Freunde



ERSTES KAPITEL, 2. Buch



-In welchem am Puwinkel ein Haus für I-Ah gebaut wird

Eines Tages, als Pu der Bär nichts anderes zu tun hatte, dachte er, er könnte eigentlich etwas tun, und deshalb ging er zu Ferkels Haus, um zu sehen, was Ferkel tat. Es schneite immer noch, als er über den weißen Waldweg stapfte, und er erwartete, Ferkel vor dem Kamin anzutreffen, wo es sich die Zehen wärmte. Aber zu seiner Überraschung sah er, daß die Tür offen war, und je mehr er in die Wohnung spähte, desto mehr war Ferkel nicht zu Hause.
»Nicht zu Hause«, sagte Pu traurig. »Daran liegt es nämlich. Ferkel ist nicht zu Hause. Ich werde einen Gang tun müssen, und zwar um nachzudenken, und zwar allein. So ein Mist!
Aber zuerst, dachte er, würde er sehr laut klopfen, um ganz sicherzugehen... Und während er darauf wartete, daß Ferkel nicht an die Tür kam, sprang er auf und ab, um sich warm zu halten, und da kam ihm plötzlich

ein Gesumm in den Sinn, und es schien ihm ein gutes Gesumm zu sein, ein Gesumm voller Hoffnung, zum Vorsummen.


Was ich also tun werde«, sagte Pu, »ist, daß ich folgendes tun werde: Ich gehe erst mal nach Hause und sehe nach, wieviel Uhr es ist, und vielleicht binde ich mir einen Schal um den Hals, und dann besuche ich I-Ah, und singe ihm das Gesumm vor.« Er ging so schnell wie möglich nach Hause, und auf dem Weg war er so sehr mit dem Gesumm beschäftigt, welches er für I-Ah dichtete, daß er, als er plötzlich Ferkel auf seinem besten Sessel sitzen sah, nur dastehen und sich den Kopf kratzen und sich fragen konnte, in wessen Wohnung er war.
»Hallo, Ferkel«, sagte er. »Ich dachte, du wärst nicht zu Hause.«
»Nein«, sagte Ferkel, »du warst nicht zu Hause, Pu.«
»Das war es also «, sagte Pu. »Ich wußte doch, daß einer von uns nicht zu Hause war.«

Er sah auf seine Uhr, die an der Wand hing und vor einigen Wochen bei fünf Minuten vor elf stehengeblieben war.
»Schon fast elf«, sagte Pu froh. »Du kommst gerade zur rechten Zeit für eine kleine Erfrischung«, und er steckte den Kopf in den Schrank.
»Und dann gehen wir vor die Tür, liebes Ferkel, und singen I-Ah mein Lied vor.«
»Welches Lied, Pu?«
»Das Lied, das wir I-Ah vorsingen werden«, erläuterte Pu.
Die Uhr zeigte immer noch fünf Minuten vor elf, als Pu und Ferkel eine halbe Stunde später aufbrachen. Der Wind hatte sich gelegt, und der Schnee, der keine Lust mehr hatte, im Kreis hinter sich selbst herzujagen, schwebte nun sanft herab, bis er einen Platz gefunden hatte, auf dem er sich niederlassen konnte, und manchmal war der Platz die Nase von Pu und manchmal auch nicht, und bald trug Ferkel einen weißen Schal um den Hals und fühlte sich hinter den Ohren verschneiter als jemals zuvor. »Pu«, sagte es ganz zum Schluß und ein bißchen zaghaft, weil es nicht wollte, daß Pu einen falschen Eindruck von ihm bekam, »ich habe gerade nachgedacht. Wie wäre es, wenn wir jetzt nach Hause gingen und unser Lied einübten und es dann morgen I-Ah vorsängen... oder... oder übermorgen, wenn wir ihn vielleicht sowieso treffen?«
»Das ist eine sehr gute Idee, Ferkel«, sagte Pu. »Wir werden es jetzt im Gehen einüben. Aber es hat nicht viel Sinn, nach Hause zu gehen, um es einzuüben, weil es nämlich

ein spezielles Lied ist, das man im Freien und im Schnee singen muß.«

»Bist du sicher?« fragte Ferkel besorgt.
»Das wirst du dann schon merken, Ferkel, wenn du es hörst. Es beginnt nämlich folgendermaßen: >Der Schnee, der Schnee, tideli pom ... <«
»Tideli was?« fragte Ferkel.
»Pom«, sagte Pu. »Ich habe das eingefügt, damit man es besser summen kann. In dem ich geh, tideli pom ... <«
»Sagtest du nicht >Schnee<?«
»Doch, aber das war vorher.«
»Vor dem Tideli pom?«
»Das war ein anderes Tideli pom«, sagte Pu, der nun völlig verwirrt war. »Ich singe es dir jetzt mal ordentlich vor, und dann wirst du schon sehen.«

Also sang er es noch einmal.

So sang er es vor, und das ist so ziemlich die beste Art und Weise, wie man es singen kann, und als er fertig war, wartete er darauf, daß Ferkel sagte, von sämtlichen im Freien und im Schnee zu singenden Liedern, die es je gehört habe, sei dies das beste, und nachdem es sorgfältig über die Sache nachgedacht hatte, sagte Ferkel: »Pu«, sagte es feierlich, »es ist weniger der Zeh als das Ohr.«

Inzwischen waren sie in die Nähe von I-Ahs Düsternis gekommen, denn dort wohnte er, und da es hinter Ferkels Ohren immer noch ziemlich verschneit war und da Ferkel dies zunehmend satt hatte, bogen sie in einen kleinen Nadelwald ein und setzten sich auf das Tor, hinter dem der Nadelwald anfing. Hier schneite es zwar nicht mehr, aber es war sehr kalt, und um sich warm zu halten, sangen sie Pus Lied gleich sechsmal hintereinander, wobei Ferkel die Tideli-poms und Pu alles andere übernahm. An den richtigen Stellen hämmerten sie mit Stöcken auf das Tor, und nach einer gewissen Zeit war ihnen schon viel wärmer, und sie konnten wieder sprechen.

»Ich habe nachgedacht«, sagte Pu, »und das, worüber ich nachgedacht habe, ist folgendes: Ich habe über I-Ah nachgedacht.«
»Was ist mit I-Ah?«
»Na ja, der arme I-Ah hat nichts, wo er wohnen kann.«
»Nein, hat er nicht«, sagte Ferkel.
»Du hast ein Haus, Ferkel, und ich habe ein Haus, und das sind sehr gute Häuser. Und Christopher Robin hat ein Haus, und Eule und Känga und Kaninchen haben Häuser, und sogar Kaninchens Bekannte und Verwandte haben Häuser oder dergleichen, aber der arme I-Ah hat nichts. Deshalb habe ich über folgendes nachgedacht: Komm, wir bauen ihm ein Haus. «
»Das«, sagte Ferkel, »ist eine großartige Idee. Wo sollen wir es hinbauen? «
»Wir werden es hierher bauen«, sagte Pu, »genau hier an den Wald, windgeschützt, denn hier habe ich darüber nachgedacht. Und wir werden es Puwinkel nennen. Und aus Stöcken werden wir ein I-Ah-Haus im Puwinkel für I-Ah bauen.«
»Drüben auf der anderen Seite des Waldes war ein Haufen Stöcke«, sagte Ferkel. »Ich habe sie gesehen. Jede Menge. Alle aufgestapelt.«
»Ich danke dir, Ferkel«, sagte Pu. »Was du gerade gesagt hast, wird uns eine große Hilfe sein, und deshalb könnte ich diese Stelle Pu&Ferkelwinkel nennen, wenn Puwinkel nicht viel besser klänge, was es aber tut, weil es kleiner und winkeliger ist. Komm mit.«
Also stiegen sie vom Tor herunter und gingen um den Wald herum, um die Stöcke zu holen.



Puwinkel

Christopher Robin hatte den Vormittag zu Hause verbracht, wo er einmal nach Afrika und zurück gereist war, und er war gerade wieder an Land gegangen und fragte sich, wie es wohl draußen aussehen mochte, als na, wer denn schon? kein anderer als
I-Ah an die Tür klopfte.
»Hallo, I-Ah«, sagte Christopher Robin, als er die Tür öffnete und herauskam. »Wie geht es dir denn?«
»Es schneit noch immer«, sagte I-Ah düster.
»So ist es.«
»Und friert.«
»Wirklich?«
»Ja«, sagte I-Ah. »Jedoch«, sagte er, und sein Gesicht hellte sich etwas auf, »hatten wir in letzter Zeit kein Erdbeben.«
»Was ist denn los, I-Ah?«
»Nichts, Christopher Robin. Nichts Wichtiges. Ich vermute, du hast nicht zufällig irgendwo ein Haus oder so was Ähnliches gesehen?«
»Was für ein Haus?«
»Nur so ein Haus. «
»Wer wohnt denn drin?«
»Ich. Jedenfalls hatte ich das angenommen. Aber vermutlich wohne ich gar nicht drin. Wir können schließlich nicht alle Häuser haben.«
»I-Ah... Ich wußte gar nicht ... Ich dachte immer ... «
»Ich weiß nicht, woher das kommt, Christopher Robin, aber mit all dem Schnee und diesem und jenem, und eins kommt zum andern, von Eiszapfen und ähnlichem ganz zu schweigen, ist es gegen drei Uhr morgens auf meinem Acker gar nicht mal so heiß, wie manche Leute glauben. Aber auch nicht annähernd, falls du verstehst, was ich meine, jedenfalls nicht so heiß, daß es ungemütlich wird. Es ist nicht stickig. Im Gegenteil, Christopher Robin«, fuhr er in lautem Flüsterton fort, »aber-das-bleibt-unter-uns-und-sag-es-bloß-niemandem-weiter, es ist kalt.«
»Ach, I-Ah!«
»Und da habe ich mir gesagt: Den anderen wird es noch mal leid tun, wenn ich da so in der Kälte stehe. Sie haben keinen Verstand, keiner von ihnen, nur graue Fusseln, die ihnen aus Versehen in den Kopf geweht worden sind, und sie denken nicht, aber wenn es noch mal sechs Wochen oder noch länger schneit, wird sich einer von ihnen vielleicht sagen:
>So heiß kann es I-Ah gegen drei Uhr morgens doch eigentlich gar nicht sein.<
Und dann wird es sich herumsprechen. Und dann wird es ihnen leid tun.«
»Ach, I-Ah!« sagte Christopher Robin, dem es bereits sehr leid tat.
»Dich meine ich nicht, Christopher Robin. Du bist anders. jedenfalls läuft alles darauf hinaus, daß ich mir da unten bei meinem kleinen Wald ein Haus gebaut habe.« »Wirklich? Wie aufregend!«
»Das eigentlich Aufregende daran«, sagte I-Ah mit seiner finstersten Stimme, »ist, daß es, als ich es heute morgen verließ, noch da war, und als ich zurückkam, war es weg. Nicht weiter schlimm und völlig normal, und es war ja auch nur IAhs Haus. Aber ein bißchen gestaunt habe ich doch.«
Christopher Robin kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Er war bereits wieder in seinem Haus und setzte sich, so schnell er konnte, seinen wasserdichten Hut auf und zog sich seine wasserdichten Stiefel und seinen wasserdichten Regenmantel an.
»Wir gehen sofort los und suchen es!« rief er I-Ah zu.
»Manchmal«, sagte I-Ah, »wenn manche Leute damit fertig sind, jemandem das Haus wegzunehmen, sind ein bis zwei Stücke übrig, die sie nicht brauchen und wo sie ganz froh sind, wenn der Betreffende sie zurücknimmt, falls du verstehst, was ich meine. Deshalb dachte ich, wenn wir einfach mal hingehen ... «
»Komm mit«, sagte Christopher Robin, und sie stoben davon, und nach sehr kurzer Zeit erreichten sie die Ecke des Ackers beim Nadelwäldchen, wo I-Ahs Haus nicht mehr war.
»Da!« sagte I-Ah. »Auch nicht ein einziges Stöckchen mehr übrig. Ich habe natürlich immer noch den vielen Schnee, mit dem ich tun kann, was ich will. Man soll sich ja auch nicht beklagen.«

