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Katzengeschichten 2



Warum die Katze das Mausen niemals lassen wird

Im Paradies in unmittelbarer Nähe der Menschen und ihrer Katzen wohnten als nächste Nachbarn ein Mäuse- und ein Hundepaar. Menschen und Hunde freundeten sich schnell an, weil die Tiere es sich mehr und mehr angewöhnten, mit Adam und Eva durch das Paradies zu streifen. Dann versuchten sie nachts immer öfter, sich zu den Menschen ins Bett zu schummeln und den Katzen ihren Platz streitig zu machen. Das duldeten die Katzen natürlich nicht. Die Hunde bekamen - Paradies hin, Paradies her - einen Tatzenhieb auf die Schnauze, was sie sehr verärgerte.
Eines morgens nun begleiteten nur die Hunde Adam und Eva. Die Katzen blieben als Wache zurück um herauszufinden, wer ihnen neuerdings den kuschelig weichen Federflaum im Bett klaute und alles verwüstete, während sie durch den Garten Eden streiften. Und wer kam nach einiger Zeit an? Das Mäusepaar! Als sie aber den strafenden Blick der Katzen sahen, taten sie so, als wären sie nur zufällig am Bett vorbeigekommen. Nur eine kleine Feder, die am Ohr des Mäuserichs wippte, gab einen Hinweis auf ihr schändliches Tun, als sie sich frechpfeifend trollten.
Als abends Menschen und Hunde heimkamen, waren die Katzen nach der langen Wache hungrig. Seit dieser Zeit laufen sie nachts los, ihre Nahrung zu suchen, um dann am Morgen satt und müde zurückzukommen und sich auf das Bett ihrer Menschen schlafen zu legen.
Immer öfter wachte Eva morgens auf, und die Handvoll Beeren, Nüsse und saftigen Früchte, die sich sie als Frühstück bereitgelegt hatte, waren verschwunden. Es gab offensichtlich jemanden, der sich nicht an die Spielregeln im Paradies hielt! Wenn die Katzen jetzt von ihrer nächtlichen Tour zurückkamen, fanden sie Adam und Eva verärgert vor. Es war einfach nicht mehr so gemütlich und harmonisch wie vorher. Man musste also versuchen, den Räuber zu entlarven, um auch dieses Ärgernis abzustellen.
So verfolgten die Katzen eines Morgens eine Spur von verlorengegangenen Körnern und Tröpfchen einer saftigen Frucht. Sie endete am Mäusenest! Da lagen die beiden Räuber. Die Bäuchlein dick und rund gefressen, schnarchten sie auf dem Rücken schlafend in weichem Federflaum.
Während die beiden Katzen noch beratschlagten, was da zu tun sei, ob man vielleicht doch mal beim Allerhöchsten Beschwerde einlegen sollte, kam es zeitlich parallel durch menschliches Versagen zum ersten Super-GAU: Zum ersten größten anzunehmenden Unfall.
Eva wurde wach, spürte Hunger, griff noch halb verschlafen nach ihrem Frühstück neben dem Lager, doch das war wieder verschwunden! Eva riss die Augen auf. Und auf was fiel ihr Blick? Sie schaute hinauf in den Apfelbaum. Eine Frucht rot und reif - lachte sie an. Eva reckte sich nach dem Apfel. Es machte knacks und sie hatte ihn in der Hand. Dieses Geräusch weckte nicht nur Adam, sondern auch eine Schlange, die noch steif und verschlafen irgend etwas wie "zsssollssst du doch nissst" zischte, was Eva später etwas anders interpretierte.
Adam, dem auch der Magen knurrte, sah den Apfel in Evas Hand, fand, einmal gepflückt, sollte er auch gegessen werden. Auch Adam stellte diese Situation später vor Gott und der Welt etwas anders dar.
Und dann geschah das Schreckliche: Der immerblaue Paradieshimmel verfärbte sich grauschwarzgelbgrün, Blitze zuckten, Donnerschläge platzten in die Stille, der sonst sanfte Wind schwoll an zu einem Orkan, peitschte Wälder und Seen, und in dieses Getose hinein sprach Gott mit strenger Stimme: "Was habt ihr getan?!"...
Adam und Eva versuchten sich mit den allgemein bekannten Ausreden zu verteidigen. Es gelang nicht, wie wir ebenfalls wissen.
ER schmiss alle raus, auch die Tiere, von denen ER wusste, dass sie nicht ganz ohne Harm waren, und schloss das Paradies. Damit sich niemand zurückschmuggeln konnte, postierte Gott noch einen Engel am Ausgang und entließ dann seine Geschöpfe in eine recht unwirtliche Welt. Die Katzen, die wussten, dass eigentlich die Mäuse an allem schuld waren, konnten das den Menschen nicht mehr erzählen. Mit dem Verlassen des Garten Edens erlosch auch die Fähigkeit von Mensch und Tier, miteinander zu reden. So jagen seitdem die Katzen die Mäuse und fressen sie. Auch viele andere Tiere tun es, denn die Katzen haben allen erzählt, wer Schuld hatte, und deshalb müssen sich Mäuse bis heute ganz besonders schnell fortpflanzen. Ab und zu legen die Katzen auch den Nachfahren von Adam und Eva demonstrativ eine tote Maus neben das Bett, doch die Menschen ekeln sich nur davor und wissen von rein gar nichts.


Maria mit dem Katzenkind



Bruder Anselm war zufrieden damit, im Kloster zu leben.
Weder die Verpflichtung zu Keuschheit, Armut und Bescheidenheit noch die Frömmigkeit machten ihm zu schaffen. Er war einst verheiratet gewesen mit einer gutherzigen und fürsorglichen Frau namens Marie, die er, so er denn aus seinen Traumwelten einmal auftauschte, herzlich geliebt hatte. Doch sie war im Kindbett gestorben, zusammen mit ihrem kleinen, nicht lebensfähigen Mädchen. Anselm hatte sie auf seine Art betrauert - und danach hatte er keine Frau mehr angesehen. Zumindest nicht in sündigem Sinne.
Reichtümer spielten in seinem Leben ebenfalls keine Rolle. Er hatte immer ein Dach über dem Kopf gehabt, irgendwelche Kleidungsstücke anzuziehen und etwas zu essen. Sein Weib hatte sich darum gekümmert.
Bescheiden war er auch, und zwar so sehr, daß ihm nie bewußt wurde, wie groß seine Demut wirklich war. Fromm war er allemal. Auch wenn er nicht in Worten betete, sondern seinem Schöpfer auf andere Weise diente.
Anselm war ein Maler. Ein begnadeter Maler, dessen Werke so lebendog, tiefgründig und so zu Herzen gehend waren, daß jeder, der sie betrachtete, in seiner Seele berührt wurde. Auch der Bischof.
Er hatte bei ihm ein Gemälde bestellt, genau zu der Zeit, als Anselm seine Frau verloren hatte. Die Himmelfahrt Mariens sollte es darstellen, und vielleicht war es die Trauer um seine geliebte Frau, weshalb ein Bild von so erhabener Schönheit entstand, das jeden Betrachter zu Tränen rührte.
Hingegen hatte der Bischof zunächst keine Zeit, es zu bewundern, denn als er den Maler aufsuchte, um das Werk abzuholen, fand er den Mann bewußtlos zwischen Farbtiegeln, Pinseln und Leinwand in seiner Werkstatt liegen. Der eilig herbeigerufene Apotheker stellte eine große körperliche Schwäche fest, die er mit einem kundigen Blick darauf zurückführte, daß Anselm in den vergangenen Tagen weder gegessen noch getrunken hatte. Völlig abgemagert, farbverschmiert und mit verfilzten Haaren, wie er war, betteten sie ihn vorsichtig auf sein Lager und versuchten, ihm ein wenig Milch einzuflößen. Anselm wachte kurz auf, schluckte gehorsam die Flüssigkeit und murmelte leise: "Sie hat gesagt, ich solle ins Kloster gehen."
"Wer, Meister Anselm?" fragte der Bischof sanft nach. "Wer hat es Euch gesagt?"
"Marie. Sie kam zu mir, als ich sie malte." Dann fiel er erschöpft in einen abgrundtiefen Schlaf.
Der Bischof zog die Decke über ihn und wandte sich dann erst dem Gemälde zu. Das gütige und liebreiche Gesicht der Madonna lächelte ihn aus der Höhe an, zu der sie sich mit Hilfe der Engel aufgeschwungen hatte. Vage erinnerte es ihn an die verstorbene Gattin des Malers.
"Wundervoll!" flüsterte er ergriffen.
Dann begann er, weil er ein praktischer Mann war, verschiedene Dinge zu regeln. Als Anselm wieder aufwachte, lag er in einer kleinen, schlicht eingerichteten Zelle. An seinem Lager wachte ein Mönch in dunkler Kutte.
"Wo bin ich?" "Im Kloster, mein Freund. Wie Ihr es gewünscht habt!" "Ach ja, es war ihr Rat! Kann ich bleiben?" "Natürlich."
So wurde nach kurzer Zeit aus Meister Anselm der Laienbruder Anselm, und für ihn fing ein neues Leben an. Er fügte sich gerne dem geregelten Tagesablauf aus Arbeit und Gebet ein, aber der Abt, der seine große Gabe erkannte, hatte angeordnet, Bruder Anselm brauche, wann immer er in seine Malerei vertieft war, nicht an den Stundengebeten teilnehmen. Hingegen hatte einer der Novizen die Aufgabe, ihn immer zu den Mahlzeiten ins Refektorium zu führen, damit er nicht vergaß zu essen.
Er hätte ganz zufrieden sein können, es wurde gut für ihn gesorgt, er durfte seiner künstlerischen Begabung folgen, man achtete ihn und begegnete ihm mit brüderlicher Zuneigung. Doch etwas fehlte in seinem Leben. Er wußte nicht recht, was es war, aber dann und wann bat er in seinen Gebeten, die er mit Vorliebe an Maria, die barmherzige Mutter, richtete, sie möge die Leere in seinem Herzen füllen.
Sie erhörte seine Bitte und erfüllte sie auf ihre Weise.
Bruder Anselm erging sich oft im Klostergarten, um sich an den Kräutern und Blumen zu erfreuen, die dann auf seiner Leinwand in ihrer ganzen Pracht erblühten. Hier begegnete er eines Tages einer graugetigerten Katze. Sie saß zwischen dem roten Mohn und den weißen Lilien und putzte sich sorgsam die Pfote. Als sie den leise auftretenden Maler auf sich zukommen sah, stellte sie die saubere Pfote auf den Boden und musterte ihn neugierig mit ihren grünen Augen. Sie war sonst eine scheue Gesellin, die gebührenden Abstand von den Menschen hielt und nur gelegentlich ein Häppchen aus der Klosterküche stibitzte, wenn die Mäuse allzu mager waren. Doch der sanfte Bruder, der nun vor ihr stehenblieb und seine Hand langsam nach ihr ausstreckte, schreckte sie nicht. Vorsichtig schnüffelte sie an seinen Fingern, die von wunderlicher Farbe und noch wunderlicherem Geruch waren. Sie ließ es sogar zu, daß er ihr sacht über die Stirn streichelte, genau da, wo sich das schwarze M zwischen den Augen bildete. "Oh, jetzt habe ich einen roten Fleck in deinem Fell hinterlassen. Verzeih, Kätzchen. Ich wische ihn fort", entschuldigte sich Bruder Anselm und versuchte mit dem Ärmel seiner Kutte die Farbe abzuwischen. Sogar das ließ sich die Grautigerin gefallen. Sie putzte allerdings energisch mit der Pfote hinterher, wie um anzudeuten, daß die menschliche Vorstellung von Reinlichkeit nicht grundsätzlich der ihren entsprach. Dann setzte sie sich wieder unter den Blüten zurecht und gab ein malerisches Bild ab. Versonnen blieb Bruder Anselm stehen und nahm ihre vollendeten Forman in sich auf. "Ich würde dich gerne malen", flüsterte er nach einer Weile. "Aber ob du auf dem Altarbild, das ich für die Kirche malen soll, einen würdigen Platz findest?" Die Katze schnurrte,
denn die Sonne wärmte ihren Pelz, und im Gegenlicht fingen sich ihre Strahlen in ihrem silbrigen Fell. Es schien dem Maler, als wäre sie von einem hellen Schein umgeben. „Nun, wir werden es sehen, Minka. Du heißt doch Minka?“ fragte Bruder Anselm, und die Katze, die zwar ihren eigenen Namen recht gut kannte, ihn aber niemals einem Menschen preisgegeben hätte, akzeptierte jenen, den der höfliche Mann für sie ausgesucht hatte. Sie sprang auf und strich ihm zustimmend schnurrend um die Beine. In diesem Moment erkannte Bruder Anselm, was ihm gefehlt hatte und dass er nun etwas gefunden hatte, was die Leere füllte. Das Gefühl, das die Katze und ihn miteinander verband, hieß Zärtlichkeit. Er kniete nieder und streichelte den warmen Körper, während Minka ihren Kopf an seiner Kutte rieb.
Als er schließlich aufstand, um an seine Arbeit zurückzugehen, folgte ihm in einem vorsichtigen Abstand die graugetigerte Katze bis kurz vor den lichtdurchfluteten Raum, in dem seine Malutensilien standen.
Dort gab es drei große Holztafeln, die später einmal in einen dreiflügeligen Altar eingepasst werden sollten. Die erste Tafel war bereits mit einer Grundierung versehen, und man konnte anhand der dünnen Linien der Vorzeichnung den Engel Gabriel erkennen, welcher der knienden Maria eine freudige Botschaft überbrachte.
An diesem Tag traute sich Minka noch nicht einzutreten. Es roch doch sehr seltsam in dem Gemach, und die Gefahr, sich an den bunten Töpfen schmutzig zu machen, erschien ihr recht groß. Außerdem wollte sie, wie es Katzenart ist, nicht aufdringlich sein.
Am folgenden Nachmittag aber, als Bruder Anselm wieder seine Runde durch den Garten machte, hatte sie sich neben dem duftenden, vor Bienen summenden Lavendel niedergelassen. Gewiß wirkte das graugetigerte Pelzchen zwischen dem Violett der Blüten und dem Graugrün der Blätter nicht ganz so dramatisch wie zwischen den roten und weißen Blumen am Vortag, doch Bruder Anselm lobte Minka erneut für die geschmackvolle Wahl ihres Ruheplatzes. Er hatte sich, in der Hoffnung, das Kätzchen zu treffen, sogar die Hände gründlich gereinigt, denn manche der Farben waren giftig. Sie ließ es sich daher auch gerne gefallen, dass er sie zwischen den Ohren kraulte und über den Rücken strich. Als er zurück in seine Werkstatt ging, folgte sie ihm bis kurz vor das Bild, an dem er arbeitete. Der Engel war inzwischen deutlich zu erkennen. Zumindest für den menschlichen Betrachter. Minka hingegen fragte sich ein wenig verwundert, warum der Mann mit der Lilie in der Hand Flügel wie ein Vogel hatte. Dann aber verlor sie gänzlich das Interesse an dem Gemälde, denn Bruder Anselm stellte ihr ein Schälchen mit fettem weißen Quark in eine fast ganz saubere Ecke. Mit hörbarem Genuß schleckte sie es leer, putzte sich noch einmal über das Gesicht und trollte sich dann.
Am nächsten Tag regnete es, und Bruder Anselm, die Kapuze seiner Kutte tief über den Kopf gezogen, hielt vergeblich im tropfenden Grün des Gartens Ausschau nach Minka. Betrübt kehrte er zu seiner Malerei zurück und schloß die Tür hinter sich, denn es zog kalt und feucht in den Raum.
Und dann fand er sie. Er hatte schon am Vortag dem Bruder Cellerar eine alte Kukulle abgeschwatzt und in die fast ganz saubere Ecke gelegt. Auf dieser grauschwarzen, ein wenig verschlissenen Decke ruhte Minka und war eigentlich nur durch das Funkeln ihrer Augen zu erkennen, die wie grüne Edelsteine aus dem Wollstoff hervorleuchteten.
“Sehr hübsch gewählt, Minka. Man kann auch mit kleinen Farbakzenten große Wirkung erzielen.“ Er stellte ihr wieder ein Schälchen vor ihr Lager, und sie genoß ihren kleinen Imbiß. Danach gähnte sie gewaltig und verschmolz mit der Decke. Doch Bruder Anselms Tätigkeit wurde von einem beständigen Schnurren begleitet.

