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Katzengeschichten 2



"O Katzenbaum"

O Katzenbaum, o Katzenbaum,
bequem sind Deine Bretter!
Ich träum´ auf Dir zur Mittagszeit
in Ruhe und Behaglichkeit.
O Katzenbaum, o Katzenbaum,
bequem sind Deine Bretter!

O Katzenbaum, o Katzenbaum,
wie hoch sind deine Säulen!
Und das nicht nur zur Weihnachtszeit,
nein, bist zum Klettern stets bereit.
O Katzenbaum, o Katzenbaum,
wie hoch sind deine Säulen!

O Katzenbaum, o Katzenbaum,
wie rutschfest ist dein Sisal!
Trägt mich empor zur Decke hin,
hält mich, wenn ich am Straucheln bin.
O Katzenbaum, o Katzenbaum,
wie rutschfest ist dein Sisal!
O Katzenbaum, o Katzenbaum,
ein Schutz ist Deine Höhle!
War ich zu frech und droht mir Streit
flücht´ ich in diese Sicherheit ;o))
O Katzenbaum, o Katzenbaum,
ein Schutz ist Deine Höhle!

Leise


Leise tröpfelt das Wachs,
gut verpackt ist der Lachs,
rundherum etwas Papier,
freuet euch,
den hol ich mir.

Um das Päckchen die Schnur:
kleiner Zeitverlust nur.
Krallen besorgen den Rest
freuet euch
das wird ein Fest.

Leise tröpfelt das Wachs,
und verspeist ist der Lachs.

Der Mensch deckt
inzwischen den Tisch,
und denkt immer noch,
es gibt den Fisch!


Katzenweihnacht

Glitzerfäden fein zu fangen.
Auch zu fressen?
Weiß nicht recht.
Mir wird schlecht.

Bunter Ball an Silberschnur
hängt am Baum.
Bleibt er dort?
Glaub ich kaum.
Kann er hüpfen?
Kann er nicht!
Rollt ein Stück
und zerbricht.

Kletterbaum mit grünen Nadeln,
Stern im Wipfel
nickt noch sacht.
Bin ich müde:
Stille Nacht.


Samtpfötchens Sylvesterwünsche
Süße kleine Katzenschar
schaut gespannt ins neue Jahr.
Sieben Wünsche habt ihr frei,
kommt, nun sagt´s mir: Eins-Zwei-Drei...

Nummer Eins: "Es ist nicht viel,
nur ein Mensch mit viel Gefühl.
Hätt´ ich den für mich allein,
würd´ ich ganz zufrieden sein!"

Nummer Zwei: "Du hast ja recht,
so ein Mensch wär´ gar nicht schlecht!
Und er dürfte auch nicht schreien,
denn das würd´ ich nie verzeihen!"

Nummer Drei: "Doch du vergisst,
was da äußerst wichtig ist:
Denn er muss uns respektieren -
uns´re Krallen akzeptieren!"

Nummer Vier: "Vor allen Dingen
dürfte er zu nichts mich zwingen!
Freiheit ist mir angeboren,
bin zum Sklaven nicht erkoren."

Nummer Fünf: "Die größte Wonne
wär´ für mich ein Haus voll Sonne -
und ein Freund bei Tag und Nacht.
Schmeicheln würde ich ihm sacht."

Nummer Sechs: "Was soll ich sagen?
Hab´ im Herzen tausend Fragen,
doch so mancher kluge Satz
ist ja meistens für die Katz´!

Nummer Sieben: "Pssst, ganz still,
hört, was ich jetzt sagen will!
Hab euch Menschen was zu sagen,
hoffentlich könnt ihr´s ertragen!
Menschen, übt nicht Zank und Streit,
Menschen, übt die Menschlichkeit!
Und vor allem ihr, die Züchter
habt so vielerlei Gesichter.
Ehrgeiz treibt euch oft zum Wahn,
und die Dummen sind wir dann:
Blinde Augen, taubes Ohr,
nackt zu sein, mir graust davor!
Setzt euch ein korrektes Ziel,
zeigt Geduld und viel Gefühl;
Ihr habt uns in eurer Hand,
darum züchtet mit Verstand.
Denn wir wollen euch vertrauen -
sicher in die Zukunft schauen;
...und ein gutes neues Jahr
wünscht euch eure Katzenschar!"