Aber Christopher Robin hörte I-Ah gar nicht zu; er hörte etwas anderes.
»Kannst du es hören?« fragte er.
»Was ist das? Lacht da jemand?«
»Hör zu.«
Sie lauschten beide... Und sie hörten eine tiefe, brummige Stimme, die tat, als wäre sie eine Singstimme, und sagte, der Schnee, der Schnee tue weh am Zeh, und eine kleine, hohe Stimme tidelipommte mitten hinein.
»Das ist Pu«, sagte Christopher Robin aufgeregt.
»Gut möglich, sagte I-Ah.
»Und Ferkel! sagte Christopher Robin aufgeregt.
»Wahrscheinlich«, sagte I-Ah. »Was wir aber brauchen, ist ein dressierter Bluthund.«
Plötzlich brachen die Worte des Liedes, gesungen von einer brummigen und einer quiekenden Stimme ab.

»Pu!« rief Christopher Robin.
Die Sänger auf dem Tor hielten plötzlich inne.
»Das ist Christopher Robin!« sagte Pu voller Eifer.
»Er ist dahinten, wo wir die vielen Stöcke geholt haben«, sagte Ferkel.
»Komm mit«, sagte Pu.

Sie kletterten vom Tor herunter und rannten um die Ecke des Wäldchens, und auf dem ganzen Weg machte Pu Willkommensgeräusche.
»Nanu, da ist ja I-Ah«, sagte Pu, als er Christopher Robin fertigumarmt hatte, und er gab Ferkel einen kleinen Stups, und Ferkel gab ihm einen kleinen Stups, und sie dachten beide an die wunderschöne Überraschung, die sie da vorbereitet hatten.
»Hallo, I-Ah.«
»Gleichfalls, Pu Bär, und donnerstags zweimal«, sagte I-Ah düster.
Bevor Pu »Warum donnerstags?« sagen konnte, begann Christopher Robin, die traurige Geschichte von I-Ahs verlorenem Haus zu erzählen. Und Pu und Ferkel hörten zu, und ihre Augen schienen immer größer zu werden.
»Wo, sagtest du, hat es gestanden?« fragte Pu.
» Genau hier«, sagte I-Ah.
»Und aus Stöcken gebaut?«
»Ja.«
»Oh!« sagte Ferkel.
»Was?« fragte I-Ah.
»Ich habe nur >Oh!< gesagt«, sagte Ferkel nervös. Und damit es völlig ungezwungen wirkte, summte es ein- bis zweimal »Tideli pom«, und zwar auf ganz typische So-und-was-machen-wir-als-nächstes-
Art-und-Weise.
»Du bist sicher, daß es ein Haus war?« fragte Pu. »Ich meine, du bist sicher, daß das Haus genau hier war?«
»Natürlich bin ich sicher«, sagte I-Ah. Und bei sich selbst murmelte er: »Nicht den geringsten Verstand; manche jedenfalls.«
»Warum, was ist denn los, Pu?« fragte Christopher Robin.
»Tja ... « sagte Pu. »Die Sache ist nämlich so...« sagte Pu. »Ja, also die Sache ist so... « sagte Pu. »Verstehst du... Es handelt sich darum, daß... « sagte Pu, und etwas schien ihm zu sagen, daß er nicht sehr gut erklärte, und wieder gab er Ferkel einen Stups.
»Es ist nämlich so ... « sagte Ferkel schnell. »Nur wärmer«, fügte es nach tiefem Nachdenken hinzu.
»Was ist wärmer?«
»Die andere Seite des Waldes, wo I-Ahs Haus steht.«
»Mein Haus? « sagte I-Ah. »Mein Haus war hier.«
»Nein«, sagte Ferkel mit fester Stimme. »Auf der anderen Seite des Waldes.«
»Weil es wärmer ist«, sagte Pu.
»Aber ich weiß doch wohl ... «
»Komm, und sieh's dir an«, sagte Ferkel schlicht und ging voraus.
»Es gibt doch wohl keine zwei Häuser«, sagte Pu. »Nicht so nah beieinander.«

Sie kamen um die Ecke, und da stand I-Ahs Haus, so gemütlich wie nur etwas.
»Na bitte«, sagte Ferkel.
»Innen und außen«, sagte Pu stolz.
I-Ah ging hinein... und kam wieder heraus.
»Das ist wirklich bemerkenswert«, sagte er. »Es ist mein Haus, und ich habe es da gebaut, wo ich gesagt habe, also muß es der Wind hierher geblasen haben. Und der Wind hat es direkt über den Wald geblasen und hier herunter geblasen, und hier steht es so gut wie eh und je. Sogar teilweise besser.«
»Viel besser«, sagten Pu und Ferkel gleichzeitig.
»Das zeigt nur, was man erreichen kann, wenn man sich ein bißchen Mühe gibt«, sagte I-Ah. »Siehst du, Pu? Siehst du, Ferkel? Erst den Verstand gebrauchen und dann ordentlich zupacken. Seht euch das an! So muß man Häuser bauen«, sagte I-Ah stolz.

So ließen sie I-Ah in seinem Haus, und Christopher Robin ging mit seinen Freunden Pu und Ferkel Mittag essen, und auf dem Weg erzählten sie ihm von dem gräßlichen Fehler, den sie gemacht hatten. Und als Christopher Robin mit Lachen fertig war, sangen sie alle das Lied, das man im Freien und im Schnee singen muß, bis sie zu Hause waren, wobei Ferkel, weil es nicht wußte, ob seine Stimme es nicht im Stich lassen würde, wieder die Tideli-poms beisteuerte.
»Ich weiß zwar, daß es sich ganz leicht anhört«, sagte Ferkel bei sich, »aber jeder könnte es nicht.«

SIEBTES KAPITEL, 2. Buch

Eines Tages saßen Kaninchen und Ferkel vor Pus Haustür und hörten Kaninchen zu, und Pu saß dabei. Es war ein schläfriger Sommernachmittag, und der Wald war voller freundlicher Geräusche, die alle zu Pu zu sagen schienen: »Hör nicht auf das, was Kaninchen sagt; hör lieber mir zu.« Deshalb setzte er sich so zurecht, daß er Kaninchen ganz bequem nicht zuhören konnte, und von Zeit zu Zeit öffnete er die Augen, um »Aha!« zu sagen, und dann schloß er sie wieder, um »Sehr wahr« zu sagen, und von Zeit zu Zeit sagte Kaninchen sehr ernsthaft: »Du siehst, worauf ich hinaus will, Ferkel «, und Ferkel nickte ernst, um zu zeigen, daß es das ganz deutlich sah.
»Tieger wird nämlich«, sagte Kaninchen, als es endlich zum Schluß kam, »in letzter Zeit so ungestüm, daß wir ihm allmählich eine Lektion erteilen müssen. Meinst du nicht auch, Ferkel?«
Ferkel sagte, Tieger sei wirklich sehr ungestüm, und wenn ihnen etwas einfiele, um ihn etwas gestümer zu machen, so wäre das eine sehr gute Idee.
»Ganz meine Meinung«, sagte Kaninchen. »Was sagst du dazu, Pu?«
Pu öffnete seine Augen mit einem Ruck und sagte: »Äußerst.«
»Äußerst was?« fragte Kaninchen.
»Was du gerade gesagt hast«, sagte Pu. »Zweifellos.« Ferkel gab Pu einen Stups, der Pu erstarren lassen sollte, und Pu, der zunehmend das Gefühl hatte, woanders zu sein, stand langsam auf und begann sich zu suchen. »Aber wie sollen wir es machen? « fragte Ferkel. »Was für eine Art Lektion, Kaninchen?«
»Darum geht es nämlich«, sagte Kaninchen.

