Weihnachtskalender Teil 2
Weihnachtskalender Teil 3
Weihnachtskalender Teil 4
Weihnachtszeit 2005
Frohe Weihnachten 2006



Die Legende vom Tannenbaum

In der Bergpredigt, wie bei Matthäus zu lesen,
ist auch von Bäumen die Rede gewesen.
Der Heiland hatte gesagt, dass Feigen
nicht reifen können auf Diestelzweigen,
dass Trauben nicht wüchsen am Dornenhange,
und das der Baum, der nicht Früchte trage,
zu nichts wert erscheine auf Erden,
als abgehauen und verbrannt zu werden.

Und als er geendet, da ist schon bald
ein Streiten entstanden im nahen Wald.
Die Diesteln, welche die Rede gehört,
waren über die Maßen empört
und haben so recht überlegen gesagt:
"Wir haben noch immer den Eseln behagt!"
Die Dornen reckten die scharfen Spitzen
und sagten: "Das lassen wir nicht auf uns sitzen!"
Die gelben, aufgedunsenen feigen
zeigten ein sattes, blasiertes Schweigen,
und die Trauben blähten sich gar nicht schlecht
und knarrten geschwollen "So ist es recht!"

Nur ein zierlicher Tannenbaum
stand verschüchtert, rührte sich kaum,
horchte nicht auf das Rühren und Klagen,
hat sich still und bescheiden betragen
und dachte und dachte in einem fort
an des Heilandes richtendes Wort.
Er fühlte sich ganz besonders getroffen;
er hatte kein Recht, auf Gnade zu hoffen;
die erste Axt musste ihn zerschlagen;
er wüste nur Tannenzapfen zu tragen;
Früchte hatte er nie gebracht,
das hatte ihn niedergeschlagen gemacht.
Als sich nun aber die Sonnen versteckt
und tiefes Dunkel die Erde deckte,
und, ermüdet von Reden und Klagen,
die anderen Bäume im Schlummer lagen,
wollte er nichts vom Schlummer wissen,
hat die Wurzeln aus dem Erdreich gerissen,
und unbemerkt in der stillen Nacht
hat er sich auf den Weg gemacht,
um nach dem strengen Heiland zu gehen
und milderes Urteil sich zu erflehen.
Und als er nach mühseligen Stunden
endlich den langen Gesuchten gefunden
und ihm sein Leid recht herzlich geklagt,
da hat der Heiland lächelnd gesagt:
"Wisse, dass seit Beginn der Welt
ein jeglicher Fluch seinen Segen enthält,
und das in jeglichem Segensspruch
verborgen liegt ein heimlicher Fluch!
Den Feigen brachte nur Fluch mein Segen,
weil sie jetzt sündigen Hochmut hegen;
die Trauben haben mir nicht gedankt,
die haben nur mit den Dornen gezankt;
die Disteln ließen sich nicht belehren,
die konnten den Fluch nicht zum Segen kehren;
du aber hast dich besser bedacht!
Du hast aus dem Fluch einen Segen gemacht!
Und dein Bittgang sei nicht umsonst gewagt!
Zwar - was gesagt ist, das bleibt gesagt.
Dein Schicksal ist jetzt nicht mehr zu trennen
vom Abhau´n und im Ofen-Verbrennen;
Aber; ich will dich erheben und ehren,
ich will einen rühmlichen Tod dir bescheren!
Dich soll kein Winterschlaf traurig umschließen!
Ein doppeltes Leben sollst du genießen!
Und auf deinen zierlichen Zweigen
sollen die herrlichsten Früchte sich zeigen,
soll man Lichter und Zierrat schaun!
Freilich-erst wenn du abgehaun!
Sei wie ein Held, der für andere leidet,
der in blühender Jugend strahlend verscheidet.
Damit dein Leben, das kurze, doch reiche,
meinem irdischen Wandel gleiche!
Du sollst ein Bote des Friedens sein!
Du sollst glänzen im Heiligenschein!
Den Kindern sollst du Freude verkünden!
Den Sünder wecken aus seinen Sünden!
Gesang und Jubel soll dich umtönen!
Mein lieblichstes Fest, sollst Du lieblich verschönen!
Du bist von allen Bäumen hienieden
der gesegnetest! - Zieh hin in Frieden.



Die krumme Tanne



„Seit vielen Jahren“, so fing die Tanne an zu erzählen „stehe ich nun schon in diesem schönen Tannenwald und möchte gerne mal erzählen, warum ich zur krummen Tanne wurde.

Als ich noch klein war, gesellten sich etwas größere Artgenossen neben mich und nach einiger Zeit geschah es, dass sie mich Tag für Tag mit ihren weit auslaufenden Ästen bedrückten. Das tat mir weh, doch keiner wollte mein Jammern hören. Nach und nach wuchsen sie immer höher und wurden wunderschön. Ich dagegen wurde immer krummer und meine Spitze musste sich ständig nach unten beugen.

So konnte ich aber hören, was die Menschen sagten, wenn sie im Herbst kamen, um sich die schönsten Tannen auszusuchen. Ich erfuhr, dass jährlich welche abgesägt werden sollten, um in die warmen Stuben der Menschen gebracht zu werden. Jedes Jahr zur selben Zeit findet nämlich zur Wintersonnenwende ein Fest statt, dass auch Weihnachten genannt wird. Tannenbäume werden dann in kunstvolle Ständer gestellt und mit Kugeln, Lametta, Süßigkeiten und Kerzen geschmückt. Sogar große und kleine Geschenke werden unter den Baum gelegt. So erzählte man sich. Das berichtete ich all den Schönen neben mir, und sie sahen sich schon in herrlichem Glanz bei den Menschen stehen.

Eines Tages kamen ein paar Männer zu uns und der eine von ihnen rief:
‚Kommt mal her, hier stehen prächtige Exemplare, gerade die richtige Höhe für unsere Stadt! ‘.

Sachlich wurden die Erwählten begutachtet und mit weißer Farbe markiert. Ich wurde zwischen all den Schönen von niemandem bemerkt, nicht mal angesehen. Es machte mich traurig.

Darauf hörte ich eine der Tannen noch hochmütig sagen:
‚Habt ihr gesehen, wie sie uns von allen Seiten bestaunten? Sie wollen uns zum Fest der Menschen bringen! ‘.

‚Ach! ‘, rief ich ihnen von unten entgegen ‚ auf meine Kosten seid ihr so gewachsen, habt mich stets unterdrückt und mich krumm und schief werden lassen! ‘.

Die Schönen hörten gar nicht auf meine Worte und wiegten sich eitel im Wind.
Einige Tage später kamen erneut Männer, nur dieses Mal mit Äxten und Sägen unterm Arm und fingen gleich an, am unteren Ende der ausgesuchten Tannen zu sägen.
‚Aua, aua! ‘, jammerten alle durcheinander, doch keiner vernahm ihr Gestöhne.

Doch wie sollte oder konnte ich helfen? Es dauerte nicht lange, da lagen die Tannen abgesägt am Boden. Letzte verzweifelte Seufzer drangen in meine Richtung. Ihr Sterben machte mich sehr traurig, auch wenn sie mich nie gut behandelt hatten. Sie wurden auf großen Lastwagen abtransportiert, und ich sah sie nie mehr wieder.
Jetzt stand ich da, ganz alleine und von allen verlassen. Mein krummes Aussehen kam jetzt erst richtig zur Geltung. Es dauerte Tage, bis ich begriff, was geschehen war.

Neugierig kamen die vielen Tiere des Waldes näher und staunten, denn erst jetzt bemerkten auch sie, wie krumm ich wirklich war. Die Vögel flogen herbei und setzten sich abwechselnd auf meine Äste, die nach einer Seite hingen. Die Hasen hoppelten im Kreise, Rehe und Hirsche zupften zart an meinen Nadeln, als wollten sie mich trösten. Eichhörnchen sausten kreuz und quer und zeigten mir ihre Zuneigung.

‚Was ist bloß los! ‘, rief ich ihnen zu, ‚was ist denn geschehen, dass ihr alle vor Freude hüpft und springt? ‘.

‚Wir haben auf diesem Platz jetzt nur noch dich! ‘, sagte mit tiefer Stimme der Hirsch und das Reh stimmte nickend zu.

‚Du hast uns immer vor Kälte, Wind und Schnee beschützt. Hast dich sogar zu uns niedergebeugt und freudig zugeschaut, wenn wir hier rumtollten! ‘, bemerkte ein alter Hase.

Ein Eichhörnchen rief begeistert:
‚Du hast mir oft Tannenzapfen geschenkt und mich an dir rumtoben lassen! ‘.

Und so erzählten alle Tiere von ihren Erlebnissen mit mir. Als krumme Tanne konnte ich noch viele Jahre glücklich und zufrieden leben!“.







Die Tannenfee

Im hohen, dichten Nadelwald, dort wo die Bäume so dicht stehen, dass kein Mensch mehr hindurch dringen kann, wohnt die Tannenfee. Sie kennt jeden Baum in ihrem Reich ganz genau. Sie achtet darauf, dass keiner Pflanze und keinem Tier etwas Böses geschieht. Schon seit längerem hatte sie beobachtet, dass es einer kleinen Tanne nicht so gut ging, winzig und klein stand sie da und das schon so manches Jahr. Die Tannenfee schaute bei ihrem Sorgenkind öfter einmal vorbei, als bei den Anderen, fand aber keine Veränderungen an der kleinen Tanne. Als sie wieder einmal bei ihrer kleinen Freundin zu Gast war, sah sie wie eine kleine Maus unter der kleinen Tanne verschwand. Schnell und leise folgte ihr die Fee. Was musste sie sehen? Die kleine Tanne hatte keine Wurzeln mehr. Kaum zeigte sich die kleinste Wurzelspitze, wurde sie von der zahlreichen Mäusefamilie abgenagt. "Das kann doch nicht wahr sein!" rief nun böse die Tannenfee. Erschreckt verkroch sich die Mäusefamilie in den Gängen ihrer Wohnung. "Wie kann man nur so etwas tun? Fast wäre die kleine Tanne eingegangen, nur weil ihr nicht genug bekommen könnt!" setzte die Elfe ihre Rede fort. "Boshafte kleine Geister seid ihr! Eigentlich müsste ich euch sofort rauswerfen! Da ihr aber im Winter kein neues Quartier finden würdet, werde ich noch einmal gnädig mit euch sein. Aber nur wenn ihr mir versprecht, die kleine Tanne in Ruhe zu lassen und euer Futter außerhalb eures Baues zu suchen!" "Wir versprechen es " tönte es aus allen Winkeln der Höhle. Nun sah die Tannenfee noch öfter nach ihrem Bäumchen, um zu sehen, ob die Mäuse ihr Versprechen hielten. Voller Freude sah sie, wie die kleine Tanne Jahr für Jahr etwas wuchs. Bald schon war sie eine anschauliche Tanne geworden. Wieder hatte der Winter Einzug gehalten. Schnee bedeckte die Bäume, die Natur hielt ihren Winterschlaf. Plötzlich erschütterten Stiefeltritte den Waldboden, Schnee rieselte von den Ästen. "Der, Vati, der soll es sein!" erscholl die Stimme des kleinen Peter. "Ja, schön sieht er aus, die Zweige sind gut gewachsen und der Stamm ist auch gerade." Antwortete der Vater. Er sah sich noch einige andere Bäume an, dann holte er die Axt und die Säge aus dem Rucksack und rückte die kleine Tanne zu Leibe. Oh, wie seltsam wurde der Tanne zumute. Gerade in diesem Moment kam die Tannenfee vorbei. Sie stellte sich ganz nahe an ihr Bäumchen und redete ein letztes Mal mit ihm. "Sei nicht bange" tröstete sie "du wirst ein Wunder sehen! Nicht alle Tannen haben die Ehre ein Weihnachtsbaum zu werden. Du wirst in hellem Glanz erstrahlen. Ich wünsche dir alles Gute zu deiner Reise." Noch einmal sah sie die kleine Tanne zur Fee hinüber, sie wollte ihr noch sagen, dass sie viel lieber hier im Walde bliebe, aber es war zu spät. Die Säge und die Axt hatten ihr Werk getan, die Tanne fiel in den Schnee. Peters Vater schnürte sie zusammen, legte das Werkzeug in den Rucksack zurück und trat mit Peter den Heimweg an. Zu Hause angekommen schüttelte er den restlichen Schnee von der Tanne und löste den Strick. Dann stellte er die Tanne in den Schuppen. Traurig träumte sie von ihrer Zeit im Wald und von der Tannenfee. Lange blieb ihr keine Zeit für ihren Kummer, der Vater kam und schraubte etwas an den Stamm. Nun fühlte sich die Tanne schon viel wohler. Jetzt konnte sie wieder stehen, stolz reckte er sich in die Höhe. "Bist ein schöner Christbaum" lobte der Vater lächelnd, hob ihn auf und trug ihn in die Stube. Hell und warm war es hier, im Gegensatz zum Wald. Die kleine Tanne fühlte sich, als sei der Sommer zurück gekehrt. Nun wurden Strohsterne und Goldpapiernetze in seine Zweige gehangen, die Krönung bildeten gelbe Bienenwachskerzen. "Oh, welch ein Duft, welche Wärme! Da hat die Fee mir nicht zuviel versprochen" dachte das Bäumchen und fiel in einen süßen Traum. Die Mäuse blieben in ihrem Bau, zwischen den Wurzeln der kleinen Tanne wohnen und dachten noch lange an sie, selbst als die Wurzeln den Saft verloren und austrockneten.



Geschichten vor dem Adventskalender



Leise tickte die Uhr auf dem offenen Kamin. Ein letzter Rest im Cognacglas funkelte in der Glut des Feuers. Sanfte Ruhe legte sich über den Raum und nur das unaufhörliche Ticken der Uhr war zu hören. Plötzlich vernahm man ein Kratzen wie an einer Wand entlang, dann ein „Geschafft“. Weitere Geräusche waren zu hören und dann folgten mehrere Stimmen.

„Puh, ist das eng da drinnen. Es wird langsam Zeit, dass sich mein Türchen öffnet.“
Mit vor Anstrengung gerötetem Gesicht sprang ein kleiner Engel auf den Tisch. Er zog und zupfte an seinen Flügeln, bis sie wieder ihre richtige Form annahmen.
„Ja“, sagte der hinterher gepolterte Lebkuchenmann „aber für mich ist damit auch gleichzeitig das Zeitliche gesegnet. Meine weitere Lebenserwartung liegt dann bei maximal vier Stunden.“ Er atmete einmal tief durch und dehnte sich, bis die zwei Mandeln in seiner Mitte herauszuspringen drohten.
„Jeder hat seinen Sinn im Leben zu erfüllen“ antwortete der Zinnsoldat, der ihnen allen mit seinem Gewehr die Kartonwand zurück gehalten hatte, damit sie sich nach draußen quetschen konnten.
„Wenn du damit zufrieden bist, alle deine Mitinsassen so ohne weiteres gehen zu sehen, obwohl du der einzige bist, der mit seiner Waffe den Raub verhindern könnte, dann ist Dein Leben vergeudete Zeit.“ fuhr ihn der Lebkuchenmann an.
„Na, na ,na, wer wird sich denn gleich streiten, wenn wir nur noch fünf an der Zahl sind“ fuhr das bunt lackierte Schaukelpferd dazwischen und begann beim Schaukeln kräftig mit dem Schweif im Takt zu pendeln an.
Mit knarrender Stimme schlug nun der Nussknacker vor, die Gunst der Stunde zu nutzen und etwas Schönes zu unternehmen.
„Liebe Freunde, warum machen wir uns nicht eine gemütliche Nacht und vertreiben uns die Zeit mit Geschichten erzählen.“ Er nahm noch schnell eine Nuss aus seinem Mund, da er merkte, wie undeutlich er damit sprach.
„Jeder darf nun seine Lieblingsgeschichte erzählen oder aus seinem Leben berichten. Was haltet ihr davon“? Er schaute fragend in die Runde und alle nickten zustimmend. Nur der Zinnsoldat konnte seinen Blick nicht vom Engelchen abwenden und schaute es mit verliebtem Blick an. Als es mit seinen saphirblauen Augen zurückblinzelte wurde der Gewehrsmann ganz verlegen und errötete.

„Lasst mich beginnen“ bat der Lebkuchen, denn er war ganz aufgeregt und hatte Angst, nicht an die Reihe zu kommen. Also begann er mit seiner honigsüßen, aber doch pfeffrigen Stimme zu erzählen.

„Vor vielen, vielen hundert Jahren begannen Mönche in einem Kloster Lebkuchen zu backen. Damals nannte man sie Lebenskuchen, wegen ihrer heilsamen Wirkung. Sie enthielten allerlei Heilkräuter, die man nicht in Tablettenform presste, sondern ins Gebäck verarbeitete. Um den Geschmack zu verfeinern, gaben die Mönche auch noch etwas Honig dazu. Honig war ein Abfallprodukt der Imkerei, die man benötigte, um Bienenwachs für die Kerzen herzustellen. Deshalb goss man es großzügig in die Teigmasse. An Weihnachten wurden dann die besonders würzigen Lebkuchen an die Menschen verteilt. Das sollte bedeuten, dass das Jesuskind der Welt auch Heil beschert. Angeblich gab es aber die ersten Lebkuchen schon in Honigkuchenform bei den Ägyptern und im Orient. Auch die heiligen drei Könige hätten dem Jesuskind einen Lebkuchenmann mitgebracht. Als es den Kuchen an den Mund legte, begann es daran genussvoll zu saugen und lächelte dabei. Der Lebkuchenmann war darüber so erfreut, dass er vor Glück strahlte und das süßeste Honiglächeln auf seinem Mund erschien. Seit diesem Tag gibt es nur noch lachende Lebkuchenmänner.“

Mit vor Stolz geschwellter Brust machte der Lebkuchen einen tiefen Diener und alle anderen der Gruppe klatschten höflich in die Hände. Nur der Zinnsoldat hatte fast nichts mitbekommen, weil er einzig und allein Augen für das Engelchen hatte.

Als nächstes wollten alle eine Geschichte vom Schaukelpferd hören. Alle hofften inständig etwas Lebhafteres zu hören zu bekommen.

„Es war einmal ein wunderschönes, weißes Pferd, welches in einem Zauberwald lebte. Das temperamentvolle Tier hatte Fähigkeiten, so schnell wie der Südwind zu laufen und dabei kaum den Boden zu berühren. Dieses Pferd hatte die Aufgabe, die Phantasie der Welt zu bewahren und sie niemals verloren gehen zu lassen. Dafür war ihm ewige Freiheit zugesichert.

Eines Tages kam ein Prinz in den Zauberwald und wollte den Schimmel fangen. Er hatte von der Geschwindigkeit des Pferdes gehört und wollte sich den Hengst Untertan machen. Der Prinz versuchte, das Tier mit einem Strick und aufgestellten Netzen einzufangen. Doch jeder Versuch schlug fehl. Als er tausend Männer beauftragte, ihm bei der Gefangennahme zu helfen, trieben sie den Schimmel in die Enge. Er stolperte an einer Hufangel und begann zu lahmen. Da machte er selbst Gebrauch von der Phantasie und wünschte sich Flügel. Innerhalb von wenigen Sekunden wuchsen ihm Flügel so groß wie Adlerschwingen am Rücken und er begann, hinauf in die Lüfte zu fliegen. Der Südwind sah seinen Freund noch etwas hilflos aufsteigen und erriet dessen Ziellosigkeit. Deshalb blies er ihm kräftig unter die Flügel und trieb ihn hinauf zu den Sternen. Dort suchte sich das Pferd einen Platz, von wo es die Erde beobachten konnte. Es wollte erst wieder hinabsteigen, wenn die Gefahr vorüber sei. Sein weißes Fell glänzte noch schöner im reflektierenden Licht der Sterne.
„Wer bist denn Du?“ fragte ihn ein neugieriger Stern. Doch das Pferd hatte nie einen Namen bekommen und schüttelte ratlos die Mähne.
„Dann nennen wir Dich ab heute Pegasus“ bestimmte der Dienstälteste Stern. Seit dieser Zeit wartet das Pferd Pegasus darauf, vom Himmel zu steigen, wenn die Jäger verschwunden sind.“

„Oh“ staunte die kleine Gruppe über die Geschichte des Schaukelpferdes, das aber noch nicht beendet hatte.
„Damit das nicht wieder passiert, hat man seit dieser Zeit besonders schöne Pferde mit den Hufen auf Holzkufen geleimt.“

Nun musste sich der Nussknacker ein Lachen verbeißen und das Engelchen kicherte hinter vorgehaltener Hand. So konnte man sich auch selbst loben. Der Zinnsoldat schmolz fast dahin bei diesem zauberhaften Lächeln. Deshalb wagte er sich vor und forderte das Engelchen auf als nächstes zu erzählen.
„Bitte erzähle du uns eine Geschichte. Ich möchte gerne mehr über dich erfahren. Bitte.“

„Gerne“ bedankte sich das Engelchen. „Dafür sind wir Engel doch da, um Geschichten zu erzählen, Träume zu füllen, aufzupassen und lieb zu sein.“ Dabei zwinkerte es dem Zinnsoldaten zu.

„Es war einmal ein kleiner Engel … „ begann der kleine Blondschopf und schüttelte dabei erst einmal kräftig seine Lockenpracht. „ …der sollte in der Weihnachtszeit zum ersten Mal für die Festvorbereitungen mithelfen dürfen. Er malte sich dabei aus, gleich beim Backen der würzigen Weihnachtsplätzchen mitzuwirken. Auch Puppen wollte er hübsch anziehen und verpacken oder die lange Mähne von feurigen Schaukelpferden kämmen. Zum Schluss glaubte er sogar, er würde als Begleiter des Weihnachtsmannes die bunten Päckchen an alle Kinder dieser Welt verteilen dürfen. Doch es kam alles ganz anders. Als erstes musste er beim Sterneputzen helfen, weil viele Sterne noch voll vom Sternenstaub des letzten Jahres waren. Das passte dem kleinen Engel gar nicht. Wütend putzte und rieb er so lange an ein paar Sternen herum, bis diese ihn verärgert davonjagten. Da schüttelte er den Putzlappen so über der Himmelsbäckerei aus, dass die Zimtsterne voll weißen Staubes waren. Seit dieser Zeit streut man Puderzucker über die Zimtsterne, damit keiner den Unterschied merkt.

Dann wurde er zum Kehren der Milchstrasse eingeteilt. Das empfand der Engel als eine Degradierung und er wollte sich beschweren. Doch der Herr des Himmels erklärte ihm streng, es sei eine wichtige Aufgabe den Weg auf die Erde sauber zu halten. Das sah der kleine Himmelbote jedoch nicht ein. Schlampig wischte er die Milchstraße und dabei schwappte ihm mehrmals das klebrige Putzwasser über. Als der Weihnachtsschlitten Probe gefahren wurde spritzte das Zucker/Wassergemisch über den Straßenrand hinaus und die Zuckermasse verteilte sich wieder in der Himmelsbäckerei über die Butterplätzchen. Seit dieser Zeit streicht man Zuckerguss über das Gebäck.

Als er nun aufgefordert wurde in der Himmelsbäckerei mitzuhelfen, freute sich das Engelchen sehr. Leider sollte es dort nur beim Geschirrspülen helfen. Da wurde es so wütend, dass es einfach eine Packung Pfeffer in den Kuchen kippte. Andere sollten sich auch ärgern. Doch der Kuchen, der vorher etwas fad schmeckte, bekam solch einen guten Geschmack, dass man seit dieser Zeit immer Pfeffer in die Gewürzkuchen gab und sie Pfefferkuchen nannte.

Der vorstehende Himmelsbäckereiengel meldete das dem Herrn des Himmels, der den kleinen Engel zu sich rief. Trotzig marschierte der Himmelsbewohner zum lieben Gott. Doch anders als erwartet, hob er den kleinen Engel hoch und setzte ihn auf seine Knie. Gütig teilte er ihm mit:
„Kleiner Engel, da Du nicht gerne hier oben im Himmel die Aufgaben eines Schulengels übernimmst, schicke ich Dich zusammen mit dem Weihnachtsmann zum Geschenke verteilen auf die Erde."
Der kleine Engel begann vor lauter Glück zu strahlen und Freudentränen liefen ihm die Wangen herab. Übermütig gab er dem lieben Gott einen dicken Kuss und versprach ihm: „Danke, lieber Gott. Du wirst sehen, ich enttäusche dich nicht. Das ist die Arbeit wofür ich geboren bin. Niemand kann das besser als ich.“
Er sprang auf und eilte gleich los, dem Weihnachtsmann beim Packen des Schlittens zu helfen. Sein weißes Engelsgewand hatte er sich extra noch mal waschen und stärken lassen. Sein goldener Himmelsreif saß blitze blank auf seinem Kopf und er konnte die Abfahrt kaum erwarten.

Unterwegs unterhielten sich die beiden Geschenkebringer wenig, denn die Himmelsglocken läuteten überall. Musik ertönte auf jedem Flecken der Erde und es herrschte Frieden auf der Welt. Dann erreichten sie die ersten Häuser. Nun stellte sich die eigentliche Arbeit des kleinen Engels heraus. Weil er kleiner und schlanker als der Weihnachtsmann war, schickte dieser ihn mit den Geschenken durch die Kamine. Aber was war das denn für eine schmutzige Arbeit. Überall rußte und rauchte es und schon zu Anfang stellte sich der Engel so ungeschickt an, dass er mit einem verrußten Kleid und schwarzen Wangen weiterfahren musste. Nun wusste er die Arbeit im Himmel zu schätzen. Weil er die anderen Engel vom Himmel her über ihn lachen hörte, warf er wütend ein paar Geschenke und Kuchen aus dem Schlitten. Seit dieser Zeit lachen die Engel immer an Weihnachten über den Engel und es hört sich an wie ein Engelschor. Die verlorenen Geschenke spendet man für "Brot für die Welt" und der Weihnachtsmann nennt seinen Helfer nur noch Bengel.“


„Das ist aber eine lustige als auch lehrreiche Geschichte.“ Staunte der Nussknacker und freute sich mit dem Engelchen über seine Geschichte.
„Ja, und lang war sie auch“ kommentierte der Zinnsoldat. „So etwas Unterhaltsames kann ich nicht erzählen.“ Der Zinnsoldat machte ein grübelndes Gesicht.
„Einfach drauf los“ trieben ihn die anderen an.
„Also gut“ startete er schließlich. „Meine Geschichte handelt von …“
In diesem Moment hörte man jemanden die Treppe herunter poltern. Schnell eilten sie zurück in den Adventskalender und der Zinnsoldat zog als letzter den Karton hinter sich zu. Die Wohnzimmertür wurde aufgerissen und ein kleines Mädchen stürmte auf den Kalender zu. Es öffnete das 20. Türchen und staunte, als es dahinter leer war. Als das Kind sich umdrehte, sah es seinen Großvater im Sessel vor dem Kamin sitzen.
„Großvater, warum hast du meinen Adventskalender heute schon geöffnet. Das ist doch meiner.“
„Ich hab dein Türchen nicht geöffnet. Es war doch noch zu. Aber der Inhalt war heute Nacht hier draußen und hat Geschichten erzählt“, gab der Großvater als Verteidigung von sich.
„Och, Opa. Bestimmt hast Du zuviel Cognac getrunken. Enttäuscht lief das Kind zu seiner Mutter, um sich über den Großvater zu beschweren. Dabei stolperte es über einen kleinen Steigbügel, der auf dem Teppich lag. Verwundert, woher dieser Sattelzubehör kam betrachtete es den Adventskalender. Seltsamerweise war das 23. Türchen total ausgebeult und an der Seite drückte sich ein weißes Kleidchen als auch ein Gewehrkolben heraus.


Papa, erzähl mir vom Himmel



Märchen beginnen normal immer mit „ Es war einmal“.
Meine heutige Weihnachtsgeschichte, nicht. Denn diese Geschichte kann jedes Jahr und überall geschehen, aber eben nur - in der Weihnachtszeit.

Ein Vater hatte gerade seine kleine Tochter vom Kindergarten abgeholt und wie jeden vorangegangenen Tag fragte Klein Anna auch heute: „ Papa wie oft noch schlafen bis das Christkind kommt?“

„ Du kannst es ja heuer überhaupt nicht erwarten – aber ich sage es dir – einmal noch schlafen und dann kommt das Christkind!“

„ Einmal noch! Nur noch heute? Dann kommt das Christkind mit all den Packerln? – Glaubst du dass es meinen Wunschzettel gefunden hat?“

„ Er war weg!“ ------„ Ja du weist – wie oft bei mir ein Spielzeug weg ist und das hat auch nicht das Christkind geholt!“

„ Anna das ist doch ganz was anderes – deine Spielsachen tauchen alle wieder einmal auf –untern Bett – im Kasten oder sonst wo!“

„ Und Mama? Hat die auch das Christkind geholt?“

„ Wie kommst du auf das??“ -------„ Na ja wegen dem Wunschzettel, den hat doch das Christkind geholt – dann hat sie vielleicht auch die Mama.....

„ Ja das kann man auch so sagen – Mama ist im Himmel – und das Christkind auch!“

„ Papa du schreibst doch Bücher und Geschichten hast du auch eine über den Himmel!“

„ Nein, aber ich werde dir heute vor dem einschlafen eine Geschichte über den Himmel erzählen –aber jetzt lass uns einmal nach Hause gehen“

Hand in Hand ging Vater und klein Anna die Straße entlang – überall in den Fenstern sah man schon Weihnachtsbeleuchtungen, in manchen Vorgärten standen beleuchtete Tannenbäume.

Klein Anna plapperte ununterbrochen ---„ Nur noch einmal schlafen“ „ Nur noch einmal schlafen“ ------ und der Vater überlegte sich die ganze Zeit was er über den Himmel erzählen sollte. Zu Hause war es schön warm, überall standen Adventsachen, kleine Engel als Kerzenleuchter, Weihrauchhäuschen, ein Adventkranz hing von der Decke und auch eine Krippe durfte nicht fehlen.

Klein Anna lief sofort in ihr Zimmer, denn sie hatte in der Früh vergessen das
23zigste Türchen vom Advent - Kalender aufzumachen.

„ Papa ein Schokolade –Stern! Darf ich noch naschen?“---- „ Nein erst nach den Abendessen“

„ Zu spät! Er war so weich, dass ich ihm nicht mehr halten konnte!“---- „ Anna --man darf doch zu Weihnachten nicht lügen!“------- „ Sonst schon?“------- „ Anna bitte geh jetzt Hände waschen und komm essen!“

„ Okay, aber vergiss nicht, du hast mir versprochen eine Geschichte über den Himmel zu erzählen“

Während des Essens und auch als Anna badete überlegte der Vater: “Was soll ich über den Himmel erzählen? Vielleicht vergisst sie? Oder – mir wird schon was einfallen“

Nach den baden wollte Anna unbedingt noch das Video vom „Rudolf das Rentier“ sehen – der Vater verzichte zum zwanzigsten Mal auf die Abendnachrichten – denn so oft hatten sie sich heuer schon den „Rudolf“ angeschaut. „ Aber dann ins Bett“------- „ Und nur noch einmal schlafen!“

Als der Film zu Ende war lief Anna zum Fernseher drückte die Austaste, lief zurück zum Vater, kuschelte sich an ihm und sagte „ Und nun noch die Geschichte vom Himmel!“

„ Nun gut – der Himmel ist ganz, ganz weit oben, manchmal ist er ganz blau mit kleinen weißen Wolken und in der Nacht...“ ---- „---sind Sterne und der gute alte Mond, Papa das weis ich doch – Ich will nicht wissen AM Himmel ich möchte was wissen -- IM Himmel“

„ Aha, na gut, im Himmel ist jetzt irrsinnig viel los – das Christkind hat alle Wunschzettel eingesammelt und abgeliefert. Jetzt sind alle Engel beschäftigt diese Kinderwünsche zu erfüllen.“

„Die Mama ist ja auch im Himmel, ist sie auch ein Engel?“ --„ Aber ja mein Liebes, sie ist Dein Schutzengel „ --- „Dann hat sie auch meinen Wunschzettel gelesen?“

„ Aber sicher, du wirst sehn morgen Abend unter den Weihnachtsbaum werden alle deine Wünsche erfüllt sein.

Heute Nacht wird aber noch gearbeitet, gebastelt und genäht, gehämmert und geklopft und das so laut, dass davon Frau Holle aufwacht und ihre Betten schüttelt dass es auch so richtig weihnachtlich auf Erden wird. --- Mama hat den Schnee so geliebt, sie war dann wieder wie ein Kind...... und dann kam die Krankheit --- und dann waren nur noch wir zwei.“

Und der Vater erzählte noch soviel vom Himmel, dass er gar nicht gleich merkte, dass Anna schon eingeschlafen war.

Er brachte sie ins Bettchen und verließ ganz leise das Kinderzimmer. Dann holte er den Wunschzettel und überprüfte nochmals alle Geschenke. Bei den Päckchen mit der Puppe, die weinen und Mama sagen kann, wechselte er den Anhänger nochmals aus. Statt "Vom Christkind" schrieb er „Von Deiner Mama“ und er merkte gar nicht dass unter den Tränen die Tinte zerrann.

Da er innerlich so aufgewühlt war und sicher noch nicht schlafen konnte setzte er sich an die Schreibmaschine und schrieb „ Papa, erzähl mir vom Himmel“.


Das Weihnachtslicht



Eines Abends im Advent, es war irgendwann in den 90-iger Jahren, beschloss das Christkind Weihnachten wieder einmal auf der Erde zu verbringen.
Es war lange nicht mehr dort gewesen. Der Weg zur Erde war weit und beschwerlich und er wurde auch kaum mehr begangen, außer von ein paar Engeln. Diese mussten sich ab und zu da unten umsehen, denn sie schrieben die Chronik der Erde.
Nur einer machte sich Jahr für Jahr auf den Weg, das war der Weihnachtsmann. Viel Arbeit hatte er nicht mehr, denn es gab nur noch sehr wenige Kinder, die an ihn glaubten. Für diese Kinder machte er sich besondere Mühe, denn sie waren seine Hoffnung für den Frieden der Erde.
Das Christkind konnte den traurigen Erzählungen des Weihnachtsmannes kaum Glauben schenken, "er war halt doch schon ein recht alter Mann." Auch die Chronik, welche die Engel schrieben, erschien ihm nicht wahr. "Diese Engel übertreiben doch immer wieder, ich will mich selbst überzeugen!"

So kam es, dass das Christkind am Morgen des Weihnachtstages auf der Erde landete. Es war entsetzt über all die Dinge, die es sich ansehen musste: Leute im Geschenke-Kaufrausch - Weihnachtslieder plärren aus Lautsprechern - angespannte, gehetzte Gesichter - schlichtweg ein Durcheinander, das es früher nie gegeben hatte.
Beim Kommentar einer jungen Frau horchte das Christkind auf: "Dieses Weihnachtsgetue nervt mich, hoffentlich ist der Rummel bald vorbei!"

"Das ist es wohl", dachte das Christkind. "Die Leute tun nur noch so, als ob Weihnachten wäre, das eigentliche Weihnachtsgefühl kennen sie längst nicht mehr."

Auch abends in den Familien wurde es kaum besser. Schnell - schnell,
in die Kirche. Heute muss man da ja hin, ist doch Weihnachten - rasch nach Haus, das Essen wird sonst kalt - der Teller ist noch nicht leer, schon quengeln die Kinder. Sie wollen ihre Geschenke, schließlich hat man sie lange genug neugierig gemacht. Gleich - ist es soweit - JETZT...

Dem Christkind stehen die Tränen in den Augen. So traurig war es lange nicht gewesen. Es musste etwas tun, um den Menschen wieder echte Freude zu schenken.
Da kam ihm eine Idee: Es hatte ja noch sein Weihnachtslicht einstecken! Mit dem tröstete es im Himmel kleine Engelchen, die von ihrer Wolke gefallen waren, oder spendete Trost für alle, die traurig waren. Wieso sollte dieses Licht auf der Erde nicht auch seine Wirkung tun? Rasch griff das Christkind in seine Tasche und streute Weihnachtslicht in jedes Haus. Es vergaß kein einziges.
Auf einmal wurde es überall still. Den Menschen wurde warm ums Herz. Die Erwachsenen wollten sich zuerst gegen dieses Gefühl wehren, denn sie kannten es nicht oder hatten es vergessen. Die Kinder aber, sie nahmen es sofort an. Für sie war es das Schönste, was sie je erlebt hatten.

Die Alten lächelten still. Ja, Weihnachten hatte seinen Zauber wieder, der im Laufe der Zeit verloren gegangen war.

"So etwas darf nie mehr geschehen" dachte das Christkind und ließ vorsorglich eine ganze Menge Weihnachtslicht auf der Erde zurück, bevor es sich wieder auf den Heimweg machte. Dieses besondere Licht brennt seitdem in jeder Kerze und bringt Frieden und Zuneigung, aber auch Ruhe und Nachdenklichkeit in die Häuser und Herzen der Menschen.
"Ja ja", brummte der Weihnachtsmann wohlwollend, als er das Christkind bei seiner Heimkehr empfing. "Du hast den Menschen das schönste aller Geschenke gemacht - du hast ihnen die Freude gegeben." Damit wandte er sich um und ging zu seiner Weihnachtswerkstatt.


Warum der Engel lachen musste



Die bevorstehende Geburt des Christkinds bereitete den Engeln ziemliches Kopfzerbrechen. Sie mussten nämlich bei ihren Planungen sehr vorsichtig sein, damit die Menschen auf Erden nichts davon bemerkten. Denn schließlich sollte das Kind in aller Stille geboren werden und nicht einen Betrieb um sich haben, wie er in Nazareth auf dem Wochenmarkt herrschte.
Probleme gab es auch bei der Innenausstattung des Stalles von Bethlehem. An der Futterraufe lockerte sich ein Brett aber hat jemand schon einmal einen Engel mit Hammer und Nagel gesehen?! Das Stroh für das Krippenbett fühlte sich hart an, das Heu duftete nicht gut genug, und in der Stalllaterne fehlte das Öl.
Aber auch was die Tiere anbetraf, gab es allerhand zu bedenken. Genau an dem für den Engelschor auserwählten Platz hing ein Wespennest. Das musste ausquartiert werden. Denn wer weiß, ob Wespen einsichtig genug sind, um das Wunder der Heiligen Nacht zu begreifen? Die Fliegen, die sich Ochse und Esel zugesellt hatten, sollten dem göttlichen Kind nicht um das Näslein summen oder es gar im Schlafe stören. Nein, kein Tier durften die Engel vergessen, das etwa in der hochheiligen Nacht Unannehmlichkeiten bereiten könnte.
Unter dem Fußboden im Stall wohnte eine kleine Maus. Es war ein lustiges Mäuslein, das sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen ließ, höchstens, wenn die Katze hinter ihm her war. Aber dann flüchtete es schnell in sein Mäuseloch zurück. Im Herbst hatte die Maus fleißig Früchte und Körner gesammelt; jetzt schlief sie in ihrem gemütlichen Nest. Das ist gut, dachte der verantwortliche Engel, wer schläft, sündigt nicht, und bezog die Maus nicht weiter in seine Überlegungen ein.
Nach getaner Arbeit kehrten die Boten Gottes in den Himmel heim. Ein Engel blieb im Stall zurück; er sollte der Mutter Maria in ihrer schweren Stunde beistehen. Damit aber keiner merkten konnte, dass er ein Engel war, nahm er seine Flügel ab und legte sie sorgsam in eine Ecke des Stalles. Als die Mutter Maria das Kind gebar, war sie sehr dankbar für die Hilfe des Engels.
Denn kurz darauf kamen schon die Hirten, nachdem sie die frohe Botschaft gehört hatten, und der Hütehund und die Schafe. Obwohl die Männer sich bemühten, leise zu sein, und sozusagen auf Zehenspitzen gingen, klangen ihre Schritte doch hart und der Bretterboden knarrte. War es da ein Wunder, dass die Maus in ihrem Nest aufwachte? Sie lugte zum Mäuseloch hinaus und hörte die Stimme " Ein Kind ist uns geboren ...", konnte aber nichts sehen.
Neugierig verließ sie ihr schützendes Nest und schon war die Katze hinter ihr: Schnell wollte das Mäuslein in sein Mäuseloch zurück, aber ein Hirte hatte inzwischen seinen Fuß darauf gestellt. "Heilige Nacht hin oder her", sagte die Katze zu der entsetzten Maus, "jetzt krieg ich dich!"
Und damit ging die wilde Jagd los. Die Maus in ihrer Angst flitzte von einer Ecke in die andere, sauste zwischen den Beinen der Hirten hindurch, huschte unter die Krippe und die Katze immer hinterher: Zwischenzeitlich bellte der Hütehund und die Schafe blöckten ängstlich. Irgendwo gackerte aufgeregt eine Henne.
Die Hirten wussten nicht recht, was los war, denn eigentlich waren sie gekommen, um das Kind anzubeten. Aber sie konnten ja ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen, und alles rannte durcheinander: Es ging zu wie in Nazareth auf dem Wochenmarkt.
Als die Engel im Himmel das sahen, ließen sie buchstäblich ihre Flügel hängen. Es ist tröstlich zu wissen, dass auch so unfehlbare Wesen wie Engel nicht an alles denken. Das Mäuslein indessen befand sich in Todesangst. Es glaubte seine letzte Sekunde schon gekommen, da flüchtete es in seiner Not unter die Engelsflügel. Im gleichen Moment fühlte es sich sachte hochgehoben und dem Zugriff der Katze entzogen. Das Mäuslein wusste nicht, wie ihm geschah. Es schwebte bis unters Dachgebälk, dort hielt es sich fest. Außerdem hatte es jetzt einen weiten Blick auf das ganze Geschehen im Stall.
Die Katze suchte noch ungläubig jeden Winkel ab, aber sonst hatte sich alles beruhigt. Der Hütehund, bewachte die ruhenden Schafe. Die Hirten knieten vor der Krippe und brachten dem Christkind Geschenke dar. Alles Licht und alle Wärme gingen von diesem Kinde aus. Das Christkind lächelte der Maus zu, als wollte es sagen, "Gell, wir wissen schon, wen die Katze hier herunten sucht". Sonst hatte niemand etwas von dem Vorkommnis bemerkt.
Außer dem Engel, der heimlich lachen musste, als er die Maus mit seinen Flügeln sah. Er kicherte und gluckste trotz der hochheiligen Stunde so sehr, dass sich der heilige Josef schon irritiert am Kopf kratzte.
Es sah aber auch zu komisch aus, wie die kleine Maus mit den großen Flügeln in die Höhe schwebte. Die erstaunte Maus hing also oben im Dachgebälk in Sicherheit.
Und ihre Nachkommen erzählen sich noch heute in der Heiligen Nacht diese Geschichte. Macht ihnen die Speicher und Türme auf, damit sie eine Heimat finden - die Fledermäuse - wie damals im Stall von Bethlehem
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Jan auf dem Weihnachtsmarkt



Jan zieht den Schlitten hinter sich her. Er muss sich beeilen. Wenn der große Zeiger auf der zwölf und der kleine Zeiger auf die drei steht, muss er zuhause sein. Seine Eltern wollen dann mit ihm auf den Weihnachtsmarkt gehen. Außerdem wird er gebraucht um den Weihnachtsbaum mit auszusuchen. Da ist Jan besonders stolz drauf. Die Mutter zieht ihm trockene Sachen an. Jan hat Durst. Die Mutter macht ihm eine Tasse heiße Zitrone. Jan würde lieber Cola trinken, aber die Mutter sagt immer, wenn er Cola trinkt, dann sieht er bald so dick aus wie der Kevin, der zwei Häuser weiter wohnt. Also trinkt Jan lieber die saure heiße Zitrone. Den Kevin hänseln nämlich immer alle weil der so dick ist und laufend Süßigkeiten und Pommes in sich reinstopft.

Die Mama und der Papa von dem Kevin sind aber auch ganz dick. Einmal waren die im Sommer bei den Eltern vom Jan zu Besuch im Garten hinter dem Haus, da musste der Papa vom Jan extra zwei Stühle aus der Küche holen weil die Mama und der Papa von dem Kevin nicht in die Stühle im Garten reingepasst hätten. Der Kevin spielte zuerst noch ein bisschen mit dem neuen Kranauto das Jan zum Geburtstag bekommen hatte, dann rannte er zu seinen Eltern und ließ sich in einen der Gartenstühle fallen. Seine Eltern haben dann ziemlich lange gebraucht um den Stuhl wieder vom Kevin abzubekommen. Auch hat der Stuhl seither etwas krumme Beine. Jan hat damals etwas Angst gehabt dass der Kevin nun vielleicht für immer im Gartenstuhl bleiben muss.

Auf dem Weihnachtsmarkt ist ziemlich viel los. Jan bekommt einen Bratapfel. Dann darf er noch eine Runde mit dem Karussell fahren. Natürlich fährt er im Feuerwehrauto. Jan hat Glück, seine Mutter hat gerade eine alte Schulfreundin getroffen und so darf er noch eine weitere Runde fahren während die Erwachsenen sich unterhalten. Dann kommt der Weihnachtsmann. Der Kevin sagt zwar immer es gäbe gar keinen richtigen Weihnachtsmann, das wären alles nur verkleidete Studenten, aber Jan glaubt ihm nicht. Der Weihnachtsmann kommt jetzt auf Jan zu. Der greift die Hand vom Papa jetzt doch etwas fester. Der Weihnachtsmann beugt sich zu Jan runter und sagt mit tiefer Stimme: Kannst du schon ein Gedicht aufsagen, dann bekommst du auch ein Geschenk von mir!? Der Weihnachtsmann riecht aus dem Mund so wie Papa neulich als er von der Weihnachtsfeier beim Griechen kam und er auf dem Sofa schlafen musste. Der Kevin hat dem Jan neulich ein Weihnachtsgedicht gelernt, aber der Jan traut sich nicht es aufzusagen, weil er auch nicht alles von dem Gedicht verstanden hat. Der Jan bekommt schließlich trotzdem ein Geschenk und atmet erst mal tief durch als der Weihnachtsmann seinen Kopf wieder hebt und nach einem anderen Kind Ausschau hält.

Jetzt gehen sie zum Weihnachtsbaumverkauf. Hier gibt es ja so viele, große, kleine, dicke, dünne, krumme, gerade, welche mit langen und welche mit kurzen Nadeln. Jan möchte am liebsten einen ganz großen, aber der Papa sagt dass sie den gar nicht weggetragen bekommen und das Wohnzimmer auch gar nicht so hoch sei. Nach einer ganzen Weile des Suchens entscheiden sie sich schließlich für einen mit kurzen Nadeln der immerhin noch ein ganzes Stück größer ist als Jan. Der Weihnachtsbaum wird dann noch in eine Maschine gesteckt die von vorn aussieht wie ein Betonmischer, hinten kommt dann der Weihnachtsbaum ganz schlank in einem Netz wieder raus. Vielleicht sollte man den Kevin da auch mal reinstecken? Die drei tragen ihren Weihnachtsbaum nach Hause, der Papa vom Jan vorne, die Mama hinten und Jan ganz stolz in der Mitte. Und der Papa hat dem Jan versprochen dass er ihn dieses Jahr mit schmücken darf!


Pferd und Kuh beim Weihnachtsshopping

Ein Pferd ging in die Stadt. Es pfiff eine Weihnachtsmelodie vor sich hin. Vor der Telefonzelle machte es halt und rief seine Freundin die Kuh an. Der Bauer ging ans Telefon, sagte Moment, rief die Kuh und gab ihr den Hörer. Das Pferd fragte die Kuh ob sie Lust hätte mit ihm durch die Stadt zu gehen und ein Weihnachtsgeschenk für die Bäuerin und den Bauern zu kaufen. Die Kuh hatte Lust und so verabredeten sie sich vor der Sparkasse. Fast zeitgleich trafen beide dort ein. Sie begrüßten sich herzlich und zogen weiter durch die verschneiten Gassen der kleinen Stadt Richtung Marktplatz. Vor der Apotheke sahen sie ein anderes Pferd mit einem Rezept im Maul, dem war ganz schlecht. Die Kuh nahm schnell das Rezept und löste es in der Apotheke ein während das Pferd das andere Pferd tröstete. Die Kuh gab dem Pferd 20 Tropfen von der Medizin, so wie der Apotheker es geheißen hatte, dem Pferd ging es gleich viel besser. Es bedankte sich und trabte davon. Auf dem Marktplatz drehte sich eine große Weihnachtspyramide. Pferd und Kuh staunten sie mit großen Augen an. Überall waren Buden aufgebaut, es roch nach Punsch und gebrannten Nüssen, das Pferd kaufte von seinem Taschengeld für die Kuh eine Zuckerwatte und für sich einen Bratapfel. Ein Chor sang stimmungsvoll Weihnachtslieder. Sie hielten sich bei den Hufen und lauschten andächtig. An einer Bude sah das Pferd bunte, warme Pudelmützen. Es kaufte eine für seinen Bauern und dazu passend ein Paar warme Fäustlinge und für seine Bäuerin ein Paar mollig warme Hausschuhe. Dann gingen sie weiter. In einem Schaufenster sah die Kuh bunte Gummistiefel. Sie gingen hinein und suchten für die Bäuerin der Kuh ein Paar orangene mit grünen Streifen aus und für den Bauern ein Paar rote mit gelben Klecksen drauf. Die Kuh ließ sie sich als Geschenk verpacken und zahlte mit der Kreditkarte. Anschließend lud sie das Pferd noch in eine Cocktailbar ein. Sie wählte einen Camparie-Orange und das Pferd einen Jägermeister On The Rocks. Als sie die Cocktailbar verließen, sahen sie in den Fenstern viele Schwibbögen leuchten und freuten sich. Sie verabredeten sich für Silvester und machten sich beide auf den Weg auf ihren Hof zurück.

Rosi Rosine



„Ach, bin ich froh, dass ich damals nicht zu Wein verarbeitet wurde! Da waren die Trauben zerdrückt und jeder Tropfen Saft gewaltsam herausgepresst."

So sprach Rosi, die kleine Rosine.

" Na, uns vertrocknen zu lassen ist auch nicht besser. Seht doch, wie schrumpelig ich schon aussehe! Dabei war ich einmal die größte und schönste Beere an meiner Traube." Erwiderte jemand.

"Ich habe gehört, die Menschen backen mit uns Kuchen und Brötchen. Und wenn man ganz großes Glück hat, kommt man in einen Weihnachtsstollen. Das ist etwas ganz Besonderes und soll sehr schön sein." berichtete eine andere Person.

Von nun an war alles klar. Rosi wollte unbedingt eine Stollenrosine werden. Ja, sie erinnerte sich, schon früher von dem Weihnachtsfest, das die Menschen feierten, gehört zu haben. Bei dieser Feier werden nur die schönsten und leckersten Dinge aufgetragen. Die Menschen machen sich Geschenke. Überall ist es hell, weil viel, viel mehr Lichter brennen als sonst irgendwann im Jahr. Alle Menschen freuen sich auf Weihnachten. Sie sind dann lieb zueinander und streiten sich nicht. Warum das nur zu Weihnachten so ist, konnte sich die kleine Rosine nicht erklären. Eigentlich ist es doch ziemlich dumm von den Menschen, sich nur einmal im Jahr zu vertragen. Aber verstehe einer diese intelligenten Zweibeiner... Für Rosi stand fest, sie wollte die schönste, dickste, süßeste Rosine in einem Weihnachtsstollen sein. Einmal auf einer festlich gedeckten Tafel unter leuchtenden Kerzen bei feierlicher Musik, zusammen mit Zitronat, Mandeln und Gewürzen in einem duftenden Stollen - das war ihr sehnlichster Wunsch.

Seit Tagen lag Rosi zusammen mit vielen anderen Rosinen in einer Plastiktüte. Drittes Warenregal, rechts unten im Supermarkt; das war ihre neue Adresse geworden. Mit jedem Tag wurde sie trauriger, denn das Fest rückte immer näher und niemand kaufte die Tüte, in der das kleine Rosinchen so ungeduldig wartete. Die anderen schwatzten, prahlten und stöhnten vor sich hin, nur Rosi wurde ruhiger und ruhiger. Anfangs hatte sie allen von ihrem Wunsch erzählt und ihre Vorstellungen in den buntesten Farben geschildert. Doch dafür wurde sie ausgelacht. Jemand hatte sogar behauptet, sie würde höchstens in ein Rosinenbrötchen kommen. Für einen Weihnachtsstollen wäre sie viel zu klein. Das bedrückte Rosi sehr und mit jedem Tag wurde die Angst größer, dieser Spötter könnte vielleicht recht behalten.

Gerade in dem Moment, als auch der letzte Funken Hoffnung aufgegeben war, plumpste plötzlich die Rosinentüte mit elegantem Schwung in einen Einkaufswagen.

"Hurra!!!"

Bis Weihnachten waren es noch 4 Wochen. Nun ging Rosis Traum wohl doch noch in Erfüllung? Aber nein, die Tüte verschwand erstmal in einem dunklen Küchenschrank. Wenn Rosinen weinen könnten, so hätte Rosi das jetzt getan. Aber sie war ja so trocken, dass nicht das kleinste Tröpfchen Saft fließen konnte. Rosi zog sich in die äußerste Ecke der Tüte zurück, und hier harrte sie traurig der Dinge, die da kommen würden.

Sie träumte wieder ihren Lieblingstraum, als sie merkte, wie sie plötzlich aus ihrer Tüte in eine Schüssel purzelte. Erschrocken machte Rosi einen besonders großen Satz und landete gleich darauf nebenan auf dem Tisch. Jetzt ist alles aus, dachte Rosi gerade, doch da griffen zwei Menschenfinger nach ihr und warfen sie zu den anderen in die Schüssel zurück. Dann wurde es feucht um sie herum. Die Rosinen wurden gewaschen und jede versuchte, so viel Wasser wie möglich aufzunehmen. Alle hatten furchtbaren Durst, doch ihre Poren waren so vertrocknet, dass das Saugen gar nicht so einfach war. Und immer wieder wurde das Wasser weggegossen. Schließlich plätscherte eine hellbraune Flüssigkeit aus einer Flasche über sie. Hmmm....dieser Geruch.....scharf, würzig, aber nicht unangenehm. Eine Rosine rief:

"Das ist Rum! Jetzt kriegen wir alle einen Schwips!"

Und weil immer noch alle durstig waren, weigerte sich auch niemand, die Flüssigkeit aufzunehmen. Rosi saugte auf, so viel sie konnte. Ihr kleines Bäuchlein wurde allmählich immer runder und sie selbst immer fröhlicher. Alle Rosinen schubsten, drängelten und kullerten munter durcheinander. Sie lachten, quiekten, lallten und quatschten. Rosi kicherte:

"Seht ihr, jetzt komme ich doch noch in einen Weihnachtsstollen! Hik .. hik ...!

Von irgendwo kam eine Antwort.

"Wirst recht haben, Rosi! Hätte nie gedacht, dass Rosine sein, so lustig ist. Hihi...."

So kicherten und juchzten die Rosinen noch eine ganze Weile herum, bis sie schließlich alle so voll waren, dass sie einfach an der Stelle liegenblieben, an die sie sich hingekullert hatten. Da schnarchten sie nun vor sich hin, bis sie unsanft geweckt wurden. Zusammen mit einem Teig aus Mehl, Zucker, Eiern, Fett und Hefe wurden sie geknetet, gedrückt und geschlagen. Letztlich kamen auch noch Mandeln und Zitronat dazu. Alles zusammen wurde durchgewalkt, dass es eine schmerzhafte Angelegenheit geworden wäre, wenn unsere Rosinen durch den Alkohol nicht schon eine ordentliche Betäubung bekommen hätten. Rosi klebte nun direkt an einer halben Mandel, die mit aller Kraft von ihr loszukommen versuchte.

"Geh mir vom Leib, du besoffene Göre! Ich möchte meinen eigenen Geschmack behalten."

"Halt die Klappe, du halbe Portion!" war Rosis müde Antwort.

Die "halbe Portion" wurde ihr übelgenommen, aber das war nun einmal eine Tatsache und die Mandel musste einsehen, dass eine betrunkene Rosine nicht weniger wert war, wie eine halbe Mandel. Es herrschte von nun an friedliche Koexistenz.

Eigentlich schade, dass der Schnaps Rosis Gedanken etwas vernebelt hatte. So konnte sie es nicht in vollen Zügen genießen, Bestandteil eines Weihnachtsstollens zu sein. Jedenfalls hatte das Kneten und Schlagen nun aufgehört und der Stollen wurde in einen Herd geschoben, in dem es schon herrlich warm war. Die Wirkung des Alkohols ließ allmählich etwas nach und Rosi war rundum glücklich. Einige Rosinen und Mandeln jammerten:

"Oh, ist das heiß! Ich verbrenne!"

Vor allem die, die außen lagen und nicht ganz vom Teig zugedeckt wurden, mussten besonders leiden. Rosi ruhte mitten im Stollenbauch. Dort konnte sie nicht verbrennen, blieb rund und saftig.

Schließlich sah der Stollen schön hellbraun aus und wurde aus dem Herd genommen. Er wurde eingebuttert und eine Menge weißer Puderzucker bedeckte bald seinen Rücken, dass es aussah, wie ein Berg, auf den es frisch geschneit hatte. Unsere kleine Rosine war so stolz, nun zum schönsten Weihnachtsstollen, den sie kannte, zu gehören. War dieses Glücksgefühl noch zu übertreffen?

Nachdem sich ihre Nachbarn von der Hitze erholt hatten, hörte sie es tuscheln und raunen.

"Bald kommen wir auf den Weihnachtskaffeetisch."

"Das ist das Schönste, was einem Weihnachtsstollen passieren kann, am Heiligen Abend, dem schönsten Tag des Jahres, verspeist zu werden."

"Die Menschen stellen an diesem Tag einen geschmückten Tannenbaum auf. An den hängen sie glänzende Kugeln und Fäden, und unzählige Kerzen erleuchten ihn. Es gibt keinen schöneren Baum."

Wieder wurde Rosi von Sehnsucht beschlichen.

"Wie lange dauert es noch, bis ich das auch erleben darf?"

Rosi konnte sich nicht vorstellen, dass es noch schöner werden sollte. Aber der Tag kam, an dem der Stollen wiederholt mit Puderzucker bestreut und auf eine wertvolle Porzellanplatte gelegt wurde. Rosis kleines Rosinenherz begann schneller zu schlagen. Nun war also der Höhepunkt ihres Daseins zu erwarten. Und sie wurde nicht enttäuscht. Was war das für eine Stimmung, die ihr da entgegenschlug, als die Tür zum Festsaal geöffnet wurde und die Platte mit dem duftenden Stollen den schönsten Platz auf der festlich gedeckten Tafel erhielt! Rosi erblickte auch den Weihnachtsbaum, von dem sie schon gehört hatte. Er sah noch viel schöner aus, als ihr beschrieben wurde. Rote und silberne Kugeln schmückten ihn. Glänzendes Lametta hing schwer herab. Dazwischen leuchteten kleine bunte Figuren und an der Baumspitze prangte ein heller Stern. Aber am schönsten waren die vielen kleinen Lämpchen, die goldgelb ein warmes Licht ausstrahlten. Oh, das war ein wunderschöner Baum! Unten, rund um den Stamm lagen viele bunte Pakete mit dicken Schleifen und kleinen Kärtchen. Von irgendwoher ertönte ein Glöckchen. Die Tür öffnete sich und festlich gekleidete große und kleine Menschen gingen zum Baum. Vor allem den kleinen Leuten sah man die Aufregung an, als sie mit leuchtenden Augen die Pakete öffneten. Das waren also die Geschenke, die sich die Menschen machten, dachte Rosi und sah, wie sie sich freuten und umarmten. Dann stellten sich die Menschen um den Baum und begannen zu singen. Auch Rosi und die anderen Rosinen stimmten mit ein; ganz leise, wie das bei Rosinen üblich ist. Nur sie selbst konnten sich hören. Alle waren von so unbeschreiblich viel Glück und Freude erfüllt. Diese Stimmung hielt auch weiterhin an, bis alle am Tisch saßen, der Kaffee duftete und der Stollen angeschnitten wurde.

Rosi wusste, dass nun die letzten Minuten ihres Daseins angebrochen waren. Sie war dankbar dafür, dass sie das Schönste erleben durfte, was eine Rosine erleben kann. Ihr letzter Gedanke war:

"Ich muss eine ganz besondere Rosine sein."

Dann wurde sie von einem großen, pausbäckigen Jungen vernascht.

Tim und der Weihnachtsstern

In der Vorweihnachtszeit sind alle Kinder ganz besonders aufgeregt. Das war vor hundert Jahren so und ist auch heute noch so geblieben. Tim ging es genauso. Jeden Abend, wenn er in seinem Bettchen lag, fragte er sich, ob es den Weihnachtsstern wirklich gibt. Vor zweitausend Jahre habe er die Geburt des Jesuskindes angekündigt, die drei Waisen zu ihm geführt und den Hirten den Weg zum Stall gewiesen. Jedes Jahr zum Weihnachtsfest leuchtet er auch heute noch strahlend am Himmel. Er leuchtet viel heller als die anderen Sterne und jeder kann ihn sehen, wenn er will. So erzählt man. "Gibt es den Weihnachtsstern wirklich?" frug er fast jeden Abend die Mutti wenn sie ihn ins Bettchen brachte. Und wie immer antwortete die Mutti "natürlich gibt es den Weihnachtsstern. Du musst nur richtig hinsehen." Dann blickte Tim so lange durch sein Fenster in den Sternenhimmel bis er einschlief. Den Weihnachtsstern hatte er noch nie gesehen. Es war die Nacht vor dem Heiligen Abend. Wieder hatte Tim in die Sterne geschaut. Da, plötzlich, fiel ein Mondstrahl auf sein Bett und eine Stimme sprach "Komm, Tim, steig auf, ich bringe dich zum Weihnachtsstern!" Tim rieb sich die Augen. Wachte oder träumte er? Da sprach die Stimme ein zweites Mal "nun komm schon, ich kann nicht ewig warten". "Wer bist Du?" frug jetzt Tim. "Siehst du mich denn nicht, ich bin ein Mondstrahl! Nun steig schon auf, ich kann dich tragen." Nun wollte Tim nicht länger warten, schnell setzte er sich auf den Mondstrahl und los ging die Reise. Vorbei am großen Wagen, an der Milchstraße und am alten Vater Mond bis hin zu einem großen Stern, dem Weihnachtsstern. Tim hielt sich ganz fest, denn die Fahrt ging rasend schnell. Als der Mondstrahl Tim auf dem Weihnachtsstern absetzte, war er im ersten Moment wie benommen. Strahlende Helle umgab ihn, dass er sich wie geblendet fühlte. "Du wolltest wissen ob es mich gibt?" Sprach eine Stimme zu Tim. "Ja" antwortete dieser etwas schüchtern. "Nun siehst du das es mich gibt! Komm setz dich, ich will die eine Geschichte erzählen" sprach nun freundlich der Stern zu ihm. Gerne kam Tim der Aufforderung nach. Alles war hier so kuschelig weich und warm wie in seinem Bettchen nur viel, viel schöner. "Vor zweitausend Jahren, war ich ein Stern wie jeder andere" begann der Weihnachtsstern zu erzählen "Gott Vater ging von Stern zu Stern den Himmel entlang.“Ich habe eine besondere Aufgabe für einen von euch" sagte er. Als er uns alle gesehen hatte, erwählte er mich. "Ich werde meinen Sohn auf die Erde senden und du sollst es aller Welt anzeigen. Du wirst ab sofort einen besonderen Stern sein - der Weihnachtsstern. Dein Glanz wird hell zur Erde strahlen, dass die Menschen die sofort erkennen werden." So bekam ich meine Aufgabe". Der Stern erzählte noch weiter, von der Geburt des Jesuskindes, von den Hirten die ihn sahen und von den drei heiligen Königen, die ihm folgten. Aufmerksam hörte Tim ihm zu. "Jetzt weiß ich, dass es dich gibt" sagte er freudig, als der Weihnachtsstern seine Erzählung beendet hatte. "Danke, dass ich dich besuchen durfte." "Jedes Jahr in der Weihnachtszeit erfülle ich einem Kind diesen Wunsch." Erzählte der Stern. "Für dich wird es nun Zeit zur Erde zurück zu kehren. Bald ist die Nacht vorüber. Eine Bitte habe ich noch. Erzähle allen Kindern auf der Erde von mir und von der wahren Weihnachtsgeschichte." Gerne versprach es Timm, setzte sich auf den Mondstrahl und war bald wieder in seinem Bettchen. Als am morgen die Mutti ins Zimmer trat waren Tim´s erste Worte "Mutti darf ich dir die Weihnachtsgeschichte erzählen?" Die Mutti lächelte und meinte "gerne Tim, heute Abend unter dem Tannenbaum."

Weihnachten in 1001 Nacht



Alle Kinder und Erwachsenen des Dorfes saßen andächtig lauschend um den runden Brunnen herum im Schatten der großen Palmen. Durch das Palasttor wehte ein sanfter Wind, der die Palmwedel leise rauschen ließ.
Abdel Jamals Stimme drang tief und doch geschmeidig in jedes Ohr. Er verstand es nicht nur mit seinen Geschichten die Zuhörer in eine andere Welt zu entführen. Meist erhöhte er die Aufmerksamkeit seiner Bewunderer, indem er die Stimme vertrauensvoll senkte, um dann in der spannungsgeladenen Atmosphäre mit donnerndem Gepolter den unerwarteten Höhepunkt zu setzen. Niemals wiederholte oder ähnelte sich eine seiner Geschichte, denn sie lebten im Land von Tausendundeine Nacht

Nur die kleine Aisha wanderte mit ihren Gedanken in ferne Lande. Sie hatte von einem Jungen der Kamelkarawane gehört, es gäbe ein Land, in dem die Mädchen so helle Haare tragen, wie der Mond leuchtet. Außerdem würde sich das Land am Ende des Jahres über Nacht in eine weiße Landschaft verwandeln. Die Lieblingsspiele der Kinder bestünden darin, mit einem Schlitten über den Schnee zu gleiten und auf Eisseen herumzukurven. Zudem bekämen in jener Zeit alle Kinder Geschenke, und jedes hätte noch mehr schöne Wünsche, die von einem kleinen Baby erfüllt wurden. Ob es dort wohl Sandstürme gab, die das ganze Land unter feinem Saharasand erstickten? Diesem Sand, der so weh tat, wenn er direkt ins Gesicht peitschte. Man konnte nur Türen und Fenster so gut es ging verrammeln, um sich vor ihm zu schützen Zu gerne hätte Aisha gewusst, ob es dieses Land überhaupt gab, wo es sich befand und wie so ein Schlitten aussah.

Abdel Jamal hatte die Gabe sofort zu erkennen, wenn seine Zuhörer unaufmerksam wurden und ihm in Gedanken nicht mehr folgten. Er war es nicht gewöhnt, dass man seinen Geschichten nicht den Vorrang gab, denn er verzauberte sogar Tiere mit seinen Erzählungen. Schnell erfasste er Aisha´s Träume und nun konnte er seine wahre Kunst unter Beweis stellen.

"... und das Mädchen Aisha nahm die Einladung des Teppich zögernd an. Unsicher setzte sie sich in die Mitte des roten Kelims, den ein Muster aus roten und goldenen Blumen zierte.
"Wir fliegen jetzt zu den Bergen, die so hoch sind, dass sie fast den Himmel berühren. Im weißen Winterzauber gleiten wir mit dem Weihnachtsschlitten durch den weichen Pulverschnee, bis ganz hinab ins Tal zu den zugefrorenen Seen ..."

Sofort war Aisha´s Aufmerksamkeit wieder ganz bei ihm. Abdel Jamal's Augen fesselten das Mädchen, und entführten es in ein fremdes Land.
"... eine vorbeihuschende Windböe wirbelte Aisha die kalten Schneekristalle so heftig ins Gesicht, dass es schmerzte. Unten im Tal ging die Reise weiter am Ufer eines Eissees entlang. Viele Kinder tummelten sich darauf. Andere wiederum tanzten um einen bunt geschmückten Tannenbaum, unter dem eine kleine Krippe stand. Darin lag das Christkind.
"Wer ist dieses Kind?" fragte Aisha eines der Mädchen, das gerade seinen Wunschzettel neben die Krippe legte.
"Bist du dumm? Das ist das Christkind, das alle Wünsche erfüllen kann." Geringschätzig sah das Mädchen mit den langen, blonden Zöpfen Aisha an.
"Und warum tut es das?" fragte Aisha mutig weiter.
"Weil es Weihnachten ist und das Christkind Geburtstag hat. Und wenn der Abendstern zu leuchten beginnt, kommt der Weihnachtsmann mit seinem großen Schlitten durch die Luft geflogen. Er verteilt dann die Geschenke auf der ganzen Welt." Belehrend malte der Blondschopf mit beiden, weit ausholenden Armen, einen riesigen Erdball für das dunkelhaarige Kind aus dem Orient in die Luft, und unterstrich so die Bedeutung dieses Festes.

Als Aisha wieder zu ihrem Teppich ging und darauf Platz nahm, schaute ihr das Mädchen aus dem fernen Land mit großen Augen hinterher. Elegant schwebte der Kelim Richtung Dorfmitte. Alle Häuser waren von Schnee bedeckt und aus ihren Kaminen stieg dunkler Rauch in die kalte Winterluft. Aisha wusste nun, was Weihnachten war. Es war dasselbe Fest, dass sie im neunten Monat des Mondes zu Hause im Orient feierten. Die Kamele schaukelten dann mit dem duftenden Harz des Balsambaumes über die Weihrauchstraße, und wenn die Zeit des Ramadan vorüber war, und die Nacht entschwand, wartete man, bis der Morgenstern am frühen Himmel leuchtete. Dann war Bairam, das große Fest, mit dem die Fastenzeit beendet wurde.

Aisha war fasziniert von dieser Geschichte. Das kleine Christuskind, das so versonnen lächelte, hatte ihr Herz berührt. Gab es außer Allah, dem Allmächtigen noch jemanden, der Herr über alle Güte war?

Nun begaben sich alle Zuhörer auf den Weg nach Hause. Nur Aisha saß noch alleine unter der Palme. Mittlerweile war die Sonne langsam untergegangen und der Mond zeichnete kleine Spuren in den Sand, der schnell abgekühlt war. Da trat Abdel Jamal zu ihr und fragte sie, warum sie noch hier sitze. Er machte sich Sorgen darüber, ob er dem hübschen Mädchen die andere Religion nahe gebracht hatte und eventuell Ärger mit dessen Eltern bekommen würde. Deshalb erklärte er ihr sofort.
"Allah ist groß und mächtig. Vergiss alles andere. Das war nur ein Märchen und hat nichts zu bedeuten."
Dann standen sie gemeinsam auf und er schickte das Kind nach Hause. Aisha nickte und ging. Doch als er sie nicht mehr sehen konnte, zog sie den kleinen Tannenzweig, an dem ein silbernes Kreuz hing, aus der Tasche.


Weißt du noch

Kannst du dich noch erinnern an unsere Kinderzeit??
Oft mußten wir mit den kleineren Geschwister warten
bei Oma und Opa in der Küche bis Christkindel kam

Mit klopfenden Herzen saßen wir nun da und voller Erwarten
was hatte uns diesmal das Christkindel beschert?

War denn der Weihnachtsbaum genauso schön wie voriges Jahr geschmückt
Hat meine Puppe wieder ein neues schönes Kleid

Die Eisenbahn meiner Brüder, gab es diesmal eine neue Lok oder ein paar Gleise mehr?
Vater bastelte dafür schon tagelang im verschloßenen Kellerraum.

Waren Mama´s Plätzen auch wieder so gut??
tagelang hat sie gebacken
Für uns!!

Endlich, endlich war es soweit

Ein Glöcklein klingelte und wir durften alle zusammen ins Wohnzimmer

Oh, wie schön der Lichterbaum
und Mama Plätzchen dufteten so verführerisch

Meine Brüder strahlten vor Freude, weil die Eisenbahnstation erneuert waren
mit so vielen Gleisen, und schaut, unsere Lok hat ein neuer Anhänger
Oh, wie schön hat Papa es nun wieder gemacht.
Tante hatten ein neues Kleid gestrickt für meine Puppe

Mittlerweile sind wir groß
haben eigene Kinder
Wir können uns öfter was kaufen, nicht nur zur Weihnachtszeit

Und viele von all diesen lieben Menschen , die uns Kindern
solche Weihnachten bereiteten leben lange viele nicht mehr

Oft habe ich probiert den Weihnachtsbaum so zu schmücken wie im Elternhaus
Warum schaffe ich das nicht?

Erinnerungen an unsere Kinderzeit

Wo Menschen die wenig hatten uns so viel gegeben haben zu Weihnachten




Weihnachtsmärchen

Weit draußen am Rande des Dorfes lebte einmal ein armes Ehepaar mit seinem Kind. Der Vater war arbeitslos und wusste oft nicht, wie er die Stube warm und die Familie satt kriegen sollte, denn das Geld fehlte an allen Enden. Es tat ihm sehr Keid, dass er dem kleinen Thomas, der nun bald seinen fünften Geburtstag haben sollte, nichts kaufen konnte; und Weihnachten stand auch vor der Tür. Die Mutter sagte, dass sie sich dieses Jahr wohl keinen Christbaum leisten könnten. Thomas hörte es, ohne ein Wort zu sagen, aber das Herz wurde ihm schwer.
Als der Heilige Abend endlich gekommen war, lief Thomas hinaus, um wenigsten ein paar Tannenzweige zu finden, wenn sie schon kein Bäumchen kaufen konnten. Es fror ihn sehr, denn er besaß keinen Mantel. Er fing an zu rennen, um sich zu wärmen. Auf den nächsten Baumstumpf wollte er sich etwas ausruhen; als er aber hinkam, saß schon ein Hase darauf, der seine beiden Stiefel putzte. ,,Was machst du da?", fragte Thomas neugierig. ,, Ich putze meine Schuhe für das Weihnachtsfest im Wlad", antwortete der Hase, ,,denn das Christkind kommt, um all die Tiere zu segnen." Traurig ging der Junge weiter. Da wäre er fast mit einem Esel zusammengestoßen, der es furchtbar eilig hatte.
,,Platz da", rief er. ,, Ich muss ins Dorf zum Schmied, damit er neue Hufeisen macht. Ich darf das Christkind beim Weihnachtsfest im Wald tragen." Schon rannte er weiter. ,,Ob ich wohl auch auf das Weihnachtsfest gehen kann?", dachte Thomas. Natürlich kannst du", sagte der große Waldbär, der ein Honigtöpfchen bei sich trug. Tiere können nämlich die Gedanken der Kinder lesen. Der Bär nahm Thomas an die Pfote, und die beiden stapften durch den Schnee. Bald kamen sie zu dem großen Wald. Thomas sperrte vor Staunen den Mund auf, denn all die großen Tannen waren geschmückt und Engel zündeten eben die Kerzen an. So wundervolle Christbäume hatte er noch nie gesehen. Allmählich kamen die Waldtiere herbei. Der Hase mit den geputzten Schuhen war natürlich auch da. Plötzlich leuchtete ein ganz helles Licht auf, man konnte aber hineiensehen, ohne geblendet zu werden. In dem Licht ritt das Christkind auf demRücken des Esels und segnete die Tiere. Es lächelte. Als es Thomas erblickte, hielt es den Esel an, nahm einen glänzenden Stern aus seinen hellen Haaren und gab in dem Kind. ,,Nimm diesen Stern", sagte das Christkind, ,,er wird jeden Tag aufs neue zu Geld werden, aber nur, wenn ihr kauft, was ihr zum Leben braucht. So werdet ihr nie mehr Not leiden müssen." Ein Engel holte Geschenke aus den Körbchen, die der Esel umhängen hatte, und legte sie Thomas in die Arme. Der aber sah nur staunend das Christkind an. ,,Ein Engel wird dir den Weihnachtsbaum tragen", sagte es, sgenete den Jungen und ritt weiter.
Die Eltern hatten sich schon Sorgen gemacht. Als ihr Kihr nun wieder da war, nahmen sie es ganz fest in die Arme. Dabei fielen alle Pakete zu Boden. Der Engel stellte den Christbaum auf und verschwand.
Thomas hielt den Stern fest in seiner Hand und erzählte den Eltern, was das Christkind ihm gesaht hatte. Ihr könnt euch wohl denken, dass dies das schönste Weihnachtsfest war, das die Familie je erlebt hatte.


Meine kleine Prinzessin


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