Das Weihnachtskätzchen


Ich hab an jene Winternacht
auch später oftmals noch gedacht
so viele Jahre liegt’s zurück
als ich am Wege fand mein Glück
Kein Mensch kennt bisher die Geschichte von der ich euch sogleich berichte sie brachte Kummer mir und Freud ich spür’s im Herzen auch noch heut.
Der Wind pfiff heulend um das Haus ein leises Jammern rief mich raus
wo kam es her in dieser Nacht
welch Schmerz nur hatte es entfacht?
Die Eltern saßen in der Stube
so schlich ich mich als kleiner Bub zum Haus hinaus – nur kurz geguckt
schon hatte mich die Nacht verschluckt
Der Schnee, er weht ins Gesicht
ich sah die Hand vor Augen nicht
doch lief ich los, am Wald entlang
wo ich es schließlich frierend fand
Ein kleines Kätzchen saß im Schnee
und zitternd schaut es in die Höh’
das Fell, es war schon eingeschneit
und keine Mutter weit und breit
Es sah mich an, war ganz allein
wie konnte das nur möglich sein?
Wer hatte wohl in dieser Nacht
das Kätzchen nur hierher gebracht?
Ich hob es zu mir in die Höh’
befreite es von Eis und Schnee
trug’s schnell zu meiner Eltern Haus
- und flog in hohem Bogen raus
Ein Tier im Haus – kommt nicht in Frage
ich dulde keine Katzenplage
drum setz sie sofort vor die Tür
nur ich, mein Sohn, bestimme hier
Des Vaters Worte taten weh
ich ihn noch manchmal vor mir seh’
er nahm das Kätzchen einfach fort
ich weinte still und sagt’ kein Wort
So setzte er es vor die Tür
ich haßte ihn so sehr dafür
mau, mau, klang’s lang von draußen noch
der Schmerz mir tief ins Herz ´reinkroch
Dann Stille – kein Miauen mehr
ich fühlte mich verzweifelt, leer
es war erlöst, fand Frieden nun
und konnte ewig aus sich ruh’n
Dann schließlich kam die Heilignacht
Geschenke wurden viel gemacht
der Weihnachtsmann bracht Äpfel, Nüsse
die Tanten schenkten feuchte Küsse
Die Fröhlichkeit, sie fiel mir schwer
ich ging zu Bett, im Herzen leer
ich mocht nicht feiern, wollt nicht spielen
tat mich ganz schrecklich einsam fühlen
Der Schlaf kam bald in dieser Nacht
als ich noch einmal kurz erwacht
mein Vater hielt still meine Hand:
Sieh’, was ich eben fand!
Der Weihnachtsmann hat’s wohl vergessen
er kam zurück kurz nach dem Essen
und meinte, dieses sei für dich
ich dachte erst, da irrt er sich
Der Vater lachte, strahlt’ mich an
ich heut’ mich noch erinnern kann
in seinem Schoß, ganz klitzeklein
saß mein geliebtes Kätzlein

Mein edler Freund, ich bitte sehr:
komm doch her,
Sitz neben mir und schau mich dann
mit deinen lieben Augen an,
Mit Augen voller Glanz und Gold;
Dein Blick, er ist so treu und hold.
Dein wundervolles weiches Fell,
schwarz und hell,
So seidig, üppig, voller Pracht,
wie Wolkenhimmel in der Nacht
belohnt die Hand, die dich liebkost,
mit freundlicherem Glück und Trost.
Die Hunde freunden gern sich an
mit jedermann.
Doch du, von lauterer Natur,
liebst deine wahren Freunde nur,
Berührst mit deiner Pfote mich -
ja, Lieber, ich verstehe dich.
Was geht wohl vor in deinem Geist -
ach, wer weiß?
Wenig nur ist uns bekannt
trotz unsrem Freundschaftsband.
Vielleicht ist’s dem Menschen
nur vergönnt, Dass er das Leben besser kennt.






Katerīs Weihnachtslieder

O Tannenbaum, O Tannenbaum, wie bist Du gut zum Klettern!
Du trägst nicht nur der Kerzen Licht, nein dazu auch noch mein Gewicht.
O Tannenbaum, O Tannenbaum wie gut bist du zum Klettern.
O Tannenbaum, O Tannenbaum, warum bist Du gefallen?
Wie oft stieg ich von Ast zu Ast und immer trugst du meine Last.
O Tannenbaum, O Tannenbaum, warum bist du gefallen?
O Tannenbaum, O Tannenbaum, dein Sturz will mich was lehren:
Ich mach bestimmt, bevor's zu spät, gleich nach dem Fest die Fisch-Diät.
O Tannenbaum, O Tannenbaum, dein Sturz will mich was lehren.
Leise tröpfelt das Wachs, gut verpackt ist der Lachs,
rundherum dickes Papier, wartet nur, den hol ich mir.
Um das Päckchen die Schnur: kleiner Zeitverlust nur.
Krallen besorgen den Rest, freuet euch, das wird ein Fest.
Leise tröpfelt das Wachs, schon verspeist ist der Lachs.
Der Mensch deckt inzwischen den Tisch, glaubt immer noch, es gäb´ heut´ Fisch.


Katzenengel



Weihnachtsgeschenk

Weihnachten ist wieder da
und die ganze Menschenschar
fängt an, sich zu quälen und zu denken:
was soll ich wem denn schenken?
Dann sitzt unter dem Weihnachtsbaum
eines jeden Kindes Traum:
Ein kleiner Hund, ne kleine Katz,
ach, alles freut sich über den süßen Fratz!
Doch dann kommt die Sommerzeit
und es ist wieder so weit:
Der Hund, die Katz muss weg
und die Mittel heiligt der Zweck.
Zum Beispiel quält man es und setzt es aus, das arme Tier.
Doch was kann das arme hilflose Wesen dafür?!
Denkt doch bitte nach und gebt acht,
was ihr zu Weihnachten an Geschenken macht!


Der Weihnachtsbaum

Zufrieden räckelt sich Mikesch, der Kater,
auf dem Sofa, leckt sich die Tätzchen.
Plötzlich wird er aufmerksam, hält inne, was nehmen wahr, da meine Sinne?

Hier im Haus, dieser seltsame Duft,
da ist was faul, da liegt was in der Luft
Mikesch, von diesem Duft getriebenspringt vom Sofa, wie gern wär`er noch geblieben.

Er schleicht um die Ecke zu dem Duft im grossen Raum
er schaut überrascht, hier steht ja ein Baummitten im Wohnzimer ein Tannenbaum auf den Ästen ein merkwürdiger Schaum.

Doch der Baum der steht nicht leer
überall funkelt und glitzert es sehr
Kugeln in allen Farben und auch Kerzen Schleifen, ganz bunt, auch kleine Herzen.