Das Wort »Lektion« klang für Pu so, als habe er es schon einmal irgendwo gehört.
»Es gibt da etwas, was Eimer Eins heißt«, sagte er. »Christopher Robin hat mal versucht, es mir beizubringen, aber es hat nicht.«
»Was hat nicht?« fragte Kaninchen.
»Hat was nicht?« fragte Ferkel.
Pu schüttelte den Kopf.
»Ich weiß es nicht«, sagte er. »Es hat einfach nicht. Wovon reden wir gerade?«
»Pu«, sagte Ferkel vorwurfsvoll, »hast du denn nicht zugehört, als Kaninchen gesprochen hat?«
»Ich habe zugehört, aber ich hatte etwas Pelz. in Ohr. Könntest du es bitte noch mal sagen, Kaninchen?«
Kaninchen fand es nie schlimm, wenn es etwas zweimal sagen mußte, und deshalb fragte es, wo es anfangen sollte; und als Pu gesagt hatte, an der Stelle, an der er Pelz ins Ohr gekriegt habe, und als Kaninchen gefragt hatte, wann das gewesen sei, und als Pu gesagt hatte, das wisse er nicht, weil er es nicht richtig gehört habe, erledigte Ferkel die ganze Sache, indem es sagte, was sie zu machen versuchten, sie versuchten nämlich gerade auf etwas zu kommen, damit Tieger nicht mehr so ungestüm wäre, so sehr man ihn auch mochte, es ließ sich nicht leugnen, daß er sehr ungestüm war.
»Ach, verstehe«, sagte Pu.
»Er besteht aus zuviel Tieger«, sagte Kaninchen, »darauf läuft es hinaus.«
Pu versuchte zu denken, und alles, woran er denken konnte, war etwas, was überhaupt keine Hilfe war.

Deshalb summte er es ganz leise vor sich hin.

»Was hat Pu gesagt?« fragte Kaninchen. »Was Vernünftiges?«
»Nein«, sagte Pu traurig. »Nichts Vernünftiges.«
»Na ja, ich habe eine Idee«, sagte Kaninchen, »und hier ist sie. Wir nehmen Tieger auf einen langen Entdeckungsausflug mit, irgendwohin, wo er noch nie gewesen ist, und da verlieren wir ihn, und am nächsten Morgen finden wir ihn wieder, und dann - soviel kann ich euch versprechen - wird er rundum ein völlig anderer Tieger sein.« »Warum?« fragte Pu.
»Weil er ein demütiger Tieger sein wird. Weil er ein trauriger Tieger sein wird, ein melancholischer Tieger, ein kleiner Tieger, so klein mit Hut, und leid wird es ihm tun, ein
Ach-Kaninchen-was-bin-ich-froh-dich-zu-sehen-Tieger wird er sein.«
»Wird er auch froh sein, mich und Ferkel zu sehen?«
»Natürlich.«
»Das ist gut«, sagte Pu.
»Es würde mir gar nicht gefallen, wenn er immer traurig bliebe«, sagte Ferkel voller Zweifel.
»Tieger bleiben nie immer traurige, erklärte Kaninchen. »Sie kommen erstaunlich schnell darüber hinweg. Ich habe Eule gefragt, nur um sicherzugehen, und sie sagte, gerade darüber kämen Tieger immer hinweg. Aber wenn es uns gelingt, daß Tieger sich wenigstens fünf Minuten lang klein und traurig fühlt, haben wir eine gute Tat getan.«
»Würde Christopher Robin das auch finden?« fragte Ferkel.
»Ja«, sagte Kaninchen. »Er würde sagen: >Du hast eine gute Tat getan, Ferkel. Ich hätte sie selbst getan, wenn ich nicht zufällig etwas anderes getan hätte. Danke, Ferkel.< Und Pu, natürlich.«
Darüber war Ferkel sehr froh, und es sah sofort ein, daß das, was sie mit Tieger tun würden, etwas Gutes war, und da Pu und Kaninchen es mit ihm, Ferkel, zusammen tun würden, war es etwas, bei dem selbst ein sehr kleines Tier morgens mit einem guten Gefühl aufwachen konnte. Deshalb war die einzige Frage: Wo sollten sie Tieger verlieren?
Und nun konnte Pu wieder sehr froh sein, denn den Nordpohl hatte er zuerst gefunden, und wenn sie dort ankamen, würde Tieger ein Schild sehen, auf dem »Entdeckt von Pu, Pu hat ihn gefunden« stand, und dann würde Tieger wissen, was er vielleicht noch nicht wußte, was für eine Art Bär Pu war. Diese Art Bär.
So wurde verabredet, daß sie nächsten Morgen aufbrechen würden und daß Kaninchen, welches in der Nähe von Känga und Ruh und Tieger wohnte, jetzt nach Hause gehen und Tieger fragen sollte, was er morgen vorhabe, denn wenn er nichts vorhatte, wie wäre es dann mit einem kleinen Entdeckungsausflug, und sollen Pu und Ferkel auch mitkommen? Und wenn Tieger »Ja« sagte, war alles in Ordnung, und wenn er »Nein « sagte...
»Sagt er nicht«, sagte Kaninchen. »Überlaßt das mir.« Und es ging geschäftig davon.

Der nächste Tag war ein ganz anderer Tag. Statt heiß und sonnig zu sein, war er kalt und neblig. Pu selbst machte das nichts aus, aber wenn er an all den Honig dachte, den die Bienen nicht machten, dann taten sie ihm an einem kalten und nebligen Tag immer leid. Dies sagte er Ferkel, als Ferkel kam, um ihn abzuholen, und Ferkel sagte, daran denke es gar nicht so sehr, sondern daran, wie kalt und jämmerlich es wäre, wenn man sich einen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang mitten oben im Wald verlaufen hätte. Aber als die beiden zu Kaninchens Haus kamen, sagte Kaninchen, heute sei der ideale Tag für sie, denn Tieger springe in seinem Ungestüm immer vor allen anderen her, und sobald er nicht mehr zu sehen sei, würden sie sich eilig in die entgegengesetzte Richtung verdrücken, und er würde sie nie wieder sehen.
»Aber doch nicht nie?« sagte Ferkel.
»Na ja, nicht bis wir ihn wiederfinden, Ferkel. Morgen oder wann auch immer. Komm. Er wartet schon auf uns.«
Als sie zu Kängas Haus kamen, sahen sie, daß Ruh ebenfalls wartete, weil Ruh ein großer Freund von Tieger war, und das erschwerte die Sache; aber Kaninchen flüsterte Pu hinter vorgehaltener Pfote »Überlaß das mir« zu und ging zu Känga.
»Ich glaube, es ist besser, wenn Ruh nicht mitkommt«, sagte es. »Nicht heute.«
»Warum nicht?« fragte Ruh, welches eigentlich gar nicht zuhören sollte.
»Unfreundlicher, kalter Tag«, sagte Kaninchen und schüttelte den Kopf. »Und heute morgen hast du gehustet.«
»Woher weißt du das?« fragte Ruh ärgerlich.
»Aber, Ruh, das hast du mir ja gar nicht gesagt«, sagte Känga vorwurfsvoll.
»Es war ein Keks-Huster«, sagte Ruh, »keiner, von dem man was sagt.«
»Heute lieber nicht, Schatz. Ein andermal.«
»Morgen?« fragte Ruh hoffnungsvoll.
»Wir werden sehen«, sagte Känga.
»Immer wird nur gesehen, und nie passiert was«, sagte Ruh traurig.
»An einem Tag wie heute könnte man sowieso nichts sehen, Ruh«, sagte Kaninchen. »Ich glaube auch nicht, daß wir sehr weit kommen werden, und heute nachmittag sind wir alle wieder... wir alle wieder... sind wir... Ah, Tieger, da bist du ja. Komm mit. Auf Wiedersehen, Ruh! Heute nachmittag sind wir... Komm schon, Pu! Sind alle fertig? Wie schön. Also los.«
So brachen sie auf. Zuerst gingen Pu und Kaninchen und Ferkel nebeneinander, und Tieger rannte im Kreis um sie herum, und dann, als der Pfad sich verengte, gingen Kaninchen, Ferkel und Pu hintereinander, und Tieger rannte in Rechtecken um sie herum, und irgendwann, als der Stechginster auf beiden Seiten des Pfades sehr stachlig wurde, rannte er vor ihnen auf und ab, und manchmal stieß er dabei ungestüm mit Kaninchen zusammen und manchmal auch nicht. Und als sie höher kamen, wurde der Nebel dicker, so daß Tieger immer wieder verschwand, und wenn man dann dachte, er wäre nicht da, war er doch wieder da und sagte: »Nun kommt schon«, und bevor man noch irgendwas sagen konnte, war er wieder nicht da.
Kaninchen drehte sich um und gab Ferkel einen Stups.
»Nächstesmal«, sagte es. »Sag es Pu.«
»Nächstesmal«, sagte Ferkel zu Pu.
»Nächstes was?« sagte Pu zu Ferkel.
Tieger erschien plötzlich, stieß voller Ungestüm mit Kaninchen zusammen und verschwand wieder. »Jetzt! « sagte Kaninchen. Es sprang in eine Mulde neben dem Pfad, und Pu und Ferkel sprangen ihm nach. Sie kauerten sich in den Farn und lauschten. Der Wald war sehr still, wenn man stehenblieb und ihm zuhörte. Sie konnten nichts sehen und nichts hören. »Pscht!« sagte Kaninchen.
»Tu ich doch die ganze Zeit«, sagte Pu. Man hörte ein Trappeln - und dann war es wieder still.
»Hallo!« sagte Tieger, und er hörte sich plötzlich so nah an, daß Ferkel in die Luft gesprungen wäre, wenn Pu nicht zufällig größtenteils auf ihm gesessen hätte.
»Wo seid ihr?« rief Tieger.
Kaninchen gab Pu einen Stups, und Pu sah sich nach Ferkel um, damit er ihm
einen Stups geben konnte, aber Ferkel atmete weiter so leise wie möglich feuchten Farn ein und fühlte sich sehr tapfer und sehr aufgeregt.
»Das ist aber komisch«, sagte Tieger.
Es war einen Augenblick lang still, und dann hörten sie ihn wieder davontrappeln. Sie warteten noch ein bißchen länger, bis der Wald so still geworden war, daß er sie fast erschreckte, und dann stand Kaninchen auf und reckte sich.
»Na?« flüsterte es stolz. »Geschafft! Genau, wie ich gesagt habe.«
»Ich habe nachgedacht«, sagte Pu, »und ich denke ... «
»Nein«, sagte Kaninchen. »Laß es. Lauf! Kommt mit.« Und sie rannten davon, Kaninchen voran.
»Jetzt«, sagte Kaninchen, nachdem sie ein Stück weggerannt waren, »können wir reden. Was wolltest du sagen, Pu?«

»Nicht viel. Warum gehen wir in diese Richtung?«
»Weil es hier nach Hause geht.«
»Oh!« sagte Pu.
»Ich glaube, es geht mehr nach rechts«, sagte Ferkel nervös. »Was meinst du, Pu? «


Wer eine Grube gräbt...

