimm verkrümmtes, verkrüppeltes linkes Bein, geschient mit einer dicken Metallstange.

Er sah zu dem Mann hinauf und sagte "na ja, ich kann auch nicht
so gut rennen und der kleine Hund braucht jemanden, der Verständnis für ihn hat" Der Mann biss sich auf seine Unterlippe.

Tränen stiegen ihm in seine Augen, er lächelte und sagte:

"Mein Sohn, ich hoffe und bete, dass jedes einzelne dieser Hundebabys einen Besitzer wie Dich haben wird."






1. WOCHE:
Vor einer Woche bin ich geboren worden, welches Glück auf dieser Welt angekommen zu sein !


1. MONAT:
Meine Mama sorgt sehr gut für mich. Sie ist eine vorbildliche Mama.


2. MONAT:
Heute trennten sie mich von meiner Mama. Sie war sehr unruhig und mit ihren Augen sagte sie mir AUF WIEDERSEHEN, gleichzeitig hoffend, dass meine neue menschliche Familie sich so um mich sorgt, wie sie es machte.


4. MONAT:
Ich bin schnell gewachsen, alle widmen mir ihre Aufmerksamkeit. Es gibt mehrere Kinder im Haus, die wie „Geschwister“ für mich sind. Wir sind alle eine unruhige Bande. Sie ziehen mich an der Leine und ich zwicke sie spielend.


5. MONAT:
Heute nörgelten sie an mir herum. Mein Besitzer wurde heute böse, weil ich „Pipi“ im Haus gemacht habe, aber sie hatten mir ja nie gezeigt, wo ich es machen sollte.
Ich schlafe auch in der Waschküche....
Und konnte einfach nicht mehr zurück halten!


6. MONAT:
Ich bin ein froher Hund. Ich habe die Wärme meiner Familie, ich fühle mich so sicher und beschützt.
Ich glaube, dass meine menschliche Familie mich liebt und sie verwöhnt mich viel zu sehr.
Wenn sie essen, geben sie mir immer etwas ab. Der Hof ist für mich alleine und ich mache mir einen Spass daraus, wie meine Vorfahren, die Wölfe, mein übriggebliebenes Futter im Garten zu vergraben.
Sie bilden mich nicht aus, also muss doch alles richtig sein, was ich anstelle.


12. MONAT:
Heute bin ich 1 Jahr alt. Ich bin ein reifer Hund. Meine Meister sagen, dass ich mehr gewachsen bin als sie gedacht haben.
Sie müssen so stolz auf mich sein!


13. MONAT:
Wie schlecht ich mich heute fühle. „Mein Bruder“ nahm mir den Ball weg, obwohl ich ihnen doch nie ihre Spielzeuge wegnehme!
Deshalb nahm ich ihm meinen Ball aus der Hand. Aber meine Kiefer sind sehr stark geworden und ich verletzte ihn unabsichtlich.
Nach dem Schrecken, ketteten sie mich draußen fest an, ich konnte mich nicht einmal bis zum Sonnenstrahl bewegen.
Sie sagen, dass sie mich beobachten werden und dass ich undankbar bin.
Ich verstehe gar nicht, was passiert ist.


15. MONAT:
Es ist immer noch das Gleiche:
Ich lebe jetzt nur noch auf dem flachen Dach. Ich fühle mich sehr alleine, meine Familie liebt mich nicht mehr.
Sie vergessen manchmal, dass ich hungrig und durstig bin. Wenn es regnet habe ich kein Dach, dass mich vor dem Regen schützt und wenn die Mittagssonne knallhart auf das Dach scheint, habe ich keine schattige Ecke.


16. MONAT:
Heute holten sie mich vom Dach herunter. Ich war sicher, meine Familie vergab mir und ich freute mich so sehr, dass ich sie ansprang vor Vergnügen.
Ich konnte meinen Schwanz vor Freude gar nicht stillhalten.
Ausserdem werden sie mich mit auf einen Spaziergang im Auto mitnehmen!
Wir fuhren in Richtung der Autobahn und plötzlich hielten sie an.
Sie öffneten die Tür und ich sprang fröhlich heraus, im Glauben, dass wir unseren Tag gemeinsam im Freien verbringen würden.
Ich verstehe nicht, warum sie ohne auszusteigen die Autotür wieder schlossen und wegfuhren!
“HÖRT , WARTET .....“ oh, sie haben mich vergessen!!
Ich lief hinter dem Auto her mit all meinen Kräften. Meine Qual wuchs, als ich erkannte, dass sie verschwanden und sie hielten nicht an. Mir wurde klar:

SIE HATTEN MICH AUSGESETZT!!!


17. MONAT:

Ich habe vergeblich versucht, den Weg nach Hause zu finden. Ich setze mich hin, ich bin verloren.
Auf meinem Weg gibt es Leute mit guten Herzen, die mir meine Traurigkeit ansehen und mir etwas zu fressen geben.
Ich danke ihnen von ganzen Herzen und wollte, dass sie mich adoptieren und versprach ihnen auch für die Ewigkeit treu zu bleiben.
Aber sie sagten nur: "ARMEN HUND", er muss verloren gegangen sein und gingen weiter.


18. MONAT:
Neulich ging ich an einer Schule vorbei und ich sah viele Kinder, die mich an meine “Geschwister“ erinnerten.
Als ich mich ihnen näherte, lachte eine Gruppe von ihnen und sie warfen viele Steine nach mir und schauten, wer besser gezielt und mich getroffen hatte.
Einer jener Steine verletzte eins meiner Augen und von da an sah ich nichts mehr mit ihm.


19. MONAT:
Es ist nicht zu glauben, als ich noch ein schöner Hund war, fühlten alle mehr Mitleid für mich. Jetzt aber habe ich schon sehr viel Gewicht verloren, bin richtig dünn geworden und verlor ein Auge und die Menschen verjagen mich lieber mit Besenschlägen, wenn ich versuche etwas Schatten irgendwo für meinen müden und schwachen Körper zu finden.


20. MONAT:
Ich kann mich kaum mehr bewegen: Heute als ich versuchte, eine Strasse mit starkem Autoverkehr zu überqueren, wurde ich angefahren. Ein Autofahrer lenkte sein Auto so, dass er mich mit Absicht traf. Ich werden den zufriedenen Gesichtsausdruck des Fahrers nie vergessen!
Hätte Gott doch gewollt, dass er mich getötet hätte, aber ich renkte mir nur meine Hüfte aus.
Der Schmerz ist nicht auszuhalten, meine Hinterpfoten gehorchen mir nicht und mit grosser Schwierigkeit kroch ich zu irgendeinem Grashang am Strassenrand.


21. MONAT:
Ich liege seit 10 Tagen in der Sonne, dem Regen, der Kälte, ohne etwas zu fressen oder trinken. Ich kann mich nicht bewegen.
Der Schmerz ist unerträglich. Ich fühle mich sehr schlecht, ich liege an einer feuchten Stelle und meine Haare fallen aus.
Einige Leute gingen an mir vorbei, aber entweder sahen sie mich nicht oder aber andere sagten unter sich: “GEHE NICHT ZU NAHE HERAN“.

Ich bin fast bewusstlos. Auf einmal steht eine fremde Person neben mir. Ihre liebevolle Stimme brachte mich dazu zu reagieren.
"ARMER HUND, GUCK WIE SIE DICH AUSGESETZT HABEN", sagte sie...
Neben ihr stand ein Mann mit weissem Kittel, er begann mich abzutasten und sagte zu der freundlichen Frau: "ES TUT MIR LEID, aber ich kann diesem Hund nicht mehr helfen, es ist besser, wenn ich ihn von seinem Leid erlöse ". Unter Tränen stimmte sie mit ihm überein.
Ich schaffte es noch einmal meinen Schwanz zu bewegen und schaute sie mit unendlich dankbaren Augen an.

Ich fühlte nur kurz den erlösenden Schmerz der Injektion und fiel in ewigen Schlaf, mich dabei fragend, WARUM ICH GEBOREN WURDE, WENN MICH DOCH NIEMAND LIEBEN WOLLTE.

Nachdem Gott die Erde und den Himmel, die Blumen und Bäume erschaffen hatte, erschuf er noch alle Tiere, alle Vögel und die Bienen. Und als seine Arbeit getan war, war nicht eins genau wie das andere.

Dann sagte Gott: "Ich werde nun über meine Erde wandeln und jedem Ding einen Namen geben." Und so überquerte er das Land und das Meer und überall wohin er ging, folgte ihm bis zur Erschöpfung ein kleines Tier.

Als alles auf der Erde, im Himmel und im Meer benannt war, sagte das kleine Tier: "Lieber Gott, jetzt ist kein einziger Name für mich übriggeblieben!"

Gott lächelte und sagte sanft: "Ich habe dich bis zum Schluß aufgehoben. Ich drehe meinen eigenen Namen (GOD) von hinten nach vorne und nenne dich DOG, mein Freund."




