Weihnachtskalender Teil 2
Weihnachtskalender Teil 3
Weihnachtskalender Teil 4
Weihnachtszeit 2005
Frohe Weihnachten 2006

Der Christbaum



Die getreue Alte

In Husum sollte einst ein Winterfestgefeiert werden auf dem Eis, denn das Eis war fest. Auf der herrlichen blanken Fläche zwischen dem Ufer und der Insel Nordstrand wurden Zelte aufgeschlagen, und alles lief Schlittschuh, was laufen konnte. Alles war aufs Eis gezogen und war fröhlich. Nur ein altes Mütterchen war zurückgeblieben. Wenn sie Lust hatte, konnte sie hinaus auf das Eis sehen, denn ihr Haus stand auf dem Damm. Und sie tat es. Sie sah gegen Abend hinaus und sah im Westen ein Wölkchen über dem Horizont heraufziehen. Da befiel sie Angst, denn sie war die Witwe eines Schiffers und kannte die See und die Zeichen von Wetter und Wind.
Sie rief, sie winkte - niemand hörte sie, niemand blickte nach ihr, aber das Wölkchen wuchs zusehends und war ein Bote der Flut und des schnell umspringenden Windes von Nord nach West. Wenn die Menschen aauf dem Eis nur noch eine halbe, ja eine Viertelstunde zögerten, würden alle Husumer ertrinken. Wie die Wolke wuchs, zusehends, riesengroß, schwarz - wie sie schon den lauen Windhauch spürte, bekam die Alte unsägliche Angst. Sie war allein, krank, halb gelähmt, machtlos. Dennoch raffte sie sich mit Mühe zusammen, kroch auf Händen und Füßen zum Ofen, nahm ein brennendes Holzscheit, zündet das Stroh ihres Bettes an und kroch zur Haustür hinaus.
Bald schlug die Flamme aus dem Fenster, hinauf zum Dach! Der Sturm fauchte die Glut an und "Feuer! Feuer!", schrie es auf dem Eis. Die Zelte wurden sofort verlassen, die Schlittschuhläufer flogen dem Strand zu, die Schlitten lenkten sich heimwärts. Und da fauchte auch schon der Wind über die Eisfläche, da pochte es drunten und polterte, und wie Kanonendonner krachte das Eis in der Ferne. Die schwarze Wolke überzog den Mond und den ganzen Himmel. Wie ein Leuchtturmflammte das Häuschen der Witwe und zeigte den Heimwärtseilenden die sichere Bahn. Als die letzten am Strand waren, rollte die Flut ihre Wogen über das Eis und riss Zelte, Wagen und Geschirr in ihre rauschenden Wirbel.
Die arme Alte hatte ihr Häuschen geopfert, um die Bewohner ihrer Stadt zu retten. Es wird ihr ja wohl nicht unvergolten geblieben sein.


Wie der alte Christian Weihnachten feierte

"Kind," sagte am Vortage des Weihnachtsfestes meine gute Mutter zu mir, "Kind, geh, bring' dem alten Christian seine Kuchenstolle und dieses Packet. Sag', ich ließ' ihn schön grüßen, und er möchte das Fest und das neue Jahr gesund und ruhig verleben. Diesmal wär' zuviel Arbeit, ich könnt' nicht selber abkommen."
Ich blickte etwas erstaunt und beunruhigt von meinem Buche auf. Ich kannte den mürrischen alten Waldhüter recht gut; wie oft hatte ich mich als kleines Mädchen vor seinem großen rostigen Schnurrbart gefürchtet, wenn er uns beim Beerensuchen auf verbotenen Plätzen überraschte und uns mit seinem Brummbaß aufschreckte und davonjagte.
Jetzt freilich hatten wir ihn nicht mehr zu fürchten, denn er war schon seit zwei Jahren pensioniert. Nach dem Tode des alten Försters, dem er sehr ergeben war, hatte auch er um seine Entlassung gebeten. Das Reißen in den Füßen sei zu arg, meinte er, er könne nicht mehr stundenlang im Walde umherlaufen; und mein Vater, der Arzt im Städtchen war, hatte ihm das gewünschte Attest ausgesellt. Seitdem hatten wir einen neuen Förster und einen neuen Waldhüter, und beide nahmen es nicht so genau mit uns Kindern. Der alte Christian Merkenthin aber zog zur Witwe Klemm draußen in der Vorstadt, die dem Walde am nächsten lag, und ließ sich selten blicken. Zu ihm sollte ich nun gehen.

Meiner Mutter, der meine Unruhe nicht entgangen war, lächelte: "Geh' nur, Kind, er ist in seiner Stube anders als du ihn sonst kennst, und du bist schon groß und verständig genug, um deine Freude an dem prächtigen alten Manne zu haben."

Ich nahm meinen Mut zusammen, als ich die gute Mutter so reden hörte, klappte mein Buch zu, langte Hut und Mantel vom Riegel und machte mich gehbereit. "Wenn du dem Christian ein wenig Gesellschaft leisten willst, kannst du das gerne tun," sagte meine Mutter noch, indem sie mir sogleich die Pakete in den Arm legte, "um sechseinhalb Uhr wird beschert, da musst du wieder hier sein."
Ich nickte still, sagte ihr Lebewohl und ging mit leiser Neugier im Herzen und etwas Bangigkeit die Hauptstraße der Stadt hinunter. Ich beschleunigte meine Schritte und war bald aus der Häuserreihe heraus.
Die Wiesen, die sich bis zum Waldrande ausbreiteten, lagen im tiefen Schnee, und auf den kahlen Ästen der Kirschbäume, die die Chaussee begrenzten, hockten und flatterten Hunderte von Krähen, die wohl vergebens nach Futter suchten. An den beiden verschneiten Kornmühlen vorbei, die leise im Winde knarrten, kam ich mit rotgefrorener Nase und steifen Fingern endlich bei dem Häuschen der Witwe Klemm an, wo mich ein kleiner schwarzer Spitz mit wütendem Gebell ansprang. Die Frau des Hauses, die auf sein Kläffen herauskam, rief ihn zurück und maß mit großen Augen den unerwarteten Besuch. Auf meine Bitte führte sie mich jedoch bereitwillig die steile Holztreppe hinan auf den kleinen mit frischen Sand bestreuten Flur, wo sie an einer der Türen klopfte. Ohne lange das Herein abzuwarten, öffnete sie, steckte den Kopf in die Spalte und meldete: "Eine kleine Jungfer wünscht Euch zu sprechen, Herr Merkenthin," worauf sie die Tür weit aufsperrte und mit einem schnellen neugierigen Blicke verschwand.
Dichter Tabaksqualm umfing mich, als ich zögernd näher trat und die Tür hinter mir zuzog; und zuerst sah ich weiter nichts, als die mir wohlbekannte, aufrechte Gestalt mit der Jagdjoppe und den hohen Wasserstiefeln, die er, wie ich sah, auch im Hause trug. Auf sein knurriges, doch nicht gerade unfreundliches: "Na, was bringst denn du?" kam ich mutig näher und legte meine Pakete auf den Tisch.
"Das schickt Euch Mutter, Herr Merkenthin, und Ihr möchtet es nicht übel nehmen, wenn sie diesmal nicht selber käme, es wäre zuviel im Hause zu tun." Der Alte hatte unterdessen die Stolle ausgewickelt und die Strickjacke und die Strümpfe mit kritischen Blicken gemustert. Die Besichtigung schien zu seiner Zufriedenheit ausgefallen zu sein, denn er legte alles wie zärtlich unter den kleinen Tannenbaum, der auf einer weißen Serviette auf der Kommode stand, versenkte sich in Betrachtung seiner Schätze oder hing sonst seinen Gedanken nach; jedenfalls schien er meine kleine Anwesenheit ganz vergessen zu haben.