Was soll denn hier im Zimmer ein Baumbin ich wach oder bin ich im Traum?
Mikesch schleicht um den Tannenbaum herum
die Äuglein glänzen, das Herzchen schlägt sturm. Der Kater stellt sich auf die Hinterbeine oh, die rote Kugel, ist die Meine mit dem Pfötchen gibts`s der Kugel einen Stoss alles spiegelt in der Kugel, das ist ja famos.

Sie glänzt, sie funkelt, sie tanzt im Licht vergnügt verzieht sich des Kater`s Gesichtdie Kugel`n dreh`n sich plötzlich alle im Kreise der Baum neigt sich zur Seite auf seltsame Weise.

Auf einmal ein Schrei im grossen Raum. Frauchen eilt hinzu und aus der Traum. Sie packt den Kater energisch mit viel Geschick
wie einst die Katzenmama, am Genick.

Sie schimpft und trägt den Kater
auf das Sofa, auf sein Plätzchen
und schliesst die Tür zu dem grossen Raum wo heute noch steht der geschmückte Weihnachtsbaum



Kätzchen Kira, Lady Kessy und Kater Tom haben den Kopf voller Flausen sie treiben Unfug und Schabernack manchmal ist`s ein Grausen

Sie springen, sie stürmen durch das ganze Haus zum entsetzen Ihres Frauchen durch alle Räume jagen sie ne Maus die, können wir hier nicht gebrauchen.

Doch plötzlich, Kätzchen Kira hält inne was steht denn hier im Raum
es guckt, es schnüffelt, es stärkt seine Sinne da steht tatsächlich ein Baum.

Ein Tannenbaum, was steht der hier
Tom und Kessy können das nicht verstehen auf leise Sohlen in guter Manier schleichen sie um diesen Baum zu sehen.

Auch Kater Mikesch sitzt schon auf der Lauer was dreht und leuchtet da am Baumer schwänzelt schon arg, da hinter der Mauer Kugeln, oh welch ein Traum.

Dazu noch viele bunte Dinge
am Baum sich da dreh`n
Herzen, Schleifen, Sterne und Ringe
da war`s um diesen Baum gescheh`n

Die kleinen Körper zittern vor Lust
auf diesem Baume zu springen
Frauchen schreit auf, voller Frust
doch schon die Scherben klingen.

Der ganze Baum ist umgekippt
der Boden voller Scherben
Frauchen weint, ist ganz geknickt
die Kätzchen sich schnell verbergen

Alle schauen sie ganz verstört
sie verstehen die Menschen nicht mehr, haben wir etwas getan was sich nicht gehört, denn Frauchen weint so sehr

Frauchen jagt die Kätzchen jetzt aus dem Haus und stellt den Baum wieder auf.
Die Kätzchen lauern wieder auf die Maus, dies ist der Weihnachten Dinge, Lauf!