Pu sah seine zwei Pfoten an. Er wußte, daß eine davon die rechte war, und er wußte, daß, wenn man entschieden hatte, welche die rechte war, die andere die linke war, aber er konnte sich nie merken, wo er anfangen mußte.
»Nun ... « sagte er langsam.
»Mach schon«, sagte Kaninchen. »Ich weiß, daß es hier entlang geht.«
Sie gingen weiter. Zehn Minuten später blieben sie wieder stehen.
»Das ist ja wirklich zu dumm«, sagte Kaninchen, »aber einen Augenblick lang dachte ich... Ah, natürlich. Kommt mit.«
»Da sind wir ja«, sagte Kaninchen zehn Minuten später. »Nein, sind wir nicht.«
»Jetzt«, sagte Kaninchen zehn Minuten später, »glaube ich, müßten wir doch eigentlich... Oder sind wir doch ein wenig mehr nach rechts gegangen, als ich angenommen hatte?«
»Wirklich seltsam«, sagte Kaninchen zehn Minuten später, »wie im Nebel alles gleich aussieht. Ist dir das auch schon aufgefallen, Pu?«
Pu sagte, das sei ihm auch schon aufgefallen.
»Ein Glück, daß wir den Wald so gut kennen; sonst würden wir uns noch verlaufen«, sagte Kaninchen eine halbe Stunde später und lachte so sorglos, wie man lacht, wenn man den Wald so gut kennt, daß man sich nicht verlaufen kann.
Ferkel schlich sich von hinten an Pu heran.
»Pu!« flüsterte es.
»Ja, Ferkel?«
»Nichts«, sagte Ferkel und ergriff Pus Pfote. »Ich wollte nur sicher sein, daß du noch da bist.«

Als Tieger damit fertig war, darauf zu warten, daß die anderen ihn einholten, und als die anderen ihn nicht eingeholt hatten und als er es satt hatte, daß er zu niemandem sagen konnte: »Los, kommt schon!«, fand er, er könne auch genausogut nach Hause gehen. So trabte er davon, und das erste, was Känga zu ihm sagte, als sie ihn sah, war: »So ein braver Tieger. Du kommst gerade rechtzeitig, um deine Stärkungsmedizin zu nehmen«, und sie goß ihm einen Löffel voll. Ruh sagte stolz: »Meine hab ich schon genommen«, und Tieger schluckte seine herunter und sagte: »Ich auch«, und dann schubsten sich die beiden freundlich durch das Zimmer, und Tieger warf aus Versehen einen bis zwei Stühle um, und Ruh warf einen mit Absicht um, und Känga sagte: »Dann lauft mal los.«

Wo sollen wir hinlaufen?« fragte Ruh.
»Ihr könnt ein paar Tannenzapfen für mich sammeln«, sagte Känga und gab ihnen einen Korb.
Also gingen sie zu den Sechs Tannen und bewarfen sich mit Tannenzapfen, bis sie vergessen hatten, weshalb sie hergekommen waren, und ließen den Korb unter den Bäumen stehen und gingen zum Abendessen nach Hause. Und als sie mit dem Abendessen fast fertig waren, steckte Christopher Robin den Kopf zur Tür herein.
»Wo ist Pu?« fragte er.
»Lieber Tieger, wo ist Pu?« sagte Känga. Tieger erklärte, was geschehen war, während Ruh gleichzeitig die Sache mit seinem Keks-Huster erklärte und Känga ihnen sagte, sie sollten nicht gleichzeitig sprechen, weshalb es etwas dauerte, bis Christopher Robin erraten hatte, daß sich Pu und Ferkel und Kaninchen im Nebel mitten oben im Wald verlaufen hatten.
»Das ist das Merkwürdige an Tiegern«, flüsterte Tieger Ruh zu, »daß sie sich nie verlaufen. «


»Warum denn nicht, Tieger?«
»Sie verlaufen sich einfach nicht«, erklärte Tieger. »So ist das nun mal.«
»Tja«, sagte Christopher Robin, »dann müssen wir losgehen und sie finden; Schluß, aus. Komm mit, Tieger.«
»Ich muß losgehen und sie finden«, erklärte Tieger Ruh.
»Darf ich sie auch finden?« fragte Ruh eifrig.
»Ich glaube, heute nicht, mein Schatz«, sagte Känga. »Ein andermal.«
»Wenn sie sich morgen verlaufen, darf ich sie dann finden?«
»Wir werden sehen«, sagte Känga, und Ruh, das wußte, was das bedeutete, ging in eine Ecke und übte ganz allein Sprünge, teils weil es Sprünge üben wollte, und teils, weil es nicht wollte, daß Christopher Robin und Tieger dachten, es mache ihm etwas aus, wenn sie ohne Ruh weggingen.

»Tatsache ist«, sagte Kaninchen, »daß wir irgendwie den Weg verfehlt haben.«
Sie rasteten in einer kleinen Sandkuhle mitten im Wald. Pu war die Sandkuhle allmählich leid, und er hatte sie im Verdacht, daß sie ihnen folgte, denn in welcher Richtung sie auch aufbrachen, sie kamen immer zur Sandkuhle, und immer wenn sie durch den Nebel auf sie zukam, sagte Kaninchen triumphierend: »Jetzt weiß ich, wo wir sind!«, und Pu sagte traurig: »Ich auch«, und Ferkel sagte nichts. Es hatte versucht, sich etwas einfallen zu lassen, was es sagen konnte, aber alles, was ihm einfiel, war »Hilfe! Hilfe!«, und das wäre ziemlich dumm gewesen, wo es doch Pu und Kaninchen hatte.
»Nun«, sagte Kaninchen nach einer langen Stille, in der ihm niemand für den schönen Spaziergang gedankt hatte, »dann gehen wir lieber weiter, würde ich sagen. Welche Richtung schlagen wir ein?«
»Wie wäre es«, sagte Pu langsam, »wenn wir, sobald wir diese Kuhle nicht mehr sehen, versuchen, sie wiederzufinden?«
»Wozu soll das gut sein?« sagte Kaninchen.
»Tja«, sagte Pu, »immer wieder suchen wir den Nachhauseweg und finden ihn nicht, und deshalb habe ich mir gedacht, wenn wir diese Kuhle suchen, finden wir sie ganz bestimmt nicht, und das wäre dann gut, weil wir dann vielleicht etwas finden, was wir nicht gesucht haben, und das wäre dann vielleicht genau das, was wir in Wirklichkeit gesucht haben.«
»Das scheint mir nicht viel Sinn zu haben«, sagte Kaninchen.
»Nein«, sagte Pu traurig, »hat es auch nicht. Es begann aber, Sinn zu haben, als ich damit anfing. Unterwegs muß ihm etwas zugestoßen sein.«
»Wenn ich von dieser Kuhle wegginge und dann zu ihr zurückkehrte, würde ich sie natürlich wiederfinden.«
»Ich dachte ja auch nur, daß es dir vielleicht doch nicht gelingt«, sagte Pu. »Ich dachte es ja nur.«
»Versuch es doch «, sagte Ferkel plötzlich. »Wir warten hier auf dich.«
Kaninchen lachte kurz auf, um zu zeigen, wie töricht Ferkel war, und ging in den Nebel. Nachdem es hundert Meter gegangen war, drehte es sich um und ging wieder zurück... Und nachdem Pu und Ferkel zwanzig Minuten auf Kaninchen gewartet hatten, standen sie auf.
»Ich dachte es ja nur«, sagte Pu. »So, Ferkel, dann wollen wir mal nach Hause gehen.«
»Aber, Pu«, schrie Ferkel ganz aufgeregt, »weißt du denn den Weg?«
»Nein«, sagte Pu. »Aber in meinem Schrank stehen zwölf Töpfe Honig, und die rufen mich schon seit Stunden. Ich konnte sie vorher nicht richtig hören, weil Kaninchen immer geredet hat, aber wenn niemand sonst etwas sagt, nur die zwölf Töpfe, dann glaube ich, Ferkel, werde ich wissen, woher die Rufe kommen. Komm mit.«
Sie gingen zusammen los; und lange Zeit sagte Ferkel nichts, um die Töpfe nicht zu unterbrechen; und dann machte es plötzlich ein quiekendes Geräusch - und ein Oha-Geräusch denn nun wußte es allmählich, wo es war; aber das wagte immer noch nicht laut auszusprechen, falls es doch nicht war. Und gerade als es so goldrichtig Bescheid wußte, daß es nicht mehr wichtig war, ob die Töpfe weiter riefen der nicht, erklang vor ihnen ein Ruf, und aus dem Nebel kam Christopher Robin.
»Ach, da seid ihr ja«, sagte Christopher Robin lässig und versuchte, so zu tun, als habe er sich keine Sorgen gemacht.
»Hier sind wir«, sagte Pu.
»Wo ist Kaninchen? «
»Ich weiß nicht«, sagte Pu.
»Ach... Na, Tieger wird es schon finden. Er sucht euch nämlich gerade alle mehr oder weniger.«

»Tja«, sagte Pu, »ich mußte wegen irgendwas nach Hause, und Ferkel mußte das ebenfalls, weil wir noch nicht dazu gekommen waren, und ... «
»Ich komme mit und sehe dir zu«, sagte Christopher Robin.
So ging er mit Pu nach Hause und sah ihm ziemlich lange zu...
Und die ganze Zeit, während er zusah, raste Tieger durch den Wald und schrie laut und kläffend nach Kaninchen. Und schließlich hörte ihn ein sehr kleines und jammervolles Kaninchen. Und das kleine und jammervolle Kaninchen rannte durch den Nebel auf den Lärm zu, und der Lärm verwandelte sich plötzlich in Tieger; einen freundlichen Tieger, einen großartigen Tieger, einen großen und hilfreichen Tieger, der, wenn er überhaupt umhersprang, mit haargenau jener Anmut umhersprang, mit der Tieger umherspringen sollten.
»Ach, Tieger, was bin ich froh, dich zu sehen«, schrie Kaninchen.