Seit jenem Tag hatte Minka ihren festen Platz in seinem Arbeitsraum bezogen, und mit kritischem Blick verfolgte sie das Werden des Gemäldes. Da gab es jetzt ein hübsches Zimmer mit hohen Bogenfenstern zu sehen, aus denen das Licht auf die kniende Frau fiel, deren weites blaues Gewand in schimmernden Falten um sie gebreitet war. Goldene Locken flossen so lebensecht ihren Rücken hinunter, dass Minka einmal versuchte, sie mit der Pfote zu berühren. Irritiert war sie dann aber zurückgewichen, als sie nur das Holz spürte. Doch das Gesicht der Frau drückte eine freudige Hoffnung aus, die sich auf jeden Betrachter übertragen musste. Nach ein paar Tagen jedoch fand Minka etwas Neues auf dem Bild, was sie noch mehr begeisterte. Unter dem königsblauen Kleid lugte ganz außen links im Bild der Kopf einer graugetigerten Katze hervor. Sehr deutlich blinzelten die grünen Augen dem Betrachter zu.
Der Sommer ging vorüber, der Herbst ebenfalls, und der Klostergarten wurde graubraun und unansehnlich. Trockene Halme, kahle Stengel und welke Blätter bedeckten die Beete, und der Bruder Gärtner schützte die Rosen mit Tannenreiser. Minka machte zwar noch immer ihre Streifzüge durch den winterlichen Garten und fing auch noch die eine oder andere Maus, aber sie verbrachte mehr und mehr Stunden in dem geheizten Raum, in dem Anselm malte. Das war nicht mehr so lange am Tag möglich wie im Sommer, wenn das Licht heller war, doch zumindest die Mittagsstunden nutzte er aus, um das erste Tafelbild zu vervollständigen. In der Dämmerung jedoch, wenn die Farben verblassten und grau wurden, fand er Zeit, mit Minka zu sprechen. Er hatte es sich angewöhnt, sie auf den Schoß zu nehmen und ihr von den Bildern zu erzählen, die sich in seinem Kopf formten. Die Geschichten der Bibel stellten sich ihm immer als bunte Szenen dar, führten ihn in weite Landschaften oder in dunkle Verliese, über die tobenden Wasser des See Genezareth, in den ärmlichen, aber hell erleuchteten Stall von Bethlehem und auch auf den trostlosen Hügel des Kreuzes.
Minka hörte zu, schnurrte und sah in ihrem Herzen, was Bruder Anselm in dem seinen sah. Denn zwischen ihnen war ein silbernes Band geknüpft worden, wie es zwischen feinfühligen Menschen und Katzen oft entsteht. Minka folgte Bruder Anselm nun auch des Nachts in seine Zelle und schlief an seiner Seite. Einige Brüder hatten abfällige Äußerungen dazu gemacht, aber der Abt erinnerte sie an die Lehren des heiligen Franziskus, und daraufhin schwiegen sie.
Im Frühjahr war die Verkündigung Mariens fertig geworden, und Bruder Anselm begann mit dem Mittelteil des Altars. Es war eine sehr viel größere Tafel, die er zu gestalten hatte, doch in den langen Wintertagen war ein großartiges Bild in ihm entstanden, das er zu malen gedachte. Der frühlingsgrüne Klostergarten lockte Minka und ihn aber immer wieder aus den Mauern, und zwischen blauen Veilchen und weißen Kleeblüten, unter den fedrigen Blättchen der Raute oder am Stamm des blühenden Apfelbaumes nahm die Katze immer wieder hübsche Posen ein, die den Maler entzückten. Allerdings gab es da im Frühsommer eine kleine Unterbrechung seiner ruhigen Tätigkeit, denn an einem warmen Maitag empfing ihn Minka auf ihrer Decke maunzend und stolz mit drei kleinen Jungen, die sie geboren hatte. Mit unbeschreiblichem Staunen beobachtete Bruder Anselm, wie liebevoll und umsichtig die Mutter ihre Kleinen nährte, lehrte und erzog.
Während jener Zeit entstand das zauberhafte Gemälde, auf dem Mariens Mutter Anna mit ihrer Tochter Maria und dem kleinen Enkel inmitten einer frühlingshaften Landschaft beieinander saßen. Das kleine Kind aber spielte fröhlich mit einer graugetigerten Katze.
Der Abt fragte einmal, ob nicht ein Lämmchen von größerer symbolischer Bedeutung gewesen wäre, aber Bruder Anselm schüttelte nur mild lächelnd den Kopf. Für ihn symbolisierte die Katze die umfassende mütterliche Liebe, und das war es, was er darstellen wollte.
Ein weiterer Winter kam und ging, und Bruder Anselm lag mit einer schweren Erkältung danieder. Minka wachte an seinem Bett, und wann immer er so weit bei Sinnen war, dass er sie erkannte, spürte sie seine fieberheiße Hand über ihren Kopf streicheln. Hin und wieder legte sie sich auf seine Brust und beruhigte sein hämmerndes Herz mit ihrem Schnurren. Dabei lauschte sie auf seine Gedanken, und die Bilder von Schmerz und Trauer, die seine Träume durchwebten, nahmen auch vor ihren Augen Gestalt an. Oft murmelte er vor sich hin, und es waren wohl Erinnerungen an sein einstiges weltliches Leben, die sie da hörte.
Es war schon Mitte des Sommers, als sich Bruder Anselm so weit erholt hatte, dass er mit der dritten Tafel des Altars beginnen konnte.
Er arbeitete nur noch wenige Stunden am Tag, denn er hatte eine bleibende Schwäche zurückbehalten. Aber seine Spaziergänge durch den Klostergarten hatte er wiederaufgenommen, und auch Minka begleitete ihn, naschte gelegentlich ein paar Blättchen von der Katzenminze und bot ihm hübsche Motive zwischen den roten Gladiolen oder unter der üppigen Kapuzinerkresse mit ihren flammend gelbroten Blüten.
Doch mochte der Sommer auch voller leuchtender Farben sein, die Idee zu dem Gemälde, das er nun anfertigte, war in den dunklen Stunden der Krankheit entstanden. Maria, von Leid gezeichnet, hielt den blutenden Leichnam ihres Sohnes in den Armen. Eine brennende Sonne verlosch dahinter am schwarzbewölkten Horizont. Es mochte einem das Herz schier zerreißen, wenn man die stille Szene betrachtete.
Nur einen Trost gab es darin. Eine kleine, graugetigerte Katze schmiegte sich an Mariens Seite, die Pfote sacht auf ihre Hand gelegt.
Die Jahre zogen dahin. Bruder Anselm vervollkommnete seine Kunst. Immer ausdrucksstärker wurden seine Bilder, immer tiefer verwob er die Symbole von Glaube, Liebe und Hoffnung in seine Werke. Doch brauchte er auch immer länger für die Gemälde. Maria an der Krippe schließlich war ein gewaltiges Epos aus goldenem Licht, und niemanden nahm es wunder, dass zwischen Esel, Kuh und Lamm auch eine Katze anbetungsvoll zu dem Kind aufschaute.
Minka lebte ihr Katzenleben an seiner Seite, auch sie wurde jedoch älter. An einem warmen Oktobertag vermisste Bruder Anselm sie und suchte sie im Garten. Dort fand er sie unter dem Rosenstrauch liegen. Ranken, schwer von blassgelben Blüten in dunklem Laub, umgaben sie und dufteten im Herbstsonnenschein betörend. Doch als er Minka ansprach, hatte sie Mühe, sich zu erheben. Blicklos schauten ihre Augen in seine Richtung, und als sie einen wackligen schritt auf ihn zumachen wollte, versagten die Hinterbeine ihr den Dienst. Bruder Anselm fing sie auf und bettete sie in seine Arme. Noch hörte er ihr leises Schnurren, und langsam ging er mit ihr zwischen den Beeten auf und ab. Als der Abend sich senkte und die Glocke zum letzten Gebet rief, trug er sie in seine Zelle und bereitete ihr ein Lager auf seinem Bett. Seine Gebete sprach er hier, auf Knien, eine Hand auf ihren schwachen, mühsam atmenden Körper gelegt. Dann machte er sich ein wenig Platz auf der schmalen Pritsche und hob seine Katze vorsichtig auf seine Brust. Die Ärmel seiner Kutte bedeckten sie und hielten sie warm. Mit seiner sanften Stimme sprach er leise auf sie ein, aber es war die Version eines Gemäldes, das Minka als letztes in diesem Leben vor ihren blinden Augen sah, und sie nahm es mit als Erinnerung an eine zärtliche, grenzenlose Liebe.
Bruder Anselm sprach mit niemandem mehr, nachdem er Minka unter dem Rosenbusch begraben hatte. Er zog sich in seine Werkstatt zurück und ließ keinen der Mönche mehr dort eintreten. Es dauerte drei Monate, bis das Bild vollendet war, und als am Heiligen Abend der Abt selbst nach ihm schaute, um ihn zur Mette zu holen, da fand er Bruder Anselm zusammengesunken auf seinem Stuhl, Minkas alte Decke um sich gewickelt. Er atmete nicht mehr. Doch auf der Staffelei stand ein fertiges Bild. Es zeigte eine junge Frau inmitten eines Rosenhags, deren Gesicht von einer verträumten, innigen Zärtlichkeit erleuchtet war. Eine zarte Aureole umgab ihr Haupt, und in den Armen hielt sie – ein kleines, graugetigertes Katzenkind.


.....wir wählten Tränen


Der kleine rote Kater blieb plötzlich stehen. Hinter ihm spielten Kätzchen auf einer bunten Sommerwiese, jagten einander und rauften spielerisch. Es sah so fröhlich aus, aber vor ihm, im klaren ruhigen Wasser des Teiches, sah er seine Mommy. Und sie weinte bitterlich. Er tapste ins Wasser und versuchte, sie zu berühren, und als er das nicht konnte, hüpfte er hinein. Nun war er ganz nass und Mommys Bild tanzte auf den Wellen fort.
"Mommy!" rief er. "Ist etwas nicht in Ordnung?"
Der kleine rote Kater drehte sich um. Eine Dame stand am Ufer des Teiches, mit traurigen, aber liebevollen Augen. Der kleine rote Kater seufzte und kletterte aus dem Wasser.
"Das muss ein Fehler sein", sagte er. "Ich sollte nicht hier sein".
Er sah zurück ins Wasser und das Bild seiner Mommy spiegelte sich wieder darin.
"Ich bin doch noch ein Baby. Mommy sagt, das muss ein Irrtum sein. Sie sagt, ich darf gar nicht hier sein".
Die freundliche Dame seufzte und setzte sich ins Gras. Der kleine rote Kater kletterte in ihren Schoß. Es war nicht Mommys Schoß, aber es war fast genauso gut. Als sie begann, ihn zu streicheln und genau dort unter dem Kinn zu kraulen, wo er es am liebsten mochte, fing er fast gegen seinen Willen zu schnurren an.
"Ich fürchte, es ist kein Fehler. Es ist Dir bestimmt, hier zu sein, und Deine Mommy weiß es tief in ihrem Herzen", sagte die Dame.
Der kleine rote Kater seufzte und lehnte seinen Kopf an den Fuß der Dame.
"Aber sie ist so traurig. Es tut mir so weh, sie so weinen zu hören. Und auch Daddy ist traurig".
"Aber sie wussten von Anfang an, dass dies geschehen würde".
"War ich denn krank?"
Das überraschte den kleinen roten Kater. Niemand hatte jemals etwas darüber gesagt und er hatte oft zugehört wenn sie dachten, er schliefe. Sie sprachen stets nur darüber, wie süß er doch war und wie schnell er gewachsen war.
"Nein, sie wussten nicht, dass Du krank warst", sagte die freundliche Dame. "Aber dennoch wussten sie, dass sie die Tränen gewählt hatten".
"Nein, das taten sie nicht", sagte der kleine rote Kater. "Wer würde schon Tränen wählen?"
Sanft küsste die Dame sein Köpfchen. Er fühlte sich sicher und warm und geliebt -aber er war noch immer voll Sorge um seine Mommy.
"Ich will Dir eine Geschichte erzählen", sagte die Dame.
Der kleine rote Kater sah auf und sah die anderen Tiere näher kommen. Katzen - Big Boy und Snowball, Shamus und Abby und auch Little Cleo und Robin. Merlin, Toby und Iggy und Zachary , Sweetie, Kamatta und Obie. Hunde auch - Tina, Baby und Morgan, Rocky und Belle. Sogar eine Eidechse namens Clyde und einige Ratten und ein Hamster namens Odo. Alle legten sich erwartungsvoll ins Gras rund um die Dame und sahen wartend zu ihr auf. Sie lächelte und begann:
"Vor langer, langer Zeit gingen die kleinen Engel zum Oberengel und baten ihn um Hilfe, weil sie so einsam waren. Der Oberengel brachte sie zu einer großen Mauer mit vielen Fenstern und ließ sie aus dem ersten Fenster auf alle möglichen Dinge schauen - Puppen und Stofftiere und Spielzeugautos und vieles mehr.
"Hier habt ihr etwas, das ihr lieben könnt“,,sagte der Engel. "Diese Dinge werden eure Einsamkeit vertreiben".
"Oh, vielen Dank", sagten die kleinen Engel. "Das ist gerade, was wir brauchen".
"Ihr habt das Vergnügen gewählt", erklärte ihnen der Oberengel.
Aber nach einiger Zeit kamen die kleinen Engel zurück.
"Dinge kann man schon lieben", meinten sie. "Aber sie kümmern sich nicht darum, dass wir sie lieben".
Der Oberengel führte sie zum zweiten Fenster. Sie sahen hinaus und sahen alle möglich Arten wilder Tiere.
"Ihr könnt diese Tiere lieben", sagte er. "Sie werden wissen, dass ihr sie liebt."
Die kleinen Engel waren begeistert. Sie liefen hinaus zu den Tieren. Einer gründete einen Zoo, ein anderer ein Naturschutzgebiet, einige fütterten die Vögel.
"Ihr habt die Befriedigung gewählt", sagte der Oberengel.
Aber nach einiger Zeit kamen die kleinen Engel zurück.
"Sie wissen, dass wir sie lieben", sagten sie. "Aber sie lieben uns nicht wieder. Wir möchten auch geliebt werden."
So führte sie der Oberengel zum dritten Fenster und zeigte ihnen die Menschen.
"Hier sind Menschen zum Lieben", erklärte er ihnen.
Die kleinen Engel eilten hinaus zu den Menschen.
"Ihr habt die Verantwortung gewählt", sagte der Oberengel.
Aber bald waren sie wieder zurück.
"Menschen kann man schon lieben", klagten sie "aber oft hören sie auf, uns zu lieben und verlassen uns. Sie brechen unsere Herzen."
Der große Engel schüttelte den Kopf.
"Ich kann euch nicht mehr helfen. Ihr müsst mit dem zufrieden sein, was ich euch gegeben habe."
Da entdeckte einer der kleinen Engel ein weiteres Fenster und sah kleine und große Hunde und Katzen, Eidechsen, Hamster und Frettchen. Die anderen liefen herbei und bestaunten sie.
"Was ist mit denen?" riefen sie.
Aber der Oberengel schob sie vom Fenster weg.
"Das sind Gefühlstrainer", sagte er. "Aber wir haben Probleme mit ihrem Operating System."
"Würden sie wissen, dass wir sie lieben?" fragte einer.
"Ja", erwiderte der Oberengel widerstrebend.
"Und würden sie uns wiederlieben?" fragte ein anderer.
"Ja", erwiderte der große Engel.
"Werden sie je aufhören, uns zu lieben?" riefen sie.
"Nein", gestand der große Engel. "Sie werden euch für immer lieben."
"Dann sind sie genau das, was wir uns wünschen", riefen die kleinen Engel.
Aber der Oberengel war sehr aufgeregt.
"Ihr versteht nicht", erklärte er ihnen. "Ihr müsst sie füttern. Und ihr müsst ihre Umgebung reinigen und immer für sie sorgen."
"Das tun wir gerne", riefen die kleinen Engel.
Und sie hörten nicht zu. Sie beugten sich nieder und nahmen die zahmen Tiere in die Arme und die Liebe in ihrem Herzen spiegelte sich in den Augen der Tiere.
"Sie sind nicht gut programmiert" rief der Oberengel, "es gibt keine Garantie für sie. Wir wissen nicht, wie lange sie halten. Manche hören sehr rasch auf zu funktionieren, und manche halten länger!"
Aber das kümmerte die kleinen Engel nicht. Sie drückten die warmen weichen Körperchen an sich und ihre Herzen füllten sich mit Liebe, so dass sie fast zersprangen.
"Wir haben unsere Chance!" riefen sie.
"Ihr versteht nicht", versuchte es der Oberengel zum letzten Mal. "Sie sind so gemacht, dass selbst der Haltbarste von ihnen euch nicht überleben wird. Euer Schicksal wird sein, durch ihren Verlust zu leiden!"
Die kleinen Engel betrachteten die Tiere in ihren Armen und schluckten.
Dann sagten sie tapfer: "Das macht nichts. Es ist ein fairer Tausch für die Liebe, die sie uns geben."
Der Oberengel sah ihnen nach und schüttelte den Kopf.
"Nun habt ihr die Tränen gewählt", flüsterte er.
"Und so ist es auch geblieben", meinte die freundliche Dame. "Und jede Mommy und jeder Daddy weiß das. Wenn sie euch in ihr Herz schließen, wissen sie, dass ihr sie eines Tages verlassen werdet und sie weinen müssen."
Der kleine rote Kater setzte sich auf.
"Warum nehmen sie uns dann zu sich?" fragte er erstaunt.
"Weil auch nur eine kurze Zeit eurer Liebe den Kummer wert ist."
"Oh", sagte der kleine Kater und starrte wieder in den Teich. Da war noch immer das Bild seiner Mommy, weinend.
"Wird sie jemals aufhören zu weinen?"
Sie nickte. "Sieh, der Oberengel bedauerte die kleinen Engel. Er konnte die Tränen nicht wegzaubern, aber er mochte sie besonders."
Sie tauchte die Hand in den Teich und ließ das Wasser von ihren Fingern tropfen.
"Er machte heilende Tränen aus diesem Wasser. Jede Träne enthält ein bisschen von der glücklichen Zeit und all dem Schnurren und Streicheln und der Freude an Dir. Wenn Deine Mommy weint, heilt ihr Herz. Es mag seine Zeit dauern, aber durch ihre Tränen fühlt sie sich besser. Nach einiger Zeit wird sie nicht mehr so traurig sein, wenn sie an Dich denkt, und sich nur der schönen Zeit erinnern. Und sie wird ihr Herz wieder für einen neues Kätzchen öffnen."
"Aber dann wird sie eines Tages wieder weinen!"
Die Dame lächelte ihn an und stand auf.
"Aber sie wird auch wieder jemanden lieb haben. Daran wird sie denken".
Sie nahm Big Boy und Snowball in ihre Arme und kraulte Morgan genau dort am Ohr, wo sie es so mochte.
"Sieh nur, die Schmetterlinge kommen. Sollen wir nicht spielen gehen?"
Die anderen Tiere liefen voraus, aber der kleine rote Kater wollte seine Mommy noch nicht verlassen.
"Werden wir jemals wieder zusammen sein?" Die freundliche Dame nickte.
"Du wirst in den Augen jeder Katze sein, die sie ansieht. Und sie wird Dich im Schnurren jeder Katze hören, die sie streichelt. Und spät in der Nacht, wenn sie einschläft, wirst Du ihr nahe sein und ihr werdet beide Frieden haben. Und bald, eines Tages, wirst Du ihr einen Regenbogen senden, damit sie weiß, dass Du in Sicherheit bist und hier auf sie wartest."
"Das gefällt mir", sagte der kleine rote Kater und warf einen letzten langen Blick auf seine Mommy. Er sah ihr Lächeln unter ihren Tränen und wusste, dass ihr eingefallen war, wie er fast in die Badewanne gefallen wäre.
"Ich hab' dich lieb, Mommy", flüsterte er. "Es ist schon okay, wenn Du weinst".
Er blickte zu den anderen, die spielten, und lachten mit den Schmetterlingen.
"Oh, Mommy! Ich gehe jetzt spielen, okay? Aber ich werde immer bei Dir sein, das verspreche ich."
Dann wandte er sich um und lief den anderen nach.....


