Weihnachtskalender Teil 2
Weihnachtskalender Teil 3
Weihnachtskalender Teil 4
Weihnachtszeit 2005
Frohe Weihnachten 2006



ALI SOLL NICHT WEINEN

Ali heulte seit drei Monaten. Das lang gezogene Röhren durchschnitt die abendliche Stille wie das Tuten eines Nebelhorns. "Du musst etwas tun, Papa!" drängte Svenja und hüpfte von einem Bein auf das andere, während sie sich an Scherrers Arm hängte.

"Was ist mit ihm?" fragte Scherrer den Tierarzt. "Sie sagten doch, das Bein sei verheilt." Ali würde zwar nie mehr ein Wettrennen gewinnen, aber wenigstens konnte er wieder stehen. Die letzten Wochen hatte er zum größten Teil liegend verbracht, alle Viere von sich gestreckt, wenigstens soweit das bei einem Kamel möglich war. An seinem ununterbrochenen Heulen hatte sich niemand gestört, weil Scherrers Wiese, auf die der Lkw Ali damals gekippt hatte, weit außerhalb lag. Niemand, bis auf den Pflederer. Der Pflederer war Fleischermeister und machte das beste Bratwurstfüllsel von Mägerkingen. Nebenher betrieb er etwas Landwirtschaft. Ihm gehörte der Schuppen direkt neben Scherrers Wiese.

"Ja, sicherlich," sagte Dr. Lenz und kratzte sich dabei hinterm Ohr, "das Bein ist verheilt. Große Sprünge wird er damit nicht mehr machen. Aber eigentlich dürfte er keine Schmerzen mehr haben." Wie um die Worte des Tierarztes zu widerlegen, röhrte Ali von neuem los. Scherrer hatte Mühe, Svenja festzuhalten, die sofort zu dem Kamel laufen wollte, um es zu trösten.

"Andererseits," sagte Dr. Lenz, "habe ich bislang mehr mit Rindern, Schweinen und Hunden zu tun gehabt als mit Kamelen. Ich denke, ich werde einen Kollegen zu Rate ziehen."







Ali heulte aus Leibeskräften, so dass das Motorengeräusch, das immer näher kam, kaum zu hören war. Scherrer und Dr. Lenz wandten sich erst um, als eine Tür klappte und eine tiefe Stimme lospolterte: "Gebt dem Vieh doch eine Spritze, damit endlich Ruhe ist!"

Ein untersetzter, rotgesichtiger Mann mit kleinen Schweinsäuglein und einem selbstzufriedenen Gesichtsausdruck stand vor den beiden, die Hände in die Hüften gestemmt - der Pflederer. "Erlösen Sie das arme Vieh von seinen Qualen, Herr Doktor" sagte er, und mit einem boshaften Seitenblick auf Scherrer fügte er hinzu: "Ich werd' Sie anzeigen. Der Lärm ist ja nicht zum Aushalten." Sprach's, wandte sich um und machte sich an der Tür des Viehtransporters zu schaffen, der an der Anhängerkupplung seines Zweihunderter Diesels hing.

"Macht's mit dem wie mit der da“, polterte er. Dabei blickte er abwechselnd auf Ali und den alten Ackergaul, der sich sträubte, rückwärts aus dem Viehanhänger zu kommen. Das Tier gehorchte jedoch ohne weiteres Widerstreben, als der Pflederer die Hand hob, in der er plötzlich einen dicken Prügel hielt.

"Nein!" rief Svenja und wollte sich dazwischen werfen. Scherrer erwischte sie gerade noch am Kragen. "Die Rosi ist zu nichts mehr zu gebrauchen", lachte der Pflederer. "Frisst nur noch und bringt nichts mehr ein. Der Huber hat mir den Gaul in Pension gegeben", sagte er grinsend. "Aber nur für die nächsten acht Tage, bis der Abdecker kommt. Das Vieh ist zu alt zum Arbeiten - und eine ordentliche Wurst kann man daraus auch nicht mehr machen", fügte er fast bedauernd hinzu. Dabei ließ er den Prügel auf das Pferd niedersausen, das vor Schreck und Schmerz laut auf wieherte.

"Lassen Sie das sein!" fuhr Dr. Lenz den Pflederer an, und zwar in einem Ton, den man dem schmächtigen Mann kaum zugetraut hätte. "Und wer, bitteschön, sollte mir das verbieten?" Kampflustig baute der Pflederer sich vor dem Tierarzt auf. "Niemand will Ihnen irgend etwas verbieten, „ sagte Dr. Lenz, "am allerwenigsten ich. Ich bitte Sie nur darum - wegen des Kindes" - dabei wies er mit einem Nicken auf Svenja - "und weil bald Weihnachten ist."

Der Pflederer brummte etwas, was niemand verstand, wandte sich missmutig um und zog das Pferd am Zügel hinter sich her zum Schuppen. Ali röhrte aus vollem Hals. "Ich werd' Dich anzeigen", grummelte der Pflederer, bevor er in seinem Schuppen verschwand.

"Er darf das Pferd nicht umbringen“, jammerte Svenja und klammerte sich an Scherrers Arm. "Er darf es nicht umbringen, Papa." Tränen liefen ihr übers Gesicht. Wie sollte Scherrer seiner Tochter erklären, dass der Pflederer eben das durfte. Der Mann war im Recht. Während Ali aus Leibeskräften vor sich hin röhrte und Svenja laut schluchzte, kam der Pflederer fluchend aus dem Schuppen zurück, ging an ihnen vorbei und startete den Diesel.









"Ich werde noch heute einen Kollegen konsultieren", sagte Dr. Lenz zum zweiten Mal, weil er nicht wusste, was er sonst sagen sollte, und drückte Scherrer die Hand. "Versprochen!" Dabei blickte er Svenja in die Augen. "Komm!" sagte Scherrer zu seiner Tochter, und sie fuhren nach Hause. Es war der 23. Dezember.

"Wo ist eigentlich Svenja?" fragte Scherrer, als er am nächsten Morgen am Frühstückstisch saß. Seine Frau ließ die Zeitung sinken und sah ihn einen Moment lang an. "Ich glaube, sie wollte 'rausfahren, um nach Ali zu sehen. Auf jeden Fall ist sie gleich heute Morgen mit dem Fahrrad weggefahren."

Hätte ich damals doch nicht "Ja" gesagt, als diese Zirkusleute mich fragten, ob sie Ali bei mir abladen dürfen, dachte Scherrer. Sie hatten das Tier im wahrsten Sinne des Wortes abgeladen, eine einzige Quälerei war das gewesen mit dem gebrochenen Bein, und jetzt...

Ein heftiges Klingeln riss Scherrer aus seinen Gedanken. Es läutete geradezu Sturm. Die Tür flog auf und Svenja stürmte ins Esszimmer. Ohne sich mit den Formalitäten einer Begrüßung aufzuhalten, hängte sie sich an ihren Vater und brachte, noch völlig außer Atem, hervor: "Ali hat aufgehört zu weinen."

Scherrer sah seine Tochter ungläubig an. Wenn das stimmte, dann hatte sie ein Wunder vollbracht. "Was ist los?" sagte er und nahm Svenja in den Arm. Aus Svenja sprudelte es nur so hervor: Wie sie heute Morgen aufgestanden und als erstes zur Wiese gefahren war, um den weinenden Ali zu besuchen. Wie sie in den Schuppen gelinst hatte, um einen Blick auf Rosi zu erhaschen. Dabei stellte sie fest, dass die Tür nicht abgeschlossen war. Sie hatte das Pferd freigelassen, weil es ihr leid tat. Und was hatte Rosi gemacht?