ACHTES KAPITEL, 2. Buch

In welchem Ferkel Etwas Ganz Großes vollbringt

Auf halbem Wege zwischen Pus Haus und Ferkels Haus war eine Nachdenkliche Stelle, an der sie sich manchmal trafen, wenn sie beschlossen hatten, einander zu besuchen, und da die Stelle warm und windgeschützt war, setzten sie sich dort ein bißchen hin und fragten sich, was sie unternehmen wollten, nachdem sie sich besucht hatten.

Eines Tages, als sie. beschlossen hatten, gar nichts zu tun,
erfand Pu eine Strophe über die Stelle, damit jeder wußte, wozu sie da war.
An einem Herbstmorgen, als der Wind nachts alle Blätter von den Bäumen geweht hatte und nun versuchte, auch noch die Äste herabzuwehen, saßen Pu und Ferkel an der Nachdenklichen Stelle und dachten nach.
»Was ich denke «, sagte Pu, »ist, daß ich denke, daß wir zum Puwinkel gehen und I-Ah besuchen sollten, denn vielleicht ist sein Haus umgeweht worden, und vielleicht möchte er, daß wir es wieder aufbauen.«
Was ich denke«, sagte Ferkel, »ist, daß ich denke, daß wir zu Christopher Robin gehen und ihn besuchen sollten, nur daß er leider nicht zu Hause ist, weswegen wir es lassen müssen.«
»Komm, wir gehen los und besuchen alle«, sagte Pu. »Denn wenn man meilenweit durch den Wind geht und dann plötzlich bei jemandem hereinkommt, und der, den man besucht, sagt: >Hallo, Pu, du kommst gerade rechtzeitig für einen kleinen Imbiß<, dann nenne ich das einen angenehmen Tag.«

Ferkel dachte, sie sollten vielleicht einen Grund haben, wenn sie alle besuchten, wie die Suche nach Klein oder das Organisieren einer Expotition, falls Pu sich irgendwas einfallen lassen konnte.
Pu konnte.
»Wir werden alle besuchen, weil Donnerstag ist«, sagte er, und wir werden allen einen Herzlichen Glückwunsch zum Donnerstag wünschen. Komm, Ferkel.«
Sie standen auf; und als Ferkel sich wieder hingesetzt hatte, weil es nicht gewußt hatte, daß der Wind so stark war, und nachdem Pu ihm wieder auf die Beine geholfen hatte, gingen sie los. Sie gingen zuerst zu Pus Haus, und glücklicherweise war Pu zu Hause, als sie dort ankamen; deshalb bat er sie herein, und sie nahmen eine Kleinigkeit zu sich, und dann gingen sie weiter zu Kängas Haus, wobei sie sich aneinander festhielten und »Stimmt's?« riefen und »Wie bitte?« und Ich kann dich nicht verstehen.« Als sie endlich Kängas Haus erreichten, waren sie so durcheinandergerüttelt, daß sie zum Mittagessen blieben. Danach kam es ihnen draußen zunächst ziemlich kalt vor, und deshalb gingen sie so schnell wie möglich weiter zu Kaninchen.
»Wir sind gekommen, um dir einen Herzlichen Glückwunsch zum Donnerstag zu wünschen«, sagte Pu, als er ein bis zweimal gekommen und wieder gegangen war, um sicherzugehen, daß er auch wieder hinaus konnte.
»Warum, was soll denn am Donnerstag passieren?« fragte Kaninchen, und als Pu es erklärt hatte und als Kaninchen, dessen Leben aus wichtigen Dingen bestand, gesagt hatte: »Ach, ich dachte, ihr hättet einen echten Grund gehabt«, nahmen sie ein wenig Platz... Und irgendwann gingen Pu und Ferkel weiter. Diesmal hatten sie den Wind im Rücken und brauchten nicht zu schreien.
»Kaninchen ist schlau«, sagte Pu nachdenklich.
»Ja«, sagte Ferkel, »Kaninchen ist schlau.«
»Und es hat Verstand.«
»Ja«, sagte Ferkel. »Kaninchen hat Verstand.«
Es entstand eine lange Stille.
»Ich glaube«, sagte Pu, »deshalb versteht es auch nie was.«
Inzwischen war Christopher Robin zu Hause, denn jetzt war es Nachmittag, und er freute sich so, sie zu sehen, daß sie blieben, bis es schon fast Zeit für den Tee war, und dann tranken sie einen schönen Schon-Fast-Tee und aßen Schon-Fast-Kekse dazu (ein Schon-Fast-Tee ist ein Tee, den man gleich wieder vergißt), und dann eilten sie zum Puwinkel, um I-Ah zu besuchen, bevor es Zeit für einen Ordentlichen Tee bei Eule war.
»Hallo, I-Ah«, riefen sie vergnügt.
»Ah!« sagte I-Ah. »Habt euch wohl verlaufen?«
»Wir wollten dich besuchen«, sagte Ferkel, »und sehen, wie es deinem Haus geht. Kuck mal, Pu, es steht noch!«
»Ich weiß«, sagte I-Ah. »Äußerst merkwürdig. Es hätte jemand vorbeikommen und es umschmeißen sollen.«
»Wir haben uns nämlich gefragt, ob der Wind es umpusten würde«, sagte Pu.
»Ach, deshalb hat sich niemand die Mühe gemacht, vermute ich. Ich dachte, sie hätten es vielleicht vergessen.«
»Tja, wir freuen uns sehr, dich zu sehen, I-Ah, und jetzt gehen wir weiter und besuchen Eule.«
»Nur zu. Eule wird euch gefallen. Sie ist gestern oder vorgestern vorbeigeflogen und hat mich bemerkt. Nicht, daß sie etwas gesagt hätte, weit gefehlt, aber sie wußte, daß ich es war. sehr freundlich von ihr, dachte ich. Ermutigend.«
Pu und Ferkel scharrten ein bißchen mit den Füßen und sagten so wenig überstürzt wie nur irgend möglich: »Tja, dann auf Wiedersehen, I-Ah«, aber sie hatten noch einen weiten Weg vor sich und mußten allmählich los.

Lebt wohl«, sagte I-Ah. »Paß auf, daß du nicht davongeweht wirst, kleines Ferkel. Man würde dich vermissen. Die Leute würden sagen: >Wohin mag wohl das kleine Ferkel geweht worden sein? < - und zwar, weil sie es wirklich wissen wollten. Na ja, lebt wohl. Und vielen Dank, daß ihr zufällig an mir vorübergegangen seid.«
»Auf Wiedersehen«, sagten Pu und Ferkel zum letztenmal und zogen weiter zu Eules Haus.
Jetzt blies der Wind von vorne, und Ferkels Ohren flatterten hinter ihm her wie Wimpel, während Ferkel um jeden Fußbreit Boden kämpfte, und es schien Stunden gedauert zu haben, als es die Ohren endlich in den Schutz des Hundertsechzig-Morgen-Waldes gebracht hatte und sie wieder aufrecht stehen konnten, um, ein wenig nervös, dem Toben des Sturms in den Baumwipfeln zu lauschen.
»Angenommen, ein Baum fällt um, Pu, wenn wir direkt darunter stehen?«
»Angenommen, er fällt nicht um«, sagte Pu nach sorgfältigem Nachdenken.

Dadurch war Ferkel getröstet, und bald klopften und klingelten sie wohlgemut an Eules Tür.
»Hallo, Eule«, sagte Pu. »Ich hoffe, wir kommen nicht zu spät zum... Ich meine: Wie geht's, Eule? Ferkel und ich wollten dich gerade besuchen, weil Donnerstag ist.« »Setzzz dich, Pu, setzzz dich, Ferkel«, sagte Eule freundlich. »Macht esss euch bequem.«
Sie dankten ihr und machten es sich so bequem wie möglich.
»Es ist nämlich so, Eule«, sagte Pu, »daß wir uns beeilt haben, um rechtzeitig zu kommen, damit wir - damit wir dich noch besuchen können, bevor wir wieder weggehen.«
Eule nickte feierlich.
»Verbessssssert mich, fallsss ich mich täusche«, sagte sie, »aber gehe ich recht in der Annahme, daßßß draußßßen einäußßßerssst stürmischer Tag issst?«
»Äußerst«, sagte Ferkel, welches still seine Ohren auftaute und sich wünschte, wieder in seinem eigenen Haus und in Sicherheit zu sein.
»Dasss habe ich mir gedacht«, sagte Eule. »Esss war an jussst so einem stürmischen Tag, alsss mein Onkel Robert, dessssssen Bildnisss du zzzu deiner Rechten an der Wand siehssst, Ferkel, am späten Vormittag auf dem Rückflug von einer... Wasss issst dasss?«
Man hörte ein lautes Krachen.
»Aufpassen!« schrie Pu. »Vorsicht; die Uhr! Mach Platz, Ferkel! Ferkel, ich falle auf dich!«
»Hilfe!« schrie Ferkel.