Meine Augen hatten sich indessen an den Rauch gewöhnt, und ich ließ sie nun in dem kleinen Zimmer umherwandern. Die Wand, an der ich lehnte, wurde fast ganz von einem großen schwarzen Ledersofa ausgefüllt, das mit seinem eingesunkenem Sitz und seinen breiten Armlehnen gewiss von Urgroßmutter Zeiten herstammte. Neben mir, auf einer der Lehnen, lag eine große graue Katze zusammengerollt und schlief. Ich streichelte ihr dickes Fell, da erhob sie sich langsam, machte einen Buckel und gab mir deutlich zu verstehen, dass sie noch mehr gestreichelt sein wollte. In demselben Augenblicke flatterte etwas über mir, und als ich hochsah, kam ein größerer Vogel und setzte sich auf meine Schulter.
Der alte Christian drehte sich um und brummte: "Magst du Tiere leiden, kleine Doktorn?" Ich nickte eifrig und stand ganz still, um den kleinen Gast auf der Schulter nicht zu verscheuchen. Des Alten Stimme wurde jetzt etwas sanfter: "Ich mag eigentlich keine Vögel im Zimmer; was in den Wald gehört, soll im Walde bleiben, aber der Bengel will nicht wieder fort, trotzdem der gebrochene Flügel lange auskuriert ist. Es ist ein Star und ein kluger Vogel," fügte er hinzu, und ich sah, wie seine Augen liebevoll nach dem Tierchen hinblickten.
"Verträgt er sich denn mit der Katze?" fragte ich. "O, mein Peter weiß schon, wieweit er gehen darf," knurrte der Alte, "und allein lass ich die beiden nicht, einer von ihnen spaziert in die Küche, wenn ich fortgehe; aber nun setz' dich doch auf das Sofa, du hast einen weiten Weg gehabt in der Kälte, ich will dir was Warmes zu trinken holen."
Er verschwand durch die Tür, und ich streichelte abwechselnd den Vogel, der ruhig auf meiner Schulter blieb, und die Katze, die sich wohlig an meinem Ärmel rieb. Eine geschnitzte Wanduhr tickte laut, und über mich kam ein warmes Gefühl von Heimlichkeit und Weihnachtsfreude. Die Tannenzweige, die hinter dem kleinen Spiegel über der Kommode steckten, und das mit weißen Lichtern geschmückte Bäumchen verbreiteten einen lieben Duft, selbst der Tabaksqualm kam mir nun recht gemütlich vor. Christian kam mit einem Glase Grog aus der Küche; legte einen Pfefferkuchen auf ein vergoldetes Tellerchen, das er aus der obersten Kommodenschublade nahm, und reichte mir beides. Der alte Mann sah recht hilflos und ungeschickt dabei aus, aber mir gefiel es, und mein junges Herz fing an, den bärbeißigen Geber zu verstehen und zu lieben, wie nur Kinder lieben können, schnell und unmittelbar. Ich wollte ihm eigentlich sagen, dass uns solche Getränke verboten seien, fürchtete aber ihn zu kränken und schwieg. Tapfer trank ich die scharfe heiße Brühe, im stillen hoffend, dass meine Eltern es mir verzeihen würden. War ich doch damals schon zwölf oder dreizehn Jahre alt, und begriff, das Recht und Unrecht nicht so leicht zu sondern sind wie Äpfel und Nüsse, und dass man sein Herz so erziehen muss, dass es ohne große Mühe das kleinere Unrecht und das größere Recht herausfühlt.
Der alte Christian sah befriedigt zu, wie ich schluckweise trank und meinen Pfefferkuchen mit der Katze und dem Star teilte. Plötzlich sagte er: "Hast du Zeit, eine Stunde mit mir in den Wald zu gehen? Du kannst mir tragen helfen." Ich nickte und sah ihn erwartungsvoll an. "Nun ja," fuhr er fort, als er meine fragenden Augen sah, "nun ja, die Kreatur soll doch auch wissen, dass Weihnachten ist." Damit nahm er den Starmatz von meiner Schulter, ging in die Küche, und ich hörte an seinem Zureden, dass er den Vogel in seinen Bauer sperrte. Mir brannten die Backen vor Freude; ich ahnte wohl, was der alte Waldhüter, der sein halbes Leben in Gemeinschaft mit den Tieren des Waldes zugebracht hatte, tun wollte, und ich war glücklich, dieser seltsamen Bescherung beiwohnen zu dürfen. War ich doch von klein auf daran gewöhnt, auch die Tiere als Gottesgeschöpfe zu betrachten, sie zu schonen und zu lieben, wie ein erwachsener Bruder seine unmündigen Geschwister schonen und lieben soll. Als der alte Christian gleich darauf mit seiner Pelzmütze, den Wasserstiefeln und einem Sack über der Schulter wieder in die Wohnstube trat, glich er ganz und gar dem Weihnachtsmann aus den Märchen, und ich ließ mir wie im Traum den vollgepackten Henkelkorb über den Arm hängen. Er nahm noch einen Spaten und mehrere Tannenzweige mit und schritt mir voran und die Treppe hinab. "Adjes, Frau Klemm," rief er durch die halboffene Küchentür seiner Wirtin zu, "In ein bis zwei Stunden bin ich wieder da." "Gut, Herr Merkenthin," klang es zurück, und ich ging und öffnete die Haustür. Der Spitz ließ uns mit leisem Knurren passieren. "Die Menschen sind auch misstrauisch, warum sollte es das Viehzeug es nicht sein," sagte mein Begleiter, "ihm kommt noch mehr Übles zu als unsereinem," und damit schritten wir der ungefähr eine Viertelstunde entfernten Schonung zu.
Die Sonne neigte sich schon tief nach Westen und stand wie eine blutrote Scheibe am Himmel; ein kühler Wind strich über die Felder. Wir mussten am Ortskirchhof vorbei, und mein Blick streifte die in tiefen Schnee gebetteten Gräber. Nie war ich bisher im Winter hierher gekommen; ich kannte den Kirchhof nur voller Grün und Blumen, und eine Ahnung von der Feierlichkeit alles Gewesenen streifte meine junge Seele.
Der alte Christian war stehen geblieben. "Warte ein paar Minuten," sagte er, "ich bin gleich wieder hier." Damit stellte er den Sack neben mich, nahm den Spaten und die grünen Zweige und verschwand hinter der eisernen Pforte. Ich sah ihm nach. Ein Schwarm Krähen flog bei seinem Eintritt in die Höhe, und ich verfolgte mit meinen Blicken die Vögel, wie sie krächzend dem Walde zuflogen. Ob die Tiere auch etwas vom Tode wussten? . . .
Aus dem Hause des Totengräbers, der ein Stück weiter die Straße hinauf wohnte, klang plötzlich doppelstimmig: "O, du fröhliche, o, du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit," und mein bewegliches Kinderherz streifte mit einem Lächeln die kleine Wehmut ab und wurde wieder hell und weihnachtsfröhlich, als gäbe es keine Kirchhöfe und keine hungrigen Krähen mehr auf der Welt. Jetzt kam auch der alte Christian zurück, aber ohne die grünen Zweige. "Hab' meiner guten Frau und der kleinen Käte da drin bloß sagen wollen, dass ich am Weihnachtsabend an sie denke," brummte er, nahm, ohne mich weiter anzusehen, seinen Sack auf und ging etwas schneller als vorher dem Walde zu.
Ich ließ ihn vorausgehen und horchte auf den Klang des Weihnachtsliedes, der noch eine ganze Weile mit uns mitging; mir war, als wäre ich in der Kirche. Ich hätte dem alten Manne, der seine liebsten Menschen hatte begraben müssen und nun allein unter dem Weihnachtsbaum stehen würde, so herzlich gern etwas Liebes gesagt; aber ich wusste nicht, wie ich das beginnen sollte, und so ging ich schweigend hinter ihm her. Unvermutet kam mir da meine liebe Mutter in den Sinn; ich begriff, warum sie gerade dem alten Christian heut eine Herzensfreude bereiten wollte, und eine große Dankbarkeit überkam mich, ein neues schönes Gefühl von Liebe und Erkenntnis.
Der Wald, der sich jetzt vor uns ausbreitete, kam mir in seiner weißen Einsamkeit fast schöner vor als im Sommer. Der Wind hatte sich gelegt, wir hörten nur den weichen Ton unserer Schritte und dann und wann ein leise Knacken im Holze, dass von dürren Ästen herrührte, denen die Schneelast zu schwer geworden war.
Christian blieb stehen: "Nun wollen wir unsere Weihnachtstische herrichten," sagte er, nahm seinen großen Sack von den Schultern und band ihn auf. Was da nicht alles zum Vorschein kam! Hammer und Zange, Bindfaden und Nägel, Messer und Schere; und wozu er wohl alle die Strohmatten und zugespitzten Stäbe brauchen würde, die er aus den Tiefen des Sackes hervorholte. Meine Neugierde sollte bald gestillt werden, denn ich musste meinen Korb hinsetzen und ihm bei seiner wunderlichen Arbeit behilflich sein.
Da, wo dichtes Astwerk den Schnee abgefangen hatte, so das der Boden nur wenig damit bedeckt war, bauten wir unsere Speisekammern. Zwei Ecken einer Matte banden wir etwa meterhoch an einem Baumstamm fest, während die beiden anderen Ecken auf zwei in der Nähe eingebohrten Pfählen befestigt wurden.
So entstand ein gedeckter kleiner Raum, der den hungrigen Tieren gut zugängig war. Wir säuberten ihn vollends vom Schnee, und nun kam auch mein Korb und sein Inhalt an die Reihe. "Hier am Waldrand hält sich Meister Lampe gern auf," sagte der alte Christian; dabei langte er Kohlblätter und Rüben aus dem Korbe, um sie dem Häschen aufzubauen um ihm etwas seinen Winterhunger zu stillen. "Es ist ein Jammer, wie viel gutes unnütz auf dem Kehrrichthaufen verkommt", fügte er hinzu, "Wo doch so viel dankbares kleines Gesindel in der Welt umherläuft, ja, ja, der Mensch denkt kaum an seinesgleichen, wie sollte er der Kreatur gedenken." Ich nickte ernsthaft und nachdenklich, und dann gingen wir weiter.
Alle fünfhundert Schritte etwa schufen wir ein neues Tischlein-deck-dich. Aber nicht bloß für die Hasen, auch für die Vögel wurde liebevoll gesorgt. Futterkästen mit allerlei Samen, Sonnenblumen- und Kürbiskernen wurden in Ast und Strauch untergebracht; Talgklöße und Speckschwarten, ja ein paar ganze Gänsegerippe und Bratenkeulen mussten sich die Bäume aufbinden lassen. "Die sind für die Meisen und Spechte, auch für die Rotkehlchen und das andere kleine Viehzeug, denen der Flug übers Meer zu weit ist," meinte der Christian; "hoffentlich naschen ihnen die Krähen und Dohlen nicht das beste weg. Aber die wollen doch auch leben," fügte er leise hinzu, "auch dem Bösesten knurrt der Magen, ja, wenn der Hunger nicht wäre, wenn der Hunger nicht wäre!"
So stapften wir weiter durch den dichten Schnee, und während unser Gepäck immer leichter wurde, wurden unsere Herzen immer heller und weihnachtsfreudiger, und ich weiß nicht, wie es kam, plötzlich war mir das schöne Lied auf den Lippen, und ich sang es leise vor mich hin: "Es ist ein Reis entsprungen aus einer Wurzel zart . . ."
Der Alte hörte andächtig zu, und als es zu Ende war, wiederholte er: "Mitten im kalten Winter - ja, mitten im kalten Winter, da blüht's oft drinnen am besten auf, aber das wirst du nicht verstehen, kleine Doktorn."
Nein, ich verstand es damals noch nicht, jedoch ich fühlte, dass der alte Christian was Liebes damit meinte, und fasste nach seiner alten runzligen Hand.
Das Schönste vom Tage sollten wir aber noch erleben. In einer Lichtung stand plötzlich ein großer Hirsch vor uns, und mehrere junge Hirsche und Hirschkühe kamen hinter ihm her. Er hob den Kopf mit dem schönen Geweih und sah uns klug und furchtlos an. Auf das leise Pfeifen des Alten kam er zutraulich näher und das ganze Rudel mit ihm. Wir warfen ihnen Brot und Kartoffeln zu, die sie sogleich verzehrten, ja, der große Hirsch wurde so dreist, dass er aus meiner ausgestreckten Hand ein Stück Brot nahm, und ihr könnt euch gewiss denken, wie sehr ich mich darüber freute.
"Es ist Schonzeit, da weiß die Kreatur, dass sie was riskieren kann," brummte der Alte; aber auch aus seinen umbuschten grauen Augen zuckte die Freude über das hübsche Bild.
Das schrille Geläute eines Schlittens, der auf der nahen Landstraße daherkam, ließ unsere lieben Gäste jäh auffahren und die Flucht ergreifen. Ich sah ihnen bedauernd nach. "Sie sind schon wieder her, kleine Doktorn," sagte Christian, "hier ist seit vielen Jahren ihr Futterplatz."
Nun sah ich erst, dass etwa hundert Schritte von uns ein kleines festes Strohdach auf Pfählen aufgerichtet war, und dass noch geringe Futterreste verstreut umherlagen. Mein Begleiter nahm aus dem Korbe reichlich Rosskastanien, Eicheln, getrocknete Lupinen und das noch übrige Brot und baute es dem Wilde als Weihnachtsgabe auf. "Kommen die Rehe auch hierher?" fragte ich und hoffte im stillen auch diese hübschen Tiere nah bei sehen zu dürfen. "Nein, denen müssen wir woanders bescheren," meinte der Alte, "die haben eine feine Nase und lieben den Hirschgeruch nicht. Und kiesätig ist die Bande auch," fügte er hinzu, "wenn sie nichts Grünes mehr finden, fressen sie höchstens ein bisschen Korn und feines Heu, na, sie sollen auch ihr Teilchen kriegen. Aber aus der Hand werden sie dir wohl kaum fressen, du kleine Hexe, es ist ein furchtsames Chor; komm, ich weiß die Stellen, wo sie gern äsen, sie sollen heute auch was extra Leckeres haben."
Wir gingen noch etwas tiefer in den Wald und fanden bald an einer ziemlich versteckten kleinen Lichtung Spuren von Rehwild und einen ähnlichen Futterplatz wie zuvor. Hier legten wir Korn und Heu nieder und verhielten und eine Weile mäuschenstill; die kleinen Gäste wollten sich aber nicht blicken lassen.
"Morgen früh werden sie die Bescherung schon finden," schmunzelte der Alte und band noch den Rest unserer Vorräte für die Vögel in die Bäume.
Es war auch mittlerweile Zeit geworden, an den Heimweg zu denken. Die Sonne war lange untergegangen, und nur der Schnee leuchtete uns aus dem Dickicht hinaus. Es war empfindlich kalt geworden, ich schlug den Mantelkragen hoch und steckte die fast erstarrten Hände in die Ärmel.
"Komm nur, kleine Doktorn," tröstete mich mein Begleiter, "der Schneiderwirt wohnt nicht weit von hier, der hat einen feinen Schlitten, und hastenichtgesehn sind wir zu Hause, das wäre doch noch ein Extra-Weihnachtsspaß, wie?" Und damit zog er mich frierende kleine Person durch das Gewirr der Stämme auf nur ihm bekannten Pfaden vorwärts, und bald waren wir auf der Landstraße. Hier grüßte uns schon von weitem das grüne Licht einer Laterne, die zum Wirtshaus zum Bären gehörte. Peter Holtzen, ein früherer Schneider, hauste darin, und man nannte ihn in der ganzen Gegend den Schneiderwirt. Wir traten mit Behagen in die warme Wirtsstube, und die gute Mutter Holtzen zog mir gleich die nassen Schuhe und Strümpfe aus und hing sie über die Messinghaken, die in den riesigen grünen Kachelofen eingeschraubt waren. Meine nackten Füße steckte sie in warme Pantoffeln, brachte mir eine Tasse heiße Milch, und nach ein paar Minuten wusste ich nichts mehr von Frost und Kälte.
Der alte Christian trank ein Glas Warmbier, rauchte dazu sein Pfeifchen und plauderte mit Peter, dem Schneiderwirt, über die Schlachten bei Wörth und Sedan, und wie kalt es in diesem Winter gewesen war; und ich hörte den beiden alten Soldaten mit Interesse zu.
"Bist `ne wackre Dirn, " sagte der alte Christian zu mir, als wir eine halbe Stunde später in dem hübschen Wirtsschlitten unter lustigem Geläute nach Hause fuhren, "bist `ne wackre Dirn, kleine Doktorn, ich ließ das Vater und Mutter extra bestellen und viele Grüße und schönen Dank dazu." Damit sprang er vor seiner Tür aus dem Schlitten, winkte noch mal mit der Pfeife, und der Kutscher fuhr weiter meinem elterlichen Hause zu. Ich lief die Treppe hinauf und fiel meiner Mutter um den Hals. Mein Herz war zu voll; erst nach und nach konnte ich von allem erzählen. Aber nie zuvor hatten mir die Lichter am Tannenbaum so hell gestrahlt, und nie zuvor hatte ich Eltern und Geschwister so lieb gehabt wie an diesem Weihnachtsabend!
Zwischen dem alten Christian und mir entspann sich seit jenem Tage eine wirkliche Freundschaft, die bis zum Tode des alten Mannes dauerte. Oft saß ich an freien Nachmittagen in seinem Stübchen, las ihm die Zeitung vor oder beschäftigte mich mit seinen Haustieren, für die ich meist diesen oder jenen Leckerbissen bereit hielt. Am Tage vor Weihnachten aber gingen wir regelmäßig in den Wald, um die Tiere zu füttern, und ich sammelte schon Wochen vorher für unsere Lieblinge.
Manch ein echtes und kluges Wort ist damals aus dem Munde des alten Christian in meine Seele geglitten und hat dort eigene Weihnachtskerzen angezündet, die hell und lieblich auf meinen Lebensweg leuchteten.