Statt wegzulaufen, war sie schnurstracks hinüber zu Scherrers Wiese spaziert, um Ali in Augenschein zu nehmen. Ali gab ein letztes jämmerliches Röhren von sich, bevor er verstummte und sich mit einem Ruck auf seine vier Beine stellte. Er trabte zum Zaun, auf dessen anderer Seite Rosi wartete, um sie vorsichtig zu beäugen.

Scherrer griff sich an den Kopf, als seine Tochter ihm erzählte, dass sie das Tor geöffnet hatte, um Rosi auf die Wiese zu lassen. Rosi begrüßte Ali mit einem Nasenstüber, und die beiden begannen, gemeinsam an dem Heu in der Futterkrippe zu rupfen. Als Svenja ging, hatte sie es nicht für nötig befunden, Rosi wieder in ihren Schuppen zu sperren. Auf dem schnellsten Weg war sie nach Hause geeilt, um ihren erstaunten Eltern die frohe Botschaft zu verkünden und - da war sie nun.









Scherrer kratzte sich am Bart und sah seine Tochter ernst an. Svenja ahnte, was kommen würde, und die Tränen schossen ihr ins Gesicht: "Rosi darf doch bei Ali bleiben, nicht wahr? Sie muss doch nicht sterben? Das darf der Pflederer nicht tun!" "Die Sache ist nicht so einfach, wie du Dir das vorstellst", begann Scherrer. Aber irgendwie sagte er damit das Falsche.

"Das darf er nicht tun!" rief Svenja, stürmte hinaus und warf ihm Hinausrennen die Tür heftig hinter sich zu. Weinend verschwand sie in ihrem Zimmer.

Scherrer überlegte. Er redete eine Weile mit seiner Frau, dann ging er zum Telefon und wählte. "Lenz", meldete sich am anderen Ende der Leitung eine Stimme. Scherrer erklärte in wenigen Worten, worum es ging, und eine halbe Stunde später trafen sich die beiden Männer auf Alis Wiese. Einträchtig standen der Ackergaul und das Kamel an der Futterkrippe. Als Scherrer sich den beiden näherte, schmiegte Rosi ihren Kopf an Alis Flanke. "Sehen Sie nur, die beiden schmusen", sagte Scherrer. Verlegen kratzte Dr. Lenz sich am Kinn. "Ich habe nicht bedacht, dass Kamele Herdentiere sind. Im Zirkus mag es Ali nicht besonders gut gegangen sein. Aber er hatte Gesellschaft. Er war nie allein."

Nachdenklich betrachtete Scherrer die beiden Tiere "Sie kennen doch den Huber, dem das Pferd gehört", sagte er schließlich. "Ja, ganz gut sogar", antwortete Dr. Lenz, ebenfalls nachdenklich

Als Scherrer nach Hause kam, half er seiner Frau beim Christbaumschmücken. "Was macht Svenja?" fragte er und erfuhr, dass sie ihr Zimmer seit heute morgen nicht mehr verlassen hatte. "Das wird ein schönes Weihnachtsfest geben", meinte Scherrers Frau. Aber Scherrer sagte nur: "Lass nur. Es wird schon werden."

Punkt sechs brannten am Baum die Kerzen. Vorsichtig klopfte Scherrer an Svenjas Tür. "Svenja", sagte er, "das Christkind war da." Das interessierte Svenja im Moment herzlich wenig, und Scherrer brauchte eine ganze Weile, um seine Tochter dazu zu überreden mitzukommen. Schließlich schaffte er es, einer verheulten Svenja den buntgeschmückten Christbaum zu präsentieren. Ihr Gesicht hellte sich sogar ein wenig auf, ein bisschen nur, aber immerhin, als sie die Geschenke sah. Scherrer griff nach der alten Familienbibel, schlug sie auf, und im Kerzenschein las er die Weihnachtsgeschichte vor. Als Svenja sich lustlos daran machte, die Pakete auszupacken, die unter dem Weihnachtsbaum lagen, zeigte ihre Mutter auf zwei Krippenfiguren, die etwas abseits standen: ein Kamel und ein Esel.

"Ein Pferd war damals in Bethlehem leider nicht dabei", sagte Scherrer. "Aber Du musst doch zugeben, dass die beiden Ali und Rosi ziemlich ähnlich sehen. - Ach ja, bevor ich es vergesse: Rosi gehört Dir. Ich habe sie dem Huber abgekauft."







Mit einem Freudenschrei stürzte Svenja sich auf ihren Vater. Scherrer wusste, was kommen würde, und trotzdem es heftig schneite, hatte er den Wagen noch nicht in die Garage gefahren. Als sie an der Wiese anlangten, standen Ali und Rosi in ihrem Unterstand und rupften gemütlich das Heu aus der Futterkrippe. Sie waren so beschäftigt, dass sie den Mann, die Frau und das Mädchen, die am Zaun standen und ihnen zusahen, während um sie herum die weißen Flocken immer dichter fielen, gar nicht wahrnahmen. Aus der Ferne klang Glockengeläut herüber. Scherrer beugte sich herab zu seiner Tochter und sagte: "Fröhliche Weihnachten!"







BÄRIGE WEIHNACHT


Einmal wimmelte es im Land nur so von Bären. In Häusern, Läden und Kiosken hockten sie herum; manche trugen Hüte, Röcke oder Lederhosen. Von Pullis, Krawatten und Hosen grinsten sie ebenso breitbackig wie von Postkarten, Tassen, Tüten, Bildern, Büchern, Haarspangen und Broschen.

Es gab Bärendosen, -kekse, -uhren, -kalender, -kettchen, -seifen, sogar Bärenhampelmänner, Bärenschneekugeln, Bärenschränke, Bärenundsoweiter...! Es war eine richtige Bärerei.

Die Leute liebten die Bären über alles und sagten Wie niedlich!, Goldige Kerlchen!, Herzige Zottelbärchen!, Schmuseliebchen und andere unbärige Dinge zu ihnen. Den Bären blieb nichts übrig als immer lieb und herzig zu grinsen.

Steife Grimassengesichter hatten sie von dieser ewigen Grinserei bekommen. Das aber war nicht schlimm, denn die Bären fühlten sich geschmeichelt und nahmen dafür all den Krimskrams in Kauf. "Von nichts kommt nichts", sagten sie und belächelten die vergeblichen Versuche der Mäuse, Vögel, Katzen, Hunde, Hühner, Kühe, Rehe, Tiger, Elefanten und Dinosaurier, es ihnen gleichzutun.

Zuerst waren die anderen Tiere beleidigt, dann fingen sie an zu lästern. "Wie kann man nur so doof sein und auf Klamotten, Geschirr und anderem Kram dämlich herumgrinsen?" sagten sie. "Das ist doch nicht bärig!" Dieser Meinung war auch der Oberbär, der sich sein Leben noch bärenredlich als Lachsfänger und Eierdieb verdiente. Er war sehr verärgert über das Verhalten seiner Gefährten. "Haben die denn den Kopf verloren?" polterte er, und sein Schimpfen hallte weit über Länder und Meere. "Wir Bären lassen doch keinen Affen aus uns machen!"