"Minka die Weise werde ich genannt. Blind sind meine Augen geworden, meine Krallen stumpf. Keinen Zahn habe ich mehr in meinem Maul, kann keiner Maus mehr gefährlich werden, so viele Mondwechsel habe ich schon gesehen, so viele Sommer und Winter. Worüber ich euch aber berichten möchte, hat sich viele, viele Mondwechsel vor meiner Zeit zugetragen. Zu der Zeit nämlich, als die Zweibeiner in der Heimat unserer Ahnen begannen, Hütten zu bauen und Getreide anzupflanzen. Als unsere Ahnen beschlossen, ihr unabhängiges Leben mit den Zweibeinern zu teilen; war doch unser Tisch in ihrer Nähe stets reich gedeckt von den Scharen fetter Mäuse, die in ihren Kornkammern hausten. Ach, das waren goldene Zeiten!
Auch die Ahnin hatte die Gesellschaft eines Zweibeiners gefunden. Mosche wurde er von den Seinen gerufen, wie sein Urahn, der die Zweibeiner in dieses Land gebracht hatte. Aus Ägypten kamen sie, dem Land, in dem wir Katzen verehrt wurden wie Götter. Ägypten, das Land unserer großen Mutter Bastet.
Nur wenige Güter nannte Mosche sein Eigen, einige Schrittlängen Acker, auf denen er Korn anbaute und ein mageres Öchslein. Kaum reichte es ihm, um die Münder seiner Kinder zu stopfen, die so zahlreich waren, wie die der Mäuse, von denen die Ahnin lebte. Doch nirgends sonst wäre sie mehr geachtet worden als dort, hing doch von ihrem Fleiß das Wohl und Wehe der Familie ab! Zu Zeiten, da viele Zweibeiner das Land bereisten, gab Mosche ihnen Obdach und Nahrung und von den Münzen, die die Herbergsgäste daließen, konnte er wieder Hoffnung schöpfen, die Seinen einen weiteren Mondwechsel lang zu erhalten.
Einmal kamen so viele Reisende, dass alle Betten der Herberge besetzt waren, selbst in den Betten der Familie schliefen die Gäste. Da klopften des Nachts ein Mann und eine Frau an die Tür, die hatten kein Geld und nichts, womit sie hätten bezahlen können, nur das, was sie am Leibe trugen, so bettelarm waren sie. Die Frau bat: "Sei barmherzig und gib uns Obdach nur für diese Nacht. Wir haben ja nichts womit wir dir's vergelten können, nur mit dem Segen der Höchsten des Universums. Aber unser Weg war weit und meine Zeit ist gekommen, nur um einen Platz wo ich entbinden kann, bitten wir dich. Morgen, bevor die Sonne aufgeht, ziehen wir weiter."
Mosche, der Wirt, antwortete: "Ich kann euch keinen Platz bieten, ihr Armen, es ist ja nichts mehr frei in der Herberge. Aber legt euch in den Stall zum Öchslein, dort habt ihr's warm und geschützt. Da magst du in Frieden dein Kind zur Welt bringen."
Die Ahnin sah und hörte alles und da auch für sie die Zeit war, niederzukommen, schlüpfte sie in den Stall zu der Fremden, um mit ihr die Schmerzen und Wonnen jenes Wunders zu teilen, das da heißt, einem Wesen das Leben zu schenken.
Nicht lange und der Stall hallte wider vom Gewimmer der Neugeborenen. Die Zweibeinerin hatte ein Söhnchen zur Welt gebracht, die Ahnin derer fünf, alles Tigerchen wie sie selbst. Der Mann war stumm geworden vom Wunder der Geburt und selbst das Öchslein staunte.
Doch es war bitterkalt in dieser Nacht, die Sterne funkelten am klaren Himmel und der Rauhreif glitzerte im Mondlicht wie lauter kleine Sternchen, die zur Erde gefallen waren. Der Säugling schrie vor Kälte und der Zweibeiner weinte, weil er nichts hatte, die erschöpfte Mutter und ihr Kind zu wärmen. Die Ahnin sah die Not der Mutter und Mitleid ergriff ihr Herz, war sie doch selbst so viele Male Mutter gewesen und eben wieder. So packte sie sacht ihre Brut und trug sie allesamt zum Futtertrog des Öchsleins, in dem der Säugling lag. Eines nach dem anderen legte sie ihre Kinder zu dem kleinen Wesen in der Krippe und schmiegte sich zum Schluss selbst dazu. Der Zweibeiner wurde böse und wollte die Ahnin vertreiben, doch die Frau hinderte ihn daran. So lag der Säugling die ganze Nacht wohlbehütet an den Zitzen der Ahnin, die wärmte ihn mit ihrem Körper und ihr Spinnen war sein Wiegenlied.
Als es Morgen wurde, erhob sich die Fremde erquickt vom Schlummer und sprach zu der Ahnin: "Sei gesegnet, du himmlisches Wesen. Dein großes Herz hat meinem Sohn das Leben gerettet in seiner ersten Nacht auf dieser Erde. Dich und alle deine Nachkommen will ich unter meinen persönlichen Schutz stellen bis an das Ende aller Zeiten." Und sie küßte die Ahnin und drückte ihr sanft ihr Zeichen zwischen die Augen. Seit dieser Zeit tragen wir Tigergefleckten das große "M" auf der Stirn und wenn man ganz genau hinsieht, kann man auch bei den Andersfarbigen die feinen Scheitel des Abdruckes erkennen, den die zarten Finger hinterlassen haben.
Maria hieß nach der Überlieferung die göttliche Mutter und ihr zu Ehren trage ich meinen Namen, Minka.
Gesegnet seid ihr, vierbeinige Gefährtinnen und Gefährten des Menschen! Und ihr, Zweibeiner, wenn ihr in diesen Tagen das Fest dse Wunders feiert, dann erinnert euch an eure treuen Hüter, die Katzen!"