Das 1x1 des Hundes

So kam die Katze in die Welt



Für Mikesch

Es begab sich vor langer, langer Zeit, als alle Tiere noch einträchtig nebeneinander im Garten Eden lebten, dass die Katze den Paradiesvogel fing und auffraß.

Der liebe Gott war furchtbar zornig, hatte er doch lang (den kompletten 7.Tag) an dieser Krone seiner Schöpfung gearbeitet.
Und alles, was jetzt davon übrig war, waren ein paar Federn, die im Mundwinkel der zufrieden grinsenden Katze hingen.

"KATZE!!" donnerte er, worauf sich die Katze sofort schlafend stellte, und so tat, als erwachte sie furchtbar erschrocken.
"Ja, mein Gott? ist es Zeit für meine Milch? Fragte die Katze unverschämt unschuldigen Blickes. "Du hast den Paradiesvogel gefressen!" Gottes Wut ließ den Boden des Paradieses erbeben. "? ich?!!" fragte die Katze. Wie kannnst du das sagen, lieber Gott?

Versorgst Du mich denn nicht mit Milch und Honig, Nektar und Ambrosia? Welchen Grund sollte ich haben, Deinen geliebten Paradiesvogel zu fressen?"
Selbst Gott war angesichts dieser Schamlosigkeit einen kurzen Moment sprachlos! Nun ist es so, dass ein Moment (selbst ein kurzen) im Gegensatz zu sterblcihen Geschöpfen bei Gott viel länger dauert.

Zeit, die die Katze wohl zu nutzen wusste.
"Lieber Gott, dieses Fell, das du mir gegeben hast, ist wunderschön!" schmeichelte sie "und wenn ich im Wasser das Spiegelbild meiner Augen betrachte, so finde ich im ganzen Paradies nichts, was dieser Schönheit nahe kommt!"
Wohlig satt begann die Katze sich zu putzen und laut zu schnurren.

Dieses Geräusch hörte selbst Gott in diesem Moment zum ersten Mal.

Aber Gott - obschon von den schmeichelnden Worten (und dem Schnurren) der Katze eingenommen - hatte seinen Zorn nicht vergessen, war jedoch bereit, einem Geschöpf eine Chance zu geben.

Er beschloss, die Katze zu testen.

Er erschuf in einem Wimperschlag ein Geschöpf, der Katze nicht unähnlich, nur viel kleiner, pelzig, große Augen, und diesmal achtete Gott darauf, dass sein Geschöpf NUR pflanzliche Nahrung zu sich nehmen würde. "Du sollst MAUS heißen!" wollte Gott sagen... doch da hatte die Katze sich schon auf das winzige pelzige Geschöpf gestürzt, es getötet und heruntergeschlungen.
Das Maul, noch vom Blut der Maus verschmiert, schaute die Katze erschrocken gen Himmel.

"Lieber Gott.. Ich weiß nicht, was da über mich kamm... " stammelte sie.
Aber Gottes Zorn entlud sich in einem gewaltigen Tritt, der sie Katze aus dem Garten Eden beförderte.

Der Tritt war so gewaltig, dass die Katze laut wimmernd einige Momente lang durch die Luft flog. Genug Momente für Gott, um über dieses seltsame Geschöpf nachzudenken.

Und in seiner Güte und Weisheit vergab Gott der Katze.

Er hab ihr- noch im Flug - einen Schwanz, auf dass sie auf ihren Füßen landen würde. Er gab ihr sechs Leben, denn so unverschämt und dreist, wie sie ihm nun mal geraten war, würde sie die brauchen.

Und er bevölkerte die Welt, die ausserhalb des Gartens noch reichlich öd und leer war, mit Mäusen.

Die Katze sollte nicht Hunger leiden, aber sie sollte sich ihre Nahrung schwer verdienen müssen. Nach einer eleganten Landung schaute sich die Katze etwas bedeppert in ihrem neuen Zuhause um. Keine Flüsse aus Milch, keine Bäume aus denen Honig fließt...

Verängstigt, gekränkt und beleidigt verkroch sich die Katze im nächstbesten Gebüsch.

Nein! Das hatte sie nicht verdient! Lieber würde sie sterben, als diese Strafe zu akzeptieren.

Und sie starb, ein mal, zweimal, dreimal... aber sie lebte immer noch. Sie wußte nichts vom Geschenk ihres gütigen Herrn.

Kurz bevor auch ihr sechstes Leben am Hunger zugrunde ging, hörte die Katze wenige Meter erntfernt ein Rascheln im Unterholz.

Sie sprang ganz instinktiv darauf zu, aber das war keine Paradies- Maus! Vor Hunger konnte die Katze kaum noch stehen, und ihre Sinne ließen sie auch im Stich. Die Maus war weit fort, bevor die Katze ihr auch nur nahe war.


So ließ die Katze sich nieder, um zu sterben . wie sie fühlte - ein letztes Mal.
Gott war tief beeindruckt. Bisher hatte jedes seiner Geschöpfe sich früher oder später an ihn gewandt. Winselnd, flehend, fordernd, verhandeln.....

Nicht so die Katze!


Im Dämmerschlaf zwischen Leben und Tod kam Gott zu Katze. "Mein Kind.." sagte Gott "Du hast tapfer gelitten. Ich bin geneigt, deine Tapferkeit zu belohnen. Aber ich möchte dafür erst eine Geste der Demut von Dir.
Ich bin dein Herr! Ich habe dich gechaffen! Huldige mir, und versprich, dass du in Zukunft meine Geschöpfe in ruhe lässt und du wirst wieden willkommen im Paradies sein."

Mit letzer Kraft öffnete die Katze die Augen.

"Du hast mich erschaffen?" fragte sie mit ersterbender Stimme "Erwarte keinen Dank! Ich bin, wie DU mich schufst, ich schäme mich nicht dafür. Und jetzt lass mich allein, ich will in Ruhe gehen."

Gott war zuerst erzürnt, aber mehr und mehr obsiegte die Hochachtung vor dem einzigen Wesen seiner Schöpfung, dass ihn noch nie um Hilfe angefleht hatte - und dies wohl auch nie tun würde.

Als die Katze den letzten Atemzug ihres sechsten Lebens tat, gab Gott ihr ein siebentes. Aber er tat noch mehr. Er gab ihr scharfe Sinne, Schnelligkeit und Geschick und machte sie zur fürchterlichsten Jägerin, die die noch junge Welt bis dahin gesehen hatte.

Am Anfang ihres siebenten Lebens erhob sich die Katze und blinzelte verwirrt umher. Jedoch nicht lange, denn sie hörte ein Rascheln..... von weit her.... aber wenige Wimpernschläge später schlug sie ihre Zähne in den Körper einer völlig überraschten Maus.

Aaaah! das tat gut! Aber da! Wieder ein Rascheln!
Überwältigt von der Freude an ihrem neuen Dasein und dem guten Gefühl, endlich ihren bohrenden Hunger zu stillen, verfiel die Katze in einen wahren Blutrausch und viele Mäuse fielen ihr an diesem Tag zum Opfer. Auch als sie längst satt war konnte sie dem Jagdfieber nicht widerstehen. Bis sie sich endlich satt und erschöpft auf einer sonnigen Lichtung ins Gras legte und wohlig schnurrend einschlief.

Und Gott nahm hoch erfreut zu Kenntnis, dass sein Geschöpf zwar keinen Funken Demut in sich trug, aber dafür um so mehr Dankbarkeit.

SO KAM DIE KATZE IN DIE WELT....

UND DIE MÄUSE NATÜRLICH AUCH.


Am 1. Tag erschuf Gott die Katze.
Am 2. Tag erschuf Gott den Menschen, um der Katze zu dienen.
Am 3. Tag erschuf Gott alle Tiere der Erde, um als potentielles Futter für die Katze zu dienen.
Am 4. Tag erschuf Gott die Arbeit, dass die Menschen zum Wohle, der Katzen arbeiten konnten.
Am 5. Tag erschuf Gott den Glitzerball, dass die Katze damit spielen kann (oder auch nicht).
Am 6. Tag erschuf Gott die Tierärzte, um die Katzen gesund und die Menschen bankrott zu halten.
Am 7. Tag wollte Gott ruhen, doch ermusste das Katzenklo reinigen!!!


Am Anfang war die Katze

Am späten Samstag Abend der Schöpfung blickte der Allmächtige auf sein Werk und legte die Füsse hoch. Er freute sich auf seinen ersten Ruhetag; der erste Sonntag der Menschheitsgeschichte konnte kommen. Der Allmächtige war zufrieden.

Plötzlich aber vernahm er an der Tür ein seltsames Geräusch, er stand auf, um nachzusehen. Es war die Katze.
"Grosser Herr", sprach die Katze und strich dem Allmächtigen dabei um die Beine. "Die Schöpfung ist gar wunderlich und schön, und auch ich bin zufrieden. Du gabst mir ein prächtiges Fell, das mich vor Kälte schützt, du gabst mir schöne weiche Pfoten, mit denen ich mich lautlos anschleichen kann und du gabst mir scharfe Krallen und einen biegsamen Körper, der mich zum Jäger und Kletterer macht. Und trotzdem kann ich nicht verhehlen, dass mir noch eine Kleinigkeit fehlt."

Der alte Herr legte die Stirn in Falten und überlegte, was er vergessen haben könnte. Die Katzentür konnte es nicht sein; deren Erfindung war erst für später vorgesehen. Dasselbe galt für das Katzenstreu, dem erst die Domestizierung vorausgehen musste.
"Sprich!" forderte der Allmächtige seine Besucherin auf. "Was fehlt dir?"
"Es ist nur eine Kleinigkeit, Herr", sprach die Katze und wischte sich vor Aufregung mit der Pfote über die Barthaare. "Es soll ja auch keine Kritik sein...."
"Frei heraus damit!" befahl der Allmächtige leicht ungehalten, weil er seine Sonntagsruhe gefährdet sah. "Was ist es?"
"Nun", sprach die Katze und ringelte ihren Schwanz um die Vorderfüsse. "Ich bin nicht wehrhaft genug! Meine Krallen und Zähne sind zwar hervorragende Waffen gegen Mäuse und andere Nagetiere, und mit meiner Sprungkraft kann ich manchem Vogel einen Schrecken einjagen. Aber dem Menschen bin ich machtlos ausgeliefert."

Unruhig schaute der Allmächtige auf seine Uhr, die Katze nutzte die Pause, um fortzufahren.
"Dem Löwen und dem Tiger hast du übergrosse Reisszähne und furchtgebietende Pranken gegeben, die Schlange kann sich mit Gift zur Wehr setzen, und selbst der Igel kann mit seinen Stacheln den Menschen in Schach halten. Nur ich, Herr, ich bin wehrlos und deshalb ein wenig unglücklich."

"Was schwebt dir vor?" fragte der Allmächtige. "Willst du Flügel wie die Vögel haben oder dich wie der Wurm in der Erde verkriechen können?"
"Ich weiss es nicht", sagte die Katze traurig. "Vielleicht wäre ein grosser Stosszahn wie beim Elefanten oder beim Nashorn gut."
"Wie du willst", sprach der Herr und verpasste der Katze zwei mächtige Hauer aus edelstem Elfenbein. Sofort verlor das Tier das Gleichgewicht und fiel bewegungsunfähig vornüber.
"Ich glaube, Stosszähne sind doch nicht das richtige", klagte die Katze noch unglücklicher als zuvor. "Wenn sie nur nicht so gross wären! Vielleicht wäre ein spitzer Schnabel besser?"
Wieder erfüllte der Herr ihren Wunsch und ersetzte die kleine Stupsnase durch einen wuchtigen, dolchartigen Schnabel. Aber ach, die Katze war erneut unzufrieden.
"Ich glaube, ein Schnabel ist doch nicht das richtige", jammerte sie und hackte unbeholfen auf dem Boden. "Wie soll ich denn jetzt mein Fell pflegen? Vielleicht wäre ein schwerer Echsenpanzer besser!"
Und wieder erfüllte der Herr ihren Wunsch und wieder war die Katze unzufrieden und wieder wünschte sie sich was anderes. Aber ganz gleich, was ihr der Allmächtige auf den Leib schneiderte, die Katze wurde immer trauriger.

