SECHSTES KAPITEL


-In welchem I-Ah Geburtstag hat und zwei Geschenke bekommt

I-Ah, der alte graue Esel, stand am Bach und betrachtete sich im Wasser.
»Ein Bild des Jammers« (I-Ahs Düsternis), sagte er. »Genau. Ein Bild des Jammers.« Er drehte sich um und ging langsam zwanzig Meter am Bach entlang, durchquerte ihn platschend und ging langsam auf der anderen Seite wieder zurück. Dann betrachtete er sich wieder im Wasser.
»Wie ich mir gedacht hatte«, sagte er. »Von dieser Seite auch nicht besser. Aber das stört niemanden. Es macht keinem was aus. Ein Bild des Jammers, aber genau.«
Es raschelte im Farn hinter ihm, und heraus kam Pu.
»Guten Morgen, I-Ah«, sagte Pu.
»Guten Morgen, Pu Bär«, sagte I-Ah düster. »Falls es ein guter Morgen ist«, sagte er. »Was ich bezweifle«, sagte er.
»Warum, was ist denn los?«
»Nichts, Pu Bär, nichts. Nicht jeder kann es, und mancher läßt es ganz. Das ist der ganze Witz.«
»Nicht jeder kann was?« sagte Pu und rieb sich die Nase.
»Frohsinn. Gesang und Tanz. Ringel Ringel Rosen. Darf ich bitten, mein Fräulein.«
»Aha!« sagte Pu. Er dachte lange nach und fragte dann:
»Was sind Ringelrosen?«
»Bonno-Mi«, fuhr I-Ah düster fort. »Französisches Wort; bedeutet soviel wie Bonhomie«, erläuterte er. »Ich beklage mich ja gar nicht, aber so ist es nun mal.«
Pu setzte sich auf einen großen Stein und versuchte, das Gehörte zu überdenken. Es kam ihm wie ein Rätsel vor, und bei Rätseln war er nie besonders gut gewesen, da er ein Bär von sehr geringem Verstand war.

Deshalb sang er statt dessen Fragen, Fragen, immer nur Fragen.
Nachdem er mit der ersten Strophe fertig war, sagte I-Ah nicht, daß sie ihm nicht gefallen hatte;
deshalb sang Pu ihm freundlicherweise die zweite Strophe vor.
I-Ah sagte immer noch nichts; deshalb summte sich Pu die dritte Strophe leise selber vor.

»So ist's recht«, sagte I-Ah. »Sing nur. Tideldum und tideldei. Nur einmal blüht im Jahr der Mai. Amüsier dich schön. «
»Das tu ich auch «, sagte Pu.
»Manche können das«, sagte I-Ah.
»Aber was ist denn bloß los?«
»Ist irgendwas los?«
»Du kommst mir so traurig vor, I-Ah.«
»Traurig? Warum sollte ich traurig sein? Ich habe Geburtstag. Der glücklichste Tag des Jahres.«
»Du hast Geburtstag?«, sagte Pu baß erstaunt.
»Natürlich. Sieht man das nicht? Kuck dir doch mal meine vielen Geschenke an.« Er winkte mit einem Fuß von hier nach da. »Kuck dir meinen Geburtstagskuchen an. Kerzen und rosa Zucker.«
Pu kuckte - erst nach rechts und dann nach links.
»Geschenke?« sagte Pu. »Geburtstagskuchen?« sagte Pu. »Wo?«
»Kannst du sie nicht sehen?«
»Nein«, sagte Pu.
»Ich auch nicht«, sagte I-Ah. »Kleiner Scherz«, erläuterte er. »Ha, ha!«
Pu kratzte sich am Kopf, denn all dies verwirrte ihn etwas.
»Aber hast du wirklich Geburtstag?« fragte er.
»Ja.«
»Oh! Ja dann herzliche Glückwünsche zum Geburtstag, I-Ah!«
»Dir ebenfalls, Pu Bär.«
»Aber ich habe doch gar nicht Geburtstag.«
»Nein, aber ich.«
»Aber du hast gesagt: >Dir eben ... <«
»Warum auch nicht? Man möchte sich ja nicht immer nur an meinem Geburtstag elend fühlen, stimmt's?«
»Aha, verstehe«, sagte Pu.
»Es ist schon schlimm genug«, sagte I-Ah und brach fast zusammen, »Wenn ich mich elend fühle, mit keinen Geschenken und keinem Kuchen und keinen Kerzen und keiner nimmt richtig von mir Notiz, aber wenn sich alle anderen auch elend fühlen ... «
Dies war zuviel für Pu. »Bleib, wo du bist!« rief er I-Ah zu, als er kehrtmachte und so schnell wie möglich nach Hause eilte; denn er spürte, daß er dem armen I-Ah sofort irgendein Geschenk besorgen mußte, und danach konnte er sich immer noch ein angemessenes Geschenk überlegen. Vor seinem Haus fand er Ferkel, welches auf und ab sprang und versuchte, den Türklopfer zu erreichen.
»Hallo, Ferkel«, sagte Pu.
»Hallo, Pu«, sagte Ferkel.
»Was versuchst du denn da?«
»Ich hatte versucht, den Türklopfer zu erreichen«, sagte Ferkel. »Ich kam gerade vorbei, und ... «
»Laß mich mal«, sagte Pu liebenswürdig. Er griff nach oben und klopfte an die Tür. "Ich habe gerade I-Ah gesehen«, begann er, »und der arme I-Ah ist in einem sehr traurigen Zustand, weil er heute Geburtstag hat, und niemand hat davon Notiz genommen, und er ist sehr düster - du weißt ja, wie I-Ah ist -, und da stand er nun, und... Erstaunlich, wie lange wer-auch-immer-hier-wohnt braucht, um an die Tür zu gehen. «Und er klopfte noch einmal.
»Aber, Pu!« sagte Ferkel. »Das ist doch dein Haus!«
»Oh!« sagte Pu. »Mein Haus«, sagte er. »Dann wollen wir doch mal eintreten.«
Also traten sie ein. Als erstes ging Pu an den Schrank, um zu sehen, ob er noch einen ganz kleinen Topf Honig übrig hatte; er hatte noch einen, und er nahm ihn aus dem Schrank.
»Dies werde ich I-Ah schenken«, erklärte er, »als Geschenk. Was wirst du ihm schenken?«
»Könnte ich es nicht mitschenken?« sagte Ferkel. »Von uns beiden?«
»Nein«, sagte Pu. »Das wäre kein guter Plan.«
»Na gut, dann schenke ich ihm einen Ballon. Ich habe noch einen von meiner Party übrig. Ich gehe jetzt los und hole ihn, ja?«
»Das, Ferkel, ist eine sehr gute Idee. Das ist genau das, was sich I-Ah zur Aufheiterung wünscht. Niemand kann mit einem Ballon unaufgeheitert bleiben.«
Also trabte Ferkel davon; Pu ging in die andere Richtung, mit seinem Honigtopf.

Es war ein warmer Tag, und er hatte einen weiten Weg. Er hatte noch nicht mehr als die Hälfte des Weges zurückgelegt, als ein seltsames Gefühl überall an ihm herumzukriechen begann. Es fing an seiner Nasenspitze an, tröpfelte von oben bis unten durch ihn hindurch und durch die Fußsohlen wieder hinaus. Es war haargenau so, als würde jemand in seinem Inneren sagen: »So, Pu, Zeit für eine Kleinigkeit.«
»Oha«, sagte Pu, »ich wußte gar nicht, daß es schon so spät ist.« Also setzte er sich hin und nahm den Deckel vom Honigtopf. Nur gut, daß ich dies mitgenommen habe, dachte er. Viele Bären, die an so einem warmen Tag wie heute ausgehen, hätten nie daran gedacht, sich eine Kleinigkeit mitzunehmen. Und er begann zu essen.

Nun wollen wir mal sehen, dachte er, als er den Topf ein letztes Mal ausschleckte, wohin wollte ich? Ach ja, zu I-Ah. Er erhob sich langsam.

Und dann, plötzlich, fiel es ihm ein. Er hatte I-Ahs Geburtstagsgeschenk aufgegessen! »So ein Mist!« sagte Pu. »Was soll ich nur machen? Ich muß ihm irgendwas schenken.«
Zunächst konnte er an gar nichts Passendes denken. Dann dachte er: Immerhin ist es ein sehr hübscher Topf, auch wenn kein Honig drin ist, und wenn ich ihn sauber auswasche und es schreibt mir jemand >Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, drauf, könnte I-Ah Sachen drin aufbewahren, und das könnte dann nützlich sein. Als er also gerade am Hundertsechzig-Morgen-Wald vorbeikam, bog er ab und ging in den Wald, um Eule zu besuchen, die dort wohnte.

»Guten Morgen, Eule«, sagte er.
»Guten Morgen, Pu«, sagte Eule.
»Herzlichen Glückwunsch zu I-Ahs Geburtstag«, sagte Pu.
»Ach, heute issst I-Ahsss Geburtssstag?«
»Was schenkst du ihm, Eule? «
»Was schenkssst du ihm, Pu?«
»Ich schenke ihm einen nützlichen Topf, in dem er Sachen aufbewahren kann, und ich wollte dich fragen, ob ... «
»Issst er dasss?« sagte Eule und nahm ihn Pu aus der Pfote.
»Ja, und ich wollte dich fragen, ob ... «
»Esss hat jemand Honig drin aufbewahrt«, sagte Eule.
»Man kann alles drin aufbewahren«, sagte Pu ernst. »Er ist nämlich sehr nützlich. Und ich wollte dich fragen, ob ... «
»Du solltessst >Herzzzlichen Glückwunsch zzzum Geburtssstag< draufschreiben.« »Darum wollte ich dich bitten«, sagte Pu. »Meine Rechtschreibung ist nämlich etwas wacklig. Sie ist eine gute Rechtschreibung, aber sie wackelt, und die Buchstaben geraten an den falschen Ort. Könntest du für mich Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag< draufschreiben?«
»Esss issst ein hübscher Topf«, sagte Eule und betrachtete ihn von allen Seiten. »Könnte ich ihn nicht mitschenken? Von unsss beiden?«
»Nein«, sagte Pu. »Das wäre kein guter Plan. Jetzt werde ich ihn zuerst auswaschen, und dann kannst du draufschreiben.«
Er wusch also den Topf aus und trocknete ihn ab, während Eule an ihrem Bleistift leckte und sich fragte, wie man »Geburtstag« schreibt.
»Kannssst du lesen, Pu?« fragte sie ein wenig besorgt. »Ich habe draußßßen zzzwei Zzzettel, die sich mit Klopfen und Klingeln befassssssen. Chrissstopher Robin hat sie geschrieben. Könntessst du sie lesen?«
»Christopher Robin hat mir gesagt, was draufsteht, und dann konnte ich sie lesen.«
»Gut, ich werde dir sagen, wasss hier draufsteht, und dann kannssst du esss auch lesen.«
Also schrieb Eule... Und hier steht, was sie geschrieben hat:


I-Ah hat Geburtstag

HIRZ LERZ NUCKWNÜSCH UZM BUBU BUGEBU BURZKAT.