Das Glückskätzchen

Es war ein Tag wie aus einem Märchenbuch - es war der 24. Dezember, alles war mit frischem Pulverschnee bedeckt, die Sonne strahlte und die Welt sah aus wie mit Milliarden von kleinen Diamanten übersät. Gerade so, wie man sich den Heiligabend in seinen schönsten Träumen vorstellt.
Doch für das kleine Kätzchen, das frierend und hungrig in seinem Versteck in der Scheune lag, war es alles andere als ein schöner Tag. Seine Mutter war seit zwei Tagen nicht mehr gekommen, um ihm Nahrung und Wärme zu schenken. War ihr etwas zugestoßen? Haben liebe Menschen sie in ihr Zuhause aufgenommen ohne zu ahnen, dass sie ein Baby zu versorgen hat? Das Kätzchen zitterte vor Angst und Kälte, hatte schrecklichen Hunger und Sehnsucht nach der Liebe und Geborgenheit seiner Mutter. So fing es an, erst ganz leise zu wimmern und dann immer lauter - irgend jemand musste doch kommen und ihm helfen!
Zur gleichen Zeit war die kleine Maria mit ihrem Frühstück fertig und konnte es kaum erwarten, endlich draußen im Schnee herumzutoben. Sie zog sich mollig warm an, gab ihrer Mutter einen Kuss und stürmte fröhlich singend nach draußen. Sie rannte über eine Wiese, warf den Schnee in die Luft und war voller Freude über den wunderschönen Tag und vor allem, weil heute Abend ja das Christkind kommen sollte! Was wird es wohl bringen? Vielleicht das ersehnte dreifarbige Plüschkätzchen, das sie ein paar Tage zuvor in einem Schaufenster gesehen hatte? Ach, wenn es doch nur endlich Abend wäre!
Doch mitten im Spiel horchte sie auf. War da nicht ein Geräusch? Sie machte sich auf die Suche, woher das kam und schließlich erreichte sie die Scheune mit dem kleinen Kätzchen. Zum Glück war das Tor nicht verschlossen, so dass sie ungehindert hineingehen konnte. So fand sie das Kleine in seiner Not. Es war ein dreifarbiges, gerade so wie die kleine Katze im Schaufenster!
Sie nahm es behutsam auf, wärmte es unter ihrer Jacke und lief nach Hause. "Mama, Mama, schau mal, was ich gefunden habe! Darf ich sie behalten?" Die Mutter empfand sofort tiefes Mitleid für das kleine Tierchen. "Ach du meine Güte!" rief sie "Die Kleine ist ja am Verhungern! Ein Glück, dass du sie gefunden hast. Wir werden sie jetzt erstmal versorgen, aber so einfach behalten kann man eine gefundene Katze nicht. Wir müssen uns vergewissern, dass sie niemandem gehört, und Papa solltest du auch erst mal fragen, findest du nicht?" Maria nickte nur leicht enttäuscht.
Zusammen bereiteten sie ein gemütliches Schlafkörbchen und besorgten eilig Katzen-Aufzuchtmilch. Denn normale Kuhmilch, erklärte die Mutter, ist für Katzenbabys unverträglich. Als der Winzling versorgt war, liefen sie zu dem Bauernhof, wo Maria das Kätzchen gefunden hatte. Der Bauer wusste gar nichts davon und war damit einverstanden, dass Maria die Kleine behielt. Die erste Hürde war geschafft! Sie jubelte, wirbelte im Kreis herum und zog dann ihre Mutter ungeduldig nach Hause.
Ach war die Kleine niedlich! Hoffentlich hat Papa nichts dagegen! Da kam dieser auch schon in den Hof gefahren. Maria rannte hinaus, sprang an ihm hoch, kaum dass er aus dem Auto gestiegen war und überfiel ihn gleich mit der aufregenden Neuigkeit. Er lachte, weil er seine Tochter noch nie so stürmisch erlebt hatte. Sie zerrte ihn sofort ins Wohnzimmer, noch ehe er seine Schuhe ausziehen konnte. "Egal, ich mache das schon wieder sauber!"
Da stand also nun das Körbchen. "Eine Glückskatze!" rief er aus und bückte sich. Als er das Kätzchen vorsichtig berührte, fing es leise an zu schnurren. Da war es um ihn geschehen. Dieses kleine Fellbündel musste man einfach liebhaben! "Also gut, kleiner Wildfang, du darfst sie behalten. Aber du weißt sicher auch, dass es Arbeit macht und eine große Verantwortung ist, sich um ein Tier zu kümmern! Es ist kein Spielzeug, sondern ein Lebewesen. Du hast die Verantwortung bis an ihr Lebensende - und eine Katze kann zwanzig Jahre alt werden!"
Maria umarmte ihre Eltern so stürmisch, dass sie beinahe alle zusammen auf den Boden gefallen wären. Diese Verantwortung wollte sie nur zu gerne übernehmen, auch wenn es mal schwierig werden sollte.
"Wie willst du sie denn nennen?" fragte der Vater. Maria überlegte. Da meinte die Mutter "Ich finde, wir sollten sie nach Maria benennen, schließlich hat sie ihr das Leben gerettet. Was haltet ihr davon, wenn wir sie Mariechen nennen? Es passt auch so gut zu Heiligabend!"
Dieser Vorschlag wurde begeistert angenommen. Mariechen, die Weihnachts-Glückskatze! Maria war so mit ihrem kleinen Liebling beschäftigt, dass sie am Abend fast vergessen hätte, ihr Geschenk auszupacken, das unter dem schön geschmückten leuchtenden Weihnachtsbaum lag. Sie traute ihren Augen nicht - es war tatsächlich die Plüschkatze aus dem Schaufenster!
Maria war so glücklich, dass sie etwas von ihrer Freude weitergeben wollte an jemand, der an diesem Abend vielleicht nicht so glücklich war. Sie wusste, dass in der Nachbarschaft ein kleiner Junge wohnte, der keinen Vater mehr hatte und dessen Mutter in solchen Geldnöten war, dass sie ihrem Sohn zu Weihnachten nichts ausser ihrer Liebe schenken konnte.
Schnell packte sie das Plüschkätzchen wieder ein, lief zu dem Nachbarhaus und drückte es dem völlig verdutzten Jungen in die Hand: "Hier, für dich, damit du auch etwas unter dem Weihnachtsbaum liegen hast!"
Der Junge bedankte sich überglücklich und seine Mutter strich mit Tränen in den Augen sanft über Marias Haar "Danke, dass du meinem Jungen so eine riesengroße Freude gemacht hast. So glücklich habe ich ihn zu Weihnachten selten gesehen! Bitte komm uns bald mal besuchen, ja?"
So hatte das Glückskätzchen am Weihnachtsabend gleich fünf Menschen Glück und Sonnenschein ins Leben gebracht.