Inzwischen war es bereits eine Minute vor Mitternacht, der siebte Tag, an dem die Schöpfung abgeschlossen sein sollte, und der Allmächtige ruhen wollte, rückte erbarmungslos näher. Da schaute der Herr auf das arme Kätzchen und sprach:
"Um mit dem Menschen fertig zu werden, brauchst du keine Stosszähne, keinen Schnabel und auch keinen Panzer. Ich gebe dir jetzt nämlich eine Waffe, die wirkungsvoller ist, als jede Pranke oder jedes Gift! Die Menschen werden dir ehrfürchtig zu Füssen liegen: Ich schenke dir das Schnurren!"

Im selben Augenblick schlug die Uhr zwölf, begleitet von einem wohligen Laut, der aus der Tiefe einer überglücklichen Katzenkehle kam. Da sah der Herr, dass es gut war, nahm den schnurrenden Pelzknäuel auf den Schoss und sagte:
"Ich habe sechs Tage lang schwer gearbeitet und brauche jetzt ein wenig Entspannung. Meinen ersten Sonntag will ich gemeinsam mit dir verbringen." Sprachs und rollte sich mit dem Kätzchen zu einem Schläfchen aufs Sofa.




Wie wir zu unsere neuen Dosi kamen!

Hallo, ich bin Tiger und habe eine Freundin die Socke heißt. Da ich der mutigere von uns beiden bin werde ich mal die Geschichte erzählen!

Es war der 17. Oktober als wir sie zum ersten Mal sahen. Sie war vorher noch nie da gewesen, obwohl ich schon so viele Menschen hab ein und ausgehen sehen bei uns aber sie noch nie. Die Socke hat sich natürlich erstmal verkrochen, sie mag nicht so gerne Fremde. Im Gegensatz zu mir. Ich, freundlich wie ich bin, begrüße jeden neuen Gast in unserer Hütte. Ich hörte meine Menschin sagen "Hallo Anke"! Aha, so hieß die Neue also! Wie es sich gehörte wurde ich natürlich direkt vorgestellt. Dann wurde ich von der Neuen gestreichelt und sie spielte mit mir! Da dachte ich so bei mir: "Na die gefällt mir, ich hoffe die kommt jetzt öfters!"
Und so geschah es also! Sie kam öfters! Nur eins hatte sich verändert. Sie wurde von meiner Menschin jetzt nicht mehr Anke genannt sondern "Schatz"! Und jedes Mal wenn sie kam machten sie etwas komisches, sie drückten ihre Münder aufeinander, ich glaub ich hab mal gehört, dass nennen sie Kuss! Aber ich war mir sicher es war dieselbe! Sie roch immer gleich, sie hatte die gleiche Stimme und sie spielte und schmuste immer mit mir! Sie war definitiv dieselbe!

So langsam kam auch Socke ab und an aus Ihrem Geheimversteck. Wobei nur sie noch glaubt, dass es ein Geheimversteck ist, alle wissen doch das sie unter dem Bett ist. Naja, auf jeden Fall schnupperte auch Socke nun ab und zu an Anke herum. Jedoch streicheln lies sie sich noch nicht! Ich ärgerte sie dann immer und rief "Feigling, Feigling" jedoch zunächst ohne Erfolg! Aber was war das? Ca. nach dem fünften Besuch von Anke, an die ich mich echt gewöhnen könnte, sah ich die kleine, sonst so feige Socke, auf Ankes Schoß springen. Sie ließ sich darauf ein von Anke gestreichelt zu werden. Später sagte sie zu mir "siehst, ich bin gar nicht so feige". Auf jeden Fall schien Socke gefallen daran gefunden zu haben und kam immer öfter um sich bei Anke Ihre Streicheleinheiten abzuholen! Zum großen Erstaunen unserer Menschin die übrigens Anika heißt. Sie sagte, dass Socke noch zu keinem so zutraulich war. Und das stimmt, das kann ich bestätigen!

Das ging so ca. 2-3 Wochen, dann redeten Anke und Anika immer von Umzug und zu wenig Geld! Wie sollte ich das alles verstehen? Sie miauten so undeutlich! Aber ich reimte es mir zusammen. Ich fand heraus, dass Anika nicht genug Geld hatte für die Miete unserer jetzigen Wohnung. Und das sie in ein Wohnheim ziehen wollte wo nur Krankenschwestern und Krankenpfleger und die die diesen Beruf lernen, dass macht Anika nämlich, wohnen. Jedoch sind dort in den Zimmern keine Haustiere erlaubt. Und ach du Schreck, ich bin ein Haustier!!!!! NA GUT RUHE BEWAHREN UND ABWARTEN!

Es war Ende November ich glaube der 27.! Was war das? Alle meine Spielsachen, mein Kratzbaum, meine Toilette, mein Essen, meine Näpfe... Ey wo wollt ihr damit hin? Ich wollte schon richtig sauer werden da holten sie noch den Transportkorb heraus. Aha es geht nur zum Tierarzt. Ich setzte mich mal in den Korb! Socke die von dem ganzen hin und herräumen schon ganz verrückt war hat sich mal wieder in ihr *Geheimversteck* verkrochen aber die beiden Menschinnen lagen schon vor dem Bett. Ich hatte es ihr gesagt, dass es kein Geheimversteck mehr ist aber sie wollte ja nicht hören! Also in der Zeit in der die beiden versuchten Socke zu schnappen dachte ich nach! Und auf einmal viel mir ein, dass wir früher nicht alle Sachen mitgenommen haben wenn wir zum Tierarzt gefahren sind, also Moment mal wo geht's denn dann hin? Erstmal wieder raus aus dem Korb! Socke zu schnappen war wirklich schwierig, denn sie war verdammt schnell! Als Socke dann im Korb war hatte ich Mitleid mit den beiden die schon eine ca. 1 stündige Jagd hinter sich hatten und ging freiwillig in den Korb. Obwohl ich nicht wusste worauf ich mich einließ!

Angekommen! Das war ja nicht sehr weit, Gott sei dank, denn Socke weinte ganz laut! Alle unsere Sachen waren schon aufgebaut und verteilt, wie ich sah fehlte auch nichts. Ich ging mutig aus dem Korb und beschnupperte alles, Socke folgte mir! Also das sollte unser neues Reich sein. Es war toll, es war zwar etwas kleiner, hatte aber viele Plätze zum schlafen und spielen. Ich fühlte mich wohl und Socke ging es genauso! Nur eine Sache hatte sich geändert, jetzt war es Anika, die immer zu Besuch kam. Sie hat zwar oft, fast täglich bei uns geschlafen aber sie war Besuch!

Mir viel auf, dass die beiden sich nicht mehr so gut verstanden! Aber noch machte ich mir darüber keine Gedanken. Das Jahr ging zu Ende und auch zu dieser Zeit muss es gewesen sein. Anika kam seltener und sie schlief auch nur noch ganz selten bei uns, ich glaub am 2. Weihnachtsfeiertag zum letzten mal! Dann, im Januar sahen wir Anika zum letzten mal! Komisch war das als sie nicht mehr kam. Wir waren alle ganz traurig! Anke weinte ab und zu mal, aber sie schmuste und spielte auch ganz viel mit uns und ich glaube das hat sie etwas getröstet. Die Zeit verging… Im Februar oder März hat Anke uns mal erzählt, dass sie Anika gesehen hat und auch kurz mit Ihr gesprochen hat, aber Anika hatte sich nicht einmal nach uns erkundigt. Traurig aber wahr, so verloren wir unsere erste Dosine!

Mittlerweile haben wir uns super eingelebt und sind glücklich mit unserer neuen Dosine! Tiger und Socke, ich bin so froh das ich Euch hab und möchte Euch nicht mehr missen!


Die Abenteuer von Maus und Gonzo!

Hallo Leute! Mein Name ist Maus ich bin eine Britisch Kurzhaar Katze, ich habe helle Flecken im Fell, ich glaube meine Dosine nennt das nobel blue tortie, genauso habe ich in Wirklichkeit einen schrecklich langen Namen mit von und so. Mir ist das egal ich höre auf Maus und damit basta.
Letzte Woche habe ich ein tolles Abenteuer erlebt. Meine Menschen, Gonzo,er ist mein Kater, und ich, wir reisten zu einer dieser Ausstellungen. Mir macht das nichts aus. Ich habe es gerne angesehen zu werden und wenn ich müde bin dann schlafe ich. Also die Ausstellung war am Abend zu Ende und Gonzo und ich dachten, dass wir jetzt nach Hause fahren, aber schon nach ganz kurzer Zeit war die Fahrt beendet. Unsere Kennel wurden durch ein Haus getragen, das nicht wie zu Hause roch. Ich hörte meine Menschin schnaufend sagen, "noch eine Treppe und ich falle um." Dann waren wir offensichtlich oben.
Meine Tür ging auf und ich spazierte mutig ins Zimmer. Es roch klasse und sah auch toll aus. Ich blickte mich um und fand diese Kisten mit den klapperigen Dingern mit denen das Menschenkind spielt. Noch eine kurze Runde gedreht und und ich wusste das ich diesen Spielplatz schon kannte. Schnell rannte ich zu Gonzos Kiste spähte hinein und sie war leer. Offensichtlich war er umgezogen. Ich muss an dieser Stelle verraten das mein großer Kater nicht sehr mutig ist. Er sucht sich dann immer meine Kiste als Versteck aus, denn die ist kleiner. Ich kroch zu Gonzo und schnurrte ihm zu, dass wir bei den Menschen mit dem kleinen Menschending zu Besuch wären und er keine Angst zu haben braucht. Außerdem haben sie das Kleine schon weggebracht. Ganz langsam und vorsichtig schlich Gonzo auf dem Bauch aus der Kiste und verschwand unter der Couch. Schade! Ich wollte doch mit ihm spielen. Er wollte nicht. Also ging ich allein. War das toll! Die haben eine Treppe in der Wohnung nach unten. Ich kickte ein paar dieser bunten Dinger die Treppe runter, dass machte mir eine Weile Spaß, aber dann hörte ich auf und setzte mich in die großen Fenster, ohne dieses lästige Gebamsel davor, und guckte nach draußen. Gegenüber das Haus hatte ein sehr interessantes Dach. Ich dachte darüber nach, wie würde wohl die Aussicht sein. Leider war das Fenster fest verschlossen. Ich saß ganz lange dort, meine Menschen schliefen schon und Gonzo drehte endlich seine Schnupperrunde. Dann legten auch wir uns schlafen.

Ich war noch überhaupt nicht ausgeschlafen, als dieses quietschende Ding losging. Meine Dosine stellte es ab und die Nacht war vorbei. Seufzend versuchte ich doch noch etwas zu schlummern. Aber Menschen sind so laut wenn sie munter sind. An schlafen war nicht mehr zu denken. Verschlafen tappte unser Menschenmann ins Bad, bums knall Tür zu. Ich saß vor einer geschlossenen Tür, dabei stand in diesem Raum auch meine Toilette. Ich war gekränkt und eingeschnappt. Weiß dieser Dümmling denn nicht das Katzen , wie ich, geschlossene Türen nicht mögen. Ich setzte mich davor und schimpfte was das Zeug hielt. Ich hatte Erfolg! Die Tür ging auf, hocherhobenen Hauptes schritt ich an ihm vorbei ins Bad. Und heurika, was sah ich da! Das Fenster, das immer fest verschlossene Fenster stand offen!
Menschenmann ich liebe dich, rief ich und kletterte aufs Dach. Ein Gefühl von Freiheit überwältigte mich. Drinnen hörte ich die Menschin kreischen, das Fenster ist auf und wo ist Maus. Dann guckte die Dosine aufs Dach. Ich wollte ein Stückchen nach oben gehen, aber des Dach war sehr steil, ich rutschte ab. Meine Krallen fanden keinen Halt. ich schlitterte nach unten. Ein komisches Ding bremste mich ab. Jetzt fand ich meine Idee mich hier draußen umzusehen nicht mehr so gut, ich schrie laut um Hilfe. Ich hörte meine Dosi aufgeregt sprechen: "Du vergisst, dass wir im sechsten Stock sind , in der Großstadt. Mitten in Berlin. Ich rufe die Feuerwehr!" Der Menschenmann guckte zu mir aufs Dach und redete auf mich ein. Ich hörte ihn rufen bringt mir ein Seil. Dann polterten die Treppen. Ich versuchte wieder nach oben zu kommen. Der Menschenmann rief nun lauter nach einem Seil. Wieder rutschte ich ab und hatte Glück, dass ich von dem Ding aufgehalten wurde. Ich hatte mächtige Angst. Der Menschenmann rief immerzu meinen Namen und das er mich gleich holen käme. Endlich war das Seil zur Stelle. Die Menschin sagte, sie hätten nichts anderes gefunden und band dem Menschenmann ein Stromkabel um den Bauch. Zusammengekauert saß ich am Dachrand und hoffte. Dann schoben sich zwei Beine durchs Fenster, zappelten, fanden neben mir auf dem Dach halt. Obwohl ich schreckliche Angst hatte musste ich grinsen, der Menschenmann sah zu komisch aus. Er war nur mit Socken ,Unterhosen und seinem Oberhemd bekleidet zu mir aufs Dach geklettert. Ich maunzte freudig und wollte zu ihm hin. Wieder rutschte ich ab, dieses Mal hatte ich richtig viel Schwung. Ich wäre abgestürzt hätte mich mein Mensch nicht in letzter Sekunde am Kragen gepackt und zum Fenster rein gereicht. Dann ging alles ganz schnell. Ich landete unsanft in meiner Kiste und Tür zu. Ich sah noch wie der Menschenmann sich mit zitterigen Händen einen Schnaps in ein Glas goss und dieses sofort leerte.
Ich habe mein Abenteuer natürlich Gonzo erzählt. Er meinte, ich sei ganz schön dumm gewesen und meine Dosine sagte: ab heute kommt an jedes Fenster ein Schloss, wenn wir bei euch zu Besuch sind. Kurze Zeit später ist unser Menschenmann in seine Hosen gestiegen und wir wurden wieder durch das Haus getragen ins Auto gestellt und zum zweiten Tag der Ausstellung gefahren. Übrigens! Wir waren an beiden Tagen sehr erfolgreich, sagen unsere Menschen. Uns aber ist das Egal! Das war`s bis bald, eure Maus.