Pu sah bewundernd zu.
»Ich schreibe nur gerade >Herzzzlichen Glückwunsch< «, sagte Eule leichthin.
»Das ist aber schön lang«, sagte Pu, der davon sehr beeindruckt war.
»Na ja, in Wirklichkeit schreibe ich >Die allerherzzzlichsssten Glück- und Segenssswünsche zzzum Geburtssstag. In Liebe, Dein Pu<. Um so etwasss Langesss zzzu schreiben, braucht man naturgemäßßß viel Bleistift.«
»Aha, verstehe«, sagte Pu.

Während all dies geschah, war Ferkel nach Hause gegangen, um I-Ahs Ballon zu holen. Es drückte ihn ganz fest an sich, damit er nicht davongeweht wurde, und es lief, so schnell es konnte, damit es vor Pu bei I-Ah war; es dachte sich nämlich, daß es gern der erste wäre, der ein Geschenk überreichte, als hätte es ganz von alleine dran gedacht.

Und wie es so rannte und daran dachte, wie sehr sich I-Ah freuen würde, achtete es nicht auf den Weg...

Und plötzlich blieb es mit einem Fuß in einem Kaninchenloch stecken und fiel flach aufs Gesicht.

P E N G !!! ??? *** !!!

So lag Ferkel da und fragte sich, was passiert war. Erst dachte es, die ganze Welt sei in die Luft geflogen; dann dachte es, daß vielleicht nur der Teil mit dem Wald in die Luft geflogen war; und dann dachte es, daß vielleicht nur es selbst in die Luft geflogen war, und nun war es ganz allein auf dem Mond oder sonstwo und würde Christopher Robin oder Pu oder I-Ah nie wiedersehen. Und dann dachte es: Selbst auf dem Mond braucht man nicht die ganze Zeit mit dem Gesicht auf dem Boden zu liegen, weshalb es vorsichtig aufstand und sich umsah.
Es war immer noch im Wald!
Das ist aber komisch, dachte es. Ich frage mich, was das für ein Knall war. Ich kann doch durch Hinfallen nicht so einen Krach gemacht haben. Und wo ist mein Ballon? Und was soll dieser kleine feuchte Fetzen?
Es war der Ballon.
»O weh«, sagte Ferkel. »O weh, owei, o weh und ach!
Aber jetzt ist es zu spät. Ich kann nicht mehr zurück, und ich habe keinen Ballon mehr, und vielleicht mag I-Ah Ballons gar nicht so sehr.«
So trabte es weiter, nunmehr ziemlich traurig, und es kam zum Bach hinunter, wo I-Ah war.
»Guten Morgen, I-Ah«, rief Ferkel.
»Guten Morgen, kleines Ferkel«, sagte I-Ah. »Falls es ein guter Morgen ist«, sagte er. »Was ich bezweifle«, sagte er.
»Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag«, sagte Ferkel, welches nun näher gekommen war.
I-Ah hörte damit auf, sich im Bach zu betrachten, und machte eine Drehung, um Ferkel anzustarren. »Sag das noch mal«, sagte er.
»Herzlichen Glück ... «
» Einen Augenblick, bitte. «
I-Ah versuchte, auf drei Beinen das Gleichgewicht zu halten, und begann, das vierte Bein sehr vorsichtig bis an sein Ohr zu heben. »Gestern ging es noch«, erklärte er, als er zum drittenmal hinfiel. »Es ist ganz leicht. Damit ich besser hören kann... Da, jetzt hat's geklappt! Ja, also, was sagtest du gerade?« Er drückte sein Ohr mit dem Huf nach vorn.

»Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag«, sagte Ferkel noch einmal.
»Meinst du mich?«
»Natürlich, I-Ah.«
»Und meinen Geburtstag?«
»Ja.«
»Ich soll einen echten Geburtstag haben?«
»Ja, I-Ah, und ich habe dir ein Geschenk mitgebracht.«
I-Ah nahm den rechten Huf von seinem rechten Ohr, drehte sich um und hob unter großen Schwierigkeiten den linken Huf.
»Das brauche ich auch noch mal ins andere Ohr«, sagte er. »Also bitte.«
»Ein Geschenk«, sagte Ferkel sehr laut.
»Und du meinst wieder mich?«
»Ja.«
»Immer noch meinen Geburtstag?«
»Natürlich, I-Ah.«
»Und ich habe immer noch einen echten Geburtstag?«
»Ja, I-Ah, und ich habe dir einen Ballon mitgebracht.«
»Ballon?« sagte I-Ah. »Hast du Ballon gesagt? Eins dieser großen bunten Dinger, die man aufbläst? Frohsinn, Gesang und Tanz, Ringel Ringel Rosen Wechselschritt?« »Ja, aber ich fürchte... Es tut mir sehr leid, I-Ah... aber als ich hierhergerannt bin, um ihn dir zu schenken, bin ich hingefallen.«
»Na, so ein Pech! Du bist zu schnell gelaufen, nehme ich an. Du hast dir doch nicht weh getan, kleines Ferkel?«
»Nein, aber ich... Ich... Ich... Ach, I-Ah, ich habe den Ballon kaputtgemacht!«
Lange war es ganz still.

»Meinen Ballon?« sagte I-Ah schließlich.
Ferkel nickte.
»Meinen Geburtstagsballon?«
»Ja, I-Ah«, sagte Ferkel und schniefte leicht. »Hier ist er. Mit... Mit einem herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.« Und es gab I-Ah den kleinen feuchten Fetzen.

»Ist es das? « sagte I-Ah ein wenig überrascht.
Ferkel nickte.
»Mein Geschenk?«
Wieder nickte Ferkel.
»Der Ballon?«
»Ja.«
»Danke, Ferkel«, sagte I-Ah. »Es macht dir doch nichts aus, wenn ich dich etwas frage«, fuhr er fort, »aber welche Farbe hatte dieser Ballon, als er... als er ein Ballon war?«
» Rot. «
»Ich wollte es nur wissen... Rot«, murmelte I-Ah vor sich hin. »Meine Lieblingsfarbe... Und wie groß war er?«
»Etwa so groß wie ich.«
»Ich wollte es nur wissen... Etwa so groß wie Ferkel«, sagte er traurig vor sich hin. »Meine Lieblingsgröße. Nun ja.«
Ferkel fühlte sich sehr elend und wußte nicht, was es sagen sollte. Es hatte immer noch den Mund offen, um einen Satz zu sagen, und dann beschloß es, daß dieser Satz nicht paßte, und dann hörte es von der anderen Seite des Baches einen Ruf, und dort war Pu. »Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag«, rief Pu und vergaß dabei, daß er das bereits gesagt hatte.
»Danke, Pu; die Feier ist in vollem Gange«, sagte I-Ah düster.
»Ich habe dir ein kleines Geschenk mitgebracht«, sagte Pu aufgeregt.
»Ich habe schon eins«, sagte I-Ah.
Pu war nun platschend durch den Bach zu I-Ah gekommen, und Ferkel saß ein wenig abseits, den Kopf in den Pfoten, leise vor sich hin schniefend.
»Es ist ein nützlicher Topf«, sagte Pu. »Hier ist er. Und es steht >Die allerherzlichsten Glück- und Segenswünsche zum Geburtstag. In Liebe, Dein Pu< draufgeschrieben. Das bedeutet nämlich das ganze Geschriebene. Und man kann Sachen hineintun. Da! «
Als I-Ah den Topf sah, wurde er ganz aufgeregt.
»Nanu!« sagte er. »Ich glaube, mein Ballon paßt genau in diesen Topf!«
»Aber nein, I-Ah«, sagte Pu. »Ballons sind viel zu groß, um in Töpfe zu passen. Mit Ballons macht man andere Sachen. Man hält sie an einer Schnur ... «
»Meinen nicht«, sagte 1-Ah stolz. »Kuck mal, Ferkel!«
Und als sich Ferkel traurig umsah, hob I-Ah den Ballon mit den Zähnen auf und legte ihn vorsichtig in den Topf; dann holte er ihn wieder heraus und legte ihn auf die Erde; dann hob er ihn wieder auf und legte ihn vorsichtig zurück in den Topf.
»Es klappt ja!« sagte Pu. »Er paßt hinein!«
»Es klappt ja!« sagte Ferkel. »Und er geht auch wieder raus!«
»Etwa nicht?« sagte I -Ah. »Er geht rein und raus wie sonstwas.«
»Ich bin sehr froh darüber«, sagte Pu glücklich, »daß ich daran gedacht habe, dir einen nützlichen Topf zu schenken, in den man Sachen tun kann.«
»Ich bin sehr froh darüber«, sagte Ferkel glücklich, »daß ich daran gedacht habe, dir etwas zu schenken, was man in einen nützlichen Topf tun kann.«
Aber I-Ah hörte gar nicht hin. Er holte den Ballon heraus und steckte ihn wieder zurück, und er war so glücklich, wie man nur sein kann...

»Und habe ich ihm nichts geschenkt?« fragte Christopher Robin traurig.
»Natürlich hast du ihm etwas geschenkt«, sagte ich. »Du hast ihm... Weißt du nicht mehr? Du hast ihm - einen kleinen - einen kleinen... «
»Ich habe ihm einen Malkasten geschenkt, damit er Sachen malen kann.«

»Genau.«

Warum habe ich ihm den nicht schon morgens geschenkt?«
»Du hattest soviel mit den Vorbereitungen für seine Party zu tun. Er bekam eine Torte mit Zuckerguß und drei Kerzen, und auf der Torte stand sein Name in Rosa, und ... « »Ja, jetzt weiß ich es wieder«, sagte Christopher Robin.