"Entschuldige mal!" schrie der Oberaffe aus dem Dschungel zurück, und sein Protest hallte ebenfalls weit um die Welt. "Das mit dem Affen nimmst du zurück! Wir Affen grinsen nicht so bärendämlich vor uns hin wie deine Leute es tun. Merk dir das, du Oberbär, du!"


"Schon gut, schon gut", grummelte der Oberbär. "So habe ich das nicht gemeint. Aber sauer bin ich schon." Auf der Welt aber bärte es immer mehr, und weil diese ganze Bärerei den Menschen noch nicht genügte, hatten sie eine neue Idee: "Wir feiern Bärenweihnacht", sagten sie.

"Eine bärenmäßig gute Sache!" Und während der Oberbär im fernen Alaska vor Entsetzen aufheulte, malten die Menschen Bären auf Geschenkpapier und Weihnachtskarten, behängte Christbäume mit Weihnachtsmannbären und Teddybärkugeln und sangen:
"Bärige Weihnacht überall, bärige Weihnacht überall. Weihnachtszeit. Bärenzeit. Bären bringen alle Freud. Bärige Weihnacht überall..."

Das war den Bären nun aber doch zu viel. Der Gesang und das verzweifelte Geheule des Oberbären dröhnte in ihren Ohren. Schließlich hielten sie es nicht mehr aus, und so kam es, dass in der Weihnachtsnacht überall Bären mit zugehaltenen Ohren durch die Straßen rannten und auf Nimmerwiedersehen verschwanden.

Die Bärerei hatte so ein Ende gefunden. Nur die Teddys in den Kinderzimmern waren geblieben. Sie hatten sich in jener Nacht wie immer in die warmen Kinderarme gekuschelt und tief geschlafen. Das war auch gut so.

Die Erwachsenen aber wunderten sich, als sie ihre Bären auf Christbaumkugeln, Tassen, Pullis, Hosen, Dosen und so weiter vermissten, doch sie gewöhnten sich an ein Leben ohne Bärengesichter. Allerdings sollen, so sagt man, erste Grinsbären wieder aufgetaucht sein.

Aufgepasst !!! Und schaut mal in der Weihnachtsnacht aus dem Fenster...!





DAS WEIHNACHTSWUNDER

Opa Heinrich war seit einem Vierteljahr Witwer und fühlte sich sehr einsam: Nun stand auch noch das erste Weihnachtsfest ohne seine liebe Frau bevor und das machte ihn noch trauriger. Was konnte er nur machen, um wieder fröhlicher zu werden, denn für ihn musste das Leben doch noch weitergehen. Ja, wenn doch nur ein lebendiges Wesen um ihn herum wäre, dann ließe es sich besser klarkommen. Aber er sah keinen Ausweg.
Nun war der Heilige Abend gekommen und Opa Heinrich hatte kaum Lust aufzustehen. Wozu denn auch wohl? Müde schleppte er sich durch den Tag. Dann entschloss er sich doch dazu, sich sein Lieblingsessen zu kochen und danach hatte er vor, sich durchs Fernsehen unterhalten zu lassen. Aber er wurde immer wieder abgelenkt durch den Gedanken an seine verstorbene Frau, was ihn wieder traurig werden ließ.

Auf einmal horchte er auf: Was war das da eben für ein Geräusch? Hörte sich an wie ein Jaulen. Da war es wieder. Es kam von draußen vor der Tür. Opa Heinrich öffnete sie und traute seinen Augen kaum. Vor der Tür fand er einen kleinen schmutzigen Hund, der ihn traurig, aber erwartungsvoll ansah. Es war ein kleiner Terrier, ein Westie. Seine Fellfarbe war schwer auszumachen. "Na, denn komm erst mal rein, kleiner Kerl", sagte Opa Heinrich und der Hund ließ sich das nicht zweimal sagen.
Schon war er in der Wohnung. Opa Heinrich fütterte ihn erstmal mit den Resten von seinem Weihnachtsessen und merkte, wie hungrig der kleine Hund war. Dann steckte er ihn in die Badewanne, denn das hatte er bitter nötig.
Als Opa Heinrich ihn abfrottiert hatte, traute er abermals seinen Augen kaum, denn der Kleine war auf einmal schneeweiß und sah wunderschön aus. "Du bist ja wirklich ein Hübscher", meinte Opa Heinrich. Zu Dir würde der Name Schneeflöckchen passen. Aber da das etwas lang ist, wurde dann Flöckchen daraus.
Opa Heinrich fühlte sich zum ersten Mal nach dem Tod seiner lieben Frau überhaupt nicht mehr einsam. Dann fiel ihm aber ein, dass der Hund wohl einen Besitzer haben musste. Obwohl, ein Halsband trug er nicht. Schweren Herzens entschloss sich Opa Heinrich eine Suchanzeige in der regionalen Zeitung aufzugeben, denn es musste doch alles seine Ordnung haben.

Die Zeit verging, aber niemand meldete sich auf die Anzeige. War der kleine Hund ausgesetzt worden? Opa Heinrich wusste es nicht. Aber eins wusste er ganz bestimmt: Flöckchen war sein ganz persönliches Weihnachtswunder und sie lebten noch viele Jahre schön und friedlich miteinander.

Diese Geschichte hat sich tatsächlich ereignet, nicht ganz so, aber so ähnlich!


DER WEIHNACHTSKARPFEN

Ich war stock sauer. Heiligabend um 10 Uhr vormittags lieferte unser Fischer 42 Karpfen für unser Restaurant, und die mussten sofort ausgenommen, geputzt und halbiert werden, da wir am ersten Weihnachtstag ein volles Haus erwarteten.
40 Karpfen waren schon vorbestellt und die anderen zwei waren als Festtagsessen für meine Familie gedacht, zumal eine Tante am freien Heiligabend zu Besuch kam, für die ein Weihnachtskarpfen zur Tradition gehörte.
Wütend ging ich ans Fische herrichten als ich plötzlich bemerkte, dass 2 Karpfen noch Lebenszeichen von sich gaben. Ich nahm eine große Wanne und füllte Sie mit frischem Wasser. Dann legte ich die beiden Karpfen vorsichtig hinein und machte mich an die Arbeit.
Nach 2 Stunden war ich fertig und ich sah nach meinen beiden Freunden, die sich trotz einer großen Wunde am Kopf prächtig erholt hatten - und die sollten jetzt für unser Abendessen in den Kochtopf??? Ich hatte ja schon fast eine persönlich Beziehung zu den beiden Fischen und wenn sie so etwas an Heiligabend überlebt haben, dann haben sie sich ein Leben in Frieden und Freiheit verdient.

Kurz entschlossen packte ich die Fische in einen Eimer mit Wasser und fuhr zum Keinhessloher See und entließ sie in zu ihrem wohlverdienten Lebensabend wieder frei. Eigentlich war ich richtig glücklich über meine Weihnachtstat, jetzt musste ich nur noch der Tante erklären, warum sie an Heiligabend zum Essen nur Dosenfisch bekommt - aber ich glaub sie hat's verstanden.
Drei Jahre später, im Oktober, ging ich mit meinem Hund am Kleinhesseloher See spazieren, als ich einen Angler sah. Ich ging zu ihm und kam mit ihm ins Gespräch.: "Eigentlich gibt's hier keine besonderen Fische" erzählte er," aber seit 2-3 Jahren gibt's hier sogar Karpfen und keiner weiß woher die gekommen sind. "Ich sagte nichts, musste aber lächeln, dass meine Weihnachtskarpfen ihr Überleben mit reicher Nachkommenschaft gedankt hatten.
Irgendwie hatte ich die gleiche Weihnachtsstimmung wie damals.
..