Die Abenteuer der kleinen Schneemaus

Es war ein kalter Wintermorgen an irgend einem Dezembertag. Weihnachten stand kurz vor der Tür und alle Leute liefen sehr geschäftig durch die Straßen, um noch Geschenke für ihre Lieben zu besorgen und um dies und das noch zu erledigen. Ein paar Kinder tobten laut lachend und schreiend die Straße entlang. Eines von ihnen formte gerade einen sehr großen Schneeball und zielte damit auf das Hinterteil seines Freundes. Es war ein lustiger Anblick, den der Schneeball auf der Hose des kleinen Jungen hinterließ.
Die Geschäfte, alle herrlich geschmückt, mit Kugeln, Girlanden, Lametta und Engelshaar, die Straßen festlich aufgeputzt mit vielen bunten Lichtern, einige in Sternform, andere sahen aus wie Glocken und über dem breitesten Stück der Straße hing sogar ein Rentier-schlitten, aus dem der Weihnachtsmann mit lachendem Gesicht winkte. Am Ende der Straße stand ein wunderschön geschmückter Christbaum mit roten und goldenen Kugeln und an der Spitze war ein Engel angebracht.
Es begann zu schneien. Ganz leicht zuerst, aber die Flocken wurden immer dichter. Wie Federn so leicht sanken sie vom Himmel herab und gesellten sich zu ihren Kammeraden, die schon am Boden liegen geblieben waren. Nach und nach waren die Dächer der Häuser und der schöne Christbaum wie mit Zucker überstreut. Die Menschen auf den Straßen sahen alle schon aus wie lauter Schneemänner, ganz weiß waren sie schon auf ihren Köpfen.
Hinter einem Holzstoß, neben einem recht hübschen, alten Haus, wohnte eine Mäusefamilie mit ihren zwei Kindern. Eines hieß Max und das andere Moritz, so wie die beiden Lausbuben im Märchen. Und Lausbuben waren sie alle beide, so richtige, neugierige Mäusekinder, immer zu neuen Streichen aufgelegt. Die Mäuseeltern hatten ihre Kinder sehr lieb, so wie alle Eltern ihre Kinder liebhaben und sie waren sehr stolz auf die beiden. Es war mittlerweile schon einiges an Schnee gefallen und das Schneetreiben wurde immer dichter. Man konnte fast nicht mehr auf die andere Straßenseite hinüber schauen, so dicht fielen die Flocken vom Himmel.
"Mann, ist das aber ein Schneegestöber! Man sieht ja vor lauter Schnee die Häuser auf der anderen Straßenseite nicht mehr!" rief der Mäusevater. " Ich möchte, daß ihr beide heute zu hause bleibt, weil wenn das so weiter schneit, verlauft ihr euch noch da draußen." Max und Moritz machten lange Gesichter, sie wollten doch noch Weihnachtsgeschenke für die Eltern einkaufen, wie sollten sie das machen, wenn der Vater sie nicht raus ließ.
Die Mäusemutter strich den beiden liebevoll über die Köpfe und meinte:" Es ist ja noch nicht spät, es wird bald aufhören zu schneien und dann könnt ihr rausgehen und spielen, aber geht nicht zu weit vom Haus weg, hört ihr?" Die beiden nickten artig und trollten sich in ihr Zimmer. " Was machen wir jetzt? " fragte Max. " Wir haben doch noch nichts für die Eltern zu Weihnachten, was wir ihnen schenken können". "Es wird schon aufhören und dann gehen wir einfach raus und kaufen was schönes" antwortete Moritz und kramte die Spielzeugkiste hervor.
Aber es wollte nicht aufhören zu schneien, die Flocken fielen immer dichter und der Schnee lag mittlerweile schon ziemlich hoch . Die beiden Mäusekinder fassten einen Plan. Sie würden sich jetzt an den Eltern vorbeischleichen und sehen , dass sie sich unbemerkt aus dem Haus stehlen könnten. Es war ja schon höchste Zeit , ein Geschenk für den Vater und die Mutter zu kaufen, sie sollten ja auch eine Weihnachtsfreude haben.
Gesagt , getan. Max und Moritz setzten ihre Mützen auf und stahlen sich aus dem Haus. War das ein Schneegestöber! Man sah die Hand vor den Augen kaum. Die beiden machten sich auf den Weg , sie wollten für die Eltern eine schöne Teekanne besorgen, doch schon nach einigen Metern fiel ihnen das laufen im tiefen Schnee schwer und oh Schreck!, sie hatten sich verirrt. Ängstlich duckten sie sich in eine Mauernische und kuschelten sich aneinander , es war auch bitterkalt geworden. "Wir werden warten, bis es aufhört, zu schneien, dann finden wir den Weg bestimmt wieder". meinte Max.Sein Bruder nickte und zitterte am ganzen Leib, so kalt war ihm inzwischen.
In der Zwischenzeit war den Eltern aufgefallen , dass die Kinder nicht mehr da waren und sie machten sich grosse Sorgen, da es schon dunkel wurde. Sie beratschlagten, was zu tun sei und wo man die Kinder suchen könnte, Die Mutter weinte und der Vater tröstete sie und versuchte, ihr Mut zu zusprechen, obwohl der ihn auch schon langsam verliess.
Auf einmal klopfte es an der Türe. Der Mäusevater öffnete und bekam einen Riesenschreck! Draussen stand der böse schwarze Kater, der immer den anderen Katzen das Leben schwer machte und er brachte , ihr werdet es nicht glauben , die beiden Mäusekinder nach Hause!
"Die beiden habe ich soeben am Strassenrand an einem Haustor aufgelesen, sie haben nicht mehr nach hause gefunden, sie sind schon ganz erfroren, ich dachte mir, ihr werdet sie sicher vermissen."
War das eine Freude! Der Mäusevater konnte es genausowenig wie die Mutter fassen, dass ausgerechnet dieser böse Kater ihre beiden Kinder nach hause brachte und ihnen kein Leid antat.
Natürlich war der Kater, er hiess Felix, herzlich eingeladen, das Weihnachtsfest mit der Mäusefamilie zu verbringen und war von dieser Zeit an ein guter Freund der Familie und er hatte ausserdem auch eine wunderschöne Teekanne besorgt, aber das ist eine andere Geschichte.