Harro, der alte Hofhund

Harro, der Schäferhundmischling, war etwa zwölf bis sechzehn Jahre alt. Genau wußte das niemand. Der Hund, dessen Fell inzwischen schon stumpf und glanzlos war, gehörte seit langer Zeit zum festen Inventar des großen Bauernhofes.
Zuverlässig, wie Hunde sind, hat er über Jahre hinweg seinen Wachdienst verrichtet. Lob und Liebe hat er dafür nur im geringen Maße erhalten, eine besondere Verbindung Mensch Tier hatte sich nicht entwickelt. Dies ist nicht erstaunlich, da man früher auf dem Lande die Tiere in erster Linie nach ihrem Nutzwert beurteilte. Wirklich innige Tierliebe entstand nur selten. Selbstverständlich, der Hund hatte seinen Nutzwert.
Als pflichtbewußter Wachhund hatte er einen anerkannten Stellenwert. Er durfte schon mal mit hinaus zum Feld, wenn der Bauer seine Kontrollgänge machte. Das war eine große Anerkennung für den Hund. Spielen, oder Streicheln waren für Harro jedoch rare Seltenheit.
Der Hund war meist sich selbst überlassen. Er hatte eine feste Hütte, regelmäßiges Fressen und freien Auslauf, wenn das mauerumrandete Gehöft am Abend verschlossen wurde. Tagsüber war seine Bewegungsfreiheit durch eine lange Metallkette eingeschränkt. Das war notwendig, denn Harro duldete keine Fremden, die sich innerhalb der Grenzen des Bauernhofes aufhielten. Mit scharfem Gebell meldete er am Tage die Besucher an und wenn nachts ungebetene Gäste versuchten Haus oder Hof zu betreten, so gab es für sie keine Chance gegen die Wachsamkeit von Harro.
Auch heute noch ist es so, obwohl Harro längst nicht mehr stark und gelenkig ist, wie in seinen frühen Hundejahren. Doch Pflichtgefühl und Kampfbereitschaft dominieren immer noch, wenn sich unbekannte Bewegungen im Hofgeviert ergeben. Da spürt Harro nicht den Rheumaschmerz, der seine Knochen an kühlen Tagen durchzieht. Da überwindet er das Hinken des rechten Hinterlaufes, den er sich vor Jahren in einer landwirtschaftlichen Maschine eingezwängt hat.
Sein Bellen erscheint heute nicht mehr so scharf wie früher, doch in Gefahrenmomenten, wenn er giftig knurrt und dabei seine grau gewordene Schnauze vor Aufregung zittert, muß sich auch heute noch jeder, gleich ob Tier oder Mensch, vor Harro, dem alten Wächter des Hofes fürchten.
Doch was wird sein, wenn er noch schwächer, sein Gebiß kraftlos und sein Gehör noch weniger aufnahmefähig wird? Er wird ersetzt werden durch einen jungen, kraftstrotzenden Wachhund und seine Dienste, die man als selbstverständlich hinnahm, werden rasch vergessen sein.
Vielleicht hat er, der Hund, Glück und er erhält sein Gnadenbrot. Obwohl, Dankbarkeit ist nicht das, was Darm in seinem Hundeleben erfahren hat. Die Menschen gaben ihm das Notwendigste, mehr jedoch nicht. An großen Feiertagen, wie auch jetzt zum Weihnachtsfest, da gab es für Harro schon mal eine extra Portion, einen saftigen Knochen oder gar eine Hundewurst. Doch niemals durfte er das Haus betreten, geschweige denn gar am wärmenden Kachelofen liegen. Gerade das hätte seinen müden, rheumageplagten Gelenken doch so gut getan.
Einmal an einem kühlen, regnerischen Herbsttag hat er versucht, getrieben vom Schmerz, sich die fehlende Wärme im Haus des Bauern zu holen. Unverständlich war für Harro, daß man ihn, den treuen Wächter von Haus und Hof, sofort wieder hinausgejagt hat, in die Kühle der ersten, frostigen Tage.
Auch heute war es wieder ein klirrend kalter Wintertag. Der eisige Wind ließ sich auch nicht von den stabilen Brettern von Harms Hundehütte abhalten. Obwohl er sich eng zusammengerollt hatte konnte sich der Hund nicht erwärmen. Er stand auf, er mußte sich bewegen, denn der Schmerz des Rheumas und der Abnutzungserscheinungen war heute besonders unerträglich. Wehmütig blickte er hinüber zum Haus, aus dessen Fenstern behagliche Wärme blinkte.
Harro spürte es, dieser Abend war anders, nicht vergleichbar mit den sonstigen Tagen. Seltsame, friedvolle Stimmung lag nicht nur über dem Bauernhof, sondern strahlte über die gesamte Ortschaft. Kein Motorenlärm, kein Wirtshausgeplärr störte die geruhsame Stille. Harro, der mit den Jahren sensibler geworden war, der kleinste Schwingungen und Stimmungen intensiv in sich aufnahm, fühlte etwas von der Liebe und Behaglichkeit, die heute Nacht das Dorf umgab.
Diese Stimmung veranlaßte Harro etwas zu tun, was er in seinem gesamten Hundeleben noch nie getan hatte. Harro verließ zum ersten Male seinen Wachposten. Instinktiv spürte er, daß heute keinerlei Gefahren lauerten. Durch eine Nische im Bretterzaun des Gartens zwängte er sich hinaus und lief quer über das beackerte, schneebedeckte Feld, hinüber zum Dorfrand. Er hinkte wieder ein wenig, als er die kleine Nebenstraße erreichte. Es war für ihn wie ein innerer Zwang, er mußte laufen.
Warum gerade heute, warum ausgerechnet in diese Richtung? War es Eingebung, die den alten Hofhund hinaustrieb, dorthin wo die einfachen Häuser standen? Leise, klingende Geräusche drangen aus den Inneren, der wie geduckt dastehenden Bauten. Der auf den Dächern lastende Schnee ließ die Behausungen noch bescheidener wirken, als sie es ohnehin waren.
Hier war die Siedlung der “Austragler‘, Arbeitskräfte die Jahrzehnte bei den Bauern ihre Arbeit verrichtet hatten, durften hier ihren Lebensabend verbringen. Für Gelegenheitsarbeiten und kleinere Botengänge wurden sie ab und zu noch herangezogen.
Es waren einfache Hütten, mit kleinen Zimmern, die sich die Alten manchmal auch noch teilen mußten, wo die Betagten sich auf ihre letzten Lebensjahre vorbereiteten und wo sie an warmen Tagen, auf den Bänken, die vor den Häusern standen, in Erinnerungen schwelgten. Sie dachten zurück an eine haue Zeit, die den Alten heute jedoch, mit dem Schliff der Vergangenheit, als gut und menschlich erschien.
Viele von ihnen hatten sich zum Weihnachtsfest zusammengetan, denn wer möchte am Weihnachtstag schon allein sein. Es waren nur alte Menschen, die diese Siedlung bewohnten und bei so manchem war der Partner schon vorausgegangen, dorthin, woher wir kommen und wohin wir nach unserem Erdenleben zurückkehren. Anton, der alte Knecht, der sein Lebtag auf dem Hofe von Harro's Herrn gearbeitet hatte, war nicht am gemeinsamen Weihnachtsabend der Alten beteiligt. Er wollte an diesem Tage allein sein und er fühlte sich dabei nicht einsam. Erinnerungen an Menschen und auch an Tiere, die ihm zugetan waren, verschönerten Anton diesen Feiertag, ließen nochmals auferstehen die Stunden der Gemeinsamkeiten.
War es Zufall, war es Bestimmung, die Anton vor das Haus treten ließ, um den weihnachtlichen Himmel zu genießen, die prunkvollen Gestirne zu bestaunen und dabei an die Unendlichkeit, die für uns Menschen ungreifbar ist, von Zeit und Raum zu denken?
Wie auch immer, Antons Besinnen wurde durch ein leises “Wuff‘ gestört. Er kannte diesen Laut, das mußte Harro sein, dessen Gestalt, angestrahlt durch Mond und Sterne, sich vom weißen, schneebedeckten Boden abhob. Ein leiser Pfiff, ein kaum merkliches Wedeln der Rute und Harro hinkte auf Anton zu.
Der Hund wirkte unendlich traurig, der Lauf durch den Schnee hatte ihn ermüdet. Nichts war mehr da, von der Frische und Kraft, die Harro stets ausgezeichnet hatte. Hier war eine Kreatur, die Hilfe suchend um Nestwärme nachsuchte. Wie selbstverständlich folgte Harro dem Alten ins Haus, etwas das gestern noch unvorstellbar gewesen wäre.
Vielleicht war es der Zauber der Weihnachtsnacht, der Mensch und Tier, beide alt und ausgelaugt, zusammenbrachte. Für beide war es eine Art von erfülltem Weihnachtstraum. Ein Verteilen an Geschenken, das keinerlei Gegenleistung erwartete. Harro, dem Anton vom sowieso kärglichen Festtagsmahl Fleisch angeboten hatte, fraß nicht viel. Den Hund zog es nur zum holzbeheizten, eisernen Ofen.
Ein wenig mißtrauisch schielte er noch zu Anton, als er sich davor legte. Er zitterte immer noch, denn der eisige Frost hatte sich in Körper und Fell festgeklammert. Eine alte Decke, die Anton über den Hund legte, beruhigte Harro. Das war das, wonach er sich seit Jahren sehnte, wenn der Schmerz wieder einmal durch seinen Körper kroch.
Es schien so, als ob der Hund zufrieden vor sich hinbrummelte, als er bald darauf ermattet einschlief. Nach Stunden erschöpften Schlafes, schreckte Harro hoch. Wo war er? Es zog ihn hinaus zur Tür, er mußte zurück zum Hof, um seine Pflicht zu erfüllen. Es fiel ihm schwer, denn immer noch fühlte er sich schwach.
Mit festem Griff und doch mit liebevoller Behutsamkeit zog Anton das Tier zurück zur Decke. Ruhig sprach er auf Harro ein, er soll hierbleiben, sich weiter ausruhen. Er, Anton, würde ihren ehemals gemeinsamen Herrn aufsuchen und bitten, Harro ihm zu überlassen.
Der alte Hofhund, dessen Leistungsfähigkeit ausgeschöpft war, schien die Worte des alten Menschen zu verstehen. Als ob es nie anders gewesen wäre, folgte er der Stimme seines neuen Herren.
Doch Anton, der Harro, mit Hilfe der Weihnachtsstimmung, tatsächlich von seinem Bauern zugesprochen bekam, war niemals ein Herr für den alten Hofhund. Er war stets Harro's Freund, manchmal bestimmend, manchmal nachgebend, so wie echte Freundschaften eben sind. Harro dankte es auf Hundeart. Auch Antons Tage wurden dadurch schöner. Der Tierfreund wird das bestimmt verstehen.


Schwarzer Engel ohne Flügel

(etwas länger, 11 Kapitel)
"Celina starb allein. Sie versprach, allen Kindern dieser Welt ein guter Schutzengel zu sein.
Celina war ein schwarzer Staffordshire-Terrier."
Eine Geschichte über den 'Kampfhunde'-Wahnsinn...



Kapitel 1 Kurze Vorgeschichte

Ein kleines Dorf in Hessen. Hier lebten 1996 Familie Jacobi und Familie Schmidt.
Der blonde Labrador der Schmidts deckte die schwarze Staffordshire Terrier-Hündin der Jacobis. Man nahm dies eher gelassen zur Kenntnis.
Es war ja schliesslich nicht verboten.
Einer der daraus entstandenen Hunde war Celina.
Celina hatte rabenschwarzes, kurzes Samt-Fell und war gut bemuskelt; mit einem breiten Grinsen um die Hundeschnauze und Knicköhrchen, liebevolle Sorgenfalten zwischen den grossen rehbraunen Hundeaugen…
Celina wurde im Frühjahr 1996 als Staffordshire (-Mix) geboren.
Mit knapp 8 Wochen zog sie zu Familie Maurer: Das Ehepaar Horst und Maria Maurer sowie deren 15jährige Tochter Maren.
Die Jacobis hatten bis dahin alles „für ihre Welpen getan“, doch mit dem Auszug der kleinen Hunde legten sie auch sämtliche Verantwortung für das weitere Leben der wachsenden Welpen, IHRER WELPEN, ab.
Einmalig aus Versehen zu Hobbyzüchtern geworden, sahen sie ihre Möglichkeiten damit als erschöpft und Pflichten als bestens erledigt an.
(Celinas Geschichte in ihrer Gesamtheit ist fiktiv.
Die Autorin - Tanja Leuschner - hat jedoch die Schicksale einzelner Hunde, die ihr bekannt wurden, hier verarbeitet.)