EIN BEAGLE FEIERT DEN HEILIGEN ABEND

Also liebe Mitbeagle, diese Geschichte hat sich einige Monate nach meiner Adoption abgespielt, als ich aus der Labornummer 800865 zu Snoopy, auch genannt Snoops, wurde. Es war der 24. Dezember, den meine Leute den "Heiligen Abend" nennen.
Bepackt mit Paketen und Päckchen fuhren wir zu Frauchens Schwester. Unterwegs herrschte übelstes Regenwetter, gepaart mit Kälte und Sturm. Ein Wetter, bei dem ich mich gewöhnlich weigere vor die Tür zu gehen.
Frauchens Schwester hat keine eigenen Haustiere, ist aber vernarrt in Hunde, besonders natürlich in mich. Jedes Mal wenn ich komme, hat sie eine besondere Überraschung für mich.

Aber dieses Mal hatte sie sich selbst übertroffen!!! Ich raste ins Haus, und da sah ich ihn!!! Sie hatte mir doch tatsächlich einen eigenen Baum ins Zimmer gestellt!!! Welche Freude, kein Spaziergang bei diesem Mistwetter!!!
Ach, wie der Baum duftete, als hätte sie den ganzen Wald ins Zimmer geholt. Zwar hing allerlei überflüssiger Kram am Baum (jedenfalls war nichts fressbar), und darunter lagen viele Pakete. Das verstand ich nicht, aber Menschen sind halt manchmal komisch.
Sofort begann ich den Baum rundherum zu markieren, traf auch ein paar Päckchen und bepinkelte noch ausgiebig das Kaminholz.
Nun nahm ich mir die Pakete vor. Aus einem duftete es besonders gut. Ich zerfetzte das Papier und erbeutete einen Schwarzwälder Schinken. Den habe ich erstmal unter den Seidenkissen auf dem Sofa versteckt. Den Räucherlachs und die Forellenfiles fraß ich vorsichtshalber sofort, schob einen halben Christstollen nach und packte noch einige Dominosteine, Spritzkuchen und Kekse obendrauf.

Als wirklich nicht mehr in mich rein ging, nahm ich mir die anderen Pakete vor, (nur nicht die bepinkelten, die stanken mir zu sehr). Ich zerfetzte das Papier, schredderte die Kartons und verstreute den Inhalt im ganzen Zimmer.
Irgendwie muss mein Fehlen dann aufgefallen sein. Plötzlich stand Frauchen in der Tür des "Weihnachtszimmers" und stieß einen gellenden Schrei aus. Alle kamen und brüllten auch. "Sauhund, Höllenbrut, Fresssack, Mistköter" und ähnliche Worte donnerten an meine Schlappohren. "Das ist ein Weihnachtsbaum, den pinkelt man nicht an". "Du hast Uromas Präsentkorb fürs Seniorenheim fast leergefressen"!!!
Erschreckt schaute ich auf das Chaos das ich angerichtet hatte!! Na ja, richtig böse war eigentlich niemand. Ich war auch langsam müde, rollte mich auf meiner Decke zusammen und schlief.
Meine Strafe bekam ich aber trotzdem. All die Köstlichkeiten, die ich zu mir genommen hatte, wollten wieder raus aus mir, und zwar vorne und hinten. Das hieß, vor die Tür bei Mistwetter!!!

Meine Geschenke habe ich dann erst am nächsten Tag ausgepackt.
In diesem Sinne, frohe Weihnachten! Euer Snoopy-Snoops


EIN UNGEWÖHNLICHER WEIHNACHTSABEND

An einem 24. Dezember klingelte das Telefon. Ich war sehr von dem Anrufer überrascht; der Mann wollte eine Perserkatze kaufen. Gut, dass er eine Perserkatze kaufen wollte war noch in Ordnung und auch nicht ungewöhnlich, aber am "Heilig Abend"? Kurz entschlossen, da ich der Sache überhaupt nicht traute, bat ich ihn um die Telefonnummer, um ihn zurückzurufen.

Nach dem ersten Klingeln hörte ich erneut seine Stimme. "Es war kein Scherz!" Der Mann wollte mit aller Gewalt und Vehemenz, dass wir ihm (mein Mann und ich) die Katze in die Pfalz fahren sollten und zwar jetzt gleich. Es war mittlerweile 15.00 Uhr.

Verstehen konnte ich ihn nicht. Natürlich sagte ich ihm das auch direkt, dass ich am Heilig Abend jetzt eigentlich nicht meine Perser durch die Gegend fahren wollte. Er beharrte aber darauf, dass er die Perser dringend jetzt und nicht früher oder auch nicht später haben müsste. Sein Sohn hätte sich so auf die Perser gefreut und er wollte ihn überraschen. Daraufhin fragte ich ihn, ob er denn überhaupt ein Katzenklo, Futter usw. hätte. "Natürlich" kam sofort seine Antwort.

Er klang aber so bestimmend und trotzdem auch traurig irgendwo, dass ich nicht widerstehen konnte. Es war ja Weihnachten und ich wollte schon seinem Sohn, unbekannterweise, eine Freude machen.

Wir hatten nur noch unseren Rico (Amerigo) und er war ein wunderschöner Cremekater. Nachdem ich mit dem Mann auch noch die Farbe besprochen hatte, erklärte ich mich bereit, dass wir gemeinsam ihm die Katze bringen würden. Er sagte uns noch zu, dass er die Benzinkosten übernehmen würde.

Sprachlos wie ich war, überzeugte ich meinen Mann, dass wir "gemeinsam" jetzt in die Pfalz fahren würden, Eis hin, Schnee her. In diesem Jahr hatten wir immens viel Schnee und natürlich auch Glatteis. Nur aufgrund seines Sohnes erklärte ich mich innerlich überhaupt dazu bereit, bei diesem Wetter 100 km zu fahren

Wir standen nach 2 Stunden Fahrt, obwohl die Fahrt einfach ja nur ca. 50 km betrug, vor einer Riesenvilla. Erst dachten wir beide, das ist doch ein Scherz! Aber nein, er öffnete die Tür und ließ uns rein.

Wir zeigten ihm Amerigo und ich fragte ihn, ob er ihn denn mag. Ich war immer sehr eigen, wem ich meine Tiere verkaufte, ich züchtete aus Lust und Tierliebe und nicht wegen irgendwelchem Profit.

Ja sagte er, Rico ist ein wunderschönes Tier und ja er wüsste auch, wie man Perserkatzen pflegt, Kämmen des Fells etc. Rico schnurrte sogleich, somit war mir der Mann sofort mal sympathisch.

Er gab uns das Geld und fragte, ob wir noch etwas mit ihm trinken würden. Er gab auch zu, dass es schon eine Zumutung gewesen sei, aber sein "Sohn". Natürlich wollten wir seinen Sohn kennen lernen, der war aber irgendwo bei Freunden, meinte der Mann. Ja, sagte ich, sind sie Witwer? Sie leben ganz allein mit ihrem Sohn in dieser großen Villa!? Nein, meinte er, er wäre verheiratet und seine Frau sei auch irgendwo beim Einkaufen. Ob wir nicht noch eine Weile bleiben könnten, fragte er danach.