Der Teil des Zimmers, in dem Pu saß, neigte sich langsam nach oben, und sein Stuhl begann, auf den Stuhl von Ferkel hinunterzurutschen. Die Uhr glitt sachte auf dem Kaminsims entlang und sammelte auf dem Weg Vasen ein, bis sie auf dem Teil der Wohnung zerschellten, der einst der Fußboden gewesen war, der nun aber versuchte herauszufinden, wie er als Wand aussah. Onkel Robert, der als neuer Kaminvorleger dienen sollte und seine übrige Wand als Teppich mitbrachte, traf Ferkels Stuhl, als Ferkel gerade damit rechnete, diesen zu verlassen, und für kurze Zeit wurde es sehr schwer, nicht zu vergessen, in welcher Richtung Norden war. Dann ertönte ein weiteres lautes Krachen ... Eules Zimmer richtete sich in fieberhafter Eile fertig ein ... Und dann war Stille.
In einer Ecke des Zimmers begann die Tischdecke zu zappeln. Dann wickelte sie sich zu einer Kugel zusammen und rollte durch das Zimmer. Dann sprang sie ein- bis zweimal auf und ab und steckte zwei Ohren heraus. Wieder rollte sie durch das Zimmer und entwirrte sich.
»Pu«, sagte Ferkel nervös.
»Ja?« sagte einer der Stühle.
»Wo sind wir?«
»Ich bin nicht ganz sicher«, sagte der Stuhl.
»Sind wir... Sind wir in Eules Haus?«
»Ich glaube; es sollte nämlich gerade Tee mit Kleinigkeiten geben, und bisher haben wir noch nichts gekriegt.«
»Oh!« sagte Ferkel. »Hatte Eule eigentlich schon immer einen Briefkasten an der Zimmerdecke?«
»Hat sie einen?«
»Ja, kuck mal.«
»Kann ich nicht«, sagte Pu. »Ich liege mit dem Gesicht nach unten unter etwas, und das, Ferkel, ist eine sehr schlechte Lage, wenn man an die Zimmerdecke kucken will.«
»Auf jeden Fall hat sie einen Briefkasten an der Zimmerdecke, Pu.«
»Vielleicht hat sie das verändert«, sagte Pu, »um eine Veränderung zu haben.«
Es entstand Unruhe hinter dem Tisch in der anderen Ecke des Zimmers, und Eule war wieder bei ihnen.
»Ah, Ferkel«, sagte Eule und sah sehr verdrossen aus, »wo issst Pu?«
»Genau weiß ich es nicht«, sagte Pu.
Als sie seine Stimme hörte, drehte Eule sich um und sah das, was sie von Pu sehen konnte, stirnrunzelnd an.
»Pu«, sagte Eule streng, »hassst du dasss ausssgelöössst?«
»Nein«, sagte Pu zerknirscht. »Ich glaube nicht.«
»Wer war esss dann?«
»Ich glaube, es war der Wind«, sagte Ferkel. »Ich glaube, dein Haus ist umgeweht worden.«
»Ach, dasss issst esss? Ich dachte, esss wäre Pu gewesen.«
»Nein«, sagte Pu.
»Wenn esss der Wind gewesen issst«, sagte Eule und bedachte die Angelegenheit, »kann Pu nichtsss dafür. Man kann ihm die Schuld nicht anlasssten.« Mit diesen freundlichen Worten flog sie hinauf, um ihre neue Zimmerdecke zu betrachten.
»Ferkel! « rief Pu in lautem Flüsterton.
Ferkel beugte sich zu ihm hinunter.
»Ja, Pu?«
»Was, hat sie gesagt, lastet auf mir?«
»Sie hat gesagt, du kannst nichts dafür.«
»Oh! Ich dachte, sie hätte gemeint... Verstehe.«
»Eule«, sagte Ferkel, »komm herunter und hilf Pu.«
Eule, die ihren Briefkasten bewunderte, flog wieder herunter. Zusammen schoben und zogen sie an dem Stuhl herum, und bald kam Pu darunter zum Vorschein und konnte wieder in die Runde blicken.


»Na!« sagte Eule. »Dasss sind ja schöne Zzzustände!«
»Was sollen wir tun, Pu? Kannst du dir irgendwas einfallen lassen?« fragte Ferkel.

»Tja, mir ist gerade etwas eingefallen«, sagte Pu. »Allerdings nur etwas Kleines
Und er begann zu singen:

»Das war alles«, sagte Pu.
Eule hüstelte irgendwie unbewundernd und sagte, sie alle könnten jetzt vielleicht, wenn Pu sicher sei, daß dies alles sei, was ihm eingefallen sei, in ihren Köpfen das Problem bewegen, wie man dieser Gefahr entrinnen könnte.
»Denn«, sagte Eule, »wir können nicht zzzu dem hinausss, wasss einssst die Haussstür war. Esss issst etwasss draufgefallen.«
»Aber wie kann man denn sonst hinaus? « fragte Ferkel besorgt.
»Dasss issst dasss Problem, Ferkel, welchesss in seinem Kopf zzzu bewegen ich Pu freundlichssst ersuche.«
Pu saß auf dem Fußboden, der einst eine Wand gewesen war, und starrte an die Zimmerdecke, die einst ebenfalls eine Wand gewesen war, eine Wand mit einer Haustür, die einst eine Haustür gewesen war, und er versuchte, dies in seinem Kopf zu bewegen.
»Könntest du mit Ferkel auf dem Rücken zum Briefkasten hinauffliegen?« fragte er.
»Nein«, sagte Ferkel schnell. »Könnte sie nicht.«
Eule erläuterte die Sache mit der erforderlichen Rückenmuskulatur. Sie hatte das Pu und Christopher Robin schon einmal erklärt und seitdem auf eine Gelegenheit gewartet, es wieder zu erklären, denn es ist dies eine Sache, die man ganz leicht zweimal erklären kann, bevor irgend jemand weiß, wovon die Rede ist.
»Denn, weißt du, Eule, wenn wir Ferkel in den Briefkasten kriegen könnten, könnte es sich durch den Briefschlitz quetschen und den Baum hinunterklettern und Hilfe holen.«
Ferkel sagte eilig, es sei in letzter Zeit größer geworden und könne beim besten Willen nicht, so leid es ihm tue, und Eule sagte, sie habe ihren Briefkasten in letzter Zeit vergrößern lassen, für den Fall, daß sie größere Briefe bekäme, und deshalb könne Ferkel ja vielleicht, und Ferkel sagte: »Aber du sagtest doch, die erforderliche Du-weißt-schon-was könnte nicht«, und Eule sagte: »Nein, dasss kann sie nicht; dessshalb brauchen wir keinen weiteren Gedanken darauf zzzu verschwenden«, und Ferkel sagte: »Dann sollten wir über etwas anderes nachdenken«, womit es sofort begann.
Aber Pus Gedanken waren zu jenem Tag zurückgeschweift, als er Ferkel vor der Überschwemmung gerettet hatte und ihn alle so bewundert hatten; und da das nicht oft geschah, fand er, es könnte gern mal wieder geschehen. Und ganz plötzlich, genau wie schon einmal, kam ihm eine Idee in den Sinn.
»Eule«, sagte Pu, »mir ist etwas eingefallen.«
»Du bissst ein starker und hilfreicher Bär«, sagte Eule.
Pu war stolz, weil er ein starker und hilfreicher Bär genannt worden war, und sagte bescheiden, es sei ihm nur so ganz zufällig eingefallen. Man band ein Stück Schnur an Ferkel fest, und man flog zum Briefkasten hinauf, mit dem anderen Ende der Schnur im Schnabel, und man zog die Schnur durch den Draht des Briefkastens und flog damit wieder zum Fußboden zurück, und man selbst und Pu zogen heftig an diesem Ende, und Ferkel hob sich langsam am anderen Ende. Und das war es dann auch schon.
»Und dann issst Ferkel auch schon an seinem Bestimmungsssort«, sagte Eule. »Fallsss die Schnur nicht reißßßt.«
»Und wenn sie doch reißt?« fragte Ferkel mit echtem Interesse.
»Dann versuchen wir esss mit einer anderen Schnur.«
Dies war nicht sehr tröstlich für Ferkel, denn mit wie vielen Schnüren sie es auch hochzuziehen versuchten - es war immer dasselbe Ferkel, das herunterfiel; aber immerhin, es schien das einzige, was man tun konnte. So warf es im Geiste einen letzten Blick auf all die frohen Stunden, die es im Wald verbracht hatte, ohne an einer Schnur zur Zimmerdecke gezogen zu werden, nickte Pu tapfer zu und sagte, es sei ein sehr kack-kack-kack-kluger Papp-Papp-Plan.
»Sie wird nicht reißen«, flüsterte Pu beruhigend, »weil du ein sehr kleines Tier bist, und ich werde unter dir stehen, und wenn du uns alle rettest, wird es Etwas Ganz Großes sein, worüber man später sprechen kann, und vielleicht erfinde ich ein Lied, und die Leute werden sagen: >Was Ferkel getan hat, war so toll, daß sogar ein Respektvolles Pu-Lied darüber gemacht wurde! <«
Danach fühlte sich Ferkel viel besser, und als alles fertig war und es langsam zur Zimmerdecke schwebte, war es so stolz, daß es am liebsten »Kuckt mal: ich!« gerufen hätte, aber es befürchtete, Pu und Eule würden die Schnur loslassen und sich Ferkel ankucken.
»Und auf geht's!« sagte Pu munter.
»Der Aufstieg erfolgt voll und ganzzz den Erwartungen entsprechend«, sagte Eule hilfsbereit. Bald war er vorüber. Ferkel öffnete den Briefkasten und kletterte hinein. Dann, nachdem es sich losgebunden hatte, begann es sich durch den Schlitz zu quetschen, durch den damals, in den alten Zeiten, als Haustüren noch Haustüren waren, so mancher unerwartete Brief, den OILE sich selbst geschrieben hatte, gerutscht war.
Ferkel quetschte sich und quetschte, und dann, mit einem allerletzten Fltschn der Zähne, war es draußen. Froh und aufgeregt drehte es sich um, um den Gefangenen eine letzte Botschaft zuzuquieken. »Alles klar«, rief es durch den Briefschlitz. »Dein Baum ist umgeweht worden, Eule, und über der Tür liegt ein Ast, aber Christopher Robin und ich können ihn zur Seite schaffen, und für Pu bringen wir ein Seil mit, und ich gehe jetzt los und sage ihm Bescheid, und ich kann ganz leicht runterklettern, ich meine, es ist gefährlich, aber ich schaffe das schon, und Christopher Robin und ich sind dann in etwa einer halben Stunde wieder da. Auf Wiedersehen, Pu!« Und ohne abzuwarten, wie Pu »Auf Wiedersehen und vielen Dank, Ferkel« sagte, machte es sich auf den Weg.
»Eine halbe Stunde«, sagte Eule und machte es sich bequem. »Dasss gibt mir genug Zzzeit, dir die Geschichte von meinem Onkel Robert zzzu Ende zzzu erzzzählen, dessssssen Bildnisss du zzzu deinen Füßßßen siehssst. Laßßß mich überlegen, wo war ich stehengeblieben? Jetzzzt weißßß ich esss wieder. Esss war an jussst so einem stürmischen Tag, alsss mein Onkel Robert ... «
Pu schloß die Augen.