Ich wünschen allen Hundebesitzer, die ihren Hunde so etwas antun oder nur im entferntesten quälen, dass Gott mit denen in Gericht geht und keine Gnade kennt, denn die haben diese Leute, verspielt.

Welpe Celina bei Familie Maurer

Die Sonne wirft auch erste Schatten

Kapitel 2

Celina wuselte durch das Haus und dem aufregenden großen Garten der Maurers. Im hinteren Teil des Gartens war eine Ecke abgeteilt, wo Celina auch mal herzhaft buddeln und sich lösen durfte. Celina lernte schnell, daß genau dieses eben auch nur genau dort erwünscht war.
Horst Maurer fuhr schon morgens um 5 Uhr weg zur Arbeit und kam nie vor fünf Uhr abends wieder. Meist sogar noch später. Anfangs spielte er dann noch mit Celina, doch bald war er dazu zu kaputt.
Maren Maurer besuchte die 10. Klasse der Realschule. Bevor sie zur Schule aufbrach, joggte sie eine kleine Runde mit Celina. Wenn Maren dann zur Schule war, kam die Zeit von Hausfrau Maria Maurer und ihrem schwarzen Schatten.
Maria genoß es, nun auch tagsüber etwas Lebendiges um sich zu haben und sprach den ganzen Vormittag mit freundlicher Stimme mit Celina. Celina wackelte Rute-wedelnd jeden möglichen Schritt der freundlichen Menschen-Frau mit und lauschte aufmerksam dem melodischen Klang der Stimme.
Maria hatte eigentlich keine große Lust, mit Celina spazieren zu gehen und die Erziehung zu übernehmen, das überließ sie ihrer Tochter.
Doch die Hausfrau und die Hündin genossen die intensive Zeit miteinander und Celina lernte vieles einfach nebenbei, schon bald, wenn Maria sagte „Ich muß jetzt staubsaugen“, lief der pfiffige Welpe vor zum Wandschrank, in dem der Staubsauger stand.
Und wenn Maria Maurer die Küche fegte, saß Celina aufmerksam dabei und wartete ungeduldig auf das Kommando „Handfeger“, den sie dann voller Freude brachte.
Celina wollte dem Menschen, der den ganzen Tag für sie da war, einfach nur gefallen und sie gefiel diesem Menschen.
Manchmal kam auch die Nachbarin vorbei. Oft brachte sie ihren wilden Sohn Momo mit und dieser und die Hündin Celina genossen Tobe- und Kuschelspiele. Celina lernte schnell, mit Menschenkindern vorsichtig umzugehen, und wenn es ihr genug war, ging sie einfach davon.
Doch eigentlich war Celina viel zu geduldig und auch zu verspielt, um wirklich mal genug zu haben, und so ließ sie sich nie lange bitten, die nächste Spielrunde einzuläuten. Momos Mutter und Maria Maurer beobachteten lächelnd das Spiel des ungleichen Paares.
Wenn die 15jährige Maren von der Schule kam, wurde erstmal mit Celina getobt. Noch bevor sie ihrer Mutter auch nur Guten Tag sagte.
Maren nahm die vorher abgesprochene Aufgabe der Hunde-Erziehung sehr ernst und opferte einen großen Teil ihres Taschengeldes für die Hundeschule im Nachbar-Ort.
Celina war ein kleiner Star der Spielgruppe dort und lernte schnell und immer voller Begeisterung.
Celina lernte problemlos Komm, Bei Fuß, Sitz, Platz, Mach Rolle, Gib Pfötchen, Schäm Dich, Links und Rechts.Und einige andere Kunst-Stückchen.
Und da sie so ein begeisterter Schüler war, lernte sie diese Befehle sowohl auf Stimme wie auch auf Sichtzeichen.
Ebenso gab es in der Hundeschule immer wieder die Möglichkeit zum Spiel mit Artgenossen, was Celina über alles liebte. Sie lernte ihre Kraft gemäßigt einzusetzen und damit die Hundepartner nicht zu überrollen.
So konnte man Celina ausgelassen mit dem Berner-Sennenhund Josh spielen und rangeln sehen, und im nächsten Moment lag sie sich kaum bewegend am Boden, um die beiden Langhaardackel-Welpen, die auf ihr herumsprangen, nicht zu verletzen.
Auch außerhalb des Hundeplatzes hatten Maren und Celina viele Freunde. Beinahe täglich gingen sie mit einem Podenco spazieren und trafen meist noch andere Hunde. Celina lernte vom Chihuahua bis zur Dogge alle Hunderassen kennen und stellte sich sozial und instinktsicher auf diese ein.
Jeder Mensch, ob klein oder groß, und jeder Hund, ob klein oder groß, war begeistert, Celina unterwegs zu treffen.
Diese offene Freude machte aus der wachsenden schwarzen Hündin eine sehr freundliche Hündin, deren Rute sich ständig vor Freude und Lebenslust wie ein Propeller im Kreis drehte.
Niemand hier hatte Angst vor Celina oder vor der Rasse der Staffordshire Terrier.
Maren bereitete ihre Hündin Celina auf die Begleithunde-Prüfung vor. Auch zeigte diese bereits viel Freude an leichten Agility-Übungen und legte viel Talent in erste Versuche zur Ausbildung als Rettungshund
In ihren ersten 1 ½ Jahren lernte die Hündin ausschließlich die Sonnenseiten des Lebens kennen. Celina machte Freude – und machte sich Freunde!- wo immer sie mit ihrem Teenager-Frauchen auftauchte.
Gleichzeitig begann sich aber ab Celinas 18. Lebensmonat doch ein kleiner Schleier auf die Leichtigkeit des Seins der Hündin zu legen.
Maren schien irgendwie enttäuscht, daß Celina auf jeden anderen Menschen ebenso hörte wie auf sie und sogar zu ihrer Mutter noch eine tiefere Bindung zu haben schien als zu ihr. Außerdem war sie das erste Mal so richtig schwer verliebt und teilte ihre Freizeit nun lieber mit dem Jungen als mit Celina.
Horst und Maria Maurer stritten laut, sobald Horst von der Arbeit heimkam. Schon lange würdigte er der Hündin keinen Blick mehr, und Celina war sehr verunsichert dem Herrn des Hauses gegenüber. Mit ihm verband sie kaum schöne Momente, aber immer, wenn er kam, schien sich die Stimmung zu verschlechtern, und niemand kümmerte sich um die manchmal dadurch verunsicherte, traurig in der Ecke sitzende Celina.
Einmal schien die Stimmung des Ehepaar Maurers nicht ganz so schlecht, und sie nahmen sich zärtlich in die Arme. Celina war außer sich vor Glück, erinnerte sie diese Szene doch stark an ihre ersten so sorglosen und glücklichen Monate bei dieser Familie, und sie sprang tollkühn und bellend an Horst Maurer hoch.
Dieser trat der Staffordshire Hündin in den Bauch und schnauzte: „Hau ab, blöde Töle!“
Und der nächste Menschen-Streit war der Schlimmste, den die Hündin Celina je erlebt hatte. Maria Maurer schrie in Tonlagen, die die Hündin von ihr bis dahin nicht kannte und die ihr Angst machten. Horst Maurer warf brüllend ein Glas durch die Gegend und haute immer wieder drohend mit der Faust auf den Tisch.
Celina saß zitternd in ihrem Körbchen.
Und da saß sie von nun an immer, wenn Horst Maurer nach Hause kam. Knapp 1 ½ jährig, 58cm hoch und 34kg, wunderschön geschmeidig bemuskelt, verlor die Hündin etwas von ihrer unvoreingenommenen Fröhlichkeit und war eigentlich viel zu ruhig für so einen jungen Hund.
Doch die Menschen waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um zu merken, daß die junge Hündin völlig verwirrt war.
Maren flüchtete viel zu anderen Jugendlichen, niemand aus ihrer Familie nahm wahr, daß sie die erste Enttäuschung in der Liebe verarbeiten mußte. Sie hatte inzwischen ihren Realschul-Abschluß mit Bravour in der Hand und wußte noch immer gar nicht so recht, was sie werden sollte. Als sich dann die Gelegenheit ergab, auf einem Reiterhof ein Praktikum zu machen, sagte sie spontan zu. Maren ritt seit ihrem 6. Lebensjahr und verbrachte seitdem auch alle Sommerferien und oft auch noch die Herbstferien dort.
Der Reiterhof lag weit entfernt, und Maren sollte dort für ein Jahr hin, hätte danach auch die Möglichkeit, dort eine Lehre als Pferdewirtin zu machen.
Es war die Nacht vom 1. auf 2. Dezember 1997, als Maren weinend neben Celina lag und ihrer Hündin versprach, sie ganz oft zu besuchen. Celina spürte die Traurigkeit ihres kleinen Frauchens, aber auch die unendlich große Zärtlichkeit in der Stimme und hörte aufmerksam zu. Celina liebte diese Zwiegespräche zwischen Hund und Mensch. Auch wenn sie die Fülle der menschlichen Wörter kaum verstand, genoß sie einfach die sanft-vertraute Zweisamkeit zwischen sich und ihren Menschen.
Sie hatte ihren hübschen schwarzen Kopf zwischen ihre Vorderpfoten gelegt, die Knickohren aufmerksam aufgestellt, und mit ihren braunen Kulleraugen beobachtete sie sorgfältig die Miene des traurigen Menschens vor sich.
Wenn Maren von den Pferden sprach, wurde ihre Stimme wieder ein klein wenig hoffnungsvoller, und Celina wedelte zaghaft mit der schwarzen Rute.
In dieser Nacht nahm Maren die schwarze Schönheit mit in ihr Bett, und schnell war das seidig-schwarz-glänzende Fell der Hündin von Tränen durchnässt.
Am nächsten Morgen fuhr Maria die Tochter weg.
Maren verschwand aus dem Leben der jungen Hündin.
Horst blieb zuhause, trank sehr viel Alkohol und schimpfte die ganze Zeit vor sich hin.
Und Celina bekam eine dunkle Ahnung von Einsamkeit und Traurigkeit und saß ängstlich zitternd in ihrem Körbchen.
Das Zittern ließ erst nach, als Maria am nächsten Tag heimkam.
Doch auch Maria umgab eine Traurigkeit, eine Schwere, die der Hund nicht begreifen konnte. In den folgenden Wochen redete sie kaum mit Celina, strich ihr nur manchmal sehr traurig über den Kopf.
Die Hausarbeit, die immer beiden soviel Freude gemacht hatte, machte Maria Maurer nur noch seufzend.
Nur der wilde Momo, der Sohn der Nachbarin, spielte und tobte weiterhin ausgelassen mit der Hündin,wann immer sich die Gelegenheit dazu erbot, und Celina sehnte täglich die Minuten herbei, an denen der kleine Mensch vom Kindergarten kam. Gemeinsam buddelten sie Löcher, versteckten sich hinter Büsche und bestanden viele wilde Abenteuer. Die Begeisterung des kleinen Kindes weckte auch in Celina wieder und wieder die Begeisterung für Menschenkinder.
Dabei war Celina immer vorsichtig und einfach nur an der Seite des kleinen Bengels. Niemals war sie so wild wie Momo selbst, und die Erwachsenen konnten sich 100% auf Celina verlassen.
Manchmal kamen fremde Menschen und schauten sich das Haus an. Wenn diese dann weg waren, weinte Maria.
Horst kam irgendwann gar nicht mehr nach Hause. Horst war aus Celinas Leben verschwunden. Wie ja kurz zuvor bereits Maren. Und ganz am Anfang ihres Lebens die Familie Jacobi.
Celina verstand nicht, was passierte. Wollte jedoch ihrem Frauchen Maria nicht noch mehr Kummer bereiten und wartete so einfach immer nur artig auf ein liebes Wort, auf einen kleinen Spaziergang, auf eine kleine Streicheleinheit.
Manchmal unternahm ja Maria auch noch kleine Kuschelrunden mit Celina, und die Hündin zwang sich weiter dazu artig abzuwarten und jedes bißchen Liebe einfach nur dankbar anzunehmen.
Und Maria?
War einfach froh, um die selbstlose Treue der Hündin und nahm diese selbstverständlich an.