Die Weihnachtskatze

Wenn ich an Weihnachten denke, fällt mir immer eine ganz bestimmte kleine Katze ein. Zum erstenmal begegnete ich ihr an einem Herbsttag, als Mrs. Ainsworth mich gebeten hatte, nach einem ihrer Hunde zu sehen. Überrascht schaute ich mir das kleine struppige Geschöpf an, das da vor dem Kamin saß.
„Ich wußte gar nicht, daß Sie eine Katze haben“, sagte ich.
Mrs. Ainsworth lächelte. „Wir haben auch keine. Das ist Debbie. Sie ist eine Streunerin. Sie kommt zwei- oder dreimal in der Woche, und wir geben ihr etwas zu fressen.“
„Haben Sie den Eindruck, daß sie bei Ihnen bleiben möchte?“
„Nein.“ Mrs. Ainsworth schüttelte den Kopf. „Sie ist ein scheues kleines Ding. Kommt hereingeschlichen, frißt ein bischen, und schon ist sie wieder weg. Sie hat etwas Rührendes, aber sie will offenbar weder mit mir noch mit irgend jemand sonst etwas zu tun haben.“
Ich sah mir die Katze wieder an. „Aber heute will sie nicht einfach nur gefüttert werden.“
„Das stimmt. Es ist komisch, aber ab und zu kommt sie hereingehuscht und sitzt ein paar Minuten am Kamin. Als ob sie sich einmal etwas Gutes gönnen möchte.“
„Ja, ich verstehe.“ Es war etwas Außergewöhnliches in Debbies Haltung. Sie saß kerzengerade auf dem dicken Teppich vor dem Kamin und machte keine Anstalten, sich zusammenzurollen oder zu putzen, sondern blickte nur still vor sich hin. Und irgend etwas an dem staubigen Schwarz ihres Fells, ihrem halbwilden, mageren Äußeren sagte mir, daß das hier ein besonderes Ereignis in ihrem Leben war, eine seltene und wunderbare Sache. Sie genoß voll Wonne eine Behaglichkeit, von der sie sonst nicht einmal träumen konnte.
Während ich sie noch beobachtete, drehte sie sich um, schlich lautlos aus dem Zimmer und war fort. „So ist das immer mit Debbie“, lachte Mrs. Ainsworth. „Sie bleibt nie länger als zehn Minuten.“
Mrs. Ainsworth war eine mollige Frau mit freundlichem Gesicht, etwas über vierzig und genau so, wie ein Tierarzt sich seine Kunden wünscht - wohlhabend, großzügig und Besitzerin von drei verhätschelten Bassets. Der für diese rasse typische leidende Gesichtsausdruck brauchte sich nur ein wenig zu verstärken, und schon geriet Mrs. Ainsworth in größte Aufregung und eilte ans Telefon.
Meine Besuche bei Mrs. Ainsworth waren deshalb häufig, aber ohne ernsten Hintergrund, und ich hatte reichlich Gelegenheit, die Katze zu beobachten, die mich brennend interessierte. Einmal lagen die drei Bassets malerisch auf dem Kaminteppich und schnarchten, während Debbie in ihrer üblichen Haltung mitten unter ihnen saß - aufrecht, angespannt, den Blick traumverloren auf die glühenden Kohlen gerichtet.
Diesmal versuchte ich mich mit ihr anzufreunden. Mit geduldigem Schmeicheln und sanftem Zureden gelang es mir, mit einem Finger ihren Hals zu streicheln. Sie antwortete darauf, indem sie sich an meiner Hand rieb, wandte sich aber gleich danach zum Aufbruch. Sobald sie aus dem Haus war, schoß sie durch eine Lücke in der Hecke, und das letzte, was ich sah, war eine kleine schwarze Gestalt, die über das nasse Feld flitzte.
„Ich möchte nur wissen, wohin sie geht“, sagte ich leise vor mich hin.
Mrs. Ainsworth stand plötzlich neben mir. „Wir sind bis heute nicht dahintergekommen.