ZEHNTES KAPITEL, 2. Buch



-In welchem Christopher Robin und Pu an einen verzauberten Ort kommen.
Und dort verlassen wir sie.

Christopher Robin
ging fort. Niemand wußte, warum er fortging; niemand wußte, wohin er ging; es wußte tatsächlich niemand auch nur, warum er wußte, daß Christopher Robin fortging. Aber irgendwie hatte jeder im Wald das Gefühl, daß es nun schließlich und endlich doch passierte. Sogar Der-Kleinste-von-Allen, ein Bekannter-und-Verwandter von Kaninchen, der glaubte, er habe einst Christophers Fuß gesehen, aber nicht darauf wetten mochte, weils vielleicht etwas anderes gewesen war, sogar D.-K.-von-A. sagte sich, daß jetzt alles anders werden würde; und Früh und Spät, zwei weitere Bekannte-und-Verwandte, sagten. »Nun, Spät?« und: »Nun, Früh?« zueinander, und das sagten sie so ohne jede Hoffnung, daß es wirklich nicht viel Sinn zu haben schien, die Antwort abzuwarten.
Eines Tages, als es spürte, daß es sich nicht länger aufschieben ließ, textete Kaninchen eine Notiz, und dies stand in der Notiz:

»Notiz ein Treffen von allen Wird sich beim Haus am Puwinkel treffen um eine Rissolution zu verabschieden Tagesbefehl Linke Spur Halten Gezeichnet Kaninchen.«

Kaninchen mußte das zwei- bis dreimal hinschreiben, bevor es die Rissolution so hinkriegte, wie sie hätte aussehen sollen, als es mit Hinschreiben begonnen hatte; aber als die Notiz schließlich fertig war, nahm es sie überallhin mit und las sie allen vor. Und alle sagten, sie würden kommen.

Na«, sagte I-Ah an jenem Nachmittag, als er sie alle zu seinem Haus kommen sah, das ist aber eine Überraschung. Bin ich auch eingeladen?«
»Kümmre dich gar nicht um I-Ah«, flüsterte Kaninchen Pu zu. »Ich habe ihm heute morgen alles haarklein berichtet.«
Alle sagten Tag-wie-geht's zu I-Ah, und I-Ah sagte nein, jedenfalls nicht nennenswert, und dann setzten sie sich; und sobald alle saßen, stand Kaninchen wieder auf. »Wir wissen alle, warum wir hier sind«, sagte es, »aber ich habe meinen Freund I-Ah gebeten ... «
»Das bin ich«, sagte I-Ah. »Toll.«
»Ich habe ihn gebeten, eine Rissolution einzubringen. «Und es setzte sich wieder hin. »Also bitte, I-Ah«, sagte es.
»Dränge mich nicht«, sagte I-Ah und erhob sich langsam. »Und also-bitte mich nicht ständig. «Er holte ein Blatt Papier hinter seinem Ohr hervor und entfaltete es. »Hiervon weiß niemand etwas«, fuhr er fort. »Es ist eine Überraschung.« Er hustete gewichtig und begann noch einmal: »Liebe Sowiesos und Undsoweiters, bevor ich anfange, oder vielleicht sollte ich sagen: Bevor ich aufhöre, möchte ich euch ein Stück Dichtkunst vorlesen. Bis dato ... Bis dato... Das Wort bedeutet... Ihr werdet gleich merken, was es bedeutet... Bis dato, wie ich bereits sagte, wurde die gesamte Dichtung in diesem Walde von Pu geschrieben, einem Bären von angenehmem Wesen, aber zugleich einem einwandfrei bestürzenden Mangel an Verstand. Das Gedicht, welches euch vorzulegen ich im Begriff stehe, wurde von I-Ah geschrieben, oder, in anderen Worten, von mir, und zwar in einem ruhigen Augenblick. Wenn jemand vielleicht Ruh das Pefferminzbonbon wegnehmen und Eule wecken möchte, werden wir alle es genießen können. Ich nenne es...

GEDICHT.« Dies war es:
Robin Christopher geht.

Mindestens ich denke, daß er ist.

Wo?

Niemand weiß.

Aber er geht

»Falls jemand klatschen möchte«, sagte I-Ah, als er dies verlesen hatte, » dann ist jetzt die Zeit dafür.«
Alle klatschten.
»Danke«, sagte I-Ah. »Unerwartet und erfreulich, wenn auch ohne jeden störenden Überschwang.«
»Es ist viel besser als meine Gedichte«, sagte »Pu, dem es wirklich besser gefiel.
»Nun«, sagte I-Ah bescheiden, »das sollte es auch sein.«
»Die Rissolution«, sagte Kaninchen, » lautet, daß wir es alle unterschreiben und Christopher Robin bringen.«

Also unterschrieben

PU, OILE, FRKL, IA, KANINCHEN, KÄNGA, KLECKS und SCHMUTZ,

und dann gingen sie alle damit zu Christopher Robins Haus.

»Hallo, alle«, sagte Christopher Robin, »hallo, Pu.«
Alle sagten »Hallo«, und plötzlich fühlten sie sich unbehaglich und unfroh, denn es war eine Art Abschied, den sie da aussprachen, und sie wollten nicht darüber nachdenken.
So standen sie herum und warteten, daß jemand anderer etwas sagte, und sie stupsten einander an und sagten: »Mach schon«, und nach und nach wurde I-Ah nach vorn gestupst,
und die anderen drängten sich hinter ihm.
»Was gibt es denn, I-Ah?« fragte Christopher Robin.
I-Ah wischte mit dem Schwanz hin und her, um sich Mut zu machen, und begann.
»Christopher Robin«, sagte er, »wir sind hier erschienen...
Wir wollten dir sagen - dir geben - es heißt - geschrieben von - aber wir haben alle - weil wir hörten, ich meine, wir wissen alle - na ja, weißt du, es ist - wir - du - nun, um es so kurz wie möglich auszudrücken, ist es.« Er drehte sich ärgerlich nach den anderen um und sagte: »Jeder drängelt in diesem Wald. Man hat keinen Platz. Ich habe mein Lebtag noch keine so ausdehnungswütige Bande von Tieren gesehen, und alle sind sie am falschen Ort. Könnt ihr denn nicht sehen, daß Christopher Robin allein sein möchte? Ich gehe.« Und er entfernte sich mit schweren Schritten.

Ohne recht zu wissen warum, begannen die anderen, sich davonzustehlen, und als Christopher Robin GEDICHT ausgelesen hatte und aufsah, um »Ich danke euch« zu sagen, war nur noch Pu da.
»Es ist beruhigend, so etwas zu haben«, sagte Christopher Robin, faltete das Papier zusammen und steckte es in die Hosentasche. »Komm mit, Pu«, und er ging schnell weg.
»Wohin gehen wir?« fragte Pu und rannte ihm nach und fragte sich, ob dies ein Erkundungs- oder ein Was-soll-ich-bloß-wegen-du-weißt-schon-was-unternehmen-Gang war.
»Nirgendwohin«, sagte Christopher Robin.
Also begannen sie, dorthin zu gehen, und nachdem sie ein kleines Stück Wegs gegangen waren, sagte Christopher Robin: »Was tust du am liebsten von der ganzen Welt, Pu?«
»Tja«, sagte Pu, »was ich am liebsten tue ... «Und dann mußte er innehalten und nachdenken. Denn obwohl Honigessen etwas sehr Gutes war, was man tun konnte, gab es doch einen Augenblick, kurz bevor man anfing, den Honig zu essen, der noch besser war als das Essen, aber er wußte nicht, wie der hieß. Und dann, fand er, war mit-Christopher-Robin-zusammen-sein auch etwas sehr Schönes, was man tun konnte, und Ferkel-in-der-Nähe-haben war auch etwas sehr Angenehmes, was man gut haben konnte; deshalb sagte er, nachdem er alles durchdacht hatte: »Am liebsten von der ganzen Welt mag ich, wenn ich und Ferkel dich besuchen gehen und du sagst: >Wie wär's mit einem kleinen Imbiß?< und ich sage: >Gegen einen kleinen Imbiß ist eigentlich nichts einzuwenden, oder was meinst du, Ferkel?<, und draußen ist ein Tag, in dem irgendwie Gesumm drin ist, und die Vögel singen.«
»Das mag ich auch«, sagte Christopher Robin, »aber was ich am liebsten tue, ist gar nichts.«
»Wie tut man gar nichts? « fragte Pu, nachdem er lange gegrübelt hatte.
»Das ist, wenn man es gerade tun will, und die Leute wollen von einem wissen: >Und was willst du jetzt tun, Christopher Robin?< Und dann sagt man: >Och, gar nichts<, und dann tut man's einfach.«
»Aha, verstehe«, sagte Pu.
»Dies ist auch so eine Art Gar nichts, was wir jetzt tun.«
»Aha, verstehe«, sagte Pu wieder.
»Es bedeutet, daß man einfach so vor sich hin geht, sich alle Sachen anhörte die man nicht hören kann, und sich nicht weiter darum kümmert.«

Aha!« sagte Pu.