Die Wichtelmänner

Es war ein Schuster ohne seine Schuld so arm geworden, daß ihm endlich nichts mehr übrigblieb als Leder zu einem einzigen Paar Schuhe. Nun schnitt er am Abend die Schuhe zu, die wollte er den nächsten Morgen in Arbeit nehmen; und weil er ein gutes Gewissen hatte, so legte er sich ruhig zu Bett, befahl sich dem lieben Gott und schlief ein.

Morgens, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte und sich zur Arbeit niedersetzen wollte, so standen die beiden Schuhe ganz fertig auf seinem Tisch. Er verwunderte sich und wußte nicht, was er dazu sagen sollte. Er nahm die Schuhe in die Hand, um sie näher zu betrachten: Sie waren so sauber gearbeitet, daß kein Stich daran falsch war, gerade als wenn es ein Meisterstück sein sollte.

Bald darauf trat auch schon ein Käufer ein, und weil ihm die Schuhe so gut gefielen, so bezahlte er mehr als gewöhnlich dafür, und der Schuster konnte von dem Geld Leder zu zwei Paar Schuhen erhandeln.

Er schnitt sie abends zu und wollte den nächsten Morgen mit frischem Mut an die Arbeit gehen, aber er brauchte es nicht, denn als er aufstand, waren sie schon fertig, und es blieben auch nicht die Käufer aus, die ihm so viel Geld gaben, daß er Leder zu vier Paar Schuhen einkaufen konnte. Er fand frühmorgens auch die vier Paar fertig; und so ging's immerfort, was er abends zuschnitt, das war am Morgen verarbeitet, also daß er bald wieder sein ehrliches Auskommen hatte und endlich ein wohlhabender Mann ward.

Nun geschah es eines Abends, nicht lange vor Weihnachten, als der Mann wieder zugeschnitten hatte, daß er vorm Schlafengehen zu seiner Frau sprach: »Wie wär's, wenn wir diese Nacht aufblieben, um zu sehen, wer uns solche hilfreiche Hand leistet?«

Die Frau war's zufrieden und steckte ein Licht an; darauf verbargen sie sich in den Stubenecken, hinter den Kleidern, die da aufgehängt waren, und gaben acht.

Als es Mitternacht war, da kamen zwei kleine, niedliche nackte Männlein, setzten sich vor des Schusters Tisch, nahmen alle zugeschnittene Arbeit zu sich und fingen an, mit ihren Fingerlein so behend und schnell zu stechen, zu nähen, zu klopfen, daß der Schuster vor Verwunderung die Augen nicht abwenden konnte. Sie ließen nicht nach, bis alles zu Ende gebracht war und fertig auf dem Tische stand, dann sprangen sie schnell fort.