Irgendwie war mir das unangenehm, da ich Weihnachten eigentlich mit meiner Familie und meinen Tieren und vor allen Dingen Zuhause verbringen wollte.

Ich konnte es aber nicht ausschlagen, er war so traurig, trotz Rico auf dem Schoß. Wir blieben eine Weile und er zeigte uns das ganze Haus, mit Swimmingpool, Sauna und Riesengarten mit dekorierten Weihnachtsbäumen. Rico bekam in der Zwischenzeit Wasser, Futter und einen Korb zur Verfügung gestellt. Die Weile betrug dann so ca. 3 Stunden. Mitten in der Nacht fuhren wir dann noch mit Werbegeschenken seiner Firma still und leise nach Hause.

Seine Frau, oder seinen Sohn haben wir nie kennen gelernt. Ich glaube, irgendwie feierte er wohl mit unserem Kater ganz allein Weihnachten in diesem großen Haus. Die Geschichte ist mir auch heute noch so lebhaft in Erinnerung, obwohl sie schon 20 Jahre her ist.

Seit der Zeit weiß ich ganz genau, dass Geld wirklich nicht alles ist. Diese tiefe Trauer, diese Einsamkeit die er in sich trug, vergesse ich nie.
Rico hatte ein Superleben, er konnte draußen rumrennen ohne Gefährdung, er bekam das Feinste und von unserem Käufer eine Menge überschüssiger Liebe. Trotzdem war es für mich eines der traurigsten Weihnachtserlebnisse die ich hatte. Mit Ricos Besitzer blieben wir telefonisch in Kontakt, bis er leider mit 54 Jahren schon starb.

Weihnachten ist das Fest der Liebe und somit für mich ein Fest der Familie und den Menschen, die man sehr liebt und mag. Weihnachten war für mich noch nie ein Fest der Trauer, Besinnlichkeit ja, aber nicht der Einsamkeit. Deshalb wünsche ich auch allen Menschen eine Frohe Weihnachten ohne Einsamkeit.



SQUEEZY'S ADVENTSRUHEPAUSE

"Es beginnt die stille Zeit – die stade Zeit!" sagte Regina zu den Elefanten. Squeezy, mein Lieblingselefant, sah überrascht auf. Was ist das nun wieder?
Hinter Regina, meine kleine Freundin, kamen noch Wolfgang, ihr Bruder und Waltoro, der Wärter, herein. Er hatte einen großen grünen Kranz dabei.

Regina holte aus einer Tasche lange rote Schleifenbänder heraus. Diese wurden vier Mal um den Kranz gebunden. Squeezy tastete mit seinem Ziehharmonika-Rüssel nach dem Kranz. Es riecht frisch nach Tannengrün. Regina wehrte ihn ab und sagte:
"Nicht kitzeln, ich muss doch die Schleifen binden."

Wolfgang hatte einen Karton unter dem Arm. Sein Rüssel tastete nun diesen an. Sie scherzten miteinander. Dann öffnete Wolfgang den Karton. Es kamen vier dicke, rote Kerzen zum Vorschein. Auf dem Kranz befestigte Waltoro Kerzenhalter, darauf kamen die Kerzen.

Squeezy zählte:
Eins – Täteretäää -
Zwei – Täteretäää -
Drei – Täteretäää -
Vier – Täteretäää –

Regina erklärte es ihm:
"Der erste Advent läutet die vorweihnachtliche Zeit ein und ihr sollt auch eine zauberhafte Weihnachtszeit bekommen."
Waltoro hängte den Kranz an einen Haken oben an der Ecke. Über dem Eingang befestigten sie ein Bündel Misteln. Sie sangen alle zusammen Weihnachtslieder.

Squeezy wollte die Kerzen angezündet sehen. Sie winkten alle ab:
"Nein heute nicht, erst am ersten Advent, das ist am Sonntag."
Squeezy ging zu Elemut und Vanto und fragte die beiden Löcher in den Bauch. Geduldig hörte er zu.

Am Sonntagvormittag hatte Regina einen langen Holzstab mitgebracht. Damit zündete sie die erste Adventskerze an.
Die Mutter hat für die Elefanten einen Adventsteller hergerichtet. Darauf befanden sich Lebkuchen, Weihnachtsplätzchen und viele andere Köstlichkeiten. Nachdem sie miteinander gesungen haben, machte sich Squeezy mit einem -–Täteretäää – über die Leckerbissen her.

Mandarinen und Äpfel hatte sie gleich verspeist. Die Nüsse machten schon
andere Probleme, bis Squeezy dahinter kam, dass man mit dem Bein auf die Nuss steigen musste, dann war sie geknackt und man konnte den aromatischen Inhalt verspeisen.
Die ausgezeichneten Weihnachtsplätzchen und die leckeren Lebkuchen wurden an Elemut und Vanto verteilt.

Squeezy bekam Durst auf die vielen Süßigkeiten und wollte unbedingt Adventspunsch haben. Einen großen Kübel voll hatte man für sie hergerichtet.
Waltoro wollte sagen: "Wenn wir nicht bald aufhören zu füttern, haben sie heute keinen Appetit zum Mittagessen." Da war es bereits zu spät.

Squeezy war bis oben hin abgefüllt. Statt einem fantastischen – Täteretäää – erklang ein jämmerliches – Tät rä tä – und dazu

"Ich bin so satt,
Ich mag kein Futter mehr,
Ich bin so matt,
Ach bringe mir zum Ausruh'n ein Bett her."

Squeezy lies sich in die nächste Ecke fallen und schlief schnarchend ein.
Waltoro sagte zu Squeezy:
"Träum was süßes" und zu den Kindern:
"Wir wollen gehen!"
Squeezy braucht dringend eine Adventsruhepause.



WEIHNACHTEN AUS DER SICHT EINES TIERES

Also, ich weis das Weihnachten ein Fest der Liebe ist und das jeder sich darauf freut den gemütlichen Familienabend zu genießen. Wir Tiere sind ja meist auch ein Teil der Familie. Nur irgendwie sind Frauchen und Herrchen gerade an den wunderbaren Tagen meist zu beschäftigt, um auch an uns zu denken. Und das ist nicht nett. Für all die, die uns nur ab und an einen liebevollen Weihnachtsblick zu werfen will ich mal klarstellen, wie wir das sehen.

Ich habe das Glück mit meinem Käfig im Wohnzimmer zu stehen. An einem warmen, netten Platz. Das ganze Jahr lang. Nur nicht an Weihnachten. Das ist nämlich der einzige Platz, an dem sie diese riesige, schmackhaft riechende Tanne unterbringen können. Also werde ich samt Heim mal eben in eine andere Ecke gepackt wo ich voll eingemauert bin und kaum was sehen kann.

Ich renne also zum Gitter, mache brav Männchen und ringe um Aufmerksamkeit. Und was passiert? Frauchen rennt mich fast um, als sie schaut ob der Baum auch ja gerade steht. Hallo, hier bin ich!!! So geht das ganze `ne geschlagene Stunde weiter. Ich probiere zu schlafen, aber das geht nicht. Herrchen flucht zu laut weil er sich ständig sticht als er im Baum hängt. ICH würde das ja gerne machen, aber mich fragt ja hier niemand.

Nachdem der Baum endlich ordentlich steht und ich mich strecke um endlich wieder im Mittelpunkt zu stehen, da kommt mein Frauchen auch schon auf mich zu. Ja! Aber... he! Oh, ich stehe neben dem Karton mit diese leckeren bunten Kabeln und Lichtern. Na ja, zumindest waren sie da bis jetzt noch drin. Also wieder nichts.