Das Glückskätzchen

Es war ein Tag wie aus einem Märchenbuch - es war der 24. Dezember, alles war mit frischem Pulverschnee bedeckt, die Sonne strahlte und die Welt sah aus wie mit Milliarden von kleinen Diamanten übersät. Gerade so, wie man sich den Heiligabend in seinen schönsten Träumen vorstellt.
Doch für das kleine Kätzchen, das frierend und hungrig in seinem Versteck in der Scheune lag, war es alles andere als ein schöner Tag. Seine Mutter war seit zwei Tagen nicht mehr gekommen, um ihm Nahrung und Wärme zu schenken. War ihr etwas zugestoßen? Haben liebe Menschen sie in ihr Zuhause aufgenommen ohne zu ahnen, dass sie ein Baby zu versorgen hat? Das Kätzchen zitterte vor Angst und Kälte, hatte schrecklichen Hunger und Sehnsucht nach der Liebe und Geborgenheit seiner Mutter. So fing es an, erst ganz leise zu wimmern und dann immer lauter - irgend jemand musste doch kommen und ihm helfen!
Zur gleichen Zeit war die kleine Maria mit ihrem Frühstück fertig und konnte es kaum erwarten, endlich draußen im Schnee herumzutoben. Sie zog sich mollig warm an, gab ihrer Mutter einen Kuss und stürmte fröhlich singend nach draußen. Sie rannte über eine Wiese, warf den Schnee in die Luft und war voller Freude über den wunderschönen Tag und vor allem, weil heute Abend ja das Christkind kommen sollte! Was wird es wohl bringen? Vielleicht das ersehnte dreifarbige Plüschkätzchen, das sie ein paar Tage zuvor in einem Schaufenster gesehen hatte? Ach, wenn es doch nur endlich Abend wäre!
Doch mitten im Spiel horchte sie auf. War da nicht ein Geräusch? Sie machte sich auf die Suche, woher das kam und schließlich erreichte sie die Scheune mit dem kleinen Kätzchen. Zum Glück war das Tor nicht verschlossen, so dass sie ungehindert hineingehen konnte. So fand sie das Kleine in seiner Not. Es war ein dreifarbiges, gerade so wie die kleine Katze im Schaufenster!
Sie nahm es behutsam auf, wärmte es unter ihrer Jacke und lief nach Hause. "Mama, Mama, schau mal, was ich gefunden habe! Darf ich sie behalten?" Die Mutter empfand sofort tiefes Mitleid für das kleine Tierchen. "Ach du meine Güte!" rief sie "Die Kleine ist ja am Verhungern! Ein Glück, dass du sie gefunden hast. Wir werden sie jetzt erstmal versorgen, aber so einfach behalten kann man eine gefundene Katze nicht. Wir müssen uns vergewissern, dass sie niemandem gehört, und Papa solltest du auch erst mal fragen, findest du nicht?" Maria nickte nur leicht enttäuscht.
Zusammen bereiteten sie ein gemütliches Schlafkörbchen und besorgten eilig Katzen-Aufzuchtmilch. Denn normale Kuhmilch, erklärte die Mutter, ist für Katzenbabys unverträglich. Als der Winzling versorgt war, liefen sie zu dem Bauernhof, wo Maria das Kätzchen gefunden hatte. Der Bauer wusste gar nichts davon und war damit einverstanden, dass Maria die Kleine behielt. Die erste Hürde war geschafft! Sie jubelte, wirbelte im Kreis herum und zog dann ihre Mutter ungeduldig nach Hause.
Ach war die Kleine niedlich! Hoffentlich hat Papa nichts dagegen! Da kam dieser auch schon in den Hof gefahren. Maria rannte hinaus, sprang an ihm hoch, kaum dass er aus dem Auto gestiegen war und überfiel ihn gleich mit der aufregenden Neuigkeit. Er lachte, weil er seine Tochter noch nie so stürmisch erlebt hatte. Sie zerrte ihn sofort ins Wohnzimmer, noch ehe er seine Schuhe ausziehen konnte. "Egal, ich mache das schon wieder sauber!"
Da stand also nun das Körbchen. "Eine Glückskatze!" rief er aus und bückte sich. Als er das Kätzchen vorsichtig berührte, fing es leise an zu schnurren. Da war es um ihn geschehen. Dieses kleine Fellbündel musste man einfach liebhaben! "Also gut, kleiner Wildfang, du darfst sie behalten. Aber du weißt sicher auch, dass es Arbeit macht und eine große Verantwortung ist, sich um ein Tier zu kümmern! Es ist kein Spielzeug, sondern ein Lebewesen. Du hast die Verantwortung bis an ihr Lebensende - und eine Katze kann zwanzig Jahre alt werden!"
Maria umarmte ihre Eltern so stürmisch, dass sie beinahe alle zusammen auf den Boden gefallen wären. Diese Verantwortung wollte sie nur zu gerne übernehmen, auch wenn es mal schwierig werden sollte.
"Wie willst du sie denn nennen?" fragte der Vater. Maria überlegte. Da meinte die Mutter "Ich finde, wir sollten sie nach Maria benennen, schließlich hat sie ihr das Leben gerettet. Was haltet ihr davon, wenn wir sie Mariechen nennen? Es passt auch so gut zu Heiligabend!"
Dieser Vorschlag wurde begeistert angenommen. Mariechen, die Weihnachts-Glückskatze! Maria war so mit ihrem kleinen Liebling beschäftigt, dass sie am Abend fast vergessen hätte, ihr Geschenk auszupacken, das unter dem schön geschmückten leuchtenden Weihnachtsbaum lag. Sie traute ihren Augen nicht - es war tatsächlich die Plüschkatze aus dem Schaufenster!
Maria war so glücklich, dass sie etwas von ihrer Freude weitergeben wollte an jemand, der an diesem Abend vielleicht nicht so glücklich war. Sie wusste, dass in der Nachbarschaft ein kleiner Junge wohnte, der keinen Vater mehr hatte und dessen Mutter in solchen Geldnöten war, dass sie ihrem Sohn zu Weihnachten nichts ausser ihrer Liebe schenken konnte.
Schnell packte sie das Plüschkätzchen wieder ein, lief zu dem Nachbarhaus und drückte es dem völlig verdutzten Jungen in die Hand: "Hier, für dich, damit du auch etwas unter dem Weihnachtsbaum liegen hast!"
Der Junge bedankte sich überglücklich und seine Mutter strich mit Tränen in den Augen sanft über Marias Haar "Danke, dass du meinem Jungen so eine riesengroße Freude gemacht hast. So glücklich habe ich ihn zu Weihnachten selten gesehen! Bitte komm uns bald mal besuchen, ja?"
So hatte das Glückskätzchen am Weihnachtsabend gleich fünf Menschen Glück und Sonnenschein ins Leben gebracht.



Glaube kann Hunde versetzen

Eine Weihnachtsgeschichte

"Minka die Weise werde ich genannt. Blind sind meine Augen geworden, meine Krallen stumpf. Keinen Zahn habe ich mehr in meinem Maul, kann keiner Maus mehr gefährlich werden, so viele Mondwechsel habe ich schon gesehen, so viele Sommer und Winter. Worüber ich euch aber berichten möchte, hat sich viele, viele Mondwechsel vor meiner Zeit zugetragen. Zu der Zeit nämlich, als die Zweibeiner in der Heimat unserer Ahnen begannen, Hütten zu bauen und Getreide anzupflanzen. Als unsere Ahnen beschlossen, ihr unabhängiges Leben mit den Zweibeinern zu teilen; war doch unser Tisch in ihrer Nähe stets reich gedeckt von den Scharen fetter Mäuse, die in ihren Kornkammern hausten. Ach, das waren goldene Zeiten!
Auch die Ahnin hatte die Gesellschaft eines Zweibeiners gefunden. Mosche wurde er von den Seinen gerufen, wie sein Urahn, der die Zweibeiner in dieses Land gebracht hatte. Aus Ägypten kamen sie, dem Land, in dem wir Katzen verehrt wurden wie Götter. Ägypten, das Land unserer großen Mutter Bastet.
Nur wenige Güter nannte Mosche sein Eigen, einige Schrittlängen Acker, auf denen er Korn anbaute und ein mageres Öchslein. Kaum reichte es ihm, um die Münder seiner Kinder zu stopfen, die so zahlreich waren, wie die der Mäuse, von denen die Ahnin lebte. Doch nirgends sonst wäre sie mehr geachtet worden als dort, hing doch von ihrem Fleiß das Wohl und Wehe der Familie ab! Zu Zeiten, da viele Zweibeiner das Land bereisten, gab Mosche ihnen Obdach und Nahrung und von den Münzen, die die Herbergsgäste daließen, konnte er wieder Hoffnung schöpfen, die Seinen einen weiteren Mondwechsel lang zu erhalten.
Einmal kamen so viele Reisende, dass alle Betten der Herberge besetzt waren, selbst in den Betten der Familie schliefen die Gäste. Da klopften des Nachts ein Mann und eine Frau an die Tür, die hatten kein Geld und nichts, womit sie hätten bezahlen können, nur das, was sie am Leibe trugen, so bettelarm waren sie. Die Frau bat: "Sei barmherzig und gib uns Obdach nur für diese Nacht. Wir haben ja nichts womit wir dir's vergelten können, nur mit dem Segen der Höchsten des Universums. Aber unser Weg war weit und meine Zeit ist gekommen, nur um einen Platz wo ich entbinden kann, bitten wir dich. Morgen, bevor die Sonne aufgeht, ziehen wir weiter."
Mosche, der Wirt, antwortete: "Ich kann euch keinen Platz bieten, ihr Armen, es ist ja nichts mehr frei in der Herberge. Aber legt euch in den Stall zum Öchslein, dort habt ihr's warm und geschützt. Da magst du in Frieden dein Kind zur Welt bringen."
Die Ahnin sah und hörte alles und da auch für sie die Zeit war, niederzukommen, schlüpfte sie in den Stall zu der Fremden, um mit ihr die Schmerzen und Wonnen jenes Wunders zu teilen, das da heißt, einem Wesen das Leben zu schenken.
Nicht lange und der Stall hallte wider vom Gewimmer der Neugeborenen. Die Zweibeinerin hatte ein Söhnchen zur Welt gebracht, die Ahnin derer fünf, alles Tigerchen wie sie selbst. Der Mann war stumm geworden vom Wunder der Geburt und selbst das Öchslein staunte.
Doch es war bitterkalt in dieser Nacht, die Sterne funkelten am klaren Himmel und der Rauhreif glitzerte im Mondlicht wie lauter kleine Sternchen, die zur Erde gefallen waren. Der Säugling schrie vor Kälte und der Zweibeiner weinte, weil er nichts hatte, die erschöpfte Mutter und ihr Kind zu wärmen. Die Ahnin sah die Not der Mutter und Mitleid ergriff ihr Herz, war sie doch selbst so viele Male Mutter gewesen und eben wieder. So packte sie sacht ihre Brut und trug sie allesamt zum Futtertrog des Öchsleins, in dem der Säugling lag. Eines nach dem anderen legte sie ihre Kinder zu dem kleinen Wesen in der Krippe und schmiegte sich zum Schluss selbst dazu. Der Zweibeiner wurde böse und wollte die Ahnin vertreiben, doch die Frau hinderte ihn daran. So lag der Säugling die ganze Nacht wohlbehütet an den Zitzen der Ahnin, die wärmte ihn mit ihrem Körper und ihr Spinnen war sein Wiegenlied.
Als es Morgen wurde, erhob sich die Fremde erquickt vom Schlummer und sprach zu der Ahnin: "Sei gesegnet, du himmlisches Wesen. Dein großes Herz hat meinem Sohn das Leben gerettet in seiner ersten Nacht auf dieser Erde. Dich und alle deine Nachkommen will ich unter meinen persönlichen Schutz stellen bis an das Ende aller Zeiten." Und sie küßte die Ahnin und drückte ihr sanft ihr Zeichen zwischen die Augen. Seit dieser Zeit tragen wir Tigergefleckten das große "M" auf der Stirn und wenn man ganz genau hinsieht, kann man auch bei den Andersfarbigen die feinen Scheitel des Abdruckes erkennen, den die zarten Finger hinterlassen haben.
Maria hieß nach der Überlieferung die göttliche Mutter und ihr zu Ehren trage ich meinen Namen, Minka.
Gesegnet seid ihr, vierbeinige Gefährtinnen und Gefährten des Menschen! Und ihr, Zweibeiner, wenn ihr in diesen Tagen das Fest des Wunders feiert, dann erinnert euch an eure treuen Hüter, die Katzen!"



Brief an eine Katze

Liebe Katze,
du hast mir gestern ein Beutetierchen vor die Füße gelegt - sozusagen als Geschenk. Aber ich habe mich weder bei dir bedankt noch dich gelobt. Stattdessen habe ich dir ein Halsband mit Glöckchen verpasst. Jetzt sitze ich hier mit meinem schlechten Gewissen und sehe an deinem reservierten Verhalten, dass du mich nicht verstehst. Aber du weißt doch, dass ich nicht nur dich, sondern alles, was da kreucht und fleucht, beschützen möchte. Und du weißt auch, dass die Halter kleiner Raubtiere, zu denen du nun einmal gehörst, besonders der Kritik derer ausgesetzt sind, die selbst Fleisch essen. Da durch Zerstörung ihres Lebensraumes durch den Menschen die Singvögel erheblich reduziert wurden und der Verlust jedes einzelnen nun mit Entsetzen registriert wird, kann ich nicht zulassen, dass auch du dich an dem Raubzug beteiligst. Du siehst, ich befinde mich in einer moralischen Zwickmühle.
Ja, ich weiß, ein von dir erwischtes Beutetier hatte ein artgerechtes Leben in Freiheit - ganz im Gegensatz zu den Abertausenden von Tieren in Massentierhaltung, die ihr qualvolles Leben für den menschlichen Verzehr lassen müssen. Und wenns nur um das Sattwerden und Überleben ginge! Aber der Mensch konsumiert Tiere im Übermaß - gekocht, gebraten, gegrillt, verwurstet und als Paste, zu jeder Tageszeit, zu gesellschaftlichen Anlässen, aus purer Langeweile, gedankenlos, in Küchen, Stuben, Restaurants und Cafeterias, an Imbissbuden, auf Terrassen und Parkbänken, in Gärten, am Strand und anderswo. Die Folgekosten für Krankheiten aufgrund dieser Völlerei muss die Gesellschaft tragen, Vegetarier paradoxerweise eingeschlossen.
Ja, Katze, du hast Recht: Auch die Menschen sollten Halsbänder mit Glöckchen tragen! Nur hätten die eingesperrten Fleischlieferanten keine Chance; sie können sich nicht verstecken, können nicht wegrennen oder -fliegen.
Ich weiß, du verzeihst mir.

Die Leiden eines verwöhnten Katers

Es ist wieder mal eine grauer Morgen, wie es ein Morgen im November nun einmal an sich hat. Wir sind zwei Katzen, ja die Lou und ich der Charlie. Wir leben beide im Haus und dürfen nicht an die freie Natur. Viel hat sich verändert in unserem sonst so ruhigem Haus. Alles fing damit an, dass wir (oder besser gesagt meine Menschen) einen Hund dazubekamen, das war so ungefähr im Mai.
Jedenfalls geschahen viele Dinge, die ich mir nie zu träumen gewagt hätte:
1. Kam nun ein trampelndes, übelriechendes, sabberndes Ungeheuer dauernd auf mich zu um mich von oben bis unten abzulecken.
2.Mein geliebter Mensch, der alles für mich tat, mich liebte, mir Sicherheit gab und für den ich überhaupt das wichtigste auf der Welt schien der kümmerte sich nun noch kaum um mich. Natürlich, das alles war schon schwer für mich, aber betrogen wurde ich auch noch:
Als sie nämlich alle nach einem langen, sonnigen Junitag in unsere Revierswohnung zurück kamen um sich zu duschen, sich um den Hund zukümmern und um ihren Kater wieder einmal nicht zu beachten, da roch ich genau und niemand kann oder konnte mir etwas vormachen, sie hatten erneut ein neues Tier. Und was es war! Es war etwas, das ein wenig nach mir roch es war also eine Katze.
Später kam diese in mein Revier und stellte sich als eine kleine Katzendame heraus, mit der ich mich jetzt ganz gut verstehe und die gerade maunzend in die Küche tippelt, weil sie hunger hat (sie vergisst:Es ist kein Mensch zu Hause der ihr Essen geben könnte).
In unserem Haushalt leben jetzt mittlerweile 2 Hunde 2 Katzen 1 Hase und 1 Pferd. Natürlich hat mein damals geliebter Mensch sich bei all den Tieren nicht dazu aufraffen können mein Herz wieder zugewinnen, und auch mein jetziger akzeptierter Mensch hatte es mit mir nicht leicht. Nein ich war von aller Welt so verletzt, dass ich niemanden mehr an mich heranlies (außer Lou) und schließlich auch noch krank wurde.
Mein Leiden als einsamer Kater wurde bemerkt, aber auch sehr spät, von dem kleinsten Menschen der Familie: einem Kind.
Es hat sich Mühe gegeben und langsam versucht mich von all dem zu heilen. Ich glaube es hat mich sogar verstanden. Inzwischen versucht auch mein alter Mensch mein Herz neu zu erobern. Er hat bemerkt was er getan hat. Ich könnte ihm verzeihen,aber ich will nicht noch einmal enttäuscht werden und außerdem brauch ich ihn jetzt nicht mehr.
Das Kind und ich sind gute Freunde und wir halten zusammen. Ich will euch nicht verschweigen, dass ich meist sehr eifersüchtig werde wenn es eimal mit Lou spielt. Aber auch das merkt mein Mensch und verzichtet allein wegen mir darauf (was auch nicht gerade richtig ist).Ich habe keine Angst, dass mein Mensch mich verlässt. Ihm vertraue ich, ihn liebe ich und er versteht mich.
Mein Mensch soll nicht glauben, dass ich all das, was er für mich tut nicht achte und schätze. Nein ich schätze das was er tut, ich kann es ihm aber leider nicht sagen.
Genug geredet für heute. Der Morgen ist fast vorbei und vorher schlafen Lou und ich noch eine Runde auf dem großen,breiten Schrank.
Lou liegt schon dort und ich muss jetzt gehn.