Celina war der Haltepunkt in ihrem Leben, um nicht völlig zu verzweifeln. Und auch der Kontakt zur Gesellschaft! Der Draht zur Welt ausserhalb ihres eigenen Kummers.





Celina und Maria in der Stadt

Die Schatten werden länger

Kapitel 3

Maurers trennten sich bald endgültig, das Haus wurde verkauft, und Maria Maurer zog mit dem Hund in die entfernte Großstadt in eine 2-Zimmer Wohnung.
Nachdem Maria Maurer schon vorher bei ein paar Vermietern gemerkt hatte, daß ein Hund zwar kein Problem sei, ein Staffordshire aber eben doch, hatte sie bei der Besichtigung dieser Wohnung angegeben, einen Labrador-Mix zu besitzen, was ja auch noch nicht mal wirklich gelogen war.
Nur hatte Celina wirklich wenige Äußerlichkeiten von ihrem Hundevater geerbt, sie sah halt aus wie eine Staff-Hündin, und es begannen erste Stimmen lauter zu werden, daß diese Hunde eventuell gefährlich sein könnten.
Tierschützer machten bereits seit mehreren Jahren darauf aufmerksam, daß diese Hunderassen für höchst merkwürdige Zwecke missbraucht werden. Doch das wollte niemand hören!
Maria drückten diese zusätzlichen Probleme schwer auf der Seele. Wenn sie aber in Celinas geduldigen und treuen Augen schaute, versprach sie ihr in die Pfote, sie niemals im Stich zu lassen.
So wie Celina immer für Maria dagewesen war, so wollte Maria immer für Celina da sein.
Ihr kleiner schwarzer Engel, der sie im Alltag aufrecht hielt und wirklich immer nur lieb, brav und einfach da war.
Am Tag ihres Einzugs kam auch der Vermieter vorbei und regte sich sehr über Celina auf. Maria bot all ihre innere Stärke auf. Schliesslich erlaubte er den Einzug doch, aber drohte ihr bei den kleinsten Beschwerden von Nachbarn Konsequenzen an.
Celina war wieder einmal sehr verwirrt, von der nicht greifbaren schlechten Stimmung, die Maria Maurer zu umgeben schien, sobald ein männliches Wesen aufkreuzte, und sie zog sich still in ihr Körbchen zurück, das bereits in der engen Wohnung stand. Die Hündin hatte in ihrem jungen Leben gelernt, daß stilles Abwarten am schnellsten zur ersehnten Harmonie zurückführte.
Und als der Mann weg war, schien ihr Menschen-Frauchen sehr erleichtert. Maria lud die Hündin ein, neben ihr auf dem Sofa Platz zu nehmen, und Celina hörte wieder einmal aufmerksam und tröstend den Worten von Frau Maurer zu.
Maren Maurer wurde von ihren Eltern vor vollendete Tatsachen gestellt und zog die Konsequenz, Abstand zu ihren Eltern zu halten und diese erstmal zu ignorieren. Es war inzwischen klar, daß sie im Sommer die Ausbildung als Pferdewirtin beginnen würde. Sie hatte auch gefragt, ob sie Celina holen dürfe, doch die sonst sehr netten Reiterhof-Betreiber stellten sich da völlig stur und wollten auf keinen Fall "so einen Hund auf dem Ferien-Hof"
Maren bat ihren Hund in Gedanken um Abbitte und versprach, ebenfalls via Gedanken-Gruss, Celina zu sich zu holen, sobald sie ihr Leben geregelt hätte. Sie hielt oft gedankliche Zwiegespräche mit der Hündin, doch wieder gesehen hat sie diese eine sehr lange Zeit nicht.
Maria Maurer nahm eine Stelle bei einer Gebäude-Reinigungsfirma an und war nun von 7 Uhr bis 12.30 Uhr ausser Haus und Celina alleine in der lauten und kleinen Stadt-Wohnung. Etwas, was Celina nie wirklich gelernt hatte, denn bis dato war eigentlich immer jemand da - und wenn sie mal ein Stündchen alleine gewesen war, hatte sie die Möglichkeit gehabt, auch in den Garten zu laufen.
Hier hatte die Staffordshire Hündin auf einmal nur noch die Möglichkeit, wartend in ihrem Körbchen zu liegen. Celina vermisste Sand und Gras unter ihren Pfoten, die Hündin trauerte auch um ihren kleinen wilden Menschenfreund Momo und sehnte sich nach langen Wanderungen durch den heimischen Wald, nach wilden Renn- und Tobespielen mit anderen Hunden, aber auch nach den Aufgaben auf dem Hundeplatz mit Maren.
Ihr einst so spannendes und von Liebe und Stolz begleitetes Leben verlief trist und eintönig.
Wenn Maria von der Arbeit kam, ging sie mit Celina spazieren. Das war so ziemlich das Einzige rund um den Hund, was sie noch nie besonders gerne gemacht hatte. Doch nun war sie mehrmals täglich dazu gezwungen. Und so sehr sie die schwarze Hündin Celina liebte, so sehr war sie von diesen Spaziergängen auch genervt. Und angestrengt.
Denn die Spaziergänge mit der Staffordshire-Hündin wurden langsam zu einer Art Spießruten-Lauf.
Der Ruf der Rasse Staffordshire-Terrier wurde immer schlechter und die Menschen schienen beinahe froh, ein Feindbild zu haben. So machte sich kaum jemand die Mühe, Celinas tolles Wesen kennen zulernen, sondern man zeigte lieber angewidert mit dem Finger auf den Hund.
Im Stadtpark musste Celina die ganze Zeit an der Leine bleiben und die anderen Hundebesitzer duldeten keine Kontaktaufnahme. Das so lebensfröhliche Power-Paket Celina wusste schon bald nicht mehr wohin mit all der Energie und begann beim Spazieren gehen, die ganze Zeit über aufgeregt zu bellen.
Bald ging Maria nur noch 10 Minuten mit Celina und dies auch nicht öfter als 2mal am Tag.
Danach brachte Maria die Pelznase heim und erledigte allerlei der vielen menschlichen Aufgaben, ging aber oft auch einfach nur genießerisch Schaufenster bummeln, um ihre Gedanken zu ordnen.
Luft holen, ohne angefeindet zu werden.
Celina saß dann zuhause und weinte ihre Einsamkeit und ihre aufgestaute Energie, aber auch ihre Unsicherheit heraus. Anfangs leise winselnd im Körbchen, dann immer lauter. Manchmal klopften dann die anderen Bewohner des Mehrfamilienhauses an die Wohnungstür, und Celina bellte aufgeregt und freudig in der Hoffnung, daß der Mensch da vor der Tür sie zu einem aufregenden Spaziergang abholen wolle.
Celina weinte vielleicht um ihr Leben, das sie geführt hatte: Als Hund mit Denkaufgaben, körperlicher Auslastung und vollem Familienanschluss.
Nun war sie ein einsamer Stadt-Hund und wartete immer nur darauf, daß Maria heimkam. Und wenn die dann heimkam, war auch nichts mehr wie früher.
Celina spürte, daß da bald die nächste Veränderung auf sie zukommen würde.
Die Nachbarn hatten Angst vor der muskulösen Hündin und verwechselten ihr lachendes Hundegesicht mit dem Gesichtsausdruck eines angreifenden Hundes. Das Jaulen Celinas nahmen sie zum Anlass, sich über den „unberechenbaren Hund“ zu beschweren.
Marias Vermieter schickte einen Brief, mit der Auflage, den Hund sofort aus dem Wohnhaus zu entfernen.
Maria hatte keine Kraft mehr, um Celina zu kämpfen. Sie wollte nun erstmal um ihr eigenes Leben kämpfen.
Den Gedanken, daß die schwarze Staff-Hündin all die letzten Monate ihr einziger Lebenshalt gewesen war, verdrängte sie dabei erfolgreich.
Schließlich und schlussendlich „war doch Celina nur ein Hund“!
Maria Maurer verteilte Zettel in den Einkaufsläden ihrer Umgebung, auf denen sie ein neues Zuhause für Celina suchte.
Am 18. Mai 1998, 2 Jahre nach dem Einzug des kleinen schwarzen Welpen bei den Maurers, nachdem das Glück für Celina so perfekt erschienen war wie der 6er im Lotto, wurde die treue vierbeinige Freundin per Handschlag weitergegeben an die Studentin Carmen. Die versprach, sich nach besten Wissen und Gewissen um Celina zu kümmern.
Maria verlangte keine Schutzgebühr, machte keinen Vertrag, wusste von Carmen keinen Nachnamen, sondern verließ sich eher erleichtert und nur leicht zögernd auf das „gute Gefühl, für den Hund das Beste gemacht zu haben“
Maria Maurer verschwand einfach so von einem Tag auf den anderen aus Celinas Leben. Celina verstand die Welt nicht mehr!
Am 18. Mai 1998, an ihrem zweiten Geburtstag, verließ die Hündin an der Seite einer fremden Frau –ihrem neuen Frauchen Carmen- , den Menschen, für den sie ihr eigenes Leben ohne zu zögern gegeben hätte.

Celina und Carmen

Auch wenn die Sonne nur kurz scheint,
scheint sie in diesem Moment hell
…und wirft Schatten!