SIEBTES KAPITEL

-In welchem Känga und
Klein Ruh in den Wald kommen
und Ferkel ein Bad nimmt

Niemand schien zu wissen, woher sie kamen, aber da waren sie nun, im Wald: Känga und Klein Ruh. Als Pu Christopher Robin fragte: »Wie sind sie hierhergekommen?« sagte Christopher Robin: »Auf die übliche Weise, wenn du weißt, was ich meine, Pu«, und Pu, der nicht wußte, was Christopher Robin meinte, sagte: »Aha!« Dann nickte er zweimal mit dem Kopf und sagte: » Auf die übliche Weise. Soso!« Dann ging er, um seinen Freund Ferkel zu besuchen und zu erfahren, was es davon hielt. Und bei Ferkel fand er Kaninchen. So sprachen sie gemeinsam darüber.
»Was mir daran nicht gefällt, ist folgendes«, sagte Kaninchen. »Hier sind wir - du, Pu, und du, Ferkel, und ich und plötzlich ... «
»Und I-Ah«, sagte Pu.
»Und I-Ah - und plötzlich ... «
»Und Eule «, sagte Pu.
»Und Eule - und dann, ganz plötzlich ... «
»Ach, und I-Ah «, sagte Pu. » Ihn hatte ich vergessen.«
»Hier. Sind. Wir«, sagte Kaninchen sehr langsam und betont. »Wir. Alle. Und dann, plötzlich, wachen wir eines Morgens auf, und was finden wir? Wir finden ein fremdes Tier unter uns. Ein Tier, von dem wir nie auch nur gehört haben! Ein Tier, das seine Familie in der Tasche mit sich herumschleppt! Angenommen, ich schleppte meine Familie in meiner Tasche mit mir herum - wie viele Taschen ich da wohl brauchte?«
»Sechzehn«, sagte Ferkel.
»Siebzehn, stimmt's?« sagte Kaninchen. »Und noch eine für ein Taschentuch; das macht achtzehn. Ich bitte euch.«
Es trat eine lange, nachdenkliche Pause ein, und dann sagte Pu, der seit mehreren Minuten die Stirn heftig gerunzelt hatte: »Bei mir sind es fünfzehn.«
»Was?« sagte Kaninchen. »Fünfzehn.«
»Fünfzehn was?«
»Deine Familie.«
»Was ist mit meiner Familie?«
Pu rieb sich die Nase und sagte, er habe geglaubt, Kaninchen habe über seine Familie gesprochen.
»Tatsächlich?« sagte Kaninchen zerstreut.
»Ja, du hast gesagt ... «
»Das ist doch ganz egal, Pu«, sagte Ferkel ungeduldig.
»Die Frage ist: Was sollen wir mit Känga machen?«
»Ah, verstehe«, sagte Pu.
»Das beste«, sagte Kaninchen, »wäre dies. Das beste wäre, Klein Ruh zu stehlen und es zu verstecken, und wenn dann Känga sagt: >Wo ist Klein Ruh?< sagen wir: Aha!,
>Aha!< sagte Pu zur Übung. »Aha! Aha!... Wir könnten natürlich«, fuhr er fort, »auch >Aha!< sagen, wenn wir Klein Ruh nicht gestohlen hätten.«
»Pu«, sagte Kaninchen freundlich, »du hast nicht den geringsten Verstand.«
»Ich weiß«, sagte Pu demütig.
»Wir sagen >Aha!<, damit Känga weiß, daß wir wissen, wo Klein Ruh ist. >Aha!< bedeutet: >Wir werden dir sagen, wo Klein Ruh ist, wenn du uns versprichst, daß du aus dem Wald verschwindest und nie wiederkommst.< Jetzt redet nicht, während ich denke.«
Pu ging in eine Ecke und versuchte, mit dieser speziellen Stimme >Aha!<, zu sagen. Manchmal kam es ihm so vor, als bedeute es das, was Kaninchen gesagt hatte, und manchmal kam es ihm nicht so vor. Ich glaube, es liegt nur an der Übung, dachte er. Ich frage mich, ob Känga auch üben muß, um es zu verstehen.
»Nur eine Frage«, sagte Ferkel und zappelte ein bißchen. »Ich habe mit Christopher Robin gesprochen, und er sagte, daß ein Känga im allgemeinen als eins der wilderen Tiere angesehen wird. Ich habe zwar vor ganz normal wilden Tieren keine Angst, aber es ist wohlbekannt, daß eins der wilderen Tiere, wenn man es seines Jungen beraubt, so wild wird wie zwei der wilderen Tiere. In welchem Fall es vielleicht dumm wäre, >Aha!< zu sagen.«
»Ferkel«, sagte Kaninchen, zog einen Bleistift hervor und leckte ihn an, »du hast nicht den geringsten Mumm.«
»Es ist schwer, tapfer zu sein«, sagte Ferkel und schniefte leise, »wenn man nur ein sehr kleines Tier ist.«.
Kaninchen, das eifrig zu schreiben begonnen hatte, blickte auf und sagte:
»Weil du ein sehr kleines Tier bist, wirst du in dem vor uns liegenden Abenteuer nützlich sein.«
Ferkel war bei dem Gedanken daran, nützlich zu sein, so aufgeregt, daß es vergaß, weiter Angst zu haben, und als Kaninchen weitersprach und sagte, Kängas seien nur während der Wintermonate wild, sonst aber von zärtlicher Veranlagung, konnte es kaum noch stillsitzen, so sehr brannte es darauf, sofort nützlich zu sein.
»Was ist mit mir?« sagte Pu traurig. »Ich werde wohl nicht nützlich sein?«
»Macht nichts, Pu«, tröstete ihn Ferkel. »Vielleicht ein andermal.«
»Ohne Pu«, sagte Kaninchen, während es seinen Bleistift anspitzte, »wäre das Abenteuer unmöglich.«
»Ach!« sagte Ferkel und versuchte, nicht enttäuscht auszusehen. Aber Pu ging in eine Ecke des Zimmers und sagte stolz bei sich: »Unmöglich ohne mich! Diese Sorte Bär.« »Jetzt hört mal alle zu«, sagte Kaninchen, als es fertiggeschrieben hatte, und Pu und Ferkel hörten sehr aufmerksam mit offenem Mund zu. Dies ist der Text, den Kaninchen vorlas:

PLAN ZUR ENTFÜHRUNG VON KLEIN RUH

Stolz las Kaninchen dies vor, und nachdem es dies vorgelesen hatte, sagte längere Zeit niemand etwas. Und dann gelang es Ferkel, welches lautlos den Mund auf- und zugemacht hatte, zu sagen:
»Und - danach?«
»Was willst du damit sagen?«
»Wenn Känga den Unterschied bemerkt«
»Dann sagen wir alle: >Aha!< «
»Wir alle drei?«
»Ja.«
»Oh!«
»Was hast du denn noch für Bedenken, Ferkel?«
»Keine«, sagte Ferkel, »solange wir alle drei es sagen. Solange wir alle drei es sagen«, sagte Ferkel, »ist es mir recht«, sagte es, »aber es wäre mir gar nicht lieb, allein >Aha!< zu sagen. Das würde sich längst nicht so gut anhören. Übrigens«, sagte es, »du bist dir doch ganz sicher mit dem, was du über die Wintermonate gesagt hast?«
» Die Wintermonate?«
»Ja, daß sie nur in den Wintermonaten wild sind.«
»Oh, ja, ja, damit hat es seine Richtigkeit. Nun, Pu? Du siehst, was du zu tun hast?« »Nein«, sagte Pu Bär. »Noch nicht«, sagte er. »Was tue ich denn?«
»Du brauchst nur sehr heftig auf Känga einzureden, damit sie nichts bemerkt.«
»Ach! Worüber denn?«
»Worüber du willst.«
»Du meinst, ich soll ihr ein paar Verse aufsagen oder so?«
»Genau«, sagte Kaninchen. »Großartig. Und jetzt kommt mit.«

Also gingen sie alle los, um Känga zu suchen.
Känga und Ruh verbrachten einen ruhigen Nachmittag an einer sandigen Stelle des Waldes. Klein Ruh übte sehr kleine Sprünge im Sand und fiel in Mauselöcher und kletterte wieder heraus,
und Känga rannte unruhig auf und ab und sagte: »Nur noch ein Sprung, Liebling, und dann müssen wir nach Hause.« Und in diesem Augenblick kam kein anderer als Pu den Hügel heraufgestapft

»Guten Tag, Känga.«
»Guten Tag, Pu.«
«Kuck mal, wie ich springe«, quietschte Ruh und fiel in ein weiteres Mauseloch.
»Hallo, Ruh, mein Kleiner!«
»Wir wollten gerade nach Hause«, sagte Känga. »Guten Tag, Kaninchen. Guten Tag, Ferkel.«
Kaninchen und Ferkel, die jetzt von der anderen Seite des Hügels heraufgekommen waren, sagten
»Guten Tag« und »Hallo, Ruh«, und Ruh bat sie, ihm beim Springen zuzusehen; also blieben sie und sahen zu. Und Känga sah ebenfalls zu...
»Ach, Känga«, sagte Pu, nachdem Kaninchen ihm zugezwinkert hatten, «ich weiß nicht, ob du dich überhaupt für Verse interessierst.«
»Nicht nennenswert«, sagte Känga.
»Ach!« sagte Pu.
»Ruh, mein Liebling, nur noch ein Sprung, und dann gehen wir nach Hause.«
Es wurde kurz still, während Ruh in ein weiteres Mal in ein Mauseloch fiel.
»Weiter«, sagte Kaninchen laut flüsternd hinter der Pfote hervor.
»Da wir gerade über Verse sprechen«, sagte Pu, »ich habe mir auf dem Weg hierher etwas Kleines einfallen lassen. Es ging so. Äh ... Mal sehen ... «
»Wie schön!« sagte Känga. »So, Ruh, mein Liebling ... «
»Diese Verse werden dir gefallen«, sagte Kaninchen.
»Du wirst sie lieben«, sagte Ferkel.
»Du mußt sehr aufmerksam zuhören, sagte Kaninchen.
»Damit du nichts verpaßt«, sagte Ferkel.
»Aber ja«, sagte Känga, aber sie sah immer noch Ruh an.
»Wie ging es noch gleich, Pu?« sagte Kaninchen.
Pu räusperte sich und fing an:



Ferkel nimmt ein Bad

ZEILEN, VON EINEM BÄREN MIT SEHR WENIG VERSTAND GESCHRIEBEN

»Ja, nicht wahr?« sagte Känga, die nicht darauf wartete, was am Freitag passierte.
»Nur noch ein Sprung, Ruh, Liebes, und dann müssen wir aber weg.«
Kaninchen versetzte Pu einen Wird's-bald-Stups.
»Da wir gerade von Versen sprechen«, sagte Pu schnell, »hast du jemals den Baum dort drüben bemerkt?«
»Wo?« sagte Känga. »Komm jetzt, Ruh ... «
»Genau da drüben«, sagte Pu und zeigte hinter Kängas Rücken.
»Nein«, sagte Känga. »jetzt spring rein, Ruh, mein Liebling, und dann gehen wir nach Hause.«
»Du solltest dir den Baum dort drüben ansehen«, sagte Kaninchen. »Soll ich dich in den Beutel stecken, Ruh?« Und es hob Ruh mit den Pfoten auf.
»Ich kann von hier aus einen Vogel auf dem Baum sehen«, sagte Pu. »Oder ist es ein Fisch
»Du müßtest von hier aus einen Vogel sehen können«, sagte Kaninchen. »Falls es kein Fisch ist.«
»Es ist kein Fisch, es ist ein Vogel«, sagte Ferkel.
»Stimmt«, sagte Kaninchen.
»Ist es ein Star oder eine Amsel?« sagte Pu.
»Das ist die große Frage«, sagte Kaninchen. »Ist es eine Amsel oder ein Star?«
Und dann wandte Känga endlich den Kopf, um nachzusehen. Und sobald sie den Kopf gewandt hatte, sagte Kaninchen mit lauter Stimme: »Hinein mit dir, Ruh!«, und Ferkel sprang in Kängas Tasche, und Kaninchen hoppelte mit Ruh in den Pfoten, so schnell es konnte, davon.
»Wo ist denn Kaninchen?« sagte Känga, die sich wieder umgedreht hatte.
»Wie geht es dir, Ruh, mein Liebling?«

Ferkel machte ganz tief in Kängas Beutel ein quiekendes Ruh-Geräusch.
»Kaninchen mußte fort«, sagte Pu. »Ich glaube, es hat an etwas gedacht, was es ganz plötzlich erledigen mußte.«
»Und Ferkel?«
»Ich glaube, Ferkel hat zur selben Zeit an etwas gedacht. Ganz plötzlich.«
»Na, wir müssen jedenfalls nach Hause«, sagte Känga.
»Lebe wohl, Pu.« Und mit drei großen Sprüngen war sie weg.
Pu sah ihr nach.
Ich wäre froh, wenn ich auch so springen könnte, dachte er. Manche können es und manche können es nicht. So ist das nun mal.
Aber es gab Augenblicke, in denen Ferkel froh gewesen wäre, wenn Känga es nicht gekonnt hätte. Oft, wenn es auf dem langen Heimweg durch den Wald gewesen war, hatte es sich gewünscht, ein Vogel zu sein, aber jetzt dachte es ruckartig tief unten in Kängas Beutel:

Wenn dies Fliegen ist, werde ich mich nie wirklich daran gewöhnen.

Und wenn es in die Luft ging, sagte Ferkel: »Uuuuuuuj!« Und wenn es wieder herunterkam, sagte Ferkel: »Au!« Und auf dem ganzen Weg zu Kängas Wohnung sagte es: » Uuuuuuuj-au, uuuuuuuj-au, uuuuuuuj-au!«
Natürlich sah Känga sofort, als sie ihren Beutel aufknöpfte, was geschehen war. Nur einen Augenblick lang dachte sie, sie hätte Angst, aber dann wußte sie, daß sie keine Angst hatte, denn sie war sicher, daß Christopher Robin nie zulassen würde, daß Ruh etwas Böses geschähe. Also sagte sie sich: »Wenn die sich mit mir einen Scherz erlauben wollen, werde ich mir mit ihnen einen erlauben.«
»Also, Ruh, mein Liebes«, sagte sie, als sie Ferkel aus dem Beutel holte. »Zeit, ins Bett zu gehen.«
»Aha!« sagte Ferkel, so gut es nach der entsetzlichen Reise konnte. Aber es war kein sehr gutes »Aha!«, und Känga schien nicht zu verstehen, was es bedeutete.
»Zuerst baden«, sagte Känga mit munterer Stimme.
»Aha!« sagte Ferkel wieder und sah sich besorgt nach den anderen um. Aber die anderen waren nicht da. Kaninchen spielte bei sich zu Hause mit Klein Ruh und mochte das kleine Tier von Minute zu Minute lieber, und Pu, der beschlossen hatte, ein Känga zu sein, war immer noch bei der sandigen Stelle oben im Wald und übte Sprünge.
»Ich weiß gar nicht mal«, sagte Känga nachdenklich, »ob es nicht eine gute Idee wäre, heute abend ein kaltes Bad zu nehmen. Würde dir das gefallen, Ruh, mein Liebling?«
Ferkel, welches Bäder noch nie sonderlich gemocht hatte, schauderte lange empört und sagte dann mit so tapferer Stimme wie möglich:
»Känga, ich weiß, daß nun die Zeit für ein offenes Wort kommen ist.«
»Klein Ruh, du bist komisch«, sagte Känga, als sie das Badewasser bereitete.
»Ich bin nicht Ruh«, sagte Ferkel laut. »Ich bin Ferkel!«
»Ja, mein Liebling, ja«, sagte Känga beruhigend. »Und dann machst du auch noch Ferkels Stimme nach! So ein schlauer Liebling«, fuhr sie fort, als sie ein großes Stück Kernseife aus dem Schrank nahm. »Was fällt dir bloß noch alles ein?«
»Kannst du nicht sehen?" rief Ferkel. »Hast du keine Augen? Sieh mich an!«
»Ich sehe dich ja, Ruh, mein Liebling«, sagte Känga ziemlich ernst. » Und du weißt, was ich dir gestern über Grimassen gesagt habe. Wenn du weiter ein Gesicht wie Ferkel machst, wirst du, wenn du groß bist, aussehen wie Ferkel -, und stell dir nur mal vor, wie leid dir das tun wird. Also, marsch in die Wanne, und jetzt möchte ich kein Wort mehr darüber verlieren müssen.«
Bevor es wußte, wie ihm geschah, war Ferkel in der Wanne, und Känga schrubbte es heftig mit einem großen Waschlappen voller Seifenschaum.
»Au!« schrie Ferkel. »Laß mich raus! Ich bin Ferkel!«
»Mach nicht den Mund auf, Liebes, sonst kommt Seife rein«, sagte Känga. »Da! Was hab ich dir gesagt?«
»Das... das... das hast du mit Absicht getan«, prustete Ferkel, sobald es wieder sprechen konnte, und dann bekam es zufällig einen weiteren Mundvoll Waschlappen mit Seifenschaum zu kosten.
»So ist es recht, Liebes, sag nichts«, sagte Känga, und im nächsten Augenblick wurde Ferkel aus der Wanne gehoben und mit einem Handtuch trockengerubbelt. »Jetzt«, sagte Känga, »kommt noch deine Medizin, und dann geht's ins Bett.«
»W-w-was für eine Medizin?« sagte Ferkel.
»Damit du groß und stark wirst, Liebling. Du willst doch nicht so klein und schwach werden wie Ferkel, stimmt's? Also los!«

In diesem Augenblick wurde an die Tür geklopft.

»Herein«, sagte Känga, und Christopher Robin kam herein.
»Christopher Robin, Christopher Robin!« schrie Ferkel.
»Sag Känga, wer ich bin! Sie behauptet ständig, ich wäre Ruh. Ich bin aber nicht Ruh, stimmt's?«
Christopher Robin sah Ferkel sehr sorgfältig an und schüttelte den Kopf.
»Du kannst nicht Ruh sein«, sagte er, »weil ich Ruh gerade in Kaninchens Wohnung beim Spielen gesehen habe.«
»Soso!« sagte Känga. »Sonderbar! Sehr sonderbar, daß mir ein solcher Fehler unterlaufen sein sollte.«
»Siehst du!« sagte Ferkel. »Ich hab's dir doch gesagt. Ich bin Ferkel.«
Christopher Robin schüttelte wieder den Kopf.
»Du bist aber nicht Ferkel«, sagte er. »Ich kenne Ferkel gut, und es hat eine ganz andere Farbe.«
Ferkel wollte gerade sagen, das liege daran, daß es gerade gebadet habe, und dann dachte es, daß es dies vielleicht doch nicht sagen wollte, und als es den Mund aufmachte, um etwas anderes zu sagen, stopfte ihm Känga den Löffel mit der Medizin hinein und klopfte ihm dann auf den Rücken und sagte, der Geschmack sei doch eigentlich recht angenehm, wenn man sich erst mal daran gewöhnt habe.
»Ich wußte doch, daß es nicht Ferkel sein kann«, sagte Känga. »Ich frage mich, wer es sein kann.«
»Vielleicht irgendein Verwandter von Pu«, sagte Christopher Robin. »Vielleicht ein Neffe oder ein Onkel oder so was?«
Känga gab ihm recht und sagte, das sei es wahrscheinlich, und sagte, sie müßten es mit irgendeinem Namen anreden.
»Ich werde es Putel nennen«, sagte Christopher Robin. »Das ist die Abkürzung von Heinz Putel
Und gerade als dies beschlossene Sache war, schlängelte sich Heinz Putel aus Kängas Armen und sprang auf den Fußboden. Zu seiner großen Freude hatte Christopher Robin die Tür offengelassen. Nie war Heinz Putel-Ferkel so schnell gerannt wie diesmal, und es hörte nicht auf zu rennen, bis es ganz nah bei seiner Wohnung war. Aber als es nur noch hundert Meter entfernt war, hörte es auf zu rennen und rollte den Rest des Weges nach Hause, um wieder seine eigene angenehme Farbe zu bekommen...

Also blieben Känga und Ruh im Wald. Und jeden Dienstag verbrachte Ruh mit seinem großen Freund Kaninchen, und jeden Dienstag verbrachte Känga mit ihrem großen Freund Pu, indem sie ihm Springen beibrachte, und jeden Dienstag verbrachte Ferkel mit seinem großen Freund Christopher Robin. So waren sie alle wieder glücklich.