Ich ziehe mich schmollend an meinen halbleeren Futternapf zurück und fische mir vor Weihnachtsfrust nur die leckeren Sachen raus. Da meckern sie immer. Nur heute natürlich nicht.

Herrchen hängt jetzt nicht mehr unterm Baum, sondern dahinter. Mit der Leiter. Wenn der so weitermacht, kann ich mir die Aufbauarbeiten gleich noch mal ansehen. Ich probiere meine Familie zu ignorieren. Und erst recht den Baum, der mir die Show stiehlt. Aber jede Nadel die runter fällt sieht so frisch und knusprig aus.... lasst mich raus !!!!!

Nachdem ich schon vollkommen apathisch im Käfig sitze und still grummelnd in der Pfütze der Wassertränke herum wühle, die ich gerade entdeckt habe scheint das hier endlich ein Ende zu haben. Der blöde Baum leuchtet und ist mit herrlichem silbernen Heu bedeckt. Köstliche Kugeln hängen an ihm, die super zum spielen sind, und lauter knusprige Lebkuchenkekse. Wenn mir nicht bald jemand was ordentliches zum Futtern in den Käfig steckt stelle ich mich tot.

Ich halte diese Gerüche auf nüchternen Magen nicht mehr aus. Und die blöden Stix kann ich echt nicht mehr sehen. Was ist das? Der Karton ist leer, die beiden lächeln sich an. Fertig??? Jippi!!! O. k., das sie die CD rein legen kann ich ja noch gerade verkraften. Aber nun bin ich endlich wieder dran.

Was ist denn das da im Schrank? Wow... lauter bunte Papierschachteln. Und lauter leckere Ecken zum ansetzen der Zähne dran. He, nicht auf den Tisch! Zu mir! Hier! Ich hüpfe aufgeregt im Käfig hin und her. Frauchen dreht sich um, lächelt mich an und dann kommt sie zu mir. Seufz. Ja, darf ich nun wieder raus? Ich will alles erkunden und plündern. Bitte!

Ich sehe sie mit meinen allerbesten Blick an, da kann sie nicht hart bleiben. Nie. Zumindest krault sie mich jetzt schon durch die Gitterstäbe. Na warte, wäre ja gelacht wenn ich das nicht hin bekomme. Ich renne also zur Tür und mache mich wieder lang. Frauchen seufzt. Komisch, das tut sie sonst nie wenn ich das mache. Sie dreht sich zu Herrchen um, der die bunten Schachteln unter den Baum legt. Genau meine Höhe.

Herrchen schaut Frauchen an, Frauchen Herrchen, beide mich. Was soll das? Ich ahne was... NEIN!!! Die meinen das ernst. Ich sitze hier fest. Alleine und verraten. Spinnen die? Nachdem ich den ersten Schock überwunden habe schwanke ich zwischen der Überlegung sie für den Rest meines Lebens nicht mehr zu mögen und der Versuchung laut zu schreien.

Gerade als ich mich für letzteres entschieden habe und zu meinem kläglichsten Fiepen ansetze (das haben sie nun davon), verschwindet Frauchen aus dem Zimmer. Mist, Herrchen fällt da fast nie drauf rein. Und da er gerade das Licht ausmacht, kann er meine schön ausgearbeitet Parodie eines Schwerkranken auch nicht sehen. Dafür ist das Licht vom Baum zu schwach. Das reicht. Ich hasse Weihnachten.

Ein paar Sekunden später bricht hinter der Tür Jubel aus. Ah! Die Kinder. Nun bin ich gerettet. Das sind meine besten Freunde. Die Tür geht auf, die Kinderaugen leuchten. Sie lachen, sehen in meine Richtung, dann an mir vorbei zu den bunten Schachteln. Ich verzweifele langsam. Immerhin sind sie so feinfühlig noch mal kurz "Hallo" zu sagen, als sie an mit einem heftigen Windstoß an meinem Gefängnis vorbei hechten. Na prima. Jetzt ist mir alles egal.

Ich dachte bis heute ich hätte Ahnung von der Lebens- und Verhaltensweise der Menschen. Aber dem scheint nicht so zu sein. Also mache ich es mir gemütlich, drehe mich mit dem Gesicht zur Wand und probiere das Gelächter, die Gerüche und das herzhafte zerreißen von Papier zu ignorieren. Auch die Jubelrufe, die ICH ihnen eigentlich immer nur entlockt habe wenn ich was tolles gelernt hatte.

Ab und zu riskiere ich einen Seitenblick. Vielleicht überlegen sie es sich Ja noch mal anders und nehmen mich auch wieder zur Kenntnis. Toll, die futtern Süßigkeiten. Und ich kann hier verhungern. Während ich laut fluchend vor mich hin schmolle, klopft irgendwas an mein Gitter. Was ist denn nun los?

He, JETZT will ich hier nicht mehr raus. Ihr habt sie ja wohl nicht mehr. Lasst mich in Ruhe. Ich will nicht auf die Couch schmusen. Doch .... halt! Was ist das? Ich glaube es nicht. Auf dem Tisch steht ein wunderbares Schlafhaus. Das ist viel zu klein für die Menschen. Das muss für mich sein.

Und da... neben den bunten Tellern. Da steht ein kleiner. Mit Heukräckern und Drops. Obst, Kräuter, Papprollen.... ich bin im Paradies! Bestimmt bin ich doch eingeschlafen. Ich vergesse vor Schreck glatt, das ich eigentlich sauer bin und fange wild an zu zappeln und stürze mich auf die leckeren Sachen.

Nachdem ich wieder zu mir komme (ich muss ganz schön was verdrückt haben, der Teller ist schon viel leerer), sehe ich mich um. Und ehe jemand mich aufhalten kann, bin ich in einem riesigen Berg buntem Papier untergetaucht. Nur mit Mühe und Not schaffe ich es zurück an die Oberfläche. Dort sehe ich in die Gesichter MEINER Familie. Alle sehen mich an und Lachen. Herrchen fotografiert sogar. Ist Weihnachten nicht wunderbar?

Deswegen: Beim Weihnachtseinkauf auch an die tierischen Mitglieder Deiner Familie denken!


WEIHNACHTEN IM KUSCHELZIMMER

Diese Weihnachtsgeschichte wird uns von Nicki, einer schon recht betagten Katzenmutter erzählt:
„Ihr wisst bestimmt auch meine lieben Katzen, dass Weihnachten ein tolles Fest ist, daher will ich euch mal eine Geschichte aus meiner Jugend erzählen. Heute bin ich eine 20 jährige Seniorin, die nicht mehr ganz so neugierig bei diesem hektischem Treiben ist, aber damals da wunderte ich mich schon ein wenig.......

Irgendwie war alles anders als sonst. Frauchen kam täglich schwer bepackt mit Päckchen und Taschen nach Hause. Und dieses Mal durfte ich nicht wie sonst, überall mal meine Nase hereinstecken um zu sehen, was sie uns denn Gutes mitgebracht hatte. Nein seltsam, sobald sie ihr Fell abgestreift und an den Haken gehängt hatte, schleppte sie die Tüten ins warme Kuschelzimmer. Dort öffnete sie geheimnisvoll die Schiebetüren des Schrankes und stopfte dort alles hinein.