Kapitel 4

Carmen studierte BWL und war gerade von ihrem Freund verlassen worden. Ihre Eltern gaben Carmen finanziell alles, was die Studentin nur wollte, und so füllte Carmen ihre Einsamkeit mit Celina.
Carmen hatte ein langes Gespräch mit Frau Maurer geführt und spürte wirklich einen tiefen Willen in sich, für diese Hündin zu sorgen.
Carmen war zwar oft gedankenlos, aber nicht herzlos, und so erkannte sie mit sicherem Gespür die kalte Faust der Unsicherheit und Angst, die das Hundeherz umgab. Und sie versprach der Hündin, immer gut für sie zu sorgen.
Celina hörte -wie immer- aufmerksam der menschlichen Stimme zu und ihre Rute wedelte freudig erregt, da diese Zweisamkeit wieder da war, die die Hündin doch so sehr liebte und brauchte.
Carmen nahm Celina überall mit hin, beim Fernsehgucken saß Celina neben ihr auf dem Sofa und manchmal teilten sie sich sogar eine Tüte Chips. Abends lag sie mit im Bett eng an Carmen gekuschelt. Am Tage fuhr Carmen mit ihrem knallrotem VW-Beatle-Cabrio und der süßen schwarzen Hündin oft in den Wald und liess auf einsamen Wegen Celina auch frei laufen.
Celinas Lebenslust kehrte sehr schnell zurück. Nach nur wenigen Tagen reagierte sie auf das kleinste Kommando ihres neuen Menschen und dankte mit Treue und Freundlichkeit.
All ihr hündisches Urvertrauen steckte sie in diese junge Menschen-Frau, so daß sie auch wieder problemlos ein paar Stunden alleine blieb, wenn Carmen an der Uni war. Danach gab’s ja Freizeit für und mit dem Hund pur.
Die Abende verbrachten sie oft an einem Baggersee. Abends war es noch recht frisch und die Badegäste gingen nach Hause, das war dann die Zeit für übermütige Wasserspiele zwischen Carmen und Celina.
Und die ganze Zeit arbeitete Carmen dabei die Vergangenheit mit ihrem Exfreund auf. Celina hörte freudig gespannt zu.
Diese Zweisamkeit, in der eine freundliche weibliche Stimme viele Worte zu ihr sprach, diese Zweisamkeit machte die Stafford-Shire Hündin in wenigen Tagen wieder glücklich. Denn damit verband die Hündin ihr erstes absolut sorgloses Lebensjahr, damit wurde sie vom tapsigen Welpen zum glücklichen Hunde-Teenie. Celina war wieder einmal binnen kürzester Zeit genau das, was der Mensch vom Hund erwartet: Sie war einfach der beste Freund des Menschen, dabei selbst völlig anspruchslos.
Als Carmens Exfreund Marc wieder auftauchte, schwebte Carmen auf rosaroten Wolken, und während sie Marc noch etwas zappeln liess, überschüttete sie Celina mit Zärtlichkeiten und Aufmerksamkeit.
Als Marc dann nach kurzer Zeit wieder einzog, flog Celina erst aus dem Bett und schliesslich auch vom Sofa.
Doch da Carmen so glücklich war, war es Celina auch. Celina liebte und wurde geliebt, mehr wollte die Hündin doch nie vom Leben.
Als Marc dann anfing, von einem kompletten Neuanfang zu sprechen, von Semesterferien in den USA…da hatte Carmen nur kurz ein schlechtes Gewissen der neuen vierbeinigen Freundin gegenüber; verschenkte die Hündin dann aber kurzerhand an eine WG in Hannover, wo auch ihre Cousine Kati wohnte. Sie brachte Celina dorthin, ließ der Mädchen-WG eine Menge Geld da und hatte damit ihrer Meinung nach „das Beste für den Hund getan!“
Nach zwei kurzen, aber sehr intensiven Monaten verschwanden Marc und Carmen einfach aus Celinas Leben.
Celina blieb wieder einmal verwirrt in einem für sie völlig neuem Leben bei völlig fremden Menschen zurück.


Celina in der Mädchen-WG

Vom Schmusehund zur Kampfbestie!
Die Sonne hat nicht immer genug Kraft zum Wärmen

Kapitel 5

In der WG lebten 3 junge Frauen zwischen 18 und 22 Jahren und zwei Katzen.
Celina hatte bisher noch keine näheren Kontakte mit Katzen gehabt, doch die drei Frauen Kati, Maja und Jule ließen soviel Geduld und Tier-Verstand mit einfliessen, das die schwarze Hündin und die beiden schwarz-weiß gefleckten Katzen schon nach 4 Wochen zusammen im Körbchen lagen.
Die Katzen Dascha und Minou hatten schon allerlei Besucherhunde erlebt und zeigten sich neugierig aufgeschlossen. Während die ältere Dascha vor allem genoss, angekuschelt an der Hündin zu dösen, entwickelten Minou und Celina ihre ganz eigene Art, in der Wohnung miteinander zu spielen. Und selbst auf Spaziergängen sah man oft die Katze Minou als Begleiterin an der Seite der großen schwarzen wunderschönen Hündin.
Celina mit ihrem sanften und sensiblen Wesen war nach nur knapp vier Wochen der Mittelpunkt der Mädchen-WG und die vertraute große Freundin der miauenden Samtpfoten.
Die Mädchen wurden öfter skeptisch-neugierig nach der Rasse der schwarzen, kräftigen Hündin gefragt und antworteten zielsicher und lachend: „Stoff-Terrier!“ Wenn die Mädchen da so ausgelassen lachten, stand ihr „Stoff-Terrier“ glücklich die Rute schlagend daneben, und ihr Vertrauen zum Partner Mensch war wieder aufgebaut und unendlich gross.
Jule war mit 22 die Älteste und arbeitete als Krankenschwester. Maja war ihre 18jährige Schwester, die gerade eine Ausbildung zur Floristin machte, und Kati eine 20jährige Lehramt-Studentin, die auch die Katzen mit in die WG gebracht hatte.
Eigentlich war immer eine von den dreien für Celina da, und wenn Freunde kamen oder Urlaub angesagt war, dann war auch Celina dabei. Auch lernten sie im nahen Stadt-Park Leute kennen, die keine Angst vor Celina hatten, und endlich durfte Celli, wie sie nun meistens gerufen wurde, erstmals wieder offiziell frei laufen und mit anderen Hunden spielen. Celli dankte es mit Verlässlichkeit und absoluter Unkompliziertheit. Das Leben war wieder leicht und Celina war es auch.
Das schönste Erlebnis war für Kati, als sie mit der Hündin im Wald spazieren ging – Celli hatte inzwischen schon wieder rund um die Uhr ihr berühmtes Lachen im Gesicht- als ein ca. 2jähriger Menschen-Steppke auf den Hund zulief; „Hund-ei,Hund-ei“ rufend und der Papa lachend in die Richtung von Kati und der Staffordshire-Hündin rief: „Keine Angst, der will nur spielen“.
Celina liebte nach wie vor Kinder und ließ diese tollpatschigen kleinen Finger mit einer beispiellosen Geduld durch ihr Fell wandern. Ihr ausgelassenes Temperament schraubte sie dann stets auf ein Minimum herunter, und nie hätte sie ein Kind auch nur aus Versehen umgerannt.Celli war durch und durch ein verlässlicher Hund.
Ihre drei Frauchen hatten alle feste Freunde, aber auch diese hingen mit männlicher Zärtlichkeit am schwarzen Vierbeiner, und Celina entwickelte auch wieder Vertrauen zu Männern.
Die Mädel-WG war in Celinas jungem Leben nicht ihr erstes Zuhause. Doch ganz dem Wesen des treuen Freund des Menschen entsprechend, zeigte Celli immer wieder die Fähigkeit, sich neu und unvoreingenommen zu binden. Ihre Sensibilität, ihr Willen dem Menschen zu gefallen, machten aus ihr einen ganz besonderen Hund. Und alle, die Celina, die schwarze Staffordshire-Hündin, kennen lernten, freundeten sich schnell mit ihr an.
Einer sprach sogar von der „Wiedergeburt Lassies im schwarzen Fell“!
Und ihr Lerneifer, die schnelle Auffassungsgabe, der Mut der Hündin, alles zu tun, was die Menschen wohl erwarteten, gepaart mit eigener Kombinationsgabe, hätte selbst Kommissar Rex blass werden lassen vor Neid.
Celina hatte alle Charakterzüge eines gut sozialisierten Staffs in sich verankert: kinderlieb, flexibel, lernwillig, wasserfreudig, sozial, hohe Toleranzschwelle, verspielt…
Aber diese Wesenszüge sprach man dem Staffordshire-Terrier allmählich ab.
Obwohl bereits Diskussionen um sogenannte Kampfhunde immer lauter wurden (in denen die Warnungen von Tierfreunden aber weiterhin komplett ignoriert wurden), hatte Celina eine glückliche Zeit und wurde allmählich ein sicherer Stadthund, der auch brav mit Strassenbahn fuhr oder im Cafe artig unter dem Tisch lag.
Celina hatte gelernt, sich auf den Befehl „Mach fein“ zu lösen, so dass die Mädels etwas beeinflussen konnten, wo Celina machte und es auch in dieser Beziehung keinen Anlass zum Ärger gab.
Alle hatten Spaß mit diesem tollen Hund!
Celina gehörte in ihrer Wohngegend einfach dazu und war wieder ein fröhlicher ungezwungener und vor allem sehr sozialer Hund, der liebte und geliebt wurde.
Ein Staffordshire-Terrier, wie es viele gab, und doch ein ganz besonderer Hund,
wie jeder Hund für seinen Menschen etwas ganz besonderes sein sollte.
Dann passierte dieses Unglück in Hamburg, wo der kleine Volkan von einem Hund der gleichen Rasse wie Celina totgebissen wurde.
An diesem Unglück war der kleine Volkan 100% unschuldig… …aber Celina doch auch!
Welche Schuld könnte die in Hannover lebende Hündin an einem Unglück in Hamburg treffen?
Wenn ein Mercedes-Fahrer bei Rot über die Ampel fuhr, würde man ja auch nie darauf kommen, allen Mercedes-Fahrern für vier Wochen den Führerschein zu entziehen.
Dieses Unglück des kleinen Jungen Volkan war ohne Frage mehr als schrecklich. Und so unnötig und grausam.
Aber ebenso ohne Frage war es nicht die Schuld der Hündin Celina!
Dann überschlugen sich die Presse-Meldungen mit Berichten über Opfer von Kampf-Hunde-Attacken.
Denn endlich konnte die Presse Schlagzeilen bringen.
Der Staffordshire-Terrier…ein beißwütiger Kampfhund!
Tatsächlich gab es in zwielichtigen Szenen viele, vor allem junge, Männer, die ihr nicht vorhandenes Selbstbewusstsein mit dieser muskulösen Hunderasse aufpolierten. Darauf machten Tierfreunde ja seit Jahren aufmerksam!
Gerade diese Hunderasse war bekannt dafür, alles zu tun, was ihr Mensch von ihnen verlangte, und wenn man nur ordentlich suchte, fand man auch Menschen, die Opfer von Beißattacken von scharf gemachten Hunden waren.
Und diese Opfer waren unschuldig. …aber Celina auch!
Doch Celina war jetzt nicht mehr der Stoff-Terrier aus der Mädchen-WG.
Celina war seit diesem tragischen Unglück „eine von diesen“.
Ein Kampfhund,
eine Killer-Maschine,
eine Bestie,
unberechenbar…
Kein Lassie mehr!
Und erst Recht kein Rex mehr!
Kein treuer Freund des Menschen!
Celina war auf einmal eine Gefahr für Menschen!
Und für andere Hunde!
Schlicht für alles und jeden!
Celina…über die gestern noch die Menschen gelacht hatten, weil ihre Rute stets und ständig wie ein Propeller im Kreis drehte und man befürchtete, dass sie gleich in die Luft abhebe …war heute zum Kampfhund auserkoren!
Nachbarn - die vor kurzem noch liebevoll mit Celina geschmust und gespielt hatten- schrieen, wenn sie Celina sahen.
Drohbriefe flatterten ins Haus, Celina durfte nicht mehr frei laufen, musste einen Maulkorb tragen…
Mütter rissen ihre Kinder hoch, wenn sie Celina sichteten, die Hündin durfte nicht mehr in den Gemeinschafts-Garten des Wohnhauses der WG.
Ältere Männer liefen mit der Harke in der Hand hinter Celina her, und ältere Hausfrauen spuckten den Mädels und der Hündin vor die Füsse.
Gestern war Celli noch ein Idol unter den Hunden, wurde gleichgesetzt mit berühmten Fernseh-Hunden wie Lassie und Kommissar Rex…Heute schon war aber Celina gefährlicher als jeder überlebende Dinosaurier.
Die Dreier-WG wurde unsicher wegen der Reaktionen der Umwelt…Celina wurde unsicher, weil sich ihr Leben wieder so schlagartig geändert hatte, und all die Unbeschwertheit war auf einmal wieder weg. Ihre Menschen flitzten meist nur noch im Dunkeln schnell mit Celli um die Ecke.
Celli durfte weder in die Straßenbahn noch ins Cafe, und die ganze Lebenssituation war sehr angespannt.
Aber nicht einmal in all dieser Unsicherheit und Zeit der Veränderungen und Anfeindungen hat Celina geknurrt oder gar böse geguckt. In den wenigen Stunden, die Celina alleine war, begann sie wieder ihre Unsicherheit herauszuheulen.
Sie war nun nicht mehr das süße schwarze Staff-Mädchen, der schwarze Engel der 3er WG, sie war nun ein Kampfhund!
Der Vermieter duldete „das“ nicht mehr, und alle Gesetze und Nachbarn waren auf seiner Seite.
Jule, die bisher eh am wenigsten Kontakt zu Celina hatte, war inzwischen schwanger und zog mit ihrem Freund zusammen. Ein bisschen schlechtes Gewissen hatte sie schon, ihre Freundinnen und Celina so im Stich zu lassen, doch da die Schwangerschaft nicht ganz komplikationslos verlief, war sie auch noch mit ganz anderen eigenen Sorgen beschäftigt.
Maja hatte nun ihre Ausbildung beendet, nebenbei hatte sie in der Abendschule das Abi nachgeholt und begann nun zu studieren. Ausgerechnet am anderen Ende von Deutschland, in Bayern! In diesem Bundesland, noch dazu im Studenten-Heim, brauchte sie nicht mal darüber nachzudenken, sich weiter um Celli kümmern zu können. Beinahe war sie ein bisschen erleichtert darüber, die Verantwortung für den Hund somit abschieben zu können.
Blieb Kati, die alleine die Miete für die WG Wohnung nicht mehr aufbringen konnte, keine neue bezahlbare Wohnung fand mit 2 Katzen und einem so genannten Kampfhund, und unter grossem Druck der Öffentlichkeit stand.
Ihr wurde sogar klargemacht, dass sie ihre beruflich angestrebte Laufbahn als Grundschul-Lehrerin an den Nagel hängen könnte, wenn sie sich weiter in der „Kampfhund-Szene“ herumtreiben würde!
Ihre ganze Zukunft hing davon ab.
Ihre ganze Zukunft hing davon ab, sich für oder gegen eine Zukunft mit dieser Hündin zu entscheiden.
Kati war nervlich am Ende und hielt dem Druck der Öffentlichkeit nicht länger stand.
In ihrer Not gab Kati eine Anzeige im Tiermarkt-Anzeiger auf und gab Celina dem einzigen Bewerber mit, der sich darauf meldete.
Jonas erschien Kati mit seinen knapp 50 Jahren als sehr vertrauenserweckend.
Kati drückte die Katzen Dascha und Minou weinend an sich, als Celina mit Jonas um die Ecke verschwand.
Sie spürte das ungute Gefühl in sich.
Sie spürte das Verlangen, Celina an sich zu reißen und zu beschützen.
Doch ihr alleine fehlte der Mut.
Der Mut, im Jahre 2001 einen Hund zu lieben, der ein schwarzer Staffordshire-Terrier war.
So verschwanden innerhalb kürzester Zeit nochmal sechs Menschen und zwei Katzen-Kumpel aus dem Leben der schwarzen Staff-Hündin Celina, die doch bisher einfach immer nur artig gewesen war.
Und auch diese Menschen gaben, wie all die Menschen zuvor, nicht nur Celina ab, sondern auch die Verantwortung für das Leben der Hündin, die doch zuvor eine kleine Zeit lang das eigene Leben so aufgewertet hatte.