Am andern Morgen sprach die Frau: »Die kleinen Männer haben uns reich gemacht, wir müßten uns doch dankbar dafür bezeigen. Sie laufen so herum, haben nichts am Leib und müssen frieren. Weißt du was? Ich will Hemdlein, Rock, Wams und Höslein für sie nähen, auch jedem ein Paar Strümpfe stricken; mach du jedem ein Paar Schühlein dazu.«

Der Mann sprach: »Das bin ich wohl zufrieden.« Und abends, wie sie alles fertig hatten, legten sie die Geschenke statt der zugeschnittenen Arbeit zusammen auf den Tisch und versteckten sich dann, um mit anzusehen, wie sich die Männlein dazu anstellen würden.

Um Mitternacht kamen sie herangesprungen und wollten sich gleich an die Arbeit machen, als sie aber kein zugeschnittenes Leder, sondern die niedlichen Kleidungsstücke fanden, verwunderten sie sich erst, dann aber bezeugten sie eine gewaltige Freude.

Mit der größten Geschwindigkeit zogen sie sich an, strichen die schönen Kleider am Leib und sangen:

»Sind wir nicht Knaben glatt und fein?
Was sollen wir länger Schuster sein!«

Dann hüpften und tanzten sie und sprangen über Stühle und Bänke. Endlich tanzten sie zur Tür hinaus. Von nun an kamen sie nicht wieder, dem Schuster aber ging es wohl, solang er lebte, und es glückte ihm alles, was er unternahm
.

Der kleine Engel Benedikt

Benedikt, der kleine Engel mit den roten Pausbäckchen war überglücklich. Dieses Jahr war er doch tatsächlich von der Himmelskommission, aus der Schar der Engel, für eine heißbegehrte Aufgabe ausgewählt worden, nämlich am Heiligen Abend dem Weihnachtsmann beim Verteilen der Geschenke zu helfen. Wirklich, überglücklich war er. Schon seit Wochen wurde in der Himmelswerkstatt über nichts anderes gesprochen als darüber, wer am 24. Dezember mit auf die Erde dürfte. Dem Weihnachtsmann zu helfen war etwas Tolles, etwas ganz Besonderes. Schon die Fahrt mit dem Schlitten und den Rentieren davor - allen voran Rudolf - war ein außergewöhnliches Erlebnis. Klar war leider auch, dass viele kleine Engel gebraucht wurden um die Himmelswerkstatt wieder aufzuräumen, das Chaos zu beseitigen, das durch die Arbeiten für Weihnachten in den Werkstätten und in der Bäckerei entstanden war. Es mussten ja auch die Wolkenbetten aufgeschüttelt und die Sterne blank geputzt werden und viele Arbeiten mehr standen an. All die nicht immer geliebten Arbeiten, die aber irgendwann gemacht werden mussten.

Alle Kinder wissen, wovon hier die Rede ist. Und darum träumten alle Engel davon, einmal als Helfer des Weihnachtsmannes mit auf die Erde zu dürfen. Benedikt hatte es also geschafft, dieses Mal war er ausgesucht worden. Sein Glück war für ihn unfaßbar. Wo er doch dieses Jahr sehr oft bei der Weihnachtsbäckerei ermahnt worden war nicht so viel vom Teig und den Plätzchen zu naschen. Es war nicht so, dass der Aufsichtsführende Engel es ihm nicht gönnte, jedoch waren die Wangen unseres kleinen Benedikts schon ganz schön gerundet und das Bäuchlein wurde auch ein wenig kugelig. Man kann sagen, Engel Benedikt war ganz groß darin, Sätze wie "Benedikt, gleich kriegst Du Bauchweh!" zu überhören. Und die Rangelei mit seinem Freund, dem Engel Elias, weil dieser ihn "Mopsi" genannt hatte, hatte er auch in die hinterste Schublade seines Denkens gepackt. All zu viele Ermahnungen bedeuten nichts Gutes, bedeuteten letzten Endes das Verbot einer Lieblingsbeschäftigung, meistens für eine ganz schön lange Zeit. Na, da hatte man wohl dieses Jahr ein Auge - wenn nicht sogar zwei - zugedrückt!

Pünktlich am 24. Dezember stand der Schlitten mit den Rentieren, die mit den Hufen scharrten, vor dem Himmelstor. Viele Engel hatten sich versammelt, um ihnen nachzuwinken. Der Weihnachtsmann ließ die Peitsche knallen und mit lautem Schlittenglockengeläut ging es auf einem extrabreiten, glitzernden und glänzenden Mondstrahl hinunter auf die Erde. Rudolf versuchte sich in ein paar Extrasprüngen - er hatte wohl zu lange im Stall gestanden - was den Schlitten kurzfristig auf einen "Zick-Zack- Kurs" brachte. Engel Benedikt fand das toll. Es würde ein langer Abend werden mit vielen Arbeitsstunden und so hatte der Weihnachtsbäckerei-Engel Engel Benedikt, die goldene Himmelsnaschdose voller köstlicher Leckereien, wie Marzipan- Kartoffeln, Schokoladenlebkuchen, Zimtsterne, Butterspekulatius zur Stärkung mitgegeben und beim Füllen hineingetan, was Engel Benedikt am liebsten mochte. Selig drückte er sie nun mit seinen dicken Patschhänden an sein Bäuchlein und kuschelte sich höchst zufrieden ein wenig an den Weihnachtsmann, um sich im nächsten Moment wieder kerzengerade aufzusetzen; schließlich war er als "Weihnachtsmann - Helfer - Engel" schon beinahe ein großer Engel! Auf der Erde sah es so schön aus. Es schneite sacht - die dafür zuständigen Engel hatten wohl doch noch ein paar Tonnen voller Schnee im äußersten Winkel des Himmelsgefrierraumes gefunden. Der Schnee knirschte leise beim Betreten der Wege. Sanft leuchtete das Licht aus den Häusern und ließ den Schnee auf Straßen, Häusern und Bäumen glitzern. Kirchenglocken läuteten und verbreiteten eine festliche Stimmung. Sogar der Wind hatte sein ansonsten stürmisches Temperament gezügelt und war kaum spürbar. Engel Benedikt vermutete, er war auf dem Weg, sich zur Ruhe zu legen. Schon viele Stunden waren der Weihnachtsmann und sein kleiner Helfer unterwegs. Die Freude der Kinder, ihre glänzenden Augen, die friedliche Stimmung von alten und jungen Menschen, der milde Glanz der Kerzen aus den Wohnstubenfenstern hatte ihnen immer wieder neue Kraft gegeben. Jetzt hatten sie nur noch ein einziges nicht allzu großes Geschenk zu einer Wohnung im letzen Wohnblock einer Straße zu bringen.

Schon ein bisschen ermüdet gingen der Weihnachtsmann und Engel Benedikt am Fenster dieser Wohnung vorbei. Das Fenster war einen Spalt zum Lüften geöffnet worden. Engel Benedikt sah in das Wohnzimmer. Der Weihnachtsmann und er sahen ein Ehepaar mit einem kleinen etwa 7 Jahre alten Jungen. Der Junge sah sehr dünn und blass aus und beide Eltern stützten ihn liebevoll, als sie vom Esstisch zum Sofa gingen. Gerade beugte sich die Mutter über ihn und sagte: " Was für ein Glück für uns, dass Du doch schon zu Weihnachten wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden konntest!" "Ja Mama" sagte der Junge, "das ist für mich das schönste Geschenk, mehr brauche ich eigentlich gar nicht." "Na, so ganz wird der Weihnachtsmann dich wohl nicht vergessen haben", sagte der Vater zu seinem Sohn. Der Weihnachtsmann ging zur Wohnungstür um das kleine bescheidene Paket hinzulegen. "Hier, leg die Keksdose dazu", flüstert der kleine Engel Benedikt und hob seine kleinen Arme mit den Köstlichkeiten in die Höhe um sie dem Weihnachtsmann zu geben. Es war sein voller Ernst und tat ihm eigentlich überhaupt nicht - na vielleicht ein winziges bisschen leid - was er aber ganz schnell unterdrückte. "Danke Bene, gut gemacht", flüsterte der Weihnachtsmann und strich Engel Benedikt sacht über den Kopf. Die Wangen des kleinen Engels glühten vor Stolz. Bene hatte der Weihnachtsmann zu ihm gesagt. "Bene" sagte sonst immer nur das Christkind zu ihm, wenn es ihn für besonders liebevolles Verhalten lobte.

Nachdem der Weihnachtsmann nun alle Geschenke verteilt hatte, begaben sich beide auf den Weg zum Rentierschlitten, um die Rückreise anzutreten. Sie kamen am Fenster vorbei und sahen, wie der Junge sich besonders über die Keksdose freute und rief: "Mama, Papa, guckt doch mal, wie sie glänzt und glitzert, und hmmm, hier probiert mal die Kekse, sie sind köstlicher, nein, einfach himmlisch!" Der Weihnachtsmann und der kleine Engel lächelten sich an: "Wie recht er hat" sagte der kleine Engel glücklich.