Ich wollte protestieren, denn schließlich war dort oft mein Nachtlager auf den weichen Handtüchern oder der Bettwäsche, aber warte, ich würde mir meinen Platz schon wieder erobern. Nachts machte ich es mir dann schön bequem und raschelte nach Herzenslust in den ganzen Papierknäuels, bis mich mein Frauchen unwillig zurecht wies und mich einfach aus dem Schrank warf. Na das konnte ja heiter werden.


Aber schon am nächsten Tag wurde ich für die erlittene Enttäuschung entschädigt. Nach meinem Morgenspaziergang, oh was war das lausig kalt gewesen, strömten die herrlichsten Düfte an meiner Nase vorbei. Aufgeregt schmiegte ich mich an Frauchens Bein und rieb mein Köpfchen schon in Vorfreude auf die Happen, die da kommen würden. Doch irgend etwas stimmte nicht, sie schien nicht zu merken, dass ich da war, also miaute ich mal laut um ihr Bescheid zu geben, aber sie ließ nicht einen Krümel fallen und sich auch nicht durch meine Klagelaute erweichen, sondern forderte mich recht unsanft zum Verschwinden auf.

Mit hoch aufgerichtetem Schwanz, sie keines Blickes würdigend schritt ich beleidigt aus der Küche, schließlich hat man ja auch seinen Stolz. Mal sehen was meine Spielkameraden machten. Au fein, die waren in Spiellaune, sie rollten und knisterten immer mit buntem Papier und hatten mir auch kleine Kügelchen daran befestigt. Besonders die Kordel gefiel mir und so zog ich immer an der einen Seite und mein Zweibeiner an der anderen. Danach ging es zum raschelnden Papier.

Wir spielten verstecken, sobald ich an der einen Seite des Papiers hervorlugte, zogen sie an der anderen Seite und wollten mich schon einwickeln. Dann rannte immer einer von den Beiden hinter mir her, sobald ich mir mal eine Kleinigkeit von den diversen Rollen und Döschen geschnappt hatte. Ja das war doch ein feines Spielchen, aber Teil für Teil verschwand im Papier. So machte ich mich an die Arbeit, es wieder herauszuholen. Nun wurde das Spiel aber immer hektischer, sie jagten mich zu zweit und liefen laut schreiend zu meinem Frauchen in der Küche. Und "bumms" wurde die Türe vor meiner Nase zugemacht. Ja was war denn nur los? Hatte mich denn gar keiner mehr lieb und wollte mich mal streicheln? So zog ich ins große Schmusezimmer, schließlich würde Herrchen doch bald kommen.

Ich hatte gerade ein Ründchen geschlafen, da kam mein Herrchen mit einem riesigen Stachelbaum. Wie schön, da gab es aber viel zu schnuppern und nicht nur das, ich bekam jede Menge Holzstückchen, die noch ganz frisch und feucht waren. Wie, ich darf damit nicht spielen? Schwer keuchend verschwand der schöne Baum in einem Topf und Herrchen jaulte plötzlich auf. Au weia, das kannte ich, nichts wie weg hier, jetzt wurde es ungemütlich. Ich betrachtete das Geschehen lieber aus sicherer Entfernung.

Irgendwann muss ich wohl wieder eingeschlafen sein, denn plötzlich wurde ich durch ein Klirren geweckt. Der schöne Baum, man hatte mir ganz viel Spielzeug daran gehängt, wie aufmerksam! Sofort machte ich mich an die Arbeit und versuchte erst mal die Kugeln zu fangen, das machte Spaß. Mit Rieseneifer holte ich Kugel für Kugel wieder vom Baum und fegte mit den glänzenden Dingern über den Boden. Solche schöne Mäuschen hatte ich sonst nicht, toll wie sie rollten.

Ich hatte schon ein ansehnliches Sortiment unter der Couch angesammelt (so nannten meine Zweibeiner das bequeme kuschelige Sitzmöbel immer), als ich wohl zu übermütig an eine Kugel im Baum sprang, denn plötzlich wollte mich der Baum fangen und stürzte auf mich zu. Völlig erstaunt drückte ich mich erschreckt auf den Boden. Schon hatte ich auch das Interesse meiner Familie geweckt, die mich bestimmt trösten wollten, weil ich mich so erschrocken hatte.

Leider sah ich mich getäuscht, denn stattdessen wurde ich mit lautem Lamento (wenn alle so durcheinander schnattern) unsanft vom Boden gehoben und nach draußen verfrachtet. Was sollte ich hier? Drinnen waren die gute Gerüche und die Leckerbissen. Apropos Leckerbissen, mal sehen ob sich noch irgendwo ein Mäuschen herumtrieb.

Lange musste ich auf der Lauer liegen, aber für einen geübten Jäger eine Kleinigkeit. Meine Geduld wurde belohnt und blitzschnell schnappte ich zu. Stolz trug ich meine Maus im Maul nach Hause. Man hatte sich wieder meiner erinnert und ließ mich auf mein Kratzen hin herein. Keiner beachtete mich so recht, dabei hatte ich doch solch ein schönes Geschenk mitgebracht.

Im großen Schmuse-Streichelzimmer stand der Baum wieder und meine ganzen schönen Kugeln unter der Couch waren verschwunden und hingen wieder an demselben. Wohin nun mit meiner Maus? Wie konnte ich sie meinen Menschen zeigen, damit ich endlich meine Belohnung bekam?

Ach ja, da standen Teller mit bunten allerlei holzigen Kugeln, da würde ich sie ein wenig verbuddeln. Stolz legte ich mich neben den Teller und wartete darauf, dass mich endlich jemand für meine tolle Jagdbeute lobte, aber ich musste mich gedulden. Sie saßen dort am Tisch vor vielen Päckchen und zerrten an dem Papier, um alles wieder auszupacken. Komisch, und mir haben sie dafür die Türe vor der Nase zugeknallt, ungerechte Welt!

Nun kommt doch endlich auch mal mein Geschenk gucken. Endlich war es soweit, einer meiner Spielkameraden steuerte auf meine Maus zu. Er nahm sich die Holzdinger und quetschte sie in eine Zange, um dann doch alles wieder in kleinen Stücken in eine Schale zu legen. Blödes Spiel, Kugeln gefallen mir entschieden besser. Aber endlich packte er auch meine Maus. Doch was war das?

Er sprang auf und quiekte und ließ mein schönes Mäuschen wieder fallen. Plötzlich standen alle Zweibeiner um mich herum und wollten mein Geschenk bewundern. Blitzschnell packte ich es wieder und trug es zu meinem Frauchen. Sie streichelte und lobte mich.

Sie hatte vollstes Verständnis dafür, dass ich meine Maus nicht als Geschenk verpacken konnte und quiekte nicht. Ihr gefiel mein Geschenk auch so. Sie belohnte mich endlich mit den ersehnten köstlichen Happen, so hatte sich doch meine Jagd gelohnt und das Weihnachtsfest konnte auch für mich anfangen. Ich bekam ein Tellerchen mit kleinen Hackfleischkugeln, die ich von da an, immer zu Weihnachten bekam, sogar wenn ich mal keine Maus gefangen hatte.