Celina wird als Kampfhund verheizt

In zubetonierten Hinterhöfen scheint fast nie die Sonne

Kapitel 6

Jonas befand sich nun schon länger auf der schiefen Bahn, Drogen und Alkohol hatten ihn seinen Job gekostet, seine Frau war mit einem jüngeren Mann durchgebrannt, seine beiden Töchter hatten sich angewidert von ihren Eltern abgewandt. Jonas hatte einen immensen Schulden-Berg und sah seine Chance mit Celina gekommen.
Durch die ganze Panik- Mache in den Boulevard-Zeitungen hatte der ehemaliger Journalist recherchiert und wirklich Kontakt zur Kampfhund-Szene bekommen. Er wußte, um welche Summen es da ging.
Jonas wußte auch, das man die eigentlichen wirklichen Kampfhunde nie in der Öffentlichkeit sah, und er wußte, das diese Kampfhunde, die für Hundekämpfe eingesetzt werden, dem Menschen nie etwas tun würden. Sie hatten dem Menschen gegenüber den „Will-to-please“ aufzuweisen, und das war eben auch ein Charakterzug der Staffs & Co, der es überhaupt erst möglich machte, diese Rasse so zu missbrauchen.
Also nahm er die inzwischen 5 jährige und sehr kräftig gebaute und gut bemuskelte Celina mit.
Es folgte eine „Ausbildung im Hinterhof“.
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und wahrscheinlich fern der Phantasie der meisten normalen Hundehalter:
Celina bekam Schläge, mit Eisenstangen und noch glühenden Holzscheiten, wurde getreten und schwer misshandelt,
immer dann, wenn ein anderer Hund in die Nähe kam, der wütend bellte.
Es wurde mit Elektro-Schocks gearbeitet, die Hündin musste hungern und dursten.
Celina wußte kaum noch wohin vor Angst - und genau das war es, was die Männer erreichen wollten:
daß der Hund vor Angst irre wird!
Nach 3 Wochen wurde ein bereits gedrillter Hund auf Celina losgelassen.
Dieser andere Hund hatte nie etwas anderes gelernt als andere Hunde zu töten, und so ging er auch auf Celli los.
Celina wehrte sich nicht, sondern kauerte sich ängstlich in die Ecke und ergab sich ihrem Schicksal.
Sie verstand nicht, was passierte - aber wenn die Menschen sie lieber tot sehen würden, würde sie sich eben anstandslos totbeißen lassen.
Der Kampf wurde von den Menschen beendet.
Die fremden Menschen gingen lachend, spuckend und grölend mit ihrem Sieger-Hund davon und ließen Jonas verachtend stehen. Celina war sehr schwer verletzt worden, und Jonas registrierte, daß er aus diesem Hund keinen Sieger in der dunklen Szene machen konnte.
Dafür war Celina einfach zu lieb. Trotz oder gerade wegen ihrer Rasse-Zugehörigkeit und ihres anfänglich so wunderbaren Lebensstarts.
Wütend drückte Jonas eine Kippe auf dem zerschundenen Körper von Celli aus und steckte diese dann in einen Jute-Sack, lud den ins Auto und schmiss den Sack, dessen Inhalt die verletzte Hündin war, bei nächster Gelegenheit über eine Brücke.
Keiner hatte ihn dabei gesehen.
Und wenn doch: Keiner würde sich mit ihm anlegen.
Menschen wie Jonas sind nicht unschuldig. Aber Menschen wie Jonas sind stark, manchmal einflussreich, auf jeden Fall aber sehr gewalttätig.
Da ist es für die anderen Menschen und die Boulevard-Presse halt einfacher, auf Hunde wie Celli zu schimpfen als sich auch nur einmal mit Menschen wie Jonas anzulegen.
Und diese Hunderasse dann zu verbieten war weitaus einfacher als sich Gedanken darüber zu machen, welcher Stelle unser gesamten Gesellschaft so versagt haben könnte, daß Menschen wie Jonas so einflussreich werden konnten..
Zumindest einflussreich genug, daß lieber alle beschämt wegsehen und NICHTS SEHEN WOLLEN!
Jonas dachte an die verwetteten Gelder, die ihm verlorengegangen waren.
Und er freute sich an dem Gedanken, daß der Hund wahrscheinlich noch nicht ganz tot war und nun jämmerlich im Jute-Sack ersoff.


Celina unter der Brücke

Ein selbstgewähltes Schatten-Plätzchen

Kapitel 7
Celina gelang es, irgendwie aus dem verschnürtem Jute-Sack freizukommen, sie schwamm mit letzter Kraft an Land, schleppte sich humpelnd weiter und leckte sich im Schutz von hochgewachsenen Büschen unter einer anderen Brücke ihre Wunden.
Zwei Tage verbrachte sie dort - dem Tod sehr nah.
Doch sie focht den einzigen Kampf, den sie jemals gekämpft hatte:
Sie kämpfte ums Überleben.
Leise, still, alleine.
Ein Kampf, den sie nicht wissend inzwischen mit vielen anderen Staffordshire-Terriern teilte und nicht zum letzten Mal kämpfen musste.