Der letzte Weihnachtsmann



Dichte große Schneeflocken verzauberten das Leben in eine Märchenwelt. Die Kinder im Dorf nutzten die Gunst der Stunde und beschlossen, einen ganz großen Schneemann zu bauen, größer als all die Jahre zuvor. Freudig stapften sie an den Waldesrand vor die hohen Tannen. Man sah rotbäckige Kinder, wie sie fleißig Schnee zu Kugeln rollten. Diese stapelten die großen Helfer aufeinander und formten sie zu einer Riesenkugel. Zwischendurch ließ der dichte Schneefall etwas nach und das bisherige Werk konnte begutachtet werden.
"Höher kommen wir jetzt nicht mehr, wir brauchen eine Leiter! Wer holt eine von zuhause?", rief Peter in die Runde.
"Bin schon unterwegs", sagte Florian und spurtete davon.
Sie nutzten die Wartezeit für weitere Überlegungen, denn ein richtiger Schneemann brauchte ja einen großen Schal, eine Mütze, eine Möhre für die Nase, zwei Eierkohlen für die Augen, gebogene Stöckchen für den Mund und einen Besen für den Arm. Fast jedes der Kinder lief nach Hause und brachte die notwendigen Utensilien mit zurück. Jetzt konnte auch der Bau weitergehen und kleinere Schneekugeln wurden herangeschafft und hinaufgereicht. Es dauerte nicht lange und der heißersehnte Schneemann war fertig. Lustig sah er aus und schien zu den Kindern hinunter zu lächeln.

Die kleine Gundi rief ganz aufgeregt: " Seht nur, der Schneemann lacht mich an und wackelt mit der Nase!".
"Ja, ja der blinzelt auch mit den Augen und streckt gleich noch die Zunge raus", fügte ihr größerer Bruder hinzu.

Es dunkelte bereits, als sie sich wie pitschenasse Pudel auf den Heimweg machten. Peters Mutter öffnete die Tür und man hörte sie verzweifelt sagen:
"Peter, wo kommst du schon wieder so nass her! Jetzt habe ich keine trockenen Hosen mehr für dich!" und zog ihn ins Zimmer.
"Natürlich von draußen!", murmelte der Großvater verständnisvoll und zwinkerte Peter zu.

Der Tag der Wintersonnenwende stand vor der Tür. Ein recht alter Weihnachtsmann aus dem Nachbarsdorf, dem das Laufen schon schwerfiel, hatte sich nach altem Brauch auf den Weg zu den Kindern gemacht, um sie zu beschenken. Es war sehr dunkel und nur der Mond brachte etwas Licht. Missmutig brummelte er vor sich hin: "Mit dem Kinderkram wird mir das langsam zu viel! Keiner will mein Nachfolger werden. Weil sie alle keine Zeit haben, angeblich."
Als er schließlich den Waldrand erreichte, entdeckte er von weitem schon den ungewöhnlich großen Schneemann. Stapfend kam er ihm immer näher und näher. Dann geschah es. Er stolperte über eine dicke Baumwurzel und landete lang vor dem Schneemann. Seine Rute und der schwere Sack flogen durch die Luft und blieben in einiger Entfernung liegen. Sein Bein schmerzte höllisch, vielleicht war es gebrochen.
"Aua, aua, Hilfe, Hilfe!" hallte es durch die Nacht. Doch wer sollte ihn hier schon hören?

Plötzlich vernahm er eine eigenartige Stimme: "Ich will dir gerne helfen. Rutsche dicht an mich ran und atme kräftig gegen meinen Bauch. Nimm deine Hände und höhle mich aus!"

Erschrocken schaute sich der weihnachtlich angezogene alte Mann um, konnte aber keinen Menschen erblicken. Noch einmal hörte er dieselben Worte und sah nach oben in das Gesicht des Schneemannes, der zu lächeln schien. So seltsam ihm die Situation auch vorkam, gehorchte er doch den Anweisungen des Schneemannes. Die Höhle im Bauch des Schneemannes wurde zusehends größer. Trotz der Schmerzen grub er sich immer weiter in das Innere, als er über sich wieder die eigenartige Stimme sagen hörte: " Mach so weiter, dann wirst du auch nicht erfrieren!".
Verängstigt machte er weiter und schließlich gelang es ihm, sich hineinzuzwängen und schlief bald darauf vor Erschöpfung ein.

Die rote Morgensonne weckte den Verletzten und dieser drehte sich mit all seinen noch vorhandenen Kräften aus seiner misslichen unbequemen Lage zur Öffnung hin.
"Wo bin ich denn!" staunte er und rieb sich verwundert die Augen.
"Hilfe, Hilfe!", stöhnte er und sein Rufen wurde immer lauter.
"Du hast schon Hilfe bekommen!" sagte die Stimme von oben, "sonst wärst du erfroren!".

Sein Herz fing laut an zu pochen und sein schlechtes Gewissen wurde im Gesicht sichtbar, denn ihm kamen all die Kinder in den Sinn, die auf ihn gewartet hatten.
Während er die Nacht im Bauch des Schneemannes verbrachte, entstand im Ort große Unruhe. Man sah Menschen aufgeregt von einem Haus zum anderen huschen. Fenster und Häuser waren hell erleuchtet und festlich geschmückt, doch Freude kam nicht auf. Keiner wusste, warum der Weihnachtsmann nicht zu den Kindern kam. Schließlich standen Groß und Klein auf den Straßen und Peters Vater rief in die Menge:
"Dem Weihnachtsmann wird doch nichts passiert sein?".
Ein anderer sagte mit kräftiger Stimme: "Ich glaube schon, denn er ist schon alt. Ihr Kinder geht jetzt nach Hause und legt Euch schlafen und wir werden nach ihm suchen!".

Der Morgen graute schon, als der Verletzte plötzlich in weiter Ferne Stimmen hörte, die seinen Namen riefen.
"Hier bin ich! Hier oben am Waldrand!", rief er so laut er konnte.
Sofort eilten die Männer hinauf und entdeckten ihn liegend und schimpfend vor dem großen Schneemann und staunten nicht schlecht über das ausgehöhlte Schneewesen.
Worte wie: "Hermann, was machst du denn für Sachen! Haben wir dir nicht oft genug gesagt, dass du nicht mehr alleine gehen sollst?", musste er sich anhören und winkte ab. Zwei liefen bereits los um einen Arzt und eine Trage zu holen.

"Nie wieder werde ich den Weihnachtsmann spielen. Das ist einfach nichts mehr für einen alten Mann!", erwiderte er und ließ sich gerne mit einem warmen Schluck Tee verwöhnen.

"Der da, der Schneemann hat mich gerettet!", sprach er und zeigte nach oben.
"Ein Schneemann kann doch nicht retten, wie soll das denn gehen?", sagte einer der Männer laut und fügte noch hinzu: "Ach Hermann, erzähl doch keine Märchen!".
So gingen die Worte hin und her, doch keiner wollte dem Alten glauben.

Inzwischen erfuhren auch die Kinder von dem verletzten Weihnachtsmann, den man vor ihrem Schneemann gefunden hatte und eilten hinauf zum Waldesrand. Als die kleine Gundi hörte, dass der Schneemann sprechen konnte, so wie es der Weihnachtsmann erzählte, rief sie ganz laut und selbstbewusst:
"Und lächeln kann er auch. Das habe ich genau gesehen. Keiner will mir glauben!".
"Ja, Kleine, ich glaube dir!", sagte der alte Mann ganz ruhig und wandte sich an die erstaunten Gesichter der Erwachsenen, während die Kinder in der Nähe herumtobten, und sprach dann weiter: "Das Leben als Weihnachtsmann macht keinen Spaß mehr. Die Zeiten sind so hektisch und ungemütlich geworden. Keiner hat mehr Zeit, wer will schon mein Nachfolger werden!"
Er schaute nach unten und irgendwas schien ihn zu bedrücken. Die Männer bemerkten es und einer fragte besorgt: "Hermann, nun raus mit der Sprache, dir liegt doch was auf dem Herzen! Sag es uns doch einfach!"
Nach einer Pause drängte es aus ihm heraus: " Wie wäre es mit einem neuen Fest zur Erinnerung an meine Rettung durch einen Schneemann? Jedes Jahr könnten die Kinder zu dieser Zeit viele ausgehöhlte Schneemänner bauen und sie mit Geschenken für die armen Kinder der Umgebung füllen. Ihr werdet sehen, die Freude wird groß!".

Sprachlosigkeit stand in fast allen Gesichtern, doch Peters Vater entspannte die Situation und winkte die Kinder herbei und fragte: " Was haltet ihr von einem Schneemann-Fest?"
"Hurra, ein Fest für den Schneemann!", jauchzten die Kinder aufgeregt und kullerten erneut übermütig im Schnee herum.
"Ich muss aber noch dazu sagen, dass dann kein Weihnachtsmann mehr zu euch kommen wird, um euch zu beschenken, sondern ihr könnt dann viele Schneemänner mit Geschenke füllen. Es gibt weltweit eine Menge arme Kinder oder die keine Eltern mehr haben, und die würden sich von Herzen freuen, wenn andere Kinder an sie denken", redete er weiter und wartete gespannt auf die Reaktion.

Die Kinder sahen sich an und waren sich ohne Worte einig. So verkündete der große Peter stolz: " Na klar, wir wollen lieber das Schneemann-Fest und anderen Kindern helfen. Wir kriegen doch das ganze Jahr über genügend Geschenke!".
"Seht nur, wie der Schneemann mich wieder anlächelt!", rief die kleine Gundi.
"Ja, ja, und gleich blinzelt er mit den Augen und wackelt mit der Nase!", fügte der große Bruder hinzu.
"Vielleicht!", erwähnte Gundi leise und stellte sich dicht neben den Schneemann.