Erst am Weihnachtsmorgen hörte ich wieder von Mrs. Ainsworth. Sie entschuldigte sich gleich: „Es tut mir so leid, Mr. Herriot, daß ich Sie ausgerechnet heute belästige.“ Aber bei aller Höflichkeit konnte sie die Sorge in ihrer Stimme nicht verbergen. „Es ist wegen Debbie. Irgend etwas stimmt nicht mit ihr. Bitte kommen Sie schnell.“
Als ich über den Marktplatz fuhr, dachte ich wieder einmal, daß Darrowby an Weihnachten aussah wie zur Zeit von Charles Dickens: der menschenleere Platz mit dem hohen Schnee auf dem Kopfsteinpflaster, der auch von den Traufen längs der gitterbekrönten Dachkanten herabhing, die bunten Lichter der Christbäume, die durch die Fenster der dicht zusammengedrängten Häuser funkelten, freundlich und einladend vor dem kalten Weiß der dahinterliegenden Hügel.
Mrs. Ainsworths Haus war über und über mit Lametta und Stechpalme geschmückt; aus der Küche drang ein verführerischer Duft von Truthahn mit Salbei- und Zwiebelfüllung. Aber ihre Augen blickten sorgenvoll, als sie mich durch die Diele führte. Debbie lag regungslos auf der Seite, und dicht neben ihr, an sie geschmiegt, ein winziges schwarzes Kätzchen. „Ich habe sie einige Wochen nicht gesehen“, sagte Mrs. Ainsworth. „Dann kam sie vor etwa zwei Stunden hierher - stolperte irgendwie herein und trug das Junge im Maul. Sie legte es auf den Teppich, und ich habe mich zuerst darüber amüsiert. Aber dann sah ich, daß etwas nicht stimmte.“
Ich kniete nieder und fühlte mit der Hand über Debbies Hals und Rippen. Sie war magerer als je zuvor, ihr Fell war schmutzig und schlammverkrustet. Als ich ihr Augenlid herunterzog und die glanzlose weiße Bindehaut sah, wußte ich Bescheid. Während ich den Unterleib abtastete, schlossen sich meine Finger um einen harten Knoten tief in den Eingeweiden. Fortgeschrittenes Lymphosarkom. Endstadium und hoffnungslos.
Ich sagte es Mrs Ainsworth. „Sie liegt im Sterben - im Koma; sie leidet nicht mehr.“
„Oh, das arme Ding!“ Sie schluchzte und streichelte immer wieder den Kopf der Katze, während ihre Tränen auf das verfilzte Fell tropften. „Was muß sie durchgemacht haben! Ich hätte mehr für sie tun sollen.“
Ein paar Augenblicke schwieg ich, denn ich verstand ihren Kummer. Dann sagte ich beruhigend: „Niemand hätte mehr tun können, als Sie getan haben.“
„Aber ich hätte sie hierbehalten sollen - sie hätte es gut gehabt. Es muß schrecklich gewesen sein da draußen in der Kälte, als sie so krank war. Und dann hatte sie auch noch Junge! Wie viele mögen es wohl gewesen sein?“
Ich zuckte die Achseln. „Das werden wir wohl nie erfahren. Vielleicht nur dieses eine. Manchmal kommt das vor. Und ausgerechnet zu Ihnen hat sie es gebracht, überlegen Sie mal.“
„Ja, das schon.“ Als Mrs. Ainsworth das schmutzige schwarze Bündel aufhob, öffnete sich das winzige Mäulchen zu einem tonlosen Miau. „Ist das nicht seltsam? Sie war schon halb tot und brachte ihr Junges hierher. Und gerade zu Weihnachten.“
Ich beugte mich nieder und legte die Hand auf Debbies Herz. Es schlug nicht mehr. Ich hüllte den kleinen Körper in ein Tuch und trug ihn in den Wagen. Als ich zurückkam, streichelte Mrs. Ainsworth noch immer das Kätzchen, und ihre Tränen waren versiegt. „Ich hatte noch nie in meinem Leben eine Katze.“
Ich lächelte. „Nun, es sieht ganz so aus, als hätten Sie jetzt eine.“

Das Kätzchen wuchs rasch zu einem schönen Kater heran, dem sein ungestümes Wesen den Namen Frechdachs einbrachte. Er war in jeder Hinsicht das Gegenteil seiner scheuen Mutter. Wie ein König stolzierte er über die prächtigen Teppiche im Hause Ainsworth.
Bei meinen Besuchen beobachtete ich mit Vergnügen, wie er sich entwickelte, und ganz besonders gern erinnere ich mich an das Weihnachtsfest ein Jahr nach seinem Einzug.
Ich war wie üblich unterwegs gewesen - die Tiere haben bis heute nicht gelernt, Weihnachten als einen Feiertag anzusehen. Das viele Anstoßen mit gastfreundlichen Bauern hatte mich in eine rosige Stimmung versetzt, und auf dem Heimweg hörte ich Mrs. Ainsworth rufen: „Frohe Weihnachten, Mr. Herriot! Kommen Sie herein, und trinken Sie etwas zum Aufwärmen!“ Das Aufwärmen hatte ich nicht nötig, aber ich fuhr ohne zu zögern in die Auffahrt. Im Haus war alles froh und festlich wie ein Jahr zuvor. Und diesmal gab es keinerlei Grund zu irgendeinem Kummer - Frechdachs war ja da.
Mrs. Ainsworth lachte. „Wissen Sie, für die Hunde ist er ein rechter Quälgeist.“ Für die Bassets war das Auftauchen des Katers so etwas wie das Eindringen eines Flegels in einen exklusiven Klub.
„Ich möchte Ihnen etwas zeigen.“ Mrs. Ainsworth nahm einen harten Gummiball von einem Schränkchen und ging hinaus. Frechdachs folgte ihr. Sie warf den Ball über den Rasen, und der Kater sprang ihm nach; dabei konnte man seine Muskeln unter dem schwarzglänzenden Fell spielen sehen. Er packte den Ball mit den Zähnen, trug ihn zu seiner Herrin, ließ ihn fallen und wartete gespannt. Ich traute meinen Augen nicht. Eine Katze, die apportierte!
Die Bassets schauten voller Verachtung zu. Nichts hätte sie jemals dazu bringen können, hinter einem Ball herzujagen.
Mrs. Ainsworth wandte sich zu mir: „Haben Sie so etwas schon einmal gesehen?“
„Nein“, erwiderte ich, „noch nie. Das ist ja wirklich ein ganz besonderer Kater.“
Sie nahm Frechdachs auf, hielt ihn dicht ans Gesicht und lachte, als er schnurrte und sich verzückt an ihre Wange schmiegte.
Als ich ihn ansah, ein Bild des Glücks und der Zufriedenheit, mußte ich an seine Mutter denken. Ging ich zu weit, wenn ich mir vorstellte, daß diese todkranke Kreatur mit letzter Kraft ihr Junges zu dem einzigen behaglich warmen Plätzchen brachte, das sie je kennengelernt hatte, in der Hoffnung, daß es ihm dort gut gehen werde? Vielleicht.
Aber ich war offenbar nicht der einzige, der so dachte. Mrs. Ainsworth lächelte mir zu. „Debbie würde sich freuen“, sagte sie.
Ich nickte. „Ja, ganz sicher. Es war genau heute vor einem Jahr, als sie ihn herbrachte, nicht wahr?“
„Ja.“ Sie drückte Frechdachs an sich. „Das schönste Weihnachtsgeschenk, das ich je bekommen habe.“


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