Also meine lieben Katzen, wenn ihr euren Zweibeinern ein Geschenk zu Weihnachten machen wollt, versucht es, ein wenig unter buntem Papier zu verstecken, denn das scheint die Zweibeiner sehr zu freuen.“


Weihnacht bei den Tieren

So alt war Vater Krohn, dass er sich auf sein Gehör nicht mehr verlassen konnte, das ihm doch bislang gut gedient hatte. Immer glaubte er, es kämen Schritte – er wartete ja, dass sein Sohn von drüben ihm zur Weihnachtsfeier holte, aber er wartete schon lange, man hatte ihn wohl vergessen.
Als der Altenteiler da nun trübselig saß, überlegte und halblaut seine Gedanken vor sich hin sprach, stand auf einmal der kleine Busemann Puk vor ihm. Das ist der Knirps aus dem Stall, den man nur zu hohen Festen sieht. Kindsgroß schien er und hatte eine neue rote Mütze auf dem Kopf.
" Kommst mit, Vater Krohn?"
"Wie soll ich mit die gehen", knurrte der Alte, "meine Kinder werden mich gleich holen!"
Der Zwerg murrte und war nicht mehr zu sehen.
nach einer Weile kam Busemann wieder.
"Willst jetzt mit, Vater Krohn, das Essen ist bald gar!"
"Schönen Dank, Busemann, aber sie zünden drüben wohl noch die Lichter an."
Als wieder eine Stunde vergangen war, zeigte sich der Kleine zum dritten Mal. "Die drüben sind schon mitten im Feiern, kommst jetzt mit mir?"
Da nickte der Bauer trübsinnig; Busemann kletterte blitzschnell auf den Stuhl und zog ihm seine gestrickte Mütze über den Kopf. Was glaubt ihr? Im Augenblick, wo der Mützenrand die Brauen berührte, saß der Alte, hui, durch Wand und Tür hindurch, bei den Tieren im Stall. Die Ohren sausten ein wenig, sonst war nicht viel besonderes dabei.
Am Weihnachtsabend war Vater Krohn nie lange im Stall gewesen, er sah jetzt ein dass man zu allen Lebzeiten noch dazulernen muss. Wie gemütlich hatte dieser Busemann es sich doch eingerichtet! Nahe der Laterne die über den Kuhköpfen hinflimmerte und noch die Pferde beschien, hatte er ein Laken über eine alte Haferkiste gehängt. Fein und wunderlich war das Muster, es musste jemand an die hundert Jahre daran gewebt haben. Und eine Milchkruke stand darauf, zwei Messer und zwei Teller. Krohn rieb sich die Augen, das hatte er nicht für möglich gehalten!
War aber noch längst nicht genug! Busemann kroch wie durch ein Mauseloch fort und kehrte nach einer Weile mit einer brutzelnden Pfanne Bratkartoffeln wieder. Und als der Duft davon durch den Stall zog, ruschelte der Igel aus dem Stroh, wünschte fröhliches Fest und hielt den Hut hin, um sich etwas Abendessen zu leihen. Und die Ringelnatter, die bei den Kühen wohnt, so lange man denken kann, nahte mit einem Kragen von kleinen Glocken um den Hals und mit einem Krüglein für die Weihnachtsmilch. Als die beiden aber den Altenteilsbauern sahen, vergaßen sie warum sie gekommen waren. Der Igel machte einen höflichen Kratzfuß, holte eine Pfeife aus der Tasche und fragte, ob einer der Herren eins mit ihm rauche. Und die Schlange hob und drehte sich. Wäre der alte Krohn nicht so taub gewesen,hätte er sicher gemerkt, dass die kleinen Glocken in ihrer Halskette wie ein Weihnachtslied klangen.
Dann , als sie schon zusammenrücken wollten, schlug es draußen vom Kirchturm Mitternacht. Mit dem zwölften Schlag klirrte und polterte es, allen Tieren fielen die Ketten ab. Ja, mehr noch, sie begannen sich wie die Menschen über allerhand Dinge zu unterhalten. Von Koben und Raufen kamen sie, stellten sich, so gut es ging, zum Tisch und erkundigten sich nach des lieben Gastes Gesundheit. Die Stute sagte ihm sogar ein altes Hausmittel gegen Gicht, und jeder fügte einen Wunsch für Weihnachten hinzu. Aber die Tiere waren auch höflich, keines von ihnen fragte, warum der greise Bauer das Fest gerade hier im Stall feierte.
So wurde es wirklich eine schöne, gemütliche Stunde; der Igel legte etwas Tabak auf das Tischtuch, er hatte genug für jedermann, und der heisere Wachhund, der drüben bei den Menschen weggejagt war und humpelnd zum Tor hereinkam, wusste eine ellenlange traurige Liebesgeschichte, der alle kopfschüttelnd zuhörten. Sogar die fünf großen Balken über dem Stall fanden in dieser Stunde die Sprache und redeten ernst und weise von der Zeit, wo Bauer Krohn jung gewesen war. Sie kannten jede Kuh beim Namen, die er einst gehabt hatte.
Sonderbar, sann der Alte, da muss man von seinen Kindern vergessen werden, um zu erfahren , wer alles an einen denkt.
Ob er sich nicht auch eine Pfeife anstecken wolle, fragte der Igel wieder und reichte den Tabaksbeutel herauf. Gewiss sagte Krohn, er hätte wohl Lust darauf.
Während er sich noch verwunderte, wo er eigentlich hauste und wie alles möglich war, begann eine sanfte Musik vom Stallende. Die Leute standen auf und riefen, der Ommegang, das ist der feierliche Umzug, aus dem Garten sei da. Dann traten auch schon mit Lichtern durch ein Tor sieben Unterirdische ein, hinter ihnen das Brunnenfräulein, danach drei dicke Apfelknechte und neun Hollerfrauen. Die Weibsen hatten Schnee an den Füssen, schüttelten sich, tanzten doch gleich wieder und trieben mit den Tieren ihren Schabernack. Der arme Hund wurde umgeworfen, weil er zu sauertöpfisch dreinschaute, und Busemann klopften sie auf die dürren Schenkel und wünschten ihm auf seine alten Tage, dass er noch etwas wüchse.
Wirklich kam der halbe Garten mit Singen und Klingen und Tanzen bei den kleinen im Stall zu Besuch. Immer mehr Leute fanden sich ein; die Kühe warfen die Köpfe, als könnte ihre Art Reigen lernen, und auch die Schweine grunzten und standen auf den Hinterbeinen.
Dann, auf einmal, geriet alles ins Laufen, hin und her, husch, husch, husch und auf und davon. Die Lichter und winzigen Laternen waren wie fortgeblasen, nur die Brunnendirn, die im Ommegang die größte gewesen war, hatte Mühe durchs Tor hinauszufahren. Sogar die Tiere trappelten und trabten wieder an ihre Plätze, steckten die Köpfe ins Geschirr und taten, als wenn sie von nichts wüssten.
Die Tür ging auf, der junge Bauer leuchtete in den Stall.
"Mein Gott, wie bist du hier her gekommen, Vater?" fragte er , "wir suchen dich überall!"
Der Altenteiler wollte erst böse antworten, dann blickte er traurig in die Ecke, wo der bunte Ommegang verschwunden war. "Lass mich heuteAbend hier."
"Willst du nicht zu uns kommen ,Vater?" bat der Junge. Er sah ein feines Tischtuch über die Krippe gedeckt, wunderte sich und hatte ein schlechtes Gewissen.
Der andere winkte ihm. "Geh nur, ich habe noch was zu bereden. Da ist ein alter Freund zu Besuch", sagte er, "der wird gleich wieder da sein!"




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