Der letzte Weihnachtsmann war sehr erleichtert. Er kam in ärztliche Obhut und konnte noch mitverfolgen, wie sein Schneemann-Fest sich über die ganze Welt verbreitete.

Seither wurde am Ende des Jahres nur noch das Fest der "Schneemänner" gefeiert. Alle Kinder waren froh und glücklich und kannten den Weihnachtsmann bald nur noch aus den Märchen.


Der Weihnachtsengel



Tief verschneit Lag das kleine Dorf im Winterschlaf. Nach Jahren begrüßte es den Heiligen Abend wieder einmal in weiß. Die Bäume hatten schwer an dieser Last zu tragen und doch freute sich Mensch und Natur über dieses prächtige Festkleid. Den Berg hinauf zum Kirchlein bewegte sich eine Menschenschlange bedächtig und ebenmäßig. Einzelne Laternen leuchteten in die Dunkelheit. Bei der Christi-Vesper wollte Keiner fehlen, selbst diejenigen nicht, die sich sonst das ganze Jahr nicht in der Kirche sehen ließen. Ein heiliger Abend ohne Gottesdienst, war doch keine richtiger Heilig Abend und bei diesem Wetter lockte es sowieso Jung und Alt ins zu einem Winterspaziergang ins Freie. Nur Einer konnte nicht dabei sein, und das war Rolf. Beim Schlittschuhlaufen auf dem See hatte er der all zu dünnen Eisdecke vertraut und war eingebrochen. Nun lag er mit einer starken Erkältung im Bett. Etwas traurig war ihm schon zumute als Eltern und Geschwister sich auf den Weg zur Kirche machten. Gerade in diesem Jahr sollte er den Weihnachtsengel spielen. Fleißig hatte Rolf geübt, seit Jahren freute er sich auf diese Rolle, die nur den Großen vorbehalten war, nun bekam sie Gerd und er musste daheim im Bett bleiben. Betrübt lag er in seinen Kissen. Er träumte vor sich hin und sah sich im Engelskostüm in der Kirche stehen. Plötzlich sah er einen hellen Schein am Fenster. "Wer war das?" "Waren die Eltern schon zurück vom Gottesdienst?" Rolf lauschte in die Dunkelheit. "Seltsam" dachte er "das Licht schein von oben zu kommen". Neugierig schlich er ans Fenster. Trotz der Kälte öffnete er es einen Spalt. Rolf wollte sehen was sich dort draußen tat. Ein Gefühl von Spannung und Bange bemächtigte sich seiner. So, nun konnte er ins Freien blicken. Vom Himmel kam ein heller Schein direkt auf ihn zu. Kam näher und näher. Erst hielt es Rolf für einen Stern oder ähnliches. Dann aber sah er es immer deutlicher: "Es war ein Engel!" Rolf war so gefesselt von dieser Erscheinung, dass er nicht in der lange war sich zu bewegen. Der Engel kam genau auf ihn zu und landete auf dem Fensterbrett. "Guten Abend Rolf! Ich bin der Weihnachtsengel" begrüßte er diesen "vor über 2000 Jahren verkündete ich den Hirten die frohe Botschaft, dass im Stall von Bethlehem ein Kind geboren sei, Jesus, Gottes Sohn." "Guten Abend" stotterte jetzt Rolf. "Jedes Jahr zum Heiligen Abend sehe ich mich auf der Welt um. So erfuhr ich, dass du so gerne einmal der Weihnachtsengel sein wolltest, heute aber im Bett liegen musst. So dachte ich mir, du würdest dich freuen, mich persönlich kennen zu lernen." Rolfs Wangen waren rot, wie ein Weihnachtsapfel, so strahlte er vor Freude. "Komm" forderte ihn der Engel auf "ich bedecke dich mit meinen Schwingen und du wirst die wahre Weihnacht kennen lernen." Rolf ging etwas auf den Engel zu und schmiegte sich an ihn. Furcht hatte er schon lange nicht mehr. Er fühlte sich geborgen zwischen den Flügeln des Engels. Geblendet schloss er die Augen und erlebte die Weihnacht von einst. Er war in Bethlehem, stand zwischen Ochs und Esel an der Krippe und sah das Jesuskind. Er war dabei als die Hirten mit den Schafen zur Krippe kamen und lernte die heiligen drei Könige kennen. Mitten in das wunderbare Erlebnis hinein, sprach ihn der Engel an "Rolf komm, steig in dein Bett, ich werde dich sanft zudecken. Gleich kommen deine Eltern nach Hause und ich habe noch einen weiten Weg vor mir". Wie benommen legte sich Rolf ins Bett. Als etwas später die Geschwister ins Zimmer stürmten um von der Christvesper zu berichten, schwieg Rolf stille. Was er erlebt hatte war so groß, so wunderbar, dass er es ganz allein für sich behalten wollte. "Im nächsten Jahr bekommen ich bestimmt die Rolle des Weihnachtsengels" dachte er noch als er bereits mit den Eltern und Geschwistern von dem geschmückten Tannenbaum stand.





Der Weihnachtsmann hat auch seine Sorgen

Dieses Jahr sollte alles endlich mal etwas weniger turbulent ablaufen, als die Jahre zuvor. Schließlich bedeutet Adventszeit auch besinnliche Zeit. Doch das galt scheinbar noch nie für den Nikolaus. Aber dieses Jahr plante er weit voraus.

Ende November begann die Arbeit für den Weihnachtsmann. Er kontrollierte zuerst das wichtigste Gefährt, seinen Schlitten. Die Sommerkissen wurden gegen Winterdecken ausgetauscht. Ein Loch in der Sitzbank, das die Motten über Sommer reingefressen hatten wurde mit einem dunkelgrünen Flicken ausgebessert. Das Rentiergeschirr musste neu poliert werden und die Zügel waren an den baumwollenen Zwischenteilen schon etwas ausgeleiert und bedurften einer Stärkung.

Dann ging es an die Tourplanung, die den Erfolg des Unternehmens ausmachte. Durch das ständige Umziehen der Leute und den mangelnden Adressangaben kam es schon vor, dass der ein oder andere fälschlicherweise ein verkehrtes Geschenk bekam und dann dem Nikolaus die Schuld in die Schuhe schob. Das musste er dieses Mal unbedingt vermeiden. Deshalb wollte er ein neumodisches Navigationsgerät zu Rate ziehen, das angeblich Adressen bis auf 5 m genau angeben konnte. Doch bei der letzten Aufräumaktion fiel die Gebrauchsanweisung seinem Tatendrang zum Opfer und landete im Sperrmüll. Das war ihm aber doch irgendwie Recht, weil er als Unikum aus den alten Zeiten doch lieber nach althergebrachten Methoden arbeitete. So orientierte er sich lieber nach seinem roten Buch, in das er mit akkurater Sütterlinhandschrift seine Eintragungen zu machen pflegte und natürlich nach den Sternen, denn er arbeitete hauptsächlich nachts.

Jetzt musste er nur noch das Geschenkpapier besorgen, die Rentiere rufen und die Elfen für ihre Arbeit einteilen, was auch eine genaue Logistik verlangte. Kaum hatte er den Gedanken formuliert, klopfte es an der Tür und der Specht übergab ihm einen Brief. Als Absender konnte er nur zwei Hufabdrücke ausmachen, was nichts Gutes bedeuten konnte. Er öffnete das Kuvert und heraus fiel eine Krankmeldung, die gestern ausgestellt wurde. Anbei lag ein Zettel von Rentier Bertie, der hiermit erklärte, dass er beim Schlittschuhlaufen gestürzt sei und sich das Kapalgelenk am rechten Vorderbein gebrochen habe. Weihnachten fiel für ihn dieses Jahr flach. Und schon geriet die Planung ins Wanken. Was sollte der Nikolaus bloß tun?

Schnell fasste er sich wieder und überlegte scharf, wie er eine mögliche Katastrophe abwenden konnte. Ersatz musste her und zwar so schnell, wie möglich. Deshalb setzte er sich hin und malte mehrere große Suchplakate mit dem Hinweis, dass er einen Rentierersatz in der Leitposition brauche. Noch am selben Abend verteilte er sie im großen Weihnachtswald. Völlig erschöpft kam er nach Hause, trank noch ein Glas Glühwein und ging dann müde zu Bett.

Am nächsten Morgen wurde er früh von lautem Pfeifen geweckt. Als er die Türe öffnete saßen 45 Wühlmäuse auf dem Fußabstreifer und erklärten, sie wollten sich für die vakante Stelle als Schlittenzugtier bewerben. Nikolaus glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Er erklärte ihnen, dass sie zu klein für diese Stelle seien, das Geschirr nicht passe und sie das Tempo nicht halten könnten. Das ließen sich die Winzlinge nicht zweimal sagen. Zuerst begannen sie den Nikolaus zu umkreisen, bis ihn beim bloßen zuschauen schon der Drehwurm packte. Dann stürzten sie sich gemeinsam ins Kumet, dass dieses augenblicklich ausgefüllt war und sie gemeinsam aussahen, wie ein großer Hundekopf. Das zwang den Nikolaus zu einer unfeinen Ausrede. Er musste sie leider abweisen, weil die anderen Rentiere keine Mäuse akzeptierten.