Celina und Marius

Wenn ein Blick wärmt wie ein starker Sonnenstrahl

Kapitel 8

Marius, 12 Jahre, spielte manchmal an dieser Stelle des Flusses unter der Brücke.
Der blonde Junge mit den Sommersprossen stand gerade an der verwirrenden Schwelle vom Kind zum Teenie und er genoss oft die Einsamkeit und Stille am Fluss.
Er ließ dort gerne seine Papierboote zu Wasser, aß alleine sein mitgebrachtes Butterbrot und verzettelte sich in wilden Tagträumen, in denen er stets der Held war.
Marius hörte ein leises Wimmern, ein Stöhnen, und da entdeckte er die kraftlose Hündin.
Er hatte viel mitbekommen von dem, was mit sogenannten Kampfhunden passierte. …er hat auch seine Mutter weinen sehen.
Seine Mutter weinte um den kleinen Volkan…und sie weinte um die vielen unschuldigen Staffs. Um die Opfer auf beiden Seiten. Die unschuldigen Leidtragenden!
Um die Hunde, die es nun auf einmal nicht mehr geben durfte. Hunde wie Celina.
Seine Mutter hatte oft gefragt: „Wo führt das nur hin, mein Kind?“
Marius beobachtete die schwarze fremde Hündin. Er erkannte in ihr die Rasse, vor der viele erwachsene Menschen Angst hatten.
Marius hatte auch etwas Angst, vor allem aber hatte er ein Gespür für Hunde, und zögernd ging er Schritt für Schritt näher an Celina, die ihn ebenso aufmerksam und auch etwas ängstlich beobachtete.
Marius redete mit der Hündin, und Celina begann mit der Rute zu wedeln. Ein Kind, eine sanfte Stimme…da wußte die kluge Hündin, daß sie keine Angst zu haben brauchte.
Und ihr kluges Gesicht entspannte sich.
Und der kluge Marius sah die Hundeschnauze tapfer lächeln.
Er wußte, er spürte es in sich, daß dieser Hund ihm niemals etwas tun würde.
Und – noch ganz Kind - verließ er sich auf dieses Gespür der reinen Wahrheit und näherte sich langsam dem wimmernden Vierbeiner, der sich inzwischen ganz klein machte und mit allem nur möglichen Körpersignalen anzeigte, daß von ihm keine Gefahr ausginge.
Marius verstand.
Er lächelte der Hündin zu. Celina legte sich von Schmerzen gezeichnet seitlich, und die lange Rute klopfte vorsichtig und freundlich auf den staubigen Boden.
Der Junge zog sein Brot aus dem mitgebrachten Rucksack und gab es Celina zu fressen. Vorsichtig nahm sie Happen für Happen aus den Fingern des kleinen Menschen.
Sie blickte ihn an.
Marius blickte die Hündin an.
Und er hörte zu, wie sie mit stillem Augen-Aufschlag ihre ganze Geschichte erzählte.
Marius streichelte sanft über das schwarze Fell der Hündin, und er sprach mit ihr und erkannte die Misshandlungen an Celina, soweit diese ein Kind erkennen kann.
Celina wedelte als Zeichen gegenseitigen Verstehens und Vertrauens weiter mit der Rute.
Das Wedeln schmerzte ihren ganzen Körper, und doch konnte sie nicht anders als die Freundlichkeit des Jungen zu erwidern.
Marius streichelte nochmal sanft die verletzte Hündin und versprach ihr, Hilfe zu holen.
In seinen Tagträumen hatte Marius oft mit wilden Bestien gekämpft und ging als Sieger hervor.
Hier unter der Brücke am Fluss, gemeinsam mit der verletzten fremden Hündin, begriff der 12jährige Junge auf einmal sehr viel von der Welt, und dabei spürte er unendlichen Zorn in sich.
Und er versprach der Hündin, daß dies nun seine Chance war, wirklich ein Held zu werden. Und tief in sich spürte er, daß er bereits ein Held war. Ein Sieger. Weil er nicht verlernt hatte, mit Tieren zu sprechen. Sie auch stumm zu hören.
Marius redete und redete auf Celina ein, daß er wüsste, daß sie kein böser Kampfhund sei. Sondern eben einfach nur ein Hund…der beste Freund des Menschen…und er erzählte ihr, daß er vielleicht noch klein sei, aber in dem Augenblick,als er ihr in die Augen geschaut hatte, sehr viel begriffen habe von der Welt, und daß er nun versuchen wolle, erwachsen zu sein, um der verletzten Hündin zu helfen.
Celina hörte aufmerksam zu und wedelte weiter mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, verstehend mit ihrer pechschwarzen Rute.
In nur wenigen Minuten waren Marius und Celina beste Freunde. Marius spürte, wie sehr er diese Hündin brauchte. Und die Hündin spürte, wie sehr sie dieses Kind brauchte.
Liebe!
Entstanden in einem zärtlichen Augenblick des Erkennens und Verstehens. Ohne wenn und aber. Einfach Liebe, sofort.
Wie sie eben nur Kinder geben und empfangen können.
Und Tiere!
Marius eilte davon.
Seine Mutter war noch zur Arbeit, er wollte aber nicht mehr warten und fuhr – ahnend, daß es ein Fehler sein könnte - zu seinem Onkel.
Der Junge erzählte die verworrene Geschichte vom verletzten Kampfhund unter der Brücke, der kein Kampfhund sei, und schließlich folgte ihm der erwachsene Mann, der gerade begonnen hatte, seinen wohlverdienten Feierabend mit einem Bier zu begrüßen.
So kam Marius mit seinem sehr skeptischen Onkel zurück zur Hündin Celina.
Celina spürte sofort das Misstrauen und die Angst des erwachsenen Mannes… Celina roch das Bier, und extrem verunsichert stand sie geschwächt auf, bereit, sich sofort zurückzuziehen.
Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten, aber dieser Mann, und dieser Geruch, machten ihr Angst.
Marius` Onkel hatte ebenfalls Angst und nahm einen großen Ast zur Verstärkung und schlug damit vor sich her in Richtung der verletzten Hündin, um diese zu beeindrucken und zu verjagen.
Dabei schrie er wilde Beschimpfungen dem Hund zu und hielt mit einer Hand seinen Neffen zurück, der sich schluchzend zu befreien versuchte und doch nur der Hündin helfen wollte.
Celina rannte in Panik davon.
Noch viele Kilometer hörte sie das verzweifelte Schreien voller verständnisvoller Liebe des Jungen, und in all ihrer Panik wurde ihr doch das Herz sehr schwer, daß es ihnen nicht vergönnt war, gemeinsam nach einem Weg zu suchen.
Celina verschwand aus dem Leben von Marius, und Marius verschwand aus dem Leben von Celina.
Doch auch wenn dieses gemeinsame Leben nicht einmal einen halben Tag andauerte, so wußten beide, daß sie an diesem Tag unendlich viel gelernt hatten.
Mehr, als manche Menschen in ihrem ganzen Leben lernen.
Sehen, verstehen, zuhören.
Vorurteilsfrei aufeinander zugehen.
Signale des anderen wahrnehmen.
Respekt vor dem anderen Lebewesen.
Vertrauen.
Instinkt.
Dann begleiteten die panische Hündin bald schon entsetzte Blicke und Angstschreie von Menschen, denen sie begegnete. Andere Hunde bellten wütend, Sirenen-Geheul und immer mehr Panik begleiteten ihren wahnsinnigen Run, bis sie schliesslich erschöpft zusammenbrach.
Der Polizeibeamte brachte die Hündin ins Tierheim der nächsten Stadt.
Dort wurde Celina versorgt und dann in ein Auffang-Lager für solche Hunderassen gebracht.
In einer grossen Stadt, mit einem grossen Hafen.
..



Celina in Haft

Ohne Sonne erlischt jegliches Leben

Kapitel 9

Welcher Engel Celina bewachte, daß sie dort in diesen Hallen nicht sofort eingeschläfert wurde, und ob das wirklich ein Engel war, das vermag man als Mensch, der Hunde liebt, nicht zu beurteilen.
In diesem Auffang-Lager für Kampfhunde saß Celina 2 Jahre in einem 1,5 m² kleinem Draht-Käfig, der nicht mal mehr der Bezeichnung Zwinger standhielt.
Ohne Sonnenlicht, ohne Beschäftigung, ohne Zuwendung…
…aber immer mit viel Lärm und auch Gestank von den anderen Hunden. Celina war gezwungen, in ihren Zwinger zu machen, alle paar Tage wurde dieser Mal gesäubert. Bei diesen Säuberungen wurden die Käfige mit einem kalten und harten Wasserstrahl ausgespritzt. Die Hunde hatten keine Rückzugsmöglichkeit, keine Chance diesem Strahl auszuweichen.
Manche Hunde sprangen in wilder Panik hin und her, wenn Menschen mit dem Schlauch in der Hand sich den „Zwingern“ näherten.
Anfangs sprang auch Celina auf, wenn diese Männer kamen. Voller Hoffnung sah sie ihnen entgegen. Doch schon bald merkte sie, daß nur kalter Hass oder Gleichgültigkeit zurückkam, und so blieb sie einfach still liegen.
Ruhig abwartend.
Der anfangs so hoffnungsvolle Blick immer stumpfer werdend und doch täglich ums Überleben bettelnd...
Manche Hunde schlossen ihre Augen für immer, und erst viele Stunden später, manchmal auch erst Tage später bekam das jemand mit.
In diesen Hallen herrschten das Wimmern, der Geruch und die Angst von hunderten Hunden.
Der Angst vor dem sinnlosen Tod.
Von „solchen Hunden“!
Solchen Hunden!
Hunden wie Celli, einst sehr geliebt und geachtet. Nun missachtet.
Einst gebraucht. Nun missbraucht.
Celina sass die langen zwei Jahre dort zusammengekauert in einer Ecke auf nacktem, kaltem Beton.
So eng in sich zusammen gerollt, daß die anderen vor Verzweiflung und Angst schier wahnsinnigen Hunde sie auch nicht durch das angrenzende Gitter ihres Käfigs packen konnten.
Ab und an kamen Menschen, die freundlich schauten und 2-3 Hunde mitnahmen, manchmal kamen auch Menschen, die nach Tod rochen und ebenfalls 2-3 Hunde mitnahmen.
Manchmal kamen 2-3 neue Hunde und da die jung waren, gingen dann 2-3 alte Hunde weg…
Wohin gingen sie nur?
Warum ?
Wie viele Hunde hat man in diesen Hallen zerstört?
Wie viele Kinder haben um diese Hunde, die ihre Freunde waren, geweint?
Im Juni 2003 kamen junge Menschen aus einer niedersächsischen Tierschutz-Organisation.
In Niedersachsen hatte sich die Situation der sogenannten Kampfhunde etwas entschärft, und die Menschen begannen dort zu begreifen, daß ein Staffordshire noch immer genau so ein toller Hund sein konnte wie noch vor dem Jahrhundertwechsel.
Die Tierfreunde kamen, um fünf solcher Hunde mit aus diesen Hallen in ihr Tierheim zu nehmen. Fünf, für mehr bot ihr kleines Tierheim keinen Platz.
Die Tierschützer hatten schon viel gesehen und erlebt, doch dieses Auffang-Lager trieb ihnen Tränen des ohnmächtigen Zorns, hilfloser Wut und ohnmächtiger Trauer in die Augen.
Sie blieben an Celinas Käfig stehen.
Sie sahen den schwarzen Hund, der, mit Narben übersät, ängstlich in der Ecke kauerte.
Sie sahen in die dunklen Hundeaugen, die trotzdem dem Blick des Menschen standhielten - und sie sahen:
Hoffnung!
Und sie nahmen Celina mit in ihr Tierheim.