Hallo, ich bin der Felix.

Eigentlich ist mir ja mein Name egal, da ich sowieso immer gerannt komme, wenn die Menschen hier in der Siedlung ihre Katzen rufen, egal mit welchem Namen. Bis jetzt hieß ich immer nur "Schwarzer". Jedoch für die Menschen bedeutet Felix so was wie -der Glückliche-. Und ich bin glücklich. Ich will euch erzählen, wie es dazu kam. Das war nämlich nicht immer so.

Es ist vielleicht ein Jahr her, dass ich in diese Siedlung kam. Und ich hätte schwören könne, dass ich nie wieder was mit Menschen zu tun haben wollte. Ich mied sie so gut es nur ging. Doch ich entschied mich, erst mal hier zu bleiben, denn hier wohnten noch einige andere Katzen. Und die sahen nicht gerade unterernährt aus.
Da waren zwei Katzendamen. Die eine, Krümel, schleppte immer alle ihre Kumpels mit an. Und die andere, Tilli, ihre Schwester übrigens, war eine richtige Schönheit. Ich war sofort hin. Sie war grau getigert, hatte ein weißes Gesichtchen, weiße Pfötchen und ein weißes Bäuchlein. Aber sie konnte mich nicht leiden. Dann gab es da noch einige Kater. Aber die schienen auch friedfertig zu sein.

Also wie schon gesagt, ich hatte für mich beschlossen, die Menschen zu meiden. Aber wenn der Hunger gar zu groß war, setzte ich mich vor Krümels Haustür, und wartete, ob mir ihre Menschen was zu fressen gaben. Ich hatte dann schon so meine Haustüren, wo ich erfolgreich war. Einmal fiel beim Grillen sogar für mich ein Steak ab. Ich ließ mich dann auch schon von den Menschen anfassen, die mir ein Futterchen hinstellten.
In dem einen Haus fand ich sogar Unterschlupf, indem ich durchs Kellerfenster wie die anderen Katzen kletterte. Da saß auch manchmal besagte Katzendame, die ich so verehrte. Weil sie mich noch immer nicht leiden konnte, hatte ich mir in meinen dicken Katerkopf gesetzt, ihr den Platz streitig zu machen.

Aber mir machte immer noch meine Verletzung zu schaffen. Ich hatte eine ganz schlimme Vorderpfote. Ich glaub, sie war gebrochen und eiterte, so dass ich es vorzog, nur auf drei Pfoten zu humpeln. So schmerzte es nicht gar so sehr. Die eine Frau versuchte mir sogar, etwas Salbe drauf zu machen.
So verging die Zeit, und ich hätte es schlechter treffen können. Meine bösen Erfahrungen hatte ich bereits fast verdrängt, und meine schlimme Pfote heilte schließlich auch.
Einmal bin ich vor Stolz fast rückwärts gegangen. Da hatte ich ein Gespräch belauscht, in dem Tillis Mensch zu Krümels Mensch sagte, Tilli hätte einen viel schlechteren Geschmack als Krümel (wir waren inzwischen ziemlich gut befreundet und Tilli hatte so einen hässlichen schwarz-weiß gefleckten Kater als Freund). Das ging mir runter wie Öl. Denn ich bin wirklich ein hübscher Kater.

Irgendwann schien sich aber Tilli mit meiner Anwesenheit abgefunden zu haben. Wenn sie gut drauf war, saßen wir gemeinsam vor ihrem Haus und warteten auf ihre Menschen. Dann schwärmte sie, dass sie das gesamte Haus zu Verfügung habe. Sie erzählte von ihren herrlichen Schlafplätzen, von ihren Rausguckestellen, die sie "Kino" nannte und wo sie bei schlechtem Wetter aus der warmen Stube draußen alles beobachten konnte. Sie habe sogar ein Katzenzimmer, in welches sie über eine Leiter durch eine Klappe in der Decke gelangt. Dort klettert sie eine weitere Leiter hinauf, um den herrlichsten Ausblick über nahezu ihr gesamtes Revier auf einmal zu haben. Staun! Und sie hat ein ziemlich großes Revier. Das weiß ich. So weit traut sich hier in der Gegend kaum eine Katze!
Ein andermal erzählte sie mir von den herrlichen Leckerlis, die ihre Menschen für sie bereit haben. Sie bräuchte sich nur vor eine bestimmte Tür des Küchenschrankes zu setzen und ihre Menschen würden ihr von dort ihre Leckerlis rausholen. Sie hätte sogar zu den Mahlzeiten ihren festen Platz am Tisch ihrer Menschen und braucht diese bloß kurz mit der Pfote an zu stubsen, dann bekäme sie ihre Häppchen. Das hab ich sogar selbst mal gesehen, denn ich saß oft vor der Terassentür und hab mir neidvoll mein Näschen plattgedrückt. Na gut, ich will nicht jammern, ich bekam ja von Tillis Menschen auch meine tägliche Futterrration. Aber bissel ungerecht geht es doch zu auf der Welt, das wird wohl jeder einsehen!
Als Krönung empfand ich es ja, als sie mir vorschwärmte, sie schliefe sogar hin und wieder mit im Bett ihrer Mama, wie sie ihre Menschenfrau nannte.
Ja sie hatte es wirklich gut. Ihre Menschen müssen sie wohl sehr geliebt haben.

Aber Tilli liebte ihre Menschen auch sehr. Sie zeigte ihre Dankbarkeit, indem sie ihnen unentwegt ihre Beute vor die Tür legte, unzählige Mäuse aller Sorten und Vögel. Sie brachte ihnen sogar mal einen Frosch oder 'ne Kröte. So genau kenne ich mich da nicht aus, denn so was käme mir bestimmt nicht zwischen die Pfoten.

Über die erlegten Vögel freuten sich ihre Menschen nicht. Das verstehe einer! Darüber haben wir oft und lange philosophiert. Dabei sind doch Vögel viel schwieriger zu fangen...! Na ja, Menschen sind eben wirklich kompliziert.

Dann kam der schlimme Tag, der mich jedoch zu einem Glückspilz machen sollte.

Tilli streifte wie so oft durch ihr Revier. Aber wie ich dann durch den ganzen Aufruhr mitbekam, hatte sie doch mal nicht aufgepasst. Eigentlich verstehe ich das heute noch nicht, wie ausgerechnet ihr das hatte passieren könne, sie die eigentlich immer so schlau war. Na, jedenfalls war sie gegen Nachbars Auto gerannt. Und der war nicht mal ein unverantwortlicher Raser, wie es jede Menge von denen gibt. Sie muss wohl gleich tot gewesen sein. Das stimmte mich unendlich traurig.

Ich saß gerade vor der Haustür von Tillis Menschen, als sie diese Nachricht erhielten. Ich dachte, wenn ich da bin, so hilft es ihnen ein wenig über ihren Kummer hinweg. Jedoch ganz unten im Tiefsten Winkel meines Katzenherzens keimte, ohne dass ich es wollte, ein kleiner Hoffnungsschimmer.
Und wirklich, ich durfte hinein ... und blieb.
Natürlich genieße ich nicht die Privilegien, die Tilli hatte, noch nicht. Ich will ihnen noch etwas Zeit lassen. Aber wie lange werden sie wohl meinem Charme widerstehen können...?
Mir jedenfalls gefällt mein neues zu Hause sehr gut. Es ist überall warm. Einen Platz auf den Polstermöbeln habe ich mir schon ausgesucht. Futter ist immer da. Und noch ne 'ganz feine Einrichtung gibt's - ein Katzenklo. Das kenne ich noch aus Kindertagen. Da kann man sein Geschäft im Warmen verrichten. Ja, ich könnte noch viel mehr aufzählen.

Also Leute, ihr seht, ich bin wirklich glücklich!


Anleitung

Anleitung wie man einer Katze eine Pille verabreicht:

1. Nehmen Sie die Katze in die Beuge Ihres linken Armes, so als ob Sie ein Baby halten. Legen Sie den rechten Daumen und Mittelfinger an beiden Seiten des Mäulchen an und üben Sie sanften Druck aus, bis die Katze es öffnet. Schieben Sie die Pille hinein und lassen Sie die Katze das Mäulchen schließen.

2. Sammeln Sie die Pille vom Boden auf und holen Sie die Katze hinterm Sofa vor. Nehmen Sie sie wieder auf den Arm und wiederholen Sie den Vorgang.

3. Holen Sie die Katze aus dem Schlafzimmer und schmeißen Sie die angesabberte Pille weg.

4. Nehmen Sie eine neue Pille aus der Verpackung, die Katze erneut auf den Arm und halten Sie Tatzen mit der linken Hand fest. Zwingen Sie den Kiefer auf und schieben Sie die Pille in den hinteren Bereich des Mäulchens.
Schließen Sie es und zählen Sie bis 10.

5. Angeln Sie die Pille aus dem Goldfischglas und die Katze von der Garderobe. Rufen Sie Ihren Mann aus dem Garten.

6. Knien Sie sich auf den Boden und klemmen Sie die Katze zwischen die Knie. Halten Sie die Vorderpfoten fest. Ignorieren Sie das Knurren der Katze. Bitten Sie Ihren Mann, den Kopf der Katze festzuhalten und ihr ein Holz-Lineal in den Hals zu schieben. Lassen Sie die Pille das Lineal runterkullern und reiben Sie anschließend den Katzenhals.

7. Pflücken Sie die Katze aus dem Vorhang. Nehmen Sie eine neue Pille aus der Packung. Notieren Sie sich, ein neues Lineal zu kaufen und den Vorhang zu flicken.

8. Wickeln Sie die Katze in ein großes Handtuch. Drapieren Sie die Pille in das Endstück eines Strohhalmes. Bitten Sie Ihren Mann, die Katze in den Schwitzkasten zu nehmen, so dass lediglich der Kopf durch die Ellenbogenbeuge guckt. Hebeln sie das Katzenmäulchen mit Hilfe eines Kugelschreibers auf und pusten Sie die Pille in ihren Hals.

9. Überprüfen Sie die Packungsbeilage um sicher zu gehen, dass die Pille für Menschen harmlos ist. Trinken Sie ein Glas Wasser, um den Geschmack loszuwerden. Verbinden Sie den Arm Ihres Mannes und entfernen Sie das Blut aus dem Teppich mit kaltem Wasser und Seife.

10. Holen Sie die Katze aus dem Gartenhäuschen des Nachbarn. Nehmen Sie eine neue Pille. Stecken Sie die Katze in einen Schrank und schließen Sie die Tür in Höhe des Nackens, so dass der Kopf herausschaut. Hebeln Sie das
Mäulchen mit einem Dessert-Löffel auf. Flitschen Sie die Pille mit einem Gummiband in den Rachen.

11. Holen Sie einen Schraubenzieher aus der Garage und hängen Sie die Tür zurück in die Angeln. Legen Sie kalte Kompressen auf Ihr Gesicht und überprüfen Sie das Datum Ihrer letzten Tetanus-Impfung. Schmeißen Sie Ihr blutgesprenkeltes T-Shirt weg und holen Sie eine neues aus dem Schlafzimmer.

12. Lassen Sie die Feuerwehr die Katze aus dem Baum auf der gegenüberliegenden Straße holen. Entschuldigen Sie sich beim Nachbar, der in den Zaun gefahren ist, um der Katze auszuweichen. Nehmen Sie die letzte Pille aus der Packung.

13. Binden Sie die Vorder- und Hinterpfoten der Katze mit Wäscheleine zusammen. Knüpfen Sie sie an die Beine des Esstisches. Ziehen Sie sich Gartenhandschuhe über, öffnen Sie das Mäulchen mit Hilfe eines Brecheisens. Stopfen Sie die Pille hinein, gefolgt von einem großen Stück Filetsteak. Halten Sie den Kopf der Katze senkrecht und schütten sie Wasser hinterher, um die Pille herunter zu spülen.

14. Lassen Sie sich von Ihrem Mann ins Krankenhaus fahren. Sitzen Sie still, während der Arzt Finger und Arm näht und Ihnen die Pille aus dem rechten Auge entfernt. Halten Sie auf dem Rückweg am Möbelhaus und bestellen Sie einen neuen Tisch.

15. Bitten Sie Ihren Tierarzt um einen Hausbesuch.


Was ist Liebe?

Er war das Zufallsprodukt einer ausgemergelten, viel zu dünnen Bauernhofkatze und eines herrenlosen Streunerkaters, irgendwo in einem kleinen Dorf, dessen Namen niemand kennt. Die Katzen auf dem Hof bekamen die Tischabfälle zu fressen - wenn etwas übrig geblieben war -, ansonsten sollten sich die Katzen ihre Nahrung gefälligst selber fangen, Mäuse gäbe es schließlich genug. Aber die Mutter, die laufend Junge hatte, fing nicht genug, um ihre Babies ausreichend zu versorgen und auch noch sich selbst. Und so war die arme namenlose Mutterkatze, um die sich keiner kümmerte, schon verbraucht und krank, obwohl kaum 2 Jahre alt. Milch für ihre 5 Jungen hatte sie nicht genug, 3 ihrer 5 Babies verhungerten schon in den ersten paar Tagen. Der Bauer sorgte sich nicht darum, denn die Katzen brachten ihm keinen Gewinn. Waren sie krank, dann starben sie eben. Unser kleiner Kater Felix schaffte es, er überlebte und wuchs. Doch wonach er sich sehnte, ein warmes Eckchen im Haus der Menschen, ein bisschen Liebe, eine streichelnde Hand, das blieb ihm versagt. Er war halt nur ein nutzloses kleines Bauernhofkätzchen, und so blieb er allein mit der Mutter und der einzigen Schwester.

Eines Tages kam die Mutter von ihren Beutezügen nicht mehr zurück. Der kleine Felix schrie und weinte nach seiner Mama, aber die kam nicht mehr. Ein Autofahrer, der zu schnell gefahren war, hatte sie auf der Landstraße erfasst und sie war sofort tot. Da die verwaisten kleinen Kätzchen auf dem Hof, auf dem sie geboren worden waren, nichts bekamen, gingen sie auf Wanderschaft, immer auf der Suche nach Menschen, die ihnen ein Zuhause geben würden. Aber sie fanden es nicht. Zumindest hatten sie eine Futterstelle eines Katzenschutzbundes gefunden, bei der die herrenlosen Tiere gefüttert wurden, so dass sie ihren schlimmsten Hunger stillen konnten und überlebten. Aber wonach sich der kleine Kater Felix sehnte, ein warmes Eckchen im Haus der Menschen, ein bisschen Liebe, eine streichelnde Hand, das blieb ihm versagt. Er war halt nur ein nutzloses kleines Bauernhofkätzchen, und so blieb er allein mit der einzigen Schwester.