Sie gingen weiter, dachten an Dies und Das und kamen irgendwann an einen verzauberten Ort ganz, ganz oben in der Mitte des Waldes, und der Ort heißt Gideons Nadelöhr, und er besteht aus etwas mehr als sechzig Bäumen, die in einem großen Kreis gewachsen sind; und Christopher Robin wußte, daß der Ort verzaubert war, weil es bisher niemandem gelungen war zu zählen, ob es dreiundsechzig oder vierundsechzig Bäume waren, nicht einmal, wenn man ein Stückchen Schnur um jeden Baum band, nachdem man ihn gezählt hatte. Weil der Ort verzaubert war, war er unten herum nicht wie der Waldboden - Stechginster, Adlerfarn und spitzes Heidekraut -, sondern hier stand dichtes Gras, still und sanft und grün. Hier war die einzige Stelle im Wald, an der man sich unbekümmert hinsetzen konnte, ohne fast sofort wieder aufstehen und sich nach etwas anderem umsehen zu müssen. Dort saßen sie, und sie konnten die ganze Welt sehen, wie sie sich ausbreitete, bis sie den Himmel erreichte, und alles, was es auf der ganzen Welt gab, war auch bei ihnen in Gideons Nadelöhr.
Plötzlich begann Christopher Robin, Pu von ein paar Sachen zu berichten: Leute, die Könige und Königinnen hießen, und etwas, das Faktoren hieß, und ein Ort namens Europa, und eine Insel mitten im Meer, die man nicht mit dem Schiff erreichen konnte, und wie man eine Saugpumpe herstellte (wenn man wollte), und wann Ritter zum Ritter geschlagen wurden, und was aus Brasilien kommt. Und Pu hatte den Rücken gegen einen der etwas mehr als sechzig Bäume gelehnt und die Pfoten auf dem Bauch gefaltet und sagte: »Oh!« und: »Nein, weiß ich nicht; erzähl!« Und er dachte, wie wunderbar es wäre, einen richtigen Verstand zu haben, der einem Sachen sagen konnte. Und irgendwann war Christopher Robin mit den Sachen fertig und wurde wieder still und saß nur noch da und überblickte die Welt und wünschte sich, daß es blieb, wie es war.
Aber Pu dachte auch, und er sagte ganz plötzlich zu Christopher Robin:
»Ist es eigentlich toll, ein Retter zu sein?«
»Ein was?« sagte Christopher Robin träge und hörte etwas anderem zu.
»Auf einem Pferd?« erläuterte Pu. »Ein Ritter?«
»Genau«, sagte Pu. »Ist das so toll wie ein König und wie Faktoren und die ganzen anderen Sachen, die du erzählt hast?«
»Na ja, so toll wie ein König ist es nicht«, sagte Christopher Robin, und dann, als Pu enttäuscht aussah, fügte er schnell hinzu: »Aber es ist toller als Faktoren.«
»Könnte ein Bär einer sein?«

















»Natürlich könnte er das!« sagte Christopher Robin. »Ich werde dich dazu schlagen.« Und er nahm einen Stock und berührte Pu an der Schulter und sagte: »Erhebt Euch, Herr Pou de Bær, getreuester aller meiner Ritter.«
So erhob sich Pu und setzte sich und sagte: »Danke schön«, was genau das richtige ist, was man sagt, wenn man zum Ritter geschlagen wurde, und dann versank er wieder in einem Traum, in dem er und Herr Pump und Herr Brasilien und mehrere Faktoren mit einem Pferd zusammenlebten und getreue Ritter waren (bis auf die Faktoren, die sich um das Pferd kümmern mußten) und dem Guten König Christopher Robin dienten... Und hin und wieder schüttelte er den Kopf und sagte sich: Ich bringe alles durcheinander.«. Dann begann er, an all die Sachen zu denken, die Christopher Robin ihm würde erzählen wollen, wenn er von dort, wohin er ging, egal, was es war, zurückkam, und wie verwirrend es für einen Bären von sehr wenig Verstand sein würde, dies alles in seinem Kopf zu ordnen. »Also vielleicht«, sagte er traurig vor sich hin, »erzählt Christopher Robin mir dann gar nichts mehr«, und er fragte sich, ob es, wenn man ein Getreuer Ritter war, bedeutete, daß man einfach weiter getreu war, ohne Sachen erzählt zu bekommen.

Christopher Robin hatte immer noch das Kinn in die Hände gestützt und betrachtete die Welt; dann rief er plötzlich:

»Pu!«
»Ja? « sagte Pu.
»Wenn ich... Wenn ich... Pu!«
»Ja, Christopher Robin?«
»Ich werde nicht mehr gar nichts tun.«
»Nie wieder?«
»Kein bißchen. Sie lassen einen nicht.«
Pu wartete, daß er weitersprach, aber er war wieder verstummt.
»Ja, Christopher Robin?« sagte er hilfsbereit.
»Pu, wenn ich - du weißt ja Bescheid - wenn ich nicht gar nichts tue, wirst du dann manchmal hierherkommen?«
»Nur ich?«
»Ja, Pu.«
»Wirst du dann auch da sein?«
»Ja, Pu, ich werde da sein, bestimmt. Ich verspreche es dir, Pu.«
»Dann ist es ja gut«, sagte Pu.
»Pu, versprich mir, daß du mich nie vergißt. Nicht mal, wenn ich hundert bin.«
Pu dachte ein bißchen nach. »Wie alt bin ich dann?«
»Neunundneunzig.«
Pu nickte.
»Versprochen«, sagte er.
Christopher Robin hatte die Augen immer noch auf die alte Welt gerichtet und griff nach Pus Pfote.
»Pu«, sagte Christopher Robin ernst, »wenn ich - wenn ich nicht ganz... « er hörte auf und fing noch mal an »Pu, egal, was passiert, du verstehst es doch, oder?«
»Was verstehe ich?«
»Och, gar nichts.« Er lachte und sprang auf. »Komm mit!«
»Wohin?« sagte Pu.
»Egal wohin«, sagte Christopher Robin.

Und sie gingen zusammen fort. Aber wohin sie auch gehen und was ihnen auf dem Weg dorthin auch passieren mag: An jenem verzauberten Ort ganz oben in der Mitte des Waldes wird ein kleiner Junge sein, und sein Bär wird bei ihm sein, und die beiden werden spielen.

Wie Gopher selbst so gerne zitiert, kommt er in den Büchern "Pu der Bär" und "Pu baut ein Haus" von A.A.Milne nicht vor. Deshalb habe ich ihn bisher auch außer acht gelassen.
Tatsächlich führte erst Walt Disney diese Figur ein. Als nämlich Pu Bär im Eingang zu Kaninchens Haus stecken blieb, unternahm Gopher den Versuch ihn dort auszugraben (s. auch Kapitel 2).

"Hat hier jemand nach einem Ausgrabungsspezialisten gerufen. Ich komme zwar im Buch nicht vor, stehe aber gern zu Diensten. Ich heiße Gopher, hier meine Karte. - Zuerst einmal müssen wir versuchen, den Bären loszuwerden, er vergrößert das Problem. -
Schwere Arbeit, harter Untergrund, Einsturzgefahr, sehr gefährlich, muß abgestützt werden, viel Arbeit, dauert 2 bis 3 Tage. - In die Luft jagen, spart Zeit, ich denke 7 Stangen Dynamit werden reichen."

Es gab also keine Chance, Pu Bär zu befreien und so steckte er 1 Woche lang im Eingang zu Kaninchens Haus fest.

Gopher ist ein Zwischending aus Maulwurf und einem Murmeltier. Das kommt auch darin zum Ausdruck, daß die Figur in den deutschen Walt Disney Filmen "Gopher", in den deutschen Walt Disney Büchern dagegen "Mulle", das Murmeltier heißt.

Nach der Übersetzung von gopher aus dem nordamerikanischen handelt es sich weder um einen Maulwurf noch um ein Murmeltier, sondern vielmehr um eine Taschenratte, ein Backen- oder Erdhörnchen.

Da in Deutschland das Murmeltier bekannter ist als die nordamerikanische Taschenratte oder das nordamerikanische Erdhörnchen, wählte man wohl ein großes, erdgrabendes Nagetier, das Murmeltier.

Im heutigen Computerzeitalter mit fortschreitender Umweltzerstörung und da das Murmeltier * ein sehr scheues Tier ist, machten die kleinen Leser daraus wohl den ihnen bekannteren Maulwurf# , dessen Hügel man ja auf den meisten Äckern und Feldern und in den Vorgärten sehen kann.

* Das Murmeltier gehört zur Familie der Nagetier und dort zur Gruppe der Hörnchen. Das über 50 cm große Alpen-Murmeltier bewohnt die höheren Lagen der Alpen, Pyrenäen u. Karpaten; der Winterschlaf dauert fast 7 Monate. Murmeltier leben in selbstgegrabenen Höhlen.

# Der Maulwurf gehört zur Familie der Insektenfresser. Mit seinen großen Schaufelhänden gräbt sich der Maulwurf ein unterirdisches Gangsystem, in dem er als Einzelgänger lebt. Dabei schaufelt er die Erde zunächst hinter sich und später nach draußen, wodurch die bekannten Maulwurfshügel entstehen. Maulwürfe sind fast blind und können nur hell und dunkel unterscheiden. Deshalb kommen sie wohl auch nur selten ans Tageslicht. Ihr Geruchs- und Gehörsinn dagegen sind umso besser ausgeprägt. Der typische Maulwurf hat einen walzenförmigen Körper mit kurzem, dichtem Pelz. Seine Körperlänge kann bis zu 15 cm. Er ernährt sich hauptsächlich von Regenwürmern, Insektenlarven und Schnecken, dabei frißt er am Tag so viel wie er wiegt. (Der Europäische Maulwurf heißt mit lateinischem Namen übrigens mull.)

Mit dem Maulwurf hat "Gopher" das Graben und seine "Blindheit" (schaut nicht, wo er hingeht) gemein, mit einem Nagetier seine großen, vorstehenden Schneidezähne.

Du siehst, es geht kunterbunt durcheinander, wenn es um geht!


Es gibt noch sehr viele Geschichten von Pu und seine Freunde, die niedergeschrieben worden sind und auch teilweise verfilmt wurde, die du kennenlernen wirst.


Geschichten mit Winnie Pooh Teil 9-12


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