ACHTES KAPITEL

-In welchem Christopher Robin eine Expotition zum Nordpol leitet

Eines schönen Tages war Pu in den obersten Teil des Waldes gestapft, um zu sehen, ob sich Christopher Robin überhaupt noch für Bären interessierte.
Zum Frühstück an jenem Morgen (nur eine einfache Mahlzeit aus Orangenmarmelade, dünn auf eine bis zwei Honigwaben gestrichen) war ihm plötzlich ein neues Lied eingefallen. Es fing so an:

»Singt Ho! der Bär soll leben.«

Als er soweit gekommen war, kratzte er sich am Kopf und dachte bei sich: Das ist ein sehr guter Anfang für ein Lied, aber was ist mit der zweiten Zeile? Er versuchte, zwei- bis dreimal »Ho« zu singen, aber das schien auch nicht zu helfen. Vielleicht wäre es besser, dachte er, wenn ich »Singt Hei! der Bär soll leben« sänge. Also sang er es... Aber es war nicht besser. »Na gut«, sagte er, »ich werde diese erste Zeile zweimal singen, und vielleicht, wenn ich sie sehr schnell singe, werde ich bemerken, daß ich die dritte und die vierte Zeile singe, ohne vorher Zeit zu haben, über sie nachzudenken, und das ist dann ein gutes Lied.

Er war so zufrieden mit diesem Lied, daß er es den ganzen Weg über sang, bis ganz oben im Wald. Und wenn ich es noch sehr viel länger singe, dachte er, wird es Zeit für den kleinen Mundvoll, und dann stimmt die letzte Zeile nicht mehr, weil ich dann nicht ab und zu einen kleinen Mundvoll brauche, sondern sofort.

Deshalb wandelte er den Gesang in ein Gesumm um.

Christopher Robin saß vor seiner Tür und zog sich gerade die großen Stiefel an. Sobald Pu die großen Stiefel sah, wußte er, daß ein Abenteuer passieren würde, und er strich sich mit dem Pfotenrücken den Honig von der Nase, und er putzte sich so gut wie möglich heraus, um auszusehen, als wäre er zu allem bereit.

»Guten Morgen, Christopher Robin!« rief er.
»Hallo, Pu Bär. Ich komme nicht in diesen Stiefel.«
»Das ist schlimm«, sagte Pu.
»Meinst du, du könntest dich freundlicherweise gegen mich lehnen, weil ich immer wieder so stark ziehe, daß ich immer wieder umfalle? «
Pu setzte sich, grub seine Füße in den Boden und drückte heftig gegen Christopher Robins Rücken, und Christopher Robin drückte heftig gegen Pus Rücken, und er zog und zog an seinem Stiefel, bis er ihn angezogen hatte.
»Das war das«, sagte Pu. »Was tun wir als nächstes?«
»Wir gehen auf eine Expedition«, sagte Christopher Robin, als er aufstand und sich abbürstete. »Danke, Pu.«
»Auf eine Expotition?« sagte Pu eifrig. »Ich glaube, auf so was war ich noch nie. Wohin müssen wir, um auf diese Expotition zu kommen?«
»Expedition, dummer alter Bär. Da ist ein >X< drin.«
»Ach!« sagte Pu. »Ich weiß.«Aber das stimmte eigentlich gar nicht.
»Wir werden den Nordpohl entdecken.«
»Ach!« sagte Pu wieder. »Was ist der Nordpol?« fragte er.
»Das ist eben etwas, was man entdeckt«, sagte Christopher Robin leichthin, denn genau wußte er es auch nicht.
»Ach! Verstehe«, sagte Pu. »Sind Bären gut im Entdecken?«
»Natürlich sind sie das. Und Kaninchen und Känga und ihr alle ebenfalls. Es ist eine Expedition. Das bedeutet Expedition. Alle, und zwar in einer langen Reihe. Sag schnell den anderen Bescheid, daß sie sich fertigmachen, während ich mein Gewehr überprüfe. Und wir müssen alle Proviant mitbringen.«
»Was mitbringen? «
»Sachen zum Essen.« »Ach!« sagte Pu froh. »Ich dachte, du hättest >Proviant< gesagt. Ich gehe hin und sage Bescheid.« Und er stapfte davon.
Der erste, den er traf, war Kaninchen.
»Hallo, Kaninchen«, sagte er, »bist du das?
»Wir wollen mal so tun, als wäre ich es nicht«, sagte Kaninchen, »und sehen, was passiert.«
»Ich habe eine Nachricht für dich.
»Ich werde sie weitergeben.«
»Wir gehen alle zusammen mit Christopher Robin auf eine Expotition!«
»Was ist es, wenn wir drauf sind?«
»Eine Art Boot, glaube ich«, sagte Pu.
»Ach, die Art!«
»Ja. Und wir werden einen Pol oder so was Ähnliches entdecken. Oder war es eine Mole? Auf jeden Fall werden wir es entdecken.«
»Entdecken sollen wir das Ding?« sagte Kaninchen.
»Ja. Und wir sollen Pro-Sachen zum Essen mitbringen. Falls wir sie essen wollen. Jetzt gehe ich weiter zu Ferkel. Und du sagst es Känga weiter, ja?«
Er verließ Kaninchen und ging eilig weiter zu Ferkel. Das Ferkel saß vor seiner Haustür auf der Erde, blies fröhlich in eine Pusteblume und fragte sich, ob es wohl in diesem Jahr sein würde, im nächsten Jahr, irgendwann oder nie. Es hatte gerade entdeckt, daß es nie sein würde, und versuchte, sich zu erinnern, was »es« war, und hoffte, daß es nichts Schönes war, als Pu erschien.
»Ach, Ferkel«, sagte Pu aufgeregt, »wir gehen auf eine Expotition, wir alle, mit Sachen zum Essen. Um etwas zu entdecken.«
»Um was zu entdecken? « fragte Ferkel besorgt.
»Ach, irgendwas!«
»Nichts Wildes?«
»Von >wild<, hat Christopher Robin nichts gesagt. Er sagte nur, es hätte ein >X<.«
»Ihre X-Beine machen mir nichts aus«, sagte Ferkel ernst »sondern ihre Zähne. Aber wenn Christopher Robin mitkommt, macht mir nichts was aus.«
Nach kurzer Zeit waren alle oben im Wald versammelt und die Expotition fing an. Zuerst kamen Christopher Robin und Kaninchen, dann Ferkel und Pu; dann Känga mit Ruh in ihrem Beutel und Eule; dann I-Ah; dann, zum Schluß, Kaninchens sämtliche Bekannten und Verwandten.
»Ich habe sie nicht dazugebeten«, erklärte Kaninchen leichthin. »Sie sind einfach so gekommen. Das tun sie
immer. Sie können am Schluß marschieren, hinter I-Ah.«
»Ich kann nur sagen«, sagte I-Ah, »daß dies beunruhigend ist. Ich wollte gar nicht mitkommen auf diese Expo - was Pu gesagt hat. Ich bin nur gekommen, um gefällig zu sein. Aber jetzt bin ich da, und wenn ich das Ende der Expo wovon wir gerade reden - sein soll, dann laßt mich auch das Ende sein. Aber wenn ich jedesmal, wenn ich mich für eine kurze Verschnaufpause hinsetzen möchte, zuerst ein halbes Dutzend von Kaninchens kleineren Bekannten und Verwandten abbürsten muß, dann ist das in meinen Augen keine Expo - also das, was es ist - mehr, sondern ganz einfach heillose Verwirrung, noch dazu mit Lärm verbunden. Mehr kann ich dazu nicht sagen.«
»Ich verstehe, wasss I-Ah meint«, sagte Eule. »Wenn ihr ich fragt ...«
Ich frage niemanden nach seiner Meinung«, sagte I-Ah, ich sage lediglich jedem meine Meinung. Wir können den Nordpol suchen, oder wir können >Ringel Ringel Rosen<, auf einem Ameisenhaufen tanzen. Ist mir eins so lieb wie das andere.«
Von ganz vorne ertönte ein Ruf.
»Wird's bald?« rief Christopher Robin.
»Wird's bald?« riefen Pu und Ferkel.
»Wird'sss bald?« rief Eule.
»Wir starten«, sagte Kaninchen. »Ich muß los.« Und es hoppelte eilig an die Spitze der Expotition zu Christopher Robin.
»Na schön«, sagte I-Ah. »Es geht los. Aber macht mir nachher keine Vorwürfe.«
Also gingen sie alle los, um den Pol zu entdecken. Und wie sie so gingen, schwatzten sie miteinander über dies und das, alle außer Pu, der gerade ein Lied dichtete.
»Dies ist die erste Strophe«, sagte er zu Ferkel, als er damit fertig war.
»Die erste Strophe wovon?«
»Von meinem Lied.«
»Von welchem Lied?«
»Von diesem.«
»Von welchem?«
»Wenn du zuhörst, Ferkel, wirst du es hören.«
»Wer sagt denn, daß ich nicht zuhöre?«

Darauf wußte Pu keine Antwort; also fing er an zu singen.

»Pst!« sagte Christopher Robin und drehte sich zu Pu um.
»Wir kommen gerade an eine gefährliche Stelle.«
»Pst!« sagte Pu und drehte sich schnell zu Ferkel um.
»Pst!« sagte Ferkel zu Känga.
»Pst!« sagte Känga zu Eule, während Ruh mehrmals sehr leise »Pst!« zu sich selbst sagte.
»Pssssst!« sagte Eule zu I-Ah.
»Pst!« sagte I-Ah mit einer schrecklichen Stimme zu Kaninchens sämtlichen Bekannten und Verwandten, und »Pst!« sagten sie der Reihe nach bis ganz hinten zueinander, bis es den allerletzten erreicht hatte. Und der letzte und kleinste Bekannte und Verwandte war so erschüttert davon, daß die gesamte Expotition »Pst!« zu ihm sagte, daß er sich mit dem Kopf nach unten in einer Spalte im Boden vergrub und zwei Tage dort blieb, bis die Gefahr vorüber war, und dann in großer Eile nach Hause ging und mit seiner Tante ein stilles Leben führte, und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er heute noch. Er hieß Alexander Käfer.
Sie waren an einen Bach gekommen, der sich zwischen hohen, felsigen Ufern schlängelte und tummelte, und Christopher Robin sah sofort, wie gefährlich es war.
»Das ist genau der Ort« erläuterte er, »für einen Hinterhalt.«
»Was für ein Wald? « flüsterte Pu Ferkel zu. »Ein Ginsterwald?«
»Mein lieber Pu«, sagte Eule in ihrer überlegenen Art, »weißßßt du etwa nicht, wasss ein Hinterhalt issst?«
»Eule«, sagte Ferkel und sah sich ernst nach ihr um, »Pus Geflüster war ein streng vertrauliches Geflüster, und es bestand kein Grund ...«
»Ein Hinterhalt«, sagte Eule, »issst eine Art Überraschung.«
»Das ist ein Stechginsterwald auch manchmal«, sagte Pu.
»Ein Hinterhalt, wie ich Pu gerade erklären wollte«, sagte Ferkel, »ist eine Art Überraschung.«
»Wenn sich plötzzzlich Leute auf einen stürzzzen - dasss issst ein Hinterhalt«, sagte Eule.
»Ein Hinterhalt ist es, Pu, wenn sich plötzlich Leute auf dich stürzen«, erklärte Ferkel.
Pu, der jetzt wußte, was ein Hinterhalt war, sagte, ein Stechginsterbusch habe sich eines Tages ganz plötzlich auf ihn gestürzt, als er von einem Baum gefallen sei, und er habe sechs Tage gebraucht, bis er alle Stacheln aus sich herausgezogen hatte.
»Wir sprechen aber gar nicht über Stechginssster«, sagte Eule etwas übellaunig.
»Ich aber«, sagte Pu.
Sie stiegen nun sehr vorsichtig bachaufwärts weiter, von Felsen zu Felsen, und nachdem sie ein kleines Stück Weges zurückgelegt hatten, kamen sie an eine Stelle, auf der die Uferstreifen zu beiden Seiten breiter wurden, und etwas Gras gab es dort auch, so daß sie sich setzen und ausruhen konnten. Sobald sie diese Stelle sahen, rief Christopher Robin. »Halt!«, und alle setzten sich und verschnauften.
»Ich glaube«, sagte Christopher Robin, »wir sollten jetzt unseren gesamten Proviant aufessen, damit wir nicht soviel zu tragen haben.«
»Unseren gesamten was aufessen?« fragte Pu.