Die beiden Kätzchen versuchten weiter, ein Zuhause zu finden - aber wo sie auch hinkamen, sie wurden verjagt, teils mit Geschrei, teils bewarfen sie die Menschen gar mit Steinen. Eines Tages war etwas anders. Ihr Futterplatz blieb leer, die nette alte Oma, die sie gefüttert hatte, lag im Krankenhaus und konnte sie nicht mehr versorgen, Ersatz gab es nicht. Die beiden halbwüchsigen Kätzchen fanden eine andere Stelle, dort standen Käfige, in denen Futter stand. Da er Angst vor allem hatte, was von Menschen kommt, ging der kleine Felix nicht hinein. Seine Schwester aber, halbblind vor Hunger, ging hinein und saß in der Falle, sie war gefangen. Als Menschen kamen und die Käfige einsammelten, lief Felix davon. Tagelang wartete er in der Nähe, wo er sie zuletzt gesehen hatte, aber sie kam nicht mehr zurück. Er lernte Mäuse und kranke Vögel zu fangen, er konnte überleben, aber wonach er sich sehnte, ein warmes Eckchen im Haus der Menschen, ein bisschen Liebe, eine streichelnde Hand, das blieb ihm versagt. Er war halt nur ein nutzloses kleines Bauernhofkätzchen, und so blieb er allein.

Inzwischen war aus dem kleinen Kätzchen ein fast erwachsener Kater geworden. Felix bekam plötzlich ganz eigenartige Gefühle. Er war auf der Suche. Auf der Suche nach Katzendamen, die plötzlich so gut rochen. Aber er war nicht sehr stark, und die ganzen Kater im Umkreis mochten ihn plötzlich nicht mehr. Überall wurde er von wütenden Katern angegriffen, verletzt, fortgejagt. Er verstand die Welt nicht mehr. Was hatte er denn bloß getan? Warum wollte ihn niemand? Warum durfte er nirgendwo sein? Er war allein, bis er eines Tages auf der Jagd im Wald von einem dummen, herzlosen Jäger erschossen wurde und über die Regenbogenbrücke in ein großes schönes Land kam.

Es war warm, hell und freundlich dort. Ein paar Menschen und Tiere empfingen ihn. Unser kleiner Felix hatte Angst, wollte fliehen, doch zurück über die Brücke konnte er nicht mehr. Aber diese Menschen und Tiere waren anders, als die, die er bisher kennen gelernt hatte... Sie waren freundlich zu ihm und anstatt ihn zu jagen, liebten sie ihn und freuten sich, dass er da war. Es gab genug zu fressen, und er wurde von den Engeln verwöhnt, auch die anderen Katzen waren lieb zu ihm und sie spielten den ganzen Tag auf der großen Wiese im Regenbogenreich.

Nur manchmal waren ein paar wenige dieser Tiere ein wenig melancholisch, dann wenn sie an ihre Menschen dachten, die sie zurücklassen mussten in der alten Welt. Sie erzählten wie schön es doch gewesen war, wie sehr sie ihre "Dosis" (Felix wusste nicht, dass "Dosenöffner" die liebevolle Bezeichnung für ihre Menschen war, die sie versorgten) geliebt hatten und wieder geliebt wurden. Diese glücklichen Katzen waren auch in dem neuen Zuhause glücklich, aber sie vermissten ihre Menschen und warteten sehnlich auf den Tag, an dem auch ihr Mensch zu ihnen ins Regenbogenreich kommen und sie endlich wieder vereint sein würden.

All die Katzen, Hunde, Pferde, Vögel, Kaninchen, und Hamster, die weniger Glück gehabt hatten, hörten ihnen zu. Sie konnten nicht genug bekommen von den Erzählungen der glücklichen Tiere. Und unser Felix, der nie Liebe erfahren hatte, wurde sehr traurig. "Was ist Liebe?", fragte er. "Wie fühlt sich das an, gestreichelt zu werden? Wie fühlt es sich an, geliebt zu werden?". Der arme kleine Felix wusste es nicht.

Da kam ein großer Engel auf ihn zu und fragte, ob es ihm ernst sei, wissen zu wollen, was Liebe ist. Dem kleinen Felix war es sehr ernst. Er war zwar traurig darüber, seine neuen Freunde wieder verlassen zu müssen, aber er wollte doch sooo gerne wissen, wie sich das anfühlt, zu lieben und geliebt zu werden. Und so kam es, dass er zurück auf die Erde geschickt wurde.

Er bekam ein neues kleines Körperchen, er war geboren in einem Haus mit freundlichen Menschen und einer großen starken Katzenmama, die ihn liebevoll empfing. Sie putzte ihn und ließ ihn trinken. Es war genug Milch für die kleinen Babies da, denn die Mutter hatte nur wenige Junge bekommen und wurde liebevoll versorgt und genährt. Als er 12 Wochen alt war, wurde er fort geholt. Zunächst hatte er Angst, und die Trennung von Mutter und Geschwister fiel ihm schwer. Aber bald schon merkte der kleine Felix, dass er den Platz gefunden hatte, wonach er sich so lang gesehnt hatte - ein warmes Eckchen im Haus der Menschen, eine streichelnde Hand und sehr viel Liebe. Felix war glücklich.

Doch viel zu bald kam nachts der Engel zu ihm und fragte ihn, ob er nun bereit sei, zurück ins Regenbogenreich zu gehen. Es würden noch so viele arme Katzen darauf warten, zu lernen was Liebe ist. Felix war ein bisschen traurig, aber er hatte ein schönes, wenn auch kurzes Leben gehabt, und sein Herzenswunsch war erfüllt. Jetzt endlich hatte auch er liebe Menschen, auf die er warten konnte, dort drüben. Er freute sich auf das Regenbogenreich, auf die Engel, die ihn verwöhnten und die Tiere, die ihm Freunde geworden waren.

Aber als er auf der Regenbogenbrücke stand und zurückblickte auf "seine" Menschen, wurde ihm das Herz schwer. Es tat ihm so weh, zu sehen, wie sie die leere Hülle - seinen Körper den er hatte verlassen müssen - festhielten und um ihn weinten. Sie wollten ihn nicht gehen lassen und wünschten verzweifelt dass er bleiben würde, aber seine Zeit war vorbei. Er wollte ihnen sagen, dass es ihm gut geht und dass er auf sie warten würde, am Fuße der Regenbogenbrücke, doch sie hörten ihn nicht.

So ging der kleine Felix zurück in das Regenbogenreich. Seine neue Aufgabe ist es, den armen unglücklichen Tieren, die nie Liebe erfahren hatten, zu erzählen was Liebe ist und wie es sich anfühlt. Er macht ihnen Hoffnung, dass auch sie das Wunder der Liebe erfahren können, irgendwann in einem neuen Leben.

Felix's Menschen weinten noch eine Weile um ihr verlorenes Glück und ließen dann wieder ein armes, verlorenes Katzenpärchen in ihr Haus und ihr Herz. Sie machten damit zwei Katzen glücklich, die lange im Tierheim darauf gewartet hatten, endlich ein Zuhause zu bekommen. Die beiden können Felix nicht ersetzen, aber sie bringen das Lachen und die Freude in ihr Leben zurück. Und Felix werden diese Menschen wiedersehen, irgendwann und irgendwo, denn die wahre Liebe im Herzen ist das Einzige was wir mitnehmen dürfen, wenn unsere Zeit gekommen ist. Und sie ist ein Band, das uns für immer mit unseren Liebsten verbindet und das nie mehr zerreißt.



Ein Märchen

Es war einmal eine süße kleine Katze namens Pussy. Sie hatte für eine Katze ein überdurchschnittlich gutes Leben. Sie durfte zwar nicht raus, weil sie in einer Stadtwohnung lebte und Freigang für sie wegen der vielen Autos zu gefährlich gewesen wäre, aber zumindest hatte sie Zugang zu einem vernetzten Balkon, auf dem sie Frischluft tanken und gefahrlos das Geschehen in ihrer Umgebung beobachten konnte. Und vor allem hatte sie, wonach sich so viele andere Tiere verzweifelt sehnen: ein gutes Zuhause und viel Liebe. Sie hatte "Dosenöffner", die ihr regelmäßig gutes Futter gaben, sich viel mit ihr und ihrem geliebten Bruder Mohrle beschäftigten, mit ihnen spielten, tobten und schmusten sooft sie nur konnten. Angelique und Walter liebten ihre Pelznasen wie eigene Kinder. "Richtige" Kinder waren ihnen versagt geblieben, und so schenkten sie all ihre freie Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe einander und ihren Tieren. Sie waren eine richtig glückliche kleine Familie.

Aber Pussy und Mohrle wurden älter, und leider haben Katzen eine sehr viel geringere Lebenserwartung als Menschen. Und so kam schließlich der Tag, den ein jeder Tierhalter, der seine Tiere liebt, am meisten fürchtet: der Tag an dem sie die letzte und schlimmste Entscheidung treffen mussten. Pussy war alt und krank geworden und konnte nicht mehr bei ihren Menschen bleiben. Alle waren fürchterlich traurig und konnten und wollten sich ein Leben ohne ihre Pussy gar nicht so richtig vorstellen. Aber um ihr schlimme Schmerzen und einen qualvollen Tod zu ersparen, riefen Angelique und Walter schließlich den Tierarzt in ihre Wohnung, und der erlöste Pussy von ihrem Leid. Ganz friedlich schlief Pussy in den Armen ihrer geliebten Menschen ein.

Pussy war sehr erstaunt, dass es ganz anders war, als ihr es die Menschen erzählt hatten. Es wurde gar nicht dunkel um sie, und sie hörte auch nicht auf zu denken, sehen und zu empfinden. Sie fühlte sich lebendiger als zuvor. In dem Moment, wo ihr der Tierarzt die Spritze gab, schwebe sie aus ihrem alten Körper heraus und sah von außen auf ihre tote Hülle und auf die Menschen im Raum. Sie maunzte und schnurrte ihnen zu soviel sie konnte. Sie versuchte, mit der Pfote an ihren Beinen zu kratzen um sich bemerkbar zu machen.

Sie wollte diesen lieben, traurigen Menschen doch sooo gerne sagen, dass sie gar nicht wirklich tot war, sondern dass es ihr gut gehen und sie sich pudelwohl fühlen würde, jetzt wo sie den trägen, schmerzenden alten Körper endlich hinter sich lassen durfte. Doch Angelique und Walter in ihrem Schmerz und Trauer um den Verlust bemerkten es nicht. Sie glaubten nicht daran, dass der physische Tod nicht das Ende des Lebens, sondern eine Geburt in ein ganz neues Leben sein könnte. Und so konnten sie Pussy in ihrem neuen Lichtkörper weder hören noch sehen, so sehr Pussy sich auch bemühte. Nur Mohrle konnte sie sehen und er freute sich sehr, aber auch er konnte sich den Menschen nicht so mitteilen, dass sie ihn verstanden hätten.

Ein Engel kam zu Pussy und sagte ihr, dass er sie in ihr neues Zuhause bringen würde. Doch sie wollte nicht fort. Sie wollte bei ihrer Familie bleiben, in der Hoffnung ihnen doch noch die Botschaft ihres Weiterlebens vermitteln und so vielleicht ihre Trauer ein wenig mildern zu können. Aber es gelang ihr nicht. Offensichtlich konnten sie sie nicht wahrnehmen. Pussy sah schließlich ein, dass sie im Moment nicht mehr für ihre Leute tun konnte und gab nach ein paar Tagen auf. Sie verabschiedete sich ausführlich von ihrem lieben Bruder Mohrle und ging dann mit dem Engel mit, der geduldig auf sie gewartet hatte.

Sie gingen also die lange, blumengerandete Treppe hin zur Regenbogenbrücke. Nachdem sie so eine Art Nebelvorhang durch schritten hatten, betraten sie eine lichterfüllte, friedliche neue Welt. Wunderbare Blumenwiesen, einige kleine Seen, Wälder und Berge dehnten sich vor ihnen aus. Sie sahen überall Menschen und Tiere. Einige waren wie Pussy gerade angekommen und noch orientierungslos. Andere kannten sich offensichtlich schon aus und spielten miteinander. Viele schienen auch nur da zu stehen, sitzen oder liegen und zu warten. Sie blickten gebannt auf den Nebenvorhang, um nur ja nicht die Ankunft ihres geliebten Angehörigen zu verpassen.

Plötzlich bemerkte Pussy, dass eine andere Katze vor ihr stand und sie freudestrahlend, maunzend und köpfchenreibend willkommen hieß. Es war ihre Mutter Minka, die sie seit ihrer Kätzchenzeit nicht mehr gesehen hatte. Die beiden Katzen freuten sich rasend und ausgiebig begrüßten sie sich.

Schließlich führte Minka ihre Tochter durch das ganze neue Land und zeigte ihr alles. Es war ein riesengroßes, wunderschönes Reich und es gab keine Grenzen, Stacheldrahtzäune oder Mauern, die Bewohner voneinander getrennt hätte, die zusammen sein wollten. Sie kamen durch viele Gebiete. Hier gab es einfach alles. Es gab Wiesen und Wälder, Seen und Flüsse, Berge und Täler, Wüsten und Gletscher. Und es gab sogar Städte. Für jeden sollte es Bereiche geben, wo sie ein neues Zuhause finden konnten, je nach dem welche Bedürfnisse und Gewohnheiten sie aus ihrem Vorleben mitgebracht hatten und was sie brauchten, um sich wohl zu fühlen und sich weiter zu entwickeln.

Tiere, die bereits Menschen im Regenbogenreich hatten, die sich ihrer annehmen konnten, durften in den Wohnbereichen dieser Menschen wohnen, wenn sie es wollten. Alle anderen Tiere, die allein hier waren, zogen in ihre eigenen Bereiche, die Tierzonen. Liebe Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, für die heimatlosen Tiere zu sorgen, kümmerten sich dort um sie. Pussys Mutter Minka ging schließlich, als Pussy sich zurecht finden konnte, zum Vater ihres Frauchens zurück. Sie wohnte bei ihm, bis ihre Menschen zu ihr zurück kämen.

Pussy, die noch niemanden hier kannte, zog währenddessen in ihr neues Zuhause im Tierbereich. In dieser Wartezone traf sie auf viele andere Tiere, die entweder für immer hier bleiben würden oder darauf warteten, dass die mit einem neuen Körper auf die Erde zurück geschickt wurden - oder bis ihre Menschen ins Regenbogenreich kamen und sie wieder zu sich holten.

Bald schon war es an der Zeit, dass Pussy ihren Bruder Mohrle am Nebelvorhang abholen durfte. Manchmal besuchten die beiden Angelique und Walterim Schlaf und sprachen mit deren Seelen, woran sie sich allerdings im Wachzustand dann leider nicht mehr erinnern konnten. Den Rest der Zeit verbrachte Pussy und Mohrle mit den anderen Tieren. Sie spielten und tobten zusammen und fanden viele neue Freunde. Sie waren glücklich und vermissten nichts - bis auf ihre Menschen.

Doch die Zeit verging ihnen wie im Flug. Dort drüben im Regenbogenland gibt es keine Zeit in dem Sinn wie bei uns. Alles geht so schnell oder so langsam, wie die einzelne Seele sich das für sich wünscht. Und so kam sehr bald der Tag, auf den sie so sehnlich gewartet hatten: Angelique und Walter kamen an. Mohrle bemerkte es als erstes. "Puusssssiiiiieeee" rief er ganz aufgeregt. "Komm!!! Schnelllll!!! Lauf was du kannst!!! Mama und Papa sind da!!!!! Endlich haben wir sie wieder!!!!!!!!" Und weg war er.

Pussy, die gerade noch ausgelassen mit dem Hund Struppi gespielt hatte, riss es herum. Fassungslos starrte sie in die Richtung, in die Mohrle geeilt war. Da erblickte sie sie unter den übrigen Neuankömmlingen - verwirrt, desorientiert, und mit suchendem Blick: Angelique und Walter. Außer sich vor Freude rannte nun auch Pussy los, ihrem Bruder hinterdrein, hin zu den Menschen, die sie so sehr liebte.

Die vier Seelen befanden sich im absoluten Freudentaumel, sie küssten sich und hielten einander fest, als wollten sie einander nie mehr loslassen. Sie hatten sich so viel zu erzählen und so viel nachzuholen, was sie all die Jahre vermisst hatten. Als dann schließlich Angelique und Walter in ihrer neuen Welt eingeführt worden waren, zogen alle zusammen in ihr neues Heim, dort drüben im Regenbogenreich. Und da leben sie - ja, nicht bis an ihr Lebensende, denn das gibt es ja nicht. Sie leben dort zusammen und glücklich für immer. Nichts und niemand wird sie je wieder trennen.