Als nächstes klingelte ein Schneetiger an seiner Tür, der sich auf diesem Weg die Heimfahrt nach Sibirien verdienen wollte. Er umringte die bereits eingetroffene Rentierzugtruppe mit schmatzendem Geräusch. Dabei leuchteten die Augen und sein Magen begann zu knurren. Schnell zogen sich die anderen 6 Tiere zurück. Rudi, der Teamleiter trat hervor und drohte dem Nikolaus mit Streik, falls er den Tiger einstelle. Angst sei kein Druckmittel für sie und falls dieses gefräßige Tier jemanden auffressen wolle, würde wieder eine Lücke entstehen. Also schickte Santa Claus auch diesen Aspiranten weg.

Der dritte Bewerber war eine Giraffe, die sehr elegant mit ihrem Kaschmirschal um den Hals aussah. Armanda fror nämlich sehr schnell in diesem Klima. Sofort waren die Rentiere begeistert und wollten ihr schon die Zugregeln erklären. Doch da schaltete sich der Weihnachtsmann ein. Er war schließlich der Schlittenführer und für die Fahrt verantwortlich. Auch dieses Mal wollte er keinen Vertrag abschließen, weil ihm eine Giraffe als Zugtier zu große war. Wie sollte er denn den Weg finden, wenn ihm ständig so ein langer Hals die Sicht versperrte oder deren Schal vor dem Gesicht herumflatterte. Wieder musste er eine Absage erteilen.

Nun kam der wohl ungeeignetste Kandidat zum Vorstellungsgespräch: Ein Elefant. Mit sanfter, tiefer Stimme erklärter er, dass er bereits über Erfahrungen in der Weihnachtsbranche verfüge. Als Reittier habe er schon beim Sarottimohr so manchen Auftrag erfüllt. Er sei ohne Zweifel der in Frage kommende. Mühsam versuchte Nikolaus ihm klar zu machen, dass eine vornehme Prommenade vor erlauchtem Publikum nicht das gleiche sei, wie eine wilde Schlittenfahrt durch die Lüfte. Dafür sei Mumbo einfach zu langsam, zu dick und kurzatmig als auch zu breit, so dass die anderen gar keinen Platz mehr neben ihm hätten. Er solle sich eine Stelle als SoloKünstler suchen. Beleidigt zog der Elefant ab. Als er die kleine Mäuseschar sah, erschrak er so sehr, dass er in rasendem Galopp davon eilte.

Jetzt blieb nichts mehr anderes übrig, als die Stellenvermittlung zu kontaktieren. Bereits am nächsten Tag erhielt er dann auch schon einen Stellenanwärter. Als er die Tür öffnete, stand draußen ein mürrisch dreinblickender, grauer Esel. Er musste sich dieses Jahr arbeitslos melden, weil es kaum noch Weihnachtskrippen gab. Dabei liebte er diese Arbeit. Er musste nur im warmen Stall stehen und Heu fressen. Körperliche Arbeit war nichts für ihn. Da er eine 9-köpfige Familie ernährte, blieb ihm aber keine andere Wahl, zumal das Stempelgeld gekürzt wurde. Nach kurzer Instruktion spannte Nikolaus Manolito ein und sie starteten zu einer Probefahrt. Die anderen Rentiere reklamierten zwar wegen seines ungleichen Taktes, doch im Großen und Ganzen waren alle zufrieden.

Endlich konnte sich der Weihnachtsmann an die eigentliche Arbeit machen - die Geschenke. Doch kaum hatte er die Werkstatt betreten, erhielt er die nächste Hiobsbotschaft. Die Elfen waren noch nicht fertig mit den Geschenken.

Adil der Vorarbeiter, hatte sich mit dem Hammer auf den Daumen gehauen und trug nun einen dicken Verband. Er konnte unmöglich das Puppenhaus für Lisa fertigstellen. Als Ersatz suchten sie ihr ein Kartenspiel aus. Mit dem sie spielen oder ein Kartenhaus bauen konnte. Bei Nichtgefallen konnte sie es einfach umstoßen. Wer spielte heute noch mit Puppen.

Nordil hatte sich einen Finger gequetscht, als er eine Eisenbahn für Thomas zusammenbauen wollte. Als Ersatz packten sie ihm einen Gameboy ein. Damit konnte er Autorennen fahren. Wer spielte heute noch mit Eisenbahnen.

Mandil fiel von der Leiter als er für Marie eine Kutsche zusammenschraubte. Als Ersatz steckten sie ein Kickboard ins Geschenkpapier. Damit kam sie auch an schmalen Stellen schneller voran und konnte sogar Treppen bewältigen. Wer fuhr heute noch mit der Kutsche.

Rudil hatte sich in den Finger geschnitten, als er die Bilder für Werners Bilderbuch ausschnitt. Außerdem konnte er jetzt keine Weihnachtsgeschichte mehr schreiben. Schnell wickelten sie ihm ein Kindervideo ein und legten eine Hörkassette dazu. Wer betrachtete heute noch Bilderbücher, geschweige denn, dass er las.

Womit hatte er das verdient? Lage es etwa mit daran, dass die Kinder heutzutage sogar zu faul waren einen Wunschzettel zu schreiben. Er setzte sich hin und betrachtete all die halbfertigen Spielsachen, die er selbst ausgesucht hatte. Heute musste wirklich alles elektronisch oder zumindest elektrisch funktionieren. Manuelle Sachen waren nicht mehr gefragt. Wie lange würde es dauern, bis der Weihnachtsmann selbst nicht mehr gefragt war? Wer brachte dann die Geschenke?

Doch er erinnerte sich auch noch an manch lieben Brief von kleinen Kindern an das Christkind. Er lief zurück in seine Arbeitsstube und fand nach kurzem Suchen gleich mehrere Briefe. Er setzte sich in seinen bequemen Lehnstuhl und begann zu lesen.
Lieber Weihnachtsmann!
Bis Weihnachten ist es nicht mehr lange. Dieses Jahr habe ich aber keine Wünsche wie sonst. Dafür wäre ich ganz froh, wenn Du mir meine kranke Omi wieder gesund machen würdest. Dafür war ich auch seit dem Herbst immer brav, habe meine Hausaufgaben pünktlich gemacht und Papi beim Rasenmähen geholfen. Ich wünsche mir dieses Jahr nur, dass wir alle zusammen unter dem Weihnachtsbaum Lieder singen und fröhlich sind.
Bitte, bitte erfülle meinen Wunsch!
Liebe Grüße


Liebes Christkind



Liebes Christkind,
dieses Jahr wollte ich auch mal andere Kinder glücklich an Weihnachten sehen. Ich habe eine Freundin, deren Eltern nicht soviel Geld haben, weil der Papa arbeitslos ist. Sie bekommt dieses Jahr nichts zu Weihnachten geschenkt. Ich habe zwar viele Wünsche, die mir meine Eltern erfüllen würden, aber an Ostern bekam ich ein neues Fahrrad, zum Geburtstag gab es einen Großen Fotoapparat, in den Ferien waren wir 3 Wochen auf den Malediven und meine Großeltern haben mir ein paar Inlineskates geschenkt. Leider macht mir das nicht soviel Spaß alleine zu fahren. Jetzt schlage ich Dir vor, dass Du die Hälfte meiner Wünsche an meine Freundin Doris schickst und ich dafür auf meine Geschenke verzichte. Nächstes Jahr bekomme ich dann wieder etwas.

Ich wünsche Dir frohe Weihnachten



Hallo Nikolaus,
diese Jahr ist mein Wunschzettel ziemlich kurz. Da ich schon alles habe, wünsche ich mir eine tolle Geschichte von Dir. Wenn ich die nicht bekomme, bin ich enttäuscht. Hoffentlich schickst Du sie nicht an die falsche Adresse. Meine Eltern haben keine Zeit für Geschichten, dabei schauen sie den ganzen Abend Fernsehen. In der Zeit könnten sie auch eine tolle Geschichte erfinden. Mal sehen, ob Du etwas Phantasie hast.

Gruß aus München

Der Nikolaus war richtig gerührt, dass es auch noch Menschen gab, die nicht nur materielle Wünsche hatten und an andere dachten. Deshalb kramte er in der ganzen Weihnachtspost, bis er alle Briefe fand, die keine unverschämten Forderungen beinhalteten. Diese Kinder wollte er unbedingt glücklich machen und klebte extra einen Sticker darauf zur bevorzugten Behandlung.

Nachdem er alles was Hände hatte einspannte, um die letzten Aufträge und Arbeiten zu erledigen, konnte er getrost auf den Weihnachtsabend warten.

Lautes Getriebe herrschte vor dem Haus des Nikolaus, alle waren aufgeregt und froh gelaunt. Sogar Manolito hatte sich gut eingearbeitet. Der Schlitten wurde gepackt, die Liste kontrolliert, ob auch nichts vergessen wurde und alle nochmal schnell mit Futter gestärkt. Dann ging die Fahrt los. In der Abenddämmerung sah man schon die ersten Lichter aufleuchten. Mit schönem Geläut zog die fröhliche Schar durch die Lüfte. Wegen des etwas ungleichmäßigen Taktes fiel auch so manches Päckchen unbemerkt aus dem Schlitten. Irgendein Kind würde sich bestimmt darüber freuen. Die Kamine wurden durch den Schornstein beliefert und nur selten hatten sie Probleme mit dem Zutritt zum Wohnzimmer. Die ganze Welt zog an ihnen vorbei. Die Tannen in Europa ersetzten die Palmen in Australien und Asien. Am schönsten war jedoch, wenn die Menschen Lieder sagen und dabei mit strahlenden und leuchtenden Augen die schön geschmückten Weihnachtsbäume betrachteten. Diese Weihnachten war mal wieder gelungen

Frohe Weihnachten!!