Winnie Pooh endeckt den Nordpol

»Alles was wir mitgebracht haben«, sagte Ferkel und sich an die Arbeit.
»Das ist eine gute Idee«, sagte Pu und machte sich ebenfalls an die Arbeit.
»Habt ihr alle etwas?« fragte Christopher Robin mit vollem Mund.
»Alle außer mir«, sagte I-Ah. »Wie üblich.« Er sah sich erbittert nach ihnen um. »Ich vermute, keiner von euch sitzt zufällig auf einer Distel
»Ich glaube, ich«, sagte Pu. »Au!« Er stand auf und blickte hinter sich. »Ich glaube, ich«, sagte Pu.

»Au!« Er stand auf und blickte hinter sich. »Ja, ich habe auf einer Distel gesessen. Hatte ich's mir doch gedacht.«
»Danke, Pu. Wenn du sie nicht mehr brauchst ...« I-Ah ging dorthin, wo Pu gesessen hatte, und begann seine Mahlzeit.
»Davon werden sie nämlich nicht besser, wenn man auf ihnen sitzt«, fuhr er fort, als er kauend den Kopf hob. »Das nimmt ihnen die ganze Frische. Denkt nächstes mal daran, ihr alle. Ein bißchen Rücksicht, auch mal ein bißchen an andere denken - und gleich sieht alles ganz anders aus.«
Sobald er mit seinem Mittagessen fertig war, flüsterte Christopher Robin Kaninchen etwas zu, und Kaninchen sagte: »Ja, ja, natürlich«, und die beiden gingen zusammen ein kleines Stück den Bach hinauf.
»Ich wollte nicht, daß die anderen es hören«, sagte Christopher Robin.
»Völlig klar«, sagte Kaninchen und sah wichtig aus.
»Es ist nur... Ich habe mich gefragt... Es geht nur darum, daß... Kaninchen, ich glaube, du weißt es auch nicht. Wie sieht der Nordpohl aus?«
»Tja«, sagte Kaninchen und strich sich den Schnurrbart,» das fragst du mich jetzt.« »Ich wußte es mal, ich habe es nur irgendwie vergessen«, sagte Christopher Robin leichthin.
»Das ist merkwürdig«, sagte Kaninchen, »aber ich habe es auch vergessen, obwohl ich es mal gewußt habe.«
»Ich nehme an, er ist einfach ein Pfahl oder Pol oder so, der irgendwie im Boden steckt, oder?«
»Bestimmt ist er ein Pfahl«, sagte Kaninchen, »sonst würde man ihn ja nicht einen Pohl nennen, und wenn er ein Pol ist, dann würde ich doch annehmen, daß er im Boden steckt, meinst du nicht auch, denn wo soll man ihn sonst reinstecken.«
»Ja, das habe ich mir auch gedacht.«
»Das einzige, was wir jetzt noch wissen müssen«, sagte Kaninchen, »ist folgendes: Wo steckt er?«
»Das suchen wir ja gerade«, sagte Christopher Robin.
Sie gingen zurück zu den anderen. Ferkel lag auf dem Rücken und schlief friedlich. Ruh wusch sich Gesicht und Pfoten im Bach, während Känga jedem stolz erklärte, daß Ruh sich heute zum erstenmal selbst das Gesicht wusch,
und Eule erzählte Känga eine interessante Anekdote voll langer Wörter wie Enzyklopädie und Rhododendron, welcher Känga nicht zuhörte.
»Ich halte nichts von dieser ganzen Wascherei«, murrte I-Ah. »Dieser moderne Hinter-den-Ohren-Unsinn. Was meinst du, Pu?«
»Tja«, sagte Pu, »ich meine ...«
Aber wir werden nie erfahren, was Pu meinte, denn nacheinander kamen ein plötzliches Quieken und ein Platschen von Ruh und ein lauter Alarmschrei von Känga. »Soviel zum Thema Waschen«, sagte I-Ah.
»Ruh ist ins Wasser gefallen!« schrie Kaninchen und kam zusammen mit Christopher Robin zur Rettung angerannt.
»Seht mal, wie ich schwimme!« quiekte Ruh mitten in seinem kleinen Teich und wurde einen Wasserfall hinunter und in den nächsten kleinen Teich gerissen.
»Geht es dir gut, Ruh, mein Liebling?« rief Känga ängstlich.
»Ja!« sagte Ruh. »Seht mal, wie ich schw ...« Und mit dem nächsten Wasserfall ging es hinunter in den nächsten kleinen Teich.
Jeder unternahm etwas, um zu helfen. Ferkel, plötzlich hellwach, hüpfte auf und ab und machte Geräusche, die sich wie »Oha aber auch« anhörten; Eule erklärte, daß es in einem Fall unvermittelten und vorübergehenden Eintauchens in Wasser von größter Wichtigkeit sei, den Kopf über demselben zu halten; Känga sprang am Bach entlang und sagte: »Bist du sicher, daß es dir gutgeht, Ruh, mein Liebling? «, worauf Ruh, aus dem kleinen Teich, in dem es gerade war, antwortete: »Seht mal, wie ich schwimme!« I-Ah hatte sich umgedreht und seinen Schwanz in den ersten Teich gehängt, in den, in welchen Ruh gefallen war, und mit dem Rücken zum Schauplatz des Unfalls grummelte er leise vor sich hin: »Immer diese Wascherei; aber halt dich einfach an meinem Schwanz fest, Klein Ruh, dann kann dir gar nichts passieren«, und Christopher Robin und Kaninchen stürmten an I-Ah vorbei und riefen den anderen vor ihnen Nützliches zu.
»Schon gut, Ruh, ich komme«, rief Christopher Robin.
»Legt weiter unten irgendwas Langes über den Bach, ihr Burschen«, rief Kaninchen.
Aber Pu holte bereits etwas. Zwei Teiche unter Ruh stand er mit einem langen Pfahl in den Pfoten, und Känga nahm am anderen Ufer das andere Ende, und sie hielten den Pfahl zwischen sich über den unteren Teil des Teiches, und Ruh, das immer noch stolz »Seht mal, wie ich schwimmen kann« blubberte, trieb gegen den Pfahl und kletterte aus dem Wasser.
»Habt ihr gesehen, wie ich geschwommen bin?« quiekte Ruh aufgeregt, während es von Känga ausgeschimpft und abgetrocknet wurde. »Pu, hast du gesehen, wie ich geschwommen bin? Das nennt man nämlich Schwimmen, was ich gerade getan habe. Kaninchen, hast du gesehen, was ich gemacht habe? Ich bin geschwommen. Hallo, Ferkel! Ferkel, hörst du mich? Rate mal, was ich gerade getan habe! Geschwommen bin ich! Christopher Robin, hast du gesehen,wie ich ...«
Aber Christopher Robin hörte nicht zu. Er sah Pu an.
»Pu«, sagte er, »wo hast du diesen Pfahl gefunden?«
Pu betrachtete den Pfahl in seinen Händen.
»Ich habe ihn gerade gefunden«, sagte er. »Ich dachte, er könnte vielleicht nützlich sein. Ich habe ihn einfach aufgehoben.«
»Pu«, sagte Christopher Robin feierlich, »die Expedition ist vorbei. Du hast den Nordpol gefunden!«
»Ach!« sagte Pu.
I-Ah saß am Ufer und hielt den Schwanz ins Wasser, als alle zu ihm zurückkehrten. »Kann jemand mal Ruh sagen, daß er sich beeilen soll«, sagte er. »Mein Schwanz wird kalt. Ich will es ja gar nicht erwähnen, aber ich erwähne es nur. Ich will mich nicht beklagen, aber so ist es nun mal. Mein Schwanz wird kalt.«
»Hier bin ich!« quiekte Ruh.
»Ach, da bist du ja.«
»Hast du gesehen, wie ich geschwommen bin?«
I-Ah zog den Schwanz aus dem Wasser und schwenkte ihn von links nach rechts.
»Wie ich erwartet hatte«, sagte er. »Kein Gefühl mehr drin. Völlig abgestorben. Genau das ist nämlich passiert. Abgestorben. Na ja, solange das niemanden stört, ist es wohl auch nicht weiter schlimm.«
»Armer alter I-Ah! Ich trockne ihn dir ab«, sagte Christopher Robin, nahm sein Taschentuch und rubbelte ihn ab.
»Danke, Christopher Robin. Du bist der einzige, der etwas von Schwänzen zu verstehen scheint. Die anderen denken nicht; so sieht es nämlich bei manchen aus. Sie haben keine Phantasie. Für sie ist ein Schwanz kein Schwanz, sondern nur eine kleine Zugabe hinten am Rücken.«
»Laß sie doch, I-Ah«, sagte Christopher Robin und rubbelte, so stark er konnte. »Ist das besser?«
»Es fühlt sich vielleicht mehr wie ein Schwanz an. Es gehört wieder dazu, falls du weißt, was ich meine.«
»Hallo, I-Ah«, sagte Pu, der mit seinem Pfahl zu ihnen kam.
»Hallo, Pu. Danke der Nachfrage, aber in ein bis zwei Tagen werde ich ihn wieder benutzen können.«
»Was benutzen?«
»Das, worüber wir gerade reden.«
»Ich habe über gar nichts geredet«, sagte Pu und sah verdutzt aus.
»Wieder mein Fehler. Ich dachte, du hättest gesagt, wie leid dir die Sache mit meinem Schwanz tut, daß er völlig abgestorben ist, und ob du vielleicht irgendwie behilflich sein könntest.«
»Nein«, sagte Pu. »Das war ich nicht«, sagte er. Er dachte ein bißchen nach und schlug dann hilfsbereit vor: »Vielleicht war es jemand anderes.«
»Na, dann richte ihm einen schönen Dank von mir aus, wenn du ihn siehst.«
Pu sah Christopher Robin besorgt an.
»Pu hat den Nordpol gefunden«, sagte Christopher Robin. »Ist das nicht wunderschön?«
Pu sah bescheiden zu Boden.
»Ist er das?« sagte I-Ah.
»Ja«, sagte Christopher Robin.
» Das, was wir gesucht haben?«
»Ja«, sagte Pu.
»Ach!« sagte I-Ah. »Na... jedenfalls hat es nicht geregnet«, sagte er.

Sie steckten den Pfahl in den Boden, und Christopher Robin befestigte eine Botschaft daran:

Siehe Bild


Neuntes Kapitel

-In welchem Ferkel völlig von Wasser umgeben ist

Es regnete und regnete und regnete, Ferkel sagte sich, daß es in seinem ganzen Leben noch nie - und es, Ferkel, war nun wirklich weiß Gott wie alt - drei, oder ? Oder vier? soviel Regen gesehen hatte. Tage-, tage-, tagelang.
Wenn ich doch, dachte es, als es aus dem Fenster blickte, in Pus Wohnung gewesen wäre oder in Christopher Robins Wohnung oder in Kaninchens Wohnung, als es anfing zu regnen, dann hätte ich die ganze Zeit Gesellschaft gehabt, anstatt hier ganz allein zu sein und nichts zu tun zu haben, als mich zu fragen, wann es wieder aufhört. Und es stellte sich selbst zusammen mit Pu vor, wie es sagte: »Hast du jemals einen solchen Regen gesehen, Pu?«, und wie Pu sagte: »Ist es nicht gräßlich, Ferkel?«, und wie Ferkel sagte: »Wie es wohl bei Christopher Robin aussieht?«, und wie Pu sagte: »Ich möchte annehmen, daß das arme, alte Kaninchen inzwischen völlig überflutet ist.« Es wäre richtig schön gewesen, so reden zu können, und es hatte ja auch wirklich nicht viel Sinn, etwas so Aufregendes wie eine Überschwemmung zu erleben, wenn man es mit niemandem teilen konnte.
Denn es war ziemlich aufregend. Die kleinen trockenen Gräben, in denen Ferkel so oft herumgeschnüffelt hatte, waren zu Bächen geworden; die kleinen Bäche, in denen es geplanscht hatte, waren jetzt Flüsse; und der Fluß, an dessen steilen Ufern sie so froh gespielt hatten, hatte flegelhaft sein Bett verlassen und beanspruchte überall so viel Platz, daß Ferkel sich allmählich fragte, ob er wohl bald auch in sein,
Ferkels, Bett kommen würde.

Es ist ein bißchen beängstigend«, sagte es sich, »ein sehr kleines Tier zu sein, das völlig von Wasser umgeben ist. Christopher Robin und Pu könnten entkommen, indem sie auf Bäume klettern, und Känga könnte entkommen, indem sie springt, und Kaninchen könnte durch Buddeln entkommen, und Eule könnte durch Fliegen entkommen, und I-Ah könnte dadurch entkommen, daß er... daß er lauten Lärm macht, bis er gerettet wird, und hier bin ich, von Wasser umgeben, und ich kann gar nichts tun.«

Es regnete weiter, und jeden Tag stieg das Wasser ein bißchen, und jetzt hatte es schon fast Ferkels Fenster erreicht, und Ferkel hatte immer noch nichts unternommen. Zum Beispiel Pu, dachte es. Pu hat nicht viel Verstand, aber ihm stößt nie etwas zu. Er tut das Falsche, und das stellt sich dann als das Richtige heraus. Oder Eule. Eule hat zwar nicht gerade Verstand, aber sie weiß Sachen. Sie wüßte, was man tun müßte, wenn man von Wasser umgeben ist. Oder Kaninchen. Kaninchen hat nichts aus Büchern gelernt, aber es kann sich immer einen schlauen Plan ausdenken. Oder Känga. Sie ist nicht schlau, Känga schon gar nicht, aber sie würde sich solche Sorgen um Ruh machen, daß sie wüßte, was man tun muß, ohne darüber nachzudenken. Und dann gibt es noch I-Ah. Und I-Ah geht es sowieso so lausig, daß ihm dies auch nichts mehr ausmachen würde. Aber ich wüßte gern, was Christopher Robin jetzt täte.

Dann fiel ihm plötzlich eine Geschichte ein, die ihm Christopher Robin über einen Mann erzählt hatte, der auf einer einsamen Insel war und etwas in eine Flasche geschrieben und die Flasche ins Meer geworfen hatte; und Ferkel dachte, wenn es etwas in eine Flasche schriebe und sie ins Wasser würfe, käme vielleicht einer und würde es retten!
Ferkel verließ das Fenster und begann, seine Wohnung abzusuchen, soweit sie noch nicht unter Wasser stand, und schließlich fand es einen Bleistift und ein kleines Stück trockenes Papier und eine Flasche mit einem Korken, der auf die Flasche paßte. Und auf den Zettel schrieb es
Dann steckte es den Zettel in die Flasche und verkorkte die Flasche, so fest es konnte, und beugte sich aus dem Fenster, so weit es konnte, ohne ins Wasser zu fallen, und warf die Flasche, so weit es konnte - platsch! - und nach kurzer Zeit tauchte sie wieder auf, und es beobachtete, wie sie langsam in die Ferne davontrieb, bis seine Augen vom Beobachten schmerzten, und manchmal glaubte Ferkel, es sei die Flasche, und manchmal glaubte es, es sei nur eine kleine Welle, der es mit seinen Blicken folgte, und dann wußte es plötzlich, daß es die Flasche nie wiedersehen würde und daß es alles getan hatte, was in seiner Macht stand, um sich zu retten.
Also jetzt, dachte es, muß ein anderer etwas unternehmen, und ich hoffe, er tut es schnell, denn wenn er das nicht tut, muß ich schwimmen, und das kann ich nicht, und deshalb hoffe ich, er tut es bald. Und dann seufzte es sehr lange und sagte: »Wenn doch Pu nur hier wäre. Zu zweit ist es viel angenehmer.«

Als es anfing zu regnen, schlief Pu. Es regnete und regnete und regnete, und er schlief und schlief und schlief. Er hatte einen sehr anstrengenden Tag gehabt. Du weißt ja noch, wie er den Nordpol entdeckt hatte; ja, und darauf war er so stolz gewesen, daß er Christopher Robin gefragt hatte, ob es noch weitere Pole gab, die zum Beispiel ein Bär von sehr wenig Verstand entdecken konnte. »Es gibt einen Südpol«, sagte Christopher Robin, »und ich nehme an, daß es auch einen Ostpol und einen Westpol gibt, obwohl man allgemein nicht gern über sie spricht.«
Pu war sehr aufgeregt, als er das hörte, und schlug eine Expotition zur Entdeckung des Ostpols vor, aber Christopher Robin hatte mit Känga schon etwas anderes vor; also ging Pu alleine los, um den Ostpol auf eigene Faust zu entdecken. Ob er ihn entdeckt hat oder nicht, habe ich vergessen; aber er war so müde, als er nach Hause kam, daß er, mitten beim Abendessen, als er kaum länger als eine halbe Stunde gegessen hatte, auf seinem Stuhl einschlief und schlief und schlief und schlief. Dann, plötzlich, träumte er. Er war am Ostpol, und es war ein sehr kalter Pol, über und über mit der kältesten Sorte Schnee und Eis bedeckt. Er hatte einen Bienenkorb gefunden, in dem er schlafen konnte, aber in dem Bienenkorb war nicht genug Platz für seine Beine, und er hatte sie draußen gelassen. Und wilde Wuschel, wie sie am Ostpol hausen, kamen und knabberten und knabberten den ganzen Pelz von seinen Beinen ab, um Nester für ihre Jungen zu bauen. Und je mehr sie knabberten, desto kälter wurden seine Beine, bis er plötzlich mit einem »Au!« aufwachte, und da war er, und er saß auf seinem Stuhl, und seine Füße steckten im Wasser, und überall rings um ihn her war Wasser! Er planschte zu seiner Tür und sah hinaus ...
»Dies ist ernst «, sagte Pu. » Ich muß entkommen.«
Also nahm er seinen größten Topf Honig und entkam mit ihm auf einen dicken Ast seines Baumes, schön weit über dem Wasser, und dann kletterte er wieder hinunter und entkam mit einem zweiten Topf, und als er vollständig entkommen war, saß Pu auf seinem Ast, baumelte mit den Beinen, und dort, neben ihm, standen zehn Töpfe Honig...
Zwei Tage später saß Pu auf seinem Ast, baumelte mit den Beinen, und dort, neben ihm, standen vier Töpfe Honig...
Drei Tage später saß Pu auf seinem Ast, baumelte mit den Beinen, und dort, neben ihm, stand ein Topf Honig...
Vier Tage später saß Pu auf seinem Ast...

Und am Morgen des vierten Tages geschah es, daß Ferkels Flasche vorbeigetrieben kam, und mit einem lauten Schrei - »Honig!« - ließ sich Pu ins Wasser plumpsen, ergriff die Flasche und quälte sich wieder zu seinem Baum zurück. »So ein Mist!« sagte Pu, als er sie öffnete. »So naß für nichts und wieder nichts. Was soll denn dieser Zettel? «Er nahm ihn heraus und betrachtete ihn.
»Es ist eine Bortschaft«, sagte er sich, »das ist es nämlich.

Und dieser Buchstabe ist ein >P< und der auch, und >P< heißt >Pu< also ist es eine sehr wichtige Bortschaft für mich, und ich kann sie nicht lesen. Ich muß Christopher Robin oder Eule oder Ferkel finden, einen dieser schlauen Leser, die Sachen lesen können, und sie werden mir sagen, was diese Bortschaft bedeutet. Ich kann nur leider nicht schwimmen.
So ein Mist! «
Dann hatte er eine Idee, und ich finde, daß sie für einen Bären von sehr wenig Verstand eine gute Idee war. Er sagte sich: »Wenn eine Flasche schwimmen kann, dann kann ein Topf auch schwimmen, und wenn ein Topf schwimmt, kann ich mich auf den Topf setzen, wenn der Topf sehr groß ist.«
Also nahm er den größten Topf und verschloß ihn sorgfältig.

»Alle Schiffe müssen einen Namen haben«, sagte er, »deshalb werde ich meins >Der Schwimmende Bär< nennen.« Und mit diesen Worten ließ er sein Schiff ins Wasser fallen und sprang hinterher.
Zuerst waren Pu und Der Schwimmende Bär sich nicht einig, welcher von beiden oben hingehörte, aber nachdem sie eine bis zwei verschiedene Stellungen ausprobiert hatten, einigten sie sich darauf, daß Der Schwimmende Bär unten blieb und der siegreiche Pu stolz im Herrensitz oben, wobei er eifrig mit den Füßen paddelte.





Der Regen

Christopher wohnte ganz oben im Wald.
Es regnete und regnete und regnete, aber das Wasser konnte nicht bis zu seinem Haus steigen. Es war eigentlich ganz hübsch, hinunter in die Täler zu schauen und ringsum das Wasser zu sehen, aber es regnete so heftig, daß er meistens zu Hause blieb und über Sachen nachdachte. Jeden Morgen ging er mit seinem Schirm vor die Tür und steckte dort, wo das Wasser schon angekommen war, ein Stöckchen in die Erde, und jeden nächsten Morgen ging er wieder vor die Tür und konnte das Stöckchen nicht mehr sehen, deshalb steckte er dort, wo das Wasser inzwischen angekommen war, ein neues Stöckchen in die Erde, und dann ging er wieder nach Hause, und jeden Morgen hatte er einen kürzeren Nachhauseweg als am Morgen zuvor. Am Morgen des fünften Tages sah er, daß er ringsum von Wasser umgeben war, und da wußte er, daß er auf einer richtigen Insel wohnte. Was sehr aufregend war.

An diesem Morgen geschah es, daß Eule über das Wasser geflogen kam, um »Wie geht esss dir?« zu ihrem Freund Christopher Robin zu sagen. »Sag mal, Eule«, sagte Christopher Robin, »macht das nicht Spaß? Ich bin auf einer Insel!«
»Die atmosssphärischen Konditzzzionen waren in letzzzter Zzzeit sehr ungünssstig«, sagte Eule.
»Die was?«
»Esss hat geregnete, erläuterte Eule.
»Ja«, sagte Christopher Robin. »Es hat geregnet.«
»Der Pegelstand issst unverhältnisssmäßßßig hoch.«
» Der wer?«
»Esss issst überall viel Wasssssser«, erläuterte Eule.
»Ja«, sagte Christopher Robin, »viel Wasser.«
»Ich wage jedoch, eine günssstige Prognose zzzu stellen. Esss kann jetzzzt jederzzzeit ...«
» Hast du Pu gesehen? «
»Nein. Esss kann jetzzzt jederzzzeit..."
»Ich hoffe, es geht ihm gut«, sagte Christopher Robin. »Ich habe mir schon Sorgen um ihn gemacht. Ich nehme an, er ist mit Ferkel zusammen. Glaubst du, es geht ihnen gut, Eule?«
»Ich nehme esss an. Esss kann jetzzzt nämlich jederzzzeit ...«
»Flieg doch mal hin und sieh nach, Eule. Weil Pu nicht sehr viel Verstand hat und etwas Dummes anstellen könnte und ich ihn doch so liebe, Eule. Verstehst du, Eule?« »Allesss klar«, sagte Eule. »Ich fliege. Bin gleich wieder zzzurück.« Und sie flog davon.
Bald war sie wieder da.
»Pu issst nicht da«, sagte sie.
»Nicht da? «
»Er war da. Er hat mit neun Töpfen Honig vor seiner Wohnung auf einem Assst gesessssssen. Aber jetzzzt issst er nicht mehr da.«

Ach, Pu!« schrie Christopher Robin. »Wo bist du?«
»Hier bin ich«, sagte eine brummige Stimme hinter ihm.
»Pu!«
Sie fielen einander in die Arme.
»Wie bist du hierhergekommen, Pu?« fragte Christopher Robin, als er wieder sprechen konnte. »Auf meinem Schiff«, sagte Pu stolz. »Mir war eine sehr wichtige Bortschaft in einer Flasche zugeschickt worden, und da ich sie nicht lesen konnte, weil mir etwas Wasser in die Augen geraten war, habe ich sie dir mitgebracht. Auf meinem Schiff.«
Mit diesen stolzen Worten überreichte er Christopher Robin die Bortschaft.
»Aber die ist ja von Ferkel!« schrie Christopher Robin, als er sie gelesen hatte.
»Steht da gar nichts über Pu drin? « fragte der Bär, der ihm über die Schulter sah.
Christopher Robin las die Bortschaft laut vor.
»Ach, diese >Ps< gehören zu Ferkel? Ich dachte, es wären lauter Pus.«
»Wir müssen es sofort retten! Ich dachte, es wäre mit dir zusammen, Pu. Eule, könntest du auf deinem Rücken Ferkel retten?«
»Ich glaube nicht«, sagte Eule, nachdem sie angestrengt nachgedacht hatte. »Esss issst mehr alsss zzzweifelhaft, ob ich die notwendige Rückenmussskulatur ...« »Würdest du dann sofort zu Ferkel fliegen und ihm sagen, daß Rettung unterwegs ist? Und Pu und ich werden über eine Rettung nachdenken und - so schnell wir können kommen. Nicht sprechen, Eule, beeil dich!« Und Eule, die immer noch über eine Antwort nachdachte, flog davon.
»Also, Pu«, sagte Christopher Robin, »wo ist dein Schiff?«
»Ich sollte vielleicht sagen«, erläuterte Pu, als sie zur Küste der Insel hinuntergingen, »daß es kein ganz gewöhnliches Schiff ist. Manchmal ist es ein Schiff, und manchmal eher ein Unfall. Kommt immer drauf an.«
»Worauf?«
»Darauf, ob ich darauf bin oder darunter.«
» Oh! Und wo ist es?«
»Da!« sagte Pu und zeigte stolz auf
" Der Schwimmende Bär".
Es war nicht das, was Christopher Robin erwartet hatte, und je mehr er das Schiff ansah, desto mehr dachte er, was für ein tapferer und schlauer Bär Pu doch war, und je mehr Christopher Robin dies dachte, desto mehr kuckte Pu an seiner Nase entlang zu Boden und versuchte so zu tun, al s wäre er gar nicht tapfer und schlau.
»Aber für zwei von uns ist es zu klein«, sagte Christopher Robin traurig.

»Drei von uns mit Ferkel.«
»Das macht es noch kleiner. Ach, Pu Bär, was sollen wir nur tun?«
Und dann sagte dieser Bär, Pu Bär, Winnie-der-Pu, E v. F. (Freund von Ferkel), K. G. (Kaninchens Genosse), P. E. (Pohl-Entdecker), I. A. T. und Sch. F. (I-Ahs Tröster und Schwanzfinder) - nämlich er selbst, Pu - sagte etwas so Schlaues, daß Christopher Robin ihn nur mit offenem Mund anstarren konnte und sich fragte, ob dies wirklich der Bär von so wenig Verstand war, den er schon so lange kannte und liebte.
»Wir könnten vielleicht in deinem Schirm hinfahren«, sagte Pu. »?«
»Wir könnten vielleicht in deinem Schirm hinfahren« sagte Pu. »??«
»Wir könnten vielleicht in deinem Schirm hinfahren« sagte Pu.
»!!!!!!«
Denn plötzlich sah Christopher Robin, daß sie das tatsächlich vielleicht könnten. Er öffnete seinen Schirm und legte ihn mit der Spitze nach unten aufs Wasser. Er ging nicht unter, aber er schwankte. Pu stieg ein. Er wollte gerade sagen, jetzt sei alles in Ordnung, als er merkte, daß das gar nicht stimmte, und so watete er nach einem Schluck Wasser, den er eigentlich nicht gewollt hatte , zurück zu Christopher Robin.
Dann stiegen sie beide zusammen ein, und nun schwankte der Schirm nicht mehr. »Ich werde dieses Schiff Pus Verstand nennen«, sagte Christopher Robin, und Pus Verstand setzte unverzüglich Segel in südwestlicher Richtung und drehte sich dabei anmutig um sich selbst.

Du kannst dir Ferkels Freude vorstellen, als endlich das Schiff in Sicht kam. In späteren Jahren dachte Ferkel gern, es habe zwar durchaus während der schrecklichen Überschwemmung in sehr großer Gefahr geschwebt, aber die einzige echte Gefahr, in der es sich befunden habe, habe während der letzten halben Stunde seiner Gefangenschaft bestanden, als Eule, die gerade herbeigeflogen sei, auf einem Ast seines Baumes gesessen habe, um es zu trösten, und ihm eine sehr lange Geschichte über eine Tante erzählt habe, die aus Versehen ein Möwenei gelegt habe, und die Geschichte ging immer weiter, so ähnlich wie dieser Satz, bis Ferkel, welches ohne viel Hoffnung am Fenster gesessen und zugehört habe, still und auf ganz natürliche Weise eingeschlafen sei, wobei es langsam aus dem Fenster dem Wasser entgegengerutscht sei, bis es nur noch an den Zehen gehangen habe, in welchem Augenblick, glücklicherweise, ein lauter, heiserer Schrei von Eule, der in Wirklichkeit zu Eules Geschichte gehört und das wiedergegeben habe, was Eules Tante gesagt habe, Ferkel geweckt und ihm gerade eben genug Zeit gegeben habe, sich mit einem Ruck in Sicherheit zu bringen und »Wie interessant, und war es nun ihr Ei?« zu sagen, als - na, du kannst dir Ferkels Freude vorstellen, als es endlich das stolze Schiff Pus Verstand sah (Kapitän: C. Robin; 1. Steuermann: P. Bär), welches von weit her übers Meer gekommen war, um es zu retten...
Und da dies wirklich das Ende der Geschichte ist und ich nach dem letzten Satz sehr müde bin, werde ich, glaube ich, hier aufhören.

Christohper Robin und Winnie the Pooh

Geschichten mit Winnie Pooh Teil 5-8


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