Glück im Unglück, Tigger


Die Kinder hatten ihn Tigger getauft, weil sie damals so gerne Winnie Pooh im Fernsehen anschauten. Eigentlich hatte Tigger gar keine Streifen, sondern eine Räderzeichnung auf den Seiten. Aber schön orange leuchten tat sein seidiges Fellchen schon. Und so genau nehmen es Kinder halt nicht.
Er war ein stattlicher Kater, 5 kg schwer, die Ohren waren durch einige Katerkämpfe seitlich geschlitzt. Das nahm ihm aber nichts von seinem majestätischen Auftreten. Als 7 Wochen altes Katzenbaby war er in die Familie gekommen. Er hatte sich bei einem Herbstspaziergang angeschlossen und war geblieben. Dünn und hungrig war er gewesen, aber Angst hatter er keine, auch nicht vor den lauten Kindern. Diese waren es auch gewesen, die so lange gebettelt hatten, bis Tigger mit ins Haus durfte. Und Tobias, der ältere der beiden Geschwister war sogar losgegangen und hatte eine Dose mit Katzenfutter aus dem nahegelegenen Supermarkt gekauft. Obwohl es das letzte mal war, dass Tobias für sein Futter gesorgt hatte, liebte Tigger ihn sehr. Ebenso Mia, seine kleine Schwester. Mia, die ihn stundenlang streicheln konnte, die ihr Gesichtchen in sein Fell gegraben hatte, wenn sie traurig war und die ihn auch gerne bei sich im Bett liegen hatte. Gut, sie hatte ihn manchmal in Puppenkleider gesteckt, doch das hatte er großmütig über sich ergehen lassen. Obwohl es ihm keine Freude bereitet hatte, ebenso wenig die Fahrten im Puppenwagen. Dann gab es noch Peter und Sabine, die Eltern der Kinder. Die ihn immer gut behandelt hatten und sich um sein körperliches Wohlergehen gekümmert hatten. Sabine konnte besonders gut hinter den Ohren kraulen, da, wo Tigger es besonders mochte. Außerdem war sie zuständig für sein Futter und die Katzentoilette. Peter hatte zwar nicht oft Zeit für ihn, aber dann bastelte er mit den Kindern schöne Spielzeuge für Tigger. Wollemäuschen an einer Schnur oder lustig klappernde Bällchen.

Und nun saß Tigger hier. In einem kleinen Käfig. Täglich bekam er sein Futter und Wasser und auch das Klöchen wurde regelmäßig gereinigt. Aber er war traurig und vermißte seine Freiheit und seine Familie. Die Ereignisse passierten wieder einmal vor seinem geistigen Auge revue. 4 Jahre war er alt und er hatte sich stets vor den Autos gut in Acht genommen. Doch diesmal hatte ihn der böse Terrier vom Fleischerfachgeschäft gegenüber gehetzt. Über mehrere Grundstücke und Hinterhöfe war die Jagdt gegangen. Und gerade als Tigger dachte er hätte das kläffende Ungeheuer abgehängt, da war es passiert. Kreischende Bremsen hatte er gehört und dann nichts mehr. Ja, und dann war er hier aufgewacht. Mit große Schmerzen und an mehreren Stellen von Verbänden eingewickelt. Seine Wunden waren langsam geheilt, aber er war von Tag zu Tag trauriger geworden, denn er hatte jeden Moment damit gerechnet, dass ihn seine Familie abholen würde.
Um ihn herum befanden sich noch viele weitere Käfige. Besetzt mit Katzen jeder Farbe und jeden Alters. Rechts neben ihm saß Randi, ein junger frecher Kater, den er nur ungern tolerierte. Links neben ihm, im angrenzenden Käfig, lag Sunnie, eine dreifarbige Katze, die die Menschen auch Glückskatze nennen. Aber Sunnie hatte bisher nicht viel Glück gehabt. Sie befand sich schon zum dritten Mal hier im Tierheim. Das erste Mal war sie mit ihren Geschwistern zusammen abgegeben worden. Da hatte es nicht lange gedauert und ein junges Ehepaar hatte sie zu sich nach Hause geholt. Die hatten ihr auch den Namen gegeben. Die beiden hatten sich als gute Katzeneltern herausgestellt, aber dann angefangen miteinander immer häufiger zu streiten. Das Ende war eine Scheidung gewesen und keiner hatte mehr Zeit für Sunnie. So war sie wieder ins Tierheim gebracht worden. Mittlerweile schon 1 1/2 Jahre alt und nicht mehr so niedlich wie beim ersten Mal, hatte es 3 Monate gedauert bis sich jemand gefunden hatte, der Sunnie ein neues Heim bieten wollte. Eine alte Dame war es gewesen. Sie hatte Sunnie wirklich geliebt und verwöhnt. Doch nachdem sie in ihrer Wohnung böse gestürzt war, fanden ihre Kinder ein Altenpflegeheim wäre eine sichererer Aufenthaltsort für sie. Und so wurde Sunnie wieder einmal zurück gebracht, denn von den Familienangehörigen wollte niemand die Katze aufnehmen. Jetzt hatte sich Sunnie sehr in sich zurück gezogen, wie jeder es tun würde, der in seiner Liebe und seinem Vertrauen so oft enttäuscht worden ist.
Sunnie tat Tigger leid, weil er so große Schmerzen hatte über sich ergehen lassen müssen und Tigger hatte große Zuneigung zu Sunnie gefasst, denn sie hatte ihm gut zugeredet und ihm über die schlimmste Zeit hier im Tierheim hinweg geholfen. Nun saßen sie oft Fell an Fell am Gitter und gaben sich so gegenseitig Trost und Wärme.
Es war wieder Besuchstag im Tierheim. Schon einige Leute hatten sich heute Tigger genauer angesehen, aber durch die geschorenene Stellen rund um seine Verletzungen war er zur Zeit keine Schöhnheit. Da er seine Familie vermisste strahlte er auch eine Traurigkeit aus, die die meisten Interessenten dazu brachte, sich lieber einem muntererem fröhlicheren Tier zuzuwenden, dass versprach Freude in ihr Heim zu bringen. So war es auch heute wieder. Eine junge Frau hatte sich in Tiggers Nachbarn Randie verliebt und der Käfig neben ihm wurde leer. Bald würde wieder Ruhe eintreten im Tierheim, die Besuchszeit war um 18 Uhr zu ende und es war bereits 17.45 Uhr.
Da hörte Tigger auf einmal vertraute Stimmen. Er konnte es nicht glauben, aber er meinte sicher die Stimmen seiner Familienangehörigen vernommen zu haben. „Endlich,“ dachte er, „endlich haben sie mich gefunden !“. Doch die Stimmen wurden wieder leiser, die Familie war am Katzenhaus vorbei gegangen. „Einen jungen Hund.........................“ hörte er gerade noch die Stimme von Peter sagen.

Große Verzweiflung überkam Tigger. Das konnte doch nicht wahr sein. Seine Familie konnte ihn doch nicht vergessen haben! Laut fing er an zu maunzen und zu jammern.
Und dann hörte er die Stimmen wieder näher kommen. „Nein,“ sagte Peter gerade, „es scheint, die Kinder sind doch noch nicht bereit für ein anderes Tier. Sie vermissen ihren überfahrenen Kater zu sehr. Wir werden dann in einiger Zeit noch einmal wieder kommen.“ Wieder maunzte Tigger nach Leibeskräften. Da meinte Mia „Da ist eine Katze, die hört sich an wie unser Tigger, bitte lasst uns doch ins Katzenhaus gehen und nachschauen!“ Die Leiterin des Tierheims lachte und sagte: „Nun, so viele Katzen sind hier, da kann man unmöglich eine spezielle heraushören, aber sie können gerne schauen, ob ihnen eines unserer Kätzchen gefällt.“ „Aber wir hatten uns doch besprochen;“ sagte Sabine „eine neue Katze wollten wir nicht, weil wir noch zu traurig um unseren verlorenen Kater sind. Wir haben so an ihm gehangen!“ „Doch, bitte“ bettelte nun auch Tobias „lasst uns wenigstens mal hineinsehen!“ „Gut, gut!“ sagte Peter, „wenn ihr es gerne wollt, dann schauen wir uns die Katzen hier einmal an.“
Und dann, endlich, hörte Tigger die äußere Tür aufgehen, dann die innere und einen Moment später stand seine Familie im Raum. Eine große Erleichterung überkam Tigger. Nun würde alles gut werden.

Langsam ging die kleine Menschengruppe an den Käfigen entlang. Mia zügigen Schritters vorne weg. Und wärend ihre Eltern jedes Kätzchen genau ansahen und es auch einmal ansprachen, ging Mia zielstrebig von Käfig zu Käfig. Und dann, ein lauter Aufschrei “ Tigger, oh mein Tigger!!!“ rief sie und Tigger schnurrte und presste sich an die Käfigtür. „Ja, unser Tigger!!“ fiel nun auch Tobias ein, der seiner Schwester hinterher geeilt war. Dann kamen auch die Eltern hinterher. „Tatsächlich, aber das kann doch nicht wahr sein! Diese Katze hier sieht genau aus wie unser Tigger, bis auf die kahlen Stellen allerdings! Und wie sie sich freut, das kann nur unser Tigger sein! „ „Klar,“ rief Tobias „sieh nur die zwei zerissenen Stellen an den Ohren an! Die hat nur unser Tigger so an diesen Stellen!“ „Ja, das ist unser Tigger!“ stellte nun auch Peter fest. Die Tierheimleiterin erzählte von dem schwer verwundeten Tier, das hier eingeliefert worden war und Peter erzählte ihr, wie die Nachbarn der Familie versichert hatten, sie hätten gesehen wie Tigger tödlich überfahren worden sei und das der Fahrer das Tier schnell beseitigt hätte. Deshalb hatten sie auch nicht nach dem geliebten Kater gesucht. Nun konnte die Pflegerin wieder zur Aufklärung des Sachverhaltes beitragen. Der ortsunkundige, tierliebe Fahrer hatte sofort gehandelt, denn bei dem schwerverletzten Kater war es um Minuten gegangen. Er hatte sich durchgefragt und das Tier in die Klinik gefahren, hatte sich aber dann nicht mehr erinnern können, wo genau der Unfall passiert war. In der Klinik wurde der Kater gerettet und dann zum Tierheim gebracht, denn der Besitzer war ja nicht bekannt.

Glücklich wurde Tigger nun wieder von seiner Familie in Empfang genommen. Doch als sie den Raum bereits verlassen wollten, begann Tigger wieder kläglich zu maunzen. „Was ist denn los, Tigger, freust Du dich nicht?“ fragte Mia ungläubig. Da hörten sie auf einmal auch aus dem Nebenkäfig ein leises miauen. „Die beiden haben sich wohl aneinander gewöhnt“ erklärte die Dame vom Heim und stellte Sunnie vor. Die Familie schaute sich an und ohne Worte waren sich alle sofort einig. „Wenn das so ist, kommt Sunnie auch mit zu uns.“ stellte Sabine fest und erhielt die einstimmige Zustimmung aller. Und so verließen Sunnie auf dem Arm von Tobias und Tigger auf Mias Arm den Raum.

Ich und Du = Wir


Pippas „entsetzliches“ Erlebnis

Die Sache mit Pippa passierte damals, als wir gerade aufs Land gezogen waren. Natürlich war uns klar, dass eine Wohnungskatze sich ganz allmählich an die Freiheit mit all ihren Gefahren gewöhnen muss. Deshalb liessen wir erst von der dritten Wiche an ein Küchenfenster offen. Seitdem verschwand sie abends, wenn wir schlafen gingen, im Garten. Morgens, wenn wir die Zeitung reinholten erwartete sie uns auf der Fussmatte. Dann erhob sie sich gemächlich, schmeichelte uns ausgiebig um die Beine und schlenderte schliesslich in Richtung Futternapf. Bis zu dem Morgen, an dem sie nicht auf der Fussmatte sass. Sie kam auch nicht. Wir riefen, wir lockten, wir öffneten demonstrativ und mit viel Geschepper eine Futterdose.
Doch Pippa blieb verschwunden. Am nächsten Tag gingen Wolfgang und ich mit unserem kleinen David von Haus zu Haus. Unsere neuen Nachbarn schüttelten allesamt bedauernd die Köpfe: „Schwarze Katzen gibt’s hier kaum. Die wäre uns aufgefallen ...“
Ach, war das ein trauriger Heimweg! Ich kämpfte mit den Tränen, David weinte laut, und Wolfgang putzte sich wieder und wieder die Nase.
Es war schon fast dunkel, als wir zu Hause ankamen. Unvermittelt packte mich Wolfgang am Arm. „Da! Sieh mal! Neben der Bank! Der schwarze Schatten!“
„Tatsächlich. Oh Pippa! Miez, miez, miez.“ - „Pass auf, du kniest dich hierhin, und ich scheuche sie von dort, dann kannst du sie vielleicht fangen!“
Wolfgang schlich sich an, klatschte plötzlich in die Hände, und hopp! landete der schwarze Schatten in meinen ausgebreiteten Armen, Gott sei Dank. Pippa schien allerdings äusserst unwirsch darüber, dass wir sie im Triumph ins Haus schleppten, sie strampelte, biss und kratzte, bis ich sie los ließ. Wie ein schwarzer Kugelblitz entwischte sie in die Speisekammer und sauste unter den Vorratsschrank.
„Ein Schock“, sagte ich und begann, das Rouladenfleisch fürs Wochenende zu Katzenfutterhäppchen zu zerschneiden. „Sie muss etwas ganz Entsetzliches erlebt haben!“
Offenbar hielt Pippa von uns, ihren Menschen, nicht mehr viel. Wenn ich mich vor den Vorratsschrank kauerte und leise, freundliche kleine Worte murmelte, fauchte sie mich an, und als ich ihr den Finger hinstreckte, schlug sie mit der Tatze zu, dass es blutete. Und das Futter war noch am nächsten Vormittag unberührt.
Doch als ich nachmittags dabei war, ein paar vergessene Blumenzwiebeln im Garten einzusetzen, rief David neben mir plötzlich: „Da! Pippa!“
„Was? Wo denn?“ Dann sah ich sie auch. Sie kam auf uns zu, ganz so wie früher, mit selbstbewusst erhobenem Schwanz, sie schmuste um unsere Beine, schnurrte und tupfte die Nase gegen meine ausgestreckten Finger. Keine Spur mehr von ihrem Schock! Allerdings hatte ich sie doch eingesperrt, bevor wir in den Garten gingen. Oder?
Im Gänsemarsch gingen David, Pippa und ich in die Küche. Ich öffnete die Tür zur Speisekammer, sah mich um - das Fliegengitter war unversehrt, der Durchgang zur Scheune verriegelt, und die Wände waren glatt und weiß und ohne Ritzen. Mir wurde etwas unheimlich zumute.
„Hast du denn wenigstens etwas gefressen?“ Ich kniete mich hin, um die Schüssel unter dem Vorratsschrank hervor zu angeln. Das laute Fauchen erschreckte mich fast zu Tode, und fassungslos starrte ich in die Dunkelheit unter dem Schrank, geradewegs in zwei weit aufgerissene grüne Augen.
„Ach ...“ stammelte ich. „Du bist gar nicht Pippa?“
Mit der Schubkraft eines knallenden Sektpfropfens schoss das fremde schwarze Tier an mir vorbei durch die Tür zur Küche und dann aus dem offenen Fenster nach draussen.
Pippa aber machte sich gleich, zufrieden schnurrend, über das Rouladenfleisch her.
Und der schwarze Kater, den wir (was bei Tageslicht völlig unmöglich gewesen wäre!) damals mit ihr verwechselten? Wenn er uns von ferne sieht, rennt er schnell weg, so schnell er kann. „Die hatten mich eingefangen und wollten mich zwingen, Rouladenfleisch zu fressen!“ hat er allen anderen Dorfkatzen erzählt. „Verrückt sind die! Regelrecht gemeingefährlich!“


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