Celina im Tierheim

Vielleicht geht morgen die Sonne wieder auf

Kapitel 10
In diesem Tierheim bekam Celina einen Zwinger mit Innen- und Außenbereich.
Zum ersten Mal seit 2 Jahren konnte Celli wieder die Nase an die Gitterstäbe drücken und den Wind spüren. Sie konnte das Gras riechen, Schmetterlinge beobachten, zusehen, wie die Sonne aufgeht, und spüren, wie das staubige, stumpfe Fell vom Regen weichgespült wird. Wie die prasselnden Regentropfen ihre Narben massierten… Celina konnte erstmals wieder beim Atmen Luft holen!
Celina stand viele Tage im Außenbereich ihres Zwingers und schien die lebendige Welt in sich einzusaugen.
Sie nahm keinerlei Kontakt auf, weder zu Mensch noch zu Tier, weder freundlich noch böse, aber Celina stand da an ihrer Zwingertür, die Nase im Wind, die traurigen Augen weit in die Ferne gerichtet und erfüllte ihren Körper nach und nach wieder mit Leben und Lebendigkeit.
Sie fraß und trank.
Es schien so, als hätte sie abends Angst, daß am nächsten Morgen die Sonne nicht mehr aufgehen würde. Oft weinte sie wie ein Wolf die untergehende Sonne an.
Im Tierheim taufte man die schwarze Hündin auf den Namen Angel.
Ein Mitarbeiter, Steffen, stand oft an ihrem Zwinger und erzählte von seinem Tag und begann auch bald, mit Angel spazieren zu gehen.
Nach ein paar Wochen nahm Celina freudig zur Kenntnis, wenn Steffen bei ihr stehen blieb und mit ihr redete oder gar das Halsband für einen gemeinsamen Spaziergang umlegte.
Zwiegespräche zwischen Mensch und Hund. Celli gab den Weg zu ihrer Hundeseele frei.
Angel-Celina lebte für Steffen.
Sie trauerte nicht ihrem alten Leben hinterher, als Hund verschwendete sie keinen Gedanken an die gute alte Zeit.
Sobald sie Steffen sah, spürte oder roch, wurde ihre undurchdringliche Miene wieder ganz weich, die inzwischen angegraute Schnauze zog sich zu einem breiten Grinsen und die Rute drehte sich wieder so temperamentvoll im Kreis, daß der Hintern mitwackelte.
Das schwarze Fell bekam trotz der vielen Narben wieder einen seidigen Schimmer und Celina wurde durch die tägliche Bewegung und Zuwendung beinahe wieder der schöne vor Kraft strotzende Hund, der vor etwas mehr als 7 Jahren in diese Welt geboren und mit offenen Armen empfangen worden war.
Und Steffen fand immer ein paar Minuten Extra-Zeit, um Angel zu streicheln oder einfach nur mit ihr zu sprechen.
Er holte bald ein anderes Staff-Mädchen mit in den Zwinger der schwarzen, sanften Angel. Die helle Kimba und Angel freundeten sich an. Steffen träumte von einer gemeinsamen Vermittlung der beiden so sanften Hundefreunde.
Denn Kimba war jung und ungezwungen - verbotenerweise als Staffordshire im Jahre 2002 geboren, saß sie seitdem im Tierheim und suchte eine Lebensaufgabe.
Celina, jetzt ja Angel, hatte noch immer soviel Liebe in sich. Und die teilte sie nun auf für ihre Hundefreundin Kimba und den Menschen Steffen.
Vor anderen Menschen, besonders vor anderen Männern, hatte Celina sehr große Angst. Sie kniff die Rute ein, legte die Ohren an und kauerte sich knurrend und zitternd zusammen. Drehte der Bedrohung Mensch den Rücken zu. Sie hätte niemals einen Menschen gebissen, doch das ja wusste keiner.
Manchmal schaute sie sehnsüchtig Kindern hinterher, die zu Besuch im Tierheim waren - und darum beschloss man, diese Blicke völlig falsch deutend, Angel keinesfalls an eine Familie mit Kindern zu vermitteln.
Kimba fand dann doch Menschen, die sie lieben wollten. Ohne Angel.
Man machte sich im Tierheim die Entscheidung nicht leicht, doch die helle Hündin Kimba hatte diese Chance verdient, und so trennte man, was man miteinander verbunden hatte.
Und gerade als Angel-Celina dem Leben wieder etwas Leichtigkeit zusprechen wollte, verschwand wieder ein vertrauter Stützpunkt einfach so aus ihrem Leben. Kimba war weg!
Ihre Nähe, ihr Geruch…einfach weg. Und kehrte nie zurück, so sehr die schwarze Hündin auch die Nase in den Wind hielt.
Von diesem Moment an akzeptierte Angel-Celina keinen anderen Hund mehr in ihrer Nähe. Wahrscheinlich war das ihre Art, die Traurigkeit ihres Lebens und den Verlust der Hundefreundin auszudrücken.
In der Woche darauf hatte Steffen auf dem Weg ins Tierheim einen Unfall und kam ins Krankenhaus.
Diesen Tag und auch die Tage danach, wartete Angel-Celina vergeblich auf diesen Menschen. Sie stand da, die Nase an die Zwingergitter gepresst und versuchte, die Nähe von Steffen zu erschnuppern.
Sie stand da und dachte, wenn sie nur lang genug ihre Nase in den Wind drücken würde, würde dieser auch den vertrauten Geruch von Steffen zu ihr rüberwehen.
Sie strengte die Ohren an und hoffte doch so sehr, seine Stimme zu hören. Doch sie hörte sie nie wieder.
Mit jedem Tag des Wartens mehr schien die einst so wunderschöne Hündin auch immer mehr in sich zusammen zu fallen, kleiner und dünner zu werden.
Ein schwarzer Engel ohne Flügel.
Verloren in dieser Welt.
Und doch noch in dieser Welt.
Nach einer Zeit vergeblichen Wartens resignierte die vom Leben so enttäuschte Hündin und legte sich apathisch in eine Ecke ihres Zwingers.
Bereit zu sterben, auf den Tod wartend.
Auf was sollte sie auch sonst noch warten?
Nur noch selten drückte sie die Nase in den Wind... Es spielte für die schwarze Hündin keine Rolle mehr, ob die Sonne auf- oder unterging.
Man hörte sie nie wieder den Sonnenuntergang mit ihrer Stimme begleiten.
Die örtliche Presse berichtete in einem grossen Artikel von „Angel - dem schwarzen Engel ohne Flügel“
Diesen Artikel las Pferdewirtin Maren Maurer, inzwischen 23 Jahre …
Maren wohnte weit von ihrem damaligen Zuhause und auch ihrer Lehrstelle entfernt. Und sie wollte einfach nicht wahrhaben, daß so weit von ihrem ehemaligen Zuhause und so nah dran an ihrer jetzigen Heimat eine Hündin, enttäuscht vom Leben und mit Narben gekennzeichnet, vor sich hinvegetierte, die sie so stark an ihre Celina erinnerte.
Celina.
Der Hund, der ihr viele Monate lang so eine wichtige Lebensstütze gewesen war, den sie dann aber doch aus ihren Gedanken verdrängt hatte.
Und doch... dieses Bild in der Zeitung, diese Augen... Maren haderte noch eine Woche, dann fuhr sie ins Tierheim.




Ein letztes Mal Celina und Maren

Wenn die Sonne für immer untergeht

Kapitel 11
Maren stand am Zwinger der geschundenen Angel und wusste doch sofort, daß dort ihre Celina saß - abgemagert, entkräftet, enttäuscht von der Welt und trotzdem nie böse.
Maren wusste, daß sich dort ein Hund aufgegeben hatte, der zwar ein Staffordshire-Terrier war, aber nie ein Kampfhund.
Maren wusste nicht, welche Schicksalswege Celina gegangen war, aber sie sah der Hündin an, daß es nicht einfach gewesen war. Daß es sogar mehr als schrecklich und hart gewesen war.
Maren liefen die Tränen in Sturzbächen übers Gesicht…
Sie hasste sich für ihre jugendliche Unbeschwertheit, mit der sie damals das Schicksal ihrer Traum-Hündin einfach aus den Augen verloren hatte.
Sie hasste sich dafür, nie den Mund aufgemacht zu haben, als andere Besitzer von Staffordshire-Terriern für ihre Hunde kämpften und Hilfe erhofften.
Sie hasste sich dafür, noch diese Woche gezögert zu haben, bis sie endlich den Mut aufgebracht hatte, ins Tierheim zu fahren.
Das alles erzählte Maren mit leiser Stimme der Hündin.
Ihrer Hündin.
Celina, der schwarze Engel ohne Flügel, der stets alles im Leben richtig gemacht hatte .
Und Celina schaute auf und wedelte als Zeichen des Erkennens und Verstehens leise und kaum sichtbar mit der Rutenspitze.
Die Hündin Celina spürte zwar einen kleinen Funken Glück in sich, aber viel grösser war die Angst.
Und mit dieser kalten Faust der Angst, die ihr Herz endgültig umgriff, bevor der warme Funken der Liebe dort ankommen konnte, schloss die Hündin Celina ihre Augen.
Für immer.
Celina spürte die Streicheleinheiten, die Tränen und die verzweifelte Liebe von Maren nicht mehr.
Celina wusste nicht, das sich der kranke Steffen um sie sorgte.
Celina ahnte nicht, wieviele Menschen in diesem Moment stumm um sie weinten.
Celina starb allein.
Celina war ein schwarzer Staffordshire-Terrier.
Hinterm Regenbogen aber wird sie mit allen Menschen und Hunden spielen, die genauso unschuldig Opfer wurden wie sie, die schwarze Staffordshire-Hündin Celina.
Und sie versprach Gott in ihren letzten Atemzügen, allen Kindern dieser Welt ein guter Schutzengel zu sein.
*Denn die Kinder von heute sind die Erwachsenen von Morgen,
die wieder bereit sein werden, den Tieren und der Natur zuzuhören.*




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