Frohe Weihnachten, meine Enkelkinder

Der Wunschzettel





Anouschka stand wieder, wie jeden Tag, wenn die Dämmerung reinbrach, am Fenster und schaute traurig raus zum Firmament. Ihre Eltern saßen am Kamin und beobachteten sie dabei ratlos. Was sollten sie nur tun? Es war inzwischen Mitte Februar und ihre 7-jährige Tochter konnte die Enttäuschung über den fehlgeschlagenen Wunschzettel nicht überwinden. Der Weihnachtsmann hatte sie vergessen und keinen Wunsch erfüllt.

Wie jedes Jahr in der Adventszeit bastelten die Kinder Sterne in der Schule, backten Plätzchen mit ihrer Mutter in der großen Küche und schrieben Wunschzettel an den Weihnachtsmann. Da Anouschka seit Sommer in die erste Klasse ging, konnte sie noch nicht so richtig schreiben. Deshalb malte sie neben die Wörter Bilder deren Bedeutung die schön gezeichneten Buchstaben unterstrichen. Dieses Jahr hatte sie lange überlegt, was sie sich wünschen sollte. Ihr Papa hatte ihr erklärt, dass man sich nicht sinnlos etwas wünschen soll, sondern das, was man auch gerne hätte. Nur dann kann man sich auch wirklich darüber freuen. Nicht die Anzahl der Geschenke ist wichtig, sondern was man damit macht. Der Weihnachtsmann sucht sich dann aus dem Wunschzettel genau das richtige aus. Da Anouschka ein intelligentes Kind war und sie ihren Wunsch auf jeden Fall erfüllt bekommen wollte, schrieb sie einen Wunschzettel, der nur einen einzigen Wunsch enthielt, der zu realisieren war.



WUNSCHZETTEL

1. 10 kg Schneeflocken mit Vanillegeschmack

2. ein Paar Laufschuhe für einen Spaziergang durch die Milchstraße

3. Hitzefrei im Januar

4. einen Radiergummi, der singt, tanzt, rechnet und Gute-Nacht-Geschichten erzählt

5. einen warmen Mantel für den frierenden Schneemann

6. ein Hundebaby von unserem alten Husky Barry

7. einen Ritt auf einer Giraffe

8. ein Essen mit Schneewittchen und den 7 Zwergen

Voll Erwartung legte sie den Wunschzettel am 5. Dezember unter die Fußmatte vor der Haustür. An diesem Tag sammelte der Weihnachtsmann, ganz nach finnischem Brauch, die Zettel ein und suchte dann ein Geschenk für jedes Kind aus.

Anouschka lebte mit ihren Eltern und zwei Geschwistern in Nordfinnland. Hier herrschte stets ein langer, kalter Winter, der aber häufig sonnige, schöne Tage mit sich mitbrachte. Wenn im November der erste Schnee fiel, baute sie mit ihren Geschwistern und Papa einen großen Schneemann. Der stand dann meist bis Ende März im Garten und gehörte fast schon zur Familie. Sein freundliches Aussehen erhielt er durch eine Karotte, die ihm als Nase diente. Die Augen wurden durch zwei wunderschöne Kastanien dargestellt. Den Mund zierte ein alter rußiger Hanfstrick, der schon spröde war. Als Knöpfe auf dem Bauch steckte Papa ein paar Tannenzapfen in die Mitte. Da Anouschka nicht wollte, dass der Schneemann einen Sonnenstich bekam, holte Papa einen alten Hut aus der Werkstatt, den er früher zum Holzsägen trug.

Diesen Winter wurde es besonders kalt und überall sah man viel Rauch aus den Kaminen aufsteigen. Auch der Atem der kleinen Vögel erzeugte die reinsten Nebelschwaden. Oft setzten sie sich bei einer Zwischenlandung zur Erholung auf den Schneemann. Dabei verfehlte ein Vogel die Hutkrempe und stieß den steifen Hanfstrick so nach unten, dass der Schneemann richtig unglücklich aussah. Als Anouschka am nächsten Morgen durch den glitzernden Schnee lief, knirschten die Eiskristalle laut und funkelten in allen Farben. Auch den Schneemann bedeckte eine feine Eisschicht. Durch den Gesichtsausdruck und den frostigen Überzug glaubte sie, dass der Schneemann friert. Doch ihr Papa lachte sie nur aus. Im Geheimen wollte sie dem Schneemann helfen.

Für den Weihnachtsmann begann der Frühjahrsputz früher, als für gewöhnliche Leute. Er musste die ganze Unordnung von der Weihnachtszeit wieder beseitigen und das begann nach kurzer Pause im Februar. Kaum hatte er alle Werkbänke beiseite geräumt fand er unter einem Tischbein einen Brief eingeklemmt. Als er ihn öffnete, fiel ein Wunschzettel von einem kleinen Mädchen aus Finnland heraus. Wie konnte er sie nur vergessen haben! Beim Durchlesen erkannte er sofort worin der einzige Wunsch bestand. Anouschka wünschte sich einen Mantel für einen Schneemann. Doch Weihnachten lag fast 2 Monate zurück und er konnte doch unmöglich dieses Chaos hier liegen lassen. Er überlegte kurz und ging dann schnell ins andere Zimmer, wo sich ein großes Fernrohr befand. Kaum hatte er durchgeschaut, entdeckte er auch schon Anouschka, wie sie traurig am Fenster lehnte. Ein schlechtes Gewissen überkam ihn. Konnte er dieses Kind so unglücklich sein lassen?

Nach ein paar Berechnungen kam er zu dem Schluss, jemand musste dort hin, aber nicht er. In diesem Moment klopfte es an der Tür. Verärgert öffnete er die Tür und herein gehoppelt kam der Osterhase. Er wäre gerade auf dem Weg vom Einkauf hier vorbeigekommen und wollte sich bei einem Glas Glühwein aufwärmen. Das kam dem Weihnachtsmann gelegen. Er fragte Klopfer, wie er den momentan engagiert sei. Dieser erklärte ihm, dass er noch arbeitslos sei, da die Ostersaison erst ab Anfang März beginne. Da schilderte der Weihnachtsmann dem Osterhasen seine Not und bat ihn, den Auftrag zu übernehmen. Gerne tat der Meister Lampe, wenn man ihm ein Gefährt zur Verfügung stelle. Das war kein Problem, denn die Rentiere standen abrufbereit im Wald und kannten den Weg. Also sollte die Fahrt Morgen stattfinden.

Wie immer fanden sich die Rentiere Paarweise vor dem Schlitten ein und warteten ungeduldig auf das Startsignal. Nach kurzer Einweisung in die Zügelführung und Lichtsignalisierung brausten die erfahrenen Zugtiere und der unerfahrene Kutscher los. Der Osterhase hatte keine Ahnung, wie fest er die Zügel halten sollte. Deshalb geschah es immer wieder, dass er in den weitschweifigen Bögen aus Angst zu fest zog. Es dauerte nicht lang und die Rentiere begannen vor Ärger über die grobe Behandlung zu bocken. Beinahe wäre der Osterhase aus dem Schlitten gefallen, zumal er sowieso unter Höhenangst litt.

Anouschka sah verwundert zum Himmel auf. Im Zwielicht meinte sie einen Schlitten ganz klein am Horizont zu erkennen. Sofort rief sie ihren Eltern zu: "Der Weihnachtsmann. Ich glaube der Weihnachtsmann kommt doch noch." Die Eltern liefen zu ihrem Kind und wollten sie beruhigen. Dabei tauschten sie besorgte Blicke aus. Beim Rausschauen aus dem Fenster meinte die Mutter nur, es handele sich um die Lichter eines Flugzeugs. Anouschka wollte das nicht glauben:"Seit wann haben Flugzeuge mehr als zwei Lichter?". Ihre Mutter brachte Anouschka bald darauf ins Bett. Sie wollte am nächsten Tag mit ihr den Arzt aufsuchen.

Dem Osterhasen war übel. Gleich bei der Ankunft musste er sich übergeben. Dann packte er den Mantel aus dem Geschenkpapier und zog ihn dem Schneemann über. Dabei sah er den hässlich verrückten Hanfstrick. Mit zwei Griffen hatte er ihn zu Recht gebogen und an die richtige Stelle platziert. Als er die Karottennase sah bekam er Appetit, den er aber wegen der Rückreise zurückdrängte. Das Geschenkpapier ließ er ordentlich zusammengelegt neben dem Schneemann liegen. Bei der wilden Fahrt wäre es sowieso aus dem Schlitten gefallen. Der Auftrag war erfüllt. Zufrieden stieg er zurück in sein Gefährt und machte sich auf den Rückweg.

Am nächsten Morgen öffnete Anouschka den Fensterladen in ihrem Zimmer und sah die Überraschung. Der Schneemann strahlte sie glücklich mit seinem schönsten Lächeln an. In seinem blauen Mantel sah er stolz aus. Noch im Schlafanzug stürzte Anouschka runter an die Haustür. Ihren Papa zerrte sie am Ärmel in den Garten, um ihm das Geschenk zu zeigen. Er glaubte seinen Augen nicht zu trauen und hätte es für einen Trick gehalten, wäre da nicht das Weihnachtsgeschenkpapier gelegen. Als er in den gefrorenen Schnee sah, konnte er die Spuren von einem großen Schlitten erkennen und vorne dran viele Hufabdrücke.




Erfahrung einer